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 Betreff des Beitrags: Evolution for IDiots
BeitragVerfasst: So 14. Dez 2008, 23:47 
Möchtegernputschist
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Evolution for IDiots – Oder was wirklich hinter den Evolutionsgegnern steckt.

Imperialismus ist faulender und parasitärer Kapitalismus. Diese Fäulnis ist die Folge der Verschärfung des Widerspruchs zwischen der Entwicklung der Produktivkräfte und den kapitalistischen Produktionsverhältnissen durch das Monopol. Sowohl Produktivkräfte als auch Produktionsverhältnisse stehen in einer dialektischen Einheit. Sind die Widersprüche zwischen den Produktivkräften (dem vorantreibenden, revolutionären Element) und den Produktionsverhältnissen (der Bewegungsform) zu groß, müssen letztere durch neue, den Produktivkräften entsprechende Produktionsverhältnisse ersetzt werden, damit sich die menschliche Gesellschaft weiter entwickeln kann.
Bleiben die alten Produktionsverhältnisse jedoch bestehen, gehen sie in Fäulnis über, die sich auf die Entwicklung der Produktivkräfte und alle gesellschaftlichen Beziehungen auswirkt.
Die immer schärfer werdenden Widersprüche zeigen sich durch immer stärker werdende Aggression nach Außen und Repression nach Innen. Diese dienen dem Machterhalt des Finanzkapitals um unter anderem die Organisiertheit der Arbeiterklasse zu brechen. Die Fäulnis des Systems hat aber auch Auswirkungen auf den kulturellen und wissenschaftlichen Bereich.
Die immer schärfer werdenden Widersprüche und die zunehmende Repression lassen sich nicht mehr so einfach verschleiern. So suchen die Menschen nach Auswegen aus dem System und nach Widerstand. Um diesen Widerstand zu brechen und ad absurdum zu führen, schaffte der Imperialismus eine umfassende Ideologie, die jeglichen Widerstand zu einem harmlosen Häufchen Elend oder gar nicht erst aufkommen lässt. Oft wird dabei von tatsächlichen Problemen abgelenkt. Die Massenmedien sorgen dafür, dass man sich lieber um die Affären der Königshäuser oder um Möchtergern-Superstars und deren Schauspiel- Model- oder Gesangstalente kümmert, als um alternative Gesellschaftsmodelle. Ein besonders gängiges Mittel der herrschenden Klasse ist es auch, die Arbeiterklasse zu spalten. Aktuell sind vor allem Menschen nicht-christlichen Glaubens, insbesondere Muslime, betroffen. Dabei hat die Hetze gegen den Islam nicht den Charakter, durch wissenschaftliche Argumentation die Absurditäten der Religion darzustellen. Es ist viel mehr eine pure rassistische Hetze gegen Menschen, die nicht in das traditionelle katholische oder preussisch-protestantische Wertesystem passen (als ob das Christentum eine Religion des Friedens wäre).
Aber mittlerweile ist es in Mode gekommen, dass auch die Wissenschaft zunehmend von der Fäulnis des Imperialismus betroffen wird.
Wer kennt nicht die ganzen Esoterik-Gurus, die meinen, durch das richtige Aufstellen der Möbel in der Wohnung würde man glücklicher leben.
Doch dieser Artikel befasst sich nicht mit übergewichtigen Teilzeithausfrauen, die im Fernsehen einem die Zukunft aus Tarotkarten vorhersagen. Dieser Artikel soll sich mit einer Ideologie befassen, die die Wissenschaft direkt angreift und sich selbst als die wahre Lehre ausgibt: den Kreationisten. Unabhängig von den einzelnen Unterschieden, haben sie eines gemeinsam: Die Evolutionslehre Darwins ist das absolute Grundübel auf der Welt und muss bekämpft werden.

Kreationismus und Intelligent Design – was genau ist das?

Die Wissenschaftlichkeit der Kreationisten und Intelligent Design-Anhänger ist gleich null. Ihnen fehlt jeglicher Beweis für ihre Theorie. Das einzige was sie machen ist, die Evolutionslehre Darwins durch pseudowissenschaftliche „Argumentation“ zu verleumden.
Der Artikel soll sich aber nicht mit den einzelnen Angriffen gegen die Evolution, sei es, dass Mutationen nur negative Auswirkungen haben, der zweite Hauptsatz der Thermodynamik die Evolution widerlegt oder das allzeit beliebte Argument der irreduzierbaren Komplexität, befassen. Viel interessanter ist es jedoch zu erfahren, welchen Charakter diese Gruppe von Leuten hat, welche politischen Kräfte dahinter stecken und was ihre Ziele sind. Denn hat man das Wesen der Sache begriffen, fällt es auch für einen Laien in der Wissenschaft nicht schwer, solche Fundamentalisten zu entlarven.
Zur allgemeinen Argumentationsstruktur sei folgendes gesagt: Kreationisten vertrauen darauf, dass die Masse der Bevölkerung wenig bewandert ist, was wissenschaftliche Tatsachen angeht und diese sind somit ein gefundenes Fressen für die Evolutionsgegner. Dabei verwenden sie eine Reihe von Taschenspielertricks, wie aus dem Zusammenhang gerissene Zitate oder Sachverhalte (Quote Mining). Nicht selten wird dabei das kritische Denken in der Wissenschaft missbraucht und da heutzutage alles was kritisch ist, oder sich als kritisch ausgibt „in“ ist, fallen genügend Menschen auf diese Scharlatane rein. Einige ihrer Taschenspielertricks sind gerade zu absurd. Hier sei nur die sogenannte „Croko-Duck“ erwähnt, eine Ente mit Krokodilkopf, die die evolutionsbiologische Verwandtschaft zwischen Vögeln und Reptilien ins Lächerliche ziehen soll.
Dass Kreationisten durch solche pseudowissenschaftliche Scheinargumente solchen Rücklauf finden, zeigt im Übrigen auch die Fäulnis des Imperialismus im Bildungssystem.
Angriffe gegen die Evolutionstheorie hat es schon zur Zeit Darwins gegeben. Zu der Zeit nicht verwunderlich, da der Einfluss der Kirche groß war und die Schöpfungsgeschichte bis dato keine nennenswerte konkurrierende Theorie hatte. Zwar hatte es schon die lamarkistische Theorie gegeben, die jedoch viele Fragen unbeantwortet lies und in der Wissenschaft nie wirklich Fuß fasste, weil die Vererbung erworbener Eigenschaften experimentell nicht nachweisbar war. Doch die Darwin-kritischen Stimmen wurden in der Wissenschaft immer leiser, wurde die Evolutionstheorie doch immer bestätigt. Heute gibt es keinen einzigen Beweis, noch nicht mal ein Indiz, die die Evolutionstheorie Darwins erschüttern könnte. Umso verblüffender ist es, dass der Kreationismus sich immer wachsender Beliebtheit erfreut. Vor allem der protestantische Fundamentalismus mit seinen diversen Sekten, die vor allem in den USA ihr Unwesen treiben, hatte schon immer einen besonderen Hass auf die Evolutionstheorie, da diese ihr religiöses Weltbild ins Wanken bringt.
Doch auch diese Fundamentalisten bilden kein geschlossenes Lager. Obwohl sich die Darwingegner in ihrer Haltung zu den prinzipiellen Ideen der Evolutionslehre einig waren, unterscheiden sie sich in ihren Ansichten über die korrekte Bibelinterpretation gewaltig. Insbesondere bei der Erklärung der paläontologischen und geologischen Erkenntnisse war die Bewegung immer gespalten.
Nach der "gap theory" liegt nur der Anfang der Schöpfung lange zurück. Sie erkennt also das hohe Alter der Erde an. Die sechs Tage der Genesis geschahen erst nach einer langen Pause. Sehr alte Fossile gehören der ersten Periode an, deren Leben von Gott vor der Schöpfung Adam und Evas zerstört wurde.
Nach der "day-age theory" sind die Tage der Genesis nicht wörtlich zu nehmen, sie können durchaus für Millionen von Jahren stehen.
Im 20. Jahrhundert kam als dritte Interpretationsvariante die Fluttheorie von George McCready Price hinzu. Vor den sieben Tagen der Genesis wird eine lange Existenz ohne Leben zugestanden. Eine spätere, weltweite Flut macht Altersbestimmungen zweifelhaft. Im Zuge des zunehmenden wissenschaftlichen Anspruchs des Kreationismus gibt es von der Fluttheorie auch eine Version, die ohne religiösen Bezug auskommt.
Allen Kreationisten gemeinsam ist die spezielle Schöpfung der Arten durch Gott, was einer Ablehnung der natürlichen Selektion zur Erklärung der Artenvielfalt gleichkommt. Für Fundamentalisten ist die Bibel keine Sammlung von Mythen, Metaphern und Prophezeiungen, sondern Offenbarung Gottes. Sie ist daher wahr und enthält nur Fakten und Verhaltensweisen. Sie wird zum wissenschaftlichen Text. Widersprechende Aussagen der Naturwissenschaften oder der historisch orientierten Wissenschaften müssen daher falsch sein.
Unabhängig von den Differenzen der einzelnen Kreationisten, hatten sie es immerhin geschafft in vielen Bundesstaaten der USA bis in die 40er Jahre hinein die Evolutionslehre an Schulen zu verbieten.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wurde dieser Einfluss im Bildungssystem zunehmend schwächer. Nicht zuletzt, weil entschieden wurde, dass es eine Trennung zwischen Kirche und Staat gibt und die biblische Schöpfungslehre nichts im Biologieunterricht zu suchen hat. Dementsprechend änderten die Kreationisten ihre Taktik.
Ihr Ausweg war, die wortgetreue biblische Schöpfungsgeschichte als Wissenschaft auszugeben. Sodann forderten sie gleichen Zeitaufwand im Unterricht für Evolutionslehre und "creation science". Eine gute Erziehung erfordert selbstverständlich, daß man den Kindern keinen Wissenschaftszweig vorenthält. Wer sich gegen "creation science" im Unterricht stellt, war ein Scharlatan. Diese Argumentationsweise leuchtete jedem Amerikaner ein.
So sollten z. B. alle Bezüge zu den sechs Tagen der Genesis und der Arche Noahs entfallen.
Die Fluttheorie wurde nun als "scientific creationism" oder "creation science" ausgegeben. Großzügig versandte das Institute for Creation Research (ICR) an Eltern, Lehrer und Studenten die Broschüre "Introducing Creationism in the Public School". Eine weitere einflussreiche, kreationistische Schrift brachte 1973 Duane T. Gish (geboren 1921) heraus: "Evolution: The Fossils Say No!". Es bildete sich eine gemeinsame Front der Fundamentalisten und Verfechter von Tugend und Religion, die sich als Vertreter der moralischen Mehrheit verstanden. Während zuvor die Evolutionslehre angegriffen wurde, drängten sie nun nur noch auf Gleichbehandlung. Der Schwerpunkt ihrer Argumentation lag nicht mehr auf der Bibel sondern auf "creation science". Nur so sahen sie eine Chance, als Wissenschaft und nicht als religiöse Bewegung, wieder in die Schulpläne zu gelangen. In 1974 erschien das Textbuch der ICR "Scientific Creationism" in zwei Ausgaben: für die öffentlichen Schulen ohne Bezug zur Bibel, für die christlichen Schulen mit einem Kapitel "Creation According to Scripture".
Da die Evolutionslehre nicht falsifiziert werden kann, sei sie - so die Kreationisten - keine Wissenschaft. Die Devise der Kreationisten an den Schulen lautet: "Lehrt mehr Wissenschaft!" Die Zurückhaltung wissenschaftlicher Information gegenüber der Evolutionslehre bezeichneten sie als Zensur. Dieses Vorgehen erwies sich in Arkansas und Louisiana als erfolgreich.
Das sorgte in den 70er Jahren in den USA wieder für einen Aufschwung des Kreationismus im Bildungssystem. Selbst die Präsidentschaftswahlen wurden dadurch beeinflusst.
Ronald Reagan, Präsidentschaftskandidat und späterer Präsident der USA sagte auf einer Wahlwerbetour in Dallas, 1980: "If evolutionary theory is going to be taught in the schools, then I would think that also the biblical theory of creation, which is not a theory but the biblical story of creation, should also be taught." [1]
Bis Ende 1980 gab es in mehr als zehn Bundesstaaten kreationistische Gesetzesentwürfe, Eingriffe auf kommunaler Ebene, bei lokalen Schulbehörden, Zensur(versuche) in öffentlichen Bibliotheken und Einfluß auf die Gestaltung der Schulbücher. Auf Bundesebene lag ein Gesetzentwurf zur Einschränkung der Forschungsetats und gleichberechtigte Bezuschußung für kreationistische Wissenschaftler vor. "Ein weiterer Gesetzentwurf sah vor, die Gelder für das 'Smithsonian's National Museum of Natural History' zu kürzen, falls dieses weiterhin die 'Alternativen' zur herkömmlichen Erdgeschichte übergehen sollte". [2]
Auch heute noch ist der Kreationismus sehr einflussreich, vor allem im Süden der USA. Zu den bekanntesten Propagandisten des „scientific creationism“ zählt u.a. Kent Hovind.
Seit den 90er Jahren hat sich auch eine neue Form der Evolutionsgegner herausgebildet. Die Vertreter des Intelligent Design (ID).
Im Unterschied zu den Kreationisten im engeren Sinne, beziehen sie sich nicht auf die Schöpfungsgeschichte oder auf die Bibel. Ihrer Theorie zufolge, sei das Leben zu komplex, dass es durch irgendeinen Zufall entstanden sein kann. Sie erkennen sowohl das Alter der Erde an, als auch andere wissenschaftliche Grundlagen in der Astronomie und Geologie. Ihrer Theorie zufolge ist aber das Leben zu kompliziert, dass es durch Zufall entstanden sein könnte. Dabei beziehen sie sich auf William Paleys Abhandlung „Natural Theology“ von 1802. Konkret wird behauptet, dass man eine auf dem Feld gefundene Taschenuhr als intelligent konstruiertes Objekt erkenne, und dass folglich auch die lebenden Organismen als Werke eines intelligenten Konstrukteurs anzusehen seien.
Natürlich verschweigen die Vertreter des ID, dass eine Taschenuhr kein Lebewesen ist und sich nicht fortpflanzt und somit keiner kumulativen (!) Selektion unterliegt.
Als Begründer des ID wird Phillip Johnson genannt, der in seinem 1991 publizierten Buch „Darwin on Trial“ die Evolutionstheorie angriff und an deren Stelle den Intelligent Design als Ursprung des Lebens propagierte. Jedoch wurde schon 1989 von der Foundation for Thoughts and Ethics das Buch „Of Pandas and People“ herausgegeben, dass dieselbe Argumentation ausweist und als fundamentales Werk des ID zählt. Als weitere Schlüsselfiguren seien noch Michael Behe und William Dembski erwähnt.
Unabhängig davon, ob es sich um Kreationisten oder IDler handelt. Beiden gemein ist ihre Unwissenschaftlichkeit, ihr Hass auf die Evolutionslehre, sowie eine Aufhebung der Trennung zwischen Staat und Kirche.

Kreationismus und ID – ein amerikanisches Problem?

Zwar sind die Ursprünge des Kreationismus und des Intelligent Design in den USA zu suchen. Dort findet man auch die meisten Anhänger dieser Pseudowissenschaften. Aber das Problem beschränkt sich mittlerweile nicht mehr auf die USA und den protestantischen Fundamentalismus. Auch in Deutschland und anderswo erfreut sich der Kreationismus und Intelligent Design wachsender Beliebtheit. Dabei ist dieser nicht nur auf religiöse Fundamentalisten beschränkt. So hatte sich vor einigen Jahren der katholische Kardinal von Wien Christoph Schönborn gegen die Evolutionstheorie ausgesprochen.
In Deutschland sind Gruppen wie Kreuz.net oder die Studiengemeinschaft Wort und Wissen als Evolutionsgegner aktiv.
Aber damit nicht genug: Karin Wolff (CDU), unter Roland Koch Bildungsministerin von Hessen, dachte doch tatsächlich darüber nach, die Schöpfungslehre im Biologieunterricht einzuführen. Ihre Vorschläge wurden jedoch zurückgewiesen, Darwin sei Dank.
Im Jahre 1986 ist ein Schulbuch unter dem Titel: „Entstehung und Geschichte der Lebewesen. Daten und Deutungen für den schulischen Bereich“ erschienen, das von Siegfried Scherer und Reinhard Junker unter Mitarbeit von 7 Koautoren herausgegeben wurde. Es war der erste Versuch im deutschen Sprachraum, den in der Schule gebrauchten Argumenten für Evolution eine auf der Schöpfungslehre basierende Gegenposition beizugeben. Dieses Buch lief so gut an, dass bereits 1988 eine erheblich überarbeitete Neuauflage erschienen ist und 1992 durch einen Nachdruck abgelöst wurde. Der Erfolg des ersten Schulbuchs förderte die beruflichen Karrieren der Autoren nachhaltig. Junker wurde bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen e. V. zum „wissenschaftlichen Mitarbeiter“ angestellt. Scherer ist seit 1991 an der technischen Universität München im Bereich Landwirtschaft/Lebensmittel-Mikrobiologie als Professor tätig; dort hat man ihn kurz vor Erlangung der betreffenden Altersgrenze hausintern auf einen Lehrstuhl befördert.
Die 4. Auflage des Klassikers des deutschen Kreationismus wurde 1998 unter dem Titel „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“ im Weyel Lehrmittelverlag publiziert. Es hat unzählige naturwissenschaftliche Laien in die Irre geführt, weil einerseits biologische Fakten (Artbildungsprozesse), andererseits Glaubensinhalte (von Gott erschaffene „Grundtypen“) zu einer Art „Theo-Biologie“ verwoben sind, die ein Nicht-Spezialist kaum noch entwirren kann. Der inzwischen mit dem Intelligent Design sympathisierende „Wort und Wissen“ konnte durch die Zusammenarbeit mit dem Berliner Filmemacher F. Poppenberg und der Unterstützung des Zeugen Jehovas Dr. W.-E. Lönning propagandistisch enorm an Boden gewinnen. Filme wie „Hat die Bibel doch Recht? Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise“ (1999), begleitet von entsprechenden Internetpräsentationen, gaben dem deutschen Kreationismus einen derartigen Auftrieb, dass 2001 die 5. Auflage des Buches erscheinen konnte. Diese Fassung wurde 2002 unter lobenden Worten des Ministerpräsidenten von Thüringen mit einem sogenannten „Deutschen Schulbuchpreis“ ausgezeichnet. Dieser wird jährlich von einer privaten christlich-konservativen Vereinigung vergeben. Nach Intervention des damaligen Präsidenten des Verbands Deutscher Biologen konnte verhindert werden, dass das biblisch motivierte „Grundtypen-Lehrwerk“ in die offizielle Schulbuchlisten unserer Bundesländer aufgenommen wurde. [3]
Auch im Islam hat der Intelligent Design Fuß gefasst. Ihr Hauptvertreter ist unter anderem Harun Yahya, der viele Schriften gegen die Evolutionslehre verbreitet.

Kreationismus und die politische Rechte

Dass die Anhänger der verschiedenen Schöpfungslehren hauptsächlich christliche oder andere Fundamentalisten und wichtige Vertreter der politischen Rechte sind, ist kein Geheimnis.
Und genau das macht sie nicht nur zu Gegnern der Evolutionstheorie, sondern auch zu Gegnern jeglichen Fortschritts und zu Gegnern des Kommunismus.
Die Dämonisierung der Evolutionslehre beschränkt sich nicht nur darauf, diese als Pseudowissenschaft darzustellen. Das Hauptanliegen der Fundamentalisten ist viel mehr, den Darwinismus auch politisch zu verdammen. So ist der Darwinismus schuld an Rassismus und Sozialdarwinismus. Glaubt man der Interpretation der Kreationisten, so ist in ihren Augen der Darwinismus ein blutiger Kampf um das Recht des Stärkeren, in dem die Schwächlinge ausgemerzt, sprich ausselektiert werden. Dementsprechend liegen die Wurzeln des Sozialdarwinismus und Rassismus in der Evolutionstheorie Darwins. Und weil es eben diesen Darwinismus und diese Gottlosigkeit gibt, gibt es auch all dieses Übel, das in der Menschheit passiert. Fälscher kann man die Evolutionslehre nicht beschreiben. Natürliche Selektion, die Triebkraft der Evolutionslehre und somit der Artbildung, ist ein Wertneutraler Begriff. Es wird nicht von vornherein festgelegt, welche Eigenschaft gut und welche schlecht ist. Dies hängt ganz von den natürlichen Bedingungen ab. Was also heute dein Überleben sichern kann, kann – z. B. wenn sich die Umweltbedingungen ändern – deinen sicheren Tod bedeuten. Da nicht von vornherein festegelegt wird, welche Eigenschaften sich als vorteilhaft erweisen, ist überhaupt das Leben in dieser Vielfältigkeit die wir haben möglich. Anders verhält es sich mit der Selektion der Sozialdarwinisten. Dort ist von vorn herein festgelegt: es gibt die eine Gute Rasse, die das Überlebensrecht hat, alle anderen gehören ausselektiert.
Diese verlogene Fehlinterpretation der Evolutionstheorie durch die Anhänger des Kreationismus dient einem bestimmten Zweck. Zum einen soll der wirkliche Charakter des Rassismus, von Krieg und Ungerechtigkeit verschleiert werden. Die Ursache liegt eben nicht in der Evolutionsbiologie, sondern im ökonomischen System. Aber es gibt auch noch einen weiteren Grund, der der Methode des Diebes, der „Haltet den Dieb“ schreit. Schaut man genauer hin, so erkennt man, dass nicht Rassismus und Evolutionsbiologie, wohl aber Kreationismus und Rassismus zueinander Passen wie die Faust aufs Auge. So behaupten Kreationisten, dass sich Hitler in „Mein Kampf“ auf Darwin beruft und sich seine Ideologie auf die Evolutionslehre stützt. Wer „Mein Kampf“ gelesen hat, wird schnell merken, dass Hitler sich kein einziges mal auf Darwin oder die Evolution bezog. Wohl aber bezog er sich mehrmals auf Gott und die Schöpfungslehre[4].
Auch der Ku Klux Klan rechtfertigt seine Ideologie mit der Bibel nicht mit Darwin. Auch diese Personen gehören zu den christlichen Fundamentalisten und sind auch Anhänger der biblischen Schöpfungslehre.
Die Größte Perversion stammt aber aus Deutschland, genauer gesagt von der Internetseite www.kreuz.net. Hierbei handelt es sich um eine klerikal-faschistische Gruppe, die durch übertrieben lächerliche Artikel gegen Evolution, „Hexerei", Homosexualität etc. ernst genommen werden will.
So werden folgende Zitate ungekürzt und unkommentiert von dem Artikel „Beweise interessieren ohnehin keinen“[5] eines gewissen Dr. Lerle entnommen:

„Die Evolutionsgläubigen hingegen lügen und betrügen wie die Prediger der Holocaustreligion.“

„Im 19. Jahrhundert waren die Fälschungen Haeckels allgemein bekannt. Doch das hinderte noch in jüngster Zeit verschiedene Schulbuchschmierfinken nicht daran, die Lüge von den menschlichen Embryonen mit Kiemenbögen und ähnlichem zu verbreiten.
Das ist ähnlich wie mit dem Holocaust. Dort hatte man den Auschwitztouristen eine Fälschung als angebliche Originalgaskammer gezeigt.
Das Buch ‚Der Auschwitz-Mythos’ des pensionierten Richters Wilhelm Stäglich wurde verboten. Stäglich hatte gezeigt, daß die dortige Gaskammer nur funktioniert haben konnte, wenn zwischen 1941 und 1944 die Naturgesetze außer Kraft waren.
Weil Stäglich ‚allgemein anerkannte offenkundige Tatsachen’ geleugnet hatte, wurde ihm sein Doktortitel aberkannt.
Aber die Trottel, die auf die primitive Fälschung der Gaskammer in Auschwitz hineingefallen waren, dürfen ihre Doktortitel behalten.
Wenn sogar ein Doktortitel aberkannt wurde, wieviel einfacher ist es dann, geistig selbständigen Denkern diesen gar nicht erst zu verleihen.“

„Evolutionsglaube und Holocaustreligion haben eines gemeinsam: Am Anfang stand eine bloße Behauptung. Diese wurde nicht bewiesen, sondern lediglich ständig wiederholt.
Wenn Beweise vorlagen wie zum Beispiel Kiemenbögen beim menschlichen Embryo, Seife aus Menschenknochen, Lampenschirme aus Menschenhaut, Originalgaskammern in Dachau und Auschwitz und Schrumpfköpfe – an denen aufmerksame Betrachter die Marken des Völkerkundemuseums Leipzig entdeckten – so waren sie gefälscht.“

Ich denke mal diese Zitate sprechen für sich. Kreationisten als Holocaustleugner! Und der gewisse Dr. Lerle ist kein Einzelfall. Ein weiteres Beispiel ist der Hauptideologe des islamischen Kreationismus, Harun Yahya. Bevor er anfing gegen die Evolutionslehre zu kämpfen, veröffentlichte er im Jahr 1996 das Buch „Soykırım Yalanı ("The Holocaust Lie")[6].
Heute, nachdem sein Schandwerk in die öffentliche Kritik geraten ist, hat er seine Sichtweise „geändert" und gibt heute dem Darwinismus die Schuld für den Holocaust.
Wer hätte es denn anderes gedacht. Nur ob man seine Wendung wirklich glauben kann, ist anzuzweifeln, da Kreationisten und Lügner praktisch ein Synonym ist.

Da haben wir sie die Kreationisten: Reaktionäre, die die weiße arische Rasse, als die von Gott erschaffene ansehen, die nicht mal vor dem Holocaust zurückschrecken und sich als wahre Moralprediger ausgeben, indem diese Verbrecher lauthals herausposaunen, der Darwinismus sei doch schuld an allem Übel. Verfeinert man diesen ekelhaften Mist noch ein bisschen mit der Droge Religion, so wird’s von den Massen noch tatsächlich geglaubt.

Natürlich hat der Kreationismus eine weitere Funktion, die mit den oben genannten zusammenhängt: werden durch deren pseudowissenschaftliche, religiöse Lügenpropaganda die wahren Verhältnisse verschleiert, so wird auch jeglicher Widerstand gegen den Imperialismus im Keime erstickt. Somit hat der Kreationismus einen wahrhaft antikommunistischen Charakter. So wie die „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ der Nazis dem Zweck diente, den Kommunismus zu dämonisieren, so hat die darwinistisch-atheistische Weltverschwörung den gleichen Zweck. Da Kreationisten ebenso einer Pseudowissenschaft anhängen wie die Nazis (nur bei den Nazis heißt diese Rassismus), oft selbst rassistisch motiviert sind und z., T. auch Holocaustleugner sind, sind beide in ihrem Wesen her gleich und dienen dem Machterhalt des Imperialismus.
Nichts desto trotz verbreiten sie eine Reihe antikommunistischer Werke, von denen selbst das Schwarzbuch des Kommunismus noch lernen könnte. Die Verteufelung des Kommunismus muss einfach perfekt sein!

Es sollte im Interesse eines jeden fortschrittlich denkenden Menschen liegen, ob Kommunist oder nicht, diesen Reaktionären das Handwerk zu legen und diese Ideologie zu bekämpfen!
Dieser Kampf um den Erhalt der Wissenschaft kann nicht nur Sache einiger Biologen sein, denn er geht jeden was an.

Michael K.

[1] zitiert nach Lyons, Gene: "Repealing the Enlightenment". Science and Creationism. Hg. Ashley Montagu. Oxford [u.a.], 1984. S. 356
[2] Mahner, Martin. Kreationismus. Inhalt und Struktur antievolutionistischer Argumentation. Berlin, 1986, S. 19.
[3] Kreationismus in Deutschland – Fakten und Analysen von U. Kutschera (Hg.), Seite 5 - 6
[4] siehe z. B. „Creationists, Hitler and Evolution“ by Lenny Flank, 1999 @ http://www.geocities.com/CapeCanaveral/ ... /nazis.htm
[5] Dr. Lerle: „Beweise interessieren ohnehin keinen“ @ http://www.kreuz.net/article.7724.html
[6] „Harun Yahya and Holocaust Revisionism” by Michael Hopkins @
http://www.talkorigins.org/faqs/organiz ... yahya.html

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: Evolution for IDiots
BeitragVerfasst: Fr 19. Dez 2008, 16:55 
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Schöner Text, gefällt mir.

_________________
Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
Ein System kann aber nur aus einem Kopfe entspringen; also muß es aus dem des Herrschers hervorgehen.


Friedrich der Große


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