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 Betreff des Beitrags: Die Zeit um 1938
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:33 

Beiträge: 122
Hallo,

ich beschäftige mich noch nicht lange mit der Idee / geschichte des Kommunismus bzw. mit der marxistischen Theorie. Jedoch habe ich schon mal einige Fragen. Warum wurden viele Mitglieder des ZK von 1917 erschossen? Warum hat Lenin nicht gemerkt, dass er von Konterrevolutionären Banditen umgeben war. Folgende Mitglieder des 17Zks wurden erschossen oder sind verschollen (Stand 1938) etc.:

1. Rykov (erschossen)
2.Bucharin ebenda
3. Zinoviev ebenda
4.Kamenev ebenda
5.Krestinsky ebenda
6.Smilga ebenda
7.Sokolnikov(38 in Haft, dann vermutlich erschossen?)
7. Trotzki (38 im Exil, dann umgebracht)
8.Bubnov: verschwunden
9. Muranov (verschollen)
10. Stassova (verschollen)
11. Miliutin (verschollen)
12. Sverdlov (tot)
13. Kollontai (verschollen)
14. Uritsky (tot)
15. Nogin (tot)
16. Joffe (Selbstmord)
17. Shomyan (tot)
18. Nogin (tot)
19. Dzerzhinsky (tot)
20. Lenin (tot)

21. Stalin lebt/ Sieger

Warum wurden viele KPDler 1938 , die im sowjetischen Exil waren, plötzlich als Feinde tituliert und wurden erschossen (z.B. Franz Neumann um ein Mitglied des Thälmannschen Pol.büros zu nennen).

Warum wurden kluge Leute wie Radek in den Gulag gesteckt, um dann dort umzukommen?

Warum war die Rote Armee dermaßen von Agenten und Faschisten durchtränkt, dass nahezu der ganze höhre Offiziersstab etc. liguidiert werden mußte.

Wie konnte es also kommen, dass alte Bolschewikis dermaßen auf den Hunde gekommen sind und zu Spionen,Diversanten und Volksschädlingen mutierten. Ja selbst der Begründer/ Aufbauer der Roten Armee zu den Faschisten überlief (Trotzki)

War Lenin dermaßen blind für solche kriminellen Leute oder haben die sich besonders clever getarnt?


Über viele Antworten würde ich mich freuen.

Gruß

Felix


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Zeit um 1938
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:33 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
hallo Felix, auf einige deiner Fragen kann ich schnell eingehen:
Der Große Teil der ZK-Mitglieder die du nanntest sagen mir auf Anhieb nichts. Rykow, Bucharin, Kamanew, Sinowjew, Trotzki und Sokolnikow waren - was unseren Stand der Erkenntnisse angeht - tatsächlich Mitglieder der Konterrevolution. Dzerzhinsky und Sverdlow (genauso wie Lenin) waren niemals Mitglieder irgendeiner Verschwörung oder feindlichen Gruppierung (nach 1917). Sie starben eines natürlichen Todes.
Was die Frage angeht, ob Lenin und die Bolschewiki tatsächlich so blind waren und die konterrevolutionären Gruppen nicht Überblicken konnten sei mal folgendes gesagt:
Wer meint, die Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Gruppierungen in der Partei und dereren Übergang zur Konterrevolution und zum Terror sei von heute auf morgen passiert, der scheint sich nur sehr spärrlich mit der Geschichte der kommunistischen Bewegung in Russland auseinandergesetzt zu haben. Ideologische Differenzen gabe es zwischen Lenin und Trotzki z. B. schon weit vor der Revolution.
Der britische Marxist-Leninist Bill Bland hat diesbezüglich eine längere Ausarbeitung geschrieben, die eindeutig beweist, dass Trotzki niemals ein Bolschewik war! zu lesen unter: http://www.bolschewiki.org/html/to-wzp/to-wzp8.htm
Auch was Sinowjew und Kamenew angeht, so waren diese niemals treu ergeben Bolschewiken - man siehe zum Beispiel wie sie 1917 über die Pläne zum Oktobersturz veröffentlich hatten, obwohl diese Pläne konspirativ waren.
Dann nehme man noch Trotzkis Losung zum Friedensvertrag von Brest-Litwos hinzu, oder seine Ansicht, man müsse in der Roten Armee auch zaristische-weißgardistische Offiziere aufnehmen (wer schon sowas verlangt, der hat auch kein Problem mit den Faschisten zusammenzuarbeiten).
Also hatte Lenin bei diesen drei Personen schon längst erkannt, dass diese Verräter waren. Warum hatte er sie dann nicht vorher rausgeschmissen? Schwer zu sagen, aber es ist zum einen vorstellbar, dass er sie für den Moment doch irgendwie brauchte - das wichtigste war zuerst die Revolution durchzuführen, der Rest war da sekundär. Zum anderen sollte man aber auch bedenken, dass Menschen sich durchaus ändern können. so war der Tscheka-Gründer Dzerzhinsky, der spätere Oberstaatsanwalt Wyschinsky oder der spätere ZK-Vorsitzende Andrejew ehemalige Menschewiki ... aber durch ideologische Überzeuggungsarbeit und Selbsterkenntnis wurden diese Männer zu treuen Bolscchewiken ... das hätte auch mit Trozki Bucharin Kamenew und co sein können. Hier sieht man auch gleich den demokratischen Charakter der Bolschewistischen Partei: oppositionellen Ansichten, ja sogar feindlichen Ansichten wurde die chance gegeben sich zu behaupten. Das war auch nach Lenins Tod so. Trotzki wurde erst 1927 aus der Partei ausgeschlossen, als man gesehen hat, dass dieser Mann absolut keine Entwicklung durchmachen kann etc.

Was die KPDler angeht so ist dies traurige Realität. Dieses Thema wurde hier im Forum mehrmals angesprochen. Du kannst es ua. hier nachlesen: http://61219.forum.onetwomax.de/topic=102378275398

so viel fürs erste

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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