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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Sa 16. Feb 2008, 13:52 
Ach Herr Gysi, sie wollen also nicht mehr zurück zur DDR, somindestens zu den Verhältnisse, das sich da Sozialismus nannte. Kann ich darauf aufmerksam machen, das Sie immerhin das Priveleg genossen haben, in DDR 1. Den Beruf Rinderzüchter zu erlernen und 2. Rechtsanwalt zu Studieren! Gut ich will es Ihnen nicht nachhaltig vorenthalten, aber da sie jeden, der die DDR positiv anders sieht als Sie, ständig ermahnen tut, wie im jüngsten fall, der Fall Christel Wegner, die-obwohl nur Krankenschwester von Beruf, mehr nachdenkliches in Panorama rüberbrachte, als Sie! Ich gebe Woschod recht wenn er sagt "das die Kommunisten die in der PDS- diue Linke die noch bei sinnen sind rauszutreten". Ich füge hinzu die ehrlichen Genossen in der PDS- die Linke die noch nicht antikommunistisch verseucht sind, sollten ihre Heimat in der Kommunistischen Partei suchen und sie tatkräftig unterstützen, somit sind sie auch wieder unter den Banner von Marx, Engels, Lenin und Stalin. lasst die Spitzenpolitiker der PDS-die Linken ruhig im Regen stehen, sie werden dann schon abgeholt von ihrer Schwesterpartei-die gute alte SPD, denn was anderes sind diese Spitzenpolitiker mit giftigen Stacheln auch nicht. Die reden immer von Pluralismus, aber wehe einer sagt mal die Wahrheit, wie die C. Wegner, schon soll sie ihren Mandat zurückgeben, wie es die Gysibande es fordert, und diese Bande reden auch noch von "Opfer des Stalinismus" ich spreche ihenen das ab, weil es unter Stalin mehr Parteidemokratie gegeben hat als in dieser verlogenen Partei.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Mo 25. Feb 2008, 21:10 

Beiträge: 132
Interssant ist doch auch das Verhalten von Sarah Wagenknecht, die dafür eintrat das die DKP-Genossin ihr Mandat zurückgibt... Da kämpft sie Hand in Hand mit einem G.Gysi
Progress


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Do 18. Sep 2008, 19:10 
[quote="progress"]Interssant ist doch auch das Verhalten von Sarah Wagenknecht, die dafür eintrat das die DKP-Genossin ihr Mandat zurückgibt... Da kämpft sie Hand in Hand mit einem G.Gysi
Progress[/quote]

Das ist mir neu. Gibt es dazu Quellen?
MsG
Ina


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Sa 20. Sep 2008, 10:17 
Meister des virtuellen Pinsels
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"Alle Menschen von Genie, alle jene, die sich in der Republik des Geistes einen Namen gemacht haben, sind Franzosen, ganz gleichgültig, in welchem Land auch immer sie geboren wurden."
- Napoleon -


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Sa 20. Sep 2008, 19:51 
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Beiträge: 82
Marco hat geschrieben:
.... Ich füge hinzu die ehrlichen Genossen in der PDS- die Linke die noch nicht antikommunistisch verseucht sind, sollten ihre Heimat in der Kommunistischen Partei suchen und sie tatkräftig unterstützen, somit sind sie auch wieder unter den Banner von Marx, Engels, Lenin und Stalin. lasst die Spitzenpolitiker der PDS-die Linken ruhig im Regen stehen, ...


Was aber soll man dann wählen? So lange man seine Meinung noch irgendwie kundtun kann, werde ich das tun.

Marco hat geschrieben:
. , sie werden dann schon abgeholt von ihrer Schwesterpartei-die gute alte SPD, denn was anderes sind diese Spitzenpolitiker mit giftigen Stacheln auch nicht.


Jedenfalls hat die SPD ganz schön zu knaubeln. ...und das ist gut so!

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"Was wäre die Folge, wenn es dem Kapital gelänge, die Republik der Sowjets zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde über alle kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen, man würde die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker vollends knebeln, die Positionen des internationalen Kommunismus würden liquidiert." -Stalin, Werke Band 9, S. 29,


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Do 2. Okt 2008, 13:34 
Tja,

lohnt es sich, bei Gysi Serioesität zu unterstellen? Er dreht und windet sich doch wie jeder bürgerliche Winkeladvokat. Offenbar haben ihn seine Auftraggeber genauso mit seiner MFS-Akte in der Hand wie das FDJ-Kreisleitungsmitglied Angela Merkel. Wohlgefallen wird dann damit honoriert, dass sie die Show spielen dürfen. Im Marionettentheater.

@ Marco,

Du hast recht, dass die Menschen aus der DDR der DDR sehr viel zu verdanken haben. Auch ich konnte mit staatlichem Stipendium dort studieren.

Nur eben, die DDR wird nicht wiederkommen, wie sie war. Hugo Chavez kritisiert nicht zu Unrecht, dass da die Volksmassen Osteuropas die sozialistischen Gesellschaften 1989 nicht verteidigten. Weshalb er mit einem so aufgestellten Sozialismus nichts zu tun haben möchte. Wobei er natürlich nicht im Bilde über die Ursachen des Zusammenbruchs der UdSSR und der anderen sozialistischen Länder Europas ist, wie Kurt Gossweiler sie gut aufgearbeitet hat.

Du sprichst von Kommunisten in der PDS. Wen meinst Du damit? Ich sehe da niemanden mehr. Ich sehe da nur jede Menge Antikommunisten. Die Kommunisten wurden seit 1990 in der PDS gemobbt. Diese Partei hat im Oberstübchen seit ihrer Gründung als PDS nie Kommunisten geduldet, die KPF war lediglich ein Feigenblatt ... Sahra W. nickte den Ruck hin zu einer liberalen PDS in 2002 ab und konnte dafür auf das letztlich ihr zugestandene Abgeordnetenmandat im EU-Parlament hoffen, womit ihr Lebensunterhalt nun bestritten ist und sie weiter in Irland mit jenem "Romeo" romantische Sonnenuntergänge geniessen kann ... in Berlin ist die PDS im Senat dabei und liess den "Palast der Republik" dann auch gerne schleifen (...wir erinnern uns der Bilder mit Gysi und Monty Schädel protestierend gegen den Abriss auf dem Dach des Gebäudes nur wenige Jahre zuvor... alles "Schnee von gestern"!), die PDS machte bei der Privatisierung der kommunalen Berliner Wasserwerke voll mit, sie verkaufte öffentlichen Wohnungsbesitz zugunsten von Schweinefonds und privatisierte die Berliner Sparkassen und zog gegen ver.di zu Felde wie kein anderer kommunaler Arbeitgeber ... usw. Das "Sündenregister" dieser links zuweilen mit rotem Tüpfelchen falsch blinkenden und rechts alle überholenden Lakaienpartei des Kapitals ist mittlerweile riesengross und kann doch keinen Kommunisten mehr binden, bitte!

@ progress & Ina

Sahra W. bleibt sich treu, was alles mit Kommunismus nur sehr verbal als vorgetragener Show-Effekt zu tun hat.

@ oszi

Gute Frage, wer überhaupt noch wählbar ist. Der letzte Marzahner KPD-Kandidat war jedenfalls für die Kommunisten, die ich in Marzahn kenne, nicht wählbar. Seine Worte rückten ihn immer wieder in die Nähe der NPD, so sagten sie mir... . Ich wähle nicht mehr mit in Deutschland. Freunde von mir wählen die Piratenpartei oder WASG/WAS-B oder was auch immer.

Mir soll jedoch niemand sagen, dass Stalin so weit geächtet ist innerhalb der kommunistischen Weltbewegung, dass sich Parteien isolieren, die seinen Verdiensten den fairen Tribut parteilich zollen. In Caracas sitzen Kommunisten Venezuelas, die sehr wohl zuweilen auch Stalin-Shirts tragen. Genau wie in Belgien bei der PTB, wo sich Kommunisten mit Stalinbildern gegen Trotzkisten abgrenzen. Wer nun in Deutschland lebt, muss den Eindruck haben, dass die kommunistische Bewegung nahezu tot ist. In etlichen anderen Ländern ist da der Eindruck ein ganz anderer!

Die DDR verbürgerlichte leider immer mehr seit Chrustschow/Ulbricht. Das begann, als Westdeutschland im Konsumniveau überholt werden sollte, ohne eingeholt zu werden ... Frage: Was hat Konsum-Niveau bitte mit Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu tun? Unter E.H. ging dieser Trend dann ganz verschärft weiter, was zum Ruin der Volkswirtschaft führen musste. Denn die vorgegebenen Konsumsteigerungen waren willkürliche Entscheidungen aus dem Politbüro und hatten mit der tatsächlichen Wirtschaftskraftentwicklung nichts zu tun. Wenzel schrieb dazu eindrucksvoll. Und er war nie Gegner der DDR. Also da müssen gerade Kommunisten bitte die Augen aufmachen, und zwar auch sehr selbstkritisch (sofern sie in der DDR als Kommunisten wirkten).

Was ja nun kein Grund für Weltuntergangsstimmung und Pessimismus ist. Nein! Nächstes Mal machen wir es besser! Wie lange brauchte der Kapitalismus, um sich weltweit durchzusetzen? Na bitte, also kann sich auch die kämpferische Arbeiterbewegung die notwendige Zeit nehmen, um weltweit zur Diktatur des Proletariats zu kommen.

Kommunistische rote Grüsse,
Osiel


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Fr 3. Okt 2008, 00:25 
[quote="Osiel"]
Was ja nun kein Grund für Weltuntergangsstimmung und Pessimismus ist. Nein! Nächstes Mal machen wir es besser! Wie lange brauchte der Kapitalismus, um sich weltweit durchzusetzen? Na bitte, also kann sich auch die kämpferische Arbeiterbewegung die notwendige Zeit nehmen, um weltweit zur Diktatur des Proletariats zu kommen.
[/quote]

ganz so einfach ist es dann doch nicht. zwar brauchte der kapitalismus einige zeit um sich durchzusetzen, aber wenn er sich in einem land durchgesetzt hatte, dann blieb das auch so. oder gibt es beispiele dafür, dass der kapitalismus sich durchgesetzt hat und es dann ein zurück zum feudalismus gab?
der sozialismus ist soweit ich weiß, die einzige gesellschaftsformation die sich durchgesetzt hat und trotzdem die macht wieder an die vorherige gesellschaftsformation abgeben hat.
deswegen kann man hier die durchsetzungskraft von sozialismus und kapitalismus garnicht vergleichen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Fr 3. Okt 2008, 06:52 
Träger des Agitprop-Stalinorden
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Beiträge: 628
Der Unterschied ist ja doch der, daß der Sozialismus eine bewußt eingesetzte Gesellschaftsform ist die sich dann ihre Ökonomie usw. schafft während der Kapitalismus sich unbewußt aus dem Selbstlauf heraus etwickelt und dann in den meisten Fällen bei der bürgerlich-demokratischen Revolution den passenden Überbau zur bereits existierenden Basis erhält. Somit ist der Vergleich des Auf- und Abtretens beider Gesellschaftsformen meiner Meinung nach ziemlich fruchtlos.

_________________
Die Andersdenkenden haben Rosa Luxemburg umgebracht - D.W.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Fr 3. Okt 2008, 07:27 

Beiträge: 2008
@osiel: Danke für Deine zutreffende Einschätzung der PDS/LINKE. Da wirst Du von mir kaum eine andere Antwort die letzten Jahre hier im Forum lesen.

Du sprichst von Verbürgerlichung seit Chruschtow/Ulbricht. Diesen Satz habe ich bereits in den 70-zigern und auch den 80-zigern in der DDR gehört. Da Du Leser bei Gossweiler bist, kennst Du aber auch die Ursachen dieser Verbürgerlichung - sprich der antistalinistische, revisionistische Kurs der KPdSU und anderer Parteien (Polen, Ungarn).
Ulbricht möchte ich da etwas differenzierter betrachten. Er hatte durchaus (wahrscheinlich als einziger) den Willen, den Kurs von Stalin, was den Aufbau der soz. Gesellschaft betrifft, soweit wie möglich weiter zu führen. Dazu hat er auch eigene Überlegungen angestellt. Die NÖS ist sicher zu wesentlichen Teilen sein Verdienst. Das es mitte der 60-ziger in der DDR besser funktionierte, ist sicher den unterbundenen Störmaßnahmen (Mauerbau) aber auch der Anpassung der Wirtschaftsform an die gegebenen Realitäten zu verdanken. Leider bekam er keine Unterstützung von den Bruderländern und NÖS-Mitwirkende, wie G.Mittag sind später zu E.Honecker übergelaufen. Zu diesem Thema findest Du etliche Beiträge im Forum.
Ich sehe es übrigens auch so, dass wir nach dem ersten Fehlversuch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen müssen. Der Imperialismus wirtschaftet sich zu tote - koste es was es wolle. Es bleibt der Zivilisation gar nichts anderes übrig, als sich eine menschenwürdigere Ordnung zu geben. :redstar164:

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Fr 3. Okt 2008, 10:30 
Hallo in die Runde,

@ Gast,

wenn ich den Deutschen Bauernkrieg mal historisch einordne, dann in den bürgerlichen Revolutionszyklus. Dies war ein Aufstand gegen den Feudaladel, eindeutig. Dies war keine Verschwörung rückwärts Richtung Sklavengesellschaft, sondern es ging dort gegen den Feudaladel. Die Bauern wollten raus aus feudaler Tributabhängigkeit, Leibeigenschaft und Willkür und hinein in den bürgerlichen Eigentümerstand, in die Klasse der Landbesitzer und somit Kapitalbesitzer, also Kapitalisten. Derartige frühbürgerliche Revolutionen gab es nicht nur in Deutschland. Stichwort Jan Hus usw. Oder denke mal an die Französische Revolution und das spätere Eintauchen Frankreichs in die Heilige Allianz. Bei diesen Fakten musst Du einfach überdenken, was Du weiter oben formuliert hast.

Es ist nun mal doch so einfach, dass historische Prozesse nicht mit einem Schlag geklärt sind. "Nach der Schlacht" singt dazu Renft. Selbst wenn die politische Macht erobert worden ist, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich eine neu an der Macht befindliche Klasse auch an der Macht halten und diese Macht festigen wird. Als die Bauern unter Zapata und die Arbeiterbataillone unter Pancho Villa vor ca. 100 Jahren in Mexico City einrückten, waren alle Kriterien Lenins zur Kennzeichnung einer revolutionären Situation vollauf erfüllt und die herrschende Klasse war militärisch einfach besiegt worden. Nur waren die Bauern ausserstande, die politische Macht zu übernehmen. Der Revolution fehlte das Programm, wie es denn gesellschaftlich weitergehen sollte. Also gingen die Kämpfer wieder nach Hause und überliessen den weiteren Gang kampflos der Bourgeoisie, achselzuckend sozusagen. Ganz anders da 5 Jahre später die Bolschewiki mit Lenin an der Spitze, dessen Schriften übrigens einem Emiliano Zapata keinesfalls gänzlich unbekannt waren.

Stalin machte sehr vieles richtig, aber sicherlich nicht alles. Was nicht vorwurfsvoll gemeint ist, nur eben ist jederman hinterher immer schlauer ... . Wer macht schon alles richtig? Er liess sich darauf ein, ab 2. Mai 1945 für drei Monate Stillstand der Roten Armee gegenüber Japan den USA zuzusichern, denn die USA wollten den Pazifischen Krieg allein für sich entscheiden. Was nach jenen drei Monaten geschah, wissen wir alle. Die Rote Armee konnte mal gerade noch die Kurilen besetzen. Während den USA das gesamte in Südostasien von den japanischen Faschisten zusammengeplünderte Gold in die Hände fiel. Das waren riesige Goldreserven! Für die Dollarbeherrschung der Welt spielte diese Goldbeute eine enorme Rolle. Kein asiatisches Land bekam von seinem geplünderten Gold etwas zurück, sondern der grösste imperialistische Räuber eignete sich das an. Dabei hielt er mit seinem Atombomben-Monopol auch noch die UdSSR davon ab, mehr Einfluss auf den Ausgang des Krieges für Japan zu nehmen.

Oder nehmen wir mal den europäischen damaligen Kriegsverlauf. Als Hitlerdeutschlands Wehrmacht den Vormarsch der Westalliierten durch Einsatz von 150.000 Soldaten in der sog. "Ardennen-Offensive" 1944 wochenlang zum Stoppen brachte, wandten sich die Westalliierten hilfesuchend an Stalin. Viel zu früh und logistisch nicht optimal vorbereitet begann die Rote Armee die Weichsel-Offensive mit anschl. sehr eiligem und sehr verlustreichem Durchbruch via Oder-Bruch und Seelower Höhen auf Berlin. Dabei musste nun die Rote Armee den grössten Teil jener 150.000 Wehrmachtssoldaten niederkämpfen, denn sie waren rasch zur Sicherung Berlins von den Nazis verlegt worden an die "Ostfront". Da die Westalliierten nicht rasch genug in den Bodenkämpfen vorankamen und sich real die Umsetzung der Abkommen von Jalta und Teheran abzeichnete, wurde schon mal die künftige SBZ in eine wirtschaftliche Steinzeit bombardiert. Was so nicht mit Stalin abgestimmt war. Beim Abzug aus Teilen Thüringens und Sachsens nahmen die US-amerikanischen Befreier jede Menge Kapital in Form von Spezialisten, know-how, Maschinen, Vieh usw. mit. Stalin hätte sich als imperialistischer Räuber in Österreich gleichermaßen bedienen können, aber er war kein imperialistischer Räuber. Reparationen hatte Deutschland zu leisten, aus sowjetischer Sicht.

Handelten die USA da nun "unbewusst" bei der Schaffung ihrer imperialen Epoche als Weltmacht, OPC? Oder gingen sie nicht viel mehr mit eiskaltem Kalkül und äusserster Aggressivität daran, ihr Finanzkapital mit allen erbeutbaren Grundlagen auszustatten, um künftig die UdSSR niederzuringen und zurückzurollen, wie sie es selbst nannten. Wobei Stalin der härteste Gegner für sie war, denn er entwickelte die UdSSR beharrlich und konsequent weiter zur antiimperialistischen und sozialistischen Weltmacht. Er hinterliess Chrustschow ein grossartiges Erbe und bekam dafür keinen Dank und keine Anerkennung von den Revisionisten, sondern eine verschwörerische Abrechnung. Die mit der Entmachtung seiner Anhängerschaft endete. Wurde also da "von Sozialisten bewusst eine sozialistische Ökonomie geschaffen"? Noch war die UdSSR ja mächtig genug und sicherte zumindest dem revolutionären Kuba sein Existenzrecht, unterstützte auch Vietnam. Aber die Volkswirtschaftsentwickung in der UdSSR und in den RGW-Staaten wurde immer verheerender und krisenhafter schon unter Breshnew. Gorbatschow ruinierte die Landwirtschaft der UdSSR und konnte anschliessend im Kreml aufsteigen bis zum höchsten Staatsmann dieses Riesenlandes. Wo waren da die leninschen und stalinschen Ziele der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung der UdSSR geblieben?

Ich stimme gewe zu, dass Walter Ulbricht unrecht getan wird, wenn er einfach als Revisionist abgestempelt wird. Ulbricht hatte durchaus Eier, auch der sowjetischen Seite nicht blindlings zu folgen, sondern sich hart mit allen Schritten auseinanderzusetzen. Eine gewisse Eigenständigkeit errang er der DDR schon. Den Westen zu überholen, ohne ihn einzuholen, beschloss der 5. Parteitag der SED und somit auch Ulbricht. Dies war der klare Sieg revisionistischer Kräfte! Ich denke aber, dass Ulbricht dem kleinbürgerlichen Konsumismus längst nicht so verfallen war wie seine Nachfolger. Nachdem die Mauer stand, wäre die Chance gewesen, wieder umzuschwenken. Aber ohne die UdSSR dabei im Nacken zu haben, ging dies offenbar dann doch nicht. So ging es ideologisch sehr halbherzig weiter. 10-15 Jahre nach Stalins Tod waren die sozialistischen Staaten Europas eindeutig in der Defensive gegenüber dem Imperialismus, und zwar wirtschaftlich, politisch, militärisch und diplomatisch. Sie gerieten in immer härtere finanzielle und technologische Abhängigkeit, im Turbotempo. Ulbricht schien vor dieser Entwicklung zu kapitulieren, bis er von Honecker weggeputscht wurde. Honecker redete dann nur noch vom Sozialismus in den Farben der DDR und orientierte mit der Politik der Hauptaufgabe auf Steigerung des Massenkonsums. Dies mit der Fehlannahme, sich so ein ihm treu ergebenes Volk zu sichern. Derweil die UdSSR wirtschaftlich zusammenbrach, nebenan auch Polen bankrott meldete, Ungarn immer marktwirtschaftlicher wurde und imperialistische Geheimdienste solche Marionetten wie Gorbatschow immer erfolgreicher unter ihre Kontrolle brachten.

Die staatstragenden Parteien des Ostens verkamen dabei zu Karrieristenvereinen mit viel sozialistischem Getöse und kommunistischer Rhetorik. FJS hatte mit dem Milliardenkredit dafür gesorgt, dass die DDR finanziell vom Imperialismus geschluckt wurde. Gorbatschow schuf und stabilisierte erst die Stagnation auf allen Ebenen, um dann mit seinem Gefasel von Glasnost und Perestroika die Gefühlslage der darunter leidenden Bevölkerungen zu treffen und so als Marionette die Abwicklung der UdSSR und des gesamten "Ostblocks" durchzuführen. Die Volksmassen reagierten konterrevolutionär und verteidigten ihr Eigentum nicht gegen die zuschlagenden Kapitalisten, die sozialistischen Länder waren sturmreif geschossen worden. Und wo viele Leute käuflich sind, kauft sich nun die CIA ihre Leute für jegliche Art von "regime change". Die Ossis zu integrieren, gelang mit relativ wenig Aufwand. Bei Brie, Gysi und Merkels hilft etwas Druck mit deren Biographien und Verhältnissen zum MFS, schon laufen sie an der Strippe! Erste Ossi Kanzlerin, "deutsche Einheit vollendet"! Aus der Reihe tanzen ist da nicht, sonst Möllemann äh Unfall! Oder Engholm, oder wie sie alle heissen. Auch einem Krenz "passierte nicht viel", solange er sich in gewissen Bahnen Richtung Anschluss und Integration in das System bewegte.

Natürlich verzeiht der Imperialismus nicht 1945, nicht den Sieg der Roten Armee, nicht jenen damaligen grossen Mann der UdSSR namens Stalin. Wenn Stalin noch 50 Jahre weitergelebt hätte, dann wäre das Ergebnis seiner Politik nicht auszudenken und nicht auszuhalten geworden für die Imperialisten. Stalin darf aus Sicht des Imperialismus nicht nur tot sein, sondern er muss liquidiert und grösstmöglich verfemt bleiben. Die Frage, wie man es mit Stalin hält, ist unter Kommunisten eine Gewissensfrage. Was nichts mit Verherrlichung seiner Person, Zuschreiben von Unfehlbarkeiten oder Heiligenstatus zu tun hat. Sondern einfach nur der Tatsache geschuldet ist anzuerkennen, wer da durch sein Wirken Lenins Werk in Lenins Geist fortsetzte, und wer dies eben nicht tat. Und für das Beurteilen dieser Realität nützt nicht der Fingerzeig auf einzelne Zitate, denn Worte sind immer nur eine und die vergleichsweise unbedeutende Seite der Medaille. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! Es macht uns ein Geschwätz nicht satt!

Ich stimme gewe zu, dass Walter Ulbricht diesbezüglich diskutabel ist. Frei von Revisionismus ist Ulbricht ganz bestimmt nicht, kann er nicht sein. Ob er selbst aber stets an der Spitze der revisionistischen Klüngel in der SED-Spitze stand, wäre aufzuklären. Zumindest machte er nicht mit, die DDR-Deutschen zu einer eigenen Nation neben den BRD-Deutschen umzudefinieren. Und erinnern wir uns mal solcher Dinge wie der "Deutschlandtreffen". Hätte nicht diese ideologische Linie weitergehen müssen, in den 50er und 60er und 70er und 80er Jahren? Hier wurde eine Initiativrolle verspielt, die die DDR in ihren ersten Jahren zu Lebzeiten Stalins hatte. Eine Rolle, die einen offensiven Charakter gegenüber Westdeutschlands hatte und daher als höchst gefährlich vom Imperialismus eingestuft wurde. Massive Aufgebote von Sicherheitskräften auf westlicher Seite der damaligen Grenzen in Mitteleuropa bemühten sich, Richtung Osten reisen wollende fortschrittliche Menschen aufzuhalten, festzunehmen und festzuhalten. Gäbe es einen Himmel, wo ich mal mit Ulbricht reden könnte, würde ich mit ihm darüber plauschen, warum diese fortschrittlichen "Deutschlandtreffen" und die Volkskongressbewegung seinerzeit urplötzlich von jeder Tagesordnung gestrichen werden mussten. Da würde ich mich gerne mal von ihm aufklären lassen.

Nicht, dass jemand meint, ich hätte persönlich was gegen Ulbricht und Honecker. Beide hatten sehr unter dem Faschismus gelitten. Sie kamen aus der KPD. Dies verdient erst mal jede Menge Respekt vor ihnen als Personen. Jedoch muss ihre Politik sehr gründlich analysiert werden, wie es Gossweiler getan hat. Und da sind kritische Bemerkungen und Bewertungen dann doch angebracht, sonst verharren wir in Nostalgie oder Ostalgie, oder wie das heisst. Womit ich sie nicht verteufeln will, denn mir ging es gut seinerzeit in der DDR. Nur eben ist aus Fehlern immer viel zu lernen, sonst wiederholen sie sich eines Tages.

Kommunistische rote Grüsse in die Runde,
Osiel


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Fr 3. Okt 2008, 16:30 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Die DDR verbürgerlichte leider immer mehr seit Chrustschow/Ulbricht. Das begann, als Westdeutschland im Konsumniveau überholt werden sollte, ohne eingeholt zu werden ... Frage: Was hat Konsum-Niveau bitte mit Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu tun?


O einiges. Aber die Frage heischt mehrere Antworten.

(I) Konsum, das ist einfach Ver- oder Gebrauch von Gebrauchswerten. Es handelt sich also um eine universelle ökonomische Kategorie und nicht um eine, die an das Auftreten bürgerlicher Produktionsverhältnisse gebunden ist. Was sich über den Produktionsprozeß der menschlichen Gesellschaft sagen läßt, ist, daß Konsum der eigentliche Zweck der ganzen Unternehmung ist. Man produziert, weil man essen, trinken usw. will. Schon deswegen kann das Ziel eines gehobenen Konsums nicht als „bürgerlich“, sondern muß als menschlich bezeichnet werden. Ferner: Das höhere Niveau des Konsums ist, sofern Marx das, was er geschrieben, auch so gemeint hat, eines der elementaren Ziele des Kommunismus. Der Kommunismus soll eine Überflußgesellschaft sein. Diese Eigenschaft ist es ja erst, die, Marx zufolge, ermöglicht, daß die Distribution nach dem Kriterium Jedem nach seinen Bedürfnissen erfolgen kann. Nur wenn von allen Produkten ein hinreichendes Angebot besteht, kann ja Bedarfsproduktion in vollem Umfang erfolgen. Wovon ich nicht genug habe, das kann auch nicht an alle hinreichend verteilt werden. - Sicherlich muß man zwischen Sozialismus und Kommunismus differenzieren. Aber daß Sozialismus und Kommunismus sich unterscheiden müssen, heißt nicht, daß sie gegensätzlich sein müssen. Natürlich kann (und muß) der Sozialismus auch Eigenschaften besitzen, die dem Kommunismus zukommen. Hierzu zählt, in den Grenzen des Machbaren, die Fähigkeit zum Konsum, d.h. die bedarfsorientierte Distribution. Der Sozialismus hat zusätzlich noch das Leistungsprinzip, d.h. die Verteilung der Güter nach den Leistungen; aber er hat das nicht ausschließlich. Bedarfsorientierte Distribution gab es auch im Sozialismus schon; nicht zuletzt dadurch, daß diese Gesellschaft niemanden durch das Rost fallen ließ, daß also auch der größte Faulpelz oder das unbegabteste Mitglied der Gesellschaft keine Angst um seine Existenz haben mußte.

(II) Die Wirtschaft des Sozialismus ist ein System, d.h. ein Geflecht von Elementen, deren Änderung im einzelnen immer auch Veränderungen des Ganzen mit sich bringt. Was die Erhöhung oder Drosselung der Konsumtion mit dem Aufbau des Sozialismus zu tun hat? So ziemlich alles. Natürlich muß beim Aufbau des Sozialismus auf die Produktion von Produktionsmitteln ein besonderes Augenmerk gelegt werden (nichts übrigens steht mehr hierfür als die Politik von Ulbricht), aber Produktionsmittel, die nichts produzieren, sind, nunja: unproduktiv. Die Konsumtion erst, sagt Marx, schließt die Produktion recht eigentlich ab. Walter Florath hat das grundlegende Verhältnis von Konsumtion und Produktivkraftentwicklung im Sozialismus wie folgt auf den Punkt gebracht: Der entscheidende nichtantagonistische Widerspruch ist zweifellos der Widerspruch zwischen Akkumulation und Konsumtion – meiner Ansicht nach die Haupttriebkraft der ökonomischen Entwicklung. Die Akkumulation dient letztlich der künftigen Steigerung der individuellen sowie der gesellschaftlichen Konsumtion. Wird heute zuviel konsumiert und zu wenig investiert, wird die künftige Konsumtionssteigerung abgewürgt, wie das in den achtziger Jahren geschah. Wird zuviel investiert und stagniert die Konsumtion, so entsteht Desinteresse an der Produktionssteigerung und es droht Destabilisierung, wofür es Ende der sechziger Jahre Anzeichen gab.. – Die Pointe der ganzen Angelegenheit ist, daß das einseitige Begünstigen einer der beiden Seiten des Widerspruchs letztlich auch für die zunächst begünstigte Seite zum Nachteil wird. Floraths Aussage ist deswegen so bemerkenswert, weil sie nicht ideologisch gesprochen ist, sondern unmittelbar aus der Beobachtung der Wirklichkeit gewonnen wurde. Es wird heute viel darüber geredet, wer Revisionist war und wer nicht. Dabei sind viele schnell mit Urteilen bei der Hand, Schlagworte des Schreckens machen die Runde und es wird viel mit Ideologie hantiert. Ein wenig in Vergessenheit gerät darüber, daß die Wirtschaftspraktiker damals aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Wirklichkeit, mit den täglichen Abläufen der Wirtschaft gehandelt haben. Niemand war näher an den Problemen dran als diese Leute. Warum hört man sich also nicht wenigstens an, was sie zu sagen haben oder hatten?

(III) Denn man muß immer, wenn einer was sagt, berücksichtigen, aus welcher Lage heraus er spricht. Wenn Ulbricht eine Aussage über die wirtschaftlichen Ziele der DDR macht, dann sollte wohl auch interessieren, wie die Sachlage zu dieser Zeit war. Es dekretiert sich leicht, heute, in einer ganz anderen Situation und nur den eigenen idealen Entwurf der sozialistischen Gesellschaft vor Augen. Was aber, will man nicht bloß im Reich der Ideen bleiben, geschehen muß, das ist das konkrete Handeln in konkreten Lagen. Die reinste Idee ist in der Politik nichts wert, sie muß in die Wirklichkeit, also zu deren Bedingungen verstofflicht werden. Wer vom zeitlich späteren Punkt über eine x-beliebige Politik urteilen will, sollte sich in gleichem Maße für deren Voraussetzungen und Gründe interessieren, und das gilt auch für die Wirtschaftspolitik der DDR. Das Überholen ohne Einholen war das Motto der sechziger Jahre, nicht das des V. Parteitags. Die Forderung, mit der westlichen Gesellschaft in der Konsumtion zu konkurrieren, ist aber älter. Das Motto des V. Parteitags war Einholen und Überholen. Das war von Ulbricht gesprochen aus der Lage der späten fünfziger Jahre, und es blieb, auch wenn es auch etwas Wichtiges abzielte, späterhin nicht unkorrigiert. Aber die Lage, in der das Ziel ausgegeben wurde, die muß man eben berücksichtigen. Leute, die sich ein bißchen auskennen (also sehr wenige), wissen, daß das dringendste Problem dieser Tage eine handfeste Wirtschaftskrise war. Alle Maßnahmen dieser Zeit waren notwendigerweise auf die Beseitigung dieser Krise gerichtet. Die Krise hatte verschiedene Ursachen, die wichtigste war die massive Abwanderung von Arbeitskräften in den Westen (durchschnittlich 200.000 im Jahr) und ein daraus folgender struktureller Mangel an Arbeitskräften. Das hatte ein Sinken der Produktion und also des Angebots an Produkten und also der Konsumtion zur Folge. Das Sinken der Konsumtion wiederum enttäuschte bei vielen Menschen die Hoffnungen darauf, daß der Sozialismus ihnen einen würdigen Lebensstandard garantieren kann, und brachte nicht wenige dazu das Land zu verlassen, was ein weiteres Sinken der Produktion, des Angebots und somit der Konsumtion mit sich brachte. Durch den Mangel an Arbeitskräften geriet das Verhältnis von durchschnittlichem Lohn und Angebot an Produktion in eine schiefe Lage. Was nützt es, Geld zu haben, wenn die Läden leer sind? – Ich könnte jetzt sehr breit werden, von der Fluktuation der Arbeitskräfte, der Schließung der Grenze, vom Neuen Ökonomischen System, der Entwicklung der Akkumulationsrate usf. reden. Aber am Ende liefe das ganze Gerede doch nur auf den Punkt hinaus, den man auch ohnedies begreiflich machen kann: Die Konsumtion der DDR-Bevölkerung war gegen Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre keineswegs befriedigend, sie mußte erhöht werden. Es ging doch zu dieser Zeit wirklich nicht um Dinge wie Landhäuser, Zweitwagen oder diese verrückten neuen Fernsehgeräte. Worum es ging, das war: die Sicherung des basalen Standards Gütern. Das war die Voraussetzung dafür, die Wirtschaftskrise, d.h. die Disproportion zwischen Kaufkraft und Angebot zu überwinden.

(IV) Was man dabei ebenfalls im Auge behalten muß, ist der Wettstreit der Systeme. Der Sozialismus wurde den Menschen präsentiert als die bessere und fortschrittliche Lebensweise. Damit zusammen hingen natürlich jede Menge Erwartungen an ihn. Natürlich sollte der Fortschritt sich nicht nur darin ausdrücken, daß man die Ausbeutung abgeschafft hatte und auch sonst in vielen Fragen ein höheres Maß von Staatlichkeit und Gerechtigkeit erreicht hatte. Natürlich mußte sich der Fortschritt auch am Stand der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung und überhaupt am Lebensstandard ablesen lassen. Es kam darauf an, den Menschen eine materielle Basis für ihr Vertrauen in den Sozialismus zu geben. Auf letzteres lege ich noch einmal den Finger, weil es ein ähnliches Problem berührt, wie schon unter (I) angesprochen wurde: Wie will man Menschen dazu bringen, den Sozialismus für die bessere Gesellschaft zu halten, wenn dieser ihnen noch nicht einmal die basalen Güter des Lebens in hinreichendem Maße gewährleistet? Und ferner: daß Menschen von einer Gesellschaft verlangen, daß der Lebensstandard, den sie gewährt, hoch ist, ist keine Dreistigkeit, sondern ihr gutes Recht. Natürlich geht es also darum, den pro-Kopf-Verbrauch zu erhöhen.

(V) Daß es hingegen nicht allein darauf ankommt, ist ja zunächst eine Sache, die von Ulbricht nicht abgestritten wurde, ferner aber sei auch auf die Modifikation der Formel Einholen und Überholen hingewiesen: sie wurde zu Überholen ohne Einholen, und diese Änderung, von Ahnungslosen oft verspottet, hatte einen tieferen Sinn. In ihr drückt sich die Widersprüchlichkeit der geschichtlichen Bewegung aus, genauer: des unterschiedliche Verhältnis von Sozialismus und Kapitalismus zu verschiedenen Formen des Fortschritts. Fortschritt nämlich, ich deutete es oben an, hat verschiedene Gestalten. Ein Staat, in dem z.B. die Ausbeutung abgeschafft ist, in dem produziert wird, was gebraucht wird, und nicht allein das, was bezahlt werden kann, worin Privatpersonen nicht gestattet ist, allzu großen Einfluß auf die Gesellschaft auszuüben, worin also die Schwachen von den Starken vor den nicht ganz so Schwachen geschützt werden, ein solcher Staat ist natürlich fortschrittlich. Aber unabhängig davon kann ein Staat darin fortschrittlich sein, daß sein wissenschaftlich-technischer Standard hoch ist, daß der die materiellen Bedürfnisse seiner Bevölkerung befriedigen kann. Es gibt also einen Unterschied zwischen dem Fortschritt der Produktivkraftentwicklung und dem Fortschritt der Produktionsverhältnisse. Der Kapitalismus z.B. erweist sich bis heute als enorm produktiv, aber all das geschieht zum Preis barbarischer gesellschaftlicher Verhältnisse, worin niemand, der sich nicht wehren kann, vor der sozialen Vernichtung sicher ist. Der Sozialismus wiederum war von Hause aus eine Gesellschaft, die in der Frage der Produktionsverhältnisse sehr fortschrittlich war und in der Produktivkraftentwicklung ihre Schwachstelle hatte. Die Formel Überholen ohne Einholen drückt genau dieses Defizit aus: daß nämlich der Sozialismus den Westen in der Entwicklung der wirtschaftlichen Leistung überholen mußte, aber auf seinem eigenen, dem sozialistischen Weg. Die Formel besagt also gerade nicht, daß man den Kapitalismus in jeder Hinsicht zum Maßstab machen muß, sondern eben nur, daß man den Rückstand, den man gegenüber dem Kapitalismus hatte, dringend beseitigen mußte, ohne ihn jedoch, auf seinen Irrwegen einzuholen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Fr 3. Okt 2008, 20:17 
Hallo NumaPompilius,

dass es die Abteilung 1 (Herstellung von Investitionsgütern wie Maschinen) und die Abteilung 2 (Herstellung von Konsumtionsgütern für den Alltagsbedarf der Bevölkerungsmasse) in der sozialistischen Volkswirtschaft als Hauptkategorien gibt, will ich nicht bestreiten. Auch bin ich sehr der Meinung, dass es um Gewährleistung eines steigenden Lebensniveaus des Volkes bei der Errichtung und Entwicklung sozialistischer Gesellschaften gehen muss. Diese Steigerung des Lebeniveaus des Volkes jedoch auf individuellen Konsum zu reduzieren, entspricht dem kleinbürgerlichen Existenzialismus und dem bürgerlichen Konsumdenken und Konsumismus und ist konterrevolutionär gegen jede sozialistische Gesellschaft und gegen die Werte einer sozialistischen Gesellschaft mit Perspektive des Übergangs zur kommunistischen Gesellschaft gerichtet.

Ich gehe zum Beweis meiner Darlegung mal in die gesellschaftliche Praxis. Beispiele Kuba und DDR:

Kuba schickte tausende gutqualifizierte medizinische Fachkräfte in ärmste Regionen der sog. Drittwelt. Und Kuba kann als Land betrachtet werden, welches seiner Bevölkerung bei solider Grundsicherung nicht gerade ein relativ hohes individuelles Konsum-Niveau bietet. Auslandseinsätze bieten kubanischen Fachkräften die u.U. willkommene Gelegenheit, durch Überlaufen mit Hilfe der US-Botschaft und ihrer allgegenwärtigen Helfershelfer letztlich ganz rasch in Miami oder anderswo das hohe individuelle Konsum-Niveau US-amerikanischer Privatpraxisärzte und -Fachkräfte zu erreichen. In all den nun schon nahezu 10 Jahren des Entsendens kubanischer medizinischer Fachkräfte ins Ausland steht die "Schwundrate" bei stabilen 1,5%.

Die DDR wagte nicht, tausende gutqualifizierte medizinische Fachkräfte in die sog. Drittwelt zu entsenden. Die vorhersehbare "Schwundrate" wäre ein Vielfaches der 1.5% gewesen, die sie bei den Kubanern jetzt beträgt. Das individuelle Konsum-Niveau in der DDR war weitaus höher, als es jemals in Kuba gewesen ist. Das bürgerliche Konsumdenken war jedoch bei den DDR-Bürgern unvergleichlich viel höher ausgeprägt, als es bis jetzt bei den kubanischen medizinischen Fachkräften der Fall ist.

In Kuba steht die Erziehung zu humanistischen Grundwerten ganz oben auf der gesellschaftlichen Werteskala. Che Guevaras "neuer Mensch" ist Erziehungsziel. Uneigennützigkeit wird ganz gross geschrieben und allgemein praktiziert. Die besondere Fürsorglichkeit der Allgemeinheit und des Staates gehört den Kindern, den Alten und den chronisch Kranken sowie Behinderten. Ihre Betreuung und der Umgang mit ihnen ist beispielhaft für die gesamte Menschheit heute. Die Masse der Menschen weiss, dass Fidel und Raúl daran grössten Anteil haben, dass die kubanische Kindheit eine der sorglosesten Kindheiten ist, die ein lateinamerikanisches Kind durchleben kann. Diese Masse der Menschen vergisst dies den Revolutionführern nicht und schützt die Revolutionsführer vor jedem Attentat, selbst wenn die Regale leer sind und die Milch für die Kinder wegen Kraftstoffmangel nur jeden zweiten Tag herantransportiert werden kann. Dies sagen die Menschen auch gerne aus, wenn man sie befragt.

Die DDR-Bürger seinerzeit waren ganz anders geprägt als die Kubaner. Die Zerschlagung des Kapitalismus und der Aufbau des Sozialismus war in der DDR eine Revolution. Allerdings war es keine Volksrevolution in dem Maße, wie es die kubanische Revolution gewesen ist. Als Batista floh, jubelten die Kubaner. Als Hitler ausgelöscht war, gab es nicht Jubel bei der deutschen Bevölkerung. Die Masse der kubanischen Kader wurde von Revolutionären gestellt. Die Masse der Kader in der DDR wurde von kleinbürgerlichen Karrieristen gestellt, die natürlich super Phrasen aus den Parteitagsbeschlüssen der SED dreschen konnten und ansonsten zutiefst obrigkeitshörig bis in die Gene geprägt waren. Letztgenannter Wesenszug erleichterte es ihnen kolossal, 1989/1990 von rosarot auf schwarzbraun umzusatteln und die Biographien umzuschreiben, um sich bei den neuen alten Herrschaften anzubiedern. Dieser Wesenszug fehlt der Masse der Kubaner gänzlich.

Kurzum: Während die DDR seit Chrustschow und Ulbricht zusehends verbürgerlichte, ist dies bisher in den Amtszeiten der Castros in Kuba nicht geschehen. Was eine Menge mit Ideologie zu tun, auch wenn bzw. gerade weil das gesellschaftliche Sein das gesellschaftliche Bewusstsein bestimmt.

Ich habe aber noch eine andere Frage hier in diesem Forum, die mir möglicherweise jemand beantworten kann. Wie kam es dazu, dass jene kürzlich in Deutschland aufgekommene Kommunistische Initiative sich den Namen Kommunistische Initiative gab. Hat dies was mit der Kommunistischen Initiative in Österreich und deren Namen zu tun? Bestehen da Verbindungen zwischen den beiden Kommunistischen Initiativen in Deutschland und Österreich?

Kommunistische rote Grüsse in die Runde,
Osiel


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Sa 4. Okt 2008, 10:48 
Moderator

Beiträge: 876
Osiel hat geschrieben:
Kuba schickte tausende gutqualifizierte medizinische Fachkräfte in ärmste Regionen der sog. Drittwelt. Und Kuba kann als Land betrachtet werden, welches seiner Bevölkerung bei solider Grundsicherung nicht gerade ein relativ hohes individuelles Konsum-Niveau bietet. Auslandseinsätze bieten kubanischen Fachkräften die u.U. willkommene Gelegenheit, durch Überlaufen mit Hilfe der US-Botschaft und ihrer allgegenwärtigen Helfershelfer letztlich ganz rasch in Miami oder anderswo das hohe individuelle Konsum-Niveau US-amerikanischer Privatpraxisärzte und -Fachkräfte zu erreichen. In all den nun schon nahezu 10 Jahren des Entsendens kubanischer medizinischer Fachkräfte ins Ausland steht die "Schwundrate" bei stabilen 1,5%.

Die DDR wagte nicht, tausende gutqualifizierte medizinische Fachkräfte in die sog. Drittwelt zu entsenden. Die vorhersehbare "Schwundrate" wäre ein Vielfaches der 1.5% gewesen, die sie bei den Kubanern jetzt beträgt. Das individuelle Konsum-Niveau in der DDR war weitaus höher, als es jemals in Kuba gewesen ist. Das bürgerliche Konsumdenken war jedoch bei den DDR-Bürgern unvergleichlich viel höher ausgeprägt, als es bis jetzt bei den kubanischen medizinischen Fachkräften der Fall ist.

In Kuba steht die Erziehung zu humanistischen Grundwerten ganz oben auf der gesellschaftlichen Werteskala. Che Guevaras "neuer Mensch" ist Erziehungsziel. Uneigennützigkeit wird ganz gross geschrieben und allgemein praktiziert. Die besondere Fürsorglichkeit der Allgemeinheit und des Staates gehört den Kindern, den Alten und den chronisch Kranken sowie Behinderten. Ihre Betreuung und der Umgang mit ihnen ist beispielhaft für die gesamte Menschheit heute. Die Masse der Menschen weiss, dass Fidel und Raúl daran grössten Anteil haben, dass die kubanische Kindheit eine der sorglosesten Kindheiten ist, die ein lateinamerikanisches Kind durchleben kann. Diese Masse der Menschen vergisst dies den Revolutionführern nicht und schützt die Revolutionsführer vor jedem Attentat, selbst wenn die Regale leer sind und die Milch für die Kinder wegen Kraftstoffmangel nur jeden zweiten Tag herantransportiert werden kann. Dies sagen die Menschen auch gerne aus, wenn man sie befragt.


@ Osiel

Danke für Deinen Beitrag. Hinsichtlich Kuba hast Du genau den Punkt getroffen.

Hinsichtlich der DDR liegst Du sicher insofern richtig, daß Defizite in der Vermittlung und Verinnerlichung der sozialistischen Werte ein wesentlicher Grund dafür waren, daß der Durchmarsch der Konterrevolution in dieser Form möglich war.

Daß die soziologische Struktur und der geschichtliche Hintergrund einer Gesellschaft auch eine Rolle dabei spielen, wie schnell und dauerhaft neue Werte adaptiert werden, ist sicher auch richtig.

Deine Charakterisierung vom kubanischen "Revolutionär" auf der einen Seite und dem ostdeutschen "Kleinbürger" auf der anderen Seite halte ich aber für problematisch. "Revolutionär" ist keine Klasse, und viele kubanische Revolutionäre kamen auch aus bürgerlichen Verhältnissen. Ebenso kamen viele Führer der DDR aus proletarischen Familien.

Eine Ideologie mit universellem Anspruch muß überall funktionieren. Meiner Meinung nach wäre es nicht zielführend, die Ideologie, über ein bestimmtes Maß hinaus, lokalen Besonderheiten anzupassen, genausowenig wäre es vertretbar, bestimmte Völker aufgrund ihres historischen Hintergrunds als für die Ideologie ungeeignet zu erklären. Es kommt darauf an, die Ideologie zielgruppengerecht zu kommunizieren. Die Kommunikation ist sozusagen die Übersetzung zwischen Ideologie und Volk.

Entscheidend für den dauerhaften Erfolg des Sozialismus ist die Identifikation der Massen mit ihrem sozialistischen Staat.

Wer den Sozialismus als "L’art pour l’art" betreibt und wem es dabei mehr um den Beweis eines theoretischen Modells geht, als um die Menschen, wird niemals Menschen für sich gewinnen können, geschweige denn eine Veränderung des Bewußtseins der Massen erreichen können.

Die Haltung der politischen Führung zu den Massen ist ein anderer entscheidender Faktor für den Erfolg eines sozialistischen Modells. Wer den Massen misstraut, sie geringschätzt oder gar verachtet, kann seine Macht nur mit Kontrolle und Repression aufrechterhalten und verschwendet so viele Kapazitäten, die für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft gebraucht werden.

Selbstverständlich spielen auch die ökonomische Faktoren eine sehr große Rolle. Aber den Ausschlag gibt die Moral der Menschen.

Wo die Kommunikation der sozialistischen Werte ernst genommen und nicht nur als Fassade aufrechterhalten wird, überlebt der Sozialismus (frühe Sowjetunion, Kuba, Nordkorea, Venezuela).

Begeisterung, Idealismus und Identifikation geben den Ausschlag. Der Neue Mensch ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg des Sozialismus.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Sa 4. Okt 2008, 12:07 

Beiträge: 2008
@Osiel: Wenn Stalin noch 50 Jahre länger gelebt hätte ...
Ja, sehe ich nicht anders. Bis 2003 hatte sich der Kapitalismus noch nicht zu Tote gewirtschaftet. Wäre es geschehen, wenn Stalin weiter gelebt hätte?

Wenn nicht, wie hätte es dann in den Köpfen ehemaligen DDR-Menschen wohl ausgesehen? Kein Blick auf die andere Seite, kein Einfluß der Medien und Konsumsender auf die DDR-Menschen?
Wenn dies doch - wir hätten dass alles mit dem "neuen Menschen" mit einer überragenden sozialistischen Moral abgefangen? Wir hätten die Mauer entfernen können und keiner oder nicht mehr als 1,5% hätten die Seite gewechselt?

Wäre schön, aber ich habe nicht das sichere Gefühl im Bauch, dass es wirklich so gewesen sein könnte.
Gut, Spekulationen sind immer eine sehr gewagte Sache, so wie Prognosen überhaupt - insbesondere wenn sie in die Zukunft zeigen ... ;)

Ich kenne nur einige wenige Kubaner persönlich. Die leben heute in Deutschland und wollen keinesfalls mehr nach Kuba zurück. Damit zählen sie sicher zu den 1,5% und ich kann sie bewerten. Aber diese Kubaner haben Verwandte weiterhin in Kuba. Diese Verwandten bleiben in Kuba. Sie freuen sich über die Unterstützung die sie von ihren (leider) im Ausland lebenden Kindern erhalten. Letzteres ist kein Einzelfall, denn dass auf Kuba seit Jahren ein Zweiwährungssystem etabliert wird, ist kein Geheimnis. Das mag uns leid tun, das mögen wir bedauern und vielleicht beschimpfen wir in einigen Jahren die kubanischen Genossen als Revisionisten für diese Dinge in dieser Zeit. Doch das ist die Realität, mit der die Kommunisten in Kuba auch leben müssen. Das nicht zu übersehen, sondern angemessen darauf zu reagieren, das zeichnet die Wirtschaftspraktiker, wie sie Numa nannte, aus.

Dies führt früher oder später zum völlig verständlichen und legitimen Wunsch der Kubaner, dass sie ihren Lebensstandard immer weiter verbessert haben möchten. Wenn man das nicht über "Öffnung" tun will und ein ganzes Volk in Korruption und Prostitution schicken, muß man das über die wirtschaftliche Entwicklung tun. Da ist Kuba dann genau dort angelangt, wo die Genossen um Walter Ulbricht in den 60-ziger Jahren standen.
Appelle an Gewissen und Moral sind nach meiner langjährigen Lebenserfahrung immer der letzte Skat gewesen, den der jeweilige Verantwortliche aus dem Ärmel zog. Ich drücke den kubanischen Genossen alle Daumen, dass die weitere Entwicklung in Venezuela und Kolumbien so verläuft, dass es für die kubanische Wirtschaft von Vorteil ist.

Da wir heute (welch ein Zufall ;) ) den "Sputnik-Schocktag" haben, bietet es sich an, darauf hinzuweisen, dass dieses Thema der entscheidente Anstoß für die Diskussion "Überholen ohne Einzuholen war". Leider ist es zu oft versäumt worden, den Menschen dies zu erklären.
Also, die UdSSR und die USA hatten seit 1946 beide Atomwaffen. Das Nurlagern auf dem Territorium des Besitzers hätte wohl kaum abschreckende Wirkung gehabt. So war die Frage des A-Waffentransports ins Zielgebiet eine sehr entscheidende Frage, um das Bedrohungspotential aufzubauen.
Die USA entwickelten entsprechend ihren Erfahrungen im 2.Weltkrieg, ihre strategische Kampfbomberflotte weiter und erkoren diese zum A-Waffentransporter.
Die UdSSR setzte auf Raketentechnik und bewies heute vor 51 Jahren, dass sie in der Lage wäre, eine A-Bombe interkontinental ins Ziel zu bringen. Nicht nur, dass dies mit Raketen schneller als mit B2-Bombern gelingen würde. Eine Rakete abzuschießen, ist ein weitaus schwierigeres Unterfangen, als eine B2 vom Himmel zu holen.
Die UdSSR hatte also nicht einfach genauso schwere, schnelle und reichweitenstarke Kampfbomber wie die USA gebaut (also eingeholt) und mit besseren Parametern überholt. Nein, man hat eine eigene, bessere Lösung entwickelt.
Genau in diesem Sinne war es gedacht, die kapitalistische Produktion ohne Einholen zu überholen. Neue Ideen, sich dafür engagierende Menschen und die notwendigen Geldmittel für die Realisierung sollten helfen, die Wirtschaftskrise der 60ziger zu überwinden und die Wirtschaft der soz. Länder so zu entwickeln, dass eines Tages die Bundesbürger Ausreiseanträge gestellt hätten ...

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Sa 4. Okt 2008, 18:11 

Beiträge: 52
Ich sehe keinen Widerspruch zwischen materiellem Wohlstand und Moral. Sozialwissenschaftliche Studien über die Gesellschaft der DDR beweisen, das mit steigendem Wohlstand die Bereitschaft der Bevölkerung zur gerechten Verteilung des gesellschaftlich erarbeiteten Wohlstandes stieg.

Ich bin auch nicht der Meinung das die DDR-Bevölkerung nicht hinter dem System stand. Die DDR war aus meiner Sicht der stabilste sozialistische Staat im Ostblock. Das Ende der DDR hängt wesentlich mit dem Zusammenbruch der SU zusammen. Auf der einen Seite sah man Anfang der 80iger in der SED-Parteiführung das es in der SU problematische Entwicklungen gab die angegangen werden mußten. In der SED-Führung wähnte man sich bereits auf einem fortschrittlerichen Weg. Hagers Tapeten-Zitat steht in diesem Kontext. Man erkannte aber auch schnell das Gorbatschows delitantische Poltik ins Gegenteil führte. Lustig ist das Hacks eine ganze Weile auf Gorbatschow setzte und sich über die SED-Kritik an Gorbatschow empörte.

Gorbatschow sprach wichtige Probleme an , die in der Gesellschaft virulent waren. Aber bevor das VOlk erkannte vor der Zug hinführte, nähmlich nicht zur einer weiteren Etappe des Sozialismus, war es zu spät. Aber das die Sowjetische Bevölkerung so einfach den Sozialismus beseitigen lies, sehe ich nicht. Die Rückzugskämpfe gingen eigentlich bis 1993 als Jelzin die Rest der Räte platt machen mußte.

Das so eine Nulpe wie Gorbatschow in der Parteihierarchie an diese entscheidende Position gelangen konnte, zeigt das in der gesellschaftliche Entwicklung der SU und somit in der Partei da schon eine Weile etwas in die falsche Richtung lief. In der DDR scheint es besser gealufen zu sein.

Für die DDR wurde es eigentlich erst 1989 problematisch als Gorbatschow offen das Bündnis mit der DDR beendete, und Honecker auch noch über den Sommer erkrankte. Die Partei war darauf nicht mehr in der Lage eine offensive Strategie zu entwickeln. Die Partei führte nicht mehr, und das Volk wurde schnell zum Spielball der reaktionären Kräfte.

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Zensur im Stalin-Forum

http://www.sed-forum.de/phpBB3/viewtopic.php?f=28&t=494


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Mo 6. Okt 2008, 20:44 
Literat

Beiträge: 2947
@Osiel

Da du nach meinen Einwänden deine Haltung gegen die Steigerung des Konsumniveaus insofern zurückgenommen hast, als du nunmehr dich darauf beschränkst, gegen eine Wirtschaftspolitik, deren Zielsetzung allein in der Steigerung der individuellen Konsumtion liegt, zu polemisieren, sind wir auf einer Ebene, auf der vernünftige Argumente Geltung haben. Darin, daß individueller Konsum nie das alleinige Ziel der sozialistischen Produktion sein kann, sind wir uns einig.

Allerdings schwindet damit auch die Angriffsfläche, die du bei Ulbricht ausgemacht hat, denn weder auf dem V. Parteitag noch auf dem VI. noch auf dem VII. noch überhaupt je ist unter Ulbricht verkündet oder auch nur angestrebt worden, die Volkswirtschaft allein auf die Steigerung der individuellen Konsumtion auszurichten.

@Bernd1

Zitat:
Lustig ist das Hacks eine ganze Weile auf Gorbatschow setzte und sich über die SED-Kritik an Gorbatschow empörte.


Hacks hat nie auf Gorbatschow "gesetzt", sondern eine abwartende, freilich mit gewissen Hoffnungen verbundene Haltung ihm gegenüber eingenommen. Es ist ja nun nicht eben so, daß unter Honecker alles richtig gemacht wurde, und da Gorbatschow sich zunächst als eine Fortsetzer von Andropow präsentierte, ist es verständlich, daß jemand, der Honeckers Politik zurecht kritisch sah, in Gorbatschow gewisse Hoffnungen setzte.

Eine andere Frage ist, ab wann man Gorbatschow hat durchschauen können. Ich kenne eine ganze Menge sehr kluger und durchaus marxistisch geschulter Köpfe, die Gorbatschow nicht vor 1989 durchschaut haben. Ich habe noch sehr gute Erinnerungen an die Zeit; die Hysterie war allenthalben. Peter Hacks hingegen, der Gorbatschow von Beginn an mit einer leichten Skepsis gegenüberstand, hat bereits im Sommer 1987 ein eindeutig negatives Urteil über diesen Politiker gefällt. Damit war er einer der ersten in der DDR, der voraussah, wohin Gorbatschows Kurs führen mußte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Di 7. Okt 2008, 20:02 
Hallo allerseits,

das Thema Konsumtion ist und bleibt natürlich hochaktuell. In Ländern wie Venezuela heute tun Teile der bürgerlichen Opposition geradezu so, als bräuchten die Venezolaner gar nicht mehr zu arbeiten, weil das Öl zu Höchstpreisen verkauft würde. Der Staat könnte alles gratis liefern und bereitstellen, nur allein aus den Rohstoffexporten. Dies natürlich nur mit dem Ziel, die Arbeitsmoral zu untergraben ... was ja nun auch an jahrhundertelang verfestigte Mentalitätsmerkmale wie Spontaneität und Leichtigkeit der Latinos geschickt anknüpft. Und genüsslich freut sich dort jeder Chávezgegner, wenn ein verstaatlichter Betrieb voll in der Dauerkrise steckt. Dass dieselbe Opposition in Jahrzehnten ihrer Regierung sich lediglich die eigenen Taschen mit den Provisionen für den Ausverkauf des Ölfördergeschäfts und der Rohstoffgewinnung füllte, wird dabei natürlich verschwiegen. Zugleich wird so getan, als würde Chávez die Petrodollars den Kubanern und sonstigen ärmeren Partnerländern in Lateinamerika nur so spendieren und sich selbst und seinem Clan den absoluten super Luxus gewährleisten. Jede Menge psychologische Kriegsführung und Propagandaschlacht läuft da ab, und die Machtfrage ist letztlich doch immer noch nicht entschieden.

Auch in der DDR wurden solcherlei Gerüchte gestreut. Stichwort "Wandlitz". Die vielgepriesene "2. Lohntüte" dagegen wurde für das Volk der DDR rasch zur schlichten Selbstverständlichkeit. 40 Jahre lang stabil niedrige Preise für Mieten, Waren und Dienstleistungen des alltäglichen Bedarfs ... ja schön, trotzdem roch es im Intershop besser und träumte Fritzchen vom BMW und Frieda war ganz scharf auf die Westklamotten. Tja, es fehlte nur die "Auswurftaste" am Fernseher! Dies meine ich mit Verbürgerlichung, beispielsweise des Massenbewusstseins. Und bei jedem Parteitag der SED gab es "Segnungen", die in Beschlussforum verkündet wurden, so dass dem DDR-Bürger vorgegaukelt wurde, das Mehr an Wohlstand sei vorprogrammiert und fiele vom Himmel herunter. Der DDR-Bürger brauchte sich also nichts mehr zu erkämpfen oder zu erarbeiten. Feuern konnte ihn niemand. Als Arbeiter konnte er die Schnauze richtig aufreissen, so dass ihm jeder Chef mal eben den Buckel runterrutschen konnte. Und samstags lebte es in allen sächsischen Garagen, bei Bier und Grillwurst! Die Masse der Leute war gesättigt, wollte aber nun noch den westlichen Luxus, wie er in der Fernsehwerbung vorgeführt wird. Heute leben sie von Hartz 4 oder haben teils annehmbare Renten, die einst bis zu 2,3 Millionen Kommunisten mit SED-Mitgliedsbuch. Wo sind denn all die Helden und Kämpfer heute? Nur sehr wenige von ihnen engagieren sich. Sind es Hunderte? Oder doch nur Dutzende?

Kuba dagegen hat die geballte "Konsum-Macht" der USA einerseits vor Augen, aber andererseits auch Guantanamo Bay direkt neben sich in Blickweite. Jeder weiss bestens, was ihn und seine Familie erwartet, sollten die USA die Zuckerinsel zurückerobern. Einige wissen auch, dass sie in Miami weitaus besser konsumieren könnten, denn sie vertrauen ihren dort bereits wohnenden Familienangehörigen. Wer nach Kuba reist und sicher spanisch spricht und dort in die Familien reinkommt, wird rasch mit Verhaltensweisen konfrontiert, die aus der DDR sehr vertraut sind, teils noch weit ausgeprägter. Wer anschliessend woandershin reist in der Karibik zu fröhlichen und offenherzigen Menschen, wird beim Besuch in den einfachen Familien ganz rasch die Unterschiede zwischen Kubanern und meinetwegen Venezolanern feststellen. Und dann wird deutlich, wie sehr es Che und Fidel gelungen ist, den "neuen Menschen" in Kuba zu formen, Neo. Was weder leicht ist noch voll zu 100% gelingen kann. Aber bei einer satten Mehrheit ist es gelungen, trotz der enormen Versorgungskrise in den 90er Jahren.

Ich kenne denjenigen Kubaner in Berlin, der von sich wohl mit einigem Recht behaupten kann, der reichste einstige kubanische Werkvertragsarbeiter geworden zu sein. In den 80er Jahren arbeitete er in Berlin, heiratete eine nette DDR-Bürgerin, die ihm zwei reizende Kinder schenkte. 1989 musste er nach Kuba zurück, so waren die Regelungen. Da Frau und Kinder 6 Monate lang signalisierten, ihm nicht nach Kuba folgen zu wollen, konnte er dann mit ständigem Ausreisevisum aus Kuba im November 1989 wieder zurück in die DDR. Seinen Arbeitsplatz bekam er dort jedoch bereits nicht mehr. So saß er daheim in der Wohnung in Kaulsdorf/Hellersdorf, wo das Viertel gerade zu Ende aufgebaut worden war. Er konnte vom Fenster aus die Bauarbeiterbaracken sehen, die nun verlassen wurden. Ringsum nur Schlafstadt ohne Geschäfte. Er pachtete sich für 2 Mark Quadratmeter-Pacht vom Magistrat Berlins eine 100 qm grosse Fläche auf dieser Wiese. Er bestach die Bauarbeiter, die ihm aus den Barackenteilen einen kleinen Supermarkt zusammenzimmerten. Ein kleiner Teil jenes Supermarktes bestand in Videothek, was 24 Stunden Ladenöffnung erlaubte. Er erwirtschaftete mit seiner Frau Rekordumsätze. Er schlief am Fenster, mit Blick auf das Geschäft und Pistole unter dem Kopfkissen für den Fall, dass Kriminelle sich am Laden zu schaffen machen könnten. Im Winter hatte er eine Heizsonne im Supermarkt, während seine Frau oder er im dicken Mantel drinnen verkauften. Binnen zwei Jahren hatte er bereits seinen Flugschein und machte in Guantanamo für 30.000 DM mit seiner gesamten einschl. kubanischen Familie dort richtig Urlaub. Nach 5 Jahren war Vertragsschluss. Geschäftlich tätig ist er nach wie vor, wenn auch anderweitig... . Soviel zur Macht des Konsums!

Zu jenen 1,5% Schwund zählt jener Kubaner nicht, gewe. Er war ja nicht in internationalistischer Mission seitens Kuba nach Deutschland gekommen, sondern ganz legal wegen Familienzusammenführung dort weggezogen. Während die Schwundleute ganz einfach Menschen sind, die beispielsweise aus Kuba kommen und in Venezuela im Gesundheitswesen eingesetzt sind und von dort aus dann via Kolumbien Richtung USA "abhauen". Oder die in Pakistan als medizinische Notbrigade eingesetzt sind und dann zur entfernten einstigen Jugendliebe nach Portugal "abhauen". Wobei die USA-Auslandsvertretungen so einige Hebel in Bewegung setzen, um im Ausland tätige internationalistische Spezialisten aus Kuba für ein Leben im US-Traum vom ewigen Konsumrausch zu gewinnen... . Da sind 1,5% Schwund erst mal realistisch als aussergewöhnlich niedrige Schwundrate zu werten.

Dass die Kubaner Mangelwirtschaft im Lande haben, ist dort nicht erst seit dem Sieg der Revolution eine Tatsache. Und bitte wie soll Kuba die notwendige Dollar-Menge erwirtschaften, um all die Konsumgüter einzuführen, die nun jeder kubanische Haushalt gerne hätte? Tatsache ist und bleibt, dass die umfassende Basisversorgung für Kubaner beispielhaft gut gewährleistet ist und sich Kuba da im lateinamerikanischen Vergleich bestens sehen lassen kann. Jetzt liefert Kuba an Lateinamerika know how und Fachkräfte und Ausbildung von Fachkräften, dies in erstklassiger Qualität.

Hast Du Dich mal mit "politischen Flüchtlingen aus der DDR" unterhalten, gewe? Dir reicht sicherlich völlig, wenn diese Elemente in den Medien ihre Legenden verbreiten. Mir auch. Ähnlich ist es mit so einigen jener Kubaner, die das Land verlassen haben und sich dann im kapitalistischen Ausland anpassen. Egal, ob Du sie in Santo Domingo triffst oder in Dresden. Wer nicht zurück will, rechtfertigt dies. Und natürlich muss da Kuba dann ganz schlecht sein. Wer einst die DDR verließ, machte die DDR ja auch ganz schlecht, so dass sie nur noch aus Mauer und Stacheldraht bestand... .

Stalin wollte kein ewig geteiltes Deutschland. Zu seiner Zeit gab es die "Deutschlandtreffen". Es gab einen sehr stabilen wirtschaftlichen Aufschwung in der UdSSR. Womit Undinge wie die "Maiskampagne", die "Rinderoffenställe" usw. nicht ignoriert werden sollen. Ich aber auch nicht weiss, ob dies nun und inwieweit Stalin anzulasten ist. Denn Tatsache ist, dass das zaristische Russland noch Hauptgetreide-Exporteur Europas war, während die UdSSR bekanntlich ... soweit ich mich entsinne ... in den 60er und 70er und 80er Jahren um Getreide-Importe aus den USA und Kanada regelrecht bettelte, weil kaum noch etwas in der Landwirtschaft dort funktionierte. Woran auch Verbrecher wie Gorbatschow ihren Anteil hatten, der ja in den 70er Jahren bereits von oben her aus dem Partei-Apparat die Landwirtschaft in der UdSSR nach Kräften sabotierte.

Du schreibst von der "Wirtschaftskrise der 60er Jahre", die überwunden werden sollte ("Überholen ohne einzuholen"), gewe. Diese Zeit habe ich leider noch nicht bewusst wahrnehmen können. Tatsache ist sicherlich, dass unter Stalin andere Lösungswege gegangen worden wären. In den 50er Jahren scheint es also so eine Wirtschaftskrise in der UdSSR gar nicht gegeben zu haben. Oki, es gab harte Aufbauarbeit durch die Verwüstungen durch die faschistische Aggression. Aber "Krise"? Fehlentwicklungen gab es sicherlich, aber so etwas lässt sich korrigieren und muss sich nicht verschlimmern, wie es nach Stalin passierte.

Es stimmt natürlich, dass es sehr müßig ist darüber zu spekulieren, wie es aussehen würde, hätte Stalin noch Jahrzehnte weitergelebt. Fakt ist, dass er ein grossartiges Erbe hinterliess, welches von seinen Nachfolgern verspielt wurde. Und dies muss jedem Kommunisten sehr wehtun.

@ bernd1, was bitte heisst dieser Satz: "Sozialwissenschaftliche Studien über die Gesellschaft der DDR beweisen, das mit steigendem Wohlstand die Bereitschaft der Bevölkerung zur gerechten Verteilung des gesellschaftlich erarbeiteten Wohlstandes stieg." Das klingt sehr "parteichinesisch". "Bereitschaft der Bevölkerung zur gerechten Verteilung ... des Wohlstandes"???

Oberflächlich betrachtet wurde es aus Sicht etlicher DDR-Bürger erst 1989 sehr krisenhaft in der DDR. Da gebe ich Dir recht. Fakt ist aber, dass Honecker mit seiner verfehlten Wirtschafts- und Sozialpolitik zum Totengräber der Substanz der DDR-Wirtschaft wurde. Und nach meiner Überzeugung ist auch Tatsache, dass unter Walter Ulbricht bereits die revisionistische Fehlentwicklung zum entscheidenden Durchbruch kam. Wenn auch nicht auf voller Linie, in voller Breite, wie es dann bei Honecker voll ausgeprägt der Fall war.

@ NumaPompilius, ich muss mich nochmals korrigieren, nachdem ich intensiv nachgelesen habe.

Der 5. Parteitag beschloss nicht, Westdeutschland einzuholen, ohne Westdeutschland überzuholen. Was die SED wollte, sagte Walter Ulbricht:

"Die Volkswirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik ist innerhalb weniger Jahre so zu entwickeln, daß die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung der DDR gegenüber der Herrschaft der imperialistischen Kräfte im Bonner Staat eindeutig bewiesen wird und infolgedessen der Pro-Kopf-Verbrauch unserer werktätigen Bevölkerung mit allen wichtigen Lebensmitteln und Konsumgütern den Pro-Kopf-Verbrauch der Gesamtbevölkerung in Westdeutschland erreicht und übertrifft.“

Mehr dazu findet sich recht schlüssig und detailliert auf der Homepage von Kommunisten-Online. Ich lese einiges, leider verarbeite ich nicht alles richtig, sorry. Aber es ist ja keine Schande, sich zu korrigieren.

Deine Ausführungen zu Gorbatschow teile ich, NumaPompilius. Zu meiner Schande muss ich eingestehen, selbst ab Mitte der 80er Jahre auf sein Geschwafel reingefallen zu sein. Als ich mal Gorbatschows Rede 1999 an der Amerikanischen Universität in Ankara in die Hand bekam, da wurde mir endgültig klar, was für einem Verbrecher und Verräter auch ich da auf den Leim gegangen war. Seit Jahren wird mir nur noch kotzübel, wenn ich diesen Ganoven sehe und höre. Frühmorgens sagt er im Fernsehen zuweilen das Eine ("...man muss Russland auch eigene legitime Interessen zugestehen..."), abends dann erneut im Fernsehen "stimmt die Kasse wieder" bei ihm und geifert er gegen Russland ("...Russland sollte sich hüten, wieder in Grossmachtpokerspiele zu verfallen..."). Inhaltlich kommt es so rüber, d.h. ich gebe da keine wortwörtlichen Zitate von Gorbatschow wieder. Dass der Imperialismus ihm das Eiserne Kreuz äh die US-"Freiheitsmedaille" ansteckt, ist logisch.

Schade, dass mir niemand bei meinen obigen Fragen zur "Kommunistischen Initiative" in Deutschland weiterhelfen konnte. Ich werde denen vielleicht mal gelegentlich eine Mail über ihre Homepage schicken.

Kommunistische Grüsse in die Runde,
Osiel


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Mi 8. Okt 2008, 09:58 

Beiträge: 52
@Osiel

Ich will damit folgendes sagen. Einer Gesellschaft der es gelingt den Wohlstand den sie erarbeitet so zu verteilen das jedem Menschen seine Bedürfnisse im steigenden Maße befriedigt werden , die ist bei weiter steigendem Wohlstand im steigendem Maße bereit, diesen auch weiter gerecht zu verteilen. Der Egoismus in der Form, "ich will mehr als der andere" nimmt ab. Gerecht hieß in der DDR zumindest abstrakt, jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürnissen. Und die Bereitschaft zu dieser Formel war mit dem steigendem Wohlstand des DDR-Bürgers stärker ausgeprägt.


Du schreibst die Grundbedürnisse des DDR-Bürgers waren abgedeckt, und dann wollte der DDR-Bürger den "westlichen Luxus". Da hast Du nicht unrecht. Aber wo ist das Problem? Das ist das Wesen des Menschen! Sogegannter Luxus macht das Leben angenehmer, vielfältiger und lebenswerter. Wegen diesem Streben verschwand die kommunistische Urgesellschaft. Ich bin aber der Meinung der DDR-Bürger wollte den "Luxus" zusätzlich zu den befriedigten Grundbedürnissen und jedem sollte dieser "Luxus" möglich sein. Das heißt die Ideologen der BRD haben ihm erfolgreich vorgekaukelt, ihre Form der kapitalistischen Gesellschaft ist genauso gerecht wie die sozialistische Gesellschaft und kann auch die weiter gehenden Bedürnisse befriedigen. Daher sehe ich grundsätzlich im Konsum kein moralisches Problem. Das Problem war das wir diese Bedürnisse nicht befriedigen konnten, und das lag letztendlich an der nachhinkenden Arbeitsproduktivität.

Im Kapitalismus geht es aber , nur darum das ICH alles habe, und der Rest der Gesellschaft ist mir eigentlich egal. "Mein Auto, mein Haus, mein Boot" heißt es in der Werbung.


Die Probleme Kubas sind aus meiner Sicht ganz anderer Art als die der DDR. Wir mußten uns ökonomisch und ideologisch mit dem stärksten Industrieland Europas messen, aufgepäppelt durch die stärkste Industrienation der Welt. Und wir gehörten auch zu dieser Industrienation, standen 1945 auf einem matriellen und ideologischen Niveau. Wir hatten aber folglich im Vergleich die denkbar schwersten Startbedingungen für den Wettbewerb. Schaufenster in den Osten hieß die BRD. Wenn ein DDR-Bürger im Ungarn-Urlaub auf BRD-Bürger traf , fühlte er sich Deutscher zweiter Klasse.

Kuba und die USA sind zwei Nationen. Die Kubaner wissen um den wirtschaftlichen Vorsprung der USA. Niemand würde in Kuba auf die Idee kommen die USA in bälde ökonomisch zu überholen. Sie empfinden die "Yankees" als Besatzer und das Batista-Regime als Maroinette des US-Kapitals und sie wissen bei einer Rückkehr zu den alten Verhältnissen haben sie mehr zu verlieren als zu gewinnen. Zum Beispiel ihre Eigentumswohnungen. ;-) Die Kubaner vergleichen sich nähmlich eher mit den anderen Hinterhofnationen der USA.

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Zensur im Stalin-Forum

http://www.sed-forum.de/phpBB3/viewtopic.php?f=28&t=494


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Mi 8. Okt 2008, 12:20 
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Beiträge: 353
Zitat:
Ich habe aber noch eine andere Frage hier in diesem Forum, die mir möglicherweise jemand beantworten kann. Wie kam es dazu, dass jene kürzlich in Deutschland aufgekommene Kommunistische Initiative sich den Namen Kommunistische Initiative gab. Hat dies was mit der Kommunistischen Initiative in Österreich und deren Namen zu tun? Bestehen da Verbindungen zwischen den beiden Kommunistischen Initiativen in Deutschland und Österreich?


Zitat:
Schade, dass mir niemand bei meinen obigen Fragen zur "Kommunistischen Initiative" in Deutschland weiterhelfen konnte. Ich werde denen vielleicht mal gelegentlich eine Mail über ihre Homepage schicken.


@Osiel:


Zu der Kommunistischen Initiative gibt es hier im Forum einen eigenen Faden, der schon 2 Seiten umfasst. Darin findet sich auch etwas über die KI aus Österreich und einiges zur KI aus Deutschland.

Kurz gesprochen: die neue KI hier in Deutschland hat natürlich freundschaftliche Kontakte zu den Österreichern, welche mit ihrem Konzept einer Initiative, welche Einzelpersonen um sich gruppiert und sie "neu vernetzt", natürlich ein gutes Beispiel dafür abgeben, wie man einen Zusammenschluss von Kommunisten anstreben kann, ohne gleich eine eigene Partei oder Plattform mit Statut und Programm zu gründen.
Deshalb orientiert sich die KI hier in Deutschland an dem Konzept der österreichischen KI und lässt sich von letzterer auch beraten. Gute Kontakte gibt es schon seit mehreren Jahren. In den offen-siv Heften finden sich immer wieder Artikel und Anzeigen von den österreichischen Genossen.
Wie in dem anderen Faden aber auch festgestellt wurde - man orientiert sich an dem Konzept einer KI, nicht an allen politisch-konkreten Fragen und Inhalten. Man sollte daher nicht Fehler der österreichischen KI auch der neuen, deutschen KI anlasten, denn diese ist erstens frisch gegründet und kann/konnte sich noch nicht zu allen Fragen praktischer und theoretischer Art äußern und zweitens hat sie sicherlich eine andere inhaltliche Prägung wie die Österreicher. Dafür spricht, dass offen-siv in den letzten Jahren bereits ein beachtliches anti-revisionistisches Publikum um sich geschart hat und darauf natürlich aufbauen kann.

Es schadet trotzdem nicht, wenn du dich dort mal meldest.

_________________
Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
Ein System kann aber nur aus einem Kopfe entspringen; also muß es aus dem des Herrschers hervorgehen.


Friedrich der Große


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Mi 8. Okt 2008, 17:23 

Beiträge: 49
Pavel hat geschrieben:
Man sollte daher nicht Fehler der österreichischen KI auch der neuen, deutschen KI anlasten, denn diese ist erstens frisch gegründet
Sie soll laut Aufruf erst gegründet werden. Bislang sollen sich erst mal nur Interessenten dafür melden.

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"Die Geschichte der organischen Materie verzeichnet drei Sprünge aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit. Der erste Sprung ist der vom Unbelebten zum Leben. Der zweite ist der vom Tier zum Menschen. Der dritte, (den wir im Begriff sind zu tun), ist der vom Ideologen zum Marxisten." P.H.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Mi 8. Okt 2008, 18:37 
Hallo Bernd1 usw. hier,

ich meine, dass das Konsumstreben im Sozialismus dann bekämpft werden muss, wenn es Ausdruck individueller Raffgier, übersteigerter Bedürfnisse, der Sucht nach Exzessen und Statussymbolen ist. Es kann nicht Sinn einer sozialistischen Gesellschaft sein, dass jeder Mensch sein Auto, sein Motorboot, sein Gartenhäuschen, seine Kellerbar und seinen Segel- und Jagd- und Ski- und Tauchurlaub hat. Kurz um, die Prunksucht der heutigen Reichen und ihr Luxusdasein kann nicht das Idealbild des Lebens im Sozialismus/Kommunismus sein.

Die DDR zeigte gerade in den Anfangsjahren ganz gut, wie mit der Bedürfnisbefriedigung der im Kapitalismus sozialisierten Menschen verfahren werden sollte. Die bessere Bildung und Ausbildung gab es in den 50er Jahren für alle Facharbeiterberufe in der DDR, nicht in der Bundesrepublik. Was jedoch nicht dazu führte, dass die gutausgebildeten Fachkräfte der DDR erhalten geblieben wären. Nicht nur die alte bürgerliche "Elite" wanderte massiv in den Westen ab, auch die jungen frischausgebildeten Fachkräfte strömten Richtung D-Mark. Viele Kleinschieber schleppten in den Westen, was sich dort losschlagen liess. Dies unter Bedingungen, wo kraft sowjetischer Bajonette die Machtfrage geklärt war und dennoch bei offenen Grenzen der Klassenkampf auf vielen Ebenen tobte.

Blicken wir mal nach Venezuela. Dort werden die grossteils importierten Grundnahrungsmittel zu eingefrorenen Niedrigpreisen angeboten, wovon aber in sehr nennenswertem Ausmaß auch kriminelle Schieberbanden profitieren. Täglich gehen so Dutzende LKW-Ladungen aus den Kühlhäusern und Lagerhäusern Venezuelas Richtung Nachbarländer, wo höhere Preise für die Lebensmittel erzielt werden. Einige Befehlshaber an den Grenzen sind bestechlich, da wird dann weggeschaut und durchgewunken. Chávez würde am liebsten die gesamte Lebensmittelvermarktung vom Aufkauf via Lagerwirtschaft bis zum Handel verstaatlichen. Allein, es fehlen die zuverlässigen Fachkräfte dafür. Die Sicherheitsnetzwerke konzentrieren sich auf bewaffnete Banden der Konterrevolution. Zugleich zeigen sie auch immer wieder gröbste Auswüchse der Schieberei und Schacherei an. Dies unter Bedingungen, wo das in- und ausländische Finanzkapital keinesfalls entmachtet ist, sondern lediglich angeschlagen. Die Machtfrage rückt immer dringlicher auf die Tagesordnung.

Unter Stalin kamen Schieber und Spekulanten als Feinde der Sowjetmacht kurzerhand ins Arbeitslager. Umerziehung durch Arbeit. Und Arbeit gab es in der Aufbauphase nach dem 2. Weltkrieg ja wahrlich mehr als genug in der UdSSR. Die DDR ging da weitaus behutsamer zu Werke, die meisten Schieber und Spekulanten konnten Richtung Westen letztlich entkommen. Venezuela macht aus Gefängnissen Schulen und legt den absoluten Schwerpunkt auf Resozialisierung von Straftätern, die Ergebnisse bleiben abzuwarten. Zugleich entsteht eine staatliche petrolchemische und sonstige Grossindustrie, die bei gesetzlichem 6-Stunden-Vollzeit-Arbeitstag ab Mai 2010 zur Vollbeschäftigung führen soll. Durch das Erdöl- und Rohstoffgeschäft verfügt Venezuela über hinreichend Einnahmen für dieses ausserordentlich ehrgeizige Vorhaben.

Eine sozialistische Gesellschaft zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Menschen ihre sozialen Menschenrechte auf Arbeit, Bildung, Zugang zu Bildung und Kultur, medizinische Versorgung, Frieden, ausreichende Ernährung ausüben können und ihre materiellen und ideellen Grundbedürfnisse angemessen entspr. der vorhandenen wirtschaftlichen Leistungskraft der Gesellschaft befriedigt werden. Von einem Recht auf individuelles Anhäufen von Reichtum kann da keine Rede sein. Der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen soll die Grundlage entzogen werden.

Während die heutigen wenigen Reichen mit ihren Villen und Palästen protzen können, wo sie von Sauna und swimming pool bis Kellerbar und Penthouse-Terrasse bei paradiesischem Panorama luxuriös residieren, reicht im Sozialismus der mühelose Zugang der Bevölkerung zu öffentlichen Saunabädern, Schwimm- und Freibädern, Bowlingzentren und Festspielanlagen mit Sport, Konzerten, Vergnügungen ... und ein sehr bezahlbarer unkündbarer Wohnraum für alle Menschen. Wo zehntausende Versicherungsaussendienstler heute Millionen Kilometer im steuerlich absetzbaren BMW alljährlich fahren, um dem einzelnen Kunden möglichst zeitlich und örtlich flexibel irgendeinen Vertrag aufs Auge zu drücken, optimierte die staatliche Versicherung der DDR mit etwas EDV und gesetzlichen Regelungen den fairen Service für die Bürger in Form weniger Büros in wenigen grossen Städten. Und bitte sage niemand, die DDR-Bürger seien schlechter versichert gewesen als die Bundesbürger seinerzeit!

Wo wie in der DDR der "Berufskraftverkehr" in Form staatlicher Busse zum Nulltarif die Betriebsangehörigen aus den umliegenden Ortschaften in die Grossbetriebe an die Arbeitsplätze karrt, bedarf es weder riesiger Parkplätze noch enormer Staus im Berufsverkehr noch der steuerlichen Vergünstigung für Berufspendler. Gesamtgesellschaftlich ein sehr sinnvolles und effektives System, auch wenn die Familiendroschke auf dem Wunschzettel der Privathaushalte bleibt. Lieblings-Objekt der Begierde: das eigene (!) Auto! Warum also nicht ein Auto über die Arbeitsstelle zugänglich machen? Wer die Norm bringt und gut arbeitet, erhält den Zugang zum car sharing, zum kollektiven Autobestand vor Ort und kann jedes zweite Wochenende sowie im Urlaub eben individuell mit dem Auto reisen. Das ist nicht "das eigene Auto" als Statussymbol im Sinne kleinbürgerlichen Besitzes, wohl aber der Fahrspass und die Auto-Annehmlichkeit in der Freizeit. Gerne für immer mehr Menschen, die motiviert und gut arbeiten. Und wer besonders gut arbeitet, bekommt den Zugang zu einem besonders schönen und grossen Auto!

Wie Du siehst, Bernd1, mache ich mir über die Thematik gesellschaftliche und individuelle Bedürfnisse / Verbesserung der materiellen und ideellen Lebensverhältnisse / Stimulierung der Leistungsbereitschaft in der Volkswirtschaft so meine Gedanken und knüpfe da an meine eigenen Lebenserfahrungen aus DDR-Zeiten und heutigen Zeiten an. Dabei setze ich aber immer gesamtgesellschaftliche Interessen über kleinbürgerlichen Egoismus. Ohne die Frage des Anreizes zu ignorieren, denn Leistung muss stimuliert und honoriert werden.

Eine meiner Meinung nach sehr wichtige Komponenten fehlt noch: der proletarische Internationalismus, die internationale antiimperialistische Solidarität. Es kann also nie nur um das Wohlbefinden der "eigenen" kubanischen oder venezolanischen oder bolivianischen oder oder oder Volkswirtschaft und Gesellschaft gehen. Es kann nicht darum gehen, dass das bitterarme Haiti in einen Topf miteinzahlt wie Venezuela und China, um Investitionsmittel zu erhalten. Sondern Venezuela und andere lateinamerikanische Staaten schreiben solidarische uneigennützige internationalistische Hilfe ganz gross, wenn Haiti beim ALBA-Projekt einbezogen ist. Im gegenwärtigen Kuba dürften viele Menschen geradezu stolz darauf sein, dass ihr kleines Land mit seinen relativ wenigen Naturreichtümern und enormem Mangel an Energieträgern imstande ist, dermaßen grossartige internationalistische Hilfe in Venezuela, Bolivien und weiteren Entwicklungsländern zu leisten. Ist es nicht extrem human und edel, gratis Hunderttausenden heilbar erblindeten Lateinamerikanern nach jahrzehntelangem Leben ohne Augenlicht die Sehfähigkeit durch operative fachärztliche Eingriffe zurückgegeben zu haben? Aus allen Nachbarländern strömen die Blinden derzeit nach Bolivien, nachdem die "Misión Milagro" von kubanischen Ärzten in Venezuela so gut wie beendet worden ist, mit vollem Erfolg. Und natürlich bietet uns hier in der EU keine Buchhandlung jenes kubanische Büchlein an, wo Menschen beschreiben, was sie empfunden haben, als sie nach Jahrzehnten auf ein Mal wieder sehen konnten. Ich habe dieses Buch aufmerksam gelesen. Ich bin ein gestandener ausgewachsener Mann. Ich war zu Tränen gerührt, dermaßen ergreifend sind diese Schilderungen Betroffener aus Venezuela. Und Kubas Fachkräfte und Regierende haben meine absolute Hochachtung.

Übrigens, Bernd1, Miami darf nicht ausgeblendet werden. Dort leben mehr Kubaner als in Santiago de Cuba, der zweitgrössten Stadt in Kuba selbst. Und das sind nicht nur Konterrevolutionäre, sondern auch eben einfach nur Auslandskubaner. Oft mit Bindungen und Verbindungen nach Kuba. Daher ist es nicht richtig zu behaupten, nur in der DDR hätten verwandtschaftliche Beziehungen zu Bundesdeutschen Probleme verursacht. Dasselbe gilt sehr wohl für Kuba. Und die USA sind nach wie vor Ziel der Armutsflüchtlingsströme aus ganz Lateinamerika, wie die EU Ziel der Armutsflüchtlingsströme aus Afrika ist. Spanisch ist mittlerweile in den USA als Sprache verbreiteter als Englisch! Stichwort Chicanos. Wobei eine erhebliche Zahl lateinamerikanischer Armutsflüchtlinge "illegal" in den USA lebt, also als Wählergruppe uninteressant ist, behördlich diskriminiert und verfolgt ist. Für die lateinamerikanische kleine und mittlere Bourgeoisie gehört es zum Statussymbol, so ab und an mal nach Miami einzufliegen und dort zu shoppen. Da können die aufgedonnerten Senoras endlich mal ihren Goldschmuck tragen, "ohne Angst vor Strassenräubern zu haben", wie es in ihren Herkunftsorten der Fall ist... .

Dass Kuba sich am ehesten mit den anderen lateinamerikanischen Ländern vergleicht, ist normal. Die DDR verglich sich auch nicht mit Burma oder Laos, sondern mit Polen und der CSSR. Und diesen Vergleich musste sie auch nicht scheuen. Kuba ist aber auch ein angesehenes Land in der Gruppe der Entwicklungsländer, nahm seinerzeit bei den Nichtpaktgebundenen eine hohe Stellung ein. Kuba engagierte sich auch in Angola, Kubas Ärzte halfen auch in Erdbebengebieten Pakistans in diesen Jahren. Kuba gehörte nie zum "Norden", zu den entwickelten Industrieländern, sondern stets zum "Süden", zu den Entwicklungsländern, zum "Trikont" (Asien, Afrika, Lateinamerika).

Vielen Dank an Pavel und Polly für die Zeilen zur "Kommunistischen Initiative" in Deutschland und meinen diesbezüglichen Fragen hier.

Kommunistische Grüsse in die Runde,
Osiel


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Mi 15. Okt 2008, 20:29 
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Beiträge: 82
@ gast

Die neue Form der Gesellschaft soll eine neue, höhere Ebene sein. Eine Gesellschaftsordnung, nach der sich die Individien sehnen. das, was du da zusammenreimst ist es nicht wert. Dafür wird keiner mehr Revolution machen. Alle zwei Wochen mal ein Auto eventuell fahren dürfen, wenn es genehmigt wird. Wer ist denn dann die Jury die so etwas zubilligt. Das erinnert mich an die Vergabe der Urlaubsreisen durch den FDGB-ler. Zuerst die hübsche Chefsektetärin, danach die Abteilungsleiter und Meister, und dann vielleicht im Dezember bis April mal einer aus der Produktion an die Ostsee. Nein für solch einen Urlaub habe ich mich nie beworben.
Das ist keine Grundlage für eine neue sozialistische Gesellschaftsordnung, in der wir leben wollen.
Natürlich ist es gut, wenn Du dir Gedanken machst, unbestritten.
Aber wenn der Soz.- Kommunismus überhaupt eine Chance haben soll, dann muss er aus der Gesellschaft heraus gewollt sein und es nicht immer wieder nötig haben, erklärt und eingetrichtert werden zu müssen!
Die neue Gesellschaftsordnung muss ein Bedürfniss des großen Teils der Bevölkerung sein. Erst dann kann man von einer mehrheitlichen (bolschewistichen) Bewegung sprechen.
Ohne diese Vorraussetzung ist alles bloßer Ismus. Da reißt Deine Auto-ausleih-station niemand vom Hocker. Da geht keiner zur REVO.
Die Vorzüge der neuen Gesellschaftsordnug- Abschaffung der Ausbeutung, Vollbeschäftigung ect. ect. müssen jetzt immer wieder angeprießen werden und nach der Erringung der Macht und Umgestaltung der Wirtschaft so ergreifend vermittelt werden, wie der Mauerbau im RIAS.
Daran fehlte es dem real existierenden Sozialismus. An der Spritzigkeit und Frische.
Was hilft es dem Volk zu erklären, in der Bundesrepublik kostet eine Straßenbahnfahrt 2,- DM und bei uns nur 20 Pfennige, wenn man 10 mal fahren muss, um alles eingekauft zu haben.
Wie gesagt, - an solchen kleinen, aber lästigen Begebenheiten scheiden sich die Geister und sind auch überflüssig.
Das Neue, nicht herbeigepredigt, sondern herbeigesehnt von der Mehrheit, ist das, was wir brauchen und agitieren müssen, um die revolutionäre Glut zu schüren.
Aber was ist das Neue?

_________________
"Was wäre die Folge, wenn es dem Kapital gelänge, die Republik der Sowjets zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde über alle kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen, man würde die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker vollends knebeln, die Positionen des internationalen Kommunismus würden liquidiert." -Stalin, Werke Band 9, S. 29,


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Mi 15. Okt 2008, 22:31 
Hallo Oszi,

Dein Statement für den Bourgeois-Sozialismus ist ja ganz nett und findet sicherlich bei Brie & Konsorten besten Applaus, die ja auch für ein bissel Sozialismus so im freien Dialog mit jeder Burschenschaft und geduldet von der Hochfinanz sind.

Die Diktatur des Proletariats kommt darin jedoch nicht vor. Und genau sie macht das Wesen der sozialistischen Gesellschaft aus, wenn es um die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gehen soll. Dass der "Grossteil der Bevölkerung" irgendwo "Revolution macht", hast Du sicherlich bei keinem Klassiker des Marxismus-Leninismus lesen können, sondern Dir selbst so zusammengereimt. Meinst Du ernsthaft, dass "der Grossteil der Bevölkerung" Russlands an der Oktoberrevolution beteiligt war? Meinst Du ernsthaft, dass "der Grossteil der Bevölkerung" 1952 in der DDR eine sozialistische Gesellschaft unbedingt aufbauen wollte? Hast Du Dich jemals mit der Frage beschäftigt, was das gesellschaftliche Bewusstsein ausmacht, aus welchen Teilen es besteht? Was beispielsweise "Alltagsbewusstsein" oder "wissenschaftliches Bewusstsein" ist?

Ich weiss nicht, welche Erfahrungen Du mit FDGB-Ferienplätzen hast. Ich fand es super, alle zwei Jahre als Kind mit meiner Schwester und meinen Eltern im Betriebsferienheim der Arbeitsstelle meines Vaters an der Ostsee zwei Wochen FKK zu machen. Meine Eltern oder ich kamen nie auf die Idee, ein eigenes Sommerhaus etwa an der Ostsee besitzen zu wollen. Später mal via FDGB im Vogtland und in Bulgarien jeweils zwei Wochen Urlaub zu machen war super für mich. Im VEB in Berlin 1988 lernte ich eine sehr hübsche junge Meisterin kennen, die mit 20 Jahren als Bestarbeiterin immerhin per FDJ-Auszeichnungsreise in Kuba gewesen war, während meine Antragstellung auf Kubareise bei jugendtourist, dem FDJ-Reisebüro, nie zustandekam. Sie sprach kein Wort spanisch, ich um so besser. Mag sein, dass Du Dich nie dafür beworben hast. Warum Du dafür aber nur andere Leute verantwortlich machst und dies bald 20 Jahre nach dem Ende der DDR bejammern zu müssen meinst, ist mir unverständlich. Unverständlich auch, dass Du für Deine Meinung die "Wir"-Form benutzt. Ich bevorzuge es, auf gleicher Augenhöhe mit meinem Gegenüber zu diskutieren.

Wegen "Abschaffung der Ausbeutung" oder "Vollbeschäftigung" trieb es übrigens keinen Westdeutschen jemals in die DDR. Wohl aber kamen Westdeutsche in die DDR zu Deutschlandtreffen und im Rahmen der Volkskongressbewegung, zu den Weltfestspielen ebenfalls. Die da kamen, waren keine Bevölkerungsmehrheit der Westdeutschen. Sie waren Kommunisten, Friedensaktivisten, Demokraten und Humanisten. Also das, was ich als den besten Teil der kämpferischen Arbeiter- und Volksbewegung bezeichnen würde.

Und Revolutionen wurden nie "gemacht", sondern entstanden jeweils aus einer "revolutionären Situation" heraus. Bei Lenin nachzulesen. Meinst Du wirklich, dass eine solche "revolutionäre Situation" nicht schon sehr bald vorhanden sein kann? Wo doch alle Spatzen "Weltwirtschaftskrise" von den Dächern pfeifen? 1929 wurden 6 Mio Menschen in Deutschland bei einer Einwohnerzahl von ca. 36 Mio Menschen arbeitslos. Heute hat Deutschland ca. 80 Mio Menschen. Laß da mal 15 Mio Menschen arbeitslos sein, schon haben wir da die Proportion der grössten Weltwirtschaftskrise des vorigen Jahrhunderts in Neuauflage. Und dann werden wir erleben können, wie

- die politische Massenaktivität sprunghaft ansteigt (zwangsläufig)
- die herrschende Klasse nicht mehr weiterregieren kann wie bisher
- die unterdrückten Klassen nicht mehr wie bisher beherrscht werden wollen.

Natürlich wartet dann niemand auf mich und meine Verheißungen von Bedürfnisbefriedigung im Sozialismus, denn die Leute wollen sofort was zu futtern haben. Und Sozialismus steht auch nicht auf der Tagesordnung, wenn es darum geht, das herrschende Finanzkapital politisch und wirtschaftlich zu entmachten. Da steht dann erst einmal eine antiimperialistisch-demokratische Ordnung auf der Tagesordnung, wo die Kräfte gebündelt werden müssen, welche wichtig sind, um das Volk an eine sozialistische Revolution heranzuführen. Wer meint, morgen früh halb Fünf die Revolution ausrufen zu können, die bis 10 Uhr dann im Regierungsviertel zu siegen hat, damit wir dann um 10 Uhr den Sozialismus haben, äfft gewisse Trotzkisten nach und drischt lediglich revoluzzerhafte Phrasen.

Dafür rebellieren die Massen jedoch nicht, sie wollen was zu fressen. Und der Klassengegner schläft nie und wird dann sein Konzept sehr wohl anpreisen. Was da heutzutage wohl heisst, per imperialistischem Raubkrieg die letzten Energievorkommen im Osten und Süden zu plündern, und dafür die Arbeitslosen zu Kanonenfutter zu verarbeiten. "Da es nicht für alle auf Erden langen kann", wie der Klassengegner ja mal lauthals, mal unterschwellig schon seit vielen Jahrzehnten massiv propagiert, soll es bitteschön für die ach so "zivilisierten Nationen" dann langen! Germanistan über alles in allen Teilen der Welt ... diesen Gleichschritt kennen wir doch wohl noch.

Oki, dann kommst Du mit "Arbeit für alle" zum Stichwort Vollbeschäftigung und "Abschaffung der Ausbeutung". Meinst Du nicht, dass dies den Menschen sehr abstrakt, sehr unkonkret klingen muss? Die wollen was zu fressen, bitte sehr! Es macht sie ein Geschwätz nicht satt... schon heute gehen vielerorts keine 50% der Menschen mehr zur Wahlurne, weil sie sich von niemandem mehr vertreten fühlen. Auch dies ist eine Abstimmung mit den Füßen. Aber ihren Herren rennen sie doch sehr willig hinterher, immer schön katzbuckelnd und nur nicht aufmuckend. Also voller bester reaktionärer feudaler und bürgerlicher "Tugenden". Und in der Not sehnt dieser Menschentyp sich nach so was wie einst dem Führer, der ihnen allen den Volkswagen verspricht, so sie den Sprit dafür im Befehlsgehorsam mit natürlich äusserster Disziplin herbeikämpfen werden. Dass dies wieder sehr blutig im grossen Trümmerhaufen endet, vergisst "der Grossteil der Bevölkerung" doch einfach erst mal.

Ohne revolutionäre Avantgarde der Marxisten-Leninisten fehlt aufbegehrenden Massen nun mal der Kopf! Diese Avantgarde besteht nicht aus Predigern, sondern aus populären beispielgebenden kommunistischen Kämpfern, die durch ihr Wirken im Alltag eine Anhängerschaft auf der Arbeitsstelle und in der Nachbarschaft einfach haben. Und in den ganz alltäglichen Klassenkampfschlachten trennt sich da ganz alltäglich die Spreu vom Weizen, was so schnell nicht aufhören wird.

Die Bolschewiki waren übrigens keine Mehrheit der Bevölkerung, wie Dein Beitrag unterstellt. Sie waren die Mehrheit innerhalb der SDAPR, der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands. Bolschewiki gibt es im heutigen Deutschland überhaupt keine, weil es keine sozialdemokratische Arbeiterpartei im heutigen Deutschland gibt. Grössere grossbürgerlich-reformistische Parteien gibt es, aber der Grossteil der Bevölkerung steht wohl kaum hinter denen. Dies bemerkt auch das Finanzkapital. Wir gehen also turbulenten Zeiten entgegen, wie krachende Banken und Finanzmärkte eindrucksvoll immer wieder neu in diesen Monaten zeigen.

Kommunistische Grüsse in die Runde,
Osiel


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Do 16. Okt 2008, 10:47 
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Beiträge: 82
@ Gast
Danke für Deine schnelle und umfangreiche Antwort, Gast!
Aber da Du es nun selbst schreibst, dass die bisherigen Revolutionen ohne die Zustimmung des Großteils der Bevölkerung durchgezogen wurden, braucht man sich nicht wundern, dass sie am Ende gescheitert sind.
Der Neuen Gesellschaft fehlt es am "Ei des Kolumbus!" Das sage ich immer wieder.

Es fehlt das Element, das den Fortschritt ausmacht. Solange die Produktivität dem des Kapitalismus hoffnungslos hinterherhängt ist die Neue Welt auch nicht zum Siegen geeignet. Die Revolution muss darauf eine Antwort haben, nicht aber die, wie sie in der DDR im Juni 1953 gesucht wurde: Auf Knochen der Bevölkerung!

Und Du willst deinen Besten Arbeitern alle zwei Wochen mal ein Auto verleihen!

Sicher wurden in der DDR auch Weltreisen vergeben. Nur ich persönlich kenne keinen, der in den Genuss kam - doch - Einen kenne ich: Karl Eduard von Schnitzler. Der prahlte vor dem Fernsehpuplikum mit der "Völkerfreundschaft" Weltreisen gemacht zu haben.

Die Weltfestspiele 1973 habe ich durch meinen Dienst bei der NVA beschützt. Aber auch wenn ich da gerade nicht bei der Fahne gewesen wäre, hätte man mich nicht dazu eingeladen, vielleicht nicht mal geduldet.

Die Volksherrschaft in der DDR wurde inszeniert. Inszeniert, weil das Volk nicht wirklich vom Fortschritt überzeugt war.

Das muss beim nächsten mal unbedingt anders gemacht werden.

_________________
"Was wäre die Folge, wenn es dem Kapital gelänge, die Republik der Sowjets zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde über alle kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen, man würde die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker vollends knebeln, die Positionen des internationalen Kommunismus würden liquidiert." -Stalin, Werke Band 9, S. 29,


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 Betreff des Beitrags: Re: Zurück zur DDR?
BeitragVerfasst: Do 16. Okt 2008, 10:57 
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oszi hat geschrieben:
Aber da Du es nun selbst schreibst, dass die bisherigen Revolutionen ohne die Zustimmung des Großteils der Bevölkerung durchgezogen wurden, braucht man sich nicht wundern, dass sie am Ende gescheitert sind.

Es fehlt das Element, das den Fortschritt ausmacht. Solange die Produktivität dem des Kapitalismus hoffnungslos hinterherhängt ist die Neue Welt auch nicht zum Siegen geeignet. Die Revolution muss darauf eine Antwort haben, nicht aber die, wie sie in der DDR im Juni 1953 gesucht wurde: Auf Knochen der Bevölkerung!


Du solltest unbedingt Linkspartei wählen. Da bist Du richtig mit solchen idelaistisch-träumerischen Ansichten. An der Realität ist das vollkommen vorbei. Oder glaubst Du ernsthaft, die Oktoberrevolution hätte erst durchgeführt werden sollen, wenn die Bolschewiki die Mehrheit des Volkes befragt haben, ob die das wollen? Aber vielleicht wäre Dir ja lieber, die hätten, ganz demokratisch, darauf verzichtet und lieber noch 100 Jahre Zarenherrschaft erduldet.

Hier mal ein Zitat von Numa für Dich:

Zitat:
Unser gegenwärtiges politisches System, die parlamentarische Demokratie, hat zwei Bedinungen: eine innere und eine äußere.

Die äußere besteht darin, daß das Kapital, seit es seine Monopolstruktur augebildet hat, konzentriert agieren kann. Ich spreche von Trusts, Bewußtseinsindustrie, Parteispenden, konzertierten Aktionen, um Einfluß auf die Exekutive zu nehmen. Im 19. Jahrhundert, wo ein Kapitalist seine 100 Arbeiter hatte, konnte er höchstens kommunal, nicht national Einfluß nehmen. Heute besitzen vielleicht 100 Familien den Großteil der nationalen Wirtschaft. Es gibt eine durchaus überschaubare Zahl von Konzernen oder Holdings, die durch ein weit verflechtetes Netz von Lobbyismus Einfluß auf Parteien, Parlament und die staatliche Exekutive nehmen können.

Die innere Bediungung besteht darin, daß jeder Bürger Wahlrecht hat. Auf die Weise ist garantiert, daß immer das dümmstmögliche Wählervotum herauskommt. Denn die Idioten sind und waren zu allen Zeiten und an jeden Ort in der Mehrzahl. Nichts braucht dieses System so wie Menschen, deren Wille leicht zu brechen und deren Geist leicht zu lenken ist.

Der Parlamentarismus ist also die ideale Kombination der beiden Umstände, daß einerseits das Kapital sich zwischen Wählervotum und politische Entscheidung zwischenschalten kann, weil es kein imperatives Mandat gibt und das Lobby- und Parteispendensystem regelt, was zu regeln ist, und andererseits, daß die Diktatur der dummen Mehrheit garantiert, daß das System weder durchschaut noch abgeschafft wird.


Denk mal drüber nach! Mit frommen Wünschen kann man nichts erreichen, außer das.

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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