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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Der Kommissar der sowjetischen Biologie
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 12:57 
Möchtegernputschist
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1. Einleitung

Die biologischen Wissenschaften haben vor allem seit dem Erscheinen von Darwins „The Origin of Species“ 1859 sowie der Entdeckung der Mendelschen Regeln Anfang des 20. Jahrhunderts geradezu eine Revolution durchgemacht. In den wissenschaftlichen Fachzeitschriften wie „Nature“ oder „Science“ ist immer wieder von biologischen Sensationen zu lesen.

Von der Entdeckung neuer rezenter oder fossiler Arten, über die Aufschlüsselung des genetischen Codes bis hin zur Entwicklung neuer Medikamente. Alleine seit dem zweiten Weltkrieg sind eine Reihe neuer wissenschaftlicher Zweige entstanden, wovon die Molekulargenetik, die Ökotoxikologie und die „Evo-Devo“ (Evolution and Developement, eine Synthese von Embryologie, Genetik und Evolution) nur als einige Beispiele genannt werden sollten. Für den Laien scheint dieser wissenschaftliche Fortschritt geradlinig und widerspruchslos verlaufen zu sein. Es wird also vermittelt, daß es innerhalb der Wissenschaft keine Widersprüche gegeben hat, es sei denn man hatte mit althergebrachten Instanzen wie der Kirche zu kämpfen (Bestes Beispiel: Galilei). Eine Ausnahme wird aber gerne gemacht, vor allem wenn es um die Wissenschaftler aus der Sowjetunion, geht. Das meistbekannte Beispiel ist der Fall Trofim Lyssenko. Glaubt man den antisowjetisch motivierten Gelehrten, so war das Bild ziemlich einfach: Während im Westen die Wissenschaftler immer die Guten waren und immer Recht hatten, so waren die sowjetischen Wissenschaftler, insbesondere die Biologen, Lakaien der Parteibürokratie, denen es nicht um wissenschaftliche Tatsachen ging, sondern um ideologische Motivation und sie scheuten nicht davor zurück, ideologisch ungeliebte Querdenker auf die ein oder andere Weise mundtot zu machen. Dieses verzerrte Bild der sowjetischen Biologie wird im Wesentlichen in den Kreisen der Biologen, insbesondere der Genetiker, anerkannt. Dies sollte uns aber nicht verwundern, da der erste der im Westen über das Problem Lyssenko sprach Zhores Medvedev, selbst Genetiker, war. Viele seiner Aussagen gegen Stalin und Lyssenko waren unbewiesene Annahmen, die aber unter den Wissenschaftlern anerkannt werden. Das mag daran liegen, daß Biologen keine Historiker sind und sich nur für die biologischen Tatsachen interessieren. So soll auch an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, daß Lyssenkos Angriffe gegen die Genetik sich im Großen und Ganzen als falsch erwiesen haben. Dieser Artikel soll aber auch keine Verteidigung Lyssenkos sein, sondern es soll mehr Licht ins dunkle Mythos Lyssenko und seinen Erfolg in der Sowjetunion gebracht werden, jenseits des Paradigmas von der Sowjetunion als Reich des Bösen.
2. Kurze Geschichte der Genetik [1]

Der Lyssenkoismus kann nicht verstanden werden, wenn man sich nicht die Geschichte der biologischen Wissenschaften, insbesondere der Genetik zu Eigen macht. Die Geschichte der Genetik beginnt mit den Vererbungslehren des Benediktinermönchs Gregor Johann Mendel, ca. ein Jahrzehnt nach dem Erscheinen von „The Origin of Species“, auch wenn es durchaus vorher einige experimentelle und theoretische Ansätze zur Vererbung gegeben hat. 1865 publizierte er weitgehend unbemerkt Ergebnisse seiner Kreuzungsversuche mit Erbsenpflanzen. 1869 veröffentlichte er den Aufsatz „Über einige aus künstlicher Befruchtung gewonnene Hieracium-Bastarde“. Dass Mendel aber viel ausführlicher und umfassender gearbeitet hat, als diese beiden Arbeiten vermuten lassen, – unter anderem hatte er Versuche mit mehreren anderen Pflanzengattungen als nur mit Erbsen durchgeführt – ist aus dem Briefwechsel mit Carl Wilhelm von Nägeli ersichtlich. Es soll hier nicht die „Erbsenzählerei“ Mendels wiedergegeben werden, viel wichtiger ist jedoch folgender Tatbestand: Mendels Ergebnisse blieben über 3 Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Obwohl einigen Botanikern die Originalpublikationen Mendels bekannt waren, setzen sie sich nicht eingehend genug mit diesen auseinander. Aber die Probleme der Merkmalsübertragung und der Vererbung, vor allem in der Tier- und Pflanzenzucht, drängten als solche in den letzten Jahrzehnten des 19 Jahrhunderts zu einer Bearbeitung. Durch eine Reihe von Züchtungsexperimenten wurden Mendels Ergebnisse bekannt und bestätigt. Man kann es ein wissenschaftsgeschichtliches Kuriosum nennen, daß Mendels Wissen um die Grundregeln der Vererbung drei Jahrzehnte unbekannt blieb. Was dann folgte, war für die Entwicklung der Evolutionstheorie auch nicht erfreulich. Die erneute Entdeckung der Vererbungsgesetze im Jahre 1900 leitete keineswegs den Triumph der Darwinschen Veriabilität-Selektionstheorie ein, sondern eine Phase, die man später die kritische Periode des Darwinismus genannt hat. Der Kreis wirklich konsequenter Darwinisten (Wallace, Galton, Weismann) war nie sehr groß gewesen. Diese „Neodarwinisten“ lehnten im Unterschied zu Darwin die Möglichkeit eines evolutiven Wandels durch die Vererbung erworbener Eigenschaften ab (auch Darwin postulierte, daß auch erworbene Eigenschaften vererbt werden könnten. Der Unterschied zum Lamarckismus ist, daß die Organismen sich nicht willentlich verändern). Viele „Darwinisten“ behandelten aber die Theorie der Selektion als zweitrangige Angelegenheit. Gefeiert wurde Darwin vor allem als der Mann, der den Gedanken der natürlichen Entwicklung der Organismenwelt, der Deszendenz, der Abstammung der heutigen Formen von früheren zum Siege geführt hatte. Am 11. Maii 1863 schrieb Charles Darwin an den Professor für Naturgeschichte und Direktor des Botanischen Garten der Harvard Universität Asa Gray, der die Abstammungslehre engagiert in den USA vertrat, einen Brief mit folgender Bekenntnis: „Persönlich liegt mir natürlich sehr viel an der natürlichen Selektion; das ist aber, wie mir scheint, ganz und gar bedeutungslos gegenüber der Frage: Erschaffung oder Abänderung“. Und im gleichen Jahr heißt es in einer Zuschrift Darwins an die Zeitschrift „Athenäum“: „Ob der Naturforscher an die Ansichten glaubt, welche Lamarck, Geoffroy Saint Hilaire, der Verfasser der Vestiges oder Wallace und ich selbst gegeben haben, oder an irgendeine andere derartige Ansicht, hat äußerst wenig zu bedeuten im Vergleich mit der Annahme, daß Spezies von anderen Spezies abstammen und nicht unveränderlich erschaffen worden sind.“ Auf diese Äußerungen Darwins haben sich während der kritischen Periode viele Autoren bezogen, wobei ihre Motive durchaus unterschiedlich waren. Die sich rasch entwickelnde Genetik kollidierte mit Darwins Variabilität-Selektions-Theorie. Zum Teil bildeten Mißverständnisse, zum Teil konträre Denkhandlungen die Ursachen. De Vires, einer der Wiederentdecker Mendels, erklärte 1901, daß Arten durch natürliche Auslese nicht entstehen, sondern vergehen, und der dänische Genetiker W. Johannsen schrieb 1903 und später, Selektion produziere nichts, sie rotte nur aus. Auch der britische Genetiker W. Batesson äußerte sich immer wieder kritisch gegenüber Darwin. Wie andere Genetiker entwarf auch er neue Evolutionsmodelle, darunter eines (1914), das die Evolution als den Verlust hemmender Faktoren deutete. Der Niederländer J. P. Lotsy sah (1916) nur in Neukombinationen von Erbanlagen die Quelle evolutiven Wandels, nahm folglich eine Evolution bei konstanten Genen an. Der deutsche Genetiker R. Goldschmidt äußerte zwar um 1920, daß die Genetik offenkundig zu Darwin zurückführe, ließ aber alsbald Darwinsche Faktoren nur im innerartlichen Bereich gelten und forderte für Artenentstehung und phylogenetische Abläufe grundsätzlich andere Mechanismen. Der Amerikaner Thomas Hunt Morgan billigte der Selektion nur die Rolle zu, ganz und gar untaugliche Mutanten auszuschalten. Unter dem Eindruck solcher Kritiken und Haltungen schrieb der als Popularisator und Übersetzer Darwinscher Werke wirkende C. W. Neumann 1921: „Der Darwinismus ist tot, es lebe die Entwicklungslehre“ „So fest und sicher der allgemeine Entwicklungs- und Abstammungsgedanke marschiert, so schwankend ist alles von Darwin zu seiner Begründung Herbeigetragene wieder geworden“. Auch in den USA war es Mode, Darwin für tot zu erklären, noch Mitte der dreißiger Jahre existierten an den Universitäten „textbooks“ dieser Tendenz. Während der kritischen Periode des Darwinismus entwickelten sich auch ausgeprägte Gegensätze zwischen den Genetikern und den meisten übrigen Biologen. Viele sahen in den genetischen Theorie-Ansätzen naturfremde, in Laboratorien, Gewächshäusern und an den Schreibtischen von Mathematikern geborene Ideen, die vor der Wirklichkeit versagten. Bis gegen Ende der dreißiger Jahre haben sich so zahlreiche Biologen und Paläontologen ausdrücklich zum Lamarkismus bekannt. Der Deszendenztheoretiker L. Plate gehörte ebenso dazu wie der Vertreter der Biologischen Anatomie, H. Böcker, der Zoologe J. Schaxel, der Symbioseforscher P. Buchner, der Zoologe J. Harms oder der Botaniker W. Zimmermann. Plate überschrieb 1931 einen Artikel: „Warum muß der Vererbungsforscher an der Annahme einer Vererbung erworbener Eigenschaften festhalten?“ In einem noch höheren Maß an Geschlossenheit vertraten Paläontologen lamarckistische Positionen. Das illustriert sehr eindrucksvoll eine gemeinsame Tagung der Deutschen Paläontologischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Vererbungsforschung, veranstaltet im Jahre 1929 in Tübingen. Man hoffte durch sachliche Darlegungen und sachliche Diskussionen Gegensätze abbauen zu können. Die Tagung endete mit einem gegenteiligen Ergebnis, es gab keine Übereinstimmung! Darwin hat in der Variabilität die Quelle der Evolution erkannt; über die Ursachen der Variabilität gab es nur Mutmaßungen. Im Grunde genommen haben die Kreuzungsexperimente von Mendel, Correns, De Vries und Tschermak sowie die Erkenntnisse der Cytogenetiker die Ursachen der Variation bestätigt. Denn sie machten klar, daß Vererbung nicht durch sich mischende Flüssigkeiten (was zur Zeit Darwins eine weit verbreitete Hypothese war), sondern durch diskrete Gene erfolgt, wodurch die natürliche Selektion Wirkmöglichkeiten hat. So vermag sie manche Anlagen in der Population zurückzudrängen, andere zu fördern. Aber diese Gedanken gewannen nicht an Boden. Im Gegenteil: es kamen neue Konflikte auf. Der Botaniker Johannsen (1903) z.B. arbeitete mit Gartenbohnen und kam zu dem Schluß, daß durch Auslese kleiner, mittlerer oder großer Samen das Merkmal Samengröße in der Generationenfolge nicht zu beeinflussen sei. Daraus schloß er, daß „fluktuierende“ Variationen nicht erblich sind. Da Darwin die Evolution aus dem Wirken der Auslese auf Gruppen schwach differenzierter Individuen erklärt hatte, stellten sich die Ergebnisse experimenteller genetischer Forschung gegen ihn. Die Bohnensorten, mit denen Johannsen arbeitete, waren Selbstbestäuber und durch jahrzehntelange Selektion genetisch verarmte und vereinheitlichte Kultursorten. Das erklärte seine Resultate. Er wies somit nur nach, daß die Auslese in „reinen Linien“, d.h. in der Nachkommenschaft einer selbstbestäubenden Pflanze, die in Hinsicht auf das beobachtete Merkmal homozygot (reinerbig) ist, keine Wirkung hat. Dieser Sachverhalt steht nicht in Widerspruch zu der darwinschen Theorie. De Vries (1901) glaubte, in drastischen, sprunghaften Erbänderungen, die er Mutationen nannte, einen prinzipiell anderen Modus des Artenwandels entdeckt zu haben. Er meinte, daß neue Arten sprunghaft aus mutierten, von den Eltern stark unterschiedenen Individuen entstünden, und stellte diesen Mechanismus der Evolution in Gegensatz zu Darwins Theorie der allmählichen Speciation (Artbildung) durch die Selektion kleiner Unterschiede. Für Darwin waren Varianten gleichbedeutende Glieder einer Gemeinschaft. Die Mutanten von De Vries galten dagegen als Abweichungen vom Typus. Die typologische Denkhaltung stand konträr zum „Populationsdenken“ Darwins und wirkte lange fort. Ab 1910 wiesen Morgan und seine Schüler nach, daß Mutationen aller Größenordnungen vorkommen, daß neben den seltenen und meist letalen (tödlichen) Großmutationen (z.B. Veränderung des Chromosomensatzes) viel zahlreichere kleine Erbänderungen auftreten, darunter auch solche, die sich der flüchtigen Beobachtung entziehen und überhaupt nur mittels sehr subtiler Methoden aufspürbar sind. Deutlich wurde auch, daß Mutationen keine neuen Arten bilden, jedenfalls nicht primär. Morgan führte vor Augen, daß die in zahlreichen Drosophila-Populationen vorkommenden Mutanten Glieder des gleichen Populationsgenoms bleiben. Aus diesen Befunden Morgans konnte gefolgert werden, dass Kleinmutationen dem entsprechen, was die Selektionstheorie Darwins als Quelle erblicher Variationen fordert. Aber die Große Mehrzahl der „Frühgenetiker“ kehrte nicht zu Darwin zurück. Evolution schien auf glücklichen Mutanten zu beruhen, die zufällig etwas mehr nützlich als schädlich waren. Erst später wurden die Bedeutung der in Populationen gespeicherten Variabilität, die Rolle der Rekombination und die der Selektion höher geschätzt als der Selbstlauf aktueller Mutabilität. Und erst später wandte man sich wieder Darwin und der schöpferischen Kraft der Selektion zu. Der Evolutionsgedanke als solcher wirkte aber weiter, es traten aber vermehrt lamarckistische und vitalistische Sichtweisen auf, die von einer Reihe von Nichtgenetikern vertreten wurden. Der zwischen „eigentlichen“ Biologen und den im Labor oder mit der mathematischen Behandlung populationsdynamischer Fragen beschäftigten Genetiker bestehende Gegensatz wird z.B. in Ausführungen deutlich, die P. Buchner in seinem Lehrbuch „Allgemeine Zoologie“ (1938) über lamarckistische Evolutionsmechanismen macht: „Nicht nur Lamarck, sondern auch Darwin und seine Zeitgenossen waren von vornherein von einer solchen Möglichkeit überzeugt. Heute aber spalten sich die Biologen in zwei Lager. Die einen – zumeist Genetiker – lehnen sie entschieden, ja manchmal mit Spott ab, die anderen – man ist versucht, zu sagen, die eigentlichen Zoologen – erklären, daß sie auf Schritt und Tritt in der Natur das Walten der Vererbung erworbener Eigenschaften erkennen“ (S. 352). Ähnliche Ansichten vertrat auch der schon erwähnte J. W. Harms in seinem 1934 erschienenen Buch „Wandlungen des Artgefüges“. Die ständige Zurhandnahme lamarckistischer Erklärungen, wenn selektionistische Deutungen zu versagen schienen, durch Biologen, die sich auf Darwin beriefen, vertuschte Schwierigkeiten und behinderte klare Fragestellungen. Die lamarckistischen „Beweise“ basierten meist auf Indizien. Es ist verständlich, daß Unternehmungen zum experimentellen Nachweis der „Vererbung erworbener Eigenschaften“ nicht abrissen. In den zwanziger Jahren verursachten die Versuche an Amphibien von Kammerer in Wien und von MacDougall in England mannigfache Erörterungen. Nach Kammerer ließen sich an Feuersalamandern adaptive, erbliche Veränderungen der Farbe durch Haltung und Züchtung auf hellem bzw. dunklen Untergrund und Verhaltensänderungen, letzteres besonders drastisch bei Geburtshelferkröten durch veränderte Lebensbedingungen erzielen. Geburtshelferkröten paaren sich im Unterschied zu anderen Krötenarten nicht im Wasser sondern an Land. Kammerer behauptete, ihm sei es gelungen, durch erzwungenen ständigen Wasseraufenthalt der Tiere zu erreichen, daß Geburtshelferkröten im Wasser kopulieren. Nach einigen Generationen sollen aus den Wasserzuchten erblich veränderte Tiere hervorgehen, also die erworbene Eigenschaft genetisch fixiert sein. Es gab zunächst freudige Zustimmung von Fachkollegen, wie Richard Semon, aber auch Skeptiker (z.B. Richard Goldschmidt). Andere Experimentatoren, die lamarckistische Effekte nachzuweisen glaubten, waren Brown-Sequard, Guthrie, Griffith, Harrison, Harriet und natürlich auch Lyssenko. Aber Anhaltspunkte für die Existenz lamarckistisch zu deutender Effekte brachten auch diese Versuche nicht. Alle angeblichen Nachweise einer Vererbung erworbener Eigenschaften waren auf fehlerhafte Interpretation, Selbsttäuschung oder fehlerhafte Versuchsanordnungen zurückzuführen; auch Fälschungen können nicht ausgeschlossen werden. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor war der Konflikt zwischen den Genetikern und den meisten Embryologen. Noch bis in die zwanziger Jahre hinein waren für die meisten Embryologen genetische Probleme und Fragestellungen irrelevant. Das scheint aus der Sicht der intellektuellen Situation in der sich die Biologie zu der Zeit befand auch verständlich. Ernst W. Caspari (1980) charakterisierte sie Situation einmal sehr treffend: „Die Genetik war zu der Zeit ein etwas esoterischer, isolierter Teil der Biologie dessen Beziehungen zu Entwicklungs- und biochemischen Prozessen in Verdacht stand, aber keinesfalls klar war. Genetiker waren davon überzeugt, daß in den Genen die Geheimnisse des Lebens steckten, aber der größte Teil der biologischen Wissenschaft war dominiert von morphologischen und entwicklungsbiologischen Studien.“ (Caspari 1980, S. 20) Ernst Hadorn stellte 1953 fest: „Die wichtigsten Erkenntnisse der Entwicklungsphysiologie werden an Amphibien, Echinodermen, Mollusken und Nematoden. [...] zu einer Genetik der Amphibien gibt es aber nur spärlichste Ansätze, und Seeigel sind für genetische Untersuchungen so ungeeignet, dass bis heute noch kein Seeigel-Gen bekannt oder auch nur postuliert wurde. Andererseits sind die Hauptobjekte der zoologischen Genetik, wie die Fruchtfliege Drosophila oder die Maus, für entwicklungsphysiologische Arbeiten in mancher Hinsicht sehr ungünstig. So wurden bei diesen Tieren wohl hunderte von Genen nachgewiesen, ohne daß die Materialeigenschaften ihres Wirkungssubstrates entwicklungsphysiologisch untersucht werden konnten.“ Die Probleme zwischen der Genetik und der Embryologie wurden erst ab den zwanziger Jahren auf der Grundlage molekularbiologischer Erkenntnisse und Methoden gelöst. Ab Mitte der zwanziger Jahre aber gelang es eine Reihe von Biologen aus verschiedenen Fachgebieten in enger Zusammenarbeit, die Widersprüche zwischen der Genetik und der darwinschen Evolutionstheorie zu überwinden, Alternativtheorien zu widerlegen, weitere theoretische Elemente zu integrieren und so die moderne Evolutionstheorie, die synthetische Evolutionstheorie, zu schaffen. Als die wichtigsten Vertreter dieser so genannten zweiten darwinschen Revolution gelten der russisch-amerikanische Naturforscher und Genetiker Theodosius Dobzhansky, der mit seinem 1937 erschienen Werk „Genetics and the Origin of Species“ die Selektionstheorie und die Genetik miteinander verband, sowie der britische Naturforscher Julian Huxley, der amerikanische Paläontologe George Gaylord Simpson, der amerikanische Botaniker G. Ledyard Stebbins und der deutsch-amerikanische Ornithologe Ernst Mayr. Aber auch in der Sowjetunion trugen einige Wissenschaftler zur Entwicklung der synthetischen Evolutionstheorie bei, wie Sergej S. Cetverikov, oder Ivan I. Schmalhausen. Letzterer gab im Jahre 1946 das Buch „Faktory evolucci“ heraus.

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 12:58 
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3. Genetik, Rassismus und Eugenik

Eine traurige und tragische Entwicklung erfuhr die Genetik durch die Rechtfertigung von Rassismus und Eugenik. Bei ihrer Begründung des Rassismus stützen sich die faschistischen Ideologen nicht nur auf Schopenhauer und Nietzsche, sondern auch auf Mendel, Weissmann, Johannsen und de Vries, und sie verbanden die zeitgenössische Genetik im Bewußtsein der Menschen untrennbar mit dem Rassismus. Weite Verbreitung fand die Einleitung des Realschullehrers und Publizisten Hans F. K. Günther, der in seinem Werk „Rassenkunde des deutschen Volkes“ ausführliche Merkmalsbeschreibungen zur nordischen, westlichen, dinarischen, ostischen usw. Rasse vorlegte. In den zwanziger und dreißiger Jahren kam es aufgrund der wissenschaftlichen Fortschritte der Genetik zu einer Konkretisierung der eugenischen Ideen.

Der Begriff der Eugenik wurde 1883 zum ersten Mal von Francis Galton, einem Verwandten von Darwin, vorgeschlagen und läßt sich kurz mit „gute Abstammung“ übersetzen. Ziel der Eugeniker ist es seither, die genetische Zusammensetzung einer menschlichen Population zu verbessern bzw. eine Verschlechterung zu verhindern. Es wird – modern gesprochen – versucht, den menschlichen Genpool mit wissenschaftlichen Mitteln zu kontrollieren und die biologische Evolution der Menschen planmäßig und bewußt zu gestalten. Die konkreten Ziele, die unter dem allgemeinen Wunsch nach einer Verbesserung subsumiert wurden, haben je nach politischem Standpunkt und historischer Situation stark geschwankt. Auch die Motive für eugenische Programme wandelten sich je nach politischem und historischem Kontext. Eugenische Vorstellungen hatten seit Ende des 19. Jahrhunderts weite Verbreitung in den Industrieländern und eine Reihe einflußreicher Vertreter. [2] [3] Man kann den „Früh-Eugenikern“ wie Galton nicht irgendwelche Bosheiten unterstellen, wie daß sie an der Auslöschung „unwerten“ Lebens schuldig seien. Galton ging, wie viele Eugeniker, davon aus, daß geistige Fähigkeiten in den Erbanlagen stecken und diese vererbt werden. Das trifft nur zum Teil zu. Früher dachte man daß es für alles, egal ob Körperteil, Molekül oder Eigenschaft und Verhalten, ein Gen gibt. Das war eine falsche Vorstellung, da die Genetik noch sehr neu war. Erst seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts wissen wir mehr über Genetik als nur Erbsenzählen und Fruchtfliegen. Eugeniker mißinterpretieren den darwinschen Selektionsbegriff und nehmen ihn aus seinem biologischen Kontext und übertragen diesen auf die menschliche Gesellschaft. Laut Darwin war nicht das Überleben an sich, sondern die Zeugung möglichst vieler überlebens- und fortpflanzungsfähiger Nachkommen Grundlage biologischen Erfolges. Dazu zeigt sich, daß sowohl die von Sozialdarwinisten und Eugenikern abgelehnte genetische Vielfalt als auch die Existenz altruistischer Verhaltensweisen in der Natur weit verbreitet sind und sich meist positiv auf die evolutionäre Fitneß einer Art auswirken. Schließlich gilt schon die unreflektierte Übernahme einer an der Tier- und Pflanzenwelt orientierten Theorie zur Beschreibung menschlicher Beziehungen als ungerechtfertigt. Von philosophischer Seite aus hat sich darüber hinaus grundsätzlicher Widerstand gegen die Gleichsetzung eines biologischen Ist-Zustandes mit einem moralischen Soll-Zustand erhoben. Der im Rahmen des Biologismus manchmal noch anzutreffende Versuch, aus der Natur Wertvorstellungen für die menschliche Gesellschaft abzuleiten, gilt heute als naturalistischer Fehlschluß (naturalistic fallacy). Im Grunde genommen müssen Eugenik und Rassismus auch nicht übereinstimmen. Dies wird beispielsweise durch das Manifest der Genetiker dokumentiert, das unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges publiziert wurde. Das Manifest wurde auf dem 7. Internationalen Kongreß für Genetik in Edinburgh verabschiedet und in Nature unter dem Titel „Social Biology and Population Improvement“ veröffentlicht. Die Unterzeichner bekennen sich eindeutig zur Eugenik und lehnen zugleich Rassenvorurteile und -Privilegien ab. Nicht nur eine genetische Verschlechterung soll verhindert werden, sondern weitgehende Verbesserungen sind möglich. [4] Auch wenn man Galton und manchen anderen Eugenikern keine bösen Absichten unterstellen will und Rassismus und Eugenik nicht unbedingt ein und dasselbe sein müssen, so ist diese Pseudowissenschaft strengstens zu verurteilen und abzulehnen, da die politischen Auswirkungen eher dem Gegenteil dessen entsprechen, was sich die Vertreter des „Genetischen Manifestes“ vorstellten. So wurden z.B. zwischen 1907 und 1931 in Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, den USA, Estland, Danzig, Schweiz, England, Bermuda, Kanada, Mexiko, Japan und Deutschland Sterilisationsgesetze eingeführt. So wurden 1935 in 26 Bundesstaaten der USA Zwangssterilisationsgesetze eingeführt, in zehn weiteren sollten sie noch eingeführt werden. In Kalifornien wurden 1935 12 000 Zwangssterilisationen auf dieser Gesetzesgrundlage durchgeführt. [5] Von diesem Punkt aus war es bis zur Ermordung behinderter oder sonstiger angeblich „wertloser“ Menschen durch die Nazifaschisten nicht mehr weit. Aber auch die sowjetische Wissenschaft war nicht frei von eugenischen Einflüssen. Im Jahre 1920 gründete N. K. Kolzow zusammen mit Ju. A. Filiptschenko die „Russische Eugenische Gesellschaft“ und am 20. Oktober 1921 wurde die erste Lesung über „die Verbesserung der menschlichen Spezies“ gehalten. Später wurde bis 1931 das „Russische Eugenische Journal“ herausgegeben, in der eine Reihe eugenischer Artikel und Studien aus aller Welt veröffentlicht wurden, so z.B. G. Lafina: „Eugenische Sterilisation. Historischer, juristischer und statistischer Abriß eugenischer Sterilisation in den Vereinigten Staaten“ (1926). [6] Im Jahre 1929 sagte der bekannte sowjetische Genetiker A. S. Serebrovski wie die sowjetische Eugenik der Industrialisierung der Sowjetunion helfen könnte: „Wenn wir es hinkriegen jede Art von erblichen Krankheiten aus unserer Bevölkerung zu eliminieren, so kann es möglich sein, daß wir den Fünfjahresplan in zwei bis drei Jahren vollenden.“ [7] Von da an fing die sowjetische Regierung dankenswerterweise damit an, gegen die Eugenik, vorzugehen. Der Vollständigkeit halber sollte aber noch erwähnt werden, daß sich eine Reihe von Genetikern und anderen Biologen von den Zielen und Vorstellungen der Eugeniker distanzierten und strengstens verurteilten, auch wenn es in manchen Einzelfragen durchaus Übereinstimmungen gab. [8] Nach 1945 bemühten sich die Vertreter des synthetischen Darwinismus intensiv, die Diskussionen der Evolution und Rassenbildung beim Menschen auf eine neue Basis zu stellen und Rassendiskriminierungen entgegenzuarbeiten. Charakteristisch für die Diskussionen jener Jahre ist eine Untersuchung der UNESCO, die 1952 unter dem Titel „The Race Concept: Results of an Inquiry“ erschien. Einer der wichtigsten Autoren dieser Schrift, Dobzhansky, definierte menschliche Rassen im Sinne des synthetischen Darwinismus als Populationen, die sich von anderen Populationen durch die Häufigkeit bestimmter Gene unterscheiden, d. h. durch quantitative, nicht aber durch qualitative Abweichungen.
4. Warum war Lyssenko so erfolgreich?

In den vorliegenden Kapiteln haben wir gesehen, daß die Geschichte der Biologie, insbesondere der darwinschen Evolutionstheorie und der Genetik nicht geradlinig verlief. Eine Reihe von Genetikern lehnte auf die eine oder andere Weise das darwinsche Evolutionsmodell ab, wiederum lehnten eine Reihe der Darwinisten die Genetik ab und kamen nicht selten zu offen lamarckistischen Positionen. Hinzu kamen eine Reihe verwirrter politischer Interpretationen einiger Eugeniker und Rassisten, die die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse für ihre politischen Zwecke mißbrauchten. Eins sollte man klarstellen: Politische Ansichten oder die Weltanschauung einzelner Wissenschaftler und deren objektiven Forschungsergebnisse sind zwei Paar Schuhe. So enthüllte z.B. Lenin in seinem Werk „Materialismus und Empiriokritizismus“ die Quellen der Metaphysik und des subjektiven Idealismus in den Ansichten vieler Physiker und Psychologen seiner Zeit, aber niemals zog er wissenschaftliche Erkenntnisse in Zweifel. So kritisierte er Mach als Philosophen, nicht jedoch als Spezialisten auf dem Gebiete der Mechanik, er sprach von der Möglichkeit einer falschen Auslegung der Relativitätstheorie, aber nicht von einer Fehlerhaftigkeit der Theorie selbst. Es ist mit Sicherheit hervorragenden Biologien wie Ernst Mayr oder Theodosius Dobzhansky zu verdanken, daß sie mit der Entwicklung der synthetischen Evolutionstheorie das Fundament für die Beseitigung der Mißverständnisse und Irrwege in der Biologie der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gelegt haben, auch wenn sie mit viel Widerstand zu kämpfen hatten. Es ist also nicht auszuschließen, daß Lyssenkos Sichtweisen durch die Streitigkeiten in der kritischen Periode des Darwinismus geprägt worden sind. Weiterhin war Lyssenko einer der schärfsten Kritiker der Eugenik, was ihm an dieser Stelle hoch angerechnet werden muß. Das Problem bei Lyssenko war jedoch, wie wir später noch sehen werden, daß er sich bei seiner Kritik nicht an Lenin hielt. Für ihn war es einfach: Wenn Genetiker wie T. H. Morgan einige eugenische Aussagen machten, war für ihn die Genetik als solches eine falsche Theorie. Die Quelle für Lyssenkos Erfolg lag aber nicht nur in den Wirren der damaligen Zeit uYEARSnd an seiner Kritik an der Eugenik. Bevor wir uns die Ideologie und die „wissenschaftlichen Grundlagen“ Lyssenkos näher anschauen, soll ein kurzer Einblick über seinen Werdegang und seinen Erfolg bis zu seiner Monopolherrschaft 1948 gewährt werden. Glaubt man der antikommunistischen Propaganda, die in diesem Fall auch von einigen Linken – so z.B. von Robert Steigerwald und Günter Judik von der DKP – offen und wahrscheinlich mit sehr wenig Hintergrundwissen sowohl in der Geschichte wie auch der Erkenntnisse der Biologie geteilt wird, war Lyssenko ein Scharlatan und absoluter Vollidiot, der seine Ergebnisse fälschte, seine Gegner liquidierte, der dazu mit seinen pseudowissenschaftlichen Methoden Mitschuld an Mißernten und Hungersnöten in der Sowjetunion hatte. Und natürlich war Lyssenko ein blinder Lakai Stalins, da letzterer ohnehin die Wissenschaft hasste und von ihr geradezu nichts verstand. So einfach ist jedoch die Geschichte nicht, wie wir in diesem und in den folgenden Kapiteln sehen werden. Lyssenkos Geschichte fängt im Jahr 1927 an. Zu dieser Zeit war Lyssenko ein einfacher Agrarbiologe, der für einige Techniken in der Agrarwissenschaft bekannt war, jedoch ohne eine weiterentwickelte Theorie. Sein Name erschien 1927 in der Prawda, in dem Artikel „Die Acker im Winter“. Dort wird über ein Experiment Lyssenkos berichtet, das erfolgreich durchgeführt wurde um die Nahrungsmittelknappheit, hervorgerufen durch Baumwollmonokulturen, in Aserbaidschan zu lösen. Da zu dieser Zeit Nahrungsmittelknappheit und Hunger keine Seltenheit war, ist es verständlich, daß Lyssenkos Arbeit viel Aufsehen erregte. Die Technik, derer sich Lyssenko bedient hatte, war die so genannte Vernalisation (im russischen: Jarowisation). [9] Eine Vernalisation liegt dann vor, wenn eine mehr oder minder ausgedehnte Kältebehandlung die Blütenbildung einer Pflanze spezifisch oder positiv beeinflußt. Zahlreiche ein- und zweijährige Pflanzenarten in Regionen mit ausgeprägten Unterschieden zwischen Winter- und Sommerbedingungen blühen erst, nachdem sie eine andauernde Periode mit niedrigen Temperaturen durchlebt haben. Dies verhindert den Beginn der generativen Phase in der für die Pflanze ungünstigen Zeit vor Wintereinbruch. Vor allem beim Getreide hatte Lyssenko die künstliche Vernalisation eingeführt. Um Wintergetreide, das normalerweise im Herbst gesät wird und im Frühjahr blüht, auch im Frühjahr aussäen zu können wurde künstlich vernalisiert. D.h. bei Frostwetter wurde das Wintergetreidesaatgut in speziellen Gebäuden durch Zusatz von Feuchtigkeit und Wärme in Keimstimmung gebracht, danach wurden für einige Stunden Türen und Fenster geöffnet, um das Saatgut dem Frost auszusetzen. Durch diese „Jarowisation“ wird die in Wintergetreide vorhandene „Schoßhemmung“ beseitigt und die Wintergetreidesorten schossen und blühen auch nach Frühjahrsaussaat. [10] Die Vernalisation ist die erste technische Methode, die von Lyssenko theoretische ausgearbeitet wurde und weitgehend in die Praxis umgesetzt wurde. So wurden 1935 2,1 Millionen ha Anbaufläche mit vernalisiertem Getreide ausgesät. [11] Im Grunde genommen ist an der Vernalisation nichts außergewöhnliches, da sie schon vorher bekannt war und auch durchgeführt wurde. Jedoch gehörte Lyssenko zu den Pionieren der praktischen Anwendung dieser Methode. Das Problem beim Wintergetreide ist, daß dieses bei einer Aussaat im Herbst oft unter Frostschäden leidet. Durch kurzzeitige Kältebehandlung und Aussaat im Frühjahr konnte dieses Problem gelöst werden. Damit hatte Lyssenko zur Lösung des Problems der Nahrungsmittelknappheit einen guten Beitrag geleistet. Nun werden manche sagen, Lyssenko habe seine Ergebnisse gefälscht und war unter anderem für eine Reihe von Mißernten und Hungersnöten schuldig. Es ist schwer zu beantworten, ob Lyssenko seine Ergebnisse gefälscht hat, auszuschließen ist es für die Untermauerung seiner Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften nicht (Lyssenko führte ähnliche Versuche wie der oben erwähnte Paul Kammerer durch), jedoch kann man es auch genauso wenig beweisen. Es gab jedoch die Tendenz der Lyssenkoanhänger, auf genau kontrollierte und überprüfbare Versuchsmethoden zu verzichten, was oft zu Fehlinterpretationen oder voreiligen Schlüssen führte. Was den Vorwurf der Mißernten und Hungersnöten angeht, kann dies als absolut lächerliche Unterstellung verworfen werden. Die letzte größere Hungersnot in manchen Teilen der Sowjetunion war Anfang der dreißiger Jahre und sie war Folge diverser Typhusepidemien, langer Trockenmonate im Jahre 1931 und 1932 sowie das Abschlachten von Vieh und Verbrennen des Getreides durch die Kulaken. [12] Lyssenkos groß angelegte Projekte begannen aber erst 1935. Die Sowjetunion war ein Land, das sich in der Phase der Industrialisierung befand und das Nahrungsmittelproblem zu lösen suchte. Hätte Lyssenko tatsächlich in diesem Gebiet versagt, wäre er kaum aufgestiegen. Die folgende Tabelle zeigt einen Vergleich der Weizenerträge in den USA und der UdSSR [13]:

YEARS USA SOVIET UNION
1926-28 BASE 100
(14.83BU/ACRE) BASE 100
(6.69BU/ACRE)
1929-31 98 104
1932-34 82 93
1935-37 87 97
1938-40 96 113
1941-44 118 -
1945-47 118 72
1948-50 116 106
1951-53 116 135
1954-56 128 130
1957-59 159 172
1960-62 169 184

Die Tabelle zeigt eindeutig, daß weder die Kollektivierung, noch Lyssenkos Tätigkeiten die Landwirtschaft der Sowjetunion sabotierten. Neben der Vernalisation von Getreide, Erbsen und anderen Grundnahrungsmitteln war auch die Pflanzung von Kartoffeln im Sommer eine weitere technische Maßnahme, die von Lyssenko 1935 vorgestellt und großflächig in den Steppengebieten im Süden der Sowjetunion durchgeführt wurde. Man hat festgestellt, daß das Pflanzen von Kartoffeln diese im Sommer gegen Krankheiten wesentlich resistenter macht. Ironischerweise geben die Gegner Lyssenkos an, daß auch diese Methode nichts Besonderes und seine theoretische Erklärung noch dazu falsch ist. Das mag vielleicht sein, doch auch diese Methode löste das Nahrungsmittelproblem. [14] Die dritte und wohl spektakulärste Methode war die vegetative Hybridisierung (heute eher Pfropfen genannt), die Lyssenko vom Botaniker Michurin übernahm und theoretisch zu erklären versuchte. [15] Bei dieser Art der Veredelung von Kulturpflanzen, welche vor allem bei Obst- und Zierbäumen Verwendung findet, wird dabei ein Edelreis (ein Teilstück eines Zweiges mit Knospen) mit einer Unterlage (Wurzelsystem und ein Teil des Stammes) zusammengefügt. Häufig wird dabei ein angespitzter Zweig in den ab- und eingeschnittenen Stamm einer Jungpflanze gesteckt. [16] Interessant ist, daß die Genetiker zu dieser Zeit nicht über die Fakten diskutierten, sondern über deren Interpretation. Für sie war klar, daß Hybriden nur über den sexuellen Weg entstehen können. Die Doktrin der vegetativen Hybridisierung war für sie nicht akzeptabel. Bevor jedoch die vegetative Hybridisierung zur Doktrin wurde, war sie eine Methode zur Veredelung von Kulturpflanzen die von Michurin umfassend praktiziert und von Lyssenko weiter entwickelt wurde. Daß der von Lyssenko behauptete ausschließlich vegetative Charakter der Vererbung ziemlich dubios und widerlegt ist, ist die eine Sache, die hybirdisierten Pflanzen wie die Obstbäume, die in den nördlichen Breiten gediehen, waren keine Phantasie Lyssenkos, sondern Realität. Diese drei praktischen Methoden – Vernalisation, Sommerpflanzung von Kartoffeln und vegetative Hybridisierung – waren die materielle Basis für Lyssenkos Erfolg. Seine theoretischen Interpretationen waren zwar im Wesentlichen falsch, seine Methoden hatten jedoch auch Erfolg. Das Problem war hier jedoch, daß Lyssenko diese Methoden generalisierte und im ganzen Land – unabhängig von den natürlichen Bedingungen – anwendete, ohne dabei umfassende Forschungen durchzuführen. Fakt war nämlich, daß Lyssenko von einem Erfolg berichtete es in der gesamten Sowjetunion durchgeführt wurde. Wenn z.B. das Vernalisieren in der Ukraine zum Erfolg führte, unternahm das Volkskommissariat für Landwirtschaft Maßnahmen, diese in anderen Regionen ebenso durchzuführen. So wurde alles Hypothetische und Vorstellbare akzeptiert und gebilligt, was mitunter zu Problemen führte. Als 1948 Lyssenko den Höhepunkt seines Einflusses erreichte, siegte das Vorstellbare über das real Machbare. So hatte Lyssenko neben seinen erfolgreichen Methoden, die ich oben erwähnt habe, auch seine Mißerfolge, die zwar bei weiten nicht so schlimm waren wie behauptet, jedoch bleibende Narben hinterließen. So wurde nicht selten vernalisierter Winterweizen in feuchten und sumpfigen Gebieten ausgesät, wo er einfach nicht wachsen konnte. Weiterhin ging Lyssenko davon aus, daß Winterweizen in der Lage war in den frostigen Gebieten der Steppen Rußlands zu überwintern; ebenfalls eine Maßnahme die zum Scheitern verurteilt war. Dennoch wurden eben auch diese Mißerfolge als Heldentat dargestellt, weil von den zig Weizensorten einige resistente überleben und wachsen konnten. [17] Auf der anderen Seite waren die klassischen Genetiker zu dieser Zeit oft nicht erfolgreicher. So berichtet das englische Magazin „Farmer and Stock-Breeder“ von 2. Dezember 1947 (Nr. 3034, Seite 2741): „In unserem Land haben wir einer Reihe von Zuchtrassen bei Rindern und Schafen sowie allen anderen landwirtschaftlichen Nutztieren hervorgebracht. Dabei muß man zugestehen, daß die Genetik keinen Anteil hatte. [...] Die genetischen Wissenschaften haben noch nicht die praktischen Erfolge um sich die Anerkennung leisten zu können, im absoluten Recht zu sein.“ [18] Jaques Blamont bemerkt in der „Europe“ (Nr. 37, Januar 1949, S. 141) über die Weinkultur „Es muß zugegeben werden, daß unsere Methoden zur Qualitätssteigerung des Weins sich im letzten Jahrhundert nicht gebessert haben: wir haben zwar einige Probleme gelöst, jedoch ohne eine verständliche Theorie zu haben, die uns ermächtig die Ergebnisse unserer Experimente vorauszusagen.“ [19] Zweifellos sah die Situation bei Getreide – vor allem Weizen und Mais – anders aus. Aber selbst Marcel Prenent erkannte in seinem Artikel über Lyssenko in „La Pensee“, daß Verbesserungen nicht oder nur teilweise und langsam zu verzeichnen waren, wo „Mendelisten“ die Versuche durchführten. [20] Heute sind diese Mißerfolge durch neue Erkenntnisse in der Biochemie und Zellbiologie erklärlich und überwindbar. Diese neuen Erkenntnisse kamen aber erst in den fünfziger Jahren und später, in den dreißiger und vierziger Jahren gab es diese Hilfe nicht. Daher läßt es sich auch erklären, weshalb man über Lyssenkos Misserfolge – die jedoch mit der Zeit immer deutlicher wurden – hinwegsehen konnte.
5. Hatte Lyssenko immer Unrecht?

Das vorherige Kapitel versuchte die Frage zu lösen warum Lyssenko so weit aufsteigen konnte, obwohl seine theoretischen Grundlagen falsch waren und überholt sind. Dieses Kapitel will sich etwas näher mit einigen Grundideen Lyssenkos auseinander setzen. Ich versuche dies anhand von drei Beispielen genauer zu erläutern: Zum einen was die in Kapitel vier erwähnten praktischen Methoden Lyssenkos, der Vernalisation und vegetativen Hybridisierung, angeht. Weiterhin wird Lyssenkos Angriff auf die Chromosomentheorie, sowie seine Positionen zur Evolutionstheorie genauer analysiert. Lyssenko hatte die praktische Bedeutung der Vernalisation erkannt und mit mehr oder weniger großem Erfolg auch durchgeführt. Unbekannt waren für ihn die molekularen Grundlagen der Vernalisation, die auch heute noch nicht völlig geklärt sind. Das Umweltsignal „Kälteperiode“ (Vernalisation) wird über verschiedene Gene in das regulatorische Netzwerk der Blühkontrollgene eingeschaltet. In Winterweizen sind die Gene VRN1 und VRN2 die zentralen Schaltstellen für das Signal der Vernalisation. Diese Gene sind homolog zu anderen Genen, die an der Blühinduktion beteiligt sind, wobei VRN2 nur bei Gräsern gemäßigter Breite vorkommt. Tropische Gräser wie Reis enthalten keine homologen Gene zu VRN2. Bei Nichtgräsern wie zum Beispiel zweikeimblättrigen Pflanzen (z.B. Nachtschatten und Rosengewächse) spielen andere Gene eine Rolle bei der Blühinduktion. Die unterschiedlichen genetischen Lösungen des Problems, das Signal Kälte als Auslöser für die Blüteninduktion zu integrieren, zeigen die Flexibilität des integrierenden Netzwerkes der Blühkontrollgene. Die Möglichkeit sich in wenigen bzw. einer Generation auf Veränderungen mit entsprechendem Klimawechsel anpassen zu können, ist ein wichtiger Vorteil im Überlebenskampf und bei der Eroberung neuer Lebensräume. Die molekulare Wirkung langer Kälteperioden bei der Vernalisation beinhaltet u.a. eine Demethylierung der DNA im Zellkern. Unter DNA-Methylierung versteht man den Einbau bestimmter Methylgruppen (Kohlenwasserstoffe) an die einzelnen Basen der DNA wodurch die Transkription (das Ablesen) der Gene verhindert wird. Ein Vergleich der Methylierungsrate der Kern-DNA vor und nach der Vernalisation zeigt, daß der Methylierungsgrad verhindert wird. Im Rahmen der damit einhergehenden, verstärkten Genaktivität wird auch das Gen für das Enzym Kaurenoxygenase stärker exprimiert. Dieses Schlüsselenzym ist an der Synthese des Phytohormons Gibberelinsäure beteiligt, einem wichtigen Wachstumshormon einer Pflanze (unter anderem bei der Aktivierung weiterer Enzyme beteiligt, die Stärke spalten können). [21] Die oben beschriebenen Umstände waren Lyssenko unbekannt, da diese Entdeckungen nicht älter als zehn bis 15 Jahre sind, immerhin hatte er aber erkannt, daß der Umweltfaktor Temperatur eine bedeutende Rolle spielte. Lyssenko hatte aber die Vernalisation falsch interpretiert: Er ging davon aus, daß wenn man Pflanzen diesen Kältebedingungen aussetzt und sie deswegen früher Blühen und Keimen, vererben sie diese erworbene Eigenschaft an ihre Nachkommen. Dieser Umstand ist bisher noch nicht beobachtet worden. Der von Lyssenko benutzte Winterweizen hatte schon vorher die Eigenschaft durch künstliche Vernalisation zu blühen, diese Eigenschaften steckten in den Genen die im Laufe der Evolution entstanden sind. Die der vegetativen Hybridisierung konnte man oft feststellen, daß das Edelreis (ein Teilstück eines Zweiges mit Knospen) mit der Unterlage (Wurzelsystem und ein Teil des Stammes) in Wechselwirkung zu treten scheint. Manchmal verhält sich die Unterlage wie sein Edelreis und umgekehrt. Lyssenko ging natürlich davon aus, daß auch hier die Hybriden ihre Erbanlagen vermischen – der Edelreis erhält die Eigenschaften der Unterlage und/oder umgekehrt. Damit war für Lyssenko bewiesen, daß der gesamte Körper Träger der Erbinformation ist und nicht die Chromosomen. Heute weiß man dies jedoch besser: Die Pfropfpartner arbeiten insofern miteinander zusammen, daß beide existieren können, die Wechselwirkung zwischen Edelreis und Unterlage sind aber gering und reduzieren sich nur auf den Austausch von Wasser, Ionen, Nährstoffen und Hormonen. Als Differenzierungssysteme bleiben die Pfropfpartner strikt getrennt. Jeder entwickelt sich gemäß seiner eigenen genetischen Information. [22] Viel interessanter jedoch als Lyssenkos theoretischen Vorstellungen über die Vernalisation und vegetative Hybridisierung sind seine Angriffe gegen die klassischen Genetiker. Wir haben weiter oben gelesen, daß Lenin zwar die philosophischen und politischen Sichtweisen mancher Wissenschaftler angriff, nicht aber ihre wissenschaftlichen Tatsachen. Dies war bei Lyssenko nicht der Fall: Er leugnete bei den Mendelisten jegliche Wissenschaftlichkeit. Kamen von manchen Genetikern wie Morgan oder Muller einige reaktionäre Sichtweisen, so war für Lyssenko nicht nur deren philosophische Einstellung falsch, sondern genauso deren wissenschaftlichen Erkenntnisse. Er bezeichnete die Genetik als solche reaktionär. Das erinnert einen leicht an das vorgehen der Kreationisten gegen die Evolutionstheorie (mit dem Unterschied, daß Lyssenko immerhin einige praktische Ergebnisse vorzuweisen hatte, die er aber aufgrund der damals mangelhaften Kenntnisse in der Genetik falsch interpretierte, Kreationisten haben gar nichts vorzuweisen, außer ihrem Hass auf die Evolution. So werfen diese religiösen Fundamentalisten der darwinschen Evolutionstheorie vor, sie sei reaktionär, weil u.a. der Philosoph Herbert Spencer als erster vom Sozialdarwinismus und vom Recht der Stärkeren sprach. Es sei hier nur mal erwähnt, daß Spencer eher ein Anhänger Lamarcks war und Darwins Selektionstheorie nicht die Grundlage für sein Weltbild war. Genauso wenig kann man der Genetik vorwerfen sie sei reaktionär. Gene existieren unabhängig von den Klassenverhältnissen. Sie sind ebenso eine Tatsache, wie die Schwerkraft oder daß sich die Erde um die Sonne dreht. Lyssenkos Hauptargument bezüglich der Chromosomentheorie – jenseits der ideologischen Angriffe und des Vorwurfs reaktionär zu sein – war, daß es keine speziellen Organellen gab, die die Eigenschaften der Vererbung tragen. Er betrachtete den gesamten Körper als Einheit der Vererbung und nicht einzelne Gene. Damit leugnete er die Chromosomentheorie der Vererbung. Das Problem hierbei ist, daß es zu der Zeit ein zentrales Dogma gab: Man ging davon aus, daß nur die Chromosomen für die Vererbung wichtig seien und das umgebene Cytoplasma spiele keine Rolle in der Vererbung. Heute weiß man jedoch, daß wichtige Elemente der Genregulation sich im Cytoplasma abspielen (z.B. die Translation, das Splicing, RNA-Editing etc.), die Chromosomen und damit die DNA nicht unabhängig vom Plasma sind, sondern ständig mit ihm in Wechselwirkung steht. Weiterhin fand man auch in anderen Zellorganellen DNA-Fragmente, namentlich den für die Zellatmung wichtigen Mitochondrien und die für die Photosynthese unentbehrlichen Chloroplasten. Es zeigt sich, daß die Vererbung einzelner Gene bei Mitochondrien und Chloroplasten nicht den Mendelschen Gesetzen folgt. Bei der Befruchtung der Eizelle und bei der Embryonalentwicklung spielt außerdem das Cytoplasma eine wichtige Rolle. Auch die Rolle von Umweltfaktoren wurde von den meisten Genetikern meistens außer Acht gelassen. Die einzige Quelle die man kannte in der äußere Faktoren Gene verändern konnten, waren H. J. Mullers Experimente mit Röntgenstrahlen. Heute spielen Umweltbedingungen – vor allem in Anbetracht der natürlichen und sexuellen Selektion, aber auch solche Entwicklungsschritte wie die Vernalisation – für das Verständnis genetischer Vorgänge eine nicht unwesentliche Rolle. Zusammenfassend läßt sich also feststellen, daß Lyssenko zwar Recht hatte in seiner Behauptung, daß die Erbanlagen nicht unabhängig von ihrer äußeren Umgebung existieren können. Aber zum anderen hatten Lyssenko und seine Anhänger die Tendenz die Rolle der Chromosomen und später der DNA völlig abzustreiten. Das ist mit unter auch die Folge, daß die genetischen Wissenschaften in der Sowjetunion dem Forschungsstand des Westens hinterherhinkten. Diese Vorgehensweise der Lyssenkoisten war undialektisch, weil sie die Realität leugneten. [23] Paradoxerweise wurde Darwin nicht viel besser behandelt. Man gab sich zwar als die wahren Darwinisten aus – man sprach vom schöpferischen Darwinismus – und die Mendelisten wurden als Verfälscher Darwins dargestellt, jedoch hatte man auch einige Kritiken an Darwin, die entstellend waren. Lyssenko hebt zwar die Bedeutung des Werkes von Darwin hervor, kritisiert aber, basierend auf Marx und Engels Aussagen, daß Darwin Malthus Bevölkerungstheorie auf seine Selektionstheorie übertrug. So kann man in „Dialektische Logik“ von Bela Fogarasi lesen: „Darwin übertrug die reaktionäre Bevölkerungstheorie von Malthus auf die Erklärung der Entwicklung der Arten. Nachdem nun Darwin das an sich selbst schon falsche Malthussche Schema irrtümlicherweise auf das Gebiet der Natur übertragen hatte, übertrugen die deutschen Vulgarisatoren des Darwinismus (Vogt, Büchner, Moleschott) dieses fehlerhafte Element der Theorie Darwins wiederum auf die Gesellschaft und faselten vom ‚ewigen sozialen Gesetz des Kampfes ums Dasein’. Marx und Engels wiesen bei der Betonung der epochemachenden Verdienste Darwins von Anfang an auf diesen Fehler in dessen Werken hin und zertrümmerten die zeitgenössischen scheinwissenschaftlichen, biologisierenden gesellschaftswissenschaftlichen ‚Theorien’. In unseren Tagen eliminierten Michurin, Lyssenko und ihre Schüler aus der Darwinschen Theorie die auf der falschen Malthusschen Analogie beruhenden irrigen Elemente und entwickelten den richtigen Kern der Darwinschen Lehre auf der Grundlage des dialektischen Materialismus in schöpferischer Weise weiter. [...] Engels [schreibt]: ‚Der wesentliche Unterschied der menschlichen von der tierischen Gesellschaft ist der, daß Tiere sammeln, während die Menschen produzieren. Dieser einzige, aber kapitale Unterschied allein macht es unmöglich, Gesetze der tierischen Gesellschaften ohne weiteres auf menschliche zu übertragen’“. [S. 302/303] Es besteht kein Zweifel an der Richtigkeit von Engels Aussage und es kann auch nicht bestritten werden, daß die Theorien von Malthus reaktionär sind. Malthus veröffentlichte seine Bevölkerungstheorie im Buch „Essay on the Principle of Population“ im Jahre 1798. Dort steht die Überbevölkerung als Problem einer sich entwickelnden Ökonomie und Gesellschaft im Zentrum seiner Überlegungen. Malthus geht davon aus, daß die Bevölkerungszahl exponentiell steige, die Nahrungsmittelproduktion in derselben Zeit aber nur linear. Dies folgt aus einfachen mathematischen Überlegungen. Wenn ein Paar vier Kinder hat und diese wieder vier Kinder pro Paar, so wächst die Bevölkerung immer schneller, die Bevölkerung verhält sich wie Zinseszinsen. Eine Steigerung der Lebensmittelproduktion folgt aber nicht dem gleichen Prinzip. Durch verbesserte Bewässerung steigt die Produktivität um 20 Prozent. Dieser Zuwachs erzeugt aber keinen weiteren Zuwachs mehr. Diese Annahme gilt nur, wenn das Bevölkerungswachstum nicht gebremst wird durch Kriege, Krankheiten, Familienpolitik usw. Die erheblichen sozialen Probleme seiner Zeit betrachtete Malthus in erster Linie als Folgen einer zu großen Bevölkerung. [24] Die wichtige Frage ist also, ob sich Darwin hat von Malthus Theorien leiten lassen, oder ob die Realität doch anders aussieht. Da die Mendelisten diesen Aspekt der Lehre Darwins nicht oder nur kaum berührten, war dies mit auch eine Grundlage, warum Lyssenko den Vertretern der klassischen Genetik vorwarf, reaktionär zu sein und sich selbst als wahren Darwinisten bezeichnete.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kommissar der sowjetischen Biologie
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 12:59 
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Der Neo-Darwinismus, der von den Vertretern der Genetik propagiert wurde, wurde mit dem Malthusschen Theorien gleichgesetzt. Lyssenkos Argument scheint an sich stark und überzeugend zu sein, vor allem für Marxisten. Es ist auch so, daß Darwin in seiner Autobiographie notierte, daß er das Konzept des „Kampfes ums Dasein“ tatsächlich von Malthus Essay „On the Principle of Population“ übernahm. Als Konsequenz daraus trennten die Lyssenkoisten zwischen zwei verschiedenen Elementen der Darwinschen Theorie.

Fakt ist jedoch, daß Darwin schon den Kampf ums Dasein in der Natur beobachtet hat und diesen Begriff kannte, bevor er Malthus Essay gelesen hat! In seiner Autobiographie schreibt er, daß er schon Jahre lang den Kampf ums Dasein in der Natur beobachtet hat (schon seit 1831 reiste Darwin mit seinem Forschungsschiff Beagle durch die Welt, Malthus Essay las er aber erst 1838!) und Malthus Terminologie (also nicht sein theoretisches Konstrukt!) übernommen hat, da der Begriff Kampf ums Dasein zu jener Zeit tatsächlich oft gebraucht wurde. Es war eine typische Metapher jener Zeit, die auch in vielen Gedichten Verwendung fand und Darwin benutze diese nicht anders als viele seiner Zeitgenossen. So schrieben auch Linneaus, Kant, Cuvier und Herder vom Kampf ums Dasein, wenn auch deren Bedeutung etwas freundlicher war: Er verhinderte daß die Tiere im hohen Alter mit qualvollen Schmerzen starben. Bei Buffon, de Candolle und Lyell war dieser Kampf barbarischer. Um es mit Ernst Mayrs Worten zu sagen: „Es war in den Schriften von Lyell, bei denen Darwin das erste mal auf den Begriff Kampf ums Dasein gestoßen ist, nicht bei Malthus“. [25] Aber es gibt noch andere Argumente, warum Darwin nicht die Theorie von Malthus auf seine Evolutionstheorie übertragen konnte. Malthus wollte beweisen, daß die Intensität und die Notwendigkeit des Kampfes jeglichen Fortschritt beim Menschen unterbinden. Zweifellos hatte dieser Gedanke bei Malthus absolute Geltung und würde man ihn von der menschlichen Gesellschaft auf die Natur übertragen, hätte man die Versicherung, daß der Kampf ums Dasein eher zu einer natürlichen Eliminierung ohne Selektion führen würde. Darüber hinaus ist noch festzustellen, daß, wann immer Malthus vom Kampf ums Dasein sprach, er niemals einen Fortschritt in der Population sah. Somit hatten sowohl Engels als auch Lyssenko unrecht: Darwins Theorie des Kampfes ums Dasein war absolut Anti-Malthus. Malthus Gedanken waren höchstens ein Konstrukt oder eine Begrifflichkeit an denen sich Darwin orientierte. Niemals aber übernahm er das Konzept von Malthus, da das Ergebnis beider Theorien antagonistisch zueinander steht. [26] Weiterhin sei noch erwähnt, daß Begriffe wie Kampf ums Dasein oder „survival of the fittest“ unterschiedlich aussehen können und man nicht klar bestimmen kann, welche Eigenschaft eines Tieres gut oder schlecht ist um sein Überleben zu sichern. Ein weiterer Aspekt der darwinschen Evolutionstheorie wird ebenfalls geleugnet, nämlich der der innerartlichen Konkurrenz, die von Lyssenko als eine bourgeoise Fiktion dargestellt wird. Für Lyssenko war die Logik einfach: Ein Wolf frißt einen Hasen, aber ein Hase frißt keinen anderen Hasen sondern Gras. Wenn Lyssenko behauptete es gäbe keine Konkurrenz innerhalb einer Tierart, weil es innerhalb der Menschen auch keine Konkurrenz gibt oder geben dürfe, so sollte man sich noch mal Engels Zitat vor Augen halten! Natürlich wurde dieses Leugnen der innerartlichen Konkurrenz auch in die Praxis umgesetzt und man pflanzte möglichst viele Pflanzen an eine Stelle. 1957 berichtete Marcel Prenant in einem Gespräch über eine Konversation, die er mit Lyssenko im Jahre 1949 hatte: „Ich erlaubte mir ihm eine Frage zu stellen: Ich stimme zu, daß junge Bäume in einem größeren Verbund gepflanzt werden sollen, dadurch können sie besser geschützt sein. Aber ist es nicht notwendig nach einiger Zeit manche von denen zu beseitigen? ‚Nein‘ sagte Lyssenko und erklärte weiter: ‚sie werden sich für einen aufopfern.‘ Meinen sie damit antwortete ich, „einer von ihnen wird stärker werden und die anderen werden schwächer oder umkommen?“ ‚Nein‘ sagte Lyssenko, ‚Sie werden sich zum Wohle der Art selbst opfern‘.“ [27] Den „Kampf ums Dasein“ ersetzte Lyssenko also mit „Aufopfern zum Wohle der Art“. Ich glaube kein Marxist wird den quasi religiösen Charakter solcher Aussagen übersehen können. Diese Absurdität geht noch weiter in dem der Vorgang der Befruchtung als „Heirat aus Liebe“ interpretiert wird. So kann man unter anderem folgendes bei Safanow lesen: „Der Wind trägt eine Wolke von Pollen. Und von dieser Wolke wählt die Pflanze den passenden Pollen aus. Die Pflanze wird aber nicht von jeden beliebigen Pollen bestäubt. Sie sucht ihre Pollen aus. Nur Organismen die zueinander passen und gegenseitig stärken vereinigen sich, wenn die Natur freie Hand hat. [...] Wir sind nicht überrascht über die deutlichen und schönen Worte, mit denen Lyssenko beschrieb, was mit seinem Weizen geschieht: ‚Heirat aus Liebe’“. [28] Ich glaube solche Aussagen bedürfen keines weiteren Kommentars.
6. Stalin, Lyssenko und die Situation der Naturwissenschaften 1948-1953

Das vorige Kapitel hat gezeigt, daß Lyssenkos Theorien im Wesentlichen falsch waren. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, daß Lyssenko Unrecht hatte. Der wahre Kritikpunkt ist, daß Lyssenko eine Zeit lang die absolute Autorität in der sowjetischen Biologie war. Ab 1948 wurden sämtliche genetischen Institute geschlossen, eine Reihe von Biologen, die Gegner Lyssenkos waren, wurden entlassen, umbesetzt oder mußten die jetzt geltende Theorie anerkennen. Lyssenko baute also ein Monopol auf, Kritik an seinen Theorien war verboten. Hier kommt die Rolle von Stalin und anderen Führern der KPdSU mit ins Spiel. Wie war ihr Verhältnis zu Lyssenko, welche Kreise unterstützen ihn und wie stand man zu Dogmatismus und Monopolismus in den Wissenschaften. Innerhalb der Naturwissenschaften ist nämlich der Fall Lyssenko ziemlich sonderbar: Nirgendwo konnte ein so großes und mächtiges Monopol aufgebaut werden. Es gab eine Reihe von Wissenschaftlern, die z.B. die Relativitätstheorie Einsteins, die Kybernetik, die Zelltheorie oder einige Fragen der organischen Chemie kritisierten und verbieten wollten. Sie kamen aber damit niemals durch. Um die Frage zu beantworten, wie Stalin und seine Anhänger zu Dogmatismus und Monopolbildung in der Wissenschaft standen, verlassen wir für eine Weile die Naturwissenschaften und machen einen kleinen Exkurs zu den Sprachwissenschaften. [29] Die Sprachwissenschaften in der Sowjetunion waren zwischen 1930 und 1950 dominiert von der Marr-Schule, einem Ideensystem das von den Philologen N. J. Marr (1864 bis 1934) entwickelt wurde. Zu Beginn seiner Laufbahn entwickelte Marr die Japhetitologie also das wissenschaftliche Studium der japhetischen Sprachen und ihre Beziehungen untereinander. Ab 1924 fing er an, theoretische Ansichten zu verbreiten, die ganz erheblich von dem abwichen, was bis dahin und auch danach außerhalb der Sowjetunion als wissenschaftlich fundiert angesehen wurde. Diesen Theorien zusammengenommen wurden allmählich unter dem Namen ‚Marrismus‘ bekannt. Gleichzeitig versuchte er seine Theorien mit den philosophischen Ideen des historischen Materialismus zu verbinden. Die Tatsache, daß es Widersprüche zwischen dem Marrismus und den Erkenntnissen der Sprachwissenschaft gab, konnte dann durch die Behauptung wegerklärt werden, daß der Marrismus eine ‚marxistische Sprachwissenschaft‘ sei und sich deshalb zwangsläufig in einem ideologischen Kampf mit der ‚bürgerlichen Linguistik‘ befinden müsse, die mit dem ‚Marxismus unvereinbar‘ sei. Marr begriff jedoch den Marrismus in einer stark vereinfachten Weise, im Sinne eines vulgärsozialistischen Ansatzes. Oder, wie es Stalin frei heraus sagte: „Rettet uns vor N. J. Marrs Marxismus! Tatsächlich wollte und versuchte N. J. Marr Marxist sein, aber es gelang ihm nicht, einer zu werden. Er war nichts als ein Vereinfacher und Vulgarisierer des Marxismus, ähnlich wie die ‚Proletkult-Leute‘ oder die ‚Rapp-Leute‘.“(Stalin: ‚Über Marxismus und Sprachwissenschaft, Juni 1950). Marrs Theorien leugneten zum Beispiel eine Verwandtschaft unter den Sprachen und man sah die Sprache als ein Klassenphänomen an. Man kann hier so einige Verbindungen zu Lyssenko erkennen: Die Marristen versuchten auf eine vulgärmarxistische Weise die Sprachwissenschaften zu sabotieren, ähnlich wie es die Lyssenkoisten mit der Genetik machten. Dabei berief man sich auf eine proletarische Wissenschaft, die von der bourgeoisen unterschieden werden müsse. So bauten die Marristen nach und nach ein Monopol in den Sprachwissenschaften auf, ähnlich den Lyssenkoisten. Eine bedeutende Debatte über die Sprachwissenschaften fand im selben Jahr statt, wie die Debatte über die Biologie, nämlich 1948. Dabei deuteten sowjetische Sprachwissenschaftler an, Marr sei der Michurin auf dem Gebiet der Linguistik und Meschtschaninow sein Lyssenko. Daß die Marristen versuchten die Parallelität mit den biologischen Wissenschaften herzustellen, geht schon aus dem Titel von Meschtschaninows Bericht her vor: ‚Zur Situation in der Sprachwissenschaft‘ – eine exakte Parallele zu Lyssenkos Referat, das den Titel ‚Zur Situation in der biologischen Wissenschaft‘ trug. Im Juli 1950 wurde jedoch das Monopol der Marristen gebrochen, unter anderem durch Stalins Beiträge zur Sprachwissenschaft. Wie man sehen kann, war Stalin ein Gegner von Dogmatismus und Monopolbildung innerhalb der Wissenschaften. Bei den Sprachwissenschaften griff er sogar persönlich ein. Aber wie war das nun mit Lyssenko? Lyssenko hatte mit Sicherheit seine Unterstützer und Sponsoren innerhalb der KPdSU. Doch welche Kräfte steckten dahinter? Die gängigste Behauptung ist, daß Lyssenko von Stalin die größte Unterstützung fand, was jedoch mit dessen Gegnerschaft zum Dogmatismus in der Wissenschaft nicht in Einklang steht. Hauptunterstützer fand Lyssenko unter anderem bei I. I. Prezent and Mitin. Prezent war im Gegensatz zu Lyssenko Mitglied der KPdSU und war anfangs ein Anhänger der Mendel-Genetik von der er jedoch später abwich. Er gehört mitunter zu den Ideologen innerhalb und außerhalb der Sowjetunion, die verantwortlich sind für die systematische Ausarbeitung der Sichtweisen von Lyssenko sowie für deren Integration in den dialektischen Materialismus. Die Fakten belegen, daß bevor Prezent mit Lyssenko zusammen arbeitete, letzterer seine biologischen Ansichten nicht mit dem Marxismus in Verbindung brachte oder die mendelsche Genetik ablehnte. [30] M. B. Mitin war stellvertretender Direktor der kommunistischen Akademie, stellvertretender Direktor des Institutes für Philosophie und Chefherausgeber der Zeitschrift „Unter dem Banner des Marxismus“. Mitin war hauptsächlich Philosoph, jedoch einer der im ständigen Streit mit gegnerischen Fraktionen. Seine Sichtweisen wurden u. a. von Andrej Shdanow abgelehnt. Mitin gehörte zu den eifrigsten Unterstützern Lyssenkos in der Zeitschrift „Literatunaya gazeta“. Am 29. November 1947 schrieben eine Reihe von Wissenschaftlern – I. Schmalhausen, A. Fomorozow, D. Sabinin und S, Judintsew – welche die Sichtweisen von Lyssenko ablehnten, einen Artikel, der in der „Literatunaya gazeta“ veröffentlicht wurde. Zur gleichen Zeit erschien aber auch ein Artikel von Wissenschaftlern, der von Lyssenkos Anhängern verfaßt wurde. Die Debatte wurde mit einem langen Artikel von Mitin (27. 12. 1947) fortgesetzt, in dem er offen Lyssenko verteidigte und Schmalhausen sowie B. Sawadowski scharf attackierte. Dem Biologen und Lyssenkogegner A. Shebrak wurde vorgeworfen, auf Seiten der reaktionären Wissenschaftler Amerikas zu stehen, weil er einen Artikel in der amerikanischen Zeitschrift „Science“ veröffentlicht hatte. [31] Was jedoch Andrej Shdanow und seinen Sohn Juri angeht, so kann man diese nicht als Unterstützer Lyssenkos ansehen. Laut Medvedev überreichte Lyssenko Mitte 1947 eine lange Mitteilung an Shdanow, in der Lyssenko um Unterstützung für seine Sichtweisen bat. Dies führte dazu, daß Shdanow die Situation der Biologie detailliert studierte. Anstatt jedoch Lyssenko zu unterstützen, attackierte Shdanow Lyssenko bei mehreren Treffen des Politbüros und wollte ihn aus der Akademie für Agrarwissenschaften rauswerfen. [32] Sein Sohn Juri Shdanow, selbst Chemiker von Beruf, wurde Vorsitzender der wissenschaftlichen Abteilung des Agitprop-Bereichs des ZK. Er überprüfte die Artikel die in „Voprosy filosfii“ veröffentlicht wurden und billigte die unorthodoxen Artikel der Lyssenkogegner. Am 10. April 1948 hielt Juri Shdanow einen Vortrag über Wissenschaft vor regionalen und ländlichen Funktionären der Kommunistischen Partei im Polytechnischen Museum in Moskau. Lyssenko bekam mit, daß der Vortrag ihm gegenüber kritisch sein würde und er arrangierte es, diesen Vortrag in einem Nebenraum über einen Lautsprecher zu hören. In seiner Rede merkte Shdanow an, daß Lyssenko die Biologie monopolisierte und Kritik an seinen Sichtweisen unterband. Weiter führte er aus, daß Lyssenko seine Versprechen, die sowjetische Landwirtschaft zu verbessern, nicht halten konnte und daß er es unterband, den Anhängern der klassischen Genetik zu ermöglichen, vorzutragen, welche Lösungsvorschläge sie ihrerseits hatten. [33] Es zeigt sich hier also, daß bis zu Lyssenkos Monopolherrschaft alle Sichtweisen zur Genetik – mit Ausnahme der offen eugenischen – offen dargestellt und diskutiert werden konnten. Es gilt auch als erwiesen, daß Andrej Shdanow, so wie sein Sohn Juri, beide treue Anhänger Stalins, klare Gegner Lyssenkos und seiner Monopolherrschaft waren. Im August 1948 tagte die Akademie der Agrarwissenschaften, deren Ergebnis war, daß Lyssenko seine Monopolherrschaft sichern konnte. Es ist jedoch nicht wirklich sicher, ob Stalin Lyssenko mochte oder nicht. Trotzdem glauben die meisten Historiker, wie auch Loren Graham, daß Stalin Lyssenko mochte. Dabei nehmen sie diese Position ein, indem sie die wenigen Aussagen Stalins zu Lyssenko als Beweis für ihre These nehmen, wichtige Schlüsselereignisse jedoch auslassen. Die bekannteste Aussage, die die Annahme bestätigt, Stalin sei ein Unterstützer Lyssenkos gewesen, war eine Einmischung Stalins bei einer Rede Lyssenkos vor dem zweiten Kongreß der Kollektivfarmer und Stoßarbeiter im Februar 1935. Als Lyssenko während seiner Rede sich dafür entschuldigte kein großer Redner und nur ein „Vernalisierer“ zu sein, unterbrach ihn Stalin mit dem Ausruf „Bravo, Genosse Lyssenko, bravo“. [34] Weiterhin hatte Juri Shdanow Stalin einen Brief geschickt, in welchem er sich für die Art und Weise, wie er Lyssenko kritisiert hatte entschuldigte. Es muß aber gesagt werden, daß Shdanow nicht von seiner Überzeugung abgegangen war, daß er mit Lyssenkos Sichtweisen nicht übereinstimmte. [35] Es kann durchaus möglich sein, daß Stalin Lyssenko persönlich mochte, es spricht aber rein gar nichts dafür, daß er Lyssenkos Theorien und vor allem seine Monopolherrschaft unterstützte.
Die Tatsachen entsprechen sogar dem Gegenteil!

1. So muß selbst David Joravsky zugeben, daß in Stalins Reden nichts zu finden ist, die nur Lyssenkos Sicht über die Genetik bevorzugen würden. [36] Stalins Beiträge zur Sprachwissenschaft beweisen, daß er gegen Dogmatismus und fehlende Kritik in der Wissenschaft ist.

2. 1991 bis 1993 fanden zwei Forscher des Instituts für Geschichte und des Instituts für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik, Yesakov und Rossiyanov, ein Originaldokument Stalins in den Archiven, in dem er Lyssenkos Text „Über die Situation der Biologie“ korrigierte und veröffentlichten eine Analyse über das was Stalin schrieb. So milderte er den antiwestlichen Ton und entfernte das Wort „Sowjetisch“ aus dem Titel (der Originaltitel lautete „Die Situation der sowjetischen biologischen Wissenschaften“); Stalins Meinung nach, war der Titel „Die Situation in den biologischen Wissenschaften“ ausreichend. Weiterhin strich er solche Begriffe wie „bourgeois“ aus dem Text. So wurde „bourgeoise Sichtweise“ in „idealistische Sichtweise“ umgewandelt, „bourgeoise Genetik“ in „reaktionäre Genetik“. An einer Stelle, als Lyssenko schrieb, daß die Wissenschaften klassenbezogen seien, machte Stalin die kritische Bemerkung „ha, ha, ha [...] und die Mathematik? Und Darwin?“ Stalins Änderungen und Ergänzungen in Lyssenkos Text signalisieren einen entschiedenen Abschied von der in den dreißiger Jahren dominierenden Doktrin, daß die Wissenschaften ein Klassenphänomen sind und es somit eine bourgeoise und eine proletarische Wissenschaft gebe. Stalin wurde eindeutig von den enormen Fortschritten in der Atomphysik in den USA und Europa zu dieser Zeit beeinflußt und er kam Ende des Zweiten Weltkrieges zu der Erkenntnis, daß der Fortschritt in der Wissenschaft weniger eine Frage der Ideologie als mehr die beträchtliche und materielle Unterstützung der Wissenschaftler ist. [37]

3. Der schon erwähnte Juri Shdanow veröffentlichte im Jahre 1993 einen Artikel in Voprosy Filosofii, in dem er darstellte, daß Stalin 1952 das Monopol Lyssenkos aufgehoben hat. Dies wird u.a. auch von Loren Graham unterstützt. Von Ende 1952 an, wurden in den Zeitschriften „Botanical Journal“ und „Moscow Society of Experimenters of Nature“, die beide unter der Leitung von V. N. Sukachev standen, lange Diskussionen über Lyssenko, sowohl von seinen Gegnern als auch Anhängern, veröffentlich. Die Kontroversen schwappten in andere Fachzeitschriften und sogar in die Volkspresse über. Es kann kein bloßer Zufall sein, daß beide Publikationen die Organe wissenschaftlicher Gesellschaften waren. Das „Botanical Journal“ hatte seinen Schwerpunkt in den Diskussionen über Lyssenkos Ansicht zur Artbildung und untersuchte eine Reihe von Behauptungen der Lyssenkoanhänger bezüglich der Artumwandlung. In einem Artikel der November-Dezember 1953 Ausgabe deckte A. A. Rukhian die Umwandlung einer Hagebuche in eine Haselnuß, über die S. K. Karapetian in Lyssenkos Zeitschrift Agrarbiologie berichtet hatte, als Fälschung auf. [38]

4. Lyssenko hatte Unterstützung von Leuten, die selbst auf Seiten der Marristen standen. So sieht es zumindest bei M. B. Mitin aus. So ist zu lesen: „Basierend auf den Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin wurde die Theorie von N. J. Marr und seiner Anhänger eine wirkungsvolle Waffe im Kampf für den Marxismus-Leninismus und dem dialektischen und historischen Materialismus, sowie gegen die idealistische Pseudowissenschaft im Bereich der Linguistik.“ [39] Es ist damit sehr bezeichnend, wenn die eifrigsten Unterstützer Lyssenkos gleichzeitig die eifrigsten Unterstützer Marrs waren.

5. Es gibt eine Reihe von Anzeichen, daß Lyssenko von Chruschtschow unterstützt wurde. Nachdem es eine Reihe von Angriffen auf Lyssenko ein Jahr vor Stalins Tod gab, wurde der Druck größer, Lyssenko als Kopf des biologischen Denkens abzusetzen. So unterzeichneten Ende 1955 über 300 Wissenschaftler eine Petition zur Absetzung Lyssenkos als Präsident der Leninakademie für Agrarwissenschaften. In den Jahren 1956 und 1957 war die Kritik an Lyssenko so intensiv, daß sie scheinbar nicht mehr aufzuhalten war. Jedoch kam es aber Ende der fünfziger Jahre zu einem Wiederaufstieg Lyssenkos, was mit großer Wahrscheinlichkeit mit Chruschtschow zusammenhängen muß. Denn Lyssenko konnte sich durchsetzen, weil er bei der Entwicklung von Düngemittel seine neue Karriere begann und sich so seinen Posten sichern konnte, da die Düngemittelindustrie in der Sowjetunion schlecht entwickelt war. Weiterhin war Chruschtschow über den Einsatz von hybridisiertem Getreide in den USA fasziniert und wollte dies auch in der Sowjetunion einführen. Obwohl Lyssenko den Einsatz von hybridisierten Getreide noch in den dreißiger und vierziger Jahre kritisiert hatte, bezeichnete Lyssenko Chruschtschows Idee des Einsatzes von hybridisierten Getreide auf dem XX. Parteitag als großartige Idee. So konnte Lyssenko sein Monopol wieder errichten, die Kritik an seinen Ansichten wurde wieder stillgelegt und der Leiter des „Botanical Journal“ V. N. Sukachev wurde abgesetzt. [40] Jedoch wurden Lyssenkos Mißerfolge, vor allem in der Tierzucht, immer größer und katastrophaler. Lyssenkos Schicksal wurde nach der Absetzung Chruschtschows besiegelt. Die Tatsachen zeigen also, daß Stalin gegen eine Monopolisierung in den Wissenschaften war und spätestens 1952 Maßnahmen dazu eingeleitet hatte, Lyssenkos Monopol zu brechen. Nach Stalins Tode jedoch konnte Lyssenko mit Hilfe Chruschtschows sein Monopol wieder errichten. Die Tatsache, daß Revisionisten wie Chruschtschow, die Stalin haßten und verleumdeten und Ideologen wie Mitin, die Anhänger von Marrs Ideen waren, Lyssenko unterstützen, aber aufrechte Kommunisten wie Shdanow und Stalin gegen eine Monopolisierung des Lyssenkoismus waren, zeigt unter anderem die schädliche Wirkung des Revisionismus auf die wissenschaftliche Forschung.
7. Der Fall N. I. Wawilow

Dieses Kapitel soll sich mit der Verurteilung des wohl bekanntesten Lyssenkogegners, N. I. Wawilow, befassen. Wawilow gehörte in den zwanziger und dreißiger Jahren zu den angesehensten Biologen der Welt. Seit 1917 lehrte er als Professor für Ackerbau und Genetik an der Universität in Saratow und seit 1921 als Professor für Botanik und Pflanzenzüchtung am Landwirtschaftlichen Institut in Petrograd (heute: Sankt Petersburg). Von 1924 bis 1940 war er Direktor des „Allunionsinstituts für Angewandte Botanik“ (später „Allunionsinstitut für Pflanzenzucht“) in Leningrad und von 1930 bis 1940 zugleich Direktor des Instituts für Genetik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in Moskau. Während der Säuberung 1937/38 wurde auch eine Reihe von Wissenschaftlern verhaftet, wobei nicht nur Anhänger der Genetik, sondern auch Lyssenkoanhänger betroffen waren. [41] Am 6. August 1940, als Wawilow eine Expedition in der Ukraine leitete, wurde er verhaftet. Im darauf folgenden Jahr wurde er wegen Spionage und der Leitung einer konterrevolutionären Organisation zum Tode verurteilt. 1942 wurde die Todesstrafe in eine Haftstrafe umgewandelt. Wawilow starb 1943 in einem Gefängnis in Saratow. [42] In wie weit Lyssenko an der Verhaftung und Verurteilung Wawilows beteiligt war, ist ungeklärt. Im Jahr 1987 schrieb Lyssenkos Sohn Juri T. Lyssenko einen Brief in der Zeitung „Moskow News“ in der er eine Beteiligung seines Vaters an der Verhaftung Wawilows bestritt. So behauptet Juri Lyssenko, daß sein Vater von den Untersuchungsleitern gefragt wurde, was er über die Spionage- und Sabotagetätigkeiten Wawilows wisse, so antwortete er, daß es zwar einige unterschiedliche Sichtweisen zwischen ihm und Wawilow gibt, jedoch aber nichts von den Spionagetätigkeiten Wawilows wüßte. [43] Da Lyssenko keine engen Kontakte zum NKWD hatte, kann man sich vorstellen, daß er nicht direkt an der Verhaftung und Verurteilung Wawilows beteiligt war. Jedoch hatte Lyssenko mit seiner Kampagne gegen die Genetiker, die er oft als Saboteure der sowjetischen Biologie bezeichnete, eine Atmosphäre geschaffen, die sicherlich Wawilows Verhaftung begünstigt haben könnte. Zumal hatte Wawilow durch seine weltweiten Expeditionen auch enge Kontakte zu ausländischen Wissenschaftlern, was am Vorabend des Zweiten Weltkrieges sicherlich manchen Verdacht im Sicherheitsministerium auslöste. Aber selbst wenn Lyssenko daran beteiligt war, Wawilow loszuwerden, wird hieraus ersichtlich, daß er ihn nicht wegen seiner wissenschaftlichen Differenzen beseitigen konnte, sondern etwas erfinden mußte. Das zeigt uns durchaus, daß die wissenschaftlichen Arbeiten keinem Verbot unterlagen. Man kann aber fest davon ausgehen, daß die Anklagen gegen Wawilow nicht haltbar waren. Wawilow wurde in den sechziger Jahren rehabilitiert (wahrscheinlich nach Lyssenkos Absetzung) und man stellte fest, daß die Anschuldigungen gegen Wawilow nicht haltbar waren. [44] Weitere Anzeichen die dafür sprechen sind, daß Wawilows Todesstrafe in eine Haftstrafe umgewandelt wurde und möglicherweise hätten weitere Untersuchungen seine Unschuld bestätigt. Weiterhin wird Wawilow in der deutschen Ausgabe der Großen Sowjetunion erwähnt und seine Arbeit gelobt. So ist dort zu lesen: „Einen besonders großen Aufschwung erlebte das Institut in der Sowjetperiode, als es von N. I. Wawilow (1887 bis 1943) geleitet wurde. Er organisierte eine Reihe von Expeditionen innerhalb und außerhalb der UdSSR und legte eine große Sammlung von Kulturpflanzen und ihren wildwachsenden Vorfahren an. Weiter bearbeitete er eingehend die sog. Geographischen Aussaaten der Kulturpflanzen in den verschiedenen Gegenden der UdSSR, organisierte ein allseitiges (morphologisch-systematisches, zytologisches, biochemisches, physiologisches usw.) Studium der Kulturpflanzen und trieb die Arbeit über die Genetik und Züchtung derselben weit voran. Von Wawilow wurde die differenzierte pflanzengeographische Methode zur Auffindung der „Entstehungszentren“ (Genzentren) der Kulturpflanzen ausgearbeitet, und die acht wichtigsten Herde für die Entstehung der Kulturpflanzen auf der ganzen Erde wurden festgestellt. Trotz der Kritik (G. N. Schlykow u.a.) fanden diese Arbeiten doch weitgehende Anerkennung“. [45] Auch wenn in der Vorbemerkung der Herausgeber zu lesen ist, daß die Abhandlungen „Biologie“ und „Botanik“ des Abschnitts XII dem heutigen Stande der Wissenschaft in der UdSSR nicht voll gerecht werden und auf die Tagungen der Leninakademie für Agrarwissenschaften verwiesen wird, ist es doch recht verwunderlich, daß fast zehn Jahre nach seinem Tod, Wawilow so deutlich für seine Verdienste gewürdigt wird, wenn er tatsächlich ein Spion gewesen sein soll.
8. Die biologischen Wissenschaften in der Sowjetunion

Das wesentliche Thema dieses Artikels waren die Theorien sowie der politische Werdegang Lyssenkos von seinen Anfängen in Aserbaidschan 1927 bis zum Höhepunkt seiner Macht 1948 und dem Ende seines Wirkens in den Sechzigern. Die Gründe hierfür waren doch etwas komplexer, als es uns so manche weismachen wollen, dennoch fügte Lyssenkos Wirken – ähnlich wie die Marristen in der Linguistik – der Biologie in der Sowjetunion gewisse Schäden zu. Generell ist zu sagen, daß die Wissenschaften in der Sowjetunion wie kaum in einem anderen Land gefördert wurden. Vor allem in der Mathematik und vielen Bereichen der Physik und Astronomie war die Sowjetunion führend. Auch die Geowissenschaften und die Chemie hatten sehr gute Fortschritte machen können. Gerade die zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre werden – besonders von den Mathematikern und Physikern – als die goldenen Zeiten der Wissenschaft bezeichnet. Was die Biologie betrifft, so hat man ein wesentlich schlechteres Bild, gerade wegen Lyssenko. Doch auch in diesem Fachbereich wurde in der Sowjetunion unglaubliches geleistet. Dieser Abschnitt soll einen kurzen Überblick über die biologischen Wissenschaften in der Sowjetunion verschaffen. [46] Was vielen nicht bekannt ist, ist daß in den zwanziger Jahren die Genetik ein weites Forschungsfeld war, indem erstaunliche Pionierarbeit geleistet wurde. Es sei hier der Genetiker Nikolai Koltsov (1872-1940) erwähnt, der den Grundstein für die Populationsgenetik in der Sowjetunion legte. Einer der wichtigsten Vertreter des synthetischen Darwinismus – Theodosius Dobzhansky – hatte ebenfalls seine Wurzeln in der Sowjetunion. Einer der grundlegendsten und der vielleicht wichtigste Einzelbeitrag des frühen synthetischen Darwinismus wurde im Jahre 1926 von Sergej S. Cetvernikov verfaßt. Sein Werk trug den Namen „Über verschiedene Aspekte des Evolutionsprozesses vom Standpunkt der modernen Genetik. In dieser Abhandlung wurden die wissenschaftlichen Ergebnisse der Selektionstheorie, der Genetik, Biometrie und Feldforschung miteinander vereint: Systematische Untersuchungen zur genetischen Struktur natürlicher Populationen von Drosophila, die Konzeption des Genofonds von Populationen (des späteren Genpools) usw. wurden gleichermaßen herangezogen, um eine neue selektionistische Evolutionstheorie zu begründen. Was Cetvernikov und Dobzhansky angeht, so verließen diese schon Mitte der zwanziger Jahre die Sowjetunion und forschten in den USA weiter. Ein weiterer Meilenstein des synthetischen Darwinismus war Ivan I. Schmalhausens Buch „Factory evolucci“ (Evolutionsfaktoren) aus dem Jahre 1946. Auf der Augusttagung der Lenin-Akademie der Agrarwissenschaften wurde Schmalhausen als Hauptvertreter des Neo-Darwinismus diffamiert, der gegenüber dem sowjetischen Darwinismus feindlich eingestellt sei. Er hatte es kategorisch abgelehnt, sich dem Diktat Lyssenkos zu unterwerfen. Trotz einiger Repressalien konnte er seine Arbeit fortsetzen und entwarf später noch ein komplexes Modell der Faktoren der progressiven Evolution. Wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben, waren auch die Arbeiten von N. I. Wawilow international anerkannt und von großer Bedeutung. An solchen Punkten erkennt man, daß die genetische Forschung in der Sowjetunion durch Lyssenko erschwert, aber nicht unmöglich war. Aber auch jenseits der Genetik war die biologische Wissenschaft – auch unabhängig von Lyssenkos Wirken – am florieren. Unter anderem gehörten die Sowjets zu den Pionieren in der Pflanzensoziologie (I. K. Pachoskii, G. F. Morozov, V. N. Sukhachev), der ökologischen Energetik (V. V. Stanchinskii) und der Verteilung und Klassifikation der Pflanzen (L. G. Ramenskii). Weitere Stärken in der Sowjetunion waren die Ornithologie und Zoogeographie (G. G. Doppelmair, P. P. Sushkin, M. A. Menzbir, V. V. Stanchinskii), Limnologie und Hydrobiologie (L. S. Berg, G. G. Vinberg, V. S. Ivlev) und die beschreibende Zoologie (A. N. Severtsov, S. I. Ognev). Pionierarbeit in der Ökologie der Tiere (die Funktion der Schneedecke) wurde von A. N. Formozov, A. A. Nasmovich und O. I. Semenov-tian-shanskii geleistet. Weitere innovative Arbeiten in der Tierökologie kamen von D. N. Kashkarov (Fauna der Steppen und Wüsten) und G. F. Gauze (Konkurrenzausschlussprinzip). L. G. Ramenskii war ein hervorragender Pflanzenökologe wie V. N. Sukachev. A. A. Rode führte die Arbeiten von Dokuchaev über Bodenbildung fort und fügte einige wichtige Faktoren wie Bodenfeuchte und die Rolle der Destruenten beim Abbau organischer Materie hinzu.
9. Schlußbetrachtung

Wie wir sehen konnten war Darwin zu Stalins Zeit nicht so anerkannt wie heute. Und auch heute gibt es noch Länder die Darwin ablehnen (vor allem die Kreationisten in den USA), wenn auch aus anderen Gründen wie in der kritischen Periode des Darwinismus. Daß Darwins Theorien wieder Hand und Fuß hatten, ist mit Sicherheit solchen Biologen wie Ernst Mayr, Julian Huxley, Theodosius Dobzhansky und Sergej S. Cetvernikov zu verdanken. Sie haben es geschafft, daß die Widersprüche zwischen der Genetik und der klassischen Biologie gelöst und beide Fachdisziplinen vereinigt. Heute kann man sich die Evolutionsbiologie ohne die Genetik nicht mehr vorstellen. Es hat gar den Anschein, daß beide ohne einander gar nicht mehr existieren können und ohne Evolution ist in der Natur ohnehin alles nutzlos. Es bleibt hier nur die Frage: Wieso ist diese Entwicklung an der Sowjetunion, dem damals fortschrittlichsten Land mit einer weit entwickelten Wissenschaft, vorbeigelaufen bzw. zerstört worden? Wieso nahm ausgerechnet Lyssenko den Platz ein, dem eigentlich Darwin und Mendel zustehen sollte? Sicher, er gab sich als ein Anhänger Darwins aus, doch hat er im Wesentlichen seine Lehre verfälscht. Es sollte für Marxisten klar sein, daß dieser Widerspruch nicht aufzulösen oder schönzureden ist, denn er existiert. Aber für jeden Widerspruch gibt es einen Grund, denn Widersprüche sind in der Wirklichkeit selbst vorhanden. Es hat nichts mit Marxismus zu tun, Widersprüche zu leugnen. Widersprüche zu erkennen schon eher. Man konnte auch sehen, daß Lyssenko kein Einzelfall war, wie man an der Situation der Sprachwissenschaften erkennen kann. Die Gründe für Lyssenkos Aufstieg wurden in diesem Artikel zumindest grob angerissen: Die Inakzeptanz der Genetik bei vielen Biologen, das Auftreten lamarckistischer Denkmuster unter Berufung auf Darwin, Rassenwahn und Eugenik, der viele Genetiker nicht los lies, Lyssenkos praktische Erfolge, die jedoch zunehmend schwächer wurden, weil er die Methodik der wissenschaftlichen Experimente (wiederholte Messungen, Negativkontrollen etc.), die ebenso vorhandene Erfolglosigkeit mancher Mendelgenetiker in der Tier- und Pflanzenzucht, das zu dieser Zeit noch nicht vorhandene Wissen über die molekularen Grundlagen der Genetik, einflußreiche politische Kräfte die Lyssenko aufsteigen ließen (Mitin, Prezent, Chruschtschow) sowie hoffnungsvolle aber dennoch leere Versprechungen die Natur mit den einfachsten Mitteln nach seinen Wünschen umzuformen. Wie man sehen kann sind die Gründe vielerlei und nicht auf die Bosheit eines Lyssenko oder gar Stalin zurückzuführen. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Die Fakten belegen, daß Stalin und seine Anhänger wie Shdanow gegen eine Monopolherrschaft Lyssenkos waren und es zeigte sich, daß dies durchaus zum Erfolg führen konnte. Man sollte auch nicht vergessen, daß die Sowjetunion nicht isoliert dastand, sondern im Gegenteil immer einer internationalen Bedrohung ausgesetzt war. So war 1948 nicht nur der Höhepunkt von Lyssenkos Macht, sondern auch eine heiße Phase des Kalten Krieges. Kommt noch der Umstand hinzu, daß die Sowjetunion der erste und lange Zeit der einzige sozialistische Staat auf der Welt war, dazu noch ein ursprünglich unterentwickeltes Land, ist es unausweichlich, daß es zu größeren Widersprüchen oder Fehlern kommt. Nun könnte man weiterhin behaupten, daß es ja „nur“ die Biologie oder die Sprachwissenschaften betraf, also im Grunde genommen nicht so wichtige Punkte. Solche Ansichten sind eindeutig schädlich, denn die Genetik und Evolution haben auch für unsere Gesellschaft unheimliche Bedeutung. Die Evolution zu verstehen und anzuerkennen heißt, sich jedem wissenschaftlichen Prozeß anzuschließen, der in der Landwirtschaft, Medizin und Biotechnologie zu gewaltigen Fortschritten geführt hat. Genau wie die DNA-Forschung, die sich durch gerichtsmedizinische Untersuchungen, Vaterschaftstests sowie die Diagnose, Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten auf unser gesamtes Leben auswirkt, hat auch die Evolution ihre Bedeutung, wenn wir die wahre Geschichte des Lebendigen und unserer Spezies verstehen wollen. Und genau wie die Grundlagen der Paläontologie, so sind auch die in der DNA festgeschriebenen Erkenntnisse über die Evolution durch ein gewaltiges Wissen in Zell- und Molekularbiologie, Genetik, Embryologie und Physiologie untermauert. Heute kann man mit dem Verständnis der Selektionstheorie neue oder resistente Krankheitserreger besser bekämpfen, genauso wie es bei der Nahrungsmittelproduktion hilfreich sein kann. Und um Stalin abschließend zu zitieren:

„Keine Wissenschaft kann sich ohne einen Kampf der Meinungen entwickeln und entfalten, ohne die Freiheit der Kritik.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kommissar der sowjetischen Biologie
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 13:00 
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[1] Informationen und Zitate entnommen aus: Ilse Jahn (Hrsg.) „Geschichte der Biologie“, 3. Auflage, Nikol-Verlag, 1998 Hamburg, Seiten 391ff, 458-460, 546, 558-579.

[2] siehe: Thomas Junker, Uwe Hoßfeld: Die Entdeckung der Evolution – eine revolutionäre Theorie und ihre Geschichte, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2001 Darmstadt, Seiten 212 – 214.

[3] kurze Anmerkung: das Buch von Junker und Hoßfeld scheint die Eugenik gutheißen oder verharmlosen zu wollen und es wird nicht als Pseudowissenschaft bezeichnet.

[4] ebenda.

[5] S. Mironin: Die Genetik und Stalin @ http://stalinism.ru/content/view/878/30/

[6] ebenda.

[7] ebenda. Das Zitat ist relativ frei übersetzt worden, der Sinn ist jedoch nicht entstellt worden. Das Originalzitat lautet: «Если бы нам удалось очистить население нашего Союза от различного рода наследственных страданий, то, наверное, пятилетку можно было бы выполнить в 2-3 года».

[8] siehe: Evolutionists against Eugenics @ http://www.talkorigins.org/origins/postmonth/nov00.html

[9] siehe: Dominique Lecourt: Proletarian Science? S 38-39.

[10] Wikipediaartikel: Vernalisation @ http://de.wikipedia.org/wiki/Vernalisation

[11] Proletarian Science S. 40

[12] siehe dazu: Ludo Martens, Stalin anders betrachtet, Kapitel 5 „Die Kollektivierung und der „ukrainische Holocaust“

[13] McCauley, Martin. „Khrushchev and the Development of Soviet Agriculture.“ London 1976, Seite 190

[14] Dominique Lecourt: Proletarian Science? Seite 64

[15] ebenda, S. 65

[16] siehe: http://www.baumpfingstrosen.de/Lexikon/Vermehrung.php

[17] Proletarian Science? S. 67.

[18] ebenda, S. 60

[19] ebenda

[20] ebenda

[21] siehe P. Schopfer, A. Brennicke: Pflanzenphysiologie, Spektrumverlag 6. Auflage, München 2006, S. 510-511.

[22] ebenda, S. 546

[23] siehe: (Alliance-ML): Lyssenko, views of nature an society – reductionist biology as a khruschevite revisionist weapon, S. 171 - 190

[24] Wikipediaartikel zu Thomas Robert Malthus http://de.wikipedia.org/wiki/Malthus

[25] John Wilkins: Darwins Precursors and Influences, 3. Struggle for existence http://www.talkorigins.org/faqs/precurs ... uggle.html

[26] Proletarian Science? S. 92-93

[27] zitiert nach ebenda, S. 96

[28] ebenda, S. 96 – 97

[29] Informationen entnommen aus: Bill Bland: „Der Kampf gegen den Revisionismus auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft“ @ http://red-channel.de/mlliteratur/sowje ... schaft.htm

[30] siehe: Loren Graham: „Science and philosophy in the Soviet Union“; New York, 1974, Seite 209

[31] siehe: Hahn, W.G.: „Postwar Soviet Politics The Fall of Zhdanov and the Defeat of Moderation, 1946-53.“ Ithaca, 1982, Seite 80

[32] ebenda, Seite 95

[33] Loren Graham: Science in Russia and the Soviet Union – A Short History, Cambridge 1993, Seite 131/132

[34] Graham: „Science and philosophy in the Soviet Union“; New York 1974, Seite 214

[35] ebenda, S. 445-446

[36] Joravsky, David : „The Lyssenko Affair“; 1970; Harvard; Seite 109

[37] siehe: Roy and Zhores Medvedev “The Unknown Stalin”, Overlook Press, New York 2004, S. 195

[38] Graham: „Science and philosophy in the Soviet Union“; New York 1974, Seite 239-240

[39] Vucinich, Alexander : „The Empire of knowledge. The Academy of Sciences USSR 1917-1970.“ London, 1984; Seite 242

[40] siehe Graham: „Science and philosophy in the Soviet Union“; New York 1974, Seite 241-243

[41] Graham: Science in Russia and the Soviet Union – A Short History, Cambridge 1993, Seite 130

[42] ebenda

[43] ebenda

[44] ebenda

[45] Große Sowjet-Enzyklopädie, 2. Auflage Verlag Kultur und Fortschritt Berlin 1952, Seiten 1474-1475

[46] siehe: Loren Graham: Science in Russia and the Soviet Union – A Short History, Cambridge 1993, Seiten 240-244

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kommissar der sowjetischen Biologie
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 17:27 
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Neueste Forschungsergebnisse belegen, dass Lyssenko nicht unrecht hatte, mit seiner Kritik an der Genetik:

http://de.wikipedia.org/wiki/Epigenetik

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BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 19:01 

Beiträge: 2008
Wikidingsda ist ja nun nicht gerade der Beweis für wissenschaftliche Erkenntnisse. Auf der verlinkten Seite werden wohl deshalb auch gleich mal Zweifel an dem Dargelegten kundgetan. Naja und über Wikidingsda hatte es letztens einen abschließenden Beitrag in einem Faden gegeben, der danach geschlossen wurde - damit sich Jens nicht noch weiter blamiert.
Soll das ganze nunmehr mit anderer Flagge neu aufgerollt werden oder will uns Jens hier nur einfach verarschen?
Oder ist sein Hang zur öffentlichen Selbstblamage nicht zu bremsen?

Mich würde einizg und allein noch Sergejs fachliche Meinung interessieren ... und einen weiteren Fachmann haben wir meines Wissens hier nicht.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kommissar der sowjetischen Biologie
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 19:45 
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Beiträge: 131
gewe hat geschrieben:
Wikidingsda ist ja nun nicht gerade der Beweis für wissenschaftliche Erkenntnisse. Auf der verlinkten Seite werden wohl deshalb auch gleich mal Zweifel an dem Dargelegten kundgetan. Naja und über Wikidingsda hatte es letztens einen abschließenden Beitrag in einem Faden gegeben, der danach geschlossen wurde - damit sich Jens nicht noch weiter blamiert.
Soll das ganze nunmehr mit anderer Flagge neu aufgerollt werden oder will uns Jens hier nur einfach verarschen?
Oder ist sein Hang zur öffentlichen Selbstblamage nicht zu bremsen?

Mich würde einizg und allein noch Sergejs fachliche Meinung interessieren ... und einen weiteren Fachmann haben wir meines Wissens hier nicht.



Man hat rausgefunden, das Vererbung nicht vollständig vom genetischen Code bestimmt wird, sondern das bestimmte Abschnitte im genetischen Code durch chemische Steuerung ein- und ausgeschaltet werden.

Lyssenko behauptete, die Genetik wäre unsinnig, und die Vererbung würde durch chemische Substanzen passieren.

Damit haben wir wieder These (Genetik), Antithese (Lyssenko) und Synthese (Epigenetik).

Den Link zu Wikipedia habe ich gesetzt damit man sich grob informieren kann. Er ist sehr schlecht, aber zum groben orientieren reicht er halt aus.

Was ist jetzt das Problem?

mfg
Jens

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kommissar der sowjetischen Biologie
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 19:53 
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Zweifelsohne stellt die Epigenetik einen sehr interessanten Forschungsbereich dar, ich bin aber kein Experte in diesem Gebiet. Der wikipedia-Artikel ist in der Hinsicht ohnehin mangelhaft, da nicht ausreichend genug (was aber bei wiki übrigens oft der Fall ist, aber gut ein "Lexikon-Artikel" hat auch nicht die Aufgabe ausfürhlich zu sein).
Ich persönlich habe das Buch Epigenetics and Chromatin, was durchaus ein gutes Nachschlagewerk ist.

es würde aber zu weit gehen zu behaupten, dass Lysenko mit seiner Kritik an der Genetik recht hat, da generell Lysenkos Ideen von sehr viel Mystizismus und Esoterik strotzen um es mal ganz zugespitzt zu sagen. Ich denke mal mein Artikel über Lysenkos Werdegang zeigt dies.
Letztenendes hängen auch epigenetische Maßnahmen von den Genen ab (eine Methylierung der DNA kann ohne die DNA nicht funktionieren) und macht die Grundlagen der Genetik nicht zunichte, sondern erweitert diese, daher stehen Genetik und Epigenetik nicht in einem Widerspruch, sondern ergänzen sich. Lysenko hingegen maß diesem scheinbaren Widerspruch sehr große Bedeutung zu (ganz unabhängig davon, dass man in den 40er Jahren längst nicht so weit war von DNA RNA geschweige denn von Epigenetik zu sprechen), während der den Chromsomen in Fragen der Vererbung eine äußert untergeordnete Rolle zuspielte (was Unsinn ist) und später die DNA als solche völlig leugnete (was noch größerer Unsinn ist) ... Lysenkos politisches Wirken war ohnehin schädlich, unabhängig davon ob er mit seinen Ideen recht hatte oder nicht (auch wenn die Ursachen völlig andere waren, als es die Antikommunisten uns weis machen wollen).
In wiefern die Epigenetik einen Beitrag zur Evolution, insbesondere zur Makroevolution (Konstruktion neuer Baupläne) liefert, steht jedoch noch offen ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kommissar der sowjetischen Biologie
BeitragVerfasst: Mo 11. Mai 2009, 08:45 

Beiträge: 105
@Sergej
Ich finde deinen Artikel sehr gut. Hast Du schon mal daran gedacht, diesen zu veröffentlichen? Ich denke, es könnte sehr hilfreich sein, wenn mehr solcher Artikel von Kommunisten veröffentlicht werden.

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BeitragVerfasst: Mo 11. Mai 2009, 12:28 
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Beiträge: 1624
der Artikel wurde unter anderem in der Trotz Alledem veröffentlicht ... eine weitere Publikationsmöglichkeit wäre z. B. offen-siv

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