Forum.stalinwerke.de - stalinforum.de

Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Aktuelle Zeit: So 21. Jan 2018, 06:21

Alle Zeiten sind UTC




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 20 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 22:55 

Beiträge: 34
Hallo!
Also ich bin neu hier, aber finde es erstaunlich, dass so ein Forum existiert.
Ich freue mich auf die Interessanten Diskussionen und Insprationen von uns.
Eine Klarstellung zum Verständnis: Ich sehe Stalin auch als Klassiker neben Marx,Engels und Lenin.

Also ich schreib grad ein Gegenartikel zu dem Folgenden Artikel und wollte fragen, ob ihr mehr über das Verhältnis zwischen Thälmann und Stalin wisst, als Thälmann im Gefängnis war.

Ansonsten ist jede Inspiration erwünscht:

Artikel:
Zum Gedenken an Ernst Thälmann
Vor sechzig Jahren wurde der Arbeiterführer Thälmann im KZ Buchenwald ermordet

Ernst Thälmann wurde am 16 April 1886 in Hamburg als Sohn von Magdalena und Johannes Thälmann geboren. Nach der Schulentlassung aus der Klasse für besonders begabte Volkschüler hätte Ernst gern einen Beruf erlernt, aber der Vater bestimmte, dass er weiter im elterlichen Kleinbetrieb mitarbeiten müsse. Bald entschied er sich jedoch, wie alle anderen Jungs seines Viertels, sein Geld als Hafenarbeiter zu verdienen.
Bereits 1903 trat er der SPD und der Transportarbeitergewerkschaft bei. Sein Wehrdienst endete mit einer vorzeitigen Entlassung, da er in seiner Einheit bereits als politischer Agitator galt.In den Jahren bis zum ersten Weltkrieg entwickelte sich Thälmann zum konsequenten Streiter für die Interessen der Hamburger Hafenarbeiter. Kurz vor seiner Einberufung zum Kriegsdienst heiratete er 1915 Rosa Koch, aus dieser Ehe ging die Tochter Irma Thälmann hervor. Weil er gegen den Krieg Stellung nahm, wurde er vom Kriegsgericht zu „verschärftem Arrest verurteilt. Nach einem Heimaturlaub 1918 desertierte Thälmann und beteiligte sich am Aufbau des Hamburger Arbeiter und Soldatenrats. Enttäuscht über die SPD, die mit der alten kaiserlichen Machtelite zusammengearbeitet und die Interessen der Arbeiter verraten hatte, wurde er Mitglied der USPD und im Mai 1919 ihr Hamburger Vorsitzender. Ihm gelang es die Mehrheit seiner Genossen für einen Zusammenschluß mit der Kommunistischen Partei Deutschlands zu gewinnen. Er war aktiv am Hamburger Aufstand von 1923 beteiligt und 1924 wurde er stellvertretender KP-Vorsitzender, Chef des Roten Frontkämpferbundes und Abgeordneter im Deutschen Reichstag. Ein Jahr später wurde er zum Vorsitzenden der KPD gewählt. Thälmann sprach die Sprache der einfachen Leute und verstand es die Massen zu begeistern. In großen Sälen drängten sich oft Tausende begeisterte Zuhörer um ihn.

Deutschlandweit bekannt wurde er durch seine Kandidaturen für die Reichspräsidentenwahlen 1925 und 1932. Die Losung der KPD 1932 "Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg" wird Thälmann zugeschrieben. Wie Recht er mit dieser oft kritisierten Losung hatte zeigte die Geschichte.
Zur Abwehr des Faschismus schlug das ZK der KPD der SPD und der Gewerkschaftsführung mehrmals gemeinsame Aktionen vor, die Angebote wurden jedoch nicht angenommen.
Am 3. März 1933 fiel Thälmann den Faschisten in die Hände, die nach dem von ihnen inszenierten Reichstagsbrand am 27.Februar 1933 massenhaft Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Nazigegner einkerkerten. Von der Sowjetunion über Europa und die USA bis Japan entstand eine Massenbewegung für die Freilassung Thälmanns und aller inhaftierten Antifaschisten.

Ein einziges Mal - nämlich 1934 - durfte ihn eine Delegation im Untersuchungsgefängnis Berlin besuchen. Den Arbeitern aus dem Saargebiet berichtete Thälmann u.a. von den Mißhandlungen, denen er ausgesetzt gewesen war. Die Nazis wollten Thälmann den Prozess wegen Hochverrat machen – doch dann verzichtete Hitler aus Angst vor einem Freispruch auf die Anklage. Für Thälmann galt statt dessen ab 1935 die so genannte Schutzhaft - damit konnte er unbegrenzt eingesperrt bleiben. Während seiner Gefangenschaft gelang es durch illegale Verbindungen über Rosa und Irma Thälmann sowie Kuriere,Niederschriften und Hinweise Thälmanns zu innen- und außenpolitischen Fragen aus den Gefängnissen zu schmuggeln. Aus Thälmanns Briefen von 1939 bis April 1941 geht hervor, dass er die Hoffnung hegte, Stalin würde - besonders nach dem Hitler Stalin Pakt - seine Befreiung erwirken. Die Hoffnung trog; Stalin nutzte seine Möglichkeiten nicht.
Irritiert reagiert Thälmann auch auf die Schauprozesse in der Sowjetunion. Lachend erzählten die Gefängnisbeamten ihm welche seiner alten Mitstreiter auf Befehl Stalin hingerichtet wurden
Nach elf Jahren Folter und Gefängnis in Berlin, Hannover und Bautzen wurde Thälmann in der Nacht zum 18. August 1944 ins KZ Buchenwald gebracht und erschossen. Hitler persönlich ordnete die Ermordung an, doch aus Angst vor Thälmanns nach wie vor vorhandenen Einfluß auf die Arbeiterschaft meldete die Nationalsozialistische Presse, der KPD-Führer sei bei einem alliierten Bombenangriff ums Leben gekommen.

Während der Westdeutsche Staat den kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus verschwieg und Thälmann als „eingefleischten Stalinisten“ der kaum besser als Hitler gewesen sei ,defamierte, wurde er im Osten zum Volksheld erklärt. Schon bald trugen Hunderte Straßen, Schulen, Verbände und Fabriken seinen Namen. Auch international wurde Thälmann als „ Stimme und Faust der (deutschen) Nation“ geehrt. Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro beispielsweise schenkte der DDR 1972 die Karibik-Insel "Ernesto Thaelmann".

Der übertriebene Personenkult um Thälmann in der DDR, der dazu führte das jede Kritik wie z.B., dass durch Thälmanns Stalinhörigkeit der deutsche Kommunismus seine Eigenständigkeit verloren habe, verboten wurde, ist zu kritisieren. Aber trotz aller Kritik die es an Thälmann gibt sollte nicht vergessen werden, dass er ein aus einfachen Verhältnissen stammender Arbeiter war, dessen konsequentes und selbstloses Eintreten für die Interessen der Arbeiterklasse ein Vorbild für Millionen Menschen war und ist. Er blieb seinem kommunistischen Ideal stets treu, trotz Einzelhaft, Folter und Misshandlungen verriet er niemals seine Genossen und die Interessen der deutschen und internationalen Arbeiterklasse.


Ernst Thälmann war und bleibt Sohn und Führer seiner Klasse!

Erschienen in der Zeitschrift RatSchlag der Sozialistischen Linken -SoL-


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 22:56 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Hallo masolta.

Vielleicht hast Du ja schon gesehen, das ich unter
http://www.deutsche-kommunisten.de/Erns ... ndex.shtml
Thälmanns Reden und ähnliches veröffentliche. Am 4. Band bin ich zur Zeit dran.

Warum Stalin Thälmann nicht "freigekauft" hat, kann ich so pauschal auch nicht sagen. Sicher ist aber, wenn es passiert wäre, würde die heutige Geschichtsschreibung sagen "Schaut, der Thälmann wurde rausgeholt und alle anderen in Stich gelassen."

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 22:56 

Beiträge: 236
Warum Stalin nicht Thälmanns Freilassung erwirkt hat ist doch klar;
Hitler hatte doch den Hitler-Stalinpakt gebrochen, er hielt sich also nicht an Verträge mit der SU. Folglich war ihm nicht zu trauen. Warum Stalin vor Hitlers Überfall auf die SU ihn nicht gerettet hat ist mir jedoch unklar.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 22:56 

Beiträge: 2008
Zitat:
Warum Stalin vor Hitlers Überfall auf die Su ihn nicht gerettet hat ist mir jedoch unklar.


Wenn ich mich recht erinnere, gab es einen Befreiungsversuch für Thälmann. Ich dächte, dass wäre im zweiteiligen Thälmannfilm gezeigt worden. Der Versuch schlug allerdings fehl.

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 22:57 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Zitat:
Wenn ich mich recht erinnere, gab es einen Befreiungsversuch für Thälmann. Ich dächte, dass wäre im zweiteiligen Thälmannfilm gezeigt worden.


Richtig gedächt. Ich borge Dir den Film bei Interesse gerne mal aus.

Aber mit Stalin hatte dieser Befreiungsversuch meines Wissens nach nichts zu tun.

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 22:57 

Beiträge: 34
Also Ich hab was geschrieben.
Was sagt ihr denn dazu?
Thälmann Artikel Analyse

In der letzen Ausgabe des RatSchlages erschien ein Artikel über Ernst Thälmann.
Einige in diesem Artikel erwähnte Auffassungen erfordern eine genauere Analyse.
Da eine komplette Analyse den Rahmen des Artikels sprengen würde, wird die Frage des Wirkens Ernst Thälmanns in der KPD in der nächsten Ausgabe erscheinen.

In dem Artikel wird behauptet Stalin hätte seine Möglichkeiten, Ernst Thälmann zu befreien, nicht genutzt. Aber warum sollte Stalin so handeln?
Stalin hatte kein Interesse daran, Ernst Thälmann im Gefängnis zu sehen und daraus ist zu folgern, dass er keine Möglichkeiten hatte. Der Deutsch-Sowjetische-Nichtangriffspakt verbündete beide Staaten nicht, sondern verpflichtete sie sich nicht anzugreifen. Aus diesem Vertrag folgte keine besonderen Möglichkeiten in die Souveränität und Rechtssprechung des anderen Staates einzugreifen, um somit die Befreiung von Gefangenen zu vollziehen.
Der Nichtangriffspakt wurde der Sowjetunion in einer schwierigen Lage diktiert, somit hatte sie keine großen Möglichkeiten, dies schrieb die Prawda am 23.September 1939: „Die einzige noch mögliche Sache war, die Westukraine, Westbelorussland und die baltischen Länder vor einer deutschen Invasion zu bewahren“.
Hätte Stalin Ernst Thälmann befreit, würden Heute die Stimmen jener laut, die Stalin Vetternwirtschaft vorgeworfen hätten, denn dann hätte Stalin, in einer Zeit in der in Deutschland die meisten Kommunisten getötet oder verhaftet waren, Ernst Thälmann nur befreit, weil er ein „eingefleischter Stalinist“ war. So oder so wird Heute die Wahrheit verbogen, damit sie in das Weltbild unserer Gesellschaft passt!


Des Weiteren wird in dem Artikel behauptet, dass es in der Sowjetunion Schauprozesse gegeben hat. Schauprozesse sind öffentliche Gerichtsverfahren, bei der die Verurteilung des Angeklagten im Vorhinein feststeht und die Geständnisse meistens erpresst werden.
Diese antikommunistische Behauptung, welche von der Gerüchteküche des faschistischen Deutschlands entstamm, soll dem Zweck dienen, dass es im Sozialismus keine Gerechtigkeit in der Rechtsprechung gibt. Die Gerichtsprotokolle aus der Zeit sind veröffentlicht, somit kann jeder sie einsehen und sich selber vergewissern, dass die Moskauer Prozesse keine Schauprozesse waren.
Der Artikel behauptet auch noch, dass auf Befehl Stalins die alten Mitstreiter Thälmanns hingerichtet wurden. Die idealistische Geschichtsschreibung geht davon aus, dass einzelne Männer Geschichte schreiben können, aber wir Kommunisten lehnen diese Art von Personalisierung von der Geschichte ab und somit auch die Theorie eines allmächtigen Diktators.
Die Moskauer Prozesse waren für den Sozialismus und den antifaschistischen Kampf von existenzieller Bedeutung, denn sie haben die Verschwörung in der Partei und der Armee gegen den Sozialismus beendet, um den notwendigen sozialistischen Aufbau und den antifaschistischen Widerstand zu ermöglichen. In jeder Rechtsprechung gibt es auch Verurteilungen von Unschuldigen, deshalb wäre es utopisch zu behaupten, dass alle Verurteilten schuldig waren. Die Frage, die sich stellt ist, ob die unschuldig Verurteilten gezielt verurteilt wurden. Dies ist nicht anzunehmen da jede Art von Motiv fehlt und es der Sowjetunion geschadet hätte gezielt Kommunisten zu verurteilen, denn sie hätten sich damit ins eigene Fleisch
geschnitten.


Der Thälmann Artikel behauptet, dass durch die Stalinhörigkeit Thälmanns der deutsche Kommunismus seine Eigenständigkeit verloren habe.
Thälmann als Marionette Stalins zu sehen, ist von Grund auf falsch, denn jede kommunistische Partei ist souverän, aber Thälmann als Marionette Stalins anzusehen und Stalin zu verurteilen, auf der anderen Seite Thälmann und seine Taten dennoch zu Loben und zu ehren ist paradox.
Das Verhältnis der kommunistischen Parteien der verschiedenen Länder kann familiär bezeichnet werden, denn die Theorie, die Strategie und die Taktik der Parteien werden international diskutiert und weiterentwickelt. Es ist ein kommunistisches Prinzip, dass die Parteien sich gegenseitig kritisieren, damit eine Entwicklung von statten geht, aber dieses Prinzip als Einmischung in die Selbstständigkeit der Parteien zu verstehen ist unangemessen, denn es ist unsolidarisch zu zusehen ohne ein Wort zu sagen, wenn ein Freund oder eine Freundin die gleichen Fehler immer wieder begeht.
Der Kommunismus ist kein Dogma und muss deshalb immer auf die jeweiligen Gegebenheiten der verschiedenen Länder angewandt werden, dabei sind aber die Grundprinzipien des Kommunismus immer die selben.
In der Zeit von Thälmann gab es zwei große Lager in der internationalen Debatte der Kommunisten. Auf der einen Seite war das marxistisch-leninistische Lager mit Stalin und auf der anderen Seite waren die Trotzkisten.
Es ist unverständlich zu behaupten, dass wenn Thälmann sich zu dem Marxismus-Leninismus Lager zugehörig fühlt, dass er dann seine Eigenständigkeit verloren hat, denn Zugehörigkeit negiert nicht die Mündigkeit.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 22:58 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
jo der Text ist gut

vielleicht nur noch folgende Ergänzung:

Zitat:
Der Artikel behauptet auch noch, dass auf Befehl Stalins die alten Mitstreiter Thälmanns hingerichtet wurden. Die idealistische Geschichtsschreibung geht davon aus, dass einzelne Männer Geschichte schreiben können, aber wir Kommunisten lehnen diese Art von Personalisierung von der Geschichte ab und somit auch die Theorie eines allmächtigen Diktators.


es ist leider Gottes Fakt, dass viele deutsche und österreichische und andere Kommunisten während der Säuberung hingerichtet wurden. Jedoch keinesfalls auf Stalins Befehl ... dazu fehlt bis jetzt jeder Beweis.
Vielmehr war es dass die Konterrvolutionäre im NKWD und der Partei, die dies veranlasst haben um dem Sozialismus zu schaden. Erst durch die Aufdeckung der Moskauer und anderer Prozesse, die diese wirklichen Konterrevolutionäre bestraften, hörte dieses konterrevolutionäre Morden auf.

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 22:59 

Beiträge: 34
Stimmt!
Ein NKWD-Führer wurde verhaftet und bestraft, weil er willkührlich Leute verhaftete. Welcher Funktionär war das noch einmal???

Ludo Martens hat das auch geschrieben.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 14. Jul 2007, 14:52 

Beiträge: 132
Es muss aber auch mal berücksichtigt werden, dass sich KommunistInnen auch nicht immer positiv entwickeln. Dazu kann man sich z.B. mal die Teilnehmerliste bei der KPD-Gründung ansehen. Da gibt es Leute die aus der KPD z.B. wieder in die USP gingen und nach dem Krieg gar nicht mehr politisch aktiv waren, , Leute die in die SPD eintraten, leute die wegen großen Abweichungen ausgeschossen werden mußten (aus der KPD), Leute die in die KAP bzw. KAPD eintraten, Leute die die KAG mitgründeten, welche die der SAP beitraten oder auch der anachosynd. FAUD (ein Vorgänger der FAU/IAA), die der KPD (Opposition) beitraten usw. - Ich will damit sagen jeder Fall sollte konkret betrachtet werden und dann kann man sehen ob er gerecht war oder nicht. Nicht weil jemand mal der KPD beitrat muss er zu dem Zeitpunkt Kommunist gewesen sein.
Progress


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 14. Jul 2007, 23:19 
Moderator

Beiträge: 876
Folgendes Buch ist in diesem Zusammenhang sehr interessant:

Ernst Thälmann: An Stalin - Briefe aus dem Zuchthaus 1939-1941
Dietz Verlag Berlin, 1996

Im Vorwort wird die These vertreten, daß Stalin in Thälmann neben Dimitroff einen Konkurrenten um die Führungsposition in der kommunistischen Bewegung gesehen und deshalb nichts zu seiner Befreiung unternommen habe.

Das klingt natürlich sehr nach antikommunistischer Propaganda, aber es ist ja leider eine historische Tatsache, daß Thälmann, im Gegensatz zu anderen kommunistischen Führern, wie z.B. Rakosi, nicht befreit wurde.

Die Briefe wurden in Moskau archiviert und sind mit großer Wahrscheinlichkeit echt. Sie belegen die Standhaftigkeit von Thälmann und sein großes Vertrauen in die Sowjetunion und Stalin. Sie zeugen aber auch von der Hoffnung Thälmanns, daß seine Familie Unterstützung aus der Sowjetunion erhalten und daß er selbst befreit werden würde.

Daß diese Hoffnung enttäuscht wurde, ist sehr bedauerlich und wirft aus meiner Sicht bis heute viele Fragen auf.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Sa 14. Jul 2007, 23:29 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Neo hat geschrieben:
Daß diese Hoffnung enttäuscht wurde, ist sehr bedauerlich und wirft aus meiner Sicht bis heute viele Fragen auf.


Und wenn Thälmann befreit worden wäre, dann würde die antikommunistische Propaganda heute erzählen: "Guggt! Tausende Kommunisten sind umgekommen aber diesen Thälmann hat der Stalin befreit. Bestimmt nur, um ihn noch abhängiger machen zu können." :redstar163:

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: So 15. Jul 2007, 10:07 

Beiträge: 79
Woschod hat geschrieben:
Und wenn Thälmann befreit worden wäre, dann würde die antikommunistische Propaganda heute erzählen: "Guggt! Tausende Kommunisten sind umgekommen aber diesen Thälmann hat der Stalin befreit. Bestimmt nur, um ihn noch abhängiger machen zu können." :redstar163:


das stimmt natürlich, aber man sollte sich nicht um die antikommunistische propaganda kümmern, da stalin, egal was er macht, es immer als falsch dargestellt wird.
wie hätte thälmann überhaupt befreit werden sollen?


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: So 15. Jul 2007, 10:58 
Literat

Beiträge: 2947
Die Möglichkeit einer Befreiung Thälmanns bestand nicht. Der gewaltsame Weg scheidet ohnehin aus. Und was den diplomatischen angeht: Die Sowjetunion hatte niemand in Gefangenschaft, der für einen Tausch gegen Thälmann in Frage gekommen wäre.

Es ist nichts als ein Märchen, erfunden von Leuten, denen Dimitroff ein Dorn im Auge war oder ist und denen jedes Vermögen zur Einschätzung politischer Wirklichkeit fehlt.

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: So 15. Jul 2007, 11:12 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Horst Schneider hatte mal bei einer Thälmannehrung dazu gesprochen. Leider kann ich das nicht aus dem Kopf zitieren, aber vielleicht kann ich ihn mal danach fragen, ob er die Rede noch hat. War sehr interessant.

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: So 15. Jul 2007, 11:28 
Moderator

Beiträge: 876
Während des Hitler-Stalin-Pakts war einiges möglich.

Matyas Rakosi, Vorsitzender der Partei der Ungarischen Werktätigen, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Ungarns und führend an der Ungarischen Räteregierung von 1919 beteiligt, dafür vom faschistischen Horthy-Regime nach seiner Rückkehr aus der österreichischen Emigration nach Ungarn 1926 verhaftet und zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, wurde auf Intervention der Sowjetunion unter der Bedingung der sofortigen Ausreise in die Sowjetunion 1940 nach vierzehnjähriger Haft freigelassen, nach manchen Quellen im Austausch gegen einige ungarische Fahnen, die sich seit 1849 in Moskau befanden.

Ana Pauker, eine führende kommunistische Politikerin in Rumänien, wurde aufgrund illegaler Parteitätigkeit 1934 in Rumänien verhaftet und 1939 im Rahmen eines Gefangenenaustausches in die Sowjetunion entlassen.

(Interessant übrigens am Rande, daß beide Politiker einen jüdischen Hintergrund hatten. Der Stalin gegenüber gelegentlich erhobene Vorwurf des Antisemitismus erscheint allein schon im Zusammenhang mit diesen beiden Fällen als völlig unglaubwürdig.)

Es ist natürlich Spekulation, aber ich halte es trotzdem für sehr wahrscheinlich, daß Stalin die Freilassung Thälmanns hätte erwirken können, wenn er das gewollt hätte.

Deshalb bleibt die Frage, warum er das nicht getan hat, bestehen.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: So 15. Jul 2007, 12:33 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Während des Hitler-Stalin-Pakts war einiges möglich.


Nicht die Befreiung Thälmanns.

Die Russen wußten, daß sie den Zeitgewinn durch den Vertrag dringender brauchten als die Deutschen. Sie waren in keiner Hinsicht in der Lage, Forderungen zu stellen. Erst recht nicht solche, die auf die Rettung eines einzelnen Lebens zielten.

Die Deutschen wiederum hätten unter allen Umständen verhindern wollen, daß die SU eine Thälmannbefreiung propandistisch ausschlachtet. Sie wären ferner, im eigenen Land, in große Erklärungsnot geraten, warum sie ihren gefährlichsten inneren Feind in die Hände ihres gefährlichsten äußeren Feindes geben.

Die Sache hat für die Russen also zwei Seiten: einmal ihre eigenen Prioritäten, und zum anderen das Kalkül bezüglich dessen, was sie von den Deutschen erwarten konnten oder mußten.

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: So 15. Jul 2007, 15:48 

Beiträge: 2008
Im DEFA-Thälmannfilm (2.Teil) wird ein Befreiungsversuch gezeigt. Dieser schlägt fehl.
Im Geschichtsunterricht hörte ich vor vieeeeeelen Jahren ähnliches.
War das nur Propaganda?

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: So 15. Jul 2007, 17:14 

Beiträge: 79
ne den gab es echt. allerdings war ein verräter unter den befreiern und somit schlug der versuch fehl.
soweit ich weiß, war die SU nicht an der vorbereitung/mithilfe beteiligt.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: So 15. Jul 2007, 17:59 

Beiträge: 132
Hallo,
ich kenne das Buch auch. Aber dort wird ja nur eine These aufgestellt und mal wieder eine personifizierte Geschichtsschreibung versucht. einen Argumentationsweg sehe ich darin nicht.
Thälmann war ja auch keine Karrierist, der in der KI "Karriere" machen wollte.

Ich habe mal gehört, dass es durchaus Überlegungen von der KI bezüglich einer Befreiung gab, aber die Bedingungen äußerst schlecht waren (leider weiß ich die Quelle nicht mehr).

Außerdem fehlt in der Argumentation hier vollkommen, dass es von der KI eine breite INTERNATIONALE Kampagne gab, die die Freilassung Thälmanns verlangte. Es wurde versucht international Druck zu machen und Delegationen zu ihm zu schicken. Die KI hat also durchaus einiges versucht.

Außerdem muss auch betrachtet werden, dass die Freilassung von Thälmann für den deutschen Faschismus durchaus was anderes war als z.B. von Dimitroff. Den er war der Führer der KP in Deutschland. Was zu ein Symbol wäre es gewesen wenn sie Thälmann durch diplomatische Verhandlungen oder einen Austausch, wie die Faschisten es mit Stalins Sohn vorschlugen (Stalin nahm dies ja bekanntlich nicht an, da es militärisch unsinnig war zwei Gefangene mit so unterschiedlichem Rang auszutauschen)

Progress


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Thälmann-Stalin Verhältnis
BeitragVerfasst: Mi 25. Jul 2007, 01:43 
Meister des virtuellen Pinsels
Benutzeravatar

Beiträge: 688
Zitat:
Ana Pauker, eine führende kommunistische Politikerin in Rumänien, wurde aufgrund illegaler Parteitätigkeit 1934 in Rumänien verhaftet und 1939 im Rahmen eines Gefangenenaustausches in die Sowjetunion entlassen.

(Interessant übrigens am Rande, daß beide Politiker einen jüdischen Hintergrund hatten. Der Stalin gegenüber gelegentlich erhobene Vorwurf des Antisemitismus erscheint allein schon im Zusammenhang mit diesen beiden Fällen als völlig unglaubwürdig.)

Es ist natürlich Spekulation, aber ich halte es trotzdem für sehr wahrscheinlich, daß Stalin die Freilassung Thälmanns hätte erwirken können, wenn er das gewollt hätte.


Das Entscheidende wurde in dem Thread bereits oft angesprochen,... diese aufgezählten Personen sind gar kein Vergleich zu einem Ernst Thälmann. Aus der Sicht der Faschisten wäre die Freilassung des Führers der KP Deutschlands, des ideologischen Hauptfeindes, eine große Niederlage gewesen, ja man hätte sogar an der Stärke der Faschistischen Führung zweifeln können, wenn es zu einem solchen Ereignis gekommen wäre. Weil ja auch gerade die NSDAP immer dem Deutschenvolk zeigen wollte, wir legen mehr Wert auf unserer Ideologie und auf unsere Ideen als auf profitable Geschäfte. Ich finde die Frage zu stellen, ob Stalin Thälmann hätte frei handeln können ist schon falsch gestellt, hätten denn die Faschisten Thälmann freilassen können?
Der strategische Verlust war den Faschisten klar, und ich denke auch es war Stalin klar das eine Freilassung indiskutabel gewesen wäre.

_________________
"Alle Menschen von Genie, alle jene, die sich in der Republik des Geistes einen Namen gemacht haben, sind Franzosen, ganz gleichgültig, in welchem Land auch immer sie geboren wurden."
- Napoleon -


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 20 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen

Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group

Deutsche Übersetzung durch phpBB.de