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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 16:45 

Beiträge: 46
R.O. Gropp
Grundlagen des dialektischen Materialismus
VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften
2. Auflage

Das besitze ich. Das Andere von Gropp hatte ich mir ausgeborgt.


Ich will das studieren, was als Kommunist unmittelbar wichtig ist. Das habe ich während meiner 35-jährigen Parteizugehörigkeit als innerste Klassen-Pflicht angesehen.
Ich bin ein einfacher Arbeiter, der alle Möglichkeiten des hervorragenden Bildungssystems der Deutschen Demokratischen Republik erfolgreich genutzt hat, um sich einen klaren, festen und unverrückbaren Klassenstandpunkt zu erarbeiten.
In diesem Zusammenhang ist das Wort "Diskurs" für mich schon sehr befremdlich, weil es mich an die Zeit der inneren Konterrevolution 1985-1990 in der DDR erinnert, wo in unseren Reihen Verräter und konterrevolutionäre Schädlinge, die ideologischen Grundlagen unseres Klassenstandpunktes in Form eines Diskurses und pluralistischen Dialoges zersetzen konnten und wir Stalin- und Lenintreuen Genossen paralysiert worden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 16:46 

Beiträge: 9
Es wäre schlimm, hätten wir keine Meinungsverschiedenheiten. Unsere Ideen sollen und müssen sich entwickeln. Sie zu erstreiten, lieber NumaPompilius, ist schon ok. Vielleicht dazu erst einmal ein Stich in Dein Wespennest.
Also, als Marxistin/Leninistin weiß ich um die Rolle Hegels, obgleich ich – wie ich bereits andeutete – philosophisch nicht so bewandert bin. Vor vielen Jahren beschäftigte ich mich mit den Grundlagen der Dialektik, weil es mich damals interessierte. Das ist aber schon lange her. Und der Gropp ist mir in diesem Zusammenhang auch sehr geläufig – aus meiner Sicht, der beste Fachphilosoph der DDR, die beste Adresse seiner Zeit. Wenn ich mich also philosophisch etwas zurückhalten muß und will, so habe ich dennoch eines begriffen, was jedem Kommunisten klarsein sollte, nämlich daß es ohne Hegel keinen Marx gäbe. Ja, Hegel war einer der größten Philosophen, die es je gab. Aber ich kann ihn beim besten Willen nicht da sehen, wo Du ihn plazierst. Sein geistiges Werk ist philosophisch sehr umfangreich, detailliert und minutiös. Ein normalsterblicher Arbeiter – vorausgesetzt, sein Intellekt reichte – brauchte bestimmt mehr als ein Menschenleben, um sich das Hegelsche Lebenswerk anzueignen. Und dennoch kann ich Hegel nicht neben Marx, diesem Jahrtausend-Genie sehen. Nun wollte Marx auch bestimmt kein Hegel sein oder an ihm gemessen werden. Bekanntlich begnügte er sich damit, Hegel philosophisch vom Kopf auf die Füße zu stellen. Und als wollte er seine kostbaren Lebensjahre nicht dazu vergeuden, die Welt nur einmal mehr zu interpretieren, begründete er statt dessen eine Wissenschaft, die wie keine zuvor Menschenmassen dazu befähigte, ihr gesellschaftliches Dasein erstmals in der Menschheitsgeschichte selbst in die Hand zu nehmen und bewußt zu verändern. Die Britten wählten vor gar nicht allzu langer Zeit Marx als das größte Genie des Jahrtausends. Und recht hatten sie. Nur der deutsche Michel sieht den Berg nicht, weil er ihn nicht überblicken kann. Er wählt Konrad Adenauer. Peinlich! Peinlich! Ja, es kommt darauf an, die Welt zu verändern! Und keinem Wissenschaftler gelang dies so nachhaltig, wie es Marx gelang. Und wenn wir uns schon auf das traurige Niveau begeben und geschichtliche Persönlichkeitsgrößen einander messen – obgleich sie in dieser Weise nicht vergleichbar sind –, dann kann das nur die „Meßlatte“ sein. Neben Marx, diesem geistigen Mont Everest, ist eben jeder Berg klein, so groß er auch sein mag. Er ist wie ein Baum, neben dem kein anderer wachsen kann.
Was nun „den Arbeiter“ betrifft, so widerspreche ich Dir erneut. Es sei Deiner Meinung nach nicht möglich, in einer knappen Formel zu fassen, was der Arbeiter will oder braucht. „Den Arbeiter“ gäbe es nicht, weil die Bedürfnisse, die Möglichkeiten und Notwendigkeiten unterschiedlicher Menschen durchaus verschieden seien. Sicher, das kann(!) sein. Aber Deine Welt steht auf dem Kopf! Denn gerade umgekehrt, weil die Bedürfnisse, Möglichkeiten und Notwendigkeiten unterschiedlicher Menschen durchaus gleich sind, weil sich das, was „die“ Arbeiter wollen oder brauchen, eben doch in einer knappen Formel zusammenfassen läßt, deshalb gibt es „den Arbeiter“. So herum wird ein Schuh draus.

Noch etwas zu Stalin. Er war er selbstverständlich kein Philosoph wie Hegel. Ich bin mir sicher, daß er diesen Anspruch auch nicht hatte. Warum sollte er auch. Er wollte auf dem festen Boden einer wissenschaftlichen Weltanschauung stehend eine bessere Welt erkämpfen, so wie alle Kommunisten. Und an der Spitze einer Partei stehend, die es verstand, die fortschrittlichen Volksmassen der gesamten sowjetischen Nation zu führen, gelang ihm das auch. Die Geschichten wird ihn rehabilitieren und ihn den ihm gebührenden Platz zuweisen. Die Kommunisten aller Länder der Erde hatten hingegen noch nie einen Grund, ihn zu rehabilitieren. Warum sollten sie auch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 16:48 

Beiträge: 46
Werte Genossin Dajana

Ein sehr guter und tiefgründiger Beitrag. Ich danke Dir dafür.

Aus der klassenmäßigen Sicht ist zu vermerken, dass Hegel sowohl eine reaktionäre als auch eine fortschrittliche Seite besitzt. Obwohl er der Schöpfer eines reaktionären philosophischen Systems war gebührt ihm der Verdienst der Schöpfer der idealistischen Dialektik zu sein. Er schuf die Idee der Entwicklung, die sprunghaft, in Widersprüchen, verläuft. Diese Idee widerspricht aber logisch seinem erzkonservativen System, das durch und durch entwicklungsfeindlich ist.

Die authentische und wissenschaftlich exakte Einschätzung gab Genosse J. W. Stalin in seiner wissenschaftlichen Arbeit „Über dialektischen und historischen Materialismus“ von 1938, wo er das Verhältnis der marxistischen Dialektik zur Hegelschen Dialektik mit erschöpfender Klarheit ein für alle mal bestimmte. Er sagt:

Zitat:
„Bei der Charakterisierung ihrer dialektischen Methode berufen sich Marx und Engels gewöhnlich auf Hegel, als den Philosophen, der die Grundzüge der Dialektik formuliert hat. Dies bedeutet jedoch nicht, daß die Dialektik von Marx und Engels identisch ist mit der Dialektik Hegels. In Wirklichkeit haben Marx und Engels der Dialektik Hegels nur deren „rationellen Kern" entnommen, die Hegelsche idealistische Hülle jedoch beiseite geworfen und die Dialektik weiterentwickelt, um ihr moderne wissenschaftliche Gestalt zu geben.“


Der wesentliche Punkt: der große Wurf des Genossen J. W. Stalin ist :


Zitat:
„Meine dialektische Methode", sagt Marx, „ist der Grundlage nach von der Hegeischen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil. Für Hegel ist der Denkprozeß, den er sogar unter dem Namen Idee in ein selbständiges Subjekt verwandelt, der Demiurg" (Schöpfer) „des Wirklichen, das nur seine äußere Erscheinung bildet. Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle." (Karl Marx, Nachwort zur zweiten Auflage des ersten Bandes des „Kapital", Dietz Verlag, Berlin 1947, S. 17/18.)“


W-O-D


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 16:55 
Literat

Beiträge: 2947
Mein Computer, der mich nicht leiden kann, ist gestern, während ich an einer Antwort saß, abgestürtzt. Nun verbringe ich die Zeit damit zu schreiben, was ich schon schrieb. Das thematische Feld ist so weit, daß es nicht möglich ist, in diesem örtlichen und zeitlichen Rahmen angemessen darauf zu antworten. Ich werde versuchen, einige Mißverständnisse auszuräumen, da ich natürlich wieder einmal im höchsten Maße unbegriffen geblieben bin, was mitunter auch an meiner umständlichen Art des schriftlichen Ausdrucks liegen mag. Möglicherweise liegt das aber auch an den unterschiedlichen Kenntnissen des Themas, bzw. an den verschieden Erkenntnissen darüber. Ich kann mich nur wiederholen: Ein selbstständiges Studium an den originären Quellen ist durch nichts zu ersetzen. Ich sage das mit großem Bedacht, denn es ist mir nicht entgangen, lieber WOD, daß Dreiviertel deines letzten Beitrags einfach aus der Sowjetenzyklopädie (1953) enbgeschrieben sind. Eine Umstand, der meine Forderung nach Studium der Primärquellen noch stärker ins Profil setzt, denn es gibt freilich auch innerhalb der Sekundärliteratur beträchtliche Qualitätsunterschiede, und die Sowjetenzyklopädie ist in Bezug auf die deutsche Philosophiegeschichte ein ganz dunkles Kapitel und an Primitivität und Ignoranz kaum zu schlagen.
Bevor ich es vergesse: Daß Adenauer zum besten Deutschen gewählt wurde, hat auch mich amüsiert, und es ist ziemlich komisch, daß dies in diesem Zusammenhang erwähnt wurde, weil mir damals sogleich aufgefallen ist, daß Hegel es nicht einmal in die Top 200 geschafft hatte. Aber viel Zeit habe ich nicht, also werde ich schnell in den Gegenstand treten.
1. Warum stelle ich in der Philosophiegeschichte Hegel über Marx? Nun, weil es leichter ist, ein Gebäude einzureißen als eines zu bauen. Wenn wir uns fragen, wo in der Philosophie Größe gewirkt hat, müssen wir das natürlich an den Ergebnissen messen. Fragen müssen aufgeworfen werden wie: Wer hat den höchsten Bewußtseinsstand? Wessen Methode bildet Totalität aus? Wessen Werk reicht am weitesten? Auf wessen Grundlage leben und forschen wir heute und vor allem morgen? Wer hat in der Geschichte der geistigen Entwicklung die entscheidenden Zäsuren gesetzt? – Erst wenn wir uns klargemacht haben, daß die Antworten auf alle diese Fragen zugunsten Hegels ausfallen, erst dann können wir zu dem Punkt übergehen, daß Marx den Hegel verbessert hat. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob ich den Marx gegen Hegel hervorhebe, oder ob ich ihn als dessen unmittelbaren Nachfolger sehe. Im ersten Fall überwinde ich Hegel nicht, sondern lege ihn zu den Akten unter Vermerken wie "zweifellos eine bedeutende Figur, aber ...". Das wäre ein Rückfall auf jenes mechanische Feuerbachniveau. Im zweiten Fall, wenn ich also den Zusammenhang zwischen Marx und Hegel als einen organischen Übergang betrachte, bin ich auf dem richtigen Weg.
2. Wo ich Hegel plaziere? Der Übergang von Hegel zu Marx ist insofern bemerkenswert, weil er davon gekennzeichnet, daß Marx ihn bewältigt, in dem er das Feld der Philosophie verläßt. Das zeigt sich an zweierlei: Inbetreff des Gegenstandes wird er zum Gesellschaftsforscher; er betreibt die Analyse des Kapitals und begründet den historischen Materialismus. Damit steht er aber in der Linie von einerseits Thomas Hobbes und Adam Smith, andererseits Aristoteles und Hegel, die natürlich auch dazu gearbeitet haben. Praktische Philosophie, Rechtsphilosophie, Ökonomie sind Themenfelder, die der Philosophie untergeordnet sind, denn natürlich ist die Gesellschaft ein Teil der Welt und nicht umgekehrt. Zweitens aber inbetreff der Methode verläßt Marx das Feld der Philosophie, weil er eine eigene, absolute Theorie der Methode überhaupt nicht liefert. Es gibt also den "dialektischen Materialismus", der für sich in Anspruch nimmt, eben eine absolute Methode zu sein, nur in der praktischen Anwendung und also als eigenständige Methodologie nicht. Marx hat, um es zusammenfassen, dem Hegelschen System der Philosophie kein neues entgegengesetzt. Er hat es von einigen grundlegenden Irrtümern befreit, in dem er es zum Einsturz gebracht hat. Aber genau diese Irrtümer waren notwendig. Ohne diese Irrtümer hätte die Hegelsche Philosophie nicht erarbeitet werden können. Es ist ein Betriebsgeheimnis der Philosophie, daß man sich irren muß, um zu erkennen. Nur solange der Mensch irrt, strebt er.
3. Eine Randbemerkung, aber eine wichtige: Marx hat in seiner kritischen Aneignung der Hegelschen Methode einige grundsätzliche Gedanken zu Papier gebracht, die seit seinem Tode immer wieder und allzu rasch herbeizitiert werden. Kaum einer hat bis jetzt die Haltbarkeit seiner Aneignung in Bezug auf Hegels Theorie und Methode und (notabene!) in Bezug auf Marxens eigene Werke überprüft. Sieht man von ein paar Randbemerkungen aus den späteren Jahren ab, so fällt Marxens systematische Beschäftigung mit dem Thema in die Jahre 1843 und 1844 ("Kritik des Hegelschen Staatsrechts" und "Ökonomisch-philosophische Manuskripte"). Die Hegelkritik Marxens fällt in der Tat in eine Zeit, in der er selbst noch kein rechter Materialist war. In keinem anderen Bereich der Marxforschung hat diese das Frühwerk Marxens unbedacht hingenommen, aus dem einfachen Grunde, daß ein Spätwerk existierte. Zu den Fragen der Philosophie gibt es das nicht. Normalerweise müßte das anreizen zu genauerer Erforschung. Das Gegenteil war der Fall: die verstreute und unzusammenhängende Analyse des nichtmarxistischen Marx wurde für die Grundlage materialistischer Philosophie genommen. Eine genauere Forschung zu diesem Thema tut not und sie darf nicht darauf beschränkt bleiben, Marxens eigene Aussagen über das Thema wiederzugeben, sondern sie muß Hegel und Marx der Sache nach erforschen und sodann vergleichen.
4. Zu Gropp wollte ich eigentlich nichts sagen, weil ich Streit vermeiden wollte. Da er hier aber als "die beste Adresse seiner Zeit" bezeichnet wurde, kann ich das so nicht stehen lassen. Gropps Bemühen in der Hegeldiskussion der Fünfziger Jahre war von der Absicht verursacht, Stalin theoretisch zu verteidigen. So sehr ich dieses Unterfangen politisch und historisch billige, so wenig kann ich seine Ergebnisse vom wissenschaftlichen Standpunkt ohne weitere Kritik goutieren. Stalins philosophischer Versuch war ohnehin rein politisch motiviert. Er steht im Zusammenhang der geistigen Abwehr gegen westliche Einflüsse. Viel Schädliches wurde abgewehrt und manches Nützliche. Darüber kann sich beklagen, wer kein Verständnis für die Notwendigkeiten der Weltgeschichte hat. Daß es zu diesem Zeitpunkt darauf ankam, die Errungenschaften des Sozialismus auf jede erdenkliche Weise zu sichern, ist klar und ebenso, daß so etwas im einzelnen immer auch Ungerechtigkeiten hervorbringt. Ein anderer Fehler, den man in diesem Zusammenhang machen kann, ist aber folgender: Die Verabsolutierung dieser politischen Kampfform, um sie in den Rang eines philosophischen Ansatzes zu heben. Man soll nicht Ideologie mit Philosophie verwechseln. Genau das wurde hier aber getan. Zunächst wird die stalinsche Einschätzung Hegels im Grunde richtig als "aus der klassenmäßigen Sicht" charakterisiert. Aber einen Absatz weiter unten hat sie sich in eine "authentische und wissenschaftlich exakte Einschätzung" verwandelt. Wissenschaft muß – will sie erfolgreich sein – vor allem gute Wissenschaft sein. Ein Mathematiker ist um so besser, um so bessere Mathematik er macht. Er darf nicht am Anfang seiner Forschung fragen, ob die Erforschung der euklidischen Postulate der Arbeiterklasse dient oder nicht. Dasselbe läßt sich über die Kunst und den Künstler sagen, der auch nur seiner eigenen Arbeit verpflichtet ist. Goethe schreibt: "Drei sind, die da herrschen auf Erden: die Weisheit, der Schein und die Gewalt." Mit anderen Worten: Der Arten, sich die Welt anzueignen, gibt es drei – die wissenschaftliche, die künstlerische und die politische. Das Verhältnis dieser drei Säulen ist folgendes: Jede dieser drei Arten ist auf die anderen angewiesen, aber keine dieser drei läßt den anderen beiden ihr Recht, denn jede hat ihre eigenen Gesetze. Versucht man sie zu mischen, passiert, was in Goethes "Märchen", aus dem das Zitat stammt, passiert: Es kommt zum Zusammenbruch, der Versuch, also, bleibt erfolglos. Ich bitte an dieser Stelle inständig um den Versuch, diesen von mir beschriebenen Zusammenhang zu verstehen und fasse zusammen: Ich kann auf die wissenschaftliche Erkenntnis der Welt zugunsten der Politik verzichten, solange ich mich in politischer Verantwortung befinde. Vom politischen Zusammenhang gelöst, ist die ideologische Sicht nun aber äußerst unbefriedigend. Die Revolution klopft ja gegenwärtig nicht gerade sehr laut an die Tür. Warum soll man also nicht zur Abwechslung mal versuchen, etwas zu verstehen?
5. Um auf die Fünfziger Jahre der DDR noch einmal zurückzukommen: Es ist keineswegs erwiesen, daß die groppsche Abwehr gegen den Einfluß Hegels politisch so notwendig war, wie die seines Vorbildes Stalin. Aus der UdSSR den westlichen Einfluß herauszuhalten, ist eine Sache, die schon schwer genug ist. Wie aber soll das glücken, wenn man sich selbst im Westen befindet? Es ist kein Wunder, daß Gropp zunehmend aus der öffentlichen Debatte gedrängt wurde, wenngleich eine fundierte Hegelforschung trotzdem keine Durchsetzung fand. War die Ablehnung Hegels der Fünfziger und Sechziger Jahre von einem mechanisch-materialistischen Standpunkt aus, so schlug das in den Siebziger Jahren in den genau gegenteiligen Standpunkt um. Beide Standpunkte teilen ihre (freilich exakt entgegengesetzte) Einseitigkeit. Die grundlegende Tendenz der Hegelrezeption der späten DDR war die Ablehnung des Totalitätsgedankens, also mit anderen Worten: die freiwillige Übernahme der Zerstörung der Vernunft mit Hilfe spätbürgerliche Philosophen. Das geschah zunächst ohne Namensnennung. Ab Mitte der Siebzieger Jahre ging man aber in die Offensive und Mitte der Achtziger Jahre wurde gar eine Nietzsche-Renaissance vorbereitet. Die Konterrevolution kam Hager und Hermlin dazwischen und beendete den Versuch, dieselbe mit anderen Mitteln zu erarbeiten. Etwas verknappt kann man es auf den Punkt bringen, indem man sagt, daß die frühe Hegelrezeption an die Stelle der Vernunft die Revolution setzte, die spätere dagegen an deren Stelle die Konterrevolution. Wissenschaftlich waren sie beide nicht.
6. Was wäre der Ansatz zu einer wissenschaftlichen Hegelrezeption? Die wissenschaftlich belangvolle Auseinandersetzung mit Hegel hat, soweit es um das Zwanzigste Jahrhundert geht, zwei Namen: Lukacs ("Der junge Hegel") und Lenin (Konspekte zur "Wissenschaft der Logik"). Mindestens Lenin sollte man als Marxist nicht übergehen. Ich gebe von ihm zwei Zitate, die in unseren Zusammenhang passen, und die Einigen vielleicht Lust auf mehr machen: "Man kann das 'Kapital' von Marx und besonders das I. Kapitel nicht begreifen, ohne die ganze Logik von Hegel durchstudiert und begriffen zu haben. Folglich hat nach einem halben Jahrhundert nicht ein Marxist Marx begriffen!!" (Lenin setzt "ganze" in Kursiv. Ferner ist bemerkenswert, daß sich seit Lenins Ableben an dem von ihm bezeichneten Mißstand kaum etwas verändert hat.) Sogleich darunter steht folgendes: "die Darstellung des Zusammenhanges und der Übergänge [Zusammenhang ist eben Übergang], das ist die Aufgabe Hegels. Hegel hat bewiesen, daß die logischen Formen und Gesetze keine leere Hülle, sondern Widerspiegelung der objektiven Welt sind." Soweit Lenin. - Wenn man nun aber meine Charakterisierung der stalinschen Ansichten – als im Grunde politische und nicht wissenschaftliche – berücksichtigt, versteht man auch, warum Stalin den Begriff "konservativ" durch "reaktionär" ersetzt. Bereits der Begriff "konservativ", der bei Engels steht, ist unbefriedigend. Aber der Begriff "reaktionär" stellt eine Projektion politischer Begriffe auf philosophische Sachverhalte dar. Hierzu, wie gesagt, kein Vorwurf, aber man muß sich darüber klar werden, daß dieser Gedanke wissenschaftlich nicht produktiv ist. An die Stelle einer Begründung wird eine politische Verurteilung gesetzt. In diesem Zusammenhang ist Stalins Charakterisierung der dialektischen Methode Hegels sehr bezeichnend. Gerade die Hegelsche Methode ist der "rationelle Kern" und die "idealistische Hülle" ist das Hegelsche System. So steht es bei Engels. Mal völlig abgesehen von der Frage, ob ein Marx-Zitat, wie hier behauptet, ein "großer Wurf des Genossen J. W. Stalin" sein kann, muß man berücksichtigen, daß Marx in dem folgenden Zitat über den Gegensatz zwischen seiner und Hegels Methode einschränkend formuliert "der Grundlage nach". Marx sagt hier sinngemäß, daß Hegel auf dem Kopf steht. Völlig abgesehen davon, ob oder inwieweit er damit recht hat, muß man aber erkennen, daß es – nach Marx – nicht Hegels Methode selbst ist, die in direktem Gegensatz zur marxschen steht, sondern daß beider Grundlagen diesen Gegensatz bilden. Also nicht die Methodologie, sondern die Theorie. Marx konstatiert den Gegensatz Materialismus-Idealismus als den entscheidenden zwischen ihm und Hegel. Aber der Gegensatz zur Methode der dialektischen Logik ist die Methode der Formalen Logik, welchletztere gerade Hegel erstmals in der Geschichte des Denkens überwunden hat. Methode und Gegenstand darf man nicht gleichsetzen!
7. Es freut mich, liebe Dajana, daß du mir behilflich sein willst, meine Welt vom Kopf auf die Füße zu stellen. Du bist mir also das, was der Marx dem Hegel war und du errätst völlig richtig, daß der Vergleich in meinen Augen nicht nur dir ein Lob ist, sondern auch mir. Aber was du zu meiner Behauptung, "daß es nicht möglich ist, in einer knappen Formel zu fassen, was 'der Arbeiter' will oder braucht, daß also die Bedürfnisse, die Möglichkeiten und Notwendigkeiten unterschiedlicher Menschen durchaus - nunja - unterschiedlich sind", schreibst, hat mit deinem Vorhaben nichts zu tun. Solange wir nämlich von den vorrevolutionären Zeiten des Klassenkampfes reden, solange ist dein Gedanke richtig. Da gibt es eine knappe Formel, die uns weiterhilft: Was der Arbeiter braucht, ist eine sozialistische Revolution. Aber sobald wir – was ich getan habe – an den Tag nach der Revolution denken, müssen wir feststellen, daß sich diese Frage eben nicht mehr knapp beantworten läßt. Die Probleme in der neuen Gesellschaft sind so unglaublich viel schwerer und zahlreicher als die Probleme der Revolution. "Wer die Macht hat, hat eben auch die Sorgen" sagt Walter Ulbricht. Das ist ein sehr tiefer Satz, dessen Gültigkeit erst so recht klar wird, wenn man sich mit den Sorgen der Macht beschäftigt. Meine Welt steht also nicht Kopf, sondern mein Kopf ist eben bereits auf die Bedürfnisse der Menschen in der sozialistischen Gesellschaft gerichtet.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 16:56 

Beiträge: 46
0. Wir haben nicht das Ziel die Welt zu erkennen, sondern sie zu verändern durch unserer revolutionäre Machtergreifung und die folgende gesellschaftliche Umgestaltung. Dazu müssen wir die Welt erkennen und verstehen. Wir sind nicht dazu da, irgendwelche Diskurse zu führen, um klüger zu sein und mehr zu wissen, sondern das Verständnis der Welt ist notwendig, aber nicht hinreichend.

1. Hegel verteidigte die Interessen der Junker und der Bourgeoisie, mystifizierte den geschichtlichen Prozeß und machte die Geschichte der menschlichen Gesellschaft zu einer Geschichte des reinen Denkens. Nach N. G. Tschernyschewski war Hegel ein Sklave der derzeitigen Lage der Dinge und der derzeitigen Gesellschaftsordnung. Er idealisierte in fataler Weise die preußische Monarchie, verherrlichte den preußischen Militarismus, trat für ungerechte Kriege ein und suchte auf jede Art Slawen herabzusetzen.

Zitat:
„Hegel hielt die derzeitige Staatsordnung für das Endresultat der geschichtlichen Entwicklung und die preußische Monarchie für die Verkörperung der absoluten Idee“


J. W. Stalin: „Über Fehler und Mängel bei der Betrachtung der der Geschichte der deutschen Philosophie Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts“ in russ. Zeitschrift Bolschewik 1944, Nr. 8

2. Es gibt auch nach der erfolgreichen revolutionären Machtergreifung „den Arbeiter“. Der Arbeiter wird dazu beitragen, im gesellschaftlichen Leben in positiver Weise die nichtantagonistischen Seiten der gesellschaftlichen Widersprüche zu einer organischen Einheit zu verbinden. Der Arbeiter (als Klassenrepräsentant) trägt dazu bei, durch seine Macht und seine Gewalt, die Formen des politischen und ökonomischen Lebens auszubilden, in denen die Dialektik als bewusste Methode der gesellschaftlichen Dynamik beherrscht wird und nicht durch die Zersetzung durch bürgerliche Ideologie intellektueller Schädlinge und konterrevolutionärer Volksfeinde konterkariert werden kann.

Es sei hier bemerkt, dass es einen dialektischen Zusammenhang, bei der Lösung des Widerspruchs zwischen Gesellschaft und Individuum mit den Formen der praktischen Verknüpfung der gesamtgesellschaftlichen Interessen mit denen der Kollektive und mit den persönlichen Interessen der Werktätigen, gibt. Der „Arbeiter“ als Kollektivmitglied erkennt sich immer primär als Klassenvertreter.


W-O-D


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 16:58 

Beiträge: 9
Hallo NumaPompilius! Ich will hoffen, daß ich Dir morgen oder übermorgen kurz antworten kann. Heute, nach der Arbeit, schaffe ich es nicht mehr. Du hast ja auch sehr viel geschrieben.
Dajana


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:00 
Literat

Beiträge: 2947
Zu 0.: Das ist offenbar wirklich alles, was dir nach meinen längeren Ausführungen zum Thema eingefallen ist, denn deine weiteren Kommentare haben mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun. Möglicherweise wird es dir aber nicht entgangen sein, daß ich diese deine Haltung zu Erkenntnisfragen in meinen Ausführungen berücksichtigt habe. Ich habe aber auch gesagt, daß die Instrumentalisierung des Denkens für das Handeln bloß dann entschuldbar ist, wenn sich die betreffende Person in politischer Verantwortung befindet. Außerhalb dieses Zusammenhanges wirkt diese Haltung durchaus lächerlich und ist im übrigen äußerst erkenntnisfeindlich. Du wirst mir also nachsehen, wenn ich mich von dem, was du unter 0. geschrieben hast, nicht so wirklich widerlegt fühle. Ein einfaches "Du hast recht" hätte es auch getan. Immerhin hast du eingestanden, daß das Erkennen vor dem Verbessern kommen muß.
zu 1.: Allerhand Vorwürfe an einen Philosophen, die samt und sonders nicht den Philosophen betreffen. Selbst wenn diese Vorwürfe wirklich zuträfen, was täte das zur Sache? Ist Balzac wegen seiner Ideologie ein schlechterer Dichter? Natürlich nicht. Die Profession, die einer ausübt, kann von seinen politischen Ansichten völlig unbetroffen bleiben. Es ist ganz offensichtlich, daß jene "beschränkten Liberalen", wie Engels sie nannte, die meinen, Hegel von links kritisieren zu müssen, ohne ihn im mindesten begriffen zu haben, nie aussterben. Schade eigentlich! Ich werde mich also bemühen, dir in Kürze die Welt oder – was auf dasselbe hinausläuft – den Hegel zu erklären. Aber sieh mir bitte nach, daß ich das nicht ewig machen werde, ich bin nämlich kein Vorschulersatz.
Gleich der erste Satz ist ein Griff ins Klo: "Hegel verteidigte die Interessen der Junker und der Bourgeoisie". Genau das Gegenteil ist der Fall. Hegel verwahrte sich gegen die ständische Subjektivität und sah in der staatlichen Verwaltung die höchste Form der Gewalt. Nebenbeigesagt kann man nicht das Sprachrohr mehrer Klassen sein. Hegel jedenfalls war das Sprachrohr keiner Klasse. In seiner "Beurteilung der Verhandlungen der Versammlung der Landstände des Königreichs Württemberg im Jahr 1815 und 1816" legt er seine politischen Ansichten konkret dar. Diese Schrift ist sehr empfehlenswert, nicht nur, weil in ihr das ganze Gegenteil zu deinen Behauptungen zu lesen steht, sondern auch, weil sie sich – ungeachtet der Genitive in der Überschrift – einer einfachen und schönen Sprache bedient und also das Argument, Hegel sei schwer zu lesen, hier nicht zieht. Hegels politische Ansichten sind wenig bekannt, was aber – wie wir sehen – viele offenbar nicht daran hindert, unentwegt von ihnen zu reden. Ich kenne natürlich die (wie Gropp sie nannte) "richtungsweisende" Bewertung der "deutschen Philosophie Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts", die du zitierst. Die Tatsache, daß sie von Stalin kommt, macht sie nicht wertvoller. Sie widerspricht den Tatsachen, der Logik, dem geschichtlichen Zusammenhang und – was in deinen Augen vermutlich am schwersten wiegen dürfte – Friedrich Engels, der in seiner Feuerbachschrift die deutsche Philosophie genau entgegengesetzt charakterisiert. Ich teile auch nicht jede Sicht von Engels, aber er hat den grundsätzlich fortschrittlichen Charakter des deutschen Idealismus erkannt.
Hegel, schreibst du weiter, "mystifizierte den geschichtlichen Prozeß". Marx, könnte ich entgegnen, mystifizierte die Ware und zwar namentlich durch den Wertbegriff. Natürlich ist das barer Unsinn, aber das ist es auch in Hegels Fall. Jede Wissenschaft idealisiert und Marxens Wert kann man genausowenig anfassen wie Hegels Weltgeist. Hegel daraus einen Vorwurf zu machen, ist gleichbedeutend damit, Hegel vorzuwerfen, daß er Marxens Erkenntnisse nicht hatte. Es gibt aber kaum etwas, das unmarxistischer wäre als gerade dieser Vorwurf. Bezeichnend ist auch hier wiederum die Sprache. In diesem Zusammenhang ein Populärwort wie Mystifizieren zu verwenden, ist ebenfalls ziemlich politisch und gar nicht wissenschaftlich. Aus Idealismus wird Mystizismus, aus konservativ wird reaktionär – Ich bin mir nicht sicher, ob man das im wissenschaftlichen Sinn eine Verbesserung nennen kann. Ich halte nicht allzu viel von Gestalten, die ihren Mangel an Vernunft und Kenntnissen durch eine allzu aufrechte Gesinnung wettmachen wollen. Man sollte schon kennen, wovon man redet. Hegels Geschichtsbetrachtung bemüht sich, die Gesetze der Geschichte zu erfassen und sie macht das so gut, wie das möglich war, ohne die ökonomischen Einsichten Marxens. Aber Adam Smith stand Hegel bereits zur Verfügung. Im übrigen ist die Hegelsche Geschichtsbetrachtung durch Marxens Kapital genausowenig widerlegt worden wie die Newtonsche Physik durch Einstein und Planck. Marx schließt Hegel nicht aus, sondern er erweitert ihn, er zeigt, daß bestimmte Prozesse neu betrachtet werden müssen. Und der hegelsche Dreischritt von Familie, Gesellschaft und Staat ist ausgesprochen interessant und alles andere als konträr zur Marxschen Analyse. Freilich begeht auch Marx Fehler in seiner Geschichtsbetrachtung. Jedes Modell hat seine Grenzen. Hegels "Philosophie der Geschichte" ist eine tiefe Fundgrube geschichtlicher Erkenntnisse. Und natürlich machte Hegel die Geschichte der menschlichen Gesellschaft nicht "zu einer Geschichte des reinen Denkens." Der objektive Geist ist kein Bewußtsein, also kein Denken, eher etwas zu Denkendes. Man stellt die Theorie Hegels auf den Kopf, wenn man behauptet, bei ihm käme der objektive Geist aus dem subjektiven. Das Gegenteil ist der Fall. Der objektive Geist, das sind die reinen Gesetze der Welt, die – materialisiert – die Welt vergegenständlichen, aus der dann wieder das Bewußtsein der Menschen hervorgeht. Was bei Hegel Geist heißt, ist nichts als das, was wir Gesetze nennen. Man wird doch wohl nicht leugnen wollen, daß Natur und Gesellschaft Gesetze haben. Schließlich sei noch erwähnt, daß Marxens Vorstellung von der Notwendigkeit des Kommunismus im wesentlichen auf den Hegelschen Geschichtsbegriff und der Hegelschen Negation der Negation basieren. Man muß sich schon entscheiden: Entweder ist Hegel nicht ganz so idealistisch, wie behauptet wird, oder Marx ist nicht ganz so materialistisch.
Ich finde es desweiteren bemerkenswert, wen du alles aus dem Hut zauberst, um deine Ansichten zu untermauern. Du scheinst eine Vorliebe für unbedeutende Denker zu haben. Tschernyschewski jedenfalls war ein slawophiler Neoromantiker, der sich nicht entblödete, flache Urteile über Hegel abzugeben. Auch in der Ästhetik hatte er mit dem kruden Unsinn, den er verbreitete, eine ziemlich schädliche Wirkung und es waren natürlich Hegel und seine Ästhetik, an dem die junge Generation der Künstler in der DDR sich orientierte und die den Einfluß der Sowjetikonen erheblich verminderte. Während in der Ästhetik der Einfluß von Tschernyschewski, Belinski und Herzen praktisch im Nichts verschwand, hat die DDR in der Philosophie hingegen sich niemals völlig von der durch die Sowjetunion vorgegebene Beschränkung lösen können. Aber auch in dieser Beziehung hat sich in der UdSSR einiges entwickeln. Ich erinnere nur an die großartige Hegel-Biographie von Arsen Gulyga. Also wenn man schon Tschernyschewski herbeizitierst, der meint, Hegel als Sklaven seiner historischen Lage abwerten zu müssen, dann sollte man vielleicht den ein oder anderen Gedanken darauf verwenden, daß gerade Tschernyschewski ein Musterbeispiel für einen Generationsphilosophen ist, – einer also, der eine bestimmte Mode mitmacht und nachdem anschließend kein Hahn mehr kräht. Philosophen, die eine Halbwertszeit von fünfzehn Jahren haben, verdienen nicht, unter der nämlichen Berufsbezeichnung zu laufen wie ein Hegel, der die Menschen auch in hunderten von Jahren noch interessieren wird.
Hegel "idealisiert" auch in keiner Weise – schon gar nicht in "fataler" – "die preußische Monarchie". Von Preußen ist in den hierfür relevanten Hegelwerken ("Rechtsphilosophie", "Philosophie der Geschichte"), wenn überhaupt, nur am Rande die Rede. Es geht um den Staat an sich. Und natürlich trifft, was Hegel über den Staat sagt, auch auf Preußen zu, das ja immerhin ein Staat war. Was sagt Hegel über den Staat? "Der Staat ist die Wirklichkeit der sittlichen Idee". Dies ist nun ein Satz, den ich nur unterstreichen kann. Wir Kinder des Sozialismus sollten doch am besten wissen, was darunter zu verstehen ist. Nur im Staat und nur durch den Staat kann es Gerechtigkeit und Entwicklung zum Besseren geben. Über die Monarchie schreibt Hegel, daß in ihr "der besondere Wille dem substantiellen Zweck unterworfen ist". Wenn ich über Hegels politisches Verhalten in seiner Zeit urteilen will, muß ich nicht nur Hegel, sondern auch seine Zeit kennen. Auch hier ist offenbar ein großes Vakuum vorhanden. Es gab zu Hegels Wirkenszeit zwei gesellschaftliche Entwürfe, die sich bekämpften. Das war einerseits der Wunsch nach ständischer Anarchie. Der wurde wieder verkörpert durch das zurückgewandte Traumbild des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" oder durch das der künftigen Reichseinheit, die einen liberalen Anstrich hatte, aber in Wahrheit die unbeschränkte Herrschaft der Bougeosie bedeutete. Beide Entwürfe, so komisch das klingt, gehören zusammen. Adel und Bürgertum wollten zu Hegels Zeit in der Tat dasselbe - ständische Anarchie, Subjektivität und Willkür - und konnten es aber natürlich beide nicht bekommen. Auf der anderen Seite steht der Entwurf des Absolutismus in Gestalt der ausländischen Königreiche, der deutschen Fürstentümer und dem Frankreich Napoleons und seinem Bonarpartismus. Der Absolutismus - als die Übergangsgesellschaft, die er ist - steht nicht nur für das Machbare. Er steht für Gesittung und Ordnung überhaupt, ganz so wie die ständische Subjektivität für die Willkür und die Unordnung überhaupt steht. Hegel hielt einmal auf Gesittung und Ordnung, auf Fortschritt und geistige Blüte. Wollen wir Kommunisten, die wir im 20. Jahrhundert diese vier Ziele vertreten, ihm das vorwerfen? Hegel, das läßt sich sagen, hielt immer zu der in dem jeweiligen historischen Abschnitt fortschrittlichsten Kraft. Wie er zunächst zu den deutschen Fürsten hielt, so hielt er später zu Napoleon. Und das solange wie dieser eine historische Kompetenz hatte. Als nun der "Weltgeist zu Pferde" aus der Geschichte verschwunden war, trat Hegel, ohne Napoleon aus seinem Kopf zu streichen, der Heiligen Allianz bei. Es gab zu Hegels Zeit keine andere Alternative als Napoleon und eben die Fürsten und später deren Heilige Allianz. Jede andere politische Ausrichtung war entweder unpraktikabel oder hätte zurück in den Feudalismus geführt. Es sei auch daran erinnert, daß Hegels Preußen das reformierte Preußen Hardenbergs war. Der Gebrauch solcher Worte wie "Preußische Monarchie" scheint hier wieder ziemlich pejorativ und sehr wenig der Sache nach zu sein, ansonsten sehe ich die Berechtigung des Vorwurfs nicht.
Ebenfalls ziemlich ratlos bin darüber, was der blödsinnige Einwurf über Hegels angeblich Herabsetzung der Slawen soll. Wo bitte hat Hegel die Slawen beleidigt? Ich kenne keine derartige Äußerung. Was ich aber kenne, ist die grundrichtige Einschätzung Hegels, daß die Slawen bisher keine tragende Rolle in der Geschichte gespielt haben. Hier zeigt sich eine völlig überzogene Slawophilie, die sich in diesem Fall aber über nichts anderes als die Wahrheit entrüstet.
Abschließend muß ich noch eines bemerken. Es ist mir nicht möglich, hier einen Ersatz für ein eigenes und intensives Hegelstudium zu liefern. Das Beste ist, den Ratschlag von mir und dem Genossen Lenin zu befolgen und sich dem Hegelstudium zu widmen. Praktisch alle falschen Behauptungen, die hier über Hegel gemacht wurden, rühren schlicht aus der Unkenntnis seines Werkes. Einen deutlicheren Beweis für die Richtigkeit meiner Forderung kann es nicht geben.
Zu 2.: Vielleicht erinnerst du dich einmal, wie die Diskussion um "den Arbeiter" begonnen hat. Ich habe geschrieben – ohne dabei speziell an Arbeiter zu denken –, daß ein Hegelstudium wichtig ist. Darauf wurde mir fragend entgegnet, wozu ein Arbeiter so etwas bitte braucht. Darauf habe ich, neben anderen wichtigen Ausführungen, behauptet, daß es "den Arbeiter" in diesem Sinne nicht gebe. An dieser Stelle begannen die Mißverständnisse und ich muß mir seither Widerlegungen von Aussagen anhören, die ich niemals getroffen habe. Allmählich begreife ich, was Kafka dazu vermocht hat, so ein Scheißbuch wie den "Prozeß" zu schreiben. Ich entgegne also ein letztes mal: Daß es die Arbeiterklasse – mutatis mutandis – auch nach der Revolution noch gibt, ist mir vollkommen klar. Ich sehe nur nicht ein, wieso daraus folgen soll, daß es unter den Vertretern dieser Klasse keine unterschiedlichen Interessen, Talente und Ambitionen geben soll. Der Sozialismus steht doch gerade für eine Zeit, in der den Menschen mehr und mehr Möglichkeiten eröffnet werden, sich - unabhängig von ihrer Klassenherkunft - ihren Talenten gemäß entwickeln zu können. Damit ist die Diskussion wohl beendet. Es kann niemals schaden, wenn man sich hin und wieder erinnert, womit eine Diskussion begonnen hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:01 
Literat

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Ich habe bereits mehrmals erwähnt, daß Stalins Auslassungen zu Hegel im wesentlichen politisch motiviert gewesen sind. Sie stehen nicht zufällig im Gegensatz zu den Auffassungen von Marx, Engels und Lenin und sind im Fall einer zukünftigen Hegelrezeption mit Vorsicht zu genießen. Ich habe zwar den leisen Verdacht gehabt, daß Stalin sehr wohl wußte, was er tat, habe aber prinzipiell die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß er, was er 1938 und 1944 über Hegel schrieb, wirklich geglaubt hat, denn mitunter tun Politiker auch ganz unbewußt notwendige Dinge. Ich freue mich nun aber doch, einen viel älteren Ausspruch Stalins gefunden zu haben, der - weil er beweist, daß Stalin ein Bewußtsein für die wirklichen Sachverhalte in der Frage der Hegelschen Philosophie besessen hat - jede weitere Diskussion über dieses Thema überflüssig macht:

Zitat:
Der Stammvater der dialektischen Methode war bekanntlich Hegel. Marx hat diese Methode nur geläutert und verbessert. Dieser Umstand ist den Anarchisten bekannt; sie wissen auch, dass Hegel ein konservativer Denker war, und da benutzen sie die „Gelegenheit“, um Hegel wütend zu beschimpfen, ihn als „Reaktionär“ und als Anhänger der „Restauration“ mit Schmutz zu bewerfen und sich eifrig um den Nachweis zu bemühen, „dass Hegel der Philosoph der Restauration ist..., dass er den bürokratischen Konstitutionalismus in seiner absoluten Form lobpreist, dass die Gesamtidee seiner Philosophie der Geschichte der philosophischen Richtung der Restauration der Epoche untergeordnet ist und ihr dient“, und so weiter, und dergleichen mehr (siehe „Nobati“ Nr. 6, Artikel von W. Tscherkesischwili). Allerdings streitet niemand mit ihnen darüber, im Gegenteil, jeder ist damit einverstanden, dass Hegel kein Revolutionär war, dass er ein Anhänger der Monarchie war, aber die Anarchisten versuchen dennoch zu „beweisen“ und halten es für notwendig, ohne Ende zu „beweisen“, dass Hegel ein Anhänger der „Restauration“ war. Wozu? Wahrscheinlich, um mit alledem Hegel zu diskreditieren und den Leser auf den Gedanken zu bringen, auch die Methode des „Reaktionärs“ Hegel sei eben nur „abscheulich“ und unwissenschaftlich. Ist dies wirklich so und wollen die Herren Anarchisten auf diesem „Wege die dialektische Methode widerlegen, so muss ich sagen, dass sie auf diesem Wege nichts beweisen als ihr eigenes Talent zum Missgeschick. Pascal und Leibniz waren keine Revolutionäre, aber die von ihnen entdeckte mathematische Methode wird jetzt als eine wissenschaftliche Methode anerkannt. Mayer und Helmholtz waren keine Revolutionäre, aber ihre Entdeckungen auf dem Gebiete der Physik sind zu einer Grundlage der Wissenschaft geworden, - keine Revolutionäre waren auch Lamarck und Darwin, aber ihre evolutionistische Methode hat die biologische Wissenschaft auf die Füße gestellt... Jawohl, auf diesem Wege werden die Anarchisten nichts beweisen als ihr eigenes Talent zum Missgeschick.


(J. W. Stalin, Anarchismus oder Sozialismus, 1906)

PS: Um Mißverständnissen vorzubeugen; es geht nicht um Stalins politische Einschätzung Hegels, die auch damals schon falsch war, sondern es geht um die Aussagen Stalins über die Frage, ob politische Ansichten mit wissenschaftlichen Leistungen in Verbindung stehen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:02 

Beiträge: 46
0. Deine Ausführungen sind tiefgründig, ernst und bedenkenswert. Sie geben einen Einblick in Deine Belesenheit und gute Bildung. Vielen Dank für diese wichtigen Gedankengänge, sie regen mich zum Nach-Denken an. Es ist für mich, als einfachen Arbeiter eine große Ehre, dass ein philosophisch-gebildeter Profi auf meine laienhaften Ausführungen zur Philosophie, insbesondere zu Hegel eingeht. Ich betone aber, dass ich alles aus der politischen Perspektive meiner Klassenzugehörigkeit, meiner Klasseninteressen und somit aus der des Klassenkampfes betrachte und ich somit nicht vordergründig ein isoliertes wissenschaftliches Interesse habe.

1. Tschernyschewski, Belinski und Herzen halte ich für die bedeutendsten Denker und Gelehrten auf dem Gebiet der Ästhetik, die wir nicht einfach vom Tisch wischen sollten. Deine Aussagen über Tschernyschewski, abgesehen davon, dass sie respektlos und herabwürdigend sind, begründen nicht eine fehlerhafte Argumentation gegen Hegel. Ich sehe keine Widerlegung seiner(Tschernyschewskis) Normen und Grundsätze, die er uns als großen und wertvollen Schatz hinterlassen hat, die im Marschgepäck der Rotarmisten uns als wertvolles Geschenk überbracht wurden, in der Menge Deiner Sätze. Das, was Du über die Ästhetik Hegels schreibst, ist auch nur eine Seite der Medaille. Denn zum Beispiel ist Hegels Behauptung, dass „das Schöne in der Kunst über dem Schönen in der Natur steht“ von N. G. Tschernyschewski völlig zu recht kritisiert und widerlegt worden. Die Frage der Ästhetik ist sehr wichtig und ich orientiere mich an Genossen Shdanows Werk „Über Kunst und Wissenschaft“. Das ist der Leitfaden für die politische Betrachtungsweise der Fragen der Kunst. Natürlich ist es sehr fragwürdig, aus der Perspektive des gesellschaftlichen Niedergangs 1956 -1989, in der die Kräfte der Dekadenz und des ästhetischen Kosmopolitismus immer mehr das dominierende Sagen bekamen, die echte und wahre Kunstauffassung der Sowjetunion des Aufstiegs zu bewerten. Mit der Konterrevolution die 1989 ihren Höhepunkt fand, war gerade auch die ästhetische Konterrevolution verbunden, die nach Stalins Tod ihren unheilvollen Lauf begann.

2. Zum Verhältnis von Wissenschaft und Parteilichkeit. Ich gehe davon aus, dass man in diesen Fragen nicht die Wissenschaft von der Politik undialektisch trennen, sondern umgekehrt die philosophische Aussage als Einheit von politischem und wissenschaftlichem Element betrachten muss und somit nicht dem Irrtum aufsitzen kann, dass hier ein politisches Neutrum besteht, insofern im nichtpolitischem Vakuum der „reinen Wissenschaft“, der philosophische Diskurs stattfinden kann. Das ist ein großer Irrtum. Richtig ist vielmehr, dass jegliche philosophische Frage ganz eng an die Klassenfrage geknüpft und dass in entscheidendem Maße. Bitte lies die Ausführungen von Genossen Prof. Gropp über die Dimension des Politischen in den Fragen zur marxistisch-leninistischen Begriffbestimmung der Wahrheit durch. Wir sollten uns hüten die bürgerliche Sichtweise der „neutralen Wissenschaft“ unbewusst zu übernehmen. Da Du Philosophie-Profi bist, ich aber einfacher Arbeiter, der sein Klassenbewusstsein durch den Marxismus-Leninismus schärfen will, ergeben sich natürlich gewisse Unterschiede. Aber eines weiß ich: es gibt keine neutrale wissenschaftliche WA.

3. Noch einmal zu Hegel, Du kannst es ja drehen und wenden wie Du willst, Du kommst nicht umhin, dass Stalin, Lenin, Marx und Engels uns erst den richtigen Weg und wahre Einsicht und das „Wie“, das „Warum“ und „Was“ gezeigt haben.
Uns Arbeitern das mächtige Instrument, das Werkzeug, die gewaltige Waffe, die „Dialektik“ in die Hand gegeben haben. Unbestritten ist die Rolle Hegels dabei, nicht mehr und nicht weniger. Es ist aber aus klassenmäßiger Sicht falsch, Hegels Rolle verabsolutieren zu wollen: denn der Gegensatz zwischen der idealistischen und der materialistischen Dialektik spiegelt den Gegensatz zwischen der Weltanschauung der Kapitalistenklasse und der der Arbeiterklasse wieder. Genosse W. I. Lenin, der Gigant der Politik und Theoretiker und Praktiker Revolution, der immer wieder von den konterrevolutionären Revisionisten und Demagogen der Bourgeoisie angegriffen wurde und wird, hat in den „Philosophischen Heften“ insbesondere im Konspekt über Hegels Werk „Die Wissenschaft der Logik“ die Unhaltbarkeit der Hegelschen Dialektik voll aufgedeckt, zugleich aber den rationellen Kern in ihr aufgezeigt. Genosse Lenin hat den Idealismus Hegels schonungslos kritisiert. Er schreibt: „Der Mystiker-Idealist-Spiritualist Hegel (so wie alle offizielle, pfäffisch-idealistische Philosophie unserer Zeit) streicht den Mystizismus-Idealismus in der Geschichte der Philosophie heraus und kaut ihn wieder, während er den Materialismus ignoriert und malträtiert“.
Lenin: Aus dem philosophischen Nachlaß, Berlin 1949 S. 218


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:02 

Beiträge: 46
Das Zitat von 1913 ist gut und schön. Deine Interpretation zeigt aber gar nichts, denn Stalin kann ja eine Entwicklung durchmachen, Er wird politischer und das ist doch sein Werk immer gewesen. Je politischer, je klassenmäßiger umso wissenschaftlicher.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:03 

Beiträge: 9
Lieber NumaPompilius! Leider kann ich erst heute antworten, da ich mir meine Brötchen sehr schwer, nämlich in der Pflege verdienen muß. Und wenn ich dann abends nach Hause komme, schmerzen mir meine Füße und mir brummt der Schädel. Verdammte Ausbeutung! Ich konnte mich daher erst heute Deinen Ausführungen widmen. Nun glaube ich aber, daß W-O-D Dir schon eine Menge völlig richtiger Antworten gegeben hat. Jedenfalls kann ich seine Argumentation nachvollziehen. Was nun das von Dir Geschriebene betrifft, so hatte ich, ehrlich gesagt, meine Probleme. Einige Passagen mußte ich zwei oder gar dreimal lesen, um sie überhaupt zu begreifen. Ja, man merkt sofort, daß Du ein sehr gebildeter Mensch bist. Und ich gebe Dir auch recht, daß wir in vielen Dingen übereinstimmen. Aber manchmal mußte ich auch erschrecken. Was ist das für ein Mensch, habe ich mich gefragt. Auf der einen ist er so unglaublich belesen, auf der andern aber trugschlüssig, auf das die Heide wackelt. Entschuldige, aber bist Du etwa ein intellektueller Fusselkopf, der den ganzen Tag nichts weiter zu tun hat, als über Dinge zu streiten, die wissenschaftlich längst geklärt worden sind? Du mußt doch todunglücklich sein. Da irren nun gut sechs Milliarden Menschen auf dem Globus umher, aber die, die Dich verstehen könnten, mußt Du suchen. Und wahrscheinlich lassen sie sich auch nur an zwei Händen abzählen.
Warum wir nun unterschiedliche Auffassungen haben, sehe übrigens auch ich darin, daß wir von verschiedenen Standpunkten her urteilen. Du urteilst vom Standpunkt einer Philosophie, ich hingegen aus der mir möglichen Sicht des Marxismus/Leninismus, einer Wissenschaft. Und ich bin nur eine einfache Arbeiterin, muß also bescheiden sein. Folglich kann ich Dir also nicht das sein, was der Marx dem Hegel war. Dazu habe ich auch vor beiden zu viel Respekt.
Du erwähntest ein Zitat von Lenin. Herrje, dieser Lenin! Muß ich nun annehmen, daß es wirklich nicht möglich ist, Marx ohne Hegel zu verstehen? Ach, ich ärmste. Habe ich Marx also umsonst studiert? Habe ich mich also all die Jahre in meiner Freizeit wieder und wieder umsonst abgemüht? Habe ich etwa vergeblich geglaubt, etwas verstanden zu haben? Muß ich nun wirklich einsehen, daß ich Marx gar nicht begreifen kann, weil er eben keine absolute Theorie der Methode lieferte und weil ich auch den Hegel noch nicht überwunden habe und somit auf das mechanische Feuerbachniveau zurückgefallen bin, weil mir der „organische Übergang“ von Hegel zu Marx fehlt, weil Marx eben erst nach Hegel kam und somit nur in dessen Nachfolge steht?
Warum, lieber NumaPompilius, sucht ihr bürgerlichen Philosophen Marx immer nur da, wo ihr ihn nicht findet? Denn Ihr werdet ihn ebensowenig in Euren Traditionen finden, wie ihr Eure Traditionen in Marx finden werdet. Warum wollt ihr nicht begreifen, daß er eben nicht in einer Linie mit Hobbes und Smith oder mit Aristoteles und Hegel steht, sondern mit diesen Linien gebrochen hat? Warum wollt ihr nicht begreifen, daß der dialektische Materialismus eine völlig neue Philosophie ist? Wir trennen Ontologie, Gnoseologie und Methodologie eben nicht mehr, sondern wir verbinden ihre Funktionen miteinander. Denn nur so kommen wir zu einer einheitlichen, in sich geschlossenen Weltanschauung, in der die Dialektik die Wirklichkeit wiederspiegelt und in der die Theorie und Praxis eine Einheit bilden, in der aber auch die menschliche Geschichte und die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in unsere materialistische Betrachtung miteinbezogen werden kann.
Nein, lieber NumaPompilius. Nicht wenn Du Marx in der Nachfolge Hegel siehst, sondern wenn Du Hegel in der Tat zu den Akten legst, um Dich Marx zu widmen, und dabei endlich aufhörst, letzteren in den Traditionen Eurer reaktionären Philosophien zu sehen – erst dann wirst Du Hegel überwinden. Denn diejenigen, denen Glauben gemacht werden soll, daß Marx sich in einer Linie mit Hegel befände, sollen eben nicht Hegel, sondern Marx überwinden. So herum wird ein Schuh draus. Willst Du Hegel überhaupt überwinden? Wenn ja, warum ersehnst Du Dir den frühen, den „nicht marxistischen“ Marx, der „...selbst noch kein rechter Materialist war“? Nein, da mache Dir keine Hoffnungen. Dieser „organische Übergang“, den Du Dir erhoffst, der wird sich auch in Zukunft nicht finden lassen.
Vielleicht noch etwas zu Gropp. Ich bin leider noch nicht so alt, habe also vieles nicht miterleben können. Aber zufällig gab es einen in meinem Bekanntenkreis, der ihn kennenlernen und der einer seiner Schüler werden durfte, um später selbst Philosophie, Mathematik und Physik zu lehren. Sprach er über Gropp, so sprach er immer voller Hochachtung von einem sehr fürsorglichen Menschen und strengen Denker, in dessen Vorlesungen man wissenshungrig ging, um sie stets wissenshungriger zu verlassen. Was wirfst Du Gropp also vor? Seine offene Parteilichkeit? ...Daß er kein Heuchler war? Natürlich ergriff er Partei. Schließlich war er nicht nur Philosoph, sondern auch Kommunist. Ihn vom Kommunisten zum Stalinisten zu stempeln, ist sehr leicht. Damit beginnt die Schule aller Antikommunisten. Und Du, lieber NumaPompilius? Ergreifst Du etwa nicht Partei? Warum darf es der Mathematiker eigentlich nicht? „...Gute Wissenschaft“? Denke ich an Oppenheimer, könnte ich kotzen! Künstler, die nur ihrer eigenen Arbeit verpflichtet sind? Wo lebst Du? „Weisheit“, „Schein“ und „Gewalt“? Drei Säulen? Frage mal einen der vielen Berliner Bettelmusikanten, ob sie von „Weisheit“ und „Schein“ leben können. Sie werden Dir etwas über die „Gewalt“ ihrer leeren Bäuche und ihrer leeren Portemonnaies vorsingen. Und wie gut sie dessen Lieder singen, wessen Brot sie essen. Oh ja, sie sind in der Verpflichtung ihrer eigenen Arbeit wirklich sehr „frei“.
Habe also Verständnis dafür, daß ich den von Dir beschriebenen Zusammenhang dreier Säulen nicht verstehen kann. Erst recht kann ich nicht nachvollziehen, daß Du auf die wissenschaftliche Erkenntnis der Welt zugunsten der Politik verzichtest, wenn Du Dich in politischer Verantwortung befindest. Denn wir Kommunisten sehen das genau umgekehrt. Wir würden gerade zugunsten unserer Politik niemals auf die wissenschaftliche Erkenntnis der Welt verzichten, und schon gar nicht, wenn wir uns in politischer Verantwortung befinden.
Zu guter Letzt noch einmal, was „den Arbeiter“ anbelangt. Ich widersprechen ein drittes Mal. Denn auch in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft wußten wir sehr gut um unsere Bedürfnisse, Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Nicht das „Was?“ und „Welches?“ quälte uns, sondern stets das „Wie?“.

So, und jetzt muß ich schlafen gehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:06 

Beiträge: 46
Ich bedauere es sehr, dass Du hier nicht mehr bereit bist, die „Fragen eines lesenden Arbeiters“ zu beantworten und Dich schmollend zurückziehst, weil Du glaubst, dass ich Dich nicht verstehen will bzw. dich absichtlich falsch zu verstehen. Das ist völlig falsch, ich habe Dich schon ganz richtig verstanden!!

Da Du anscheinend kompetent in der Geschichte der Philosophie bist (nicht zu verwechseln mit Philosophie), wäre es hilfreich zur weiteren Festigung unseres Klassenstandpunktes, sowie zur weiteren Stärkung unserer marxistisch-leninistischen Weltanschauung mitbeizutragen.

Ich möchte Dir die Worte unseres Genossen Shdanow wärmstens ans Herz legen, weil sie voll und ganz auf Deine irrigen Ausführungen passen:

Zitat:
“Die Entdeckungen von Marx und Engels stellt das Ende der alten Philosophie dar, das heißt das Ende jener Philosophie, die auf eine universelle Erklärung der Welt Anspruch erhebt“

1)

weiter heißt es:
Zitat:
„Die verschwommenen Formulierungen des Verfassers verwischen die gewaltige philosophische Entdeckung von Marx und Engels, indem sie den Nachdruck darauf legen, was Marx mit den vorhergegangenen Philosophen verband, ohne aufzuzeigen, daß mit Marx eine vollkommen neue Periode der Geschichte der Philosophie , die das erste Mal eine Wissenschaft wurde, beginnt.“

1)

Du argumentierst unwissenschaftlich, wenn Dir die Geschichte der Philosophie als eine ständige Ablösung einer Schule durch die darauf folgende erscheint.

Genosse Shdanow erkennt und zeigt:

Zitat:
„Mit dem Auftreten des Marxismus als der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse endet die alte Periode der Geschichte der Philosophie, in der die Philosophie eine Beschäftigung von einzelnen, eine Angelegenheit abgekapselter, vom Leben, vom Volk losgelöster volksfremder philosophischer Schulen war die aus einer geringen Zahl von Philosophen und ihren Schülern war.“


Diese Volksfremdheit und intellektuelle Abgesondertheit kommt in der typisch hochmütigen Arroganz vieler bürgerlicher Philosophen zum Ausdruck.
Gerade in unserer kapitalistischen brd-Gesellschaft sprießen diese Auswüchse auserwählter Geistesaristokraten, die sich dünkelhaft belehrend hinstellen und die größten Geistesheroen der Weltgeschichte, wie Marx, Engels, Lenin und Stalin „kritisch“ bewerten.

Dazu und damit trifft Genosse Shdanow den archimedischen Punkt:

Zitat:
„Der Marxismus ist keine Angelegenheit einiger Auserwählter, der Geistesaristokratie. ....er ist eine wissenschaftliche Waffe in den Händen, der um ihre Befreiung vom Kapitalismus kämpfenden proletarischen Masse.“


Mehr ist eigentlich nicht mehr zu sagen!
W-O-D


1) Genosse A. Shdanow „Über Kunst und Wissenschaft“ Berlin 1951


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:07 
Literat

Beiträge: 2947
Von schmollend kann keine Rede sein. Ein Mann von Verstand weiß, wann sein Versuch, die Menschen um ihn herum aufzuklären, zur Sisyphosarbeit geworden ist. Meine letzten Äußerungen waren im ganzen auch weniger auf dich bezogen. Dennoch möchte ich bezweifeln, daß du meinen Standpunkt "ganz richtig" verstanden hast. Unsere bisherige Diskussion läßt sich in dem Satz zusammen: Ihr beiden redet von Wissenschaftlichkeit, aber innewohnen tut die allein meinen Beiträgen. Ich habe bezüglich Hegel nicht eine wirklich substantielle Bemerkung von euch gelesen, die wenigstens den Verdacht nahelegt, ihr hättet euch mit diesem Denker schon einmal selbständig beschäftigt. In diesem Sinne ist es ganz folgerichtig, daß ihr diesen Mangel zupinseln müßt, indem ihr unablässig versichert, wie wissenschaftlich, klassenmäßig und dergleichen eure Bemerkungen sind. Es ist ein einfaches Kennzeichen wirklichen Geistes, daß er nicht nötig hat, sich unablässig mittels Euphemismen über Wasser zu halten. Er sagt, was Sache ist, und daß das seine Wirkung nicht verfehlt, kann man umso lustiger daran sehen, daß die Geistlosen hinwider gezwungen sind, ihm (dem Geist) Unwissenschaftlichkeit vorzuhalten und sich selbst der reinsten Parteilichkeit und saubersten Wissenschaftlichkeit zu versichern.
Die Ausführungen von Shdanow kenne ich natürlich und halte sie natürlich für falsch. Und bevor ich wieder falsch verstanden werde: Ich werfe Shdanow nichts vor. Er hat eine wichtige Arbeit getan, – damals. Ihr beide, Dajana und du, ihr vermengt stets Wissenschaft mit Politik. Die Politik, wenn sie erfolgreich sein will, muß sich der Wissenschaft bedienen, aber es gelten in der Politik Notwendigkeiten, die mit der Wissenschaft nichts zu tun haben. Es muß nicht, aber es kann dabei zu Situationen kommen, in denen falschen Theorien nachgehangen wird aus richtigen Gründen. Wenn der Scharlatan Lyssenko in der UdSSR als eine Art Ersatz-Darwin aufgebaut wurde, dann doch wohl vor allem aus politischen Gründen. Wenn man den Unterschied zwischen den Lehren Lamarcks und Darwins betrachtet, dann wird einem sofort verständlich, warum die Lamarcksche besser in die Ideenwelt der sozialistischen UdSSR paßt. Dennoch hat Darwin wissenschaftlich recht gehabt und Lyssenko nicht. Etwas wissenschaftlich Falsches – oder sagen wir: nicht ganz Richtiges – kann politisch notwendig sein (und wird dann freilich mit der größten Inbrunst als wissenschaftlich hingestellt werden.) Umgekehrt kann ein Philosoph, ein Naturforscher, ein Künstler eine falsche politische Haltung haben und dennoch in seinem Fach von Bedeutung sein. Stalin, wie ich gezeigt habe, hat das bestätigt. Lenin hat sich oft so geäußert, Marx und Engels so wie so. Aber selbst wenn die Vier anderes gesagt hätten, wäre das kein Grund, nicht zu sehen, was jedes Kind sieht: Daß die politische Haltung völlig unerheblich für die Leistung eines Wissenschaftlers oder Künstlers ist. Diesem Sachverhalt, der euch größte Denkschwierigkeiten macht, begegnet ihr, in dem ihr ihn schlicht abstreitet. Für dieses Verhalten fallen mir durchaus andere Attribute ein als realistisch und vernünftig.
Weiter zu Shdanow. Es wird vielleicht dein Weltbild erschüttern, aber Shdanow ist nicht der erste, der das Ende der Philosophie verkündet hat. Leider ist unser Leben kurz, aber ich sage dennoch: Mal sehen, ob sich die künftigen Philosophen daran halten. Die Botschaft von Shdanows Ausführungen ist der Verzicht auf Totalität. Wäre Shdanow nicht Kommunist, würde ich ihn in die spätbürgerliche Philosophie einzuordnen wissen, die auf den großen Zusammenhang, ja auf die Erklärung der Welt verzichtet. Ich werde jetzt ziemlich theoretisch: Die Vorstellung, man könne die Welt im ganzen erklären, ist ein Irrtum. Damit man aber die Welt nicht nur im einzelnen, sondern im Zusammenhang erklären kann, bedarf es dieses Irrtums. Möchte ich etwas haben, muß ich alles wollen. Will ich von vornherein nur etwas, werde ich nichts bekommen. Das ist in jeder Wissenschaft so. Aber es ist auch das Dilemma des Positivismus, der seit Bernstein auch in der sozialistischen Bewegung Mode ist. Diese Sichtweise – also die Verzicht darauf, die Welt zu verstehen – ist heute unser eigentlicher Hauptfeind. Wir sollten nicht durch krumme, erkenntnisfeindliche Weltanschauungen den positivistischen Theorien Vorschub leisten. Genau das ist nämlich in der DDR bis zu den Siebziger Jahren, ab wann dann der Positivismus die Herrschaft übernahm, passiert.
Es ist ebenfalls nicht richtig, wenn Shdanow davon redet, daß mit Marx und Engels die Philosophie "das erste Mal eine Wissenschaft wurde". Natürlich kennt Shdanow Aristoteles, um gleich mal zum deutlichsten Gegenbeispiel zu kommen. Aristoteles hat beinahe unser gesamtes wissenschaftliches Fundament erarbeitet. Die Probleme der formalen Logik, Begriffe wie Stoff, Form, Substanz, Kategorie, außerdem wichtige Grundbegriffe des sittlichen und politischen Lebens, der Naturwissenschaft und natürlich die Entwicklung der Ästhetik gehen auf ihn zurück. Es ist noch weit mehr. Das Shdanow-Zitat wird aber erst richtig lustig, wenn man bedenkt, wie Marx den Ausgang aus der klassischen Philosophie besorgt hat, nämlich durch den Ausgang aus der Philosophie überhaupt. Nach Shdanow ist Philosophie also nur dann wissenschaftlich, wenn man sie nicht betreibt. Nunja, es ist ein großes Glück, daß die Menschen sich nicht an solche Verdikte halten werden. Entscheidend ist, was am Ende dabei herauskommt und die Tatsache, daß die Mehrheit der Philosophen keine Ahnung von der Welt hatte, ist hierfür nicht interessant. Wenn in 2000 Jahren ein Aristoteles oder ein Hegel herauskommt, dann hat sich die ganze Geschichte gelohnt.
Shdanow, ich sagte es bereits, argumentiert politisch und nicht wissenschaftlich. Ich argumentiere wissenschaftlich, lasse aber Shdanow sein Recht. Ich könnte ebensogut so tun, als hätte der Mann keine politischen Notwendigkeiten gehabt und ihn sodann theoretisch angreifen. Ich tue das nicht, weil ich mich nicht dümmer stellen kann, als ich bin. Gedankt wird es mir ohnehin nicht, aber wer erwartet schon Verständnis von Leuten, die alles, was ihre Vorstellungskraft übersteigt als bürgerlich oder reaktionär bezeichnen. Am schwersten diskutiert sich bekanntlich mit Scholastikern. Die Geschichte der Philosophie ist aber nunmal, wie sie ist. Wissenschaftlich heißt hier, das Offensichtliche nicht zu leugnen, und es ist eine Tatsache, daß in der Philosophie stets eine Schule die andere ablöst. Marx und Engels haben sich oft über Leute lustig gemacht, die die neusten Erkenntnisse für Wahrheiten letzter Instanz gehalten haben. Ich kann dir versichern, auch der Marxismus wird eines Tages überholt sein. Aber er ist auch auf seine ganz eigene Weise nicht einholbar, nämlich auf die: Daß er die Fragen seiner Zeit zu stellen und – soweit wie zu dieser Zeit möglich – zu beantworten vermochte. Und das hat er gemein mit der Hegelschen Philosophie, ohne die es ihn – wie wir wissen – ohnehin nicht gäbe.
Ein weiteres Problem ist die Ansicht, daß die Zeit der Einzelwissenschaften angebrochen sei. Die ist doch aber schon seit langer Zeit da. Die Philosophie hat doch schon bei Hegel nicht mehr die Funktion einer alles erklären Wissenschaft, sondern vorwiegend einen ordnenden und interpretierenden Charakter. Wer immer vom Idealismus der Philosophie redet und dagegen die Einzelwissenschaften hervorhebt, der sollte noch einmal gründlich darüber nachdenken, daß auch die Einzelwissenschaften idealistisch sind, aber eben auf eine noch beschränktere Weise als die Philosophie. Lenin hat ausdrücklich davor gewarnt, daß Einzelwissenschaftler anfangen zu verallgemeinern. Der Einzelwissenschaftler wird stets, das, was er aus seinem Fachbereich zu kennen glaubt, in die ganze Welt projizieren. Es ist offenkundig: Nur eine Philosophie, die sich mit den allgemeinen Erkenntnisgesetzen und der allgemeinen Ordnung der Dinge beschäftigt, wird die Anarchie der Einzelwissenschaften, wenn nicht beseitigen, so doch etwas eindämmen können. Nur die Philosophie ist imstande, uns vor der bornierten Dummheit der Einzelwissenschaften zu bewahren.
Zu der letzten Aussage Shdanows fällt mir eigentlich kaum noch etwas ein. Es sind ja oft die dümmsten Sätze, die am unwiderleglichsten sind. Wenn Shdanow meint, der Marxismus und die Philosophie seien von nun Sache der Allgemeinheit und er redet dabei von deren Rezeption, dann habe ich dagegen keine Einwände. Vielleicht erinnerst du dich daran, daß ich genau das oben behauptet habe und von dir dafür kritisiert wurde. In dem Maße, in dem das Volk Anspruch auf Mitbestimmung erhabt, in dem Maße hat es das Recht auf seine Dummheit verloren. Das sehe ich wie Shdanow. Sollte er aber, was ich nicht ausschließen kann, damit ausdrücken wollen, daß die Urhebung wichtiger Theorien in Zukunft Sache des Volkes sei, dann ist das natürlich eine Selbsttäuschung. Außergewöhnliche Denkleistungen werden von außergewöhnlichen Köpfen besorgt. Wie sollte es auch anders sein? Mehr ist dazu wirklich nicht zu sagen.
Bevor hier aber wieder gegiftet wird, muß ich nochmals betonen (und der Eindruck täuscht nicht, daß es mich nervt, mich permanent wiederholen zu müssen), daß ich Shdanow (und auch Gropp, um diesen Vorwurf gleich mitabzuhandeln) nichts vorwerfe. Ich mache nur ihren Platz deutlich. Denn wenn die Herren auch damals politisch im Recht waren, so ist es noch lange nicht billig, heute ihre Ansichten ungeprüft zu übernehmen, so als wären sie nicht Produkt der besonderen politischen Gegebenheiten.
Um aber selber mal den wissenschaftlichen Standpunkt zu verlassen und die Frage politisch zu stellen, sei hier folgendes bemerkt. Wenn wir von politischen Notwendigkeiten reden, müssen wir uns klar werden darüber, daß wir von unseren politischen Notwendigkeiten reden müssen. Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter, dem sozialistischen. Wir müssen eine Kampf führen auf allen Gebieten und wir können uns nicht leisten, auf gewissen Gebieten zurückzubleiben. Die Wissenschaft (und mit ihr natürlich die Philosophie, die die Wissenschaft von Gegenstand und Methode ist) ist eine wichtige Grundlage des Aufbaus der neuen Gesellschaft. Es geht darum, den technischen Fortschritt zu meistern, darum, Planungsprobleme in allen gesellschaftlichen Bereichen besser zu erfassen und schließlich auch um Bildungsfragen. Wir können uns nicht leisten, mit einer Erkenntnistheorie zu operieren, die weit hinter Marx und Hegel zurückbleibt. Das ist unser Erfordernis, wobei ich mich nicht der Illusion hingebe, in Zukunft werde es keine Widersprüche zwischen Wissenschaft und Politik geben.

Ich will, lieber W-O-D, deiner Bitte noch entsprechen und die "Fragen des lesenden Arbeiters" beantworten, ich muß dich aber warnen. So schlicht wie in diesem Gedicht Brechts geht es bei mir nicht zu.
zu 0.: Danke für das Kompliment, aber ich bin auch nur ein Laie und es war meinen Ausführungen auch anzumerken, daß ich mich seit einigen Jahren nicht mehr eingehend mit dem Thema beschäftigt hatte. Ich begrüße deinen Klassenstandpunkt und, wenn ich auch dieser Klasse nicht angehöre, so ist das kein Grund, meine Einsichten weniger Ernst zu nehmen, was du auch nicht gemacht hast. Ich habe mir nur angewöhnt, vom Ganzen auszugehen. Ich möchte, um es kurz zu sagen, die ganze Menschheit befreit sehen und habe deswegen auf die Arbeiterklasse gesetzt, weil sie die einzige Kraft ist, auf deren Rücken sich die lösbaren der großen Probleme lösen lassen. Ich bin vor kurzem auf ein Zitat von Carlos Dávila gestoßen, bei dem ich etwas schmunzeln mußte: "Der strenge Marxist ist kein Anhänger der kommunistischen Sache, er konstatiert die Unvermeidbarkeit ihres Sieges." Überhört man den Unterton, so ist an dem Zitat was dran. Ich wäre kein Anhänger der Arbeiterbewegung, wenn ich nicht von der Notwendigkeit ihres Sieges überzeugt wäre. Reine Utopien interessieren mich im Grunde nicht.
zu 1.: Mein Ausdruck gegenüber Tschernyschewski war zweifellos nicht angemessen, aber was ich inhaltlich über ihn sagte, stimmt. Tschernyschewski ist mit Sicherheit der bedeutendste Philosoph der vorrevolutionären russischen Geschichte, aber das zeigt auch schon das ganze Dilemma dieser Geschichte. Er hat den Feuerbach konsequent weiterentwickelt, aber gerade den muß man – wie Engels – wirklich übergehen. Es ist ein Scheinmaterialismus und das auf Kosten der Dialektik. Das ist mechanischer Materialismus. Engels hat Feuerbach erledigt, indem er Hegel in die Philosophie zurückgeholt hat. Bei Gropp, Shdanow, Stalin kehrt Feuerbach wieder, und zwar in der Gestalt der jüngst von mir bereits beschriebenen Fehler (Mechanisierung, Verwechslung von Gegenstand und Methode, Ersetzung wissenschaftlicher Begriffe durch politische). Hierzu war auch Tschernyschewski ein Werkzeug. Selbst wenn seine Instrumentalisierung ungerecht ihm gegenüber ist, er steht philosophisch nunmal in dieser Ecke. Über den Wert und aber auch die Grenzen der Philosophie Tschernyschewskis hat Michail Lifschitz eine wichtige Arbeit vorgelegt. Auch Gulyga, um nur bei den Russen zu bleiben, hat Tschernyschewskis Gültigkeit für die damalige Zeit angezweifelt.
Es ist das traurige Los jener Naturalphilosophen, die die Materie anbeten, wie andere ihren Gott, bereits von ihren Vorläufern widerlegt worden zu sein. Die Kritik Tschernyschewskis an Hegels Ästhetik beweist, daß Tschernyschewski keine Vorstellungen davon hatte, was Kunst ist. Die Behauptung, das Naturschöne stehe über dem Kunstschönen, läßt sich überhaupt nur dann treffen, wenn wir mit den beiden etwas Vergleichbares vorliegen hätten. Hegel zweifelt in seiner Ästhetik die Existenz des Naturschönen ausdrücklich an, überläßt diese Überlegung aber fernerer Untersuchung, weil sie nicht der Gegenstand der Ästhetik ist. Die beiden Begriffe sind in der Tat nicht vergleichbar. Das Naturschöne bietet sich uns dar als rein äußerlicher Eindruck. Es steckt keine innere Schönheit dahinter. Das sieht man auch sehr gut daran, daß es in der Natur zwar schöne Klänge, Formen und Farben gibt, die geistige Schönheit (was in der Kunst die Poesie ist) aber völlig fehlt. Die reine Äußerlichkeit der Schönheit ist aber nichts als Reiz, nichts als Wirkung. Sie bestünde nicht, wäre da kein menschliches Wesen, das die Reize wahrnimmt. Das Kunstschöne ist dagegen stets die Hervorbringung einer Innerlichkeit, einer Idee. Egal, um welches Gattung es sich handelt, welcher Künstler den Kunstgriff besorgt hat oder wie gelungen er ist: Was ein Künstler in die Welt wirft, hat zuvor in seinem Kopf existiert. Wir haben also gesehen, daß das Naturschöne nichts als Reiz, nichts als äußere Wahrnehmung ist. Das Kunstschöne dagegen die Hervorbringung eines Inhalts. Alle Schönheit ist Schönheit von etwas und alle Kunst bedeutet etwas. Jedes Kunstwerk hat einen Sinn, die Natur nicht. Die Natur hat Gesetze, wie die Kunst übrigens auch, aber die Natur hat darüberhinaus nichts. Wenn ich nun das Kunstschöne und das Naturschöne in einen Entwicklungszusammenhang stellen möchte, so muß ich entweder den reinen Eindruck des Reizes für objektiv nehmen, was zum subjektiven Idealismus führt, oder ich muß die Kunst ihres Sinnes berauben, was für meine Ästhetik schlechte Auswirkungen hätte. Wenn ich ein Ding über das andere stellen möchte, muß ein Zusammenhang zwischen beiden bestehen. Dieser Zusammenhang fehlt. Ebensogut könnte ich die Entstehung der Erde mit dem Bau des Berliner Doms vergleichen und behaupten, der Bau der Erde stehe über dem des Berliner Doms. Wie man immer dazu steht, was über wem steht, in jedem Fall muß man eingestehen, daß ein Reiz etwas anderes ist als Schönheit. Und das sollte man beachten, wenn man nachdenkt, weil die Alltagssprache, die sich bekanntlich vorwiegend nach der sinnlichen Wahrnehmung bildet, natürlich keinen Unterschied zwischen Reiz und Schönheit macht. Existiert denn das Naturschöne überhaupt? Ich nehme einen malerischen Sonnenuntergang, den keiner sieht. Hat er, ungesehen, überhaupt einen Reiz? Beginnt seine angebliche Schönheit zu existieren, sobald sie perzipiert wird? Man kann Tschernyschewski nicht vorwerfen, daß er Lenins "Materialismus und Empiriokritizismus" nicht gelesen hat. Aber Hegel hatte er wohl gelesen und hätte er ihn auch verstanden, dann wäre er niemals auf derart subjektivistische Gedanken verfallen. Wenn man sich seines Verstandes bedient, ist doch völlig selbstverständlich, wie es sich mit dem Naturschönen verhält. Wir, die Menschen, haben ästhetisch geschulte Augen. Wir sind nicht imstande, einen Zustand unidealisiert zu betrachten. Die Entwicklung der Kunst liegt auf dem Weg der Menschwerdung, denn sie ist die älteste Art, sich die Welt anzueignen. Ich bezweifle, daß der Mensch, bevor er die Kunst kannte, die Natur schön fand. Reizvoll ja, schön nicht. Ich breche an dieser Stelle mal ab, weil wir sonst zu tief in die Materie vordrängen. Ich bin wahrscheinlich schon so unverstanden genug. Hierzu vielleicht noch der Hinweis, daß Hegels Ästhetik keineswegs aus dem Nichts begründet wurde, sondern, wie alles Treffliche, in sehr guter Tradition steht. Die Gipfel der Ästhetik sind Aristoteles, Hegel und Lukacs. Nicht wegzudenkende Gestalten sind Platon, Longinus, Winckelmann, Goethe, Schiller, Hacks – um nur die wichtigsten zu nennen. Im 20. Jahrhundert gibt es in der Sowjetunion immerhin Lifschitz. In der DDR aber haben alle wichtigen (und etliche unwichtige) Dichter und Denker an die deutsche Klassik angeknüpft, wie immer ihre politische Haltung auch war. Kurella, Abusch, Girnus, Harich, Becher. Das hatte auch mit der starken Fürsprache Ulbrichts zu tun. Möchte man in diesem Zusammenhang auf Shdanow kommen, so gilt auch hier das Nämliche über ihn: Ein politisch höchst notwendiger Standpunkt, der im besonderen Zusammenhang seiner Zeit nicht abzustreiten ist, aber über diesen Zusammenhang hinaus seine Bedeutung verliert. Bereits Lenin und natürlich auch Lifschitz haben die Klassengebundenheit der Kunst abgestritten. Tolstois schriftstellerische Meisterschaft besteht, laut Lenin, eben gerade in der Darstellung der gesamten Gesellschaft und nicht in der Widerspiegelung einer junkerlichen Psychologie. Letztere Sichtweise ist von Plechanow und es war Lifschitz, der in den Dreißiger Jahren, als diese Ansichten, die er unter dem Begriff Vulgärsoziologie zusammenfaßte, wieder auftauchten, gegen dieselben entschieden auftrat. Ein Politiker, der die Kunst für die Revolution instrumentalisieren möchte, handelt natürlich richtig, aber er braucht sich auch nicht zu wundern, wenn diese Kunst außerhalb dieses Zusammenhanges ihre Bedeutung verliert. Und natürlich kommt dabei miese Kunst heraus. Es ist also verständlich, daß die Künstler sich nur bedingt instrumentalisieren lassen möchten und schließlich benutzen sie die Politik für ihre Zwecke ja auch. Aber alle diese Fragen machen keine Ästhetik. Peter Hacks, wie üblich, hat es auf den Punkt gebracht: "Eingestandenermaßen ist Kunst eine Waffe. Eingestandenermaßen ist ein Holzhammer eine Waffe. Nach Aristoteles folgt hieraus nicht, daß die Kunst ein Holzhammer sein müsse. Es folgt eher, daß die Kunst eine um so bessere Waffe sei, je bessere Kunst sie ist."
Zu 2.: Über das Verhältnis von Politik und Wissenschaft habe bereits alles Nötige gesagt. Ich habe meinen Ausführungen nichts hinzuzufügen. Ein Satz von dir ist aber einer Bemerkung wert: "Wir sollten uns hüten die bürgerliche Sichtweise der 'neutralen Wissenschaft' unbewusst zu übernehmen." Diese Sichtweise ist nicht bürgerlich. Es ist je gerade das Bürgertum, das mit dem Aufkommen des Imperialismus die Objektivität abgeschafft hat. Um ein einzige Besipiel zu bemühen, die gegenwärtige Geschichtsschreibung ist in den allermeisten Fällen nur Verkündung von Urteilen und ganz selten Erkenntnis. Leider ist auch hier zu bemerken, daß es Marxisten gibt, die unter dem Vorwand der Parteilichkeit, den Weg der Zerstörung von Vernunft und Objektivität mitbeschreiten. Und sie bemerken vor lauter Eifer nicht, daß ihnen so die Laster der untergehenden Gesellschaft des Imperialismus mitanhaften.
Dabei liegt der Fall doch ganz klar. Es ist eine Grundregel der Wissenschaft, nicht das Resultat an den Anfang der Untersuchung zu setzen. Das Resultat ist ja gerade das, was am Ende herauskommt. Im Anti-Dühring steht das auch so. (Ich weise deswegen so oft auf Engels, Marx und Lenin hin, weil es offensichtlich nicht ausreicht, wenn ich selbst versichere, daß, was ich sage, die Wahrheit ist.) Die Parteilichkeit von Wissenschaftlern zeigt sich nicht in ihren Forschungen, sondern in ihrem Verhalten. Einstein hätte sich wie Eduard Teller verhalten können, Oppenheimer wie Leo Szillard, an der Richtigkeit ihrer Forschungen hätte das nichts geändert. Würden die Wissenschaftler an den Anfang ihrer Untersuchungen die Frage setzen, ob sie sich lohnt, wohin sie führt, wem sie dient usf., es wäre in der ganzen Geschichte der Menschheit nie zu einer Erkenntnis gekommen. Wir säßen noch heute, wenn überhaupt, auf den Bäumen. Ich denke, wer jetzt noch nicht verstanden hat, was ich meine, der wird es auch nicht verstehen, wenn ich es ihm nochmal erkläre. Auch rate ich davon ab, in diesem Zusammenhang von bürgerlichen Ansichten zu sprechen, da 1. diese Ansichten bereits gedacht wurden, als es das Bürgertum noch gar nicht gab, da 2. diese Ansichten auch außerhalb des Bürgertums gedacht werden, da 3. diese Ansichten auch innerhalb des Proletariats gedacht werden, da 4. diese Ansichten sich einfach von selbst verstehen und da 5. diese Ansichten ganz offensichtlich in keinem Zusammenhang zu den Produktionsverhältnissen stehen.
Zum Beispiel Oppenheimer noch einmal: Es geht nicht darum, einem Wissenschaftler sein politisches Verhalten vorzuwerfen. Hätte Oppenheimer das Seine nicht getan, hätte es ein anderer getan. Man kann nicht verhindern, daß die Politik ihren Nutzen aus der Wissenschaft zieht. Man kann die Wissenschaftler, die den Herrschenden dienen, nicht ändern. Man kann aber die Herrschenden, denen gedient wird, ändern, und zwar so, wie das 1917 in Rußland gemacht wurde. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Oppenheimer und Klaus Fuchs. Letzter stellte sich in den Dienst der UdSSR. Es ist eine ziemlich platte Sichtweise, unter Zuhilfenahme elegischer Weltschmerzschreie gegen Oppenheimer zu polemisieren, weil das kein lösbares Problem darstellt. Man kann sich ebensogut auch über das Wetter ärgern.
Zu 3.: Ich habe die Rolle von Marx, Engels, Lenin und Stalin nicht abgestritten. Du scheinst davon auszugehen, daß ich Hegel als den wahren Führer der Arbeiterschaft verteidige. Ich könnte mich nicht entsinnen, jemals ein derart krauses Zeug gedacht zu haben. Was ich will, ist die Gerechtigkeit für Hegel, die er verdient. Kein Marxist darf eine historische Persönlichkeit kritisieren, ohne a) die Persönlichkeit und b) die Historie zu kennen und zu berücksichtigen. Hegel war eben niemals der Fürsprecher der Kapitalistenklasse und seine Theorie ist auch nicht die der Bourgeoisie. Die Bourgeoisie hat ihn von Beginn an demontiert. Zu ihr passen eher Nietzsche, Schopenhauer, Schlegel. Hierzu gibt es eine wichtige Untersuchung: "Die Zerstörung der Vernunft" von Georg Lukacs, in der die Entwicklung des Denkens "von Schelling zu Hitler" dargestellt wird. Hegels Idealismus ist inbetreff der Philosophie der klassische Überbau des Absolutismus, er ist sozusagen die Weimarer Klassik des Denkens. Wer das ignoriert, ignoriert nicht nur Hegel, sondern auch die Geschichte selbst. Das Mindestmaß an Gerechtigkeit für Hegel ist die Zurücknahme der Einschätzungen aus den Dreißiger und Vierziger Jahren der Sowjetunion und die Rückbesinnung auf Marx, Engels und Lenin. Wie eine weitere materialistische Hegel-Analyse aussehen muß, darüber habe ich auch schon geschrieben. Es gibt übrigens ein sehr wichtiges Werk zum Verhältnis von Marx und Hegel: "Vom Kopf auf die Füße?" von Sahra Wagenknecht.
Was dein Lenin-Zitat betrifft, ist folgendes zu sagen. Zunächst ist die "Geschichte der Philosophie" nicht identisch mit der "Wissenschaft der Logik". Das Zitat handelt von ersterer, wir aber reden von letzterer. Wenn man mal von der etwas merkwürdigen Sprache Lenins absieht, die seine persönliche Art war und auch sehr unterhaltsam ist, die aber schon dem Ernst, mit dem er im Grunde an derartige Fragen heranzugehen pflegte, widerspricht, muß hier wiederum festgestellt sein, daß sich die Charakterisierung "idealistisch" auf den Gegenstand (also das Hegelsche System bezieht), wenn wir aber von Hegelscher Dialektik reden, die Methode Hegels gemeint ist. Egal, wie man inhaltlich zu Lenins Aussage stehen kann, den Unterschied zwischen Hegels System und seiner Dialektik kennt er.

Soweit nun zu deinen verschiedene Äußerungen und ich bin mir sicher, daß ich noch einige vergessen habe. Die Antwort hat mich einige Stunden gekostet, die ich für anderes bitter nötig gehabt hätte. Ich schlage vor, daß wir es dabei sein Bewenden haben lassen. Es sei denn, hier kommt wirklich noch etwas neues. Ich persönlich habe den Eindruck (und ich täusche mich selten), daß es hier keine weitere Annäherung geben kann. Es gibt auch das Problem, daß meine Antworten ziemlich breit werden, weil ich immer erst alles erklären muß. Es ginge noch länger, kürzer geht es nicht. Das ist kein Verhältnis, wenn man auf so kurze Sätze mit so langen antworten muß.
Zu Dajanas Aussagen werde ich nichts mehr sagen. Ihre Entgegnungen gingen zum großen Teil an meinen Aussagen vorbei und basierten zu einem gewissen Teil auch auf Unterstellungen. Hier wäre empfehlenswert, meine vorangegangenen Ausführungen noch einmal zu lesen. Vielleicht beantworten sich einige Fragen dann auch von selbst.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:19 

Beiträge: 46
Ich muß das erst verdauen, ich bitte um Geduld.
W-O-D


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:21 

Beiträge: 9
Lieber NumaPompilius! Du wolltest ins Wespennest stechen, wunderst Dich aber, wenn es wehtut. Also, ich glaube nicht, daß meine Entgegnungen an Deine Aussagen vorbeigegangen sind. Im Gegenteil, sie waren sehr treffend. Und es empfiehlt sich übrigens wirklich, daß Du Deine eigenen Aussagen noch einmal liest. Denn auch Deine letzten sind zum Teil erschreckend unkritisch, unlogisch, undifferenziert und daher unwissenschaftlich. Es ist z. B. höchst unwissenschaftlich, den inneren Zusammenhang von Politik und Wissenschaft zu leugnen. Wenn auch nicht direkt, bist Du, gerade was die Politik betrifft, immer wieder geneigt zu unterstellen, daß das politische Denken und Handeln der Menschen selbst nicht wissenschaftlich sein kann. Jedenfalls muß ich das so schlußfolgern, zumal Du Dich darüber beschwerst, daß sich bei W-O-D und mir immer wieder Politik und Wissenschaft vermengen. Und wenn Du dann feststellst, daß die Politik, wenn sie erfolgreich sein will, sich der Wissenschaft bedienen muß, in der Politik aber Notwendigkeiten gelten, die mit der Wissenschaft nichts zu tun haben, antworte ich Dir: Möglicherweise! Aber es kommt auch auf die Politik an, d. h. darauf, wessen Politik man meint und betreibt. Ist sie darauf bedacht, das gesellschaftliche Sein sich nicht selbst zu überlassen, sondern es statt dessen bewußt zu verändern, so wird es nicht reichen, sich nur der Wissenschaften zu bedienen. Das politische Denken und Handeln muß selbst zur Wissenschaft werden. Das aber, so glaube ich jedenfalls, hast Du noch nicht begriffen. Denn diese Tatsache bis ins Detail anzuerkennen und zu verinnerlichen, das macht den konsequenten Kommunisten aus. Sicherlich, uns mögen in der Praxis politische Fehler unterlaufen sein, weil wir falschen Theorien nachhingen. Aber ob die Gründe dafür „richtig“ waren, käme auf den jeweiligen Fall an. Ich bin mir sicher, daß wir gerade hier unterschiedlicher Auffassung sein würden, was sich bereits jetzt an Deiner ablehnenden Haltung zu Shdanow und Gropp erkennen läßt. Aber selbst wenn nicht: Man kann politisch irren, und doch eine ihrem Charakter nach wissenschaftliche Politik betreiben. Wissenschaft heißt eben auch, sich irren zu können. Klein-Fritzchen mag sich in der Schule verrechnen, die Mathematik aber bleibt eine Wissenschaft. Wir Kommunisten hingen sicher hier und da falschen Theorien nach. Unser politisches Denken und Handeln bleiben dennoch wissenschaftlich, auch wenn wir gelegentlich irren. Die Praxis, die der Prüfstein der Wahrheit bleibt, hat uns 1989 geohrfeigt – wir erlitten eine Niederlage. Aber selbst unsere Niederlage kann für uns Marxisten/Leninisten nur Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung sein. Der Marxismus/Leninismus bleibt eben eine Wissenschaft. Kann es sein, daß Du damit Deine Probleme hast? Ich frage, weil für Dich das eine eben immer nur Politik und das andere Wissenschaft ist. Die Verbindung von Wissenschaft und Politik scheint für Dich immer nur die einer rein mechanischen äußerer Zusammenhänge zu sein. Die Politik, die sich der Wissenschaft bediene, mehr eben nicht. Auch darin zeigt sich übrigens, daß Du Sozialismus nie wirklich erlebt hast. Und wenn doch, dann hast Du dieses Erleben nicht verinnerlicht. Ja, als dürfe Politik und Wissenschaft gar keine inneren Zusammenhänge entwickeln – so liest sich das, was Du schreibst. Wenn dem so wäre, könnte ich’s sogar verstehen. Denn der Kapitalismus tritt das Wissen der Menschen mit Füße. Er kann das besonders gut. Beschäftige Dich mit Marx Kapital, und Du wirst verstehen, warum.
Du unterstellst uns Denkschwierigkeiten. Denn jedes Kind sähe: „...Daß die politische Haltung völlig unerheblich für die Leistung eines Wissenschaftlers oder Künstlers ist.“ Ich aber sage Dir, daß uns das keine Denkschwierigkeiten bereitet hat. Schwierigkeiten machten uns aber Künstler oder Wissenschaftler, deren Leistungen für uns nicht unerheblich waren, von denen wir aber wußten, daß ihre politische Haltung nicht unsere ist.
Du sagst: „...Die Vorstellung, man könne die Welt im ganzen erklären, ist ein Irrtum. Damit man aber die Welt nicht nur im einzelnen, sondern im Zusammenhang erklären kann, bedarf es dieses Irrtums.“ Ich hingegen antworte Dir: Ja, die Vorstellung, man könne die Welt im ganzen erklären, ist ein Irrtum. Aber gerade damit man diesen nicht begeht, gilt es die Welt aus ihren einzelnen Zusammenhängen heraus zu erkennen und zu erklären. Denn die Welt ist erkennbar, und nichts berechtigt uns, der menschlichen Erkenntnisfähigkeit von vornherein Grenzen zu setzen.
Du sagst: „...Möchte ich etwas haben, muß ich alles wollen. Will ich von vornherein nur etwas, werde ich nichts bekommen. Das ist in jeder Wissenschaft so.“ Ich aber sage Dir: Möchtest Du etwas haben, darfst Du eben nicht alles wollen. Und willst Du von vornherein alles, wirst Du möglicherweise nichts bekommen. So ist es in der Wissenschaft. Denn jede kann von allem immer nur etwas wollen.
Du behauptest: ,,...Nach Shdanow ist Philosophie also nur dann wissenschaftlich, wenn man sie nicht betreibt.“ Ich behaupte, daß Du immer noch nicht begriffen hast, warum die Entstehung des dialektischen Materialismus eine Revolution in der Philosophie war. Die Geschichte der Philosophie ist eben nicht, wie sie ist. Denn Eure erkennt den dialektischen Materialismus nicht als das an, was er ist. Und wenn sich Marx und Engels, wie Du richtig feststellst, oft über Leute lustig machten, die die neusten Erkenntnisse für Wahrheiten letzter Instanz gehalten haben, solltest Du über Deine Erkenntnisse noch einmal nachdenken. Und wenn Du sagst, Du könntest uns versichern, daß der Marxismus eines Tages überholt sein werde, sage ich Dir, daß Du genau das nicht kannst, weil Du immer noch nicht begriffen hast, daß der Marxismus/Leninismus eine Wissenschaft ist. Es ist eben falsch zu glauben, daß er nur „...die Fragen seiner Zeit zu stellen und – soweit wie zu dieser Zeit möglich – zu beantworten vermochte.“ Im Gegenteil. Er stellte und beantwortete eben nicht nur die Fragen seiner Zeit, sondern auch die der Zukunft. Und genau das unterscheidet Marx von Hegel.
Du sagst: „In dem Maße, in dem das Volk Anspruch auf Mitbestimmung erhebt, in dem Maße hat es das Recht auf seine Dummheit verloren.“ Ich sage Dir, daß Shdanow niemals so etwas Dummes formuliert hätte und daß nur für Dummköpfe alle andern dumm sind.
Du glaubst, es sei eine Selbsttäuschung, „...daß die Urhebung wichtiger Theorien in Zukunft Sache des Volkes sei.“ Ich entgegne Dir, daß wir Kommunisten geschichtlich genau das bereits bewiesen haben. Unser Bildungssystem machte es möglich, Euer nicht. Und wenn Du glaubst,„...Außergewöhnliche Denkleistungen werden von außergewöhnlichen Köpfen besorgt.“, dann sage ich Dir, daß die Volksmassen die Träger der gesellschaftlichen Entwicklung und aller außergewöhnlich historischen Ereignisse waren. Die Volksmassen sind die Schöpfer der Geschichte. Ohne sie gäbe es keine außergewöhnlichen Denkleistungen außergewöhnlicher Köpfe. Wir setzen also nicht auf Elitetheorien. Sie waren von jeher Bestandteil von Ausbeuterideologien.
Du unterstellst, es sei „...eine Grundregel der Wissenschaft, nicht das Resultat an den Anfang der Untersuchung zu setzen. Das Resultat ist ja gerade das, was am Ende herauskommt.“, sagst Du und beziehst Dich dabei angeblich auf Marx, Engels und Lenin. Ich aber antworte Dir, daß Marx die wichtigste Besonderheit der Wissenschaften als theoretische Tätigkeiten gegenüber anderen menschlichen Tätigkeiten darin gesehen hat, daß sie „allgemeine Arbeit“ ist zum Unterschied von den vielen besondern Arbeiten. Wir können in einer anderen Diskussion gerne klären, was allgemeine von besonderer Arbeit unterscheidet. Fakt ist, Wissenschaft ist Arbeit, also immer zielgerichtete, zweckmäßige und bewußte Tätigkeit des Menschen! Oder glaubst Du, Oppenheimer und sein wissenschaftlicher Stab haben die Atombombe zufällig entwickelt? Es stellt sich folglich nicht die Frage, ob sich Wissenschaft lohnt, denn sie lohnt sich immer, sondern es stellt sich die Frage, für wen sie sich lohnt.
Du sagst: „Hätte Oppenheimer das Seine nicht getan, hätte es ein anderer getan.“ Ich aber antworte Dir: Hätte Oppenheimer das Seine nicht für Kapitalisten getan, sondern, so wie Klaus Fuchs, in den Dienst einer sozialistischen Wissenschaften gestellt, hätte es Hiroshima nie gegeben. Und der Wissenschaft hätte es nicht geschadet, im Gegenteil. Wenn Du uns also weismachen willst, man könne „...nicht verhindern, daß die Politik ihren Nutzen aus der Wissenschaft zieht.“, entgegne ich Dir, daß man es sogar muß, wenn die Politik menschenverachtend und reaktionär ist. Wissenschaftler zu sein, heißt auch Verantwortung zu tragen! Das nämlich unterscheidet der Form nach sozialistische von kapitalistischer Wissenschaft und beeinträchtigt in keiner Weise den objektiven Inhalt wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wir können Dich also beruhigen: Es wird auch in Zukunft keine sozialistische Mathematik, Physik oder Kybernetik geben. Aber dafür Wissenschaftler im Dienste einer Wissenschaft, die keine reaktionären und menschenfeindlichen Ziele mehr verfolgt. Übrigens zeigt gerade das Beispiel Klaus Fuchs, daß man Wissenschaftler, die den Herrschenden dienen, sehr wohl ändern kann. Klaus Fuchs wurde nämlich seiner politischen Verantwortung als Wissenschaftler gerecht, wogegen Deine Ansichten die Ansichten derer sind, die uns Glauben machen wollen, daß die rücksichtslose und menschenverachtende Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse unabänderlich sei. Was ich aber bezweifele ist, daß man dagegen die Herrschenden, denen gedient wird, ändern kann. 1917 sind in Rußland die Herrschenden nämlich nicht geändert, sondern revolutionär entmachtet worden. Und dieser kleine Unterschied ist keine Wortklauberei, sondern der einer Betrachtung, die die Existenz gesellschaftlicher Klassen anerkennt und zur Grundlage legt. Du darfst Dich also weiter über das Wetter ärgern! Wir wollen es auch gar nicht ändern. Aber den Wissenschaftler, den werden wir ändern, weil wir ihn ändern können. Das Wetter leider noch nicht.
Ja, Du hast recht. Hegel war nicht der Fürsprecher der Kapitalistenklasse und seine Theorie ist auch nicht die der Bourgeoisie. Aber um aus Marx einen kleinen bedeutungslosen Nachfolger Hegels zu machen, um den Marxismus/Leninismus als Wissenschaft zu leugnen und um die Geschichte der Philosophie als eine scheinbar endlose Aneinanderreihung philosophischer Schulen darstellen zu können, ist die Instrumentalisierung Hegels ein wichtiges Mittel bürgerlicher Apologetik. Die Bourgeoisie hat ihn also nie wirklich demontiert.

Also, NumaPompilius! Ich möchte Dir ja glauben, daß Du die ganze Menschheit befreit sehen willst und deswegen auf die Arbeiterklasse setzt. Aber Deine Ansichten sind zumindest an den von mir aufgezeigten Stellen mit denen des Marxismus/Leninismus, der Wissenschaft der Arbeiterklasse, unvereinbar, weil es zentristische sind. Kommunisten haben aber insbesondere aus der Entwicklung jener Parteien der zweiten Internationale gelernt, die unter der Einwirkung dieser gefährlichen Spielart des Opportunismus entarteten.
Nein, ich werde mich zu guter Letzt davor hüten zu sagen, daß Du ein Reaktionär bist. Möglicherweise bist Du nämlich sogar ein feiner Kerl, der die Menschheit wirklich befreit sehen will. Aber Deine Ansichten sind – so wie von mir am Anfang bereits erwähnt – erschreckend unkritisch, unlogisch, undifferenziert und daher unwissenschaftlich. Wie soll also die Arbeiterklasse, auf die Du setzen willst, auf Dich setzen können?


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:21 

Beiträge: 46
Da die Dajana hinreichend genau, die treffende wissenschaftlich fundierte Antwort gegeben hat, erübrigt sich, dass ich meinen Senf noch dazu gebe.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:22 
Literat

Beiträge: 2947
Ich hätte eigentlich, lieber W-O-D, etwas mehr von dir erwartet.

Die hauptsächlichen Probleme an deinen Aussagen, Dajana, bleiben weiterhin: mangelnde Kenntnis des Gegenstandes, schlechte Handhabung der Denkwerkzeuge, sowie (gelinde gesagt) Fehlinterpretationen meiner Aussagen. Nun kann ja wirklich sein, daß diese Beschränktheit nicht hausgemacht ist und du wirklich nichts dafür kannst. Ich aber bin auch nicht verpflichtet, einen Unterschied zu machen zwischen einem, der nicht besser kann und einem, der nicht besser will. Nach deiner letzten Aussage hat sich mein Bild bestätigt, nämlich, daß es wenig Sinn hat, weiter zu diskutieren. Es ist immer problematisch, wenn man nicht auf gleicher Augenhöhe ist. Alle von dir getroffenen Aussagen, die richtig oder nicht ganz falsch sind, sind bei meinen Überlegungen miteinbegriffen. Das ist für mich insofern komisch, weil also einige deiner Gegenargumente meine höchsteigenen Ansichten sind. Allzuoft zeigen sie die Grenzen des mechanischen Denkens, das nicht in der Lage ist, Widersprüche als etwas anderes zu sehen, denn als von einander säuberlich abgetrennte Kategorien; und ferner zeigen sich die Grenzen des positivistischen Denkens, das nicht in der Lage ist zu begreifen, daß die Wahrheit das Ganze ist. Einsichten sind kaum vorhanden und werden auch nicht vollzogen, wenn alles vorgekaut serviert wird. Mangelnde Kenntnis ist ebenfalls ein großes Problem. Hegel kannte seinen Gegenstand. Und Hegels Zeitgenossen kannten ihn. Auch ich ich kenne ihn, aber meine Zeitgenossen haben nie davon gehört. Meine Urteile bleiben unverstanden, weil man nicht zusammenfassen kann, was überhaupt nicht ausgebreitet ist. Ich muß also alles, worüber ich Urteile abgebe, euch überhaupt erst einmal zur Kenntnis bringen. Das kostet Zeit und Platz.
Die Lust am weiteren Diskutieren ist mir also nicht sehr groß, aber nicht, wie du mutmaßt, wegen irgendwelcher Stiche, sondern eher schon Mangels solcher. Es sind ja nicht die treffendsten Aussagen die unangreifbarsten, sondern eben gerade die untreffendsten. Je hermetischer ein Weltbild ist, desto weniger widerlegbar ist es. Der Vorteil der Unwiderlegbarkeit aber hat seinen Preis; es ist der Preis der Erkenntnis. Aus diesem Umstand folgt Unredlichkeit. Ich will es mal so ausdrücken: Wenn ich derart wenig Ahnung vom Thema hätte, wäre ich in meiner Art zurückhaltender und in meinen Aussagen vorsichtiger. Das ist jedoch nicht mein Problem. Ich bin und bleibe unbegriffen und wenn ich merke, daß dies der Fall ist, merke ich auch sogleich, daß ich Wichtigeres zu tun habe.
Ich bin hier für nichts zuständig. Es bedarf zur Klärung der meisten deiner Problem in der Tat nur der nochmaligen Lektüre meiner früheren Beiträge. Wenn das nicht genügt, empfehle ich die Abendschule. Im folgenden möchte ich mich daher versuchen, mich vor allem einer Gruppe von Aussagen zu widmen. Gemeint sind diejenigen deiner Aussagen, die neu sind und die in jedem Fall nicht so stehen bleiben können. Ich ahne aber schon, daß es dabei nicht wird bleiben können, da es um große Zusammenhänge geht.
Zuerst zu folgendem: "Wir trennen Ontologie, Gnoseologie und Methodologie eben nicht mehr". Die Trennung zwischen Gegenstand und Methode ergibt sich von selbst. Sie existiert bei jedem ernsten Philosophen, also auch bei Marx. Das heißt natürlich nicht, daß es keinen Zusammenhang zwischen beiden gibt. In jedem Philosophischen Wörterbuch eines sozialistischen Staates kannst du nachlesen, daß Theorie und Methodologie die zwei Themen des dialektischen Materialismus sind. Deine Aussage ist falsch, will sie auf eine Identität methodischer und theoretischer Fragen hinaus, oder sie ist in Bezug auf die Differenz zwischen Hegel und Marx belanglos, weil es nicht stimmt, daß bei Marx Methode und Gegenstand miteinander verknüpft sind und bei Hegel etwa nicht. Deine Aussagen waren ein Reaktion auf meinen Hinweis, daß Stalin (wie ich behaupte: mit Absicht) das System Hegels mit dessen Methode verwechselt und das den anderen drei marxistischen Klassikern nicht passiert ist. Ich wüßte nicht, worin der Einwand deiner Aussage bestehen sollte.
Als nächstes das: "warum ersehnst Du Dir den frühen, den „nicht marxistischen“ Marx, der „...selbst noch kein rechter Materialist war“?" Das genaue Gegenteil des mir Unterstellten habe ich behauptet. Ich habe gerade darauf hingewiesen, daß Marxens Bewertungen Hegels zu einer Zeit besorgt wurden, in der er selbst noch kein rechter Materialist war und daß es folglich ein folgenreiches Problem ist, wenn sich der Marxismus ungeprüft auf diese Überlegungen stützt.
"Ergreifst Du etwa nicht Partei? Warum darf es der Mathematiker eigentlich nicht?" - Ich bemühe mich in meiner Weltsicht stets, die Dinge von allen Seiten zu beleuchten. Alles andere als das bestmögliche Verständnis einer Sache widerspricht meiner Auffassung von Wissenschaftlichkeit. Ich ergreife die Partei Shdanows und Stalins, wenn sie mit wissenschaftlich falschen Begriffen ihr Vaterland verteidigen. Die Besonderheit der Situation des 2. Weltkrieges ist hierbei entscheidend. Es ist nur natürlich, daß die klassische deutsche Philosophie hier für politische Kämpfe herhalten mußte. Es gibt in dieser Situation nur ein Ziel: Die Verteidigung des Landes und zwar auf jede Weise. Zu diesem Zweck ist die Wahrheit etwas verbogen worden und ich bin der letzte, der sich darüber erregt, aber wir müssen uns klar machen, daß dies nicht unsere politische Situation ist, daß es momentan keinen Grund gibt, an diesen Vorstellungen festzuhalten. Man muß schon ein sehr simples Bild von der Welt haben, wenn man sich nicht vorstellen kann, daß es zu Widersprüchen zwischen Praxis und Theorie kommen kann. Was den Mathematiker angeht, so ist es doch klar, daß ich ihm nicht verboten habe, Partei zu ergreifen. Aber das tut er da, wo man das eben macht, im politischen Leben nämlich. Sobald er aber seinen Beruf ausübt, denkt er an keine Parteien mehr, was er auch muß, will er erfolgreich sein. Ich bitte auch hier darum, meine Aussagen nicht zu verdrehen oder sie in schlechter Einseitigkeit auszulegen.
Ich habe über die drei Weisen, sich die Welt anzueignen gesprochen, als da sind die politische, die wissenschaftliche und die künstlerische. Jede dieser drei hat ihren Wert, keine von ihnen ist entbehrlich. Ich habe anschließend ganz inständig darum gebeten, den von mir beschriebenen Sachverhalt zu verstehen, weil ich natürlich weiß, daß er wie alles Wahre - denn die Welt und Leben sind nunmal nicht einfach gestrickt - Probleme bereiten wird. Du hast dich indes beeilt, meine Befürchtung auf Deutlichste zu bestätigen, denn alles, was dir dazu eingefallen ist, ist dies hier: "Frage mal einen der vielen Berliner Bettelmusikanten, ob sie von „Weisheit“ und „Schein“ leben können." Ich will mich nicht unnötig darüber verbreiten, ob die Schar der Künstler nur aus Bettelmuskianten besteht, und ob es also billig ist, seine Sicht auf das Gesamte derart zu fokussieren. Aber es bleibt die Tatsache, daß selbst der Bettelmusikant vom "Schein" lebt. Er wird ja bezahlt, weil er Kunst hervorbringt.
"Habe also Verständnis dafür, daß ich den von Dir beschriebenen Zusammenhang dreier Säulen nicht verstehen kann. Erst recht kann ich nicht nachvollziehen, daß Du auf die wissenschaftliche Erkenntnis der Welt zugunsten der Politik verzichtest, wenn Du Dich in politischer Verantwortung befindest. Denn wir Kommunisten sehen das genau umgekehrt. Wir würden gerade zugunsten unserer Politik niemals auf die wissenschaftliche Erkenntnis der Welt verzichten, und schon gar nicht, wenn wir uns in politischer Verantwortung befinden." - Ich habe Verständnis. Das ist ja gerade der Punkt. Aber ich habe eben nicht nur für deine Ansichten Verständnis, sondern eben auch für die des Wissenschaftlers, der seine Forschungsergebnisse verteidigt. Es ist der Zusammenhang, auf den es ankommt. Wir Kommunisten benutzen die Wissenschaft, wir haben aber vor allem praktische Ziele. Und Politik funktioniert nach ihren Regeln, die natürlich auch objektive Regeln sind, aber es gibt in jeder Bewegung, auch in jeder Gesellschaft, ideologische Kämpfe. Wenn der Kampf der Systeme einen geistigen Anteil hat, ist es natürlich, daß vom politischen Standpunkt äußerstes Mißtrauen gegen alle Neuigkeiten aufkommt. Genau das ist historisch passiert. Es ist zum Beispiel jahrzehntelang auf eine wissenschaftliche Psychologie verzichtet worden, weil dieses Gebiet noch in den Kinderschuhen steckte. Natürlich kann man Siegmund Freud nicht einfach übernhemen. Man muß sehen, was an ihm brauchbar ist und was nicht. Die Reaktion, die erfolgte war jedoch die Verteufelung des Wortes Psychologie. Man stellte sich, als ob es das nicht gäbe. Und hier setze ich ein, wenn ich behaupte, daß diese wissenschaftliche Unrichtigkeit von politischer Notwendigkeit war. Es gibt solche Beispiele aus allen Bereichen der Wissenschaft. Daß also zuweilen Widersprüche zwischen Wissenschaft und Politik bestehen, ist doch überhaupt nicht abstreitbar. Man begegnet dem Problem nicht angemessen, wenn man einfach behauptet, Wissenschaft und Politik seien identisch. An anderer Stelle schreibst du zu dieser Frage: "Es ist z. B. höchst unwissenschaftlich, den inneren Zusammenhang von Politik und Wissenschaft zu leugnen. Wenn auch nicht direkt, bist Du, gerade was die Politik betrifft, immer wieder geneigt zu unterstellen, daß das politische Denken und Handeln der Menschen selbst nicht wissenschaftlich sein kann." Politisches Handeln kann auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse vonstatten gehen. Sie sind aber deswegen nicht identisch. Ein Frau, die einen Mann heiratet, wird dadurch schließlich auch nicht zu einem Mann, wenngleich natürlich, von einem gewissen Standpunkt aus, Mann und Frau mit dem Eingehen geschlechtlicher Beziehungen zueiander ihr Funktion voll erfüllen. Man kann nicht ohne einander, aber glaube mir, wäre man identisch, könnte man.
Zu allem, was du sonst über das Verhältnis von Wissenschaft und Politik schreibst, empfiehlt sich, meine Aussagen noch einmal zu studieren. Ich umschiffe jetzt einige merkwürdige, sektiererische Aussagen und fasse zusammen: Aus meiner Aussage, daß Politik und Wissenschaft sich auch widersprechen kann, machst du, daß sie sich widersprechen müssen. Fälschlicher kann man wohl kaum ausgelegt werden. Und von mir wird dann erwartet, daß ich Aussagen verteidige, die ich nie getroffen habe.
Kommen wir zu den philosophischen Fragen. Zunächst: "Ja, die Vorstellung, man könne die Welt im ganzen erklären, ist ein Irrtum. Aber gerade damit man diesen nicht begeht, gilt es die Welt aus ihren einzelnen Zusammenhängen heraus zu erkennen und zu erklären." Zunächst einmal wird die Welt schon seit sehr langer Zeit aus ihren einzelnen Zusammenhängen heraus begriffen. Das ist aber nicht alles. Die Tätigkeit der Einzelwissenschaften darf der Tätigkeit der Philosophie nicht entgegengesetzt werden, so als wäre das eine Wissenschaft und das andere nicht. Das ist positivistischer Unsinn. Ich habe mich bereits darüber ausgelassen, was für Auswirkungen es hätte, wären die Einzelwissenschaften ohne Philosophie für die Erarbeitung der allgemeinen Welterkenntnis zuständig. Es dürfte dich vielleicht interessieren, daß zum Beispiel der von dir geschätzte R. O. Gropp gegen diese deine Ansicht argumentiert hat. Die Philosophie ist die Wissenschaft vom Allgemeinen, sagt Gropp und hat dabei meine volle Zustimmung.
Als nächstes schreibst du: "Denn die Welt ist erkennbar, und nichts berechtigt uns, der menschlichen Erkenntnisfähigkeit von vornherein Grenzen zu setzen." Und dann aber: "Möchtest Du etwas haben, darfst Du eben nicht alles wollen. Und willst Du von vornherein alles, wirst Du möglicherweise nichts bekommen." Für eine von beiden Aussagen mußt du dich schon entscheiden. Die erste Aussage ist durchaus richtig. Die Welt ist erkennbar und natürlich darf man der Erkenntnis von vornherein keine Grenzen setzen. Die Erkenntnis selbst setzt die Grenze. Darin haben wir keine Meinungsverschiedenheit. Ich muß mich aber sehr wundern, wenn du einen Absatz darunter direkt zum Bernsteinianer wirst. Gropp hat sich auch gegen diese Ansicht gerichtet und nebenbeigesagt alle auf Logik basierende Wissenschaft mit ihm. Die vorgetragene Ansicht ist typisch für die DDR-Philosophie der Siebziger und Achtziger Jahre. Während aber die mechanisch-materialistische Sicht eine ideologische Kinderkrankheit des Kommunismus ist, so ist die positivistische Sicht die Alterserscheinung des sterbenden Kapitalismus. Die wurde im Zuge der breshnewschen Staus-quo-Politik mitübernommen und das nicht zum ersten mal - auf Bernstein habe ich schließlich schon hingewiesen.
Ich überspringe die nächsten Irrtümer, die zu bereinigen sehr aufwendig wäre, worauf ich verzichte, weil auch hier gilt, daß ein gründliches Studium meiner früheren Beiträge die Fehlinterpreatation meiner Aussagen und die theoretischen Irrtümer beseitigen würde. Ich komme also zu folgendem Satz über Marx: "Er stellte und beantwortete eben nicht nur die Fragen seiner Zeit, sondern auch die der Zukunft. Und genau das unterscheidet Marx von Hegel". Marx war in der Entwicklung des Denkens weiter als Hegel aus zwei Gründen: 1. weil er Erkenntnisse hatte, die Hegel nicht haben konnte und 2. weil Marx die Hegelsche Philosophie abgeschlossen vorliegen hatte und also wählen konnte, was er davon braucht und nicht, oder mit anderen Worten: weil Marx die (notwendigen) Irrtümer Hegels nicht beging, da Hegel das für ihn bereits besorgt hatte. Natürlich reicht Hegel nicht aus, wenn man die Welt verstehen möchte. Aber Marx ohne Hegel, das geht nicht. (Ich weise hier nochmal auf Lenins Urteile zu dieser Frage hin.) Wenn ich als Kind auf den Schultern meines Vaters sitze, kann ich mit Recht sagen, daß ich höher stehe als er. Ich kann aber nicht sagen, daß ich größer bin. Ich habe schon öfter das Verhältnis der beiden Theorien zueinander eingehend beschrieben. Langsam wäre es für einige an der Zeit, sich damit etwas intensiver zu befassen oder in dieser Frage in die zweite Reihe zurückzutreten. Und zur Frage der Zukunft: Hegel sieht den geschichtlichen Prozeß mit der Herausbildung des Staates als abgeschlossen an. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, dürfte keine Schwierigkeiten haben zu erkennen, daß Marx genau diesen Ansatz von Hegel übernommen hat, nur eben mit ökonomischen Begründungen. Es gibt zwischen Marx und Hegel den Unterschied, daß Marx nicht die Geschichte, sondern die Vorgeschichte als abgeschlossen sieht. Darüber, wie der Lauf der Geschichte sich nach dem Abschluß ihrer Vorgeschichte verhalten wird, hat Marx sich jedes Kommentares enthalten. Die Marxsche Ansicht ist also eine (natürlich revolutionäre) Erweiterung der Hegels, aber keineswegs deren Gegenteil. Sieht man nun einmal davon ab, daß beide keine Hellseher waren, so ist doch auffällig, wieviele Dinge die beiden Herren durch ihre Theorien vorweggenommen haben. Speziell bei Hegel muß ich noch einmal wiederholen, daß das geistige Fundament und die Denkmethode der maßgeblichen modernen Theorien unserer Tage auf Hegel zurückgeht. Darwins Vorstellungen der Entstehung der Arten, Marxens Kapitalanlyse, die moderne Physik (Einstein und Planck), sie alle sind ohne Hegel nicht denkbar. Es ist reine Unkenntnis zu behaupten, Hegels Denken habe mit den Fragen der Zukunft nichts zu tun.
Ich habe bereits mehrmals erwähnt, daß Hegels Modell seine Grenzen hat. Wie eben auch Marxens Modell. Jedes Modell hat seine Grenzen. Abgesehen davon, daß beide unterschiedliche Felder beackert haben, ist es so, daß jede Wissenschaft Idealisierung ist. Nehmen wir Marxens Kapital. Der ganze erste Band ist hochinteressant, aber für sich genommen, hat er mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Erst durch den zweiten wird die Sache eine runde und durch den dritten erst erklärt sich das gesamte Modell. Der "Wert", für sich genommen, existiert überhaupt nicht. Er realisiert sich erst durch den Zirkulationprozeß. In der Realität gibt es nur den Preis. Die marxschen Kategorien sind Abstraktionen, Idealisierungen. Marx selbst sagt: Der Wert ist ein Gespenst. Das ist nun hegelsch, wie es nur sein kann. Und genau darum hat Lenin gesagt, daß das für das Verständnis des ersten Bandes des Kapitals der Hegel so wichtig ist.
Und wenn wir schon beim Kapital sind. Du redest von "besonderer" Arbeit und "allgemeiner" und meinst vermutlich "konkrete" und "abstrakte" Arbeit, wie es in in Wirklichkeit heißt. Nur hat diese Sache überhaupt nichts mit dem Thema zu tun, und zwar weder mit Marxens Kapital, noch mit der Frage nach der wissenschaftlichen Grundhaltung. Konkrete Arbeit ist unterscheidbare Arbeit. Sie schafft Gebrauchswert. Abstrakte Arbeit ist die Abstraktion hin zum reinen Quantum der Arbeit. Sie schafft Wert. Ich sehe nicht, worauf das in unserem Zusammenhang hinauslaufen soll. Marx hat am Beginn seiner öknomischen Forschungen (die frühen Fragmente zeigen es) versucht, die gesamte gesellschaftliche Arbeit in ein System zu bringen. Je tiefer aber seine Kenntnisse wurde, je weiter sein Blick reichte und vor allem je strenger seine Methode zur Anwendung kan, desto mehr verstand es sich von selbst, daß all jene Tätigkeiten gesellschaftlicher Arbeit im Überbau aus der ökonomischen Betrachtung ausgeklammert werden mußten. Der entscheidene Punkt ist hier die Erkenntnis, daß nicht alles, was anstrengend ist, produktive Arbeit ist. Ferner kann man nicht von reinen Zuständen ausgehen. Ein Busfahrer, der einhundert Arbeiter zu ihrem Arbeitsplatz fährt, leistet, insofern er das tut, produktive Arbeit. Insofern er aber zur gleichen Zeit Martin zu Luise kutschiert, leistet er keine produktive Arbeit. Er leistet also zugleich produktive und unproduktive Arbeit. Man sieht hier ziemlich deutlich, daß Marxens Modell in der Anwendbarkeit auf die gesamte Gesellschaft seine Grenzen hat. Es ging Marx auch nicht darum, sondern um die Erforschung des Grundgerüstes der gesellschaftlichen Basis. Kommen wir also einmal zum Wissenschaftler. Ein Wissenschaftler, der in einer Firma an der Herstellung eines Produktes beteiligt ist, leistet produktives Arbeit und verkauft seine Arbeitskraft. Ein Wissenschaftler, der in einer Firma an Forschungen arbeitet, leistet produktive Arbeit, sofern die Ergebnisse seiner Arbeit im Produktionprozeß zur Anwendung kommen, und wenn das Patent, das er auf seine Arbeitsergebnisse aufnimmt, auf die Firma ausgestellt, hat er auch seine Arbeitskraft verkauft. Wenn dem Wissenschaftler das Patent aber selbst gehört, dann hat er seine Arbeitkraft nicht verkauft, sondern sein Produkt. Ein Wissenschaftler, der an einem staatlichen Forschungsinstitut arbeitet, verkauft seine Arbeitskraft nicht, weil der Staat kein Eigentümer sein kann. Er leistet auch nur insofern produktive Arbeit, insofern seine Forschungsergebnisse wiederum zur Herstellung von Produkten dienen. Das kann durchaus hundert Jahre dauern oder auch niemals eintreten. Wenn wir nun von der Naturwissenschaft zur Gesellschaftswissenschaft oder gar zur Philosophie wechseln, fällt der Begriff der produktiven Arbeit fast völlig weg. Georg Klaus hat zum Beispiel kybernetische Ideen entwickelt, nach deren Erkenntnissen in den Sechziger Jahren Teile der DDR-Wirtschaft sich richteten. Im weitesten Sinne hat Klaus damit produktive Arbeit geleistet. Wenn man von derartigen Ausnahmeerscheiniungen absieht, läßt sich sagen, daß in der gesamten Gesellschaftswissenschaft und in der gesamten Philosophie unproduktive Arbeit geleistet wird. Selbst wenn ein Philosoph von Daimler Benz für das Philosophieren bezahlt würde, hat er an Daimler Benz nicht seine Arbeitskraft verkauft. Denn die Ware Arbeitskraft hat den Gebrauchswert, daß sie Werte schafft. Unproduktive Arbeit schafft aber keinen Wert.
Ich will mich jetzt nicht unnötig darüber verbreiten, wie wichtig das gründliche Studium des Kapitals ist. Wir haben es ja gerade gesehen. Ich will auf etwas ganz anderes hinaus. Der Vorgang der Forschung ist etwas anderes als seine Stellung im Produktionsprozeß. Nur vulgärmarxistische Sektierer können übersehen, daß z. B. in der Mathematik mathematische Regeln gelten und daß folglich, wer Mathematik verstehen will, von allem anderen als eben von Mathematik absehen muß. Die großen Wissenschaftler haben uns gerade das bewiesen, daß sie in ihrem Fach über die Grillen, die sie sonst so im Kopf hatten, hinauszuwachsen vermochten. Wenn ich die mannigfaltigen Stellungen der Wissenschaft im Produktionsprozeß beleuchte, habe ich keine Erkenntnisse über die Wissenschaften selber gewonnen. Ebenso gut könnte ich den biologischen Vorgang des Geschlechtverkehrs aus der gesellschaftlichen Erscheinung der Prostitution erklären.
Ein dritter Punkt ist hierzu ebenfalls interessant. Ich habe den Eindruck, daß hier allzu oft politische Haltung mit gesellschaftlicher Prägung verwechselt wird. Natürlich stehen beide in einem Zusammenhang, aber sie sind wiederum nicht identisch. Daraus folgt offenbar die Reduzierung der gesellschaftlichen Bedingtheit des Menschen auf seine Klassenlage. Der Mensch aber wird, wie Marx richtig bemerkt, vom "ensemble" der gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt. Seine Klassenlage ist ein Teil dieses Ensembles und wirkt, wie Engels mehrmals betont hat, vor allem in letzter Instanz. An den Dummheiten unserer Zeit haben die Arbeiter, die Kapitalisten, die Politiker und natürlich auch die Kopfarbeiter den gleichen Anteil - über alle Klassen- oder Milieuschranken hinweg. Die Wirkungen, die der Überbau auf die Menschen hat, ist viel zahlreicher, wenn auch nicht so entscheidend, weil die historischen Sprünge in der Geschichte ja gerade durch die Widersprüche der Basis erzeugt werden. Der Klassenbegriff sollte nicht über den Bereich seiner Anwendbarkeit hinaus angewendet werden. Lenin hat das in der Ästhetik zu denken gegeben, Stalin hat die sektiererischen Sprachwissenschaftler genau wegen ihrer Überbewertung des Klassenbegriffs kritisiert. Engels selbst war Kapitalist, hätte also folglich seine Erkenntnisse nicht haben können. Den Kleinbürgern Marx und Lenin dürfte wohl auch niemand kleinbürgerliches Denken unterstellen wollen. Sich seiner Klassenlage bewußt sein und sich zugleich nicht in diese Subjektivtät ergeben, sondern darüber hinauszugehen, das ist die Aufgabe eines Revolutionärs, der die Waffe beiseite gelegt hat und sich fortan dem Aufbau des Sozialismus widmet. Die Geschichte des sozialistischen Aufbaus ist immer auch eine Geschichte der Emanzipation von sektiererischen Ideen weg, hin zu den Sichtweisen, die den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen entsprechen. Ohne diese Einsicht dürfte es nebenbeigesagt auch schwer fallen, die Schriften Stalins zu verstehen.
Dieses Thema abschließend, bemerkst du: "Es stellt sich folglich nicht die Frage, ob sich Wissenschaft lohnt, denn sie lohnt sich immer, sondern es stellt sich die Frage, für wen sie sich lohnt." Natürlich stellt sich die Frage, für wen es sich lohnt. Das sehe ich auch so. Du liegst aber falsch, wenn du meinst, Wissenschaft lohne sich immer. Wissenschaft lohnt sich nur dann, wenn sie richtig ist und folglich müssen die Fragen der Wissenschaft wissenschaftliche sein. Diese Tautologie kommt dabei heraus. Es ist aber in diesem Zusammenhang das Selbstverständliche. Die Frage "Für wen" stellt sich nicht innerhalb der wissenschaftlichen Arbeit. Damit ist nicht gesagt, daß der Wissenschaftler keine Verantwortung habe. Aber wahrscheinlich wirst du es wieder nicht verstehen und behaupten, ich leugne die politische Verantwortung des Wissenschaftlers, nur weil ich davon ausgehe, daß eine Wissenschaft möglichst wahr sein muß. Um die aus solchen Einseitigkeiten resultierenden Ressentiments abzureagieren, greifst zu billiger Polemik wie: "Du darfst Dich also weiter über das Wetter ärgern!" Wie unglaublich schlagfertig angesichts der Tatsache, daß gerade ich mich mit diesem Bild über Leute lustig gemacht habe, die inhaltliche Hinweise auf die Notwendigkeit stringenter wissenschaftlicher Methoden mit Kommentaren wie "Wenn ich an Oppenheimer denke, könnte ich kotzen" beantworten.
Noch kurz zu folgendem schönen Glaubensbekenntnis: "um die Geschichte der Philosophie als eine scheinbar endlose Aneinanderreihung philosophischer Schulen darstellen zu können, ist die Instrumentalisierung Hegels ein wichtiges Mittel bürgerlicher Apologetik. Die Bourgeoisie hat ihn also nie wirklich demontiert." Der letzte Satz mit seinem bezaubernden "also" ist bezeichnend für die hier vorliegende Denkweise. Es wird nicht in die Wirklichkeit gesehen und danach gefragt, wie Hegel von der bürgerlichen Gesellschaft tatsächlich verwendet wird, sondern es wird theoretisch konstatiert, daß Hegel wegen diesem und jenen gar nicht von der Bourgeoisie demontiert werden konnte. Anschließend hat sich die gesamte Wirklichkeit diesem Verdikt zu fügen, denn es ist für einen Scholastiker vollkommen uninteressant, was in Wirklichkeit der Fall ist. Mit Hegel weiß die bürgerliche Philosophie im Grunde seit seinem Tod nichts anzufangen. Der einzige bürgerliche Philosoph, der Hegel angemessen rezipiert hat, Nicolai Hartmann, teilt das traurige Schicksal Hegels und aller anderen objektiv-rationalistischen Denker, nicht rezipiert zu werden. Mit Logik und Objektivität kann das Bürgertum nichts mehr anfangen. Mit deinen merkwürdigen positivistischen Ansichten schon eher. Was du über die Einzelwissenschaften und die Erkenntnishaltung oben erzählt hast, findet sich in den krausen Köpfern der gegenwärtigen Akademiker ungebrochen wieder, denn der Positivismus ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht aus der Mode und seit Beginn des 20. Jahrhunderts sogar an die Macht gekommen. Wir haben also, nach den hier geäußerten großartigen Einsichten in die Rezeptionsgeschichte der Philosophen, folgendes zu lernen: 1. Hat die Bourgeoisie Hegel nicht demontiert; 2. Sind die Lehren von Karl Marx der Abschluß der philosophischen Entwicklung; 3. Existieren die seit Marxens Ableben gegründeten, zahlreichen Schulen der Philosophie allesamt nur zum Schein. Das sind, wie gesagt, alles keine einfachen Fragen und es ist kein Wunder, daß das Glück, das verschiedenen Leuten bei der Beantwortung dieser Fragen beschieden ist, unterschiedlich ist. Aber ich widerhole mich gerne: Vielleicht sollte man, wenn man keine Ahnung hat, etwas zurückhaltender auftreten. Da paßt es auch wunderbar ins Bild, daß du die Volksmasse für ein rationelles Wesen hälst. Meine Forderung war gerichtet an gebildete Massen. Daß die Massen sich bilden, ist die Aufgabe des Sozialismus. Man wird doch nicht abstreiten können, daß die allgemeine Schulpflicht eine Anhebung der Intelligenz im Volk bewirkt hat. Man wir doch ebenfalls nicht bestreiten können, daß das sozialistische Bildungssystem seine Spuren hinterlassen hat. Die DDR-Bürger waren doch im großen und ganzen weit weniger verlottert und verblödet als die BRD-Bürger. Um diesen Punkt geht es mir. Und natürlich darum, daß das Volk, wenn es in größerer Verantwortung ist, auch mehr Pflicht zur Ernsthaftigkeit hat. Mit dem simplen "Die da oben - wir hier unten" kommt man da nicht weiter. Auch hier hast du wieder völlig ins Leere gegriffen und Behauptungen widerlegt, die keiner in die Welt gesetzt hat.
Die Einseitigkeit des Sektengehirns zeigt sich besonders schön in folgendem Satze: "Die Volksmassen sind die Schöpfer der Geschichte." Aus der Tatsache, daß die Volksmassen am geschichtlichen Prozeß notwendigerweise beteiligt sind, machst du, daß sie allein es sind, die die Geschichte machen. Du machst aus einer notwendigen Bedingung eine hinreichende. Es fällt schwer, das nicht für Absicht zu halten. Der Sozialismus ist eine Gesellschaft, in der es heißt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen. Man soll nicht die Herausbildung von Fachleuten mit der klassengebundenen Bildung von Eliten vergleichen. Ebenso gut könnte man eine sozialistische Regierung mit einer imperialistischen vergleichen. Wer das nicht begriffen hat, fällt ab in maoistische Gleichmacherei.
Ich bin jetzt durch und kann also zusammenfassen. Das Schöne daran ist, daß ich es nicht brauche, weil mein Gesamturteil das gleiche ist, wie zuvor. Das ist alles keineswegs persönlich gemeint, aber du mußt auch einmal meine Lage verstehen. Ich weiß es wirklich besser und kann eben nicht so tun, als ob ich nicht wüßte, was ich weiß. Wenn du eine andere Weltsicht hast, meinetwegen. Aber es ist nicht akzeptabel, daß du zum Beispiel über den Marxismus Halbwahrheiten verbreitest. Du gehst von einer Einheit der marxistisch-leninistischen Theorie aus, die überhaupt nicht vorliegt. Die bisherigen Produktionverhältnisse bis zum Imperialismus sind erklärt worden, aber die Theorie der sozialistischen Ökonomie existiert nur in Ansätzen; weite Teile des Überbaus sind bisher äußerst dürftig erforscht; geschichtliche Urteile gehen in ihrer Qualität stark auseinander. Ferner ist zu bedenken, daß es jeweils Früh- und Spätwerk der einzelnen Klassiker gibt und sich ebenso Früh- und Spätgeschichte des Sozialismus unterscheiden. Von entscheidenden Unterschieden zwischen den Klassikern müßte auch zu reden sein. So wie du kann man weder mit Geschichte, noch mit Theorien umgehen. Das ist ziemlich weites Feld, das es zu entdecken gilt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:24 

Beiträge: 46
Deine Texte kann ich nicht so schnell beantworten, weil sie tiefgründig sind und einer ausgiebigen und fundierten Analyse bedürfen. Ich will hier keinen Blödsinn schreiben und mich strengstens an die Klassiker halten. darum bitte um Geduld.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:24 
Literat

Beiträge: 2947
Das verstehe ich auch. Ich hatte mich nur etwas über das uneingeschränkte Lob gewundert, weil einiges von dem, was Dajana geschrieben hat, einigen deiner Ansichten durchaus widersprechen dürfte.
Mir wäre es ohnehin lieber, wenn wir die Diskussion stehen lassen. Wir kommen ja doch nicht zusammen und außer uns liest das hier ja keiner. Die langen Texte kosten mich einige Zeit. Das ist eine Kosten-Nutzenfrage.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:25 

Beiträge: 46
Die Beiträge sind sehr sehr wichtig. Kosten und Nutzen greifen hier nicht. Das Bewußtsein wird geschärft: meine Position wird mir klarer, wenn ich Deine Texte lese. Es ist die hohe Qualität Deiner strengen Argumentation.
Ich werde jedenfalls durch Deine Texte zum Nach-Denken Deiner Gedankengänge angeregt. Es sind ja keine Irrtümer die Dich umklammern und Dich festhalten, sondern es sind Deine Axiome. Aber jetzt bin ich zu müde.
W-O-D


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:26 

Beiträge: 9
Lieber NomaPompilius! Diesmal umfaßte Deine Replik fast sieben Maschinenseiten, und jede entlockte mir hin und wieder ein kleines Schmunzeln. Das soll aber nicht heißen, daß ich nun meinen Spaß daran habe, Dich zu ärgern. Es ging und geht mit vordergründig schon um Inhalte, und weniger darum, Dich an Deinen männlichen Eitelkeiten zu zwicken. Ich erspare mir also heute die Mühe, auf alle Deine Aussagen einzugehen, weil ich es nicht provozieren möchte, daß Du demnächst mit zehn Seiten antwortest. Darüber hinaus enthielt Dein letzter Beitrag ohnehin fast nichts Neues. Und auf die Entzerrung sophistischer Tricks möchte ich mich nicht einlassen. Ich habe dazu nicht die Zeit, weil ich berufstätig bin. Es würde auch nur bis ins Unendliche ausufern. Mein Anliegen war es, einige Deiner Aussage aus der Sicht des Marxismus/Leninismus zu beleuchten und zu kritisieren, und ich bin mir sicher, jeder geschulte Marxist konnte und kann mich verstehen. So gesehen sind unsere Meinungsverschiedenheiten auch wieder sehr nützlich. Wir sollten sie unbedingt fortführen. Wenn ich also hin und wieder Deine Fehler aufgreife – und zugegeben, manchmal ist es eben spaßig –, solltest Du dennoch die Form bewahren. Du bist ein kluger und belesener Mensch und hast Formulierungen wie „Sektengehirn“, „schlechte Handhabung der Denkwerkzeuge“, „...problematisch, wenn man nicht auf gleicher Augenhöhe ist“ gar nicht nötig. Es muß nicht sein, daß Dich der Web-Master sperrt. Außerdem streite ich gerne mit Dir.
Hier eine Stelle Deiner Replik, an der ich aber unbedingt noch einmal nachhaken möchte:

„Der ‚Wert’, für sich genommen, existiert überhaupt nicht. Er realisiert sich erst im Zirkulationsprozeß. In der Realität gibt es nur den Preis.“

Diese Aussage ist so nicht richtig. Was den Wert betrifft, so existiert er, wenngleich nicht greifbar, sondern als Eigenschaft, nämlich als abstrakte, sich im Wertkörper vergegenständlichte Arbeit. Oder, um mit Lenin zu antworten: „Der Wert ist ein Verhältnis zwischen Personen, wie ein alter Ökonom gesagt hat, er hätte bloß hinzusetzen müssen: ein unter dinglicher Hülle verstecktes Verhältnis“ (Lenin, Bd. 21, S.49). Zu sagen, der Wert existierte gar nicht, hieße sich der Argumentation jener bürgerlichen „Marxkiller“ zu bedienen, die Marx’ Werttheorie von jeher bekämpft haben. Richtig ist die Aussage, das er sich erst im Zirkulationsprozeß realisiert. Völlig falsch hingegen, daß es nur den Preis gäbe. Denn der Preis ist nichts weiter als der in Geld ausgedrückte Wert einer Ware. Würdest Du Dich genauer mit Marx Kapitalanalyse beschäftigen, fändest Du so ziemlich am Anfang des ersten Bandes des Kapitals ein Kapitel, in denen Marx die verschiedenen Wertformen, also Formen des Tauschwerts analysiert. Beschäftige Dich mit diesem Kapitel und Du wirst erkennen, daß sich die in den Waren befindlichen Werte auch ohne Geld zirkulieren und realisieren lassen.

Eine zweite Stelle:

„Ein Busfahrer, der einhundert Arbeiter zu ihrem Arbeitsplatz fährt, leistet, insofern er das tut, produktive Arbeit. Insofern er aber zur gleichen Zeit Martin zu Luise kutschiert, leistet er keine produktive Arbeit. Man sieht hier ziemlich deutlich, daß Marxens Modell in der Anwendbarkeit seine Grenzen hat.“

Also, um es auf den Punkt zu bringen: Nicht Marx’ Modell hat seine Grenzen, sondern Deine Kenntnisse in der Politischen Ökonomie. Denn der Busfahrer währe in diesem Falle ein Dienstleister, und Dienste sind nun einmal grundsätzlich unproduktiv. Eine Gesetzmäßigkeit der Ökonomie! Du solltest Dich auch nicht versuchen, dies sophistisch umzudeuten. Übrigens gelten für alle Transportkosten daß sie „...zu den faux frais [unproduktiven, aber notwendigen Kosten] der kapitalistischen Produktion“ gehören. (Dietz Verlag 1955, K. Marx, „Das Kapital“, Bd II, S.143). „Produktenmassen vermehren sich nicht durch ihren Transport.“ (Dietz Verlag 1955, K. Marx, „Das Kapital“, Bd II, S.144). Die für Transporte jeder Art verausgabten Arbeiten tragen also zu keiner Produktbildung bei, sind folglich immer unproduktiv. Soviel zu Deinem produktiven Busfahrer.

Zu guter Letzt:

„Und wenn wir schon beim Kapital sind. Du redest von ‚besonderer’ Arbeit und ‚allgemeiner’ und meinst vermutlich ‚konkrete’ und ‚abstrakte’ Arbeit, wie es in Wirklichkeit heißt.“

Nein, lieber NumaPompilius, heißt sie nicht! Wenn Marx von allgemeiner Arbeit redet, dann meint er nämlich auch allgemeine, und nicht konkrete oder abstrakte Arbeit. Denn er weiß – im Gegensatz zu Dir – wovon er redet. „Nebenbei bemerkt, ist zu unterscheiden zwischen allgemeiner Arbeit und gemeinschaftlicher Arbeit. Beide spielen im Produktionsprozeß ihre Rolle, beide gehen ineinander über, aber beide unterscheiden sich auch. Allgemeine Arbeit ist alle wissenschaftliche Arbeit, alle Entdeckung, alle Erfindung. Sie ist bedingt teils durch Kooperation, teils durch Benutzung der Arbeiten früherer.“(Karl Marx, „Das Kapital“, Bd. III, S. 125/126 [Dietz Verlag 1953])

So, nun muß ich leider wieder an die Arbeit.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:28 

Beiträge: 46
Liebe Genossin Dajana, lieber NumaPompilius
Dein Beitrag zeugt von einem festen und unverrückbaren Klassenstandpunkt. Das ist das Allerwichtigste in unserem Leben, es sollte und muß ein stetes unaufhörliches Ringen um diesen sein!!!!
Hier meine Argumentation zu dem Aufsatz von NumaPompilius
Die Zentrale These ist
Die Wissenschaftlichkeit und die Parteilichkeit der marxistisch-leninistischen Weltanschauung (mlWA) bilden eine untrennbare und unzerstörbare Einheit

Die mlWA der Arbeiterklasse (AK) unterscheidet sich in jeder Hinsicht von jeglicher bürgerlicher Ideologie. Sie bekennt sich offen, daß es keine für alle Klassen der bürgerlichen Gesellschaftsordnung einheitliche WA geben und das niemals neutral, unparteilich und klassenindifferent sein kann. Der entscheidende Unterschied zwischen der mlWA und der bürgerlichen WA und Philosophie (bWAP) besteht in ihrem völlig anderen Klasseninhalt. Die bürgerliche Ideologie trug nur in der Periode der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsweise (kPW) einen quasiwissenschaftlichen Charakter, in jener Zeit, als die Kapitalistenklasse (KK) im Kampf gegen die feudalistische Gesellschaftsformation eine progressive Klasse war. Nachdem aber die KK sich zur herrschenden Klasse erhoben und sich der antagonistische Widerspruch zwischen der KK und der AK entwickelt hatte, betrieb die bWAP immer mehr die Rechtfertigung und Verteidigung der kapitalistischen Verhältnisse, sowohl die des Überbaues, als auch die der Basis.

Karl Marx schrieb im Kapital dazu auf Seite 21:

„Es handelte sich nicht mehr darum, ob dies oder jenes Theorem wahr sei, sondern ob es dem Kapital nützlich oder schädlich, bequem oder unbequem....“

In ungleich stärkerem Maße gilt diese Aussage für unsere heutige Zeit.

Die mlWA der AK, der revolutionären Klasse, gibt der historischen Mission der Arbeiterklasse (hMAK) die wissenschaftliche Begründung und dient als Waffe im Kampf um den Sozialismus und Kommunismus. Darin sind ihre tiefe und feste Parteilichkeit und gleichzeitig die wissenschaftliche Widerspiegelung der Entwicklungsgesetze der Menschheit unwiderlegbar begründet.

Die Interessen der AK stimmen immer und jederzeit mit dem gesellschaftlichen Fortschritt überein. Darum und nur darum ist sie die einzige Klasse, die an einer umfassenden Erforschung der objektiven Realität interessiert ist.

Dazu schreibt Marx im Kapital auf der Seite 22 :

„ ... nur diese Klasse vertreten, deren geschichtlicher Beruf die Umwälzung der kapitalistischen Produktionsweise und die schließliche Abschaffung der Klassen ist.“

Lenin (Werke Bd. 19 S.3) bemerkte:

„Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist“

Genosse Stalin (Kurzer Lehrgang S. 131) schlussfolgert deshalb:

„Das ist umso notwendiger, als der dialektische und der historische Materialismus das theoretische Fundament des Kommunismus, die theoretischen Grundlagen der marxistischen Partei bilden, die Kenntnis dieser Grundlagen aber und folglich ihre Aneignung Pflicht jedes aktiven Kämpfers unserer Partei ist.“

Die Parteilichkeit der mlWA ist untrennbar mit ihrer Wissenschaftlichkeit verbunden. Weil sie den Interessender revolutionären, den gesellschaftlichen Fortschritt verkörpernden Klasse Ausdruck gibt, ist sie zutiefst wissenschaftlich und muss sie zugleich Partei ergreifen für diese Klasse. Denn der gesellschaftliche Fortschritt vollzieht sich nicht im Selbstlauf, es gibt weder einen automatischen Zusammenbruch des Kapitalismus noch eine Selbstverwandlung der kPW in eine neue Gesellschaftsformation.

Nur der Klassenkampf, durch die revolutionäre Beseitigung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse (kPV) kann die hMAK verwirklicht werden; die mlWA eine unentbehrliche, parteiliche Waffe in diesem Kampf. Daher nehmen wir Kommunisten nicht nur zur Kenntnis, dass die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft durch den Kampf der Ak bestimmt wird. Wir ergreifen Partei, wie Marx, Engels, Lenin und Stalin für die AK ergriffen, und stellen uns an die Spitze des Kampfes. Nur und nur der ist Marxist-Leninist-Stalinist, bei dem wissenschaftliche Erkenntnis und gesellschaftliches Handeln übereinstimmen.

W-O-D


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:29 
Literat

Beiträge: 2947
An W-O-D.
Ich danke dir für deine Ausführungen. Sie sind teilweise richtig. Manches hat auch unter der freiwillig gewählten Perspektive seine Berechtigung. Ich habe dazu aber eine etwas andere Meinung, die ich oben hinreichend dargelegt sehe. Ich denke, das sollte uns nicht hindern, gemeinsame Ziele zu verfolgen.

An Dajana.
Mach dir mal keine Sorgen um den Webmaster und mich. Er und ich, wir sind beide der Meinung, daß man dumm nennen soll, was dumm ist. (Wobei wir gelegentlich durchaus Meinungsverschiedenheiten darüber haben, wer oder was dumm ist.) So leicht, jedenfalls, fliegt man hier nicht. An meinen Äußerungen über deine Gehirnfunktionen usf. ist inhaltlich nichts zurückzunehmen, da sie stimmen. Im Unterschied zu dir werde ich ja nicht persönlich und psychologisiere wild in der Gegend herum. Im übrigen ist es interessant zu bemerken, worum es dir bei der Diskussion geht und da es im Wesen der Beschränktheit liegt, daß sie ihre Beschränktheit nicht erkennt, und folglich nur spüren kann, sind solche Entgleisungen nicht weiter interessant. Und daß man dann die eigenen unglücklichen Ressentiments in das Verhalten Anderer hineinguckt, das nennt der Fachmann für Seelenfragen Projektion. Meine Zeit jedenfalls ist kostbar und hier kommt mir zu wenig dabei heraus. Es ist auf alles Wesentliche meiner Äußerungen nicht eingegangen worden und jedesmal, wenn ein Eisen zu heiß wurde, wurde das Thema gewechselt. Ich habe gegenwärtig viel und vor allem viel Wichtigeres zu tun und werde daher die Diskussion beenden. Du hast dann hier genügend Platz, um ungestört feixen zu können. Ich verabschiede mich also mit ein paar Hinweisen.

Man sollte zur Kenntnis nehmen, daß der erste Band des Kapitals nicht den Gesamtprozeß des Kapitals darstellt, sondern den Produktionsprozeß, der nur ein Teil des Ganzen ist. Es ist eben, wie es immer ist, wenn man nur eine Seite eines Gesamtprozesses betrachtet, man versteht sie nicht völlig. Erst im dritten Band ergibt sich das vollständige Bild des Prozesses und alle Verallgemeinerungen auf alleiniger Grundlage des ersten Bandes sind nicht richtig. Gesetze sind nicht, sondern sie liegen in und zwischen den Dingen und kommen durch die Dinge zur Geltung. Jede Erforschung der Dinge, das Finden von Gesetzen also, ist modellhaft, idealisiert. Marx geht in seinem Kapital von Abstraktionebene zu Abstraktionsebene und auf jeder neuen Ebene erweist sich das eben noch für wahr gehaltene als relativ und muß neu betrachtet und verstanden werden.

Zunächst kurz zum Preis: Ich bin der Kürze halber bei den Erscheinungsformen der gegenwärtigen Warenproduktion geblieben und habe daher "Preis" geschrieben. Ich hätte auch "allgemein vergleichbares Maßsystem" oder "quantitätives System" schreiben können, was nebenbeigesagt sowohl für direkte Tauschverhältnisse als auch Geldwirtschaft gilt. Zirkulation kann nunmal nur auf Basis vergleichbarer (also rein quantitativer) Größen erfolgen. Man wird wohl kaum übersehen können, daß deine Beschwerde über meine Wortahl in diesem Zusammenhang reine Spitzfindigkeit war, die mit dem Inhalt meiner Aussagen nichts zu tun hatte.

Zum Wert: Ich übergehe einmal den Umstand, daß dein Kurzlehrgang über den Wert etwas zu knapp und auch nicht in allen Punkten durchaus richtig ist, und komme gleich zum entscheidenen Punkt. Warum erzählst du mir Dinge, die ich längst weiß und die ich niemals abgestritten habe? Es ist nicht so, daß ich dieses Einmaleins der Ökonomie nicht kennte, sondern eher, daß du nicht willens oder fähig bist zu verstehen, was ich doch recht deutlich niedergeschrieben habe.
Der Wert existiert nicht. Nicht im Produktionprozeß, wo es sich um Arbeitszeit handelt. Und nicht im Zirkulationprozeß, wo er sich realisiert, in dem auf dem Markt ein Preis gebildet wird. Aber die Arbeitstzeit wird erst im nachhinein anerkannt und der Preis bildet sich nicht ausschließlich nach dem Wert, sondern Angebot und Nachfrage regeln das Schwanken des Preises um den Wert. Im Zirkulationsprozeß, wo der Wert realisiert wird, tritt jedoch der Wert allein überhaupt nicht auf, sondern stets im Rahmen von Angebot und Nachfrage. Aber gerade durch das Schwanken des Preise um den Wert setzt sich das Wertgesetz durch. Die Abweichung vom Wert, läßt sich sagen, bestimmt ihn.
Man sollte nicht die Ebene der Erscheinungen mit der Ebene der Gesetze verwechseln. Der Wert drückt ein Verhältnis aus. Verhältnisse existieren nicht, sondern sie bestehen. Jedes Gesetz ist eine Abstraktion und existiert nicht selbst in der Natur, bzw. in der Gesellschaft; es drückt Verhältnisse zwischen Dingen aus, ohne selbst ein Ding zu sein. Das ist der Punkt, den man nicht begreift, wenn man in der mechanischen Denkweise hängen bleibt. Dein Mißverständnis ist ein Musterbeispiel für den Mangel, den Lenin beschrieben hat, daß man eben Marx ohne Hegel nicht begreifen kann. Worauf es in diesem Zusammenhang ankommt, ist, daß der Wert sich erst auf dem Markt realisiert. In der Ware selbst steckt zunächst nur die Arbeitszeit, die erst durch die Gesellschaft anerkannt werden muß, und erst dadurch zum Wert wird. Mehr habe ich nicht ausgedrückt, der Rest ist sozusagen "freies Lesen".

Zum Busfahrer: Die von dir zitierte Stelle sagt das, was du von ihr hören möchtest, überhaupt nicht aus. Zunächst einmal geht es im zweiten Band des Kapitals um Zirkulation von Waren und Kapital. Mein Busfahrerbeispiel gehört aber gar nicht in diesen Bereich, es sei denn, er transportierte Waren. Er transportiert jedoch Arbeiter. Du schreibst, Marx zitierend, nun folgendes: "Übrigens gelten für alle Transportkosten daß sie '...zu den faux frais [unproduktiven, aber notwendigen Kosten] der kapitalistischen Produktion' gehören." Das ist, ob bewußt oder unbewußt, eine Fälschung. Richtig lautet die Stelle so: "Das allgemeine Gesetz ist, daß alle Zirkulationskosten, die nur aus der Formverwandlung der Ware entspringen, dieser letzteren keinen Wert hinzusetzen. Es sind bloß Kosten zur Realisierung des Werts oder zu seiner Übersetzung aus einer Form in die andere. Das in diesen Kosten ausgelegte Kapital (eingeschlossen die von ihm kommandierte Arbeit) gehört zu den faux frais [unproduktiven, aber notwendigen Kosten] der kapitalistischen Produktion." Marx schreibt nicht "alle Transportkosten", sondern "alle Zirkulationskosten". Das allein reichte schon aus, um sich klar zu werden, daß dein Zitat und mein Beispiel überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Arbeiter produzieren, Waren zirkulieren. Aber Marx äußert sich ja noch genauer: "alle Zirkulationskosten, die nur aus der Formverwandlung der Ware entspringen". Was meint Formverwandlung? Die Umwandlung von Kapital von seiner Warenform in seine Geldform und umgekehrt (G - W - G'). Ich wiederhole mich: Was hat das bitte mit meinem Busfahrer zu tun? Vielleicht solltest du lieber, bevor du ein Abwehrbollwerk gegen "sophistische Umdeutungen" der marxistischen Theorie errichtest, nachsehen, ob es überhaupt die marxistische Theorie ist, die du verteidigst. Ich will dir ja nichts vorwerfen, aber es ist doch schon auffällig, daß du jedes mal, wenn du meinst, etwas besser zu wissen, am Ende erkennen mußt, daß dies nicht der Fall ist. Ich in deiner Lage hätte mich spätestens nach dem zweiten mal etwas bescheidener verhalten.
Mein Beispiel ist natürlich gänzlich richtig. Meine Überlegungen ergeben sich mit logischer Zwangsläufigkeit aus Marxens Theorien. Im vierten Band des Kapitals ("Theorien über den Mehrwert") gibt es ein hochinteressantes und langes Kapitel über produktive Arbeit, in dem sich Marx genau mit dieser Frage auseinandersetzt und in dem natürlich auch solche Beispiele wie meines angegeben sind. Was die Fragen zum Zirkulationsprozeß angeht, so wäre vielleicht hilfreich, sich den Unterschied zwischen Distribution und Kapitalzirkulation anzusehen.

Zuletzt noch: Danke für den Hinweis auf die "allgemeine Arbeit" und "besondere Arbeit". Ich hatte angenommen, du beziehst dich damit auf "konkrete" und "abstrakte" und eben weil ich weiß, wovon Marx redet, hatte mich das auch etwas gewundert. Was nun Marxens Aussagen über die "allgemeine Arbeit" angeht, so ist daran ja nichts, das meinen Ausführungen über die Arbeit der Wissenschaftler widerspräche. Im Gegenteil.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:30 

Beiträge: 46
Lieber NumaPompilius

Gestatte mir bitte eine kritische Bemerkung zu Deinen Ausführungen. Die ausführlichen marxistisch-leninistischen Beiträge von Dajana sind richtig, sie hat recht.
Sie sind wissenschaftlich sachlich und gleichzeitig humorvoll.
Kannst Du es nicht ertragen, dass eine Frau Dich wissenschaftlich widerlegen kann?
Persönliche Beleidigungen haben mit einer strengen wissenschaftlichen Argumentation nichts zu tun. Bitte unterlass das und kehre zu Deiner wirklich tiefgründigen Argumentationsweise zurück, die wirklich für uns alle sehr wertvoll ist.

Liebe Dajana, Deine Ausführungen sind wissenschaftlich und differieren in keiner Weise. Besonders freue ich mich, dass Du genau von den wissenschaftlichen Grundlagen ausgehst, die uns unser hoch verehrter Genosse Gropp lehrte. Genosse Gropp hat uns das wissenschaftliche Denken gelehrt. Mach bitte weiter so.
W-O-D


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 Betreff des Beitrags: Re: Bürgerliche Demokratie
BeitragVerfasst: Mo 9. Apr 2007, 17:35 
Literat

Beiträge: 2947
Lieber W-O-D,
der Faden hier ist für mich eine erledigte Sache. Aber ich werde dir noch kurz antworten, weil ich es etwas merkwürdig finde, in welches Licht du mich rückst und daß du damit den merkwürdigen Zungenschlag anderer Diskutanten aufgenommen hast. Ich rede davon, daß du psychologische Mutmaßungen anstellst, um nicht inhaltlich entgegnen zu müssen. Diese Art zu argumentieren ist nicht meine.
Aber selbst wenn ich Chauvinist wäre, ich bin ja nicht widerlegt worden. Es fehlte also jede Grundlage für ein "Nichtertragenkönnen". Vielleicht kannst du auch einfach nicht verstehen, daß ich mir schönere Freizeitbeschäftigungen vorstellen kann, als mich fortwährend zu wiederholgen oder Zitatfälschern auf der Spur zu sein. Es ist, angesichts jener krassen Fehler, die ich aufgezeigt habe, ein starkes Stück zu behaupten, Dajanas Aussagen wären wissenschaftlich und differierten in keiner Weise.
Auch ich habe von dir schon bessere Beiträge gelesen als den letzten.

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