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 Betreff des Beitrags: Digitale Bibliotheken?
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 20:07 
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Beiträge: 353
Die Bücher der Welt in Googles Händen

Der Lesestoff kommt zunehmend online zum Leser. Google arbeitet derzeit an einer weltumspannenden digitalen Bibliothek aller Bücher aller Sprachen. Nun steigt mit der Bayerischen Staatsbibliothek erstmals eine deutsche Einrichtung in das Digitalisierungsprojekt mit ein.


Eine Million Bücher hat das Unternehmen Google bereits digitalisiert, 10.000 weitere werden jede Woche im Volltext eingescannt und können über die "Google Book Search", die Bücher-Suchmaschine, gefunden werden. Das ehrgeizige Ziel des Weltkonzerns ist es, alle Bücher der Welt in Sekundenschnelle für jeden zugänglich zu machen.
..........
Als erste deutsche Sammlung, so eine Pressemeldung vom 7. März, will nun die Bayerische Staatsbibliothek ihren nicht urheberrechtlich geschützten Bestand der Google-Buchsuche zur Verfügung stellen.


aus: http://www.ard.de/kultur/buecher/google ... index.html

Eine wichtige Entwicklung, wie ich finde. Man sieht was mit den heutigen technischen MIttel möglich wird.
Das Problem aber bleibt: wer hat diese Technik in den Händen?
So heißt es auch: Neben der Kooperation mit Bibliotheken, lebt das digitale Buchprojekt "Google Print" von der Arbeit mit Verlagen, die von dessen verkaufsfördernder Werbung profitieren. Von diesen Inhalten, die Verlage zur Verfügung stellen, kann der Nutzer höchstens 20 Prozent des jeweiligen Buches abrufen. Die digitalen Ausschnitte sollen laut Goggle nur als "Geschmacksprobe" dienen. Ziel sei es nicht, dass Bücher komplett online gelesen werden.
Zudem frage ich mich, ob google politisch motiviert manche Bücher weglässt. Ich bin mir dessen fast sicher, denn google wird dies nicht machen, um wissenschaftliche Forschung zu erleichtern, sondern um sich quasi ein Internet-Bücher-Monopol zu sichern und sicher nicht davor zurückschrecken, dies in seinem Sinne zu lenken.

Ich weise trotzdem auf diesen Artikel hin, denn erstens: alleine schon die technischen Möglichkeiten verdienen Aufmerksamkeit. Und hilft einem vielleicht doch einmal, wenn man Infos über ein Buch benötigt.
Und zweitens bleibt eine kleine Resthoffnung, dass vielleicht durch die Kooperation von google mit der Bayerischen Staatsbibiliothek einige Bestände der BSB online kommen, die für stalinwerke.de relevant sein könnten. Z.B. die "Anklageschrift gegen die konterrevolutionäre Organisation des Bundes der Ingenieur-Organisationen (=Industriepartei)" - also die Anklageschrift eines wichtigen Vorgänger-Prozesses der Moskauer Prozesse. Oder ein wirklich seltenes Buch namens "Russia's Iron Age" von einem William Chamberlin von 1934, dass ein guter Erlebnisbericht sein soll (wie Joseph Davies oder John Scotts "Jenseits des Ural"). Kahn/Sayers beziehen sich soweit ich weiß in "Die große Verschwörung" darauf.
Das ist vielleicht illusorisch, dass sowas online gestellt wird, aber in einigen Wochen/Monaten mal gucken, ob sie es machen, schadet nicht.

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Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
Ein System kann aber nur aus einem Kopfe entspringen; also muß es aus dem des Herrschers hervorgehen.


Friedrich der Große


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 Betreff des Beitrags: Re: Digitale Bibliotheken?
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 20:16 
Literat

Beiträge: 2947
Das Problem ist, daß da m.E. noch nicht hinreichend zwischen urheberrechtlich geschützten und gemeinfreien Texten unterschieden wird. Wenn man Texte frei zugänglich sind, deren Verfasser länger als 70 Jahre tot sind, ist das ja in Ordnung. Aber es ist ziemlich ärgerlich für lebende Autoren, die viel Mühe in ihre Bücher investiert haben und von dem Ertrag derselben leben müssen, wenn man ihnen auf diese Weise ihr Einkommen gestohlen wird. Soweit ich bis jetzt mitbekommen habe, sollen Texte solcher Autoren nicht einfach zugänglich sein, aber eingescannt werden die trotzdem.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Digitale Bibliotheken?
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 21:03 
Ehrenmitglied des gewe-Fanclub
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Beiträge: 353
Zitat:
Das Problem ist, daß da m.E. noch nicht hinreichend zwischen urheberrechtlich geschützten und gemeinfreien Texten unterschieden wird.


Das kommt noch hinzu.

Ist vielleicht ne dumm Frage, aber ich hab da wirklich keine Ahnung - wie war das eigentlich mit dem Urheberrecht in der DDR?
-> Gehörte das Urheberrecht an den Bücher offiziell dem Staat oder den Schriftstellern? Bestimmte nur der Staat über den Druck oder konnte der Schrifsteller da mitreden, z.B. auch in der Frage, welche Stückzahl eines Buches hergestellt wird?
-> Wurden die Schriftsteller mit einem festen Gehalt bezahlt oder bestimmte der Buchabsatz über die Höhe des Einkommens? Oder eine Mischform aus beidem?
So oder so, ich denke im Sozialismus ließe es sich leicht regeln, sowohl die Autoren gebührend zu bezahlen als auch ihre Werke zum Nachschlagen übers Internet verfügbar zu machen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Digitale Bibliotheken?
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 21:22 
Literat

Beiträge: 2947
Das Urheberrecht gab natürlich es auch in der DDR. Der Staat konnte zwar Einfluß auf die Verlage nehmen, d.h. beeinflussen, ob ein Buch gedruckt wird oder nicht, aber der Dichter war auch in der DDR ein Produzent, der nicht seine Arbeitskraft, sondern sein Produkt verkauft. Das galt auch für Wissenschaftler, auch wenn es im Wissenschaftsbetrieb (auch im heutigen übrigens) Verfahren gibt, bei denen Schriftsteller ohne Honorar schreiben bzw. Texte im Rahmen ihrer gewöhnlichen Arbeit schreiben. Das galt dann aber meistens nur für große Projekte wie z.B. die Editionen großer Dichter, die die Akademie herausgibt. Die Kommentare, die Einleitungen, die Textkritik und überhaupt die Arbeit des Edierens wurden und werden von den Mitarbeitern der Akademie im Rahmen ihrer gewöhnlichen Arbeit erldigt. Alles andere aber: Beiträge für Forschungsbände, Dissertationen, Monographien usw. waren das Eigentum der jeweiligen Verfasser.

So war das, und so war das gut. Es ist ja auch so pseudomarxistischer Schwachsinn, den man von Linken oft hört, daß das Urheberrecht abgeschafft werden muß. Das Urheberrecht ist das einzige Privateigentum schützende Recht, das Ausblick auf dauerhaften Bestand haben wird. Ein Dichter erzeugt Werke, die keiner außer ihm erzeugen könnte. Man muß ihm geben, was er dafür haben will, denn es läge ja in seiner Macht, die Herstellung seiner Werke zu unterlassen. Man kann ihn auch nicht von seinen Produktionsmitteln enteignen, es sei denn, man wollte ihm den Kopf, mit dem er denkt, und die Hände, mit denen er schreibt, abschneiden, auf welche Idee höchstens ein Irrer wie Pol Pot kommen könnte. Man sollte immer im Blick behalten, daß der Urheber geistigen Eigentums niemand ausbeutet.

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 Betreff des Beitrags: Re: Digitale Bibliotheken?
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 22:04 
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Beiträge: 4023
Bei der Forderung nach abschaffung des Urheberrechtes geht es vor allem darum, dass man Musik frei kopieren kann, aber auch einen Text eines Autos (Man gibt als fairer Mensch natürlich die Quelle an) frei kopieren darf, ohne dafür eine Abmahnung zu kassieren.

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“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Digitale Bibliotheken?
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 22:09 
Literat

Beiträge: 2947
Ja, aber auch diese Musik hat jemand gemacht, der zurecht der Meinung ist, daß er dafür was bekommen soll. Die Frage bezüglich der Musikproduktion ist vielmehr, warum so viele Leute daran verdienen, die nichts dafür gemacht haben. Das treibt die Preise in solche Höhen, daß auch normale Menschen, die gute Arbeit zu schätzen wissen, das Copyright verletzen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Digitale Bibliotheken?
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 22:14 
Administrator
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Beiträge: 4023
Jepp.

Es spricht ja auch nichts dafür, für gute Musik zu bezahlen. Ein Brot bezahle ich ja auch. Aber mit dem Brot kann ich dann machen, was ich will, mit Musik immer öfters (Dank DRM) nicht. Oder mit Software.

Ich habe auch kein Problem, für ein Computerprogramm Geld zu bezahlen. Selbst wenn es unter einem freien System läuft.

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 Betreff des Beitrags: Re: Digitale Bibliotheken?
BeitragVerfasst: Do 19. Apr 2007, 19:06 

Beiträge: 2008
Diesem Blödsinn von DRM scheint nunmehr ein baldiges Ende beschehrt zu sein.

Die Landesbibliotheken sind meines Wissens dafür zuständig, dass alle Werke digital archiviert werden. Also wäre dort der Bestand in digitaler Form verfügbar. Das dauert natürlich seine Zeit und die Datenmengen sind gigantisch. Tägliche Zuwächse im TB-Bereich. Die Magnetbandbibliotheken (Tapelibrarys) sind entsprechend groß. Im Schnitt werden nach einem WDR-Beitrag alle Datenträger innerhalb von 3 Jahren auf neue Medien kopiert, um Datenverluste zu vermeiden. Also auch gigantischer Aufwand.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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