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 Betreff des Beitrags: Warum hat stalin nicht auf Warnungen gehört
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 01:44 

Beiträge: 18
Sicherlich kennt hier einer Richard Sorge? Er War Kundschafter und Lebte in Japan und hat auch für die UdSSR noch zu Stalinzeiten Spioniert ausserdem war er Kommunist. Nun meine Frage? Ich wollte mir ein Buch kaufen Titel "Richard Sorge- Der Mann mit den drei Gesichtern". Von Robert Whymant. Da steht auf Seite 261, notiere:" Sorge hatte sich vergeblich abgemüht,seine Leiter zu warnen:Stalin wollte nicht glauben,daß die Deutschen einmarschierten. Bis zzur letzten Minute war er überzeugt , im Besitz einer ewigen Garantie für frieden mit zu sein. Die warnung des Tokio-Rings wurden ebenso mißachtet wie die jenigen anderer loyaler Agenten in Europa, die von Deutschlands Plan für einen Überraschungsangriff wußten. Der Chef des Nachrichtendienstes der Roten Armee, Generalleutnant Filipp Iwanowitsch Golikow, hatte Stalin zusammenfassend über diese Berichte Informiert. Die Meisten wurden als aus Quellen stammend klassifiziert. und alle wurden samt und kurzabgetan.Unterwürfige Befehlsempfänger sagten Stalin,was er hören wollte "Gerüchte und Dokumente des Inhalts, daß Krieg gegen die UdSSR in diesen Frühjahr unvermeidlich ist,müssen als Falschinformationen des englischen oder vielleicht sogar des deutschen Geheimdienst angesehen werden", schloß Golikkow seine Einschätzung der Stalin am 21 Mai vorlegten "Warnungen". Nun warum hat Stalin nicht darauf reagiert? vielleicht hätte der Krieg ein schnelles ende Genommen, war Stalin so Blind? hat er keinen mehr vertraut um sich? weter lese ich, wieder notiert;"Stalin argwöhnte eine antisowjetische Verschwörung von ausländischen Mächten und Verrätern in den eigenen Reihen. Am 19 April gab der britische Botschafter in Moskau eine dringende Meldung über deutsche Vorbereitungen für einen Überfall auf Rußland weiter. Churchills Warnungen- die auf entschlüsselten deutschen Nachrichtensignalen basierten,deren Ursprung die Briten geheimhielten- wurden von Stalin als Provokationen abgetan.Genauso erging es den Berichten seiner eigenen Agenten in Japan und Europa, von den Stalin glaubte,daß sie auf die englischen Pro da herreingefallen seien" . Ende , es steht auch in diesen Buch das Stalin nicht gut zu sprechen war auf Richard Sorge. Wer weß da mehr? Ich beschäftige mich mit diesen Thema seit geraumer Zeit habe Jedoch keine Absicht hier Stalin zu verteufeln noch ihn gegen Sorge auszuspielen, brauche es für meine Arbeit.mkg Ralf


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 Betreff des Beitrags: Re: Warum hat stalin nicht auf Warnungen gehört
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 01:47 
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Beiträge: 1624
hallo Ralf. Es gibt tatsächlich den Vorwurf Stalin habe Warnungen nicht ernst genommen. Was steckt aber wirklich daginter? Vielleicht kennst du ja die Zeitschrift offen-siv. Sie hatte vor einiger Zeit eine Artikelreihe zu Stalins Militärpolitik herausgebracht. Ich werde mal den dementsprechenden link posten, der die Umstände des 22. Juni 1941 erklärt (dieser Text geht zwar etwas über deine Frage hinaus, macht dafür die Sache aber verständlicher, weil es dann im historischen Zusammenhang steht):
http://www.offen-siv.com/heft14_03.htm#_Toc57112393

zu deiner Frage steht da unter anderem folgendes:
Zitat:
Es gab Warnungen an die Sowjetregierung und an Stalin persönlich, daß der Überfall der faschistischen deutschen Wehrmacht unmittelbar bevorstand. Die Frage wird immer wieder gestellt, warum Stalin daraus nicht die notwendigen Schlußfolgerungen gezogen hat.

Zunächst stimmt es nicht ganz, daß er keine Schlußfolgerungen daraus gezogen hat. Sie waren jedoch aus militärischer Sicht unzureichend. Die Maßnahmen des w.o. genannten Operations- und Mobilmachungsplanes konnten nur mit einem besonderen Regierungsbeschluß eingeleitet werden. „Ein solcher Beschluß wurde erst in der Nacht zum 22. Juni 1941 gefaßt.“45)

Shukow erweiterte die Frage, „warum die Führung mit Stalin an der Spitze“ die im Operationsplan vorgesehenen Maßnahmen nicht früher durchgeführt hat. „Diese Fehler und Irrtümer werden meist Stalin zugeschrieben. Stalin hat ohne Zweifel Fehler gemacht; sie dürfen aber nicht isoliert von den objektiven geschichtlichen Prozessen und Erscheinungen, nicht losgelöst von dem Gesamtkomplex der ökonomischen und politischen Faktoren betrachtet werden. Nichts ist einfacher, als in einer Zeit, da alle Auswirkungen schon bekannt sind, zum Beginn der Ereignisse zurückzukehren und mit allerlei Werturteilen aufzuwarten. Nichts ist aber auch schwieriger, als den gesamten Fragenkomplex zu untersuchen, sich im Widerstreit der Kräfte zurechtzufinden, die verschiedensten Meinungen, Angaben und Fakten gegeneinander abzuwägen.“46)

Auch aus anderen seriösen Publikationen geht eindeutig hervor, daß, wie Shukow schreibt, Stalins „ganzes Sinnen und Trachten beherrscht war von dem einen Wunsch, einen Krieg zu vermeiden, und von der Gewißheit, daß ihm das gelingen würde. Stalin war sich darüber im klaren, welch schweres Unheil ein Krieg gegen einen so starken und erfahrenen Gegner wie das faschistische Deutschland für die Völker der Sowjetunion bedeuten konnte; deshalb war er eins mit unserer ganzen Partei in dem Bestreben, einen Krieg zu verhüten.“47)

Was waren das nun für Warnungen, und von wem kamen sie?

Da ist die Churchill-Regierung zu nennen, unter deren Ministern sich auch Männer eines Schlages wie Lord Simon befanden, die schon in der Chamberlain-Regierung vertreten waren und einen Krieg zwischen der UdSSR und Deutschland mit ihrer Politik auslösen wollten. Und Churchill selbst, der ein konsequenter Kritiker der Chamberlain-Regierung war, ging es um die Erhaltung des britischen Empire, das er vom faschistischen Deutschland bedroht sah und deswegen, trotz seiner von ihm nie geleugneten antisowjetischen Einstellung, an einem Krieg zwischen der Sowjetunion und Deutschland interessiert war. Nach der Kapitulation Frankreichs stand Großbritannien isoliert den starken deutschen Truppenverbänden am Kanal gegenüber, befand sich in einem gefährlichen Seekrieg gegen die deutschen U-Boote, in einer Situation der „splendid Isolation“. Ein Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion, in dem sich beide schwächen würden, war Churchill höchst willkommen. Mit einem deutsch-sowjetischen Krieg wäre die Gefahr einer deutschen Invasion in England erst einmal gebannt. Es sei daran erinnert, daß während der Verhandlungen der UdSSR mit Großbritannien und Frankreich über gemeinsame militärische Maßnahmen gegen den faschistischen Aggressor im Sommer 1939 die britische Regierung Chamberlain Geheimverhandlungen mit dem faschistischen Deutschland in London führte, in der die Einflußsphären in der Welt zwischen den beiden imperialistischen Mächten abgegrenzt werden sollten.48)

Es ist nicht einfach, die Auswirkungen des Fluges von Rudolf Heß, Hitlers Stellvertreter, nach England am 10. Mai 1941, 43 Tage vor dem Überfall auf die UdSSR, auf das Denken und die Entscheidungsfindung Stalins heute zu beurteilen.

Der damalige Botschafter der UdSSR in London, I.M. Maiski, schrieb in seinen Erinnerungen: „Alles Grundlegende und Wesentliche über den Heß-Flug war der sowjetischen Botschaft schon damals, im Frühjahr 1941, bekannt.“49) In der britischen Presse gab es nach Maiski mehrere Phasen in der Behandlung des Heß-Fluges. Unter anderen gab es Sympathien für Heß, der die UdSSR aus tiefster Überzeugung hasse und Hitler verurteile wegen seiner „Beschwichtigung“ des Bolschewismus.

Selbst unter den Ministern der Churchill-Regierung haben sich einige gefunden, daß man „die sich so überraschend bietende Gelegenheit dazu nutzen“ sollte, „Kontakte mit Hitler aufzunehmen oder zumindest die eventuellen Friedensbedingungen zu sondieren.“50)

Diese Vorgänge um Heß wurden von der Botschaft natürlich Stalin und Molotow bekannt gegeben.

Interessant sind die Ausführungen des britischen Publizisten Ted Harrison über den Heß-Flug, die Reaktionen britischer Politiker darüber und wie diese auf die sowjetische Regierung wirken mußten.

„Nicht nur die britische Öffentlichkeit war von der Behandlung des Falles Heß durch die britische Regierung erstaunt und enttäuscht, sondern auch die Sowjetunion war darüber verblüfft und besorgt. Die sowjetische Führung wußte, daß eine deutsch-englische Allianz der Zerstörung der Sowjetunion gleichkäme. Nachdem Frankreich im Juni 1940 besiegt worden war, waren die Sowjets auch über den Verbleib von Appeasementpolitikern wie Lord Simon im Kabinett Churchills besorgt. Im Juli 1940 sprach der sowjetische Botschafter in London, Iwan Maiskij, mit seinen englischen Freunden über seine Befürchtung, daß Großbritannien unter Umständen ‘durch einen Verrat der regierenden Klasse, vergleichbar mit dem von Petain und seiner Gruppe’, besiegt werden könnte. Im darauffolgenden Frühling wurde die Besorgnis der Sowjetunion über eine mögliche deutsch-englische Annäherung durch den britischen Botschafter in Moskau, Sir Stafford Cripps, auf unkluge Weise verstärkt. Am 18. April 1941 warnte Cripps den Außenminister Molotow impulsiv in einem Memorandum: ‘Sollte sich der Krieg über einen längeren Zeitraum hinausziehen ... könnte Großbritannien (und vor allem gewisse Kreise in Großbritannien) in Versuchung geraten, den Krieg durch ein Abkommen zu beenden.’ In diesem Zusammenhang mußte die bald darauf erfolgende Ankunft von Heß in Großbritannien der sowjetischen Regierung mehr als nur zufällig erschienen sein. Über die Bewertung der Situation unsicher, hatte - dem Memorandum von Cripps zufolge - Maiskij aus Moskau den ausdrücklichen Auftrag erhalten, jegliche deutsch-englischen Friedensannäherungen im Auge zu behalten. Maiskij wandte sich prompt an Rab Butler, Unterstaatssekretär für Außenpolitik. Butler teilte Eden mit: ‘Der sowjetische Botschafter vertrat die Ansicht, daß Heß ein großer Exponent von ‘Mein Kampf’, sei. Er sagte ernsthaft, daß Heß der größte Gegner der Russen unter den Naziführern sei und daß ihm dieses nicht entgangen wäre. Er äußerte gleichermaßen, daß Heß an ein Bündnis mit diesem Land und nicht mit Rußland glaubte.’ Butler tat jedoch nichts, um Maiskij zu befriedigen. Er hielt sich an die Politik des Schweigens und weigerte sich, Informationen jeglicher Art freizugeben, was ihm die Anerkennung Edens einbrachte. In Wirklichkeit hatte Butter den Fauxpas der Politik des Schweigens nur noch verschlimmert. Maiskij schloß aus seinem Gespräch, daß das britische Kabinett das Friedensangebot von Heß ernsthaft in Erwägung zöge.“51)

Stalin erwähnte den Heß-Flug kurz in seiner Rede zum 24. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution am 6. November 1941, also nach dem Überfall. „Der nicht unbekannte Heß wurde eigentlich auch deshalb von den deutschen Faschisten nach England gesandt, damit er die englischen Politiker überrede, sich dem allgemeinen Feldzug gegen die UdSSR anzuschließen.“51a)

Stalin war demnach der Meinung, daß Heß von Hitler mit einem diesbezüglichen Auftrag geschickt worden sei.

Welchen Grund sollte Stalin gehabt haben, den Warnungen aus England zu trauen? Es handelte sich eben nicht um honorige Gentlemen, denen nur das Wohl der Völker der Sowjetunion am Herzen lag und die sich ernsthaft um den Bestand der Sowjetmacht sorgten, sondern um imperialistische Politiker, die die Sowjetunion lieber heute als morgen zerstört hätten.

Es gab Warnungen von deutschen Soldaten und Unteroffizieren, die zur Roten Armee übergelaufen waren. Stimmte, was sie sagten, oder waren es Provokateure? Wir wissen heute, daß sie die Wahrheit sagten, aber wußte Stalin es damals auch?

Sei zum Schluß Richard Sorge genannt, der den Termin des Überfalls aus Tokio nach Moskau funkte. Wir wissen heute, wer Richard Sorge war. Er war auch damals kein Unbekannter, er war in der Komintern bekannt. Aber auch die Komintern war gegen Trotzkisten nicht völlig immun. Woher hatte Richard Sorge seine Informationen? Alles dies waren damals unbekannte Faktoren.

Es hat vor dem Überfall am 22. Juni verschiedentlich Grenzprovokationen gegeben. Sollte sich Stalin dadurch zu einem Krieg auf Leben und Tod provozieren lassen?

In Stalins Entscheidungen gingen nicht nur die Erkenntnisse eines Militärs, sondern primär die des Staatsmannes ein. Er war die höchste Instanz im politischen System der UdSSR. Auf seinen Schultern ruhte letztendlich die Verantwortung für einen Krieg, in dem es um die Existenz der Sowjetunion ging.

Schtemenko meint, „daß im Krieg natürlich nicht alles vorauszusehen ist. ‘Wer im Krieg alles voraussehen will, sollte nicht Krieg führen’, bemerkte Napoleon. Wie gesagt, ist das Wirken eines Heerführers stets von unvorhergesehenen Zufälligkeiten begleitet. Er kann daher erst bei Eintritt dieser Ereignisse seine Maßnahmen treffen, und das ist natürlich eine Quelle für Irrtümer und Fehler.

Ein tragischer Irrtum war die Meinung des sowjetischen Oberkommandos und die Stalins persönlich über den Zeitpunkt des Überfalls auf die Sowjetunion. Man wußte zwar, daß das faschistische Deutschland uns überfallen würde, und bereitete das Land zielstrebig auf die Abwehr der Aggression vor, doch erwarteten wir sie nicht schon im Juni, sondern wesentlich später. Wir bemühten uns vergeblich, den Zeitpunkt des Überfalls hinauszuschieben, doch der Gegner kam uns zuvor.“52)

Shukow schrieb dazu: „Als die gefährliche Situation heranreifte, haben wir Militärs offenbar nicht alles unternommen, um Stalin zu überzeugen, daß ein Krieg mit Deutschland in allernächster Zeit unvermeidlich und daß dringende Maßnahmen im Sinne des Operations- und des Mobilmachungsplans notwendig seien.

Diese Vorkehrungen hatten selbstverständlich auch keinen vollen Abwehrerfolg gegen den Überfall gesichert, da die Kräfte der beiden Seiten alles andere als gleich waren. Unsere Truppen hätten aber organisierter in den Kampf treten und folglich dem Gegner bedeutend höhere Verluste zufügen können. Das beweisen die erfolgreichen Abwehrkämpfe der Truppenteile und Verbände in den Räumen Wladimir-Wolynski, Rawa-Russkaja, Peremyschl (Przemysl) und an den Abschnitten der Südfront.“53)

Allein die Gegenüberstellung der sowjetischen mit den deutschen Kräften widerlegt die von Hitler und Goebbels in die Welt posaunte Präven-tivkriegslüge, „Europa vor dem Bolschewismus zu retten“, die von der revisionistischen Geschichtsschreibung der BRD bis in die Gegenwart kolportiert wird, womit der verbrecherische Aggressionskrieg der deutschen Imperialisten gegen die Sowjetunion noch nachträglich legitimiert wird. Selbst Tippelskirch, der nicht gerade zu den Sympathisanten der Sowjetunion oder gar Stalins gehört, sah sich veranlaßt, diese Präventivkriegslüge zu widerlegen, wenn er in seiner Ausdrucksweise auch bemüht ist, im gängigen Duktus der bürgerlichen BRD-Militärgeschichtsschreibung zu bleiben, alle Schuld - vor allem für die Niederlagen - Hitler anzulasten, die Generale von der Verantwortung für den Aggressionskrieg, den sie selbst geplant und geführt haben so wie für ihre katastrophale Niederlage freizusprechen und damit den deutschen Militarismus in die Nachkriegszeit hinüberzuretten.

„Daß die Sowjetunion binnen kurzem von sich aus einen bewaffneten Konflikt mit Deutschland suchen würde, war aus politischen und militärischen Gründen höchst unwahrscheinlich, so berechtigt die Sorge sein mochte, daß die Sowjetunion später unter günstigeren Verhältnissen ein recht unbequemer, ja gefährlicher Nachbar werden könnte. Einstweilen lag jedoch für die Sowjetunion keine Veranlassung vor, eine Politik aufzugeben, die ihr bisher nahezu kampflos die besten Erfolge gebracht hatte. Sie war in der Umrüstung ihrer veralteten Kampfwagen und Flugzeuge begriffen und dabei, wesentliche Teile ihrer Rüstungsindustrie hinter den Ural zu verlegen. Ein Angriff gegen ein Deutschland, das nur mit unbedeutenden Teilen des Heeres an anderen Fronten gebunden war, seine starke Luftwaffe jederzeit im Osten vereinigen konnte und dem man sich 1941 nicht einmal in der Verteidigung unbedingt gewachsen fühlte, konnte den vorsichtig und kühl abwägenden Politikern des Kreml nicht in den Sinn kommen. Sicher entging der russischen Aufklärung nicht, daß sich das deutsche militärische Schwergewicht zunehmend nach dem Osten verlagerte. Die russische Führung traf ihre Gegenmaßnahmen.

Am 10. April beschloß der russische Kriegsrat unter dem Vorsitz von Timoschenko den Alarmzustand und erhöhte militärische Vorbereitungen für alle Einheiten der Westfront. Am l. Mai wurden weitere vordringliche Kriegsvorbereitungen und Maßnahmen zum Schutz der russischen Westgrenze getroffen. Am 6. Mai wurde Stalin, der bisher nur Generalsekretär der Kommunistischen Partei, wenn auch der mächtigste Mann in der Sowjetunion gewesen war, als Nachfolger Molotows Vorsitzender des Rats der Volkskommissare und trat damit auch offiziell an die Spitze der Regierung. Dieser Schritt bedeutete zum mindesten formell eine Stärkung der Regierungsautorität und eine Zusammenfassung der Kräfte. Eine Änderung der Politik gegen Deutschland war aus dieser Veränderung nicht zu erwarten. Die Sowjetunion war im Gegenteil weiter bemüht, die ihr aus dem Handelsvertrag obliegenden Verpflichtungen peinlich genau zu erfüllen.

Auf einen bewaffneten Konflikt war sie, soweit es in ihren Kräften stand, vorbereitet. Mit einer strategischen Überraschung konnte die deutsche Führung nicht rechnen. Das Höchste, was zu erreichen war, war eine Geheimhaltung des Angriffstermins, so daß die taktische Überraschung den ersten Einbruch in den Feind erleichtern konnte.“54)

Aus diesen Ausführungen geht eindeutig hervor:

1. Von der Sowjetunion drohte keine Gefahr.

2. Die militärtechnische Überlegenheit der deutschen Wehrmacht, der die Rote Armee „nicht einmal in der Verteidigung unbedingt gewachsen“ war.

3. Ein Krieg gegen Deutschland konnte den „vorsichtig und kühl abwägenden Politikern des Kreml“ (also Stalin, UH) „nicht in den Sinn kommen.“

4. Die Sowjetmacht „traf ihre Gegenmaßnahmen“, bereitete sich auf den Verteidigungsfall vor. Sie war „soweit es in ihren Kräften stand“, auf den Krieg vorbereitet.

5. Die deutsche Führung - also auch die Herren Generale - konnten nicht mit einer strategischen Überraschung rechnen.

6. Das Höchste war eine „Geheimhaltung des Angriffstermin“, eine „taktische Überraschung“, die einen „ersten Einbruch“ erleichtern konnten.

Tippelskirch hat damit auf seine Weise die Einschätzung Shukows bestätigt.
[/QUOTE]


ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen UdSSR

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: Warum hat stalin nicht auf Warnungen gehört
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 01:47 
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Ich möchte noch ein Stück aus Ludo Martens "Stalin anders betrachtet" zitieren.
KAPITEL 9

STALIN UND DER ANTIFASCHISTISCHE KRIEG

Hat Stalin den antifaschistischen Krieg schlecht vorbereitet?

Als Chruschtschow die Macht ergriffen hatte, wurde von ihm die Parteilinie total entstellt. Dazu musste er Stalin und seine marxistisch-leninistische Politik verunglimpfen. In einer Serie von unglaublichen Verleumdungen ging er sogar soweit, die großen Verdienste Stalins bei der Vorbereitung und Führung des antifaschistischen Krieges zu leugnen. So behauptete Chruschtschow, dass Stalin 1936-1941 das Land schlecht auf den Krieg vorbereitet habe.

Er sagte: Stalin brachte die These vor, „dass die Tragödie, die unser Volk in der ersten Periode des Krieges erlebte, das Ergebnis des ‚unerwarteten’ Überfalls der Deutschen auf die Sowjetunion gewesen sei. Aber, Genossen, das entspricht doch überhaupt nicht der Wirklichkeit. Hitler stellte sich unmittelbar nach der Machtübernahme in Deutschland das Ziel der Zerschmetterung des Kommunismus. (...) Zahlreiche Fakten aus der Vorkriegsperiode bezeugen deutlich, dass Hitler alle Kräfte darauf richtete, den Krieg gegen den Sowjetstaat auszulösen.“ (...) „Wenn unsere Industrie rechtzeitig und ausreichend zur Versorgung der Armee mit Waffen und dem nötigen Gerät mobilisiert worden wäre, dann hätten wir unermesslich weniger Opfer in diesem Krieg zu verzeichnen gehabt. (...) Die sowjetische Wissenschaft und Technik hatte vor dem Krieg ausgezeichnete Typen von Panzern und Artillerie entwickelt. Doch es wurde für all das keine Massenproduktion organisiert.“

Als die Teilnehmer des XX. Parteitages der KPdSU diese Verleumdungen vernehmen konnten, ohne dass empörte Proteste von allen Seiten ausgebrochen sind, ist das vielsagend für die schon im Gang befindliche politische Degeneration. Dennoch befanden sich im Saal Dutzende von Marschällen und Generälen, die wussten, in welchem Grade diese Worte lächerlich waren. Aber in diesem Augenblick sagten sie kein Wort. Ihr enger Professionalismus, die militärische Exklusivität, die Negierung des politischen Kampfes im Schoße der Armee, die Zurückweisung der ideologischen und politischen Führung der Partei über die Armee, all das führte sie in die Nähe des Revisionismus von Chruschtschow. Schukow, Wassilewski, Rokossowski, d. h. faktisch alle die großen militärischen Führer haben niemals die Notwendigkeit der Säuberung der Armee in den Jahren 1937-1938 akzeptiert. Sie hatten das politische Hinterspiel, den Hintergrund des Bucharin-Prozesses nicht mehr verstanden. Aus diesem Grunde unterstützten sie Chruschtschow, als dieser den Marxismus-Leninismus durch die erlesenen Thesen der Menschewiki, Trotzkisten und Bucharinisten ersetzte. Das erklärt, warum die Marschälle die Lügen von Chruschtschow betreffs des 2. Weltkrieges geschluckt haben. Diese Lügen widerlegten sie später in ihren Memoiren, als nichts mehr auf dem politischen Spiel stand und diese Fragen rein akademisch geworden waren.

In seinen 1970 veröffentlichten Memoiren hob Schukow angesichts der Behauptungen von Chruschtschow zu Recht hervor, dass die wirkliche Verteidigungspolitik mit der Entscheidung Stalins begann, 1928 die Industrialisierung zu initiieren.

„Es wäre ja auch möglich gewesen, diesen steilen Anstieg der Schwerindustrie um fünf bis sieben Jahre aufzuschieben und dem Volk, das es hundertfach verdient hätte, recht schnell und recht viele Massenkonsumgüter, Erzeugnisse der Leichtindustrie zu geben. Wäre das nicht verlockend gewesen?“

Stalin hat die Verteidigung der Sowjetunion vorbereitet, indem er mehr als 9000 große Industriebetriebe zwischen 1928 und 1941 aufbauen ließ und indem er die strategische Entscheidung traf, im Osten des Landes eine völlig neue industrielle Basis zu errichten. Bezüglich der Industrialisierungspolitik erweist Schukow der Weisheit, Weitsichtigkeit und dem Scharfsinn Stalins seine Huldigung, die in definitiver Weise durch das Urteil der Geschichte als höchster Instanz im Verlauf des Krieges bestätigt wurde.

Im Jahre 1921 musste man in fast allen Bereichen der Militärtechnik bei Null beginnen. Während des 1. und 2. Fünfjahrplans hatte die Partei für die Kriegsindustrie ein Wachstumstempo vorgesehen, das über dem anderer Branchen der Industrie lag.

Betrachten wir zwei wesentliche Eckzahlen dieser ersten Pläne. Die Jahresproduktion an Panzern war von 740 im Jahre 1930 auf 2271 im Jahre 1938 angestiegen.’

In der gleichen Zeit hatte sich der Bau von Flugzeugen von 860 auf 5500 Stück pro Jahr erhöht.

Im Verlauf des 3. Fünfjahrplans stieg die Industrieproduktion zwischen 1938 und 1940 um 13% pro Jahr, die Produktion der Verteidigungsindustrie jedoch um 39%.

Die durch den deutsch-sowjetischen Pakt erlangte Atempause nutzte Stalin, um die Militärproduktion auf ein Maximum zu steigern. Schukow bezeugt das: „Damit die Betriebe der Verteidigungsindustrie von bestimmter Bedeutung alles Notwendige erhalten konnten, wurden von den Delegierten des Zentralkomitees erfahrene Organisatoren und bekannte Spezialisten an die Spitze ihrer Parteiorganisationen berufen. Ich muss sagen, dass Josef W. Stalin eine beträchtliche Arbeit leistete, indem er sich selbst mit den Betrieben befasste, die für die Landesverteidigung arbeiteten. Er kannte viele von Betriebsdirektoren, Parteiorganisatoren, Chefingenieure, sah sie oft und setzte mit der für ihn charakteristischen Beharrlichkeit die Durchführung der aufgestellten Pläne durch.“

Die zwischen Januar 1939 und dem 22. Juni geleisteten Militärlieferungen sind beeindruckend. Die Artillerie erhielt 92578 Geschütze, davon 29637 Feldgeschütze und 52407 Granatwerfer. Neue Granatwerfer mit 82 und 120 mm Kaliber wurden unmittelbar vor Beginn des Krieges eingeführt.

Die Luftstreitkräfte erhielten 17745 Kampfflugzeuge, darunter 3719 neue Modelle. Für das Gebiet des Flugzeugwesens gilt folgendes: „Die 1939 bis 1941 ergriffenen Maßnahmen haben die erforderlichen Bedingungen geschaffen, um im Verlauf des Krieges schnell die quantitative und qualitative Überlegenheit zu erlangen.“

Von Januar 1939 bis zum 22. Juni 1941 erhielt die Rote Armee über 7000 Panzer. Im Jahre 1940 begann die Produktion des mittleren Panzers T-34 und des schweren Panzers KW, die den deutschen Panzern überlegen waren. Davon waren bei Kriegsausbruch bereits 1851 produziert.

Anlässlich dieser Errungenschaften unterzog sich Schukow einer enthüllenden Selbstkritik, um seine Verachtung gegenüber den Anschuldigungen von Chruschtschow zum Ausdruck zu bringen.

„Wenn ich jetzt daran zurückdenke, wie und was wir Militärs in den allerletzten Friedensmonaten von der Industrie verlangten, so sehe ich, dass wir mitunter die realen ökonomischen Möglichkeiten des Landes nicht voll berücksichtigten, obwohl wir von unserem Standpunkt wahrscheinlich sogar recht gehabt haben.“

Die militärische Vorbereitung wurde genau gesagt mit einem Maximum an Kraftanstrengung durch Stalin vorangetrieben. Die militärischen Zusammenstöße mit Japan im Mai-August 1939 und mit Finnland zwischen Dezember 1939 und März 1940 waren unmittelbar mit dem antifaschistischen Widerstand verbunden. Die dabei gewonnen Kampferfahrungen wurden tiefgreifend analysiert, um die Lücken und Schwächen der Roten Armee auszufüllen und zu beseitigen. Im März 1940 hat eine Beratung des Zentralkomitees die Operationen gegen Finnland untersucht.

„Die Aussprache verlief sehr heftig. Am System der Gefechtsausbildung und der Erziehung der Truppen wurde scharfe Kritik geübt“, bestätigt Schukow.

Im Mai wurde Schukow von Stalin empfangen. Dieser sagt ihm: ‚Jetzt haben Sie Kampferfahrungen. Übernehmen Sie den Kiewer Militärbezirk und werten Sie Ihre Erfahrungen bei der Truppenausbildung aus.“ In den Augen von Stalin hatte Kiew eine besondere militärische Bedeutung. Dort erwartete er den Hauptschlag des deutschen Angriffs. „Stalin war überzeugt, dass der deutsche Faschismus beim Überfall auf die Sowjetunion in erster Linie bestrebt sein würde, die Ukraine und das Donez-Becken zu besetzen, um der Sowjetunion wichtigste Wirtschaftsgebiete zu rauben und ukrainisches Getreide, die Donezkohle und später auch kaukasisches Erdöl in die Hand zu bekommen. Bei einer Besprechung des Operationsplans im Frühjahr 1941 sagte er: ‚Ohne diese lebenswichtigsten Ressourcen wird das faschistische Deutschland keinen langen und großen Krieg führen können’.“


Im Sommer und Herbst 1940 bereitete Schukow seine Truppen intensiv auf den Kampf vor. Er stellte fest, dass er über junge Offiziere und fähige Generäle verfügte. Er brachte ihnen die Lektionen bei, die sich aus den deutschen Operationen gegen Frankreich ergaben.


Vom 23. Dezember 1940 bis 13. Januar 1941 wurden alle höheren Offiziere zu einer großen Konferenz zusammengerufen. Im Zentrum der Debatten stand der künftige Krieg mit Deutschland. Die von den Faschisten mit großen Panzerverbänden gesammelten Erfahrungen wurden mit besonderer Aufmerksamkeit studiert.


Am nächsten Morgen nach der Beratung wurde ein operativ-strategisches Kriegsspiel durchgeführt, dem Stalin beiwohnte. Schukow schreibt:


„Für die strategische Lage wurden Ereignisse angenommen, wie sie sich bei einem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion an der Westgrenze abspielen könnten.“


Schukow leitete den deutschen Angriff, Pawlow die sowjetische Verteidigung.


„Im Kriegsspiel entwickelten sich eine Vielzahl von dramatischen Momenten für die ‚rote’ Seite, die in vieler Hinsicht vorwegnahmen, was nach dem 22. Juni 1941 eintreten sollte, als das faschistische Deutschland die Sowjetunion überfiel“, notiert Schukow. Pawlow hat den Krieg gegen die Nazis verloren. Stalin ermahnte Pawlow heftig. „Der Oberbefehlshaber der Truppen eines Militärbezirkes muss die Kriegskunst beherrschen und unter beliebigen Umständen richtige Entschlüsse fassen. Das ist Ihnen in dem durchgeführten Spiel nicht gelungen.“


Der Bau von Befestigungen längs der neuen Westgrenze wurde 1940 begonnen. Bis zum Anfang des Krieges gelang es, etwa 2500 Stahlbetonanlagen zu errichten. 140000 Menschen arbeiteten tagtäglich daran. „Und Stalin drang darauf, sie abzuschließen“, führte Schukow aus.


Die XVIII. Parteikonferenz der KPdSU (B) vom 15. - 20. Februar 1941 wurde voll der Vorbereitung der Industrie und des Verkehrswesens in Voraussicht des Krieges gewidmet. Die Delegierten, die aus der gesamten Sowjetunion kamen, wählten viele Militärs zu Kandidaten des Zentralkomitees.


Anfang März 1941 forderten Timoschenko und Schukow von Stalin, Reservisten der Infanterie einzuberufen. Stalin lehnte ab, um den Deutschen keinen Vorwand zur Provozierung eines Krieges zu geben. Schließlich akzeptierte er Ende März etwa 800000 Reservisten einzuberufen, die an die Grenzen geschickt wurden. Im April informiert der Generalstab Stalin, dass die Truppen der Militärbezirke des Baltikums und Belorußlands, von Kiew und von Odessa nicht ausreichen, um einen Angriff abzuschlagen. Stalin entscheidet, 28 Divisionen, die in 4 Armeen gruppiert waren, an die Grenze vorrücken zu lassen, und er hebt hervor, dass es notwendig sei, mit äußerster Klugheit vorzugehen, um die Nazis nicht zu provozieren.


Am 5. Mai 1941 sprach Stalin im großen Palast des Kremls vor Offizieren, die die Militärakademie abgeschlossen hatten. Das zentrale Thema war: Die Deutschen glauben vergebens, dass ihre Armee ideal und unbesiegbar sei.


Alle diese Fakten ermöglichen es, die böswilligen Kritiken zurückzuweisen, die gewöhnlich gegen Stalin vorgetragen werden:


„Er hätte die Armee für die Offensive und nicht für die Verteidigung vorbereitet.“ „Er hätte dem deutsch-sowjetischen Pakt sowie Hitler und seinen Komplizen vertraut.“ „Er hätte nicht daran gedacht, dass es einen Krieg mit den Nazis geben würde.“


Diese Verleumdungen zielen darauf ab, die historischen Errungenschaften der Kommunisten zu verunglimpfen und als Konsequenz das Prestige ihrer Gegner zu erhöhen.


Schukow, der bei der Machtergreifung von Chruschtschow zwischen 1953 und 1957 eine wesentliche Rolle spielte, hat in seinen Memoiren in prägnanter Form den berüchtigten Geheimbericht von Chruschtschow widerlegt. Über die Vorbereitung des Landes auf den Krieg zieht er folgende Schlussfolgerung: „Ich bin der Ansicht, dass die Verteidigung des Landes in ihren Grundzügen und -linien richtig organisiert war. Im Verlauf vieler Jahre geschah in ökonomischer und sozialer Hinsicht alles oder fast alles nur Mögliche. Von 1939 bis 1941 unternahmen Volk und Partei besondere Anstrengungen, um die Verteidigung zu stärken, Anstrengungen, die den höchsten Einsatz verlangten.


Die entwickelte Industrie, die Kolchosordnung, die allgemeine Bildung, die Einheit der Nationen, die materielle und ideologische Stärke des sozialistischen Staates, der Patriotismus des Volkes, die Leitungstätigkeit der Leninschen Partei, die fähig war, Front und Hinterland zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzuschließen - das waren großartige Voraussetzungen für die Verteidigungskraft des Riesenlandes, die tiefe Ursache des grandiosen Sieges, den wir über den Faschismus errungen haben. Wenn die sowjetische Industrie trotz der ungeheuren Schwierigkeiten und Verluste der vier Kriegsjahre gewaltige Mengen an Waffen geliefert hat - nahezu 490000 Geschütze und Granatwerfer, 102000 Panzer und Selbstfahrlafetten mehr als 137000 Kampfflugzeuge - so ist das ein Beweis mehr, dass die Wirtschaft vom militärischen Standpunkt, unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung, ein richtiges und festes Fundament erhalten hatte.“


„In all dem, was wesentlich und von fundamentaler Bedeutung war, verstanden es Partei und Volk, sich auf die Verteidigung des Vaterlandes vorzubereiten. Wesentlich und von fundamentaler Bedeutung ist, was letztendlich über das Schicksal eines Landes im Kriege entscheidet.“

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Warum hat stalin nicht auf Warnungen gehört
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 01:50 
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Der Tag der deutschen Aggression


Um das immense Prestige Stalins zu attackieren, der unbestreitbar der größte Führer des antifaschistischen Krieges war, nehmen seine Feinde, gerne zu dem „fundamentalen Irrtum“ Zuflucht, der ihm dadurch unterlief, dass er das genaue Datum der Aggression nicht kannte. Chruschtschow behauptet in seinem Geheimbericht: „Aus den heute veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass Churchill schon am 3. April 1941 Stalin persönlich warnte, dass die deutschen Truppen eine neue Verlagerung begonnen hatten und sich auf den Überfall auf die Sowjetunion vorbereiteten.“


Chruschtschow fährt fort, indem er sagte, dass die sowjetischen Militärattaches in Berlin über Gerüchte berichtet haben, nach denen der Angriff gegen die UdSSR entweder am 14. Mai oder am 15. Juni beginnen würde.


„Trotz dieser ungewöhnlich ernsten Signale wurden keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um das Land zur Verteidigung vorzubereiten und das Überraschungsmoment auszuschließen. Als die faschistischen Truppen schon auf sowjetisches Gebiet eingedrungen waren, ordnete Moskau an, dass auf den Beschuss seitens der Deutschen nicht zu erwidern sei. (...) Ein bestimmter deutscher Bürger überschritt unsere Grenze und gab an, dass die deutschen Armeen Befehl erhalten hätten, die Offensive in der Nacht vom 22. Juni um 3 Uhr zu starten. Stalin wurde darüber unmittelbar informiert, aber selbst diese Warnung wurde ignoriert.“


Diese Version wurde in der gesamten bürgerlichen und revisionistischen Literatur propagiert. Elleinstein schreibt zum Beispiel, dass „in dem von Stalin errichteten diktatorischen und auf Personenkult basierenden System niemand wagte, ihn über dieses Fehlurteil eines Besseren zu belehren.“



Was kann man zu diesem ersten Tag des Krieges sagen?


Stalin wusste genau, dass der Krieg von einer extremen Grausamkeit sein würde, dass die Faschisten die sowjetischen Kommunisten erbarmungslos durch einen bisher nicht bekannten Terror ausrotten und die Völker der Sowjetunion der Sklaverei ausliefern würden.


Das hitlerische Deutschland hatte sich mit dem gesamten Wirtschaftspotential Europas stärken können. Jeder Monat, jede Woche des Friedens brachte aber auch eine beachtliche Verstärkung der Verteidigung der Sowjetunion. Marschall Wassilewski schreibt:


„Die Partei sah den drohenden Krieg und unternahm höchste Anstrengungen, um seinen Beginn hinauszuzögern. Das war ein weiser und realistischer Kurs, der vor allem verlangte, die diplomatischen Beziehungen mit den kapitalistischen Ländern geschickt zu gestalten, besonders den aggressiven gegenüber.“ Die Armee erhielt sehr strikte Weisungen, „keinen einzigen Schritt zu unternehmen, den die faschistischen Rädelsführer für die Zuspitzung der Lage, für militärische Provokationen hätten ausnutzen können“.


Die Lage an den Grenzen war seit Mai 1941 sehr angespannt. Man musste Kaltblütigkeit bewahren, um sich nicht in deutsche Provokationen hineinziehen zu lassen. Wassilewski schreibt diesbezüglich:


„Die Gefechtsbereitschaft in grenznahem Raum herzustellen, ist kein alltägliches Ereignis im Leben eines Landes und in seiner internationalen Stellung.“ „Nur steht auch fest, dass durch eine zu frühzeitige Herstellung der Gefechtsbereitschaft der Streitkräfte ebenso viel Schaden angerichtet werden kann wie durch eine verspätete. Von der feindseligen Politik eines Nachbarstaates bis zum Krieg ist es oft noch ein weiter Schritt.“


Hitler war es nicht gelungen, weder Großbritannien anzugreifen noch ins Wanken zu bringen. Das britische Empire war immer noch die führende Macht in der Welt. Stalin ging davon aus, dass Hitler um jeden Preis einen Zweifrontenkrieg vermeiden wollte. Er hatte gute Argumente, daran zu glauben, dass Hitler alles tun würde, um Großbritannien zu besiegen, bevor er die Feindseligkeiten gegen die UdSSR eröffnet.


Seit mehreren Monaten erhielt Stalin Informationen der sowjetischen Geheimdienste, die eine deutsche Aggression in ein oder zwei Wochen ankündigten. Viele Informationen, die von den Briten und Amerikanern kamen, dienten der Vergiftung der Atmosphäre, weil sie die faschistischen Wölfe gegen das sozialistische Land lenken wollten. Jede Maßnahme zur Verstärkung der sowjetischen Grenze wurde von den rechten Kreisen der USA dazu genutzt. um einen drohenden Angriff der UdSSR gegen Deutschland anzukündigen.


Schukow bemerkt dazu:


„Im Frühjahr 1941 wurden in den westlichen Ländern Falschmeldungen über Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion gegen Deutschland in Umlauf gesetzt. Da sehen Sie, sagte Stalin: ‚Uns schreckt man mit den Deutschen und die Deutschen mit der Sowjetunion, und so hetzt man uns gegeneinander auf’.“


Die anglo-amerikanische Rechte hetzte also die Faschisten gegen die UdSSR.


Außerdem hatte Stalin keinerlei Garantie betreffs der britischen und amerikanischen Haltung im Fall einer Naziaggression gegen die UdSSR. Im Mai 1941 flog Rudolf Heß, die Nummer 2 der Nazipartei, nach England. Sefton Dernier, der eine englische Radiostation leitete, die auf Propagandasendungen in Richtung Deutschland spezialisiert war, schreibt in seinem Buch: „Heß erklärte, dass es das Ziel seiner Reise gewesen war, den Engländern den Frieden gleich zu welchen Bedingungen anzubieten, vorausgesetzt, dass Großbritannien akzeptiere, bei einem Angriff von Rußland auf Seiten Deutschlands teilzunehmen.“ (...) „Ein Sieg Englands, das mit den Russen verbündet ist“, erklärte Heß, „bedeutet den Sieg der Bolschewisten. Das wäre früher oder später die Okkupation Deutschlands und des restlichen Europas durch die Russen.“


In England hatte die Tendenz, sich mit Hitler gegen die UdSSR zu verständigen, tiefe Wurzeln geschlagen. Ein jüngstes Ereignis kann das zusätzlich bezeugen. Anfang 1993 entbrannte in Großbritannien ein, Kontroverse anlässlich des Erscheinens des Buches „The End of Glory“ (Das Ende des Ruhms), einer Biographie über Churchill von John Charmley. Alan Clarc, früherer Verteidigungsminister von Thatcher, schaltet sich ein, um zu sagen, dass Churchill besser daran getan hätte, im Frühjahr 1941 mit Deutschland Frieden zu schließen. Nazi-Deutschland und das bolschewistische Rußland hätten sich gegenseitig verschlungen und England hätte sein Empire erhalten können.


Gehen wir auf Anfang 1941 zurück. Stalin erhielt damals über sein Büro zahlreiche Informationen aus der ganzen Welt, die einen drohenden Angriff Deutschlands gegen England ankündigten. Als Stalin in diesem Augenblick seine aus England kommenden Berichte durchsah, die eine drohende Aggression der Nazis gegen die Sowjetunion ankündigten, musste er sich fragen: in welchem Grade handelt es sich um englische Falschmeldungen, die darauf abzielen, einen Angriff Hitlers gegen Großbritannien abzuwenden?


Nach dem Kriege erfuhr man, dass Generalfeldmarschall Keitel in Umsetzung einer Weisung von Hitler das organisiert hatte, was er „das wichtigste Desinformationsmanöver der Geschichte“ nannte.


Schukow schreibt:


„In Massen wurden topographische Unterlagen über England gedruckt. Den Truppen wurden Englischdolmetscher zugeteilt. Die Absperrung einiger Gebiete an der Kanalküste und in Norwegen wurde vorbereitet. Nachrichten über ein angebliches Luftlandekorps sickerten durch. In den Truppen kursierten Gerüchte, dass sie vor der England-Invasion noch einmal in Ruhestellungen verlegt worden seien. Andere wiederum wollten erfahren haben, dass sie durch sowjetisches Territorium gegen Indien marschieren sollten. Um die Version von einer Luftlandung in England zu untermauern, wurden Sonderunternehmen unter dem Decknamen ‚Hai’ und ‚Harpune’ ausgearbeitet. Die Propaganda konzentrierte sich ganz auf England und brachte keine Ausfälle gegen die Sowjetunion.“


Alles das erklärt die extrem weise Vorsicht, die sich Stalin zu eigen machte. Er war keinesfalls der blinde Diktator, als den ihn Elleinstein hinstellt, sondern sehr wohl ein äußerst klarsichtiger kommunistischer Führer, der alle Möglichkeiten abwog. Schukow bezeugt dies:


„Einmal sagt er (Stalin) mir allerdings: ‚Jemand übermittelt uns sehr wichtige Angaben über die Absichten der Hitlerregierung. Wir haben jedoch einige Zweifel...? Wahrscheinlich meinte er Richard Sorge, der in der deutschen Botschaft in Japan arbeitete und von dem ich erst nach dem Kriege erfuhr.“


Nach Schukow tragen die sowjetischen Aufklärungsdienste ihren Teil der Verantwortung bezüglich des Irrtums der Einschätzung des Datums der Aggression.


Am 20. März 1941 stellte ihr Chef, General Golikow, Stalin einen Bericht zu, der Informationen von außerordentlicher Wichtigkeit enthielt. Diese deuteten insbesondere daraufhin, dass die Aggression zwischen dem 15 Mai und dem 15. Juni stattfinden wird. Aber in seinen Schlussfolgerungen stellte Golikow fest, dass es sich um eine Falschmeldung handelte, die von den britischen Geheimdiensten und vielleicht sogar von den deutschen Geheimdiensten stamme. Golikow schätzte ein, „dass als wahrscheinlichster Termin für den Beginn von Aktionen gegen die UdSSR ein Zeitpunkt nach dem Sieg über England oder nach dem Abschluss eines für Deutschland annehmbaren Friedens mit England in Frage kommt“.


Am 13. Juni forderte Timoschenko von Stalin, die Truppen in Alarmbereitschaft zu versetzen. „Das sollen wir uns überlegen“, antwortete Stalin. Am folgenden Morgen wurden Timoschenko und Schukow bei Stalin vorstellig, um darauf zu dringen. Stalin sagte zu ihnen: „Sie schlagen mir vor, die Mobilmachung anzuordnen. Das bedeutet doch Krieg! Begreifen Sie beide das oder nicht?“


Schukow antwortet, dass nach den Aufklärungsdiensten die deutschen Divisionen komplettiert wurden. Stalin erwiderte: „Man kann der Aufklärung nicht in allem glauben.“


Genau in diesem Augenblick erhält Stalin einen Telefonanruf von Chruschtschow. „Den Antworten war zu entnehmen, dass über die Landwirtschaft gesprochen wurde. Das ist gut, sagte Stalin. Chruschtschow hatte offenbar ein rosiges Bild von den Ernteaussichten gegeben“ Seitens Schukow ist diese Bemerkung von erlesener Perfidie. Man weiß, dass Chruschtschow bezüglich „der fehlenden Wachsamkeit“ und „Unverantwortlichkeit“ Stalins geradezu ergriffen war. Aber im selben Augenblick als Schukow, Timoschenko und Stalin die Möglichkeiten einer drohenden Aggression abwägen, spricht der wachsame Chruschtschow von Gemüse und Getreide....


Am Abend des 21. Juni berichtet ein deutscher Deserteur, dass der Angriff in der folgenden Nacht beginnen wird. Timoschenko und Watutin werden zu Stalin gerufen, der sie fragt: „Ob uns die deutschen Generäle diesen Überläufer nicht untergeschoben haben, um einen Konflikt zu provozieren?“ Timoschenko antwortet: „Er sagt die Wahrheit.“ „Was werden wir tun?“, fragte Stalin.


Timoschenko: „Man muss die Truppen in Gefechtsbereitschaft versetzen“ Nach einer kurzen Diskussion verfassen die Militärs einen Text, an dem Stalin einige Korrekturen vornahm. Hier die Wesentlichen Sätze:


„Ich befehle:


Im Laufe der Nacht zum 22.6.41 die Feuerpunkte der Befestigten Räume an der Staatsgrenze zu beziehen;


Am 22.6.41 vor dem Morgengrauen die gesamten Fliegerkräfte, darunter die Truppenflieger, auf die Feldflugplätze zu dezentralisieren und gründlich zu tarnen;


Ale Truppenteile in Gefechtsbereitschaft zu versetzen. Die Truppen auseinander gezogen und getarnt zu halten;


Die Luftverteidigung in Gefechtsbereitschaft zu versetzen; ohne die militärdienstpflichtigen Reservisten zusätzlich einzuberufen. Alle Vorkehrungen zur Verdunklung der Städte und Objekte zu treffen;


Ohne Sonderanweisung keine weiteren Maßnahmen durchzuführen“ Gezeichnet von Timoschenko und Schukow.


Die Übermittlung an die Militärbezirke erfolgte kurz nach Mitternacht. Es ist bereits der 22. Juni 1941.


Bezüglich der ersten Monate des Krieges schreibt Chruschtschow: „Nach der ersten Niederlage an der Front, dachte Stalin, das Ende sei gekommen. (...) Stalin führte während einer langen Zeit nicht effektiv die militärischen Operationen und hörte auf, das zu tun, was notwendig war. Er nahm auch die aktive Leitung erst wieder auf, nachdem einige Politbüromitglieder zu ihm gekommen waren.“


„Es gab einen Versuch, das Zentralkomitee im Oktober 1941 zusammenzurufen, die Mitglieder des Zentralkomitees wurden nach Moskau einberufen(...) Stalin wollte den Mitgliedern des Zentralkomitees weder begegnen noch diese sprechen. Dieser Fakt zeigt, wie sehr Stalin in den ersten Tagen des Krieges demoralisiert war.“


Elleinstein fügt hinzu:


„Vom 22. Juni bis zum 3. Juli verschwand Stalin völlig von der Bildfläche. Indem er ständig Wodka zu sich nahm, betrank er sich 11 Tage lang“


Kommen wir also auf Stalin zurück, der angeblich seit 11 Tagen totbetrunken und völlig demoralisiert war. Als am 22. Juni 1941 um 3 Uhr und 40 Minuten früh Schukow ihm mitteilte, dass deutsche Flugzeuge die Grenzstädte bombardierten, teilte ihm Stalin mit, dass er das Politbüro einberufen werde. Seine Mitglieder versammelten sich um 4 Uhr und 30 Minuten. Watutin setzte sie in Kenntnis, dass deutsche Landstreitkräfte die Offensive eröffnet haben. Wenig später traf die deutsche Kriegserklärung ein.



Stalin verstand besser als irgendein anderer, welcher Barbarei sein Land ausgeliefert sein wird. Er verfiel in ein langes Schweigen. Schukow erinnert sich dieses dramatischen Augenblicks: „Stalin war ein willensstarker Mann, der wie man zu sagen pflegt, Kaltblütigkeit besaß. Ein einziges Mal sah ich ihn ziemlich niedergeschlagen. Das war am Morgen des 22. Juni 1941. Seine Überzeugung und die Möglichkeit den Krieg zu vermeiden, waren zerstört.“


Schukow schlug vor, die feindlichen Einheiten unverzüglich anzugreifen. Stalin beauftragte ihn, eine Direktive zu erarbeiten. Sie wurde abgeschickt um 7.15 Uhr.“Sie entsprach jedoch weder dem Kräfteverhältnis noch der komplizierten Lage und konnte daher nicht durchgeführt werden.“, notierte Schukow.


Die Behauptung von Chruschtschow, nach der Stalin anordnete, dass auf den ersten Schuss der Deutschen nicht zu erwidern sei, ist also eine Lüge.


Stalin war in dem Augenblick erschüttert, als er vom Ausbruch des Krieges erfuhr. Nach dem 22. Juni 1941 und während der gesamten Kriegsdauer sicherte J.W. Stalin die feste Führung des Landes, des Krieges und unserer ausländischen Beziehungen.


Bereits am 22. Juni 1941 traf Stalin Entscheidungen von großer Bedeutung. Schukow bezeugt das:


„Um 13.00 Uhr rief Stalin mich an: ‚Unsere Frontbefehlshaber besitzen keine genügende Erfahrung in der Führung von Kampfhandlungen und haben anscheinend den Kopf verloren. Das Politbüro hat beschlossen, Sie als Vertreter des Hauptquartiers zur Südwestfront zu schicken. Zur Westfront fahren Marschall Kulik und Marschall Schaposchnikow, Kulik habe ich bereits eingewiesen’.“ Das Hauptquartier (die Stawka) war das Kollegium der militärischen und politischen Führer, die den Obersten Befehlshaber Stalin umgaben.


Am Ende des Tages befand sich Schukow bereits in Kiew. Er erfuhr dort, dass Stalin eine Direktive herausgeben wurde, um die Operationen der Gegenoffensive zu starten. Schukow beurteilte sie als voreilig, weil der Generalstab noch nicht über genügend Informationen darüber verfügt, was sich wirklich an den Fronten abspielt. Nichtsdestotrotz führte Schukow am 24. Juni das 8. und 15. mechanisierte Korps in die Offensive. „Das war eine der ersten mit Erfolg durchgeführten Gegenangriffe. Der Vorstoß dieser Korps und vor allem die erfolgreichen Angriffe des 8. mechanisierten Korps sollten den faschistischen Truppen sehr bald schwer zu schaffen machen.“


Zu Recht lenkte Schukow die Aufmerksamkeit auf die „grandiosen Schlachten an den Grenzen in der Anfangsperiode des Krieges“, was, wie er sagte, noch sehr wenig erforscht ist. Das hat seine Gründe. Für seine politischen Intrigen musste Chruschtschow diese Periode als eine Abfolge von kriminellen Irrtümern seitens Stalins entstellen, die die Verteidigung völlig desorganisiert hätten. Aber angesichts des Blitzkrieges der Nazis waren die Desorganisation, die Niederlagen, die großen Verluste zu einem großen Teil unvermeidlich. Die wichtigere Tatsache ist, dass die Armee und ihre Führungskräfte in einer extrem schwierigen Lage einen erbitterten und un-versöhnlichen Widerstand geleistet haben. In heldenhaften Kämpfen wurde begonnen, von den ersten Tagen an die Bedingungen für das Scheitern des Blitzkrieges zu schaffen. Aber all das war zum großen Teil dank der klugen, energischen und willensstarken Leitung von Stalin möglich.


Am 26. Juni traf Stalin die strategische Entscheidung, eine Reservefront etwa 300 Kilometer hinter der Front zu bilden, um den Feind aufzuhalten, wenn es ihm im ungünstigen Fall gelingen sollte, die Verteidigung zu durchbrechen.


Am gleichen Tag wird die Westfront durchbrochen und die Nazis stoßen auf Minsk, die Hauptstadt Weißrußlands, vor. Am Abend ruft Stalin Timoschenko, Schukow und Watutin zu sich und erklärt ihnen: „Überlegen Sie gemeinsam, sagen Sie mir, was sich machen lässt.“ Schukow berichtet: „Wir waren bei unseren Vorschlägen von der Hauptaufgabe ausgegangen, in der Moskauer Richtung eine tief gestaffelte Verteidigung zu schaffen, den Gegner zu zermürben, ihn auf einer der Verteidigungslinien zum Stehen zu bringen und eine Gegenoffensive zu organisieren. Die dafür erforderlichen Kräfte sollten teilweise aus dem Fernen Osten und durch neue Formationen aufgebracht werden.“


Am 29. Juni wurden eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Stalin verkündigte sie dem Volk in seiner berühmten Ansprache, die am 3. Juli 1941 über die Radiostationen ausgestrahlt wurde:


„Der Feind ist grausam und unerbittlich. Er setzt sich das Ziel, unseren Boden, der mit unserem Schweiß getränkt ist, zu okkupieren und an sich zu reißen, sich unseres Getreides, unseres Erdöls, der Früchte unserer Arbeit zu bemächtigen.


Er stellt sich das Ziel, die Macht der Großgrundbesitzer wiederherzustellen, den Zarismus zu restaurieren, die nationale Kultur und nationale Eigenstaatlichkeit der Russen, Ukrainer, Weißrussen, Litauer, Letten, Esten, Usbeken, Tataren, Moldawier, Georgier, Armenier, Aserbaidschaner und anderer freier Völker der Sowjetunion zu zerstören, sie zu germanisieren und aus ihnen Sklaven der deutschen Fürsten und Barone zu machen. Es geht somit um Leben und Tod des Sowjetstaates, um Leben und Tod der Völker der Sowjetunion; es geht darum, ob die Völker der Sowjetunion frei sein oder in Versklavung geraten sollen. (...) Mögen unsere Menschen frei von Furcht im Kampf sein und mit Selbstverleugnung und Opfermut unseren Befreiungskrieg für das Heil des Sowjetstaates gegen die faschistischen Unterjocher führen. Der große Lenin, der unseren Staat geschaffen hat, sagte: die Haupteigenschaften der Sowjetmenschen sind Tapferkeit, Kühnheit und Furchtlosigkeit im Kampf, der Wille, auf der Seite des Volkes gegen die Feinde unseres Vaterlandes zu kämpfen. (...) Die Rote Armee, die Rote Flotte und alle Bürger der Sowjetunion müssen jeden Fußbreit sowjetischen Bodens verteidigen und bis zum letzten Blutstropfen um unsere Städte und Dörfer kämpfen, müssen die Kühnheit, Initiative und Findigkeit an den Tag legen, die unserem Volke eigen sind. (...) Das Hinterland der Roten Armee muss fest gefügt sein, und diesem Werk müssen alle unsere Anstrengungen gelten. Zu gewährleisten ist die vollständige Funktionsfähigkeit aller unserer Betriebe. Zu erzeugen sind eine immer größere Anzahl von Gewehren, Maschinengewehren, Geschützen, Patronen, Granaten, Flugzeugen. (...) Organisiert werden muss ein schonungsloser Kampf gegen Desorganisatoren im Hinterland, gegen Deserteure, Panikmacher und Gerüchtemacher aller Art. Zu vernichten sind Spione, Diversanten, feindliche Fallschirmspringer. (...) Im Falle eines erzwungenen Rückzuges von Einheiten der Roten Armee muss alles rollende Material der Eisenbahn zurückgeführt werden, dem Feind darf keine einzige Lokomotive, kein einziger Waggon, kein einziges Kilogramm Getreide, kein Liter Treibstoff in die Hände fallen. (...)


In den vom Feind besetzten Gebieten müssen Partisanenabteilungen zu Pferde und zu Fuß und Sabotagetrupps gebildet werden, um gegen die feindlichen Truppen zu kämpfen, um den Partisanenkrieg überall und allerorts zu entfachen. (...) Vorwärts zu unserem Sieg!“


Am 10. Juli begann die Schlacht um Smolensk. Nach der Einnahme dieser strategisch wichtigen Stadt, glaubten die Hitleristen, sich auf Moskau stürzen zu können, das weniger als 300 km entfernt lag. Die Schlacht um Smolensk tobte zwei Monate! „Die Smolensker Schlacht spielte in den Sommeroperationen des Jahres 1941 eine wichtige Rolle.“ „Die Faschisten verloren in der Smolensker Schlacht 250000 Soldaten und Offiziere.“ „Dass die faschistische Offensive in der Hauptrichtung aufgehalten werden konnte, war ein bedeutender strategischer Erfolg, durch den wir Zeit gewannen, um strategische Reserven vorzubereiten und Verteidigungsmaßnahmen in der Moskauer Richtung einzuleiten.“


Wassilewski gibt folgenden Kommentar: „Unter den Verteidigungsschlachten im Sommer und Herbst 1941 nimmt die Schlacht um Smolensk einen besonderen Platz ein. Neben dem hartnäckigen Widerstand, den der Gegner im Raum Luga zu spüren bekam, und dem heldenhaften Kampf der sowjetischen Truppen am Südwestabschnitt wurde hier der Grundstein zum Fiasko der Blitzkriegsstrategie gelegt und der Gegner gezwungen, an dem berüchtigten Plan ‚Barbarossa’ Korrekturen vorzunehmen. Sie... war eine ausgezeichnete, wenngleich sehr teuer bezahlte Schule für die militärische Entwicklung der sowjetischen Soldaten und Offiziere. Wertvoll ist sie deshalb, weil unsere militärische Führung bis hin zum Oberkommando - Stalin eingeschlossen - in der Organisation des modernen Gefechts gegen einen hartnäckigen, starken und erfahrenen Gegner und in der Truppenführung während der erbitterten, oft seine Formen wechselnden Kampfes viel hinzulernte“


Am 30. September 1941 begannen die Nazis die Generaloffensive zur Einnahme von Moskau.


450000 Einwohner der Hauptstadt, davon 75% Frauen, wurden mobilisiert, um Befestigungen und Panzersperren zu bauen. Die Truppen des Generals Panfilow führten denkwürdige Schlachten zur Verteidigung der Wolokoamsker Chaussee, die in dem gleichnamigen Roman von Alexander Beck ein unsterbliches Andenken erhielten. Moskau wird durch deutsche Flugzeuge bombardiert. Die Nazis stehen 80 Kilometer vor der Stadt. Ein Teil der Verwaltung wird evakuiert. Panik beginnt sich der Einwohner von Moskau zu bemächtigen. Stalin entscheidet sich, in Moskau zu bleiben. Die Schlachten werden immer erbitterter und Anfang November wird die deutsche Offensive gestoppt. Nachdem er Schukow konsultiert hatte, entscheidet sich Stalin, am 7. November die traditionelle Militärparade auf dem Roten Platz abzuhalten. Das ist eine wahrhaftige Herausforderung der vor den Toren Moskaus stehenden Nazitruppen. Stalin hält eine Ansprache, die im ganzen Land verbreitet wird. „Der Feind steht vor den Toren von Leningrad und Moskau. Er zählte darauf, dass sich unsere Armee auf den ersten Schlag hin auflöst und unser Land in die Knie geht. Aber der Feind hat sich gründlich getäuscht und verrechnet. Unser Land, unser ganzes Land hat ein einziges Kampflager gebildet, um in konzertierter und konzentrierter Aktion von Armee und Flotte den deutschen Eindringlingen die Niederlage zu bereiten. (...) Kann man daran zweifeln, dass wir die deutschen Invasoren besiegen können und besiegen müssen? Der Feind ist nicht so stark, wie es gewisse aufgeschreckte Intelligenzler darstellen. Der Teufel ist nicht so furchterregend, wie man ihn an die Wand malt. (...) Genossen Rotarmisten, Matrosen der Roten Flotte, Kommandeure und politische Funktionäre, Partisanen und Partisaninnen! Auf Euch blickt die ganze Welt als die Macht, die fähig ist, die räuberischen Heerhaufen der deutschen Eindringlinge zu besiegen. Die unterdrückten Völker Europas, die unter dem deutschen Joch schmachten, sehen auf Euch als Befreier. Euch ist eine große Befreiungsmission zugefallen. Erweist Euch dieser Mission als würdig. Möge das siegreiche Banner des großen Lenins Euch Kraft verleihen!“


Am 15. November beginnen die Nazis ihre zweite Offensive gegen Moskau. Am 25. November dringen einige vorgerückte Einheiten in die südlichen Vororte von Moskau ein. Aber am 5. Dezember wird der Angriff aufgehalten. Während dieser ganzen Zeit treffen neue Truppen aus dem ganzen Land ein. Selbst in den dramatischsten Augenblicken hat Stalin seine strategischen Reserven bereitgehalten.


Rokossowski schreibt:


„Das erforderte ein strenges Kalkül und eine gewaltige Selbstbeherrschung“ Nachdem er alle seine Befehlshaber konsultiert hatte, befiehlt Stalin einen groß angelegten Gegenangriff, der am 5. Dezember beginnt und in deren Verlauf von 720000 Rotarmisten 800000 Hitlersoldaten um 100 bis 300 Kilometer von Moskau zurückgeworfen werden.


„Zum ersten Mal wurden die ‚unbesiegbaren’ deutschen Truppen geschlagen, und zwar gründlich geschlagen für eine gute Sache. Vor Moskau verloren die Faschisten mehr als 500000 Mann, 1300 Panzer, 2500 Geschütze, mehr als 15000 Kraftfahrzeuge und vieles andere Kriegsmaterial. Die Hitlerarmee hatte derartige Verluste noch nicht kennengelernt.“


Viele betrachten die Schlacht vor Moskau als den wirklichen Wendepunkt des antifaschistischen Krieges. Er trat weniger als 6 Monate nach dem Beginn des Blitzkrieges ein. Der unerschütterliche Wille, das gewaltige Organisationstalent Stalins und seine Meisterung der großen strategischen Probleme haben dazu entscheidend beigetragen.

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Warum hat stalin nicht auf Warnungen gehört
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 01:51 

Beiträge: 18
Veielen Dank für eure Hilfe, die ich zu schätzen weiss, nun das Thema habe ich mir ausgedruckt bzw eure Antwort. Was Richard Sorge betrifft, es gibt ein Buch von Ruth Werner, sie war mit Richard Sorge zusammen lebte später in der DDR und schrieb ebenfalls eine Biographie über Ihn, da kommen fakten zusammen die sich paralell mit eure Decken.Allerdings muß ich es mir immer auleihen aus der Bibliothek. Also noch mals Danke mkG Ralf


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