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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:52 
Literat

Beiträge: 2947
Stalins berühmte "Zwillingstheorie". Sie erklärt zwar nicht zur Gänze den Faschismus (im Gegensatz zur dimitroffschen Definition), dafür um so mehr das Wesen der Sozialdemokratie. Stalins Genialität reichte immerhin soweit, daß er noch in einem Irrtum eine große Wahrheit entdeckte. Was hier beschrieben wird, ist im Grunde nichts als die Doppelstrategie, mit der Imperialismus im 20. Jahrundert dem Sozialismus gegenübergetreten ist.



"Manch einer glaubt, die Bourgeoisie sei, nicht der Not gehorchend, sondern aus eigenem Triebe, sozusagen aus freien Stücken, zum "Pazifismus" und "Demokratismus" gekommen. Dabei wird angenommen, dass die Bourgeoisie, nachdem sie die Arbeiterklasse in entscheidenden Kämpfen (Italien, Deutschland) geschlagen habe, sich als Siegerin fühle und sich jetzt den "Demokratismus" erlauben könne. Mit anderen Worten, solange entscheidende Kämpfe im Gange waren, habe die Bourgeoisie eine Kampforganisation, den Faschismus, gebraucht, jetzt aber, da das Proletariat geschlagen sei, brauche die Bourgeoisie den Faschismus nicht mehr und könne ihn durch den "Demokratismus" als die beste Methode zur Verankerung ihres Sieges ersetzen. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen, die Macht der Bourgeoisie habe sich gefestigt, man müsse die "Ära des Pazifismus" als lang andauernd, die Revolution in Europa aber als auf die lange Bank geschoben ansehen.

Diese Annahme ist völlig falsch.

Erstens trifft es nicht zu, dass der Faschismus nur eine Kampforganisation der Bourgeoisie sei. Der Faschismus ist nicht nur eine militärtechnische Kategorie. Der Faschismus ist eine Kampforganisation der Bourgeoisie, die sich auf die aktive Unterstützung der Sozialdemokratie stützt. Die Sozialdemokratie ist objektiv der gemäßigte Flügel des Faschismus. Es liegt kein Grund zu der Annahme vor, die Kampforganisation der Bourgeoisie könnte ohne die aktive Unterstützung durch die Sozialdemokratie entscheidende Erfolge in den Kämpfen oder bei der Verwaltung des Landes erzielen. Ebensowenig liegt Grund zu der Annahme vor, die Sozialdemokratie könnte ohne die aktive Unterstützung durch die Kampforganisation der Bourgeoisie entscheidende Erfolge in den Kämpfen oder bei der Verwaltung des Landes erzielen. Diese Organisationen schließen einander nicht aus, sondern ergänzen einander. Das sind keine Antipoden, sondern Zwillingsbrüder. Der Faschismus ist der nicht ausgestaltete politische Block dieser beiden grundlegenden Organisationen, der unter den Verhältnissen der Nachkriegskrise des Imperialismus entstanden und auf den Kampf gegen die proletarische Revolution berechnet ist. Die Bourgeoisie kann sich ohne das Vorhandensein eines solchen Blocks nicht an der Macht behaupten. Darum wäre es ein Fehler, wollte man glauben, der "Pazifismus" bedeute die Beseitigung des Faschismus. "Pazifismus" unter den jetzigen Verhältnissen bedeutet Festigung des Faschismus, wobei sein gemäßigter, sozialdemokratischer Flügel in den Vordergrund geschoben wird.

Zweitens trifft es nicht zu, dass die entscheidenden Kämpfe schon stattgefunden hätten, dass das Proletariat in diesen Kämpfen geschlagen worden sei, dass sich die bürgerliche Macht infolgedessen gefestigt habe. Entscheidende Kämpfe haben schon allein deshalb noch nicht stattgefunden, weil es keine wirklich bolschewistischen Massenparteien gab, die fähig gewesen wären, das Proletariat zur Diktatur zu führen. Ohne solche Parteien sind unter den Verhältnissen des Imperialismus entscheidende Kämpfe um die Diktatur unmöglich. Die entscheidenden Kämpfe im Westen stehen noch bevor. Es haben nur die ersten ernstlichen Angriffe stattgefunden, die von der Bourgeoisie zurückgeschlagen wurden, die erste ernstliche Kraftprobe, die gezeigt hat, dass das Proletariat noch nicht imstande ist, die Bourgeoisie zu stürzen, die Bourgeoisie aber schon nicht mehr imstande ist, das Proletariat zu ignorieren. Und gerade deshalb, weil die Bourgeoisie schon nicht mehr imstande ist, die Arbeiterklasse auf die Knie zu zwingen, war sie genötigt, auf den Frontalangriff zu verzichten, Umwege zu machen, sich auf Kompromisse einzulassen und zum "demokratischen Pazifismus" Zuflucht zu nehmen.

Schließlich trifft es auch nicht zu, dass der "Pazifismus" ein Zeichen der Kraft, nicht aber der Schwäche der Bourgeoisie sei, dass sich aus dem "Pazifismus" eine Festigung der Macht der Bourgeoisie und eine Vertagung der Revolution auf unbestimmte Zeit ergeben müsse. Der gegenwärtige Pazifismus bedeutet den Machtantritt, den direkten oder indirekten Machtantritt der Parteien der II. Internationale. Was bedeutet aber der Machtantritt der Parteien der II. Internationale? Er bedeutet, dass sie sich unvermeidlich selbst als Lakaien des Imperialismus, als Verräter am Proletariat entlarven werden, denn die Regierungspraxis dieser Parteien kann nur zu einem Ergebnis führen: zu ihrem politischen Bankrott, zum Anwachsen der Gegensätze innerhalb dieser Parteien, zu ihrer Zersetzung und ihrem Zerfall. Aber die Zersetzung dieser Parteien führt unvermeidlich zur Zersetzung der Macht der Bourgeoisie, denn die Parteien der II. Internationale sind die Stütze des Imperialismus. Konnte sich die Bourgeoisie auf dieses gewagte Experiment mit dem Pazifismus, nicht der Not gehorchend, sondern aus eigenem Triebe, einlassen? Natürlich nicht! In der Periode nach dem imperialistischen Kriege macht die Bourgeoisie zum zweiten Mal ein Experiment mit dem Pazifismus: das erste Mal unmittelbar nach dem Kriege, als die Revolution ans Tor zu pochen schien, und das zweite Mal jetzt, nach den gewagten Experimenten Poincarés und Curzons. Wer wird zu leugnen wagen, dass dieses fieberhafte Gebaren der Bourgeoisie, die Schwenkung vom Pazifismus zum hemmungslosen Imperialismus und wieder zurück zum Pazifismus, nicht ohne Schaden für den Imperialismus vor sich gehen kann, dass sie Millionenmassen von Arbeitern aus den üblichen spießbürgerlichen Geleisen schleudert, dass sie die rückständigsten Schichten des Proletariats in die Politik hineinzieht, dass sie ihre Revolutionierung erleichtert? Natürlich ist der "demokratische Pazifismus" noch keine Kerenskiade, denn die Kerenskiade setzt die Doppelherrschaft, den Zerfall der bürgerlichen Macht und die Entstehung der Grundlagen der proletarischen Macht voraus. dass aber der Pazifismus eine gewaltige Aufrüttelung der Volksmassen und ihre Hineinziehung in die Politik bedeutet, dass er die bürgerliche Macht unterwühlt und den Boden für revolutionäre Erschütterungen vorbereitet, daran kann kaum gezweifelt werden. Und eben deshalb muss der Pazifismus nicht zur Festigung, sondern zur Schwächung der bürgerlichen Macht, nicht zur Vertagung der Revolution auf unbestimmte Zeit, sondern zu ihrer Beschleunigung führen."

J. W. Stalin, Zur internationalen Lage, (1924)

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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:52 
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Es ist ja eigentlich klar, das es mit der Bourgeoisie nicht Pazifismus, d.h. Frieden geben kann, da es in der Natur des Kapitalismus liegt, sich durch den Konkurrenzkampf immer weiter ausbreiten zu wollen.

Zwei Fragen dazu:

1. Wann wurde überhaupt das erste Mal von Faschismus gesprochen, bzw. wer hat diesen Begriff "erfunden"?
2. Soweit ich weiss, sprach Ernst Thälmann mal direkt von Sozialfaschismus und prangerte damit die Sozialdemokratie an. Wann und wo war das?

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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:52 
Literat

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Sehr richtig! Stalin hat sich zu keiner Zeit der Illusion hingegeben, daß der Imperialismus es möglicherweise gut mit dem Sozialismus meinen könnte. Das unterscheidet ihn von einigen seiner Nachfolger.

zu 1.: Ich glaube, daß das Wort Faschismus sich aus dem italienischen ableitet. Mussolinis Partei hieß "fasci di combattimento".
zu 2.: Wenn Thälmann "Sozialfaschismus" gesagt hat, dann in Anlehnung an Stalins oben zitierte Vorstellungen. Das ist dieselbe Theorie. Das Wort Sozialfaschismus ist indes so oft, in so verschiedenen Bedeutungen und mit so verschiedenen Absichten in Gebrauch, daß man vorsichtig sein muß dem seinem Gebrauch. Wo Thälmann das gesagt hat, weiß ich nicht genau, aber mit Sicherheit hat er es öfter gesagt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:52 

Beiträge: 42
huhu genossen
also der begriff kommt aus italien udn wurde von dem blöden duce erfunden so habe ich es mal gehört
mit linken grüssen ASDIC


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:53 
Träger des Agitprop-Stalinorden
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Beiträge: 628
ja, hab auch gehört das der begriff aus italien kommt und die sich noch voller stolz selbst so bezeichnet haben!
der "blöde duce": ich hab gehört der soll "früher" mal kommunist gewesen sein?!? aber dann doch auf sehr niedrigen niveau? weiß da jemand was?

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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:53 
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Beiträge: 4023
Zitat:
ja, hab auch gehört das der begriff aus italien kommt und die sich noch voller stolz selbst so bezeichnet haben!
der "blöde duce": ich hab gehört der soll "früher" mal kommunist gewesen sein?!? aber dann doch auf sehr niedrigen niveau? weiß da jemand was?


Ich schreib mal einfach wieder aus dem Lexikon ab.

Faschismus, im engeren Sinn die Eigenbezeichnung der politischen Bewegung, die unter der Führung von Benito Mussolini 1922 in Italien die Macht übernahm, sowie für das von dieser Bewegung bis 1945 aufrechterhaltene Herrschaftssystem; im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff Faschismus alle politischen Bewegungen und Herrschaftssysteme mit extrem nationalistischer, antidemokratischer und antikommunistischer Ideologie und autoritären Strukturen, die zwischen den beiden Weltkriegen entstanden, vor allem den deutschen Nationalsozialismus unter Adolf Hitler. Der Begriff leitet sich ab von lateinisch fasces, italienisch fascio, der Bezeichnung für das im antiken Rom von den Liktoren als Symbol der umfassenden Amtsgewalt der römischen Magistrate – dazu gehörten das Recht auf Züchtigung und die Verhängung der Todesstrafe – getragene Rutenbündel mit Beil; ab 1926 war das Rutenbündel in Italien offizielles Staatssymbol.



1915 gründete Mussolini die (damals noch sozialistisch-anarchistischen) Fasci d’azione rivoluzionaria, die sich für den Kriegseintritt Italiens stark machten. 1919 wurde in Mailand dann der 1. Fascio di Combattimento gegründet. Aber erst nach der schroffen Abkehr von sozialistischen und kommunistischen Ideen wurde der Faschismus ab 1920 zu einer Massenbewegung. Zu seiner Anhängerschaft zählten vor allem ländliche Grundbesitzer und der kleinbürgerliche und bürgerliche Mittelstand. Politische Gegner wurden mit Terrorakten ausgeschaltet. 1921 kam es zur Gründung der faschistischen Partei, der Partito Nazionale Fascista (PNF), die Rückhalt auch in Bürokratie, Kirche und Armee fand. Nach dem Marsch auf Rom ernannte König Viktor Emanuel III. Mussolini am 30. Oktober 1922 zum Ministerpräsidenten. 1932 legte der Duce mit der Dottrina del fascismo erstmals einen zusammenfassenden Entwurf für eine italienisch-faschistische Ideologie vor. Mit Bezug auf Friedrich Nietzsches „Willen zur Macht” und in Anlehnung an Vilfredo Pareto konstruierte Mussolini die These von der Legitimität der autoritären Herrschaft „großer Männer”. Von Georges Sorel inspiriert, erklärte er die direkte Aktion zum schöpferischen Gestaltungsprinzip des Politischen. In einem auf den Syndikalismus gestützten korporatistischen Wirtschaftssystem sollten die Klassengegensätze überwunden werden. Der aus vielen Quellen gespeiste Nationalismus sah Italien als das Zentrum eines mediterranen Imperiums. Eine rassenideologische, antisemitische Komponente fand erst durch den zunehmenden Einfluss der deutschen Nationalsozialisten Eingang in die faschistische Doktrin.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:53 
Moderator

Beiträge: 384
Mussolini war Mitglied der Partito Socialista Italiano (PSI) einer sozialistischen Partei, die, wenn ich nicht irre, stark nationalistischen Charakter hatte. Er wurde mit Beifall aus der Partei ausgeschlossen, als er den Beitritt Italiens zum Krieg mit den Worten "Der Krieg ist die eigentlich Revolution" forderte.

Der Fall, daß Sozialisten Nationalisten, Chauvinisten und Faschisten werden ist kein seltener. Auch die Baath-Partei ist ihrem Ursprung nach sozialistisch.

Ich hatte vor kurzem eine interessante Diskussion mit Numa darüber, daß inkosequenter und falsch angegangener Sozialismus oftmals eine solche Entwicklung nimmt und am Ende verbrecherisch wird.

Zum Fall vom Sozialisten zum Antisozialisten bedarf es manchmal nur eines kleinen Schritts, desjenigen über die Kante zum Abgrund nämlich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:53 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
Der Fall, daß Sozialisten Nationalisten, Chauvinisten und Faschisten werden ist kein seltener. Auch die Baath-Partei ist ihrem Ursprung nach sozialistisch.


Ich sage nur: Horst Mahler. Aber auch ein Schily hat früher RAF-Kämpfer und sogar Mahler verteidigt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:53 
Literat

Beiträge: 2947
Also Mussolini ist meines Wissens aus der "Partito Socialista Italiano" ausgeschlossen worden, wegen seines Versuchs, eine rechte Partei aus ihr zu machen. Die "Partito Socialista Italiano" war schon eine richtige Arbeiterpartei.
Zu der Frage, warum Mussolini Sozialist war, muß man wissen, daß er aus einer Familie kam, in der es Tradition war, Sozialist zu sein. Die Nietzsche-Lektüre spielt bei ihm eine sehr große Rolle. Über Nietzsche geht sein Weg hin zu anarchistischen Ideen und schließlich zum Faschismus.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:54 
Moderator

Beiträge: 384
Zitat:
Also Mussolini ist meines aus der "Partito Socialista Italiano" ausgeschlossen worden, wegen seines Versuchs, eine rechte Partei aus ihr zu machen.


Das mag sein, ich gebe gern zu, daß ich nicht wirklich firm in der Sache bin.

Das mit Nietzsche wusste ich gar nicht. Hast du Lust, darauf einzugehen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:54 
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Beiträge: 66
Hier möchte ich mal die Definition von Faschismus hinschreiben, wie ich sie in der Schule gelernt habe:

"Faschismus ist die offene terroristische Herrschaftsform der am meisten reaktionären Kräfte des Bürgertums...."

So ungefähr lautet sie wohl.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:54 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
"Faschismus ist die offene terroristische Herrschaftsform der am meisten reaktionären Kräfte des Bürgertums...."


Ich kenn es als "Offene terroristische Diktatur der Bourgeoisie", was IMO auf das selber rauskommt.

Und um uns mal von Definitionen zu lösen:

Faschismus ist das letzte Mittel der Kapitalisten, um den Widerstand zu bekämpfen. Heutzutage in der BRD ist kein Faschismus nötig, da das Volk keinen wirklichen Widerstand leistet. Sollte dies aber mal tun... Nun, es gibt nicht umsonst die Notstandgesetze.

Ich denke auch, Faschismus ist das letzte Mittel, zu dem die herrschende (Kapitalisten-)Klasse greifen würde, das Faschismus den Widerstand nur noch erhöhen würde und damit auch der Terror begründet wäre. Lieber ist es den Herschenden, sie halten das Volk mit ein paar Fresshäppchen ruhig.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:54 
Moderator

Beiträge: 384
Wenn wir schon an so etwas wie einer Defintion arbeiten, (Webmaster, tschuldige, wenn ich darauf zurückkomme) sollten wir das zyklische Auftreten des Faschismus nicht unterschlagen. Der Faschismus (irre ich, wenn ich meine, daß das nicht sonderlich bekannt ist?) trat ja nicht erst zweimal in der Welt auf, er wird, möchte ich sagen, in bestimmten Phasen der kapitalistischen Entwicklung sehr gerne benutzt, weil er da für die Erhaltung der Verhältnisse ganz gut funktioniert. Er ist ein Kampfmittel des Imperialismus, wie der Neoliberalismus ein Kampfmittel des Imperialismus ist, nur eben für einen anderen Zeitabschnitt.

Oder sieht das jemand anders?


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:55 
Literat

Beiträge: 2947
Um hier mal einiges zusammenzufassen:
Bei dem Begriff Faschismus sollte man in jedem Fall dreierlei unterscheiden: 1. Faschismus als historische Erscheinung; 2. Faschismus als politische Bewegung; 3. die faschistische Ideologie.
Die "Offene terroristische Diktatur der Bourgeoisie" hört sich gut an, aber Dimitroffs berühmte Definition lautet so:

"Der Faschismus - das ist die grausamste Offensive des Kapitals gegen die werktätigen Massen;
Der Faschismus - das ist der zügelloseste Chauvinismus und Raubkrieg;
Der Faschismus - das ist die wütende Reaktion und Konterrevolution;"
(ein viertes Merkmal gibt Dimitroff noch an, das aber eher polemischen Wert besitzt. Daher wird es hier nicht zitiert.)

Diese Definition sollte unsere sein. Nun ist es aber offenkundig, daß diese Definition vor allem den ersten von mir benannten Aspekt abdeckt und ich finde, daß Stalins "Zwillings"- oder "Sozialfaschismus"-Theorie inbetreff des zweiten Aspekts - der Frage nach dem Charakter der Faschistischen Bewegung, die noch nicht an der Macht ist -, da weiterhilft. Faschismus und Sozialdemokratie stehen für die zwei Strategien, die das Kapital gegenüber dem Bolschewismus angewendet hat. Der Faschismus als politische Bewegung hat das Ziel, die gesamte Arbeiterbewegung in allen ihren Zweigen restlos zu vernichten. Es geht dieser faschistischen Bewegung - im Gegensatz zur Sozialdemokratie oder den Zentrumsdemokraten und was dergleichen mehr ist - nicht nur um die Bekämpfung, sondern eben gerade um die Vernichtung der Arbeiterbewegung. Und wenn ich schreibe: "in allen ihren Zweigen", dann heißt das irrsinnigerweise, daß der Faschismus sich gegen seinen eigenen Zwillingsbruder, mit dem er eigentlich das gleiche Ziel verfolgt, auch richtet. Diese Theorie hat was von Lenins Beschreibung der imperialistischen Monopole als "verfeindete Brüder".
Das zur historischen Erscheinung und der Bewegung. Bleibt die Ideologie und da ist auffällig, daß die Nazis buchstäblich alles, was in irgendeiner Weise (also: politisch, ästhetisch oder wissenschaftlich) anrüchig war, auf seine Verwendbarkeit geprüft haben. Es gibt hierzu ein maßgebliches Werk von Georg Lukacs, das auf den Namen "Die Zerstörung der Vernunft" hört. Es behandelt vornehmlich die Entwicklung der Philosophie von Schelling an gerechnet, die sich ja in der Tat unter dem Titel "Zerstörung der Vernunft" beschreiben läßt. Ich vermute, daß dieses Thema hier im Forum nicht jedermanns Sache ist, aber wer immer über Faschismus vollständig zu urteilen wünscht, muß sich auch damit befassen.
Zu Mussolini habe ich oben eigentlich alles gesagt, was in diesen Zusammenhang gehört. Vielleicht noch einen Zusatz: Benito Mussolini ist der Begründer des Faschismus in Europa und damit der erste Erfolg der faschistischen Weltbewegung. Er wird aber heute äußerst gern unterschätz. Auch wenn das Deutsche Reich stärker und größer als Italien war; Mussolinis Bedeutung schmälert das keineswegs. Hitler war ideologisch höchst abhängig von ihm; mit der einen Ausnahme: dem Antisemitismus, was aber ein Thema für sich ist. Mussolinis "Marxismus" war wirklich nichts als eine Überlieferung aus seinem Elternhaus. Der Knackpunkt in Mussolinis Entwicklung war Nietzsche. Und zwar insofern, daß er den und Marx unter einen Hut bringen wollte. In der bei Linksradikalen üblichen Manier der Übertreibung vermeintlicher Analogien meinte er, der gemeinsame Nenner bei Marx und Nietzsche sei, daß sie gegen die "Vermittelmäßigung" gekämpft hätten. Das ist zwar Schwachsinn, führt aber unweigerlich weg von Marx und hin zu Nietzsche und damit - vermittelt über die Zwischenstation des Anarchismus - direkt zum Faschismus.
Wer sich mit Mussolini, dessen Handlungen und seinen ideologischen Vorstellungen beschäftigen möchte, dem seien die Arbeiten von Ernst Nolte, Dietmar Stübler und Kurt Gossweiler empfohlen. Das ist freilich eine sehr bunte Truppe, aber um so glaubwürdiger, wenn diese so verschiedenen Herren zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Ich persönlich bin durchaus empfindsam und meine Bereitschaft, mich mit solch häßlichen Themen zu beschäftigen, hat Grenzen.
Es ging mir vor allem darum, nochmal auf den großen Wert des obigen Stalin-Zitates hinzuweisen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialdemokratie und Faschismus
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:55 
Literat

Beiträge: 2947
Noch mal zu Asmodai: So kann man das sehen. Der Imperialismus hat in der Tat diese beiden Gesichter und hat sie abwechselnd gezeigt; je nach dem, wie er es brauchte. Ma sieht aber beispielsweise an der BRD, daß auch eine Mischform aus Neoliberalismus und Faschismus praktizierbar ist.

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