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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Die Rote Armee am Vorabend des Zweiten Weltkrieges
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 12:56 
Möchtegernputschist
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Der 8. Mai 1945, der Sieg des Sozialismus über den Faschismus, ist zum größten Teil der Roten Armee und der Sowjetunion zu verdanken: 1 418 Tage Krieg, über 20 Millionen Tote, über 70 000 zerstörte oder verbrannte Dörfer und Siedlungen, über 30 000 zerstörte Industrieunternehmen – die Liste der Schäden die die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg erlitt ist erschreckend und immens. Doch obwohl der Roten Armee dieser Sieg zu verdanken ist, ranken sich einige Mythen und Legenden darum, wie eben jener Sieg errungen wurde. Diese Legenden drehen sich um eine „Enthauptung“ der Roten Armee, um deren „mangelhafte technische Ausrüstung“ und um „militärische Inkompetenz“ und gipfeln in der Behauptung, daß Stalin in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg katastrophale Fehlentscheidungen getroffen habe. Dieser Artikel soll einige dieser Legenden kritisch unter die Lupe nehmen.

Eine der wohl bekanntesten Mythen um die Rote Armee ist deren angebliche Enthauptung während der Säuberungen 1937 bis 1938. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Theorie zählt Robert Conquest. So schwanken die Zahlen jener Offiziere der Roten Armee, die der Säuberung zum Opfer gefallen sein sollen, zwischen 25 und 50 Prozent, dabei wurde immer behauptet – ohne einen Beweis zu erbringen – daß die meisten von ihnen hingerichtet worden waren oder im Gulag verschwanden. Jedoch wurden seit der Öffnung der sowjetischen Archive diese Zahlen von einer Reihe von Historikern einer Revision unterzogen. Insgesamt wurden 1937/38 34 301 Offiziere und Kommissare aus der Roten Armee aus unterschiedlichen Gründen entlassen. Von diesen wurden jedoch bis Mai 1940 11 596 wieder rehabilitiert und zurück in ihre Posten gebracht. Über das Schicksal der verbliebenen 22 705 kann nur spekuliert werden, sicherlich wurden hierbei auch einige Fehlentscheidungen getroffen, allerdings spiegeln die Rehabilitationen die Anweisungen der Sowjetregierung wieder, jeden Fall möglichst genau zu prüfen. Insgesamt jedoch stieg die Zahl der Kommandeure der Roten Armee von 1937 bis 1941 an. Im Jahre 1937 gab es 144 300 Offiziere und politische Kommissare in Armee und Luftwaffe, 1939 gab es 282 300. [1] Viele der Kommandeure der Roten Armee, die nach den Säuberungen wieder rehabilitiert wurden, zählten zu den größten Helden des Großen Vaterländischen Krieges, wie Rokossowski, Gorbatow, Bogdanow, Meretskow usw. Ein Blick in deren Erinnerungen läßt auch die Umstände, unter denen fälschliche Entlassungen oder Inhaftierungen stattfanden, klarer als menschengemachte, nicht dem System oder gar einer Willkür Stalins, geschuldet einschätzen, denn die Säuberungen sollten nicht als paranoide Akte verstanden werden, deren Ziel es war, die Führung der Armee zu zerstören. Das Gegenteil trifft eher zu: Die Säuberungen stärkten die moralische Gesundheit der Armee. Man wurde nicht nur wegen politischen Gründen entlassen, sondern auch wegen militärischer Fehlentscheidungen, mangelnder Disziplin, Bürokratismus, Korruption, Denunziantentum etc. Nicht anders verliefen z.B. die Parteisäuberungen 1933, deren (erfolgreiches) Ziel es war, die Parteidisziplin zu stärken und Wühlarbeit in den eigenen Reihen zu erschweren. Somit war der Verlust einiger Generäle alles andere als eine Enthauptung der Armee. Im Gegenteil: Es ermöglichte neuen und jungen Offizieren ihre Chancen zu nutzen.

Desweiteren wird immer wieder behauptet, daß Stalin sein Land schlecht auf den absehbaren Krieg vorbereitet habe. So behauptete Chruschtschow in seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag 1956: „Stalin brachte die These hervor, daß die Tragödie, die unser Volk in der ersten Periode des Krieges erlebte, das Ergebnis eines unerwarteten Überfalls der Deutschen gewesen sei. Aber, Genossen, das entspricht doch überhaupt nicht der Wirklichkeit. Hitler stellte sich unmittelbar nach der Machtübernahme in Deutschland das Ziel der Zerschmetterung des Kommunismus. [...] Zahlreiche Fakten aus der Vorkriegsperiode bezeugen deutlich, daß Hitler alle Kräfte darauf richtete, den Krieg gegen den Sowjetstaat auszulösen. [...] wenn unsere Industrie rechtzeitig und ausreichend zur Versorgung der Armee mit Waffen und dem nötigen Gerät mobilisiert worden wäre, dann hätten wir unermeßlich weniger Opfer in diesem Krieg zu verzeichnen gehabt. [...] Die sowjetische Wissenschaft und Technik hatte vor dem Krieg ausgezeichnete Typen von Panzern und Artillerie entwickelt. Doch es wurde für all das keine Massenproduktion organisiert.“ [2] Diese dreiste Lüge Chruschtschows läßt sich aber eindeutig widerlegen. Stalin war eindeutig bewußt, daß es einen Krieg zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion geben werde. Lediglich der genaue Zeitpunkt war nicht abzusehen. Durch den Nichtangriffspakt, der 1939 abgeschlossen wurde, hatte man zwar noch zwei Jahre Zeit gewonnen, man hoffte aber, den Krieg so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Lage an den Grenzen war im Mai 1941 sehr angespannt und man mußte Ruhe bewahren, um sich nicht in eine deutsche Provokation hineinziehen zu lassen. So konnte eine frühzeitige Herstellung der Gefechtbereitschaft ebensoviel Schaden anrichten, wie eine verspätete. Weiterhin sollte erwähnt werden, daß über mehrere Monate hinweg der sowjetische Geheimdienst Informationen von den Amerikanern und Briten erhielt, die einen deutschen Angriff in ein oder zwei Wochen vorhersagten. Viele dieser Informationen erwiesen sich als Fehlmeldungen, die zur Anheizung der ohnehin schon vergifteten Atmosphäre dienen sollten, um Nazideutschland gegen die Sowjetunion aufzuhetzen. Eine frühzeitige Mobilmachung der Roten Armee hätte Nazideutschland als Provokation und Kriegsvorbereitung verstanden. Außerdem glaubte man, daß Hitler einen Zweifrontenkrieg vermeiden wollte, da dieser sich noch im Krieg mit England befand. [3] Die Gründe für die Anfangserfolge der Wehrmacht gegen die Rote Armee in den ersten Kriegstagen waren andere, als von Chruschtschow behauptet. Man sollte bedenken, daß die sowjetische Kriegsproduktion 1928 bei Null angefangen hatte und das Land auch erst mit dem begonnenen Fünfjahresplan industrialisiert worden war. Deutschland hingegen war trotz Wirtschaftskrise ein hochentwickelter imperialistischer Industriestaat mit weit fortgeschrittenerer Rüstungsindustrie. Durch die Eroberungskriege Hitlers in Norwegen, Polen, Frankreich, der Annexion Österreichs und Tschechiens sowie mit Italien, Spanien, Ungarn und Rumänien als Verbündete konnte Hitler eben die Kriegsindustrie und die Rohstoffe fast ganz Europas für seinen Angriffskrieg nutzen. Dementsprechend war das Potential der Deutschen im Gegensatz zum bei Kriegsbeginn in der Sowjetunion vorhandenen Arsenal um einiges größer.

Aber trotz dieser Überlegenheit mußte die Wehrmacht herbe Verluste einstecken. Alleine an Offizieren verlor die Wehrmacht 117 am Tag, in der Periode vom 22. Juni 1941 bis Ende März 1942 allein 30 000. [4] Der amerikanische Kommunist Vic Perlo schreibt: „Seit dem Beginn des Krieges 1939 verlor Hitler bei der Eroberung von neun Ländern 300 000 Bodentruppen. Aber genauso viele verlor man in den ersten 53 Tagen des Krieges gegen die UdSSR.“ [6] Die mehrbändige Ausgabe „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg” bestätigt, daß die Verluste der deutschen Truppen an der Ostfront bis Ende Juli 1941 die Verluste der gesamten Kriegsperiode im Westen überstiegen. Selbst Generäle der Wehrmacht kamen nicht umhin die Fähigkeiten der Roten Armee unfreiwillig zu würdigen. So berichtet General Kleist: „Die Sowjets waren vorzügliche Kämpfer mit Erfahrung. Sie kämpften sehr hartnäckig, hatten eine erstaunliche Ausdauer und sie konnten auch ohne Dinge, die für andere Armeen Notwendigkeiten sind weitermachen. Das Personal konnte schnell aus ihren frühen Niederlagen lernen und wurde sehr schnell effizient.“ [7] Nach einer Aussage von General Rundstedt: „Die russischen Panzer waren was ihre Qualität und Zuverlässigkeit angeht von Anfang an eine Überraschung. Aber es erwies sich, daß die russische Artillerie kleiner als erwartet war und ihre Luftwaffe in diesem ersten Feldzug kein wirklicher Gegner war.“ [8] Wieder General Kleist zur sowjetischen Waffentechnik: „Ihre Ausrüstung war sogar 1941 ziemlich gut, besonders die Panzer. Ihre Artillerie war ausgezeichnet und auch die meisten ihrer Infanterie-Waffen – ihre Gewehre waren sogar moderner als unsere und hatten sogar eine schnellere Schußgeschwindigkeit. Ihr T-34 Panzer war einer der besten der Welt.“ [9] General Blumentritt mußte eingestehen: „Es war jedoch in diesem Krieg, als wir lernten was Rußland wirklich bedeutet. Der Eröffnungskampf im Juni 1941 offenbarte uns zum ersten Mal die neue sowjetische Armee. Unsere Verluste stiegen bis auf 50 Prozent. Die OGPU und ein Frauenbataillon verteidigten die alte Zitadelle bei Brest-Litowsk eine Woche lang, kämpften bist zum Ende, ungeachtet des Bombardements mit unseren schwersten Waffen und aus der Luft. Unsere Truppen lernten sehr bald was es heißt mit Russen zu kämpfen. Der Führer und die meisten unserer hohen Vorgesetzten wußten dies nicht. Dies verursachte viel Unruhe.“ [10] So viel zur Enthauptung der Roten Armee und ihrer angeblichen technischen und strategischen Unfähigkeit. Nimmt es da einen nicht Wunder, daß selbst Generäle der faschistischen und verbrecherischen Wehrmacht mehr Respekt vor der Roten Armee haben als Chruschtschow und jene, die heute noch seine Lügen glauben?

Doch auch ökonomisch war die Sowjetunion auf den Zweiten Weltkrieg gut vorbereitet. So stieg z.B. das Budget für die Armee von 1,5 im Jahr 1933 auf 57 Milliarden Rubel 1940. [11] Aus den Memoiren Shukows [12] kann man folgende Informationen entnehmen: Stalin hat die Verteidigung der Sowjetunion vorbereitet, indem er mehr als 9 000 große Industriebetriebe zwischen 1928 und 1941 aufbauen lies und indem er strategische Entscheidungen traf, im Osten des Landes eine völlig neue industrielle Basis zu errichten. Die Jahresproduktion an Panzern war von 740 im Jahre 1930 auf 2 271 im Jahre 1938 angestiegen. In der gleichen Zeit hatte sich der Bau von Flugzeugen von 860 auf 5 500 Stück pro Jahr erhöht. Im Verlauf des dritten Fünfjahrplans stieg die Industrieproduktion zwischen 1938 und 1940 um 13 Prozent pro Jahr, die Produktion der Verteidigungsindustrie jedoch um 39 Prozent. Damit die Betriebe der Verteidigungsindustrie von erhöhter Bedeutung alles Notwendige erhalten konnten, wurden von den delegierten des Zentralkomitees erfahrene Organisatoren und bekannte Spezialisten an die Spitze ihrer Parteiorganisationen berufen. Zwischen Januar 1939 und dem 22. Juni 1941 erhielt die Artillerie 92 578 Geschütze, davon 29 637 Feldgeschütze und 52 407 Granatwerfer. Neue Granatwerfer mit 82 und 120 mm Kaliber wurden unmittelbar vor Beginn des Krieges eingeführt. Die Luftstreitkräfte erhielten 17 745 Kampfflugzeuge, darunter 3 719 neue Modelle. Im selben Zeitraum erhielt die Rote Armee über 7 000 Panzer. Im Jahre 1940 begann die Produktion des mittleren Panzers T-34 und des schweren Panzers KW, die beide den deutschen Panzern weit überlegen waren. Im Sommer und Herbst 1940 bereitete Shukow seine Truppen intensiv auf den Kampf vor. Er stellte fest, daß er über junge Offiziere und fähige Generäle verfügte. Er brachte ihnen Lektionen bei, die sich aus den deutschen Operationen gegen Frankreich ergaben. Vom 23. Dezember 1940 bis 13. Januar 1941 wurden alle höheren Offiziere zu einer großen Konferenz zusammengerufen. Im Zentrum der Debatten stand der künftige Krieg mit Deutschland. Die von den Faschisten mit großen Panzerverbänden gesammelten Erfahrungen wurden mit besonderer Aufmerksamkeit studiert. Am nächsten Morgen nach der Beratung wurde ein operativ-strategisches Manöver durchgeführt, dem Stalin beiwohnte. Für die strategische Lage wurden Ereignisse angenommen, wie sie sich bei einem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion an der Westgrenze abspielen könnten. Shukow leitete den deutschen Angriff, Pawlow die sowjetische Verteidigung. In diesem Manöver entwickelte sich eine Vielzahl von dramatischen Momenten für die sowjetische Seite, die in vielerlei Hinsicht vorwegnahmen, was nach dem 22. Juni 1941 eintreten sollte. Der Bau der Befestigungsgrenzen längs der neuen Westgrenze wurde 1940 begonnen. Bis zum Anfang des Krieges gelang es, etwa 2 500 Stahlbetonanlagen zu errichten, an der 140 000 Menschen täglich arbeiteten. Die XVIII. Parteikonferenz der KPdSU vom 15. bis 20. Februar 1941 wurde voll der Vorbereitung der Industrie und des Verkehrswesens in Voraussicht des Krieges gewidmet. Anfang März 1941 forderten Timoschenko und Shukow von Stalin Reservisten der Infanterie einzuberufen. Stalin lehnte ab, um den Deutschen keinen Vorwand zu liefern, den von den Faschisten geplanten Krieg schon vom Zaum zu brechen. Schließlich akzeptierte er doch, Ende März etwa 800 000 Reservisten einzuberufen, die an die Grenzen geschickt wurden. Im April informiert der Generalstab Stalin, daß die Truppen der Militärbezirke des Baltikums und Belorußlands, von Kiew und Odessa nicht ausreichen, um einen Angriff abzuschlagen. Stalin entscheidet, 28 Divisionen, die in vier Armeen gruppiert waren, an die Grenze vorrücken zu lassen, und er hebt hervor, daß es notwendig sei, mit äußerster Klugheit vorzugehen, um die Nazis nicht zu provozieren. Mitte 1941 hatte die Rote Armee über fünf Millionen Mann, etwa dreimal so viele wie 1939. All diese Fakten beweisen, daß die Behauptung, die Sowjetunion sei durch ein Fehlverhalten der Regierung im Großen Vaterländischen Krieg geschwächt gewesen, lediglich als absurd zu bezeichnen ist. Es sind zum größten Teil aus Chruschtschows Geheimrede entnommene Lügen, die von denen, die sie in ihrem Weltbild brauchen, nur zu gerne geglaubt und weiterverbreitet werden. Nicht hinzunehmen ist es allerdings, wenn sich Kommunisten, oder jene, die sich als solche bezeichnen dann dieser Richtung anschließen und aus einem Reflex des Opportunismus heraus den Kampf und die Opfer der Roten Armee entwürdigen und das Ansehen dieser Armee in der Nachwelt zu zerstören suchen.



[1] siehe Getty and Manning. Stalinist Terror. Cambridge, NY: Cambridge University Press, 1993, p. 199

[2] Chruschtschow, zitiert nach Ludo Martens – Stalin anders betrachtet. Kapitel 9, Abschnitt: Hat Stalin den antifaschistischen Krieg schlecht vorbereitet?

[3] Ludo Martens: Stalin anders betrachtet. Kapitel 9, Abschnitt: Tag der deutschen Aggression

[4] Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, bd. 6, Stuttgart 1991, S. 784.

[5] Osorgin, M. „Pisma o neznachi-telnois, New Yorkm 1952, S. 218

[6] “Political affairs”, 1999, Nr. 2, S. 16

[7] Hart, Liddell. The German Generals Talk. New York: W. T. Morrow, 1948, p. 220

[8] Ebenda

[9] Ebenda S. 221

[10] Ebenda, S. 225

[11] Strong, Anna L. The Soviets Expected It. New York, New York: The Dial press, 1941, p. 95

[12] Zitate aus Stalin anders betrachtet, Kapitel 9, Abschnitt Hat Stalin den antifaschistischen Krieg schlecht vorbereitet?

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Rote Armee am Vorabend des Zweiten Weltkrieges
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 21:00 
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Beiträge: 104
@Sergej, ich schätze deine Beiträge sehr, wenn sie sich auf dein Fachgebiet beziehen. Was nun aber die Beurteiung militärischer Fakten betrifft würde ich nur eines sagen: Schuster bleib bei deinem Leisten. Sorry.

Die Frage um die es geht ist, warum die UdSSR zu Beginn des Krieges derart verheerende Niederlagen hinnehmen musste.

Sergej hat geschrieben:
Die Lage an den Grenzen war im Mai 1941 sehr angespannt und man mußte Ruhe bewahren, um sich nicht in eine deutsche Provokation hineinziehen zu lassen. So konnte eine frühzeitige Herstellung der Gefechtbereitschaft ebensoviel Schaden anrichten, wie eine verspätete.


Wo hast du das denn her? Ein Angriff wie der der Wehrmacht auf die SU erfordert erstmal einen umfangreichen Aufmarsch. Ganz sicher hätte Hitler im Mai 1941 nicht angreifen können.

Sergej hat geschrieben:
Stalin war eindeutig bewußt, daß es einen Krieg zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion geben werde. Lediglich der genaue Zeitpunkt war nicht abzusehen. Durch den Nichtangriffspakt, der 1939 abgeschlossen wurde, hatte man zwar noch zwei Jahre Zeit gewonnen, man hoffte aber, den Krieg so lange wie möglich hinauszuzögern.


Warum Stalin den Vertrag unterschrieben hat ist ja nun allgemein bekannt (Zeit gewinnen um sich auf den drohenden Krieg vorzubereiten).

Die Frage ist, warum Hitler diesen Vertrag unterschrieben hat? Er hätte dies sicher nicht getan ohne Angst vor einem Eingreifen der Roten Armee 1939. Dieser Vertrag hat auch Hitler Zeit für die Kriegsvorbereitung geschaffen. Und der hat in dieser Zeit halb Europa erobert.

Das ist nur ein Teil meiner Einwände. Für eine sachliche Antwort wäre ich dir dankbar.

Religion, die du so sehr hasst, ist übrigens in erster Linie der Glaube an ein Leben nach dem Tod. Also für mich wäre es kein übler Gedanke, wenn dein excellenter Geist das Verfaulen / Verbrennen deines Gehirns überstehen würde.

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"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nutzen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht."

Nikolai Ostrowski


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Rote Armee am Vorabend des Zweiten Weltkrieges
BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 21:24 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
Zitat:
Die Frage um die es geht ist, warum die UdSSR zu Beginn des Krieges derart verheerende Niederlagen hinnehmen musste.


steht soweit ich weiß im Artikel:

Die Gründe für die Anfangserfolge der Wehrmacht gegen die Rote Armee in den ersten Kriegstagen waren andere, als von Chruschtschow behauptet. Man sollte bedenken, daß die sowjetische Kriegsproduktion 1928 bei Null angefangen hatte und das Land auch erst mit dem begonnenen Fünfjahresplan industrialisiert worden war. Deutschland hingegen war trotz Wirtschaftskrise ein hochentwickelter imperialistischer Industriestaat mit weit fortgeschrittenerer Rüstungsindustrie. Durch die Eroberungskriege Hitlers in Norwegen, Polen, Frankreich, der Annexion Österreichs und Tschechiens sowie mit Italien, Spanien, Ungarn und Rumänien als Verbündete konnte Hitler eben die Kriegsindustrie und die Rohstoffe fast ganz Europas für seinen Angriffskrieg nutzen. Dementsprechend war das Potential der Deutschen im Gegensatz zum bei Kriegsbeginn in der Sowjetunion vorhandenen Arsenal um einiges größer.

und trotz alledem waren die Verluste nur relativ, verglichen mit den ersten Kriegstagen in anderen überfallenen Ländern und dem Aufwand den die Nazis zeigten. Steht eigentlich auch im Artikel, muss ich nicht extra nochmal hervorheben.

Zitat:
Wo hast du das denn her? Ein Angriff wie der der Wehrmacht auf die SU erfordert erstmal einen umfangreichen Aufmarsch. Ganz sicher hätte Hitler im Mai 1941 nicht angreifen können.


wie ich geschrieben habe: aus den Memoiren von Shukow (genauer gesagt von Ludo Martens der sich im besagten Kapitel auf Shukows Memoiren bezieht), siehe Anmerkung 12

Zitat:
Die Frage ist, warum Hitler diesen Vertrag unterschrieben hat? Er hätte dies sicher nicht getan ohne Angst vor einem Eingreifen der Roten Armee 1939. Dieser Vertrag hat auch Hitler Zeit für die Kriegsvorbereitung geschaffen. Und der hat in dieser Zeit halb Europa erobert.


nun, man könnte durchaus darüber diskutieren, warum Hitler diesen Vertrag wollte. Leider habe ich dazu (im Moment) keine passende Antwort.

Zitat:
Religion, die du so sehr hasst, ist übrigens in erster Linie der Glaube an ein Leben nach dem Tod. Also für mich wäre es kein übler Gedanke, wenn dein excellenter Geist das Verfaulen / Verbrennen deines Gehirns überstehen würde.


Religion ist vielleicht ursprünglich dazu da gewesen, die Welt zu erklären oder halt auch an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Wer daran glauben will, der soll es tun, ist nicht mein Problem; aber ich bleibe lieber auf dem Boden der Tatsachen. Wenn jedoch Religion politisch wird bzw. sich in die Politik und Wissenschaft einmischt (was allermeist der Fall ist), hat meine Toleranz jedoch ein Ende. Man muss nicht jeden Schwachsinn, der in die Welt gesetzt wurde, tolerieren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Rote Armee am Vorabend des Zweiten Weltkrieges
BeitragVerfasst: Sa 25. Apr 2009, 23:15 
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Beiträge: 688
Zitat:
nun, man könnte durchaus darüber diskutieren, warum Hitler diesen Vertrag wollte. Leider habe ich dazu (im Moment) keine passende Antwort.


Die Frage nachdem was Hitler so an dem Vertrag lag, ergibt sich aus dem seltsamen Verhalten Frankreichs, denn von einem anderen Vorgehen der West Alliierten war damals mit Bestimmtheit auszugehen.
Hitler war wohl daran gelegen einen Zweifronten Krieg zu umgehen, was ihm auch gelang, konnte man sich zuerst um Polen und darauf hin um Frankreich kümmern, war man fähig sich der SU anzunehmen. Das zögerliche Verhalten Frankreichs und dem UK, während des Falls Weiß, ist zu hinterfragen, zwar rückten französische Truppen ins Grenzgebiet ins Saarland vor, und die Deutschen zogen sich schlicht zurück, doch war dies nicht wirklich ein Krieg, denn es fielen hierauf kaum Schüsse, der Westwall, der von der Leistungsfähigkeit kaum an die Maginot Linie ran kam, wurde etwa zum neuen Grenzverlauf. Dabei hatten die Nazis an ihrer Westgrenze relativ wenig Truppen, die meisten waren zu dieser Zeit in Polen, das ironische an der ganzen Sache ist, dass die Franzosen und Polen Jahre zu vor wohl mögliche Pläne für einen Krieg gegen Deutschland ausgearbeitet hatten, dessen Zielsetzung es war, die Deutschen umgehend in einen Zweifronten Krieg zu verwickeln. Unter anderem war die Strategie der Franzosen und Polen offensiver Natur, es wurde von einem herkömmlichen Sitzkrieg abgeraten, wieso man trotz allem zusah wie die Deutschen Polen auseinander nahm,... naja. Die Franzosen wären in der Lage gewesen den Nazis beträchtlichen Widerstand entgegen zu setzen, noch bevor auch nur ein Wehrmachtssoldat französischen Boden berührt hätte, ob man vielleicht schon da Deutschland hätte besiegen können vermag ich nicht einzuschätzen, immerhin hätte man dem Militär größeren Schaden zugefügt.
Ich denke Hitler wusste darum, und er wird wohl auch mit einem Angriff der Franzosen gerechnet haben, sicherlich dachte er, falls dieser Fall eintreten sollte, dass man so lange wie man mit Polen beschäftigt war, eine vorrangig passive Haltung im Westen bevorzugen sollte, daher sich schnellstmöglich auf seine gesicherte Position zurück zieht und auf den Angriff wartet. Es wäre damit auch wichtig geworden ein stabiles Verhältnis zur SU zu besitzen. Das macht aber nur Sinn, da ja ohnehin klar war das auch sie Ziel werden sollte, wenn man der Meinung war in einem späteren Einfronten Krieg mit großer Sicherheit zu siegen, wovon die Nazis auch ausgingen. Man wollte sich über diese Jahre die Neutralität im osten wahren und die Ressourcen der SU auf diplomatischen Wegen offen halten, damit man sie später plündern konnte, jedoch weiß ich nicht um etwaige Lieferungen von sowjetischen Erdöl an Deutschland, ist auch nicht so wichtig, jedenfalls wurden wohl aus der SU Lebensmittel eingekauft.

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"Alle Menschen von Genie, alle jene, die sich in der Republik des Geistes einen Namen gemacht haben, sind Franzosen, ganz gleichgültig, in welchem Land auch immer sie geboren wurden."
- Napoleon -


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Rote Armee am Vorabend des Zweiten Weltkrieges
BeitragVerfasst: So 2. Aug 2009, 22:36 
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Beiträge: 34
Marc hat geschrieben:
Warum Stalin den Vertrag unterschrieben hat ist ja nun allgemein bekannt (Zeit gewinnen um sich auf den drohenden Krieg vorzubereiten).

Die Frage ist, warum Hitler diesen Vertrag unterschrieben hat? Er hätte dies sicher nicht getan ohne Angst vor einem Eingreifen der Roten Armee 1939. Dieser Vertrag hat auch Hitler Zeit für die Kriegsvorbereitung geschaffen. Und der hat in dieser Zeit halb Europa erobert.


Ohne den "Nichtangriffspakt" wäre wohl der Krieg zwischen der SU und dem Dritten Reich im Jahre 1939 eindeutig wahrscheinlicher als mit dem "Nichtangriffspakt". Davon sind jedenfalls alle Figuranten des damaligen weltpolitischen Geschehens ausgegangen. Machtpolitisch von Vorteil schien eine solche Entwicklung für GB, Frankreich und die USA zu sein. Wenn Hitler geahnt hätte, wie bombig der Plan "Weiß" gelingen würde, wäre er wohl weniger daran interessiert, das Reich degen die Konfrontation mit der SU abzusichern. - Angesichts solcher Erfolge der Wehrmacht im Polen-Feldzug, die sich tatsächlich eingestellt haben, hätte Stalin in Abwesenheit eines "Nichtangriffspaktes" mit dem Reich vielleicht davon abgesehen, den sovjetischen Einflussbereich nach Westen hin auszudehnen, und so wäre ganz Polen und auch die baltischen Länder dem Hitler zugefallen. Aber hätte Hitler den Krieg gegen Polen ohne den "Nichtangriffspakt" mit der SU überhaupt gewagt? Vermutlich hätte er. - Er hatte ja eine prima Rechtfertigung: Danzig und den Koridor zu Ostpreußen. Wahrscheinlich hätte er im schlimmsten (für ihn) Falle sich damit auch zufrieden gegeben. Ohne des Zustandekommens des "Nichtangriffspaktes" lebten heutzutage in Europa vielleicht nur Bürger des Tausendjährigen Reiches...
Bemerkenswert ist, dass dieser vor allem von den Britten gewollte "assymetrische Bündnis" zwischen der SU und GB+Frankreich hätte zwar GB und Frankreich vor dem deutschen Angiff geschützt, nicht aber die SU.


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