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 Betreff des Beitrags: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:03 

Beiträge: 122
Guten Morgen,

bei einigen Beiträgen hier im Forum geht es wie in einer Klippschule zu. Da werden große Töne gespuckt, Köpfe verdienter Kommunisten rasiert und auf rrrrrrrrevolutionär gemacht. Die wenigsten der hier im Forum versammelten hat scheinbar ein marxistisches Grundwissen (meine jetzt keinen verballhornten Marxismus a la Marxismus-Leninismus für POSler) und sollten darum erst einmal gründlich Marx, Engels, Lenin etc. lesen und studieren, sich mit der Geschichte ernsthft auseinandersetzen, die Dialektik (somit auch seinen Kopf) gebrauchen und dann evtl. mal einen Mucks von sich geben. Soviel Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit angeblicher Kommunisten ist erbärmlich und beschämend. Mit Marxismus hat das hier im Forum jedenfalls nichts zu tun, eher ähnelt es einem bigotten Kirchenverein oder einer Talmudschule (ewiges Geleier von Phrasen). Schlimm ist, das jeder kluge >Rechte< ein interessanterer Gespächspartner wäre als diese geballte intellektuelle Strohaufen hier.

Tach noch


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:03 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
so der herr "marxist" meint, wir sind also unwissend, großkotzig und ignorant-natürlich ohne angabe eines beweises.
aber du scheinst ja der allwissende zu sein, der die dialektik (also seinen kopf) benutzt und wir sind gar nix.
allein diese aussage, in der übermäßig viel überheblichkeit steckt, macht deutlich, dass du definitiv kein marxist bist. die meißten im forum sind hier noch relativ jung, können also ihr marxistisches wissen aufbessern-ignorant und überheblich sind wir definitiv nicht.
laut deiner "aussagen" bist du es aber auf jeden fall.
wieso stellt sich denn der nette herr oder die nette dame oder was immer du auch sein magst, mal vor und vertritt seine positionen anstatt uns zu beleidigen.
du kannst meinetwegen alles sein-deinem benehmen zu urteilen bist du aber KEIN marxist!
wohl zuviel gesoffen zu silvester und sich etwas mut angesoffen um hier das reinzuschreibven, nicht wahr herr/frau anonymie.
werde erst mal nüchtern und werde deinen kater los, bevor du mal etwas gescheites hierrein schreibst (falls du überhaupt gescheit bist---beleidigungen zeugen eher von mangelnder intelligenz)

tach auch

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:04 
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Beiträge: 4023
Er könnt uns Unwissenden ja mal Marx vorlesen...

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“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:04 

Beiträge: 122
der stalinismus - feind der Arbeiterklasse

http://www.marxists.org/deutsch/archiv/ ... /index.htm


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:05 
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Beiträge: 4023
Du hast da einen Schreibfehler. Es muss nicht "Stalinismus" sondern "Trotzkismus" heissen.

Trotzki und die Konterrevolution

In der Tat war es 1936 für jedermann, der den Klassenkampf auf internationaler Ebene aufmerksam analysierte, offensichtlich, dass Trotzki soweit herabgesunken, degeneriert und verkommen war, dass er zum Spielball, zur Marionette der antikommunistischen Kräfte aller Schattierungen geworden war. Trotzki, eine Persönlichkeit, von sich eingenommen und eingebildet bis aufs letzte, schrieb sich selbst in dem Maße eine planetenhaft historische Rolle von immer größerer Grandiosität zu, je unbedeutender die ihm umgebene Clique wurde. Alle seine Kräfte waren auf ein einziges Ziel gerichtet: die Zerstörung der Partei der Bolschewiki, was die Machtübernahme durch Trotzki und die seiner Anhänger ermöglichen sollte. Als perfekter Kenner der Partei der Bolschewiki und ihrer Geschichte wurde Trotzki in der Tat zu einem der größten Experten der Welt im antibolschewistischen Kampf. Um seine Ideen festzuhalten, zitieren wir einige öffentliche Stellungnahmen Trotzkis vor der Wiederaufnahme der Kirow-Affäre im Juni 1936. Sie werfen ein neues Licht auf Sinowjew, Kamenew, Smirnow und alle diejenigen, die in das Komplott mit Trotzki verwickelt waren.



Die kommunistische Bewegung zerstören

Trotzki erklärte ab 1934, dass Stalin und die kommunistischen Parteien für die Machtübernahme Hitlers verantwortlich seien. Um Hitler zu stürzen, muss man zuerst die kommunistischen Parteien „erbarmungslos“ zerschlagen! „Der Sieg Hitlers wurde durch die verächtliche und kriminelle Politik der Komintern provoziert“ „Ohne Stalin hätte es keinen Sieg Hitlers geben können“

„Die stalinisierte Komintern sowie die stalinische Diplomatie haben jeder von ihrer Seite aus Hitler in den Sattel geholfen“

„Die Bürokratie der Komintern hat im Einklang mit der Sozialdemokratie alles ihr mögliche getan, um Europa und selbst die ganze Welt in ein faschistisches Konzentrationslager zu verwandeln.“

„Die Komintern hat eine der wichtigsten Bedingungen für den Sieg des Faschismus geschaffen. Um Hitler zu stürzen, muss mit der Kornintern Schluss gemacht werden“

„Arbeiter lernt es, diese verbrecherische Bürokratie zu verachten!“

„Die Arbeiter müssen die Theorie und Praxis des bürokratischen Abenteuertums unerbittlich aus der Arbeiterbewegung austilgen“

Somit meinte Trotzki zu Beginn des Jahres 1934, nachdem Hitler seit kaum einem Jahr an der Macht war, dass man zum Sturz des Faschismus zuerst die internationale kommunistische Bewegung zerschlagen müsse! Das ist ein „prächtiges“ Beispiel dieser antifaschistischen Einheit, von der die Trotzkisten demagogisch sprachen.

Erinnern wir uns, dass Trotzki zur gleichen Zeit behauptete, dass die Kommunistische Partei Deutschlands sich geweigert hätte, eine Einheitsfront mit der SPD zu bilden und dass sie folglich durch ihr extremes Sektierertum für die Machtergreifung Hitlers verantwortlich wäre. In Wirklichkeit war es gerade die Sozialdemokratische Partei Deutschland, die durch ihre verbissene Politik der Verteidigung des kapitalistischen Regimes in Deutschland jegliche antifaschistische und antikapitalistische Einheitsfront zurückgewiesen hat. Und Trotzki schlug vor, die einzige Kraft, die dem Nazismus wirklich einen Kampf geliefert hat, auszulöschen. Schon 1934 kolportierte Trotzki bereits seine berühmte These, dass die Sowjetunion in vielen Zügen einem faschistischen Staat ähnlich sei, um die rückständigsten Schichten des Volkes gegen die bolschewistische Partei aufzustacheln.

„In der letzten Periode hat sich auch die Sowjetbürokratie so manche Züge des siegreichen Faschismus zu eigen gemacht, besonders die Befreiung von der Kontrolle der Partei und die Einführung des Führerkults.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:05 
Moderator

Beiträge: 384
Achso, Trotzkist bist du, das musst du uns schon sagen, sonst denken wir am Ende noch man könne mit dir diskutieren oder du würdest uns den Luxus eines Arguments gewähren.

Interessant, daß jemand, der eine nicht im mindesten begründete Behauptung vorlegt, uns vorwirft, daß wir nicht begründen könnten.

Sag uns, worauf du dich beziehst, soviel Fairness wird doch drin sein. Wir werden dann gerne mal Stellung nehmen, es sei denn, du hast solche phantastischen Argumente in Petto wie "Stalin ist die Konterrevolution, Trotzki ist das einzig Wahre usf." und das dann nicht belegst. Parolen und Beschimpfungen brauchen wir hier nicht, und wir teilen nur welche aus, wenn man uns so kommt, daß man nicht anders reagieren kann.

Du kommst niccht zufällig aus Berlin, oder?


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:06 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
aufgrund der widerlichen ausdrucksweise unseres herrn/unserer dame Anonym, hätte ich mir ja denken können, dass es sich bei diesem subjekt nur um einen trotzkisten handeln könnte.
uns als arbeiterfeinde darzustellen, aber selber kollaborant des faschismus zu sein.
und ich war noch so dämlich dich in verbindung zum marxismus-leninismus zu bringen. diese beleidigung (für uns, die forumsleute) nehem ich natürlich zurück
eher wird ein protestant papst, als dass du dich als marxist bezeichnen könntest.
(gut du wirst vielleicht sagen, dass mir dazu die argumente fehlen. nun diese sind vorhanden---es wurde schon viel über den trotzkismuis hier geschrieben, aber wo bleiben da deine gegenargumente???)

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:06 
Literat

Beiträge: 2947
Daniel, kannst du bitte mal die Quelle des von dir zitierten Textes angeben. Der kommt mir irgendwie bekannt vor.

Lieber Trotzkist.
Drei Vorwürfe hast du für uns parat. "Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit". Ein Dreiklang klingt gut. Aber ich muß trotzdem darauf verweisen, daß Unwissenheit die ziemlich genaue Übersetzung des Wortes Ignoranz ist und diese beiden Vorwürfe also einer sind. Nun muß man aber wissen, daß dieser Vorwurf auf uns nicht zutrifft. Und das wiederum wüßtest du, wenn du im Forum mal ein wenig herumgelesen hättest. Hier wurde einiges zu den bewußten Themen geschrieben, was auch erstmal widerlegt werden müßte. Desweiteren findest du unter stalinwerke.de auch Texte von Leuten wie Bucharin, Chruschtschow und Trotzki. Ich kenne keine Trotzki-Seite, die Stalintexte ausstellt (- was natürlich daran leigt, daß ein wirklicher Vergleich zwischen Trotzki und Stalin ersterem nicht gut zu Gesicht steht). Aber vielleicht erklärst du dich mal genauer über die Ungeheuerlichkeiten dieses Forum, weil ich anders den Eindruck nicht loswerde, daß dein an uns gerichteter Vorwurf der Ignoranz auf deiner höchsteigenen Ignoranz basiert.
Der Vorwurf der Großkotzigkeit ist ebenfalls ungerecht, da er nur auf mich und nicht auf die anderen im Forum zutrifft. Ich will keinem Mitglied zu nahe treten und wenn jemand meint, er sei auch großkotzig, dann soll er sich melden, so aber muß ich dir sagen: Du solltest meine Großkotzigkeit nicht mit dem Forum identifizieren. Und hieran anknüpfend also mein Vorschlag: Wenn du meinst, soviel mehr auf dem Kasten zu haben, dann bitte ich um ein Probe, dann steigen wir beide mal in den Ring. Nur gleich mal vorweg: Mit sektiererischer Buchstabengläubigkeit kommst du bei mir nicht weit.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:07 
Administrator
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Beiträge: 4023
Ludo Martens.
http://www.stalin-anders-betrachtet.de/sab/sab-021.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:08 

Beiträge: 131
23Nov 1933 Pazifist Hitler von Leo Trotzki

Hab den Text gelesen hm...


Soviel ich verstanden habe,ist es so:
Hitler ist ein Pazifist,weil er den Frieden will,doch verdeckt rüstet er auf.Doch er ist Pazifist,weil er den Frieden will und versucht während der Aufrüstung jeden Krieg zu meiden.


Nun,die Fehler:Jemand der Frieden will um nachher einen Krieg zu beginnen,ist kein Pazifist.
Hitler rüstete aber auch im Krieg weiter,was klar ist,wo bleibt da der Pazisfismus.
Hitler würde keine Präventivkriege sondern Agressionskriege führen,weil der Nationalsozialismus agressiv und imperialistisch ist,wie Hitler es mit ``unser Lebensraum im Osten `` bezeichnete.
Ausserdem hätte Trotzki sehen müssen,dass Hitler ein Krieg nach dem anderen starten würde,ein Land nach dem anderen angreifen würde,was ja klar war,doch das sah er nicht.Wie pazifistisch Hitler war,sahen wir von 1939 bis 1945,wäre er Pazifist würde er keinen Kieg beginnen und wäre dagegen was es auch koste.

Das Lustigste:`` diesem Rahmen ist sein Pazifismus durchaus aufrichtig. Aber auch nur in diesem Rahmen.``

Es ist kein aufrichtiger Pazifismus,wenn man rüstet,aber unbedingt Frieden will,koste es was es wolle.Denn wieso will er Frieden?Weil er nachher Krieg beginnen kann.Wirklich.....Hitler als Pazifisten zu bezeichnen,und das ``nur in diesem Rahmen`` macht es nicht gerade besser.

Aber ich habe den Text nicht so sorgfältig gelesen,liest lieber selber nach:

Hitler will Frieden. Seine Reden und Interviews über dieses Thema sind auf einem Schema aufgebaut, das nicht neu ist: Der Krieg sei außerstande, auch nur eine Frage zu lösen, der Krieg bedrohe die besten Rassen mit Vernichtung, Krieg bedeute den Untergang der Kultur. Die klassische Argumentation des Pazifismus, die jahrhundertealt ist. Umso erfreulicher, wenn es dem Reichskanzler so rasch gelungen ist, einige ausländische Journalisten von seiner unbedingten Aufrichtigkeit zu überzeugen. Zwar könnte ein anderer Pazifist, an dessen Aufrichtigkeit es jedenfalls keinen Zweifel geben kann, Carl v. Ossietzky, fragen, warum man ihn eigentlich weiter im Konzentrationslager hält, wo doch sein Grundgedanke eifrig, wenn auch nicht sehr talentvoll, vom heutigen Regierungsoberhaupt entwickelt wird? Aber Ossietzky ist ja deswegen isoliert worden, damit er keine unbequemen Fragen stellt.

Die Überzeugungskraft der Argumente Hitlers liegt in ihrer Massivität. Alle Minister, alle Redner, alle Zeitungen beteuern, das Dritte Reich sei ausersehen, die Völkerverbrüderung zu verwirklichen. Wenn das gesamte nationalsozialistische Deutschland lernt, die Waffe zu handhaben, so geschieht das nur dazu, um seinen Haß gegen den Krieg zu schüren. Sogar v. Papen, der noch am 3. Mai dieses Jahres predigte, für den echten Deutschen zieme es sich, jung auf dem Schlachtfeld und nicht an Alterssklerose zu sterben, wird heute nicht müde zu wiederholen, nichts sei würdiger, als seinen Atem friedlich inmitten von Enkeln und Urenkeln aufzugeben.

Europas Völker wollen leidenschaftlich die Wahrung des Friedens. Kein Wunder, wenn sie den Versuch machen, der massiven Argumentation Berlins hoffnungsvoll zu lauschen. Die Zweifel zu ersticken fällt jedoch nicht leicht. Viele fragen: Wie verhält es sich dann aber zum Beispiel mit Hitlers Autobiographie, die doch ganz auf dem Gedanken von der Unversöhnlichkeit der Interessen Deutschlands und Frankreichs aufgebaut ist? Die beruhigende Erklärung lautet: Die Autobiographie wurde im Gefängnis geschrieben, als die Nerven des Verfassers nicht in Ordnung waren, und offenbar nur durch die Nachlässigkeit des Propagandaministers hat das unausgewogene Buch bis zu diesem Tag als Grundlage der nationalen Erziehung gedient. Sobald die Frage der „Gleichberechtigung“ zugunsten des Dritten Reiches gelöst ist, wird Hitler eine neue, befriedigendere Ausgabe in Druck geben. Nannte sich das Buch bis jetzt Mein Kampf, wobei der Hauptgegenstand von Mein Kampf der Versailler Vertrag war, so wird die Autobiographie in Zukunft offenbar Mein Frieden heißen und als Beigabe ein Gutachten nationalsozialistischer Ärzte erhalten, daß Hitlers Nerven nun vollständig in Ordnung sind. Und der Leipziger Prozeß zeigt, daß gerichtsmedizinische Gutachten im Dritten Reich Anspruch auf uneingeschränktes Vertrauen haben.

Gäbees auf der Welt bloß Aufrichtigkeit und Friedensliebe, sowäre das Leben vermutlich eine ewige Freude. Zum Unglückleben neben diesen Tugenden auch Dummheit und Vertrauensseligkeit. Und liest man die internationale Tagespresse, so sagt man sich zuweilen: Das Übergewichtbeginnt sich anscheinend auf die Seite der vertrauensseligen Dummheit zu neigen. Wer wird dafür zahlen müssen?

Der Verfasser hat schon einmal in der Neuen Weltbühne versucht, die Aufmerksamkeit der Leser auf ein bemerkenswertes politisches Dokument zu lenken, nämlich Hitlers Offenen Brief an den Reichskanzler v. Papen. Leider scheint unsere schwache Stimme ihr Ziel nicht erreicht zu haben. Der Offene Brief wurde nicht, wie wir hofften, zum Handbuch jeder Redaktion und jeder diplomatischen Kanzlei. Aber er hätte das vollauf verdient. Die kürzlich veröffentlichten geheimen Dokumente der deutschen Propaganda sind auch sehr lehrreich, ohne Zweifel; doch sie haben den Nachteil, geheim zu sein. Stets können sie als Fälschungen verdächtigt werden. Der Offene Brief ist kein Geheimdokument. Es ist das eine Broschüre, die offiziell von der Nazipartei am 16. Oktober 1932 herausgegeben wurde, drei Monate vor Hitlers Machtantritt. Sein Nervensystem war zu jener Zeit, so ist anzunehmen, nach den Prüfungen von 1923 wiederhergestellt. Hitler fühlte sich schon fast am Ruder. Es blieb ihm nur noch übrig, das letzte Hindernis aus dem Weg zu räumen: Die herrschenden Klassen blickten auf ihn voll Hoffnung, doch nicht ohne Beklemmung. Am meisten fürchteten sie ein Abenteuer des romantischen Chauvinismus. Zweck des „Offenen Briefes“ war, den Spitzen der besitzenden Klassen, der Bürokratie, der Generalität, der engeren Umgebung Hindenburgs zu versichern, daß er, Hitler, im Gegensatz zu dem leichtsinnigen Revancheritter Papen, auf sein Ziel mit der größten Behutsamkeit zugehen werde. Der Offene Brief enthielt ein vollendetes System der Außenpolitik, das erst heute seine volle Bedeutung gewinnt.

Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund wurde in der ganzen Welt als eine unerwartete und unvernünftige Improvisation aufgefaßt; doch im Offenen Brief ist genau gesagt, warum Deutschland Genf würde verlassen müssen und wie dieser Bruch zu inszenieren sei. Der außerordentliche Wert des Briefes besteht darin, daß Hitler – in jenen Tagen noch gezwungen zu kämpfen und zu polemisieren – unvorsichtig die geheimen Triebfedern seiner künftigen Außenpolitik bloßlegte. Der Ausgangspunkt des Briefes ist derselbe wie in der Autobiographie: Deutschlands und Frankreichs Interessen sind vollständig unversöhnbar, Frankreich kann nicht freiwillig in die Veränderung des Kräfteverhältnisses zugunsten Deutschlands einwilligen, Deutschland kann die „Gleichberechtigung“ nicht durch Diskussion auf den internationalen Konferenzen erreichen; damit die internationale Diplomatie Deutschlands Recht auf Aufrüstung anerkenne, ist es nötig, daß die Deutschen vorher aufgerüstet haben. Aber gerade darum darf man nicht wie Papen – laut die Aufrüstung Deutschlands fordern. Das ist eine Losung für eine „Volksbewegung“, aber keinesfalls für die Diplomatie. Eine verantwortungsbewußte Regierung – das heißt die Regierung Hitler und nicht Papen – soll nur die Abrüstung Frankreichs fordern. Da aber Frankreich auf keinen Fall darauf eingehen kann, so wird Deutschland den Völkerbund verlassen müssen, um eben dadurch freie Hand zu bekommen. Für den Krieg? Nein. Deutschland ist bis jetzt noch zu schwach, als daß seine Regierung in der nächsten Zeit eine andere Sprache als die des Pazifismus reden könnte. Indem es sich auf die „Gefahr“ beruft, die vom Osten droht, und den Antagonismus zwischen den Weststaaten ausnutzt, muß Deutschland die Basis seines Militarismus allmählich wieder aufbauen, vom Allgemeinen übergehend zum Besonderen und Speziellen. Für dieses Werk bedarf es eines nationalen Schweigekomplotts: Vor allem die Ossietzkys hinter Schloß und Riegel! Das Instrument des Pazifismus muß die verantwortliche Regierung selbst in die Hand nehmen. Auf diesem Wege wird es im Verlauf von einigen Jahren gelingen, eine gründliche Änderung des Kräfteverhältnisses zuwege zu bringen. Danach wird man von Mein Frieden wieder übergehen können zu Mein Kampf und sogar zu Mein Krieg.

Dasist Hitlers Plan. Dieser Plan entspringt der ganzen Lage, der internationalen wie der inneren. Hitler selbst hat dafür gesorgt, der Menschheit den Schlüssel – oder, um einen passenderen Ausdruck zu gebrauchen, den Dietrich – zu seiner künftigen internationalen Politik zu liefern. Bei aller Bedeutung der Zeugenaussagen zweier gerührter Journalisten ziehen wir vor, uns auf Hitlers eigene Aussage zu stützen, die durch ein eindrucksvolles System direkter und indirekter Beweise erhärtet wird.

Aus Tatsachen, selbst wenn sie unerschütterlich feststehen, kann man verschiedene praktische Schlüsse ziehen. Hitlers Politik kann man verschieden beantworten. In der Absicht des vorliegenden Aufsatzes liegt es am allerwenigsten, denen, die Europas Schicksal fabrizieren, irgendwelche Ratschläge zu erteilen; sie wissen vermutlich selbst, was sie zu tun haben. Doch Voraussetzung einer realistischen Politik, was immer ihre Ziele und Methoden sein mögen, ist ein klares Verständnis der Lage und ihrer treibenden Kräfte. Man muß sehen, was ist. Hitler verließ Genf nicht infolge einer nervösen Improvisation, sondern gemäß einem exakt kalkulierten Plan. Hitler hat sich das nationale Schweigekomplott gesichert. Er arbeitet auf eine gründliche Veränderung des militärischen Kräfteverhältnisses hin. Gerade jetzt, wo diese Arbeit schon begonnen ist, aber bei weitem noch nicht entscheidende Ergebnisse erzielt hat, braucht Hitler größte Behutsamkeit in der europäischen Arena. Niemanden schrecken, niemanden reizen; im Gegenteil: Weit die Arme öffnen! Hitler ist bereit, alle Zäune aller Kriegsfabriken mit pazifistischen Reden und Nichtangriffspakten zu bekleben. Paris ist eine Messe wert! Bedarf es einer klaren, einfachen, nicht diplomatischen Formel für die pazifistische Offensive der deutschen Regierung, so lautet sie: In den nächsten zwei, drei Jahren muß Hitler, koste es was es wolle, einen Präventivkrieg von seiten seiner Gegner verhindern. In diesem Rahmen ist sein Pazifismus durchaus aufrichtig. Aber auch nur in diesem Rahmen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:10 

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Es ist wie gehabt. Die Dummen sind bei den stalinistischen "Clubs"


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:11 
Held der Arbeit
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Beiträge: 286
fettes argument!

du solltest einen orden erhalten!

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Bild N + A Bild


Bild ich liebe die liebe, die liebe liebt mich. und die, die ich liebe, die liebt auch mich! Bild


Otto Grotewohl, Ministerpräsident der DDR, zum 17. Juni 1953:
"Viele klassenbewußte Arbeiter, die Zeugen der Ereignisse des 17. Juni waren, erklärten: Wir haben manchen Streik erlebt, aber wo Arbeiterheime zerstört, volkseigene Geschäfte geplündert und rote Fahnen heruntergerissen und verbrannt werden, dort kann von einem Kampf um Arbeiterinteressen nicht mehr die Rede sein, dort ist der Klassenfeind am Werk."
("Otto Grotewohl - Im Kampf und die einige Deutsche Demokratische Republik - Reden und Aufsätze, Auswahl aus den Jahren 1945-1953", Dietz Verlag Berlin, 1954, Band III, S. 436/437)


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:11 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
Es ist wie gehabt. Die Dummen sind bei den stalinistischen "Clubs"


Ja, da hast Du Recht.

Aber wir sind kein stalinistischer Klub.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:13 
Literat

Beiträge: 2947
Also wenn wir nicht aufpassen, argumentiert uns der gute Trotzkist noch in Grund und Boden. Vielleicht sollten wir das Forum schließen, jetzt, da er uns die Augen geöffnet hat.

Cenk, der Sprachgebrauch Trotzkis ist in der Tat merkwürdig. Jemand, der, um für einen Angriffskrieg zu rüsten, in die Defensive geht, ist in keiner Weise ein Pazifist. Auch von Aufrichtigkeit kann gerade nicht gesprochen werden, da der endliche Zweck über den Charakter einer Handlung entscheidet. Aber das Interessante an Trotzkis theoretischen Ergüssen ist eben nicht, daß er "hätte sehen müssen", daß ... - Das Interessante ist, daß er es alles gesehen und dennoch sich so verhalten hat. Trotzki hat Hitler zu keiner Zeit verkannt. Dieser Text ist zweifellos politisch begründet. Man müßte, um dem Hintergrund auf die Spur zu kommen, die genaue Entstehungsgeschichte des Textes untersuchen. Trotzki konnte sich sicher sein, daß jede seiner Äußerungen in der Sowjetunion bekannt werden würde. Die Frage ist, was er mit dieser hier beabsichtigt hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:14 

Beiträge: 122
Zitat:
Cenk, der Sprachgebrauch Trotzkis ist in der Tat merkwürdig. Jemand, der, um für einen Angriffskrieg zu rüsten, in die Defensive geht, ist in keiner Weise ein Pazifist. Auch von Aufrichtigkeit kann gerade nicht gesprochen werden, da der endliche Zweck über den Charakter einer Handlung entscheidet. Aber das Interessante an Trotzkis theoretischen Ergüssen ist eben nicht, daß er "hätte sehen müssen", daß ... - Das Interessante ist, daß er es alles gesehen und dennoch sich so verhalten hat. Trotzki hat Hitler zu keiner Zeit verkannt.


Typisch Trotzki!!!!!!!


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:14 
Moderator

Beiträge: 384
Ich komme bei euch anonymen Usern ein bißchen durcheinander. Könntet ihr euch bitte irgendwelche Namen ausdenken, mit Hilfe derer man euch auseinanderhalten und anreden kann?


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:15 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
Ich komme bei euch anonymen Usern ein bißchen durcheinander. Könntet ihr euch bitte irgendwelche Namen ausdenken, mit Hilfe derer man euch auseinanderhalten und anreden kann?


Dann wären sie ja nicht mehr anonym.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:15 
Literat

Beiträge: 2947
Hier einen Auszug aus Lion Feuchtwangers "Moskau 1937" (aucxh allen "Anonymen Usern" zur Lektüre zu emfehlen):


Es gibt also, wie sich soeben gezeigt hat, Männer, die sich sowohl als Kämpfer wie als Organisatoren industrieller und bäuerlicher Arbeit bewährt haben. Josef Stalin scheint mir ein solcher Mann. Er hat eine kriegerische, revolutionäre Vergangenheit; die siegreiche Verteidigung der Stadt Zarizyn, die heute seinen Namen trägt, ist auf ihn zurückzuführen, und sein Bericht an Lenin aus dem Herbst 1918, ein Bericht von siebzig Zeilen, bewirkte die erfolgreiche Veränderung des gesamten Kriegsplans. Das Werk des Organisators Stalin aber, die Errichtung der sozialistischen Wirtschaft, übertrifft wohl noch die Leistung des Kämpfers. Das Selbstporträt, das Leo Trotzki von sich entwirft, seine sehr gut geschriebene Autobiographie, bemüht sich, nachzuweisen, daß auch er, Trotzki, ein ähnlich begabter Mann sei, ein großer Kämpfer ein großer Anführer im Aufbau. Allein gerade dieser Versuch, sicherlich von dem besten Advokaten Trotzkis unternommen, eben von ihm selber, scheint mir zu beweisen, daß, bestenfalls, Trotzkis Verdienste beschränkt blieben auf die Zeit des Krieges. Sicher ist Trotzkis Autobiographie das Buch eines ausgezeichneten Schriftstellers und vielleicht auch eines tragischen Menschen. Nicht aber spiegelt dieses Selbstporträt einen großen Staatsmann wider. Dafür fehlen, scheint mir, dem Porträtierten Maß, Überlegenheit, Blick für die Realität. Beispielloser Hochmut läßt ihn immerzu die Grenzen des Möglichen übersehen, und so liebenswert ein Schriftsteller ist, der Unmögliches begehrt, so sehr muß solche Maßlosigkeit die Konzeption des Staatsmanns gefährden. Trotzkis Logik schwebt, scheint mir, in der Luft; sie ist nicht untermauert mit jener Kenntnis von menschlichen Seelen und menschlichen Gegebenheiten, die allein dauerhafte politische Erfolge gewährleistet. Trotzkis Buch ist haßvoll, subjektiv von der ersten bis zur letzten Zeile, leidenschaftlich ungerecht; immerzu mischt sich da Wahrheit und Dichtung. Das gibt dem Buch viele Reize; für das Urteil eines Politikers aber ist eine solche Mentalität wenig vorteilhaft. Meines Bedünkens erhellt schon ein einziges winziges Detail blitzartig die Überlegenheit Stalins über Trotzki. Dieses: Stalin gab Weisung, in die große, amtliche, von Gorki redigierte `Geschichte des Bürgerkriegs´ ein Porträt Trotzkis aufzunehmen; Trotzkis Buch hingegen hat für Stalin nur Haß und Hohn und verkehrt alle seine Verdienste hämisch ins Gegenteil. Freilich ist es für den überwundenen Mann schwer, objektiv zu bleiben. Das weiß Trotzki natürlich, ja, er formuliert es in schönen Sätzen. "Ich bin nicht gewohnt", schließt das Vorwort seines Buches, "historische Perspektiven unter dem Gesichtswinkel des persönlichen Schicksals zu betrachten. Die Gesetzmäßigkeit der Ereignisse erkennen und in dieser Gesetzmäßigkeit seinen Platz finden, ist die erste Pflicht des Revolutionärs. Und die höchste, persönliche Befriedigung, die einem Manne zuteil werden kann, der seine Aufgabe nicht an den Tag bindet." Schärfer, scheint mir, kann niemand die Gefahr bezeichnen, die Trotzki nach seinem Sturze lief, die Gefahr jedes Besiegten, die Gefahr nämlich, "historische Perspektiven unter dem Gesichtswinkel des persönlichem Schicksals zu betrachten". Trotzki sah diese Gefahr, er erkannte den Fehler, der so nahe lag und der ihn locken mußte. Er kannte ihn, beschloß, ihn nicht zu machen, und machte ihn. Er sah das Bessere und tat das Schlechtere. Trotzki scheint mir der typische Nur-Revolutionär; sehr verwendbar in den Zeiten pathetischen Kampfes, doch nicht mehr zu brauchen, wenn es um ruhige, stetige, planvolle Arbeit geht und nicht mehr um pathetische Übersteigerung. Sowie die heroische Zeit der Revolution vorbei war, verzerrte sich Trotzki die Welt und die Menschen, und er begann, alle Dinge falsch zu sehen. Hartköpfig, während Lenin längst seine Anschauungen den Tatsachen angepaßt hatte, hielt Trotzki fest an jenen Prinzipien, die sich während der heroisch-pathetischen Epoche bewährt hatten, und die schief werden mußten in dem Augenblick, da man sie auf die Aufgaben anwenden wollte, die der Alltag stellte. Trotzki versteht es – auch sein Buch zeigt das – im Augenblick großer Erregung Massen hinzureißen. Sicher konnte er in pathetischen Stunden einen Strom von Enthusiasmus entfesseln. Was er aber nicht konnte, das war diesen Strom "kanalisieren", ihn für den Aufbau eines großen Staates verwerten. Das kann Stalin. Trotzki ist der geborene Schriftsteller. Seine liebevollen Schilderungen literarischer Tätigkeit lesen sich gut, und ich glaube ihm aufs Wort, wenn er sagt: "Ein gutgeschriebenes Buch, in dem man neue Gedanken findet, und eine gute Feder, mit der man seine eigenen Gedanken ändern mitteilen kann, waren mir stets und sind mir noch die wertvollsten und mir vertrautesten Kulturprodukte". Trotzkis Tragik ist, daß er sich nicht damit begnügte, ein großer Schriftsteller zu sein. Diese Ungenügsamkeit machte ihn zu einem zänkischen Doktrinär, der zahllose Menschen über dem Unheil, das er anstiftete und anstiften wollte, seine Verdienste vergessen ließ. Ich kenne ihn gut, diesen Typ des Schriftstellers und Revolutionärs, wenn auch nur in kleinem Format. Gewisse Führer der deutschen Revolution, die Kurt Eisner und Gustav Landauer, hatten vieles mit Trotzki gemein, freilich in Miniaturausgabe. Das starre Festhalten an einem Dogma, die Unfähigkeit, sich veränderten Verhältnissen anzupassen, kurz das Fehlen praktischer politischer Psychologie, machte diese Theoretiker und Doktrinäre nur für kurze Zeit tauglich zu politischem Handeln. Die größere Zeit ihres Lebens waren sie gute Schriftsteller, keine Politiker. Sie fanden nicht den Weg zum Volk. Sie verstanden zu wenig von Volks- und Massenpsychologie. Sie fühlten sich den Massen, aber die Massen sich nicht ihnen verbunden. Gewiß beruht der große Konflikt zwischen Trotzki und Stalin auf Meinungsverschiedenheiten in den entscheidenden Punkten, aber diese Meinungsver- schiedenheiten stammen aus tieferem Zwiespalt. Es war das Wesen der beiden Männer, das sie zu gegensätzlichen Auffassungen gelangen ließ in wichtigsten Fragen der russischen Revolution, in der Frage des Nationalitätenproblems, des Bauernproblems und in der Frage, ob der Aufbau des Sozialismus in einem einzigen Lande möglich sei. Stalin vertrat die Meinung, voller, verwirklichter Sozialismus könne geschaffen werden auch ohne Weltrevolution, ja, bei Wahrung der nationalen Interessen der einzelnen Sowjetvölker, er könne geschaffen werden in einem einzigen Lande; er glaubte, der russische Bauer trage die Möglichkeit des Sozialismus in sich. Trotzki bestritt das. Er erklärte für die notwendige Voraussetzung des Sozialismus die Weltrevolution, er hielt starr an der marxistischen Lehre vom absoluten Internationalismus fest, er vertrat die Taktik der permanenten Revolution und demonstrierte mit einem großen Aufgebot an Logik die Richtigkeit des marxistischen Satzes, der Aufbau des Sozialismus in einem einzigen Land sei unmöglich. Spätestens im Lauf des Jahres 1935 erkannte alle Welt, daß der Sozialismus in Einem Land aufgebaut war, und daß obendrein die militärischen Mittel geschaffen waren, diesen Aufbau gegen jeden denkbaren Gegner zu verteidigen. Was konnte Trotzki tun? Er konnte schweigen. Er konnte sich geschlagen geben und erklären, er habe sich geirrt. Er konnte sich mit Stalin aussöhnen. Er konnte das nicht. Er konnte sich nicht überwinden. Der Mann, der so vieles gesehen hatte, was die Anderen nicht gesehen, sah jetzt nicht, was jedes Kind sah. Die Ernährung klappte, die Maschinen funktionierten, Rohstoffe wurden gefördert wie nie zuvor, das Land war elektrifiziert, motorisiert. Trotzki wollte es nicht wahrhaben. Er erklärte, gerade daß das alles so schnell erreicht worden sei, das fieberhafte Tempo des Aufbaus, bedinge seine Brüchigkeit. Die Sowjetunion, der "Stalinstaat", wie er sie nannte, müsse über kurz oder lang von alleine zusammenbrechen, und bestimmt müsse er zusammenbrechen, sowie die faschistischen Mächte ihn angriffen. Und Trotzki erging sich in maßlosen Ausbrüchen des Hasses gegen den Mann, in dessen Namen der Aufbau verwirklicht worden war. Versuchen wir jetzt, uns in diesen Mann Stalin hineinzuversetzen. Der hatte sich schon sehr früh mit jenen Ideen befaßt, deren Lösung nicht während des Krieges, aber unmittelbar hernach dringlich werden mußte. Schon im Jahr 1913 hat Lenin an Gorki geschrieben: "Wir haben jetzt einen wundervollen Grusier hier, der an einem großen Artikel über die nationale Frage arbeitet, eine Frage, mit der man sich ernstlicher befassen müsste." Stalin befaßte sich. Hatte Ideen. Bewährte sich als Organisator. Aber Stalin ist kein Blender, er blieb im Hintergrund neben dem blendenden, geschäftigen Trotzki. Trotzki ist ein guter Redner, vielleicht der beste unter den Lebenden, er fasziniert. Stalin spricht, wie ich schon ausführte, nicht ohne Humor, doch umständlich, nüchtern. Die Popularität, die dem Anderen zuflog, er mußte sie sich in zäher Arbeit erwerben. Er steht einzig und allein auf seiner Leistung. Der nicht immer echte Glanz Trotzkis machte also lange Jahre hindurch das wesenhaftere Verdienst Stalins weniger sichtbar. Aber als die Zeit gekommen war, daß die Ideen des Nur-Kämpfers Trotzki anfingen, falsch zu werden und zu verfaulen, da war er es, Stalin, der das als Erster sah und aussprach. Schon im Dezember 1924 hatte er sich zu der klaren Erkenntnis durchgerungen, daß, im Ge- gensatz zur bisherigen Theorie, der Aufbau einer vollständigen sozialistischen Gesellschaft in einem einzigen Lande möglich sei, und konsequent, deutlicher noch als Lenin und in viel schärferer Formulierung, zeigte er schon damals die Wege zu diesem Aufbau: verstärkte Industrialisierung des Landes und zugleich genossenschaftliche Zusammenfassung der Bauern. Unzweideutig verkündete er, was bisher bestritten worden war, daß nämlich bei richtiger Parteipolitik der entscheidende Teil der russischen Bauernschaft in die sozialistische Gesellschaft miteinbezogen werden könne, und er begründete das schlicht, nüchtern, unwiderleglich. Der Mann Trotzki, mit seiner blendenden Rhetorik, widerlegte ebenso unwiderleglich die unwiderleglichen Argumente Stalins. Der Mann Stalin wußte, daß seine Argumente die in Wahrheit unwiderleglichen waren; aber er mußte zusehen, wie viele den blendend vorgetragenen, falschen Widerlegungen Trotzkis glaubten. Der Mann Stalin begnügte sich nicht, das Richtige zu sehen und zu sagen. Er arbeitete, er ging den richtigen Weg. Er faßte die Bauern in Genossenschaften zusammen, industrialisierte, baute am Sozialismus in der Sowjet-Union, baute ihn auf. Seine Wirklichkeit widerlegte die unwiderlegliche Theorie Trotzkis. Victrix causa diis placuit, sed victa Catoni. Trotzki wollte nicht sehen, daß er widerlegt war. Er hielt hinreißende Reden, schrieb blendende Artikel, Broschüren, Bücher, legte dar, daß die Wirklichkeit Stalins nur Schein sei, da sie sich seinen Theorien nicht fügte. Trotzki störte. Der Parteitag erklärte sich gegen ihn, und schließlich schickte man ihn in die Verbannung, wies ihn aus dem Land. Stalins Werk gedieh. Kohlen wurden gefördert, Eisen und Erze wurden gefördert, Elektrizitätswerke entstanden, die Schwerindustrie blieb kaum mehr hinter der eines ändern Landes zurück, Städte wurden gebaut, die Reallöhne stiegen, die kleinbürgerlichen Widerstände der Bauern wurden überwunden, ihre Gemeinschaftsgüter gaben Ertrag, in immer größeren Massen drängten sie in die Kollektivgüter. War Lenin der Cäsar der Sowjet-Union gewesen, so wurde Stalin zu ihrem Augustus, zu ihrem "Mehrer" in jeder Hinsicht. Stalins Bau wuchs und wuchs. Aber Stalin mußte sehen, daß es immer noch Leute gab, die an dieses sichtbare, greifbare Werk nicht glauben wollten, die den Thesen Trotzkis mehr glaubten als dem Augenschein. Ja, gerade unter den Männern, denen Stalin freund war und die er in hohe Ämter berufen, gab es einige, die dem Worte Trotzkis mehr glaubten als dem Werke Stalins. Sie behinderten dieses Werk, leisteten Widerstand, sabotierten. Sie wurden zur Verantwortung gezogen, ihre Schuld festgestellt. Stalin begnadigte sie, berief sie von neuem in wichtige Ämter. Was mußte der Mann Stalin denken, spüren, als er die Erfahrung machte, daß diese seine Kollegen und Freunde noch immer, trotz des augenscheinlichen Gelingens seines Werkes, seinem Feinde Trotzki anhingen, heimlich mit ihm zettelten und sein eigenes Werk, den "Stalinstaat", zu sabotieren suchten, um ihren alten Führer ins Land zurückzuholen? Als ich Stalin sah, war der Prozeß gegen die erste Trotzkistengruppe, gegen Sinowjew und Kamenew, vorbei, die Angeklagten waren verurteilt und erschossen worden, und gegen die zweite Trotzkistengruppe, gegen Pjatakow, Radek, Bucharin und Rykow, schwebte ein Verfahren; man wußte aber nur dunkel, wessen diese letzteren bezichtigt wurden, und man wußte noch nicht, ob, wann und gegen wen unter ihnen ein Prozeß stattfinden werde. In dieser Zwischenzeit also, zwischen den beiden Prozessen, sah ich Stalin. Auf seinen Bildern wirkt Stalin groß, breit, stattlich. In Wahrheit ist er eher klein, schmächtig; in dem weiten Raum des Kreml, in dem ich ihn sah, verlor er sich geradezu. Stalin spricht langsam, mit leiser, etwas dumpfiger Stimme. Er liebt keinen Dialog mit kurzen, bewegten Fragen, Antworten, Zwischenreden, sondern zieht es vor, langsame, überlegte Sätze aneinanderzureihen. Er spricht druckreif, manchmal, als ob er diktierte. Er geht, während er spricht, gerne hin und her, kommt dann plötzlich auf einen zu, einen Finger der schönen Hand gegen einen ausgestreckt, deutend, dozierend. Oder er malt, während er seine bedachten Sätze formt, mit blau und rotem Bleistift Arabesken und Figuren auf ein Blatt Papier. Es war nicht vereinbart, über welche Gegenstände ich mit Stalin sprechen sollte. Ich hatte mir keinerlei Gesprächsthemen zurechtgelegt, ich wollte es dem Eindruck des Mannes und der Stunde überlassen, worüber ich reden würde. Leise fürchtete ich, es möchte eines jener mehr oder minder offiziellen, frisierten Gespräche herauskommen, wie sie Stalin zwei oder dreimal mit westlichen Schriftstellern geführt hatte. Zunächst auch ließ sich das Gespräch so an. Man redete von der Funktion des Schriftstellers in der sozialistischen Gesellschaft, von der revolutionären Wirkung, die manchmal auch reaktionäre Schriftsteller haben, Gogol zum Beispiel, von der Klassenlosigkeit oder Klassenbedingtheit des Intellektuellen, von der Freiheit der Rede und des Schrifttums in der Sowjet-Union. Stalin sprach zunächst vorsichtig und in allgemeinen Wendungen. Allmählich aber wurde er wärmer, und bald erkannte ich, daß ich mit diesem Mann freimütig reden könnte. Ich redete offen, und er stand offen Rede. Stalin spricht unverziert und weiß auch komplizierte Gedanken schlicht auszudrücken. Manchmal spricht er allzu schlicht, ein Mann, der gewohnt ist, seine Gedanken so zu fassen, daß sie von Moskau bis Wladiwostok verstanden werden. Er hat vielleicht keinen Witz, aber sicherlich hat er Humor; es kommt vor, daß sein Humor gefährlich wird. Ab und zu lacht er ein leises, dumpfiges, verschlagenes Lachen. Er ist auf vielen Gebieten zu Hause, und er zitiert, unvorbereitet, Namen, Daten, Fakten präzis aus dem Gedächtnis. Man sprach über Schreibfreiheit, über Demokratie und, wie ich schon berichtete, über die Vergötzung seiner Person. Nur zu Beginn der Unterredung drückte sich Stalin allgemein aus und gebrauchte gewisse schablonierte Wendungen des Parteivokabulars. Später wurde er aus dem Parteiführer eine Persönlichkeit, nicht immer widerspruchslos, aber immer gescheit, hintergründig, überlegen. Er erregte sich, als wir von den Trotzkistenprozessen sprachen. Erzählte ausführlich von den Anklagen gegen Pjatakow und Radek, deren Material damals noch nicht bekannt war. Er sprach von der Panik, in welche Leute, die nicht zu Ende denken könnten, die faschistische Gefahr versetze. Ich wies nochmals hin auf die üble Wirkung, welche das allzu einfache Verfahren des Sinowjew-Prozesses im Ausland ausgelöst habe, selbst unter Wohlwollenden. Stalin machte sich ein bißchen lustig über diejenigen, die viele schriftliche Dokumente verlangten, ehe sie sich dazu bequemten, an eine Verschwörung zu glauben; geübte Verschwörer, meinte er, hätten selten die Gewohnheit, ihre Dokumente offen herumliegen zu lassen. Schließlich sprach er von Radek, dem Schriftsteller, dem populärsten unter den Männern des zweiten Trotzkistenprozesses, mit Bitterkeit und bewegt. Erzählte von seinen freundschaftlichen Beziehungen zu diesem Mann. „Ihr Juden, „ meinte er, „habt eine ewig wahre Legende geschaffen, die von Judas, „und es war seltsam, den sonst so nüchternen, logischen Mann diese simpel pathetischen Worte sprechen zu hören. Er erzählte von einem langen Brief, den Radek ihm geschrieben und in dem er seine Unschuld mit vielen schlechten Gründen beteuert habe. Am Tag darauf und unter dem Druck von Zeugen und Indizien habe er gestanden. Haßt Josef Stalin den Mann Leo Trotzki? Er muß ihn wohl hassen. Ich wies schon darauf hin, daß es zumindest ebenso der Gegensatz des Wesens ist, der die beiden trennt, wie der Gegensatz der Meinungen. Es lassen sich schwerlich schärfere Kontraste denken als der zwischen dem rednerischen Trotzki mit seinen raschen Einfallen und dem ein- fachen, immer verdeckten, dunkeln Stalin, der langsam und zäh an seinen Gedanken baut. "Einfalle sind keine Gedanken/", heißt es bei dem österreichischen Dichter Grillparzer. "Der Gedanke kennt die Schranken. / Der Einfall setzt sich darüber weg / Und kommt in der Ausführung nicht vom Fleck." Leo Trotzki, der Schriftsteller, hat die blitzhaften, oft falschen Einfalle, Josef Stalin die langsamen, mühevoll erarbeiteten, gründlich richtigen Gedanken. Trotzki ist eine blendende Einzelerscheinung, Stalin der ins Genialische gesteigerte Typ des russischen Bauern und Arbeiters, prädisponiert zum Sieg, da in ihm die Kraft der beiden Klassen zusammengefaßt ist. Trotzki ist eine schnell verlöschende Rakete, Stalin das wärmende, dauernde Feuer. Wenn ein Dramatiker zwei Männer so antithetischen Wesens einander gegenüberstellte, dann müßte er sich den Vorwurf der Absichtlichkeit und der Effekthascherei gefallen lassen. Trotzki ist geschmeidig in der Rede und im Gestus, drückt sich ohne Schwierigkeit in mehreren Sprachen aus, er ist hochmütig, schillernd, geistreich. Stalin ist eher schwerfällig, er hat sich seine Bildung in einem Priesterseminar zäh und gründlich erarbeitet. Geschmeidig ist er nicht. Aber er ist genau vertraut mit den Bedürfnissen seiner Bauern und Arbeiter, er gehört zu ihnen, er war nie genötigt, sich, wie Trotzki, erst aus fremden Bezirken den Weg zu ihnen zu eröffnen. Muß nicht Stalin das Schillernde, Bewegliche, Zweideutige, Hochfahrende an Trotzki ebenso widerwärtig sein wie dem das Harte, Kantige an Stalin? Stalin sieht vor sich eine ungeheure Aufgabe, welche die ganze Kraft auch eines überaus kräftigen Mannes in Anspruch nimmt, und muß einen sehr großen Teil seiner Kraft darauf verwenden, die schädlichen Folgen der glänzenden und gefährlichen Einfalle Trotzkis gutzumachen. "Trotzkis nichtbolschewistische Vergangenheit ist kein Zufall," heißt es in Lenins Testament. Sicherlich ist Stalin diese Stelle immer gegenwärtig, und er sieht in Trotzki einen Mann, dem es seine große Geschmeidigkeit ermöglicht, gegebenenfalls immer wieder mit innerer Überzeugung zu seiner nichtbolschewistischen Vergangenheit zurückzukehren. Ja, Stalin muß Trotzki hassen, einmal weil sein ganzes We- sen in ständigem Widerspruch zu ihm steht, und sodann weil dieser Mann Trotzki durch alles, was er sagt, schreibt, tut, ja einfach durch seine Existenz, sein, Stalins, Werk gefährdet. Allein die Beziehungen Stalins zu Trotzki sind nicht erschöpft, wenn man nur an ihre Rivalität denkt, an die Verschiedenheit ihres Wesens und ihrer Meinungen und an ihren Haß. Der große Organisator Stalin, der erkannt hat, daß man selbst den russischen Bauern von innen her sozialisieren kann, dieser große Rechner und Psychologe Stalin versucht, auch die Eigenschaften seines Widerparts, die er keineswegs unterschätzt, seinen Zwecken dienstbar zu machen. Er hat sich, wissend, mit vielen Männern umgeben, die vom Geiste Trotzkis sind. Er gilt als rücksichtslos; aber seit vielen Jahren kämpft er darum, fähige Trotzkisten, statt sie zu vernichten, für sich zu gewinnen, und die zähe Mühe, mit der er sie für sein Werk zu verwenden sucht, hat etwas Ergreifendes.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:17 

Beiträge: 122
Warum wurden 1938 so viele inländische und ausländische Kommunisten in der SU umgebracht oder verschwanden in den Gulags ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:17 
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Beiträge: 4023
Erstmal waren es nicht "so viele" auch wenn meiner Meinung jeder Einzelne zuviel war.

Das auch später, z.B. während des Krieges, viele Kommunisten verfolgt wurden u.u.a. an Deutschland ausgeliefert wurden, ist ein unverzeihlicher Fehler. Da nützen auch Argumente wie "Die wurden verraten und fälschlicherweise angeklagt" nichts.

Allerdings sollte man auch beachten, was manche Kommunisten wirklich waren, ich weise da nur auf den Schlag Menschen a la Trotzki hin, die sich kommunistisch gaben, eigentlich aber dem System Schaden zufügten oder dies wollten.

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:18 
Literat

Beiträge: 2947
Für den Einzelnen sind solche Vorgänge sicherlich immer tragisch. Keinen Streit hierüber. Aber ich würde nicht von "zuviel" sprechen. Dieses "zuviel" impliziert, daß man das Problem hätte anders lösen können, was nicht der Fall ist.
Ich kann nur wiederholen, was ich im Faden "Stalin oder Hitler - eine tödliche Wahl" schon geschrieben habe, wobei ich annehme, daß der "Anonyme User" von hier der gleiche ist wie der nebenan. Das Ziel der historischen Interpretation ist

1. die genaue Auswertung der Fakten (was inzwischen geschehen ist, wofür sich aber merkwürdigerweise die Medien nicht interessieren);

2. die Einordnung der historischen Ereignisse in den Gesamtzusammenhang (alles andere würde die Wirklichkeit verzerren);

3. die Unterscheidung zwischen zwischen persönlichen und Systemfehlern (interessant ist hier, daß offenbar jeder Gesellschaft zugestanden wird, daß in ihr menschliche Fehler passieren, nur eben dem Sozialismus nicht.).

Erst wenn man diese drei Punkte sich bewußt gemacht hat, kann man unverwirrt und fruchtbar eine Diskussion führen.

Zu 2. lasse ich mal als Hinweis den Genossen Gossweiler sprechen: "Nur blinde Voreingenommenheit kann den kausalen Zusammenhang übersehen oder leugnen, der zwischen dem Machtantritt des deutschen Faschismus sowie dessen von den westlichen Siegermächten wohlwollend geförderter Aufrüstung und Ermunterung zur Expansion gen Osten hier und den Moskauer Prozessen sowie den repressiven Maßnahmen gegen Ausländer, die ausländischen Emigranten eingeschlossen, dort bestand. Bertolt Brecht sah diesen Zusammenhang sehr wohl, als er formulierte: "Die Prozesse sind ein Akt der Kriegsvorbereitung." Noch exakter formuliert: sie waren eine Antwort auf die faschistisch- imperialistische Vorbereitung zum Überfall auf die Sowjetunion."

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:18 

Beiträge: 462
Auch wenn die Sprache Trotzkis keine sehr klare ist, könnte man in diesen Text hinein-interpretieren das er die Absichten Hitlers einigermaßen erkannt hat:
1. Für die ersten 3/4 Jahre nach der Machtergreifung ruhig sein und den Friedensengel spielen.
2. Insgeheim die Rüstungsindustrie aufzubauen bis keine Gefahr mehr durch einen verfrühten Angriff der alten Allierten besteht.

Zitat:
Hitler verließ Genf nicht infolge einer nervösen Improvisation, sondern gemäß einem exakt kalkulierten Plan. Hitler hat sich das nationale Schweigekomplott gesichert. Er arbeitet auf eine gründliche Veränderung des militärischen Kräfteverhältnisses hin. Gerade jetzt, wo diese Arbeit schon begonnen ist, aber bei weitem noch nicht entscheidende Ergebnisse erzielt hat, braucht Hitler größte Behutsamkeit in der europäischen Arena. Niemanden schrecken, niemanden reizen; im Gegenteil: Weit die Arme öffnen! Hitler ist bereit, alle Zäune aller Kriegsfabriken mit pazifistischen Reden und Nichtangriffspakten zu bekleben. Paris ist eine Messe wert! Bedarf es einer klaren, einfachen, nicht diplomatischen Formel für die pazifistische Offensive der deutschen Regierung, so lautet sie: In den nächsten zwei, drei Jahren muß Hitler, koste es was es wolle, einen Präventivkrieg von seiten seiner Gegner verhindern. In diesem Rahmen ist sein Pazifismus durchaus aufrichtig. Aber auch nur in diesem Rahmen.


3. Um danach den Angriffskrieg zu beginnen
Wenn man all diese Schlüsse zieht stellt trotzki sogar eine einigermaßen richtige Analyse der Politik Hitlers auf. Auch wenn er es mal hätte deutlicher schreiben können.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 12. Apr 2007, 20:19 
Literat

Beiträge: 2947
Die Analyse ist etwa richtig. Das ist es ja gerade. Trotzki hat doch gewußt, was er tat. Er hat gesehen: Hitler will einen Angriffskrieg vorbereiten und braucht dazu vorerst Frieden. Aber die Behauptung, Hitlers "Pazifismus" sei "in diesem Rahmen" "aufrichtig" ist nicht nur schlechter Sprachgebrauch. Trotzki zieht aus einer richtigen Betrachtung einen falschen Schluß, denn aufrichtig kann eine Haltung nur sein, wenn sie innerlich so gewollt ist. Ein "Rahmen" ist aber etwas Äußerliches. Trotzki tritt Hitler hier mit einem Wohlwollen entgegen, daß er Stalin gegenüber nicht mal im Traum an den Tag gelegt hätte. Für Stalin hatte Trotzki während der Zeit der großen Erfolge in der SU nur Verachtung und Haß übrig.
Ich vermute, dieser Artikel ist eine verdeckte Offerte an die Nazis, die ihnen mitteilen soll, daß Trotzki durchaus bereit ist, zeitweilig mit ihnen zu paktieren. Trotzki hat bekanntlich die Vernichtung des Stalinismus als die Voraussetzung für die Vernichtung des Faschismus gesehen. Wollten wir Trotzkis Logik inbetreff Hitlers "Pazifismus" folgen, so könnten wir, dies auf ihn selbst angewendet, sagen, daß in diesem Rahmen Trotzkis Zuneigung zu Hitler durchaus aufrichtig war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Do 25. Sep 2008, 09:25 
Es war nicht Trotzki, sondern Stalin, der Hitler mit Wohlwollen begegnete (vergleiche auch seinen Trinkspruch auf Hitler nach Abschluss des Ribbentrop-Molotow-Paktes im August 1939, seine Äußerung gegenüber dem deutschen Kommunisten Heinz Neumann: 'Hitler maladjez!' - Hitler ein Teufelskerl!), solange er die Sowjetunion nicht angriff. Belegt ist Stalins Haltung aber auch in den Dimitroffschen
Tagebüchern. Der Kominternvorsitzende Dimitroff (ein Vertrauter Stalins) hat auch in der Zeit nach dem Ribbentrop-Molotow-Pakt aufgeschrieben, was Stalin bei den Besprechungen
mit der Kominternführung äußerte. Ich zitiere Dimitroff:

"7. 9. 1939
- Im Kreml (Stalin, Molotow, Shdanow).
Stalin:
- Nicht schlecht, wenn Deutschland (gemeint Hitlerdeutschland) die Lage der reichsten
kapitalistischen Länder (vor allem Englands) ins Wanken brächte. (S. 273 Dimitroff-Tage-
bücher, Aufbau-Verlag 2000).
...
- Heute ist er (der polnische Staat) ein faschistischer Staat, der Ukrainer, Weißrussen
knechtet. Die Vernichtung dieses Staates unter den gegenwärtigen Bedingungen
würde einen bourgeoisen faschistischen Staat weniger bedeuten! (S. 274)

- Die kommunistischen Parteien müssen überall zu einer entschiedenen Offensive gegen die
verräterische Politik der Sozialdemokratie auftreten (S. 275)"

Daraus ergibt sich:

1. Stalin unterstützte Hitlerdeutschland gegen England, Frankreich usw.
(nach der Besetzung Frankreichs und nach Beginn des Krieges Hitlerdeutschlands gegen England, unterstützt die sowjetische Führung Deutschland gegen die 'Plutokraten', die den Krieg im Westen 'provoziert' hätten. Auch die deutsche KPD-Führung im Moskauer Exil (Ulbricht äußerte sich in diesem Sinne sehr dezidiert) folgt dieser Linie.

2. Stalin ist damit einverstanden, dass der 'faschistische' polnische Staat liquidiert wird. Die Aggression des Faschisten Hitler gegen Polen wird nicht kritisiert. Nach Hitlers Aggression gegen Polen rückt die Grenze des faschistischen Nazi-Reiches gefährlich näher an die der Sowjetunion heran und bedroht noch stärker die Sicherheit der Sowjetunion.

3. Abweichend von der auf dem 7. Weltkongress (Juli/Aug. 1935) verabschiedeten Kominternlinie, eine breite antifaschistische Front gegen Nazideutschland aufzubauen, dringt Stalin nach Abschluss des Paktes mit Hitler wieder wie vor 1933 darauf, die Sozialdemokratie zum Hauptfeind zu erklären, eine Strategie, die Trotzki übrigens scharf kritisierte (Er trat für eine breite antifaschistische Front unter Einbeziehung der Sozialdemokraite ein). Die kommunistischen Parteien in Frankreich und anderswo, denen diese Linie nach dem Pakt aufgezwungen wird, geraten damit in ihren Ländern in eine ungewöhnlich prekäre Situation und isolieren sich damit innerhalb der antifaschistischen, antinazistischen Bewegung, machen sich als antifaschistische Kraft unglaubwürdig.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ignoranz, Großkotzigkeit und Unwissenheit
BeitragVerfasst: Sa 27. Sep 2008, 12:33 
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Beiträge: 353
Faszinierend, was sich so alles aus einer Handvoll Aussagen ergibt.

Eigentlich hatten wir das doch alles schon mal, aber warum nicht nochmal?



Zitat:
1. Stalin unterstützte Hitlerdeutschland gegen England, Frankreich usw.


Jaja, wenn der Stalin sagt, dass es nicht schlecht wäre, wenn die Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Länder für eine kurze Zeit lang größer sind als die Widersprüche zwischen Nazi-Deutschland und Sowjetunion, dann steht er damit eigentlich gleich schon auf Seiten der Nazis.

Es hat kaum eine Alternative zur zeitweiligen Duldung der europäischen Aggressionen des Faschismus gegeben. Eine auf-Teufel-komm-raus antifaschistische Haltung hätte nur den Westländern in die Hände gespielt bei ihrer Taktik, den Faschismus gegen den Sozialismus auszuspielen.
Entweder man vertieft die Widersprüche zwischen den imperialistischen Ländern oder man steht mit runtergelassenen Hosen auf dem Parkett der Außenpolitik dar. Bei aller Achtung vor der Leistung der Sowjetmilitärs -Ohne Verbündete hätten sie den Hitlerfaschismus nicht schlagen können, ohne nicht selbst am Boden zerstört zu sein.
Die Sowjetunion hat es nun ein halbes Jahrzehnt versucht, die Widersprüche zwischen den imperialistischen Ländern in einem antifaschistischen Sinne zu vertiefen, soll heißen, es gab von 1932-1938 genug Angebote und Initiativen der Sowjetunion, die darauf abzielen, gemeinsam mit England und Frankreich den Nazis Einhalt zu gebieten. Dank England und Frankreich erfolglos. Lesenswert und relativ glaubwürdig sind hierzu die Memoiren des sowjetischen Botschafters in London, Maiskij.

Die beste antifaschistische Haltung ist immer noch eine Haltung, die den Faschismus so schwächt, dass er geschlagen werden kann. Den Hitler-Stalin-Pakt zähle ich dazu - in ihm ist festgelegt, dass Deutschland einen 2-Fronten-Krieg zu führen hat.


Zitat:
- Heute ist er (der polnische Staat) ein faschistischer Staat, der Ukrainer, Weißrussen
knechtet. Die Vernichtung dieses Staates unter den gegenwärtigen Bedingungen
würde einen bourgeoisen faschistischen Staat weniger bedeuten! (S. 274)


Hat nicht auch Polen noch russische, bzw. weißrussische Gebiete besetzt gehalten? Ich bin mir da mit den konkreten Fakten nicht so sicher, würde es aber auch nicht kategorisch ausschließen, dass Polen kein fortschrittlicher, antifaschistischer Staat war, nur weil er von den Nazis bedroht worden ist.

Dass die Grenze sich näher zur Sowjetunion hingeschoben hat, stimmt. Allerdings hat sich auch die Grenze der Sowjetunion vorverschoben. Und wie der Krieg von 1939 gezeigt hat, Polen war nicht in der Lage auch nur im geringsten Maße den Nazis Paroli zu bieten.
Es ist mir schon lieber gewesen, den Raum zwischen Berlin und Moskau von möglichst viel T-34 ausgefüllt zu sehen und nicht von polnischen Kavalleristen.

Aber ich denke, das ganze artet immer in Spekulationen aus, was gewesen wäre, wenn die Grenzen anders gewesen wären und was gewesen wäre, wenn die UdSSR schon 1939 in den Krieg gezogen worden wäre, usw.
Wir können froh sein, dass die Geschichte so verlaufen ist, wie sie verlaufen ist.








Und jetzt mal abseits von diesem Hin- und Herspekulieren und allgemein in die Runde gefragt:

Warum, verdammt nochmal, ist der zweite Teil der Dimitroff-Tagebücher noch nicht übersetzt? Im Bulgarischen gibt es einen zweiten Teil, die Tagebücher von 1943-1949. Ich würde mir davon nicht wenig Aufschluß über die Nachkriegspolitik Stalins erwarten.
Der erste Teil ist schon 2000 erschienen - ich fürchte, es ist gar nicht beabsichtigt, den zweiten Teil zu übersetzen. Hmm, hier kann nicht zufällig jemand bulgarisch?

Zweitens hat hier ein Buch mitzureden, das ebenfalls aufschlußreich über die sowjetische Außenpolitik der 30er und 40ere ist und das leider nur auf Englisch erhältlich ist:
Dimitrov and Stalin, 1934-1943: Letters from the Soviet Archives - von Alexander Dallin, Fridrikh Igorevich Firsov, und Vadim Staklo

Eine konkrete Untersuchung der Außenpolitik sollte an diesen beiden Quellensammlungen nicht vorbei gehen.

_________________
Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
Ein System kann aber nur aus einem Kopfe entspringen; also muß es aus dem des Herrschers hervorgehen.


Friedrich der Große


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