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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Über hoch entwickelte Industrieländer
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 19:47 

Beiträge: 236
Eignen sich hoch industralisierte Länder für eine sozialistische Revolution???

Ich bin der Meinung: Nein, weniger als Entwicklungsländer!!

Warum??

Ich will meine These am Beispiel Deutschlands erklären, denn Deutschland ist eines der am weitesten entwickelten Länder. Die treibende Kraft der Revolution ist die Klasse ohne Eigentum an Produktionsmitteln, das Proletariat. In Deutschland werden jedoch die Industriearbeiter und ihr Anteil an den Werktätigen immer geringer. Jediglich ein drittel aller werktätigen Deutschen ist ein Industriearbeiter. Und ihre Zahl sinkt durch die Rationalisierung und den technischen Fortschritt, der viele Arbeitsplätze einspart, weiter. Landlose Bauern ohne Produktionsmittel, ich nenne diese Bevölkerungsgruppe mal Agrarproletariat, sind so gut wie ausgestorben. Wo gibt es denn in Deutschland noch Knechte und Mägde, die für Lohn bei einem Großbauern arbeiten? Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe sind Familienbetriebe und den Familien gehören Land und landwirtschaftliche Geräte.
Dagegen steigt der Anteil der Werktätigen im Dienstleistungssektor. Die Werktätigen hier sind zum größten Teil nicht ohne Eigentum an Produktionsmitteln. Die gesellschaftlichen Klassen zwischen Großbourgosie (das hab ich bestimmt falsch geschrieben ) und Proletariat werden immer zahlreicher und das für sozialistische die Revolution so wichtige Proletariat wird zahlenmäßig immer weniger. In den Entwicklungsländern sieht die Situation entgegengesetzt aus, hier wächst die Zahl der Industriearbeiter und damit die des Proletariats.

Soweit meine Idee; ich weiß nicht ob sie stimmt:
Dagegen spricht zum Beispiel, dass eine andere gesellschaftliche Gruppe ohne Produktionsmitte, die sogenannten Angestellten immer mehr werden. Desweiteren wird eine Gruppe des Kleinbürgertums zahlenmäßig immer weniger, die der Ladenbesitzer, denn sie gehen durch die Konkurrenz der großen Supermarkt- und Fastfoodketten, sowie der Versandhäuser und Internetshops, unter. Die Lohnarbeiter dieser Unternehmen sind dagegen ohne Eigentum an Produktionsmitteln gehören also zum Proletariat und nicht mehr zum Kleinbürgertum.
Die Schlussfolgerung hierraus wäre, dass der Anteil der Industriearbeiter am Proletariat sinkt und der Anteil der Angestellten am Proletariat steigt; sich hoch entwickelte Industrieländer also doch für eine sozialistische Revolution eignen.

Besonders kritisch gegenüber meiner These macht mich, dass Marx und Engels ja meinten, dass ein hoch entwickeltes Industrieland sich besonders für eine sozialistische Revolution eigne.

Eignen sich hoch entwickelte Industrieländer für eine Revolution, aber weniger als Entwicklungsländer?? Was meint ihr zu meinen Ideen und Thesen, Genossen??

Jede Kritik ist erwünscht


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 Betreff des Beitrags: Re: Über hoch entwickelte Industrieländer
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 19:47 

Beiträge: 2008
Was sagt denn die heutige (moderne?) Definition, was ein Proletarier ist und was ein kap. Ausbeuter?

Die Definition des Proletariats unter Marx in http://de.wikipedia.org/wiki/Proletarier ist einigermaßen klar und kurz dargestellt. Noch interessanter ist die Grafik rechts neben dem Text. Bei recht stabilen 90% Anteil Arbeiter an den Erwerbstätigen habe ich da nicht so große Sorgen, dass wir für die nächste Revolution nicht hinreichend Arbeiter haben.

Waren industriell entwickelte länder nicht die objektive Voraussetzung für eine proletarische Revolution?

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Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Über hoch entwickelte Industrieländer
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 19:47 
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Beiträge: 4023
Nun ich denke, der Grund, das nur die massiv eng zusammenlebenden Industriearbeiter fähig sind, sich durch ihre Nähe richtig zu organisieren kann so nicht mehr gelten. Durch die modernen Kommunikationsmedien (Handy, Internet) rücken heute auch die anderen Proletarier in den hochentwickelten Industrieländern mehr zusammen. Leider nicht menschlich. Durch diese Nähe lassen sich Theorien leichter unters Volk streuen.

Und warum nimmt das Volk sie dann nicht an?

Da ist der "Nachteil" der modernen Industrieländer, den Menschen geht es nicht wirklich schlecht. Vor allem im Vergleich zu den ärmeren Ländern. So entsteht keine revolutionäre Situation.

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“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Über hoch entwickelte Industrieländer
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 19:48 

Beiträge: 131
Sehr interessant.
ich habe leider keine angemessene Antwort...vielleicht aber Torsten oder Dawei.

Was ich auch schon bemerkt habe ist, dass der Dienstleistungssektor ja wächst, und die Leute dort sind nicht ohne Eigentum an Produtkionsmittel oder eben keine Proletarier....


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 Betreff des Beitrags: Re: Über hoch entwickelte Industrieländer
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 19:48 
Troll

Beiträge: 145
Die hoch entwickelten Staaten sind geradezu prädestiniert für eine sozialistische Gesellschaft, schon deshalb, weil gerade sie über hochentwickelte Produktivkräfte verfügen. Damit sind die Voraussetzungen nicht nur für ein gutes Sozialsystem gegeben, sondern die individuellen Konsumwünsche des Einzelnen könnten hervorragend abgedeckt werden.
Daran krankten ja gerade die vorherigen sozialistischen Staaten!
Daß das Industrieproletariat numerisch stark rückläufig ist, macht mich nicht bange. Angestellte, Programmierer, Sozpäds etc. gehören gleichfalls zu den Lohnabhängigen -und genau darauf kommt es an.
Kurzum, der Kapitalismus hat sich weiterentwickelt, seine typische Ausbeutung ist jedoch gleichbleibend.
Ob nun Industrieproletariat oder Angestellte, beide haben z.Z. kein sozialistisches Bewußtsein und das ist das eigentliche Problem!!


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 Betreff des Beitrags: Re: Über hoch entwickelte Industrieländer
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 19:49 
Administrator
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Beiträge: 4023
Quote:
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Waren industriell entwickelte länder nicht die objektive Voraussetzung für eine proletarische Revolution?

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Aber realistisch waren sie es eben nicht. Siehe Rußland, siehe Kuba.

Ich glaube, Lenin hat das mal korrigiert.


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Damit sind die Voraussetzungen nicht nur für ein gutes Sozialsystem gegeben, sondern die individuellen Konsumwünsche des Einzelnen könnten hervorragend abgedeckt werden.

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Irgendein Politiker hatte mal gesagt, die DDR sei die größte Gewerkschaft in der BRD. Man sieht ja, wie das Sozialsystem abgebaut wird, seit es das Schaufenster in den Osten nicht mehr gibt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Über hoch entwickelte Industrieländer
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 19:49 

Beiträge: 236
Quote:
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Waren industriell entwickelte länder nicht die objektive Voraussetzung für eine proletarische Revolution?

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Wenn ich mich nicht irre hat es sozialistische Revolutionen nur in Agrarländern und bestenfalls in Entwicklungsländer gegeben, aber nicht einmal in einem weitentwickelten Industrieland. Das ist doch kein Zufall mehr, oder? Da muss es doch Gründe geben??

Was unterscheidet denn die Agrarländer und Entwicklungsländer von den Industrieländern? Ich denke in diesen Unterschieden sind Gründe zu suchen. Die Agrar- und Entwicklungsländer haben ein geringeren Anteil Industrieproletarier und einen hohen Anteil Agrarproletarier, wobei beide wesentlich ärmer sind als in einem Industrieland. Desweiteren haben diese Länder oft eine rückschrittlichere Staatsform, wie Despotismus, wobei oft hat ein Klerus noch große Macht hat. Die Industrieländer dagegen haben konstitutionelle Monarchie und heute meißt bürgerliche Demokratien. Diese Regierungsformen sind wesentlich moderner, kompromissbereiter in Bezug auf soziales und verfügen auch im Vergleich zum Despotimsus über mehr Rechtsstaatlichkeit und Freiheiten. Den Leuten geht es in diesen Staaten daher häufig besser und sie sind daher schwerer zu stürzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Über hoch entwickelte Industrieländer
BeitragVerfasst: Sa 24. Mär 2007, 19:49 
Troll

Beiträge: 145
Einem recht großen Teil der Bevölkerung in den entwickelten kapitalistischen Ländern geht es zusehens schlechter. Wer arbeitet und in keiner Leichtlohngruppe ist, muß doch recht häufig um seinen Arbeitsplatz bangen.
Ein sozialistisches Bewußtsein kann sich erst in ganz konkreten Klassenkämpfen bilden. Diese sind z.Z. noch gering, doch ist deren Zunahme absehbar. Wie dies Bewußtsein aussehen wird, wissen wir noch nicht, ganz gewiß wird es jedoch anders als in der frühen Sowjetunion aussehen, schon allein der hochentwickelten Produktivkräfte wegen. Zum andern ist der Bildungsstand in Westeuropa sehr viel höher als im alten Rußland, Vietnam etc.
Letzlich und endlich sind wohl auch Theoretiker gefragt, die dem 21. Jhdt, also unserer EDV-Zeit Rechnung tragen werden, will heißen ganz andere Bedingungen sowie Möglichkeiten sind gegeben, als weiland in Rußland sowie in Trikontstaaten.


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