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 Betreff des Beitrags: Über die Moskauer Prozesse – Tatsachen gegen Behauptungen
BeitragVerfasst: So 14. Dez 2008, 23:41 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
Über die Moskauer Prozesse – Tatsachen gegen Behauptungen

Die Prozesse gegen den Block der Rechten und Trotzkisten in der Sowjetunion Ende der 30er Jahre seien, so die Propaganda, eine endgültige Abrechnung Stalins mit seinen Gegnern gewesen. Nicht zuletzt soll der Eindruck erweckt werden, es habe zu jener Zeit nur Angst und Terror geherrscht, Parallelen zu Hitler sind dann auch das Ergebnis. Doch was hat es mit diesen Vorwürfen auf sich? War es tatsächlich eine Abrechnung Stalins mit wohlverdienten Bolschewiken, die die Revolution leiteten oder handelte es sich bei Sinowjew, Kamenew, Pjatakow, Radek und Bucharin tatsächlich um Konterrevolutionäre, die wegen ihrer Verbrechen gegen das sowjetische Volk zu Recht verurteilt wurden? Ziel des Artikels ist es, sich mit einigen Vorwürfen gegen die Moskauer Prozesse zu befassen, die von Trotzkisten und bürgerlichen Antikommunisten verbreitet werden. Die Vorwürfe sollen hier also einer nach dem anderen aufgelistet und widerlegt werden.

Vorwurf Nr. 1: Wie kann es sein, dass solch verdiente Revolutionäre von heute auf morgen vom Marxismus-Leninismus abwichen und alle vorgeworfenen Verbrechen begangen haben?

Um sich ein klares Bild über die Prozesse machen zu können, muss man erstmal über die Geschichte der linken und rechten Opposition der KPdSU Bescheid wissen. Dabei sollte zuerst erwähnt werden, dass es z. B. schon immer eine Gegnerschaft zwischen Lenin und Trotzki in allen wichtigen Bereichen gab – der Parteitheorie, der Revolutionstheorie, dem Aufbau des Sozialismus usw., man braucht sich nur die Werke Lenins, aber auch jene von Trotzki durchzulesen um zu erkennen, dass die Freundschaft zwischen Lenin und Trotzki nichts weiter als ein Märchen ist: So arbeitete Trotzki 1903 in der Redaktion der „Iskra“, einer von Lenin im Londoner Exil herausgegebenen Zeitung. Nach der Spaltung der russischen Marxisten in Menschewiki und Bolschewiki, die im Sommer 1903 stattfand, schloss sich Trotzki den Menschewiki an. Er besuchte die radikalen russischen Studentenkolonien in Brüssel, Paris und Lüttich, in der Schweiz und in Deutschland, und polemisierte gegen die Ansicht Lenins und der übrigen Bolschewiki, dass der Kampf gegen den Zarismus eine disziplinierte, straffe Parteiorganisation erfordere. In einem 1904 veröffentlichten Pamphlet „Unsere politischen Aufgaben“ warf er Lenin vor, er versuche, den russischen Radikalen ein „Kasernenreglement“; aufzuzwingen, wobei er eine Sprache gebrauchte, die stark an seine späteren Angriffe gegen Stalin erinnert. Im Jahre 1905 kam es zur ersten „Arbeiterrevolution“, die jedoch scheiterte. Trotzki eilte sofort nach Russland zurück und übernahm eine führende Rolle im Petersburger Sowjet. In der erhitzten Atmosphäre politischer Intrigen und Konflikte, anbetracht der Aussicht auf die nahe bevorstehende Machtübernahme, fühlte sich Trotzki in seinem Element. Dieses Erlebnis bekräftigte den sechsundzwanzigjährigen Trotzki in seiner Überzeugung, dass er zum Führer der russischen Revolution auserkoren sei. Nach dem Scheitern der Revolution schlug Trotzki sein neues Hauptquartier in Wien auf. Er bezeichnete Lenin als „Bewerber um den Diktatorposten“, machte Propaganda für seine eigene Bewegung und suchte sich als Förderer der „internationalen Revolution“ darzustellen. Trotzki war ständig unterwegs: Von Wien aus bereiste er Rumänien, die Schweiz, Frankreich und die Türkei, um Anhänger zu werben und wertvolle Verbindungen mit europäischen Sozialisten und Linksradikalen zu knüpfen. Durch seine hartnäckigen Bemühungen brachte er es schließlich so weit, dass er bei den Menschewiki, den Sozialrevolutionären und der intellektuellen Boheme der russischen Emigration als wichtigster Gegner Lenins innerhalb der russischen revolutionären Bewegung galt. Als im Frühjahr 1917 das Zarenregime zusammenbrach, befand sich Trotzki in New York, wo er zusammen mit Nikolai Bucharin die Zeitung „Novi Mir“ (Neue Welt) herausgab. Bucharin gehörte zum äußersten linken Flügel der politischen Emigration und war ebenso ein Gegner Lenins. Trotzki trat umgehend die Rückreise nach Russland an, in Halifax wurde er von den kanadischen Behörden verhaftet, die ihn einen Monat lang in Gewahrsam hielten. Danach wurde er auf Ersuchen der russischen Provisorischen Regierung freigelassen. Die britische Regierung hatte beschlossen, Trotzki die Rückkehr nach Russland zu gestatten. Trotzki traf im Mai in Petrograd ein. Zuerst versuchte er, eine eigene revolutionäre Partei ins Leben zu rufen - einen aus ehemaligen Emigranten und Mitgliedern verschiedener radikaler Parteien zusammengesetzten Block der äußersten Linken. Aber es stellte sich bald heraus, dass eine solche Bewegung keine Aussicht auf Erfolg hatte. Die revolutionären Massen standen geschlossen hinter der bolschewistischen Partei. Im August 1917 vollzog sich ein sensationeller Umschwung in Trotzkis politischer Haltung. Nachdem er Lenin und die Bolschewiki vierzehn Jahre lang bekämpft hatte, ersuchte er die Aufnahme in die bolschewistische Partei. Lenin hatte vor Trotzki und seiner durch persönlichen Ehrgeiz bestimmten Handlungsweise häufig gewarnt; aber jetzt, als der Entscheidungskampf um die Errichtung einer Sowjetregierung begonnen hatte, musste Lenins Politik auf die Schaffung einer Einheitsfront sämtlicher revolutionärer Fraktionen, Gruppen und Parteien gerichtet sein. Trotzki wurde daher zähneknirschend in die bolschewistische Partei aufgenommen. Es ist kennzeichnend für Trotzki, dass er seinen Einzug in die Partei zu einem eindrucksvollen Schauspiel gestaltete. Er führte der Partei die bunt zusammengewürfelte Schar seiner linken Extremisten zu. Trotzki wurde Vorsitzender des Petrograder Sowjets, der im Jahre 1905 der Schauplatz seiner ersten revolutionären Wirksamkeit gewesen war. Er blieb während der folgenden entscheidungsschweren Tage auf diesem Posten. Nach der Bildung der ersten Sowjetregierung - einer Koalition von Bolschewiki, linken Sozialrevolutionären und ehemaligen Menschewiki - wurde Trotzki Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten (siehe dazu auch: Sayers/Kahn: Die Grosse Verschwörung). Soviel zu Trotzkis Wirken vor und während der Revolution. Doch auch in der Zeit danach war Trotzkis Wirken durch Opposition zur Sowjetmacht gezeichnet. So sei hier nur sein Wirken beim Friedensvertrag von Brest-Litowsk, bei der Gewerkschaftsfrage oder dem Aufbau des Sozialismus in einem Land erwähnt. Nach Trotzkis Verbannung aus der Sowjetunion hörte er nicht auf, gegen die Sowjetunion zu hetzen. Tat er dies anfangs noch gemäßigt und verteidigte die Sowjetunion noch als solche, rief er schon Mitte bis Ende der 30er Jahre offen zum Sturz der Regierung in Moskau auf. Seine diffamierenden Schriften gegen die Sowjetunion und Stalin waren aus antikommunistischer Sicht durchaus vorbildlich. In vielen Bereichen unterschied sich Trotzkis Hetze nicht von der der Nazis, mit dem kleinen Unterschied, dass die Nazis von einer jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung sprachen, Trotzki von einem Stalinistischen „Thermidor“, in Anlehnung an die Bezeichnung einer kritischen Phase der französischen Revolution. Wie man sehen kann, war Trotzki alles andere als ein treuer Bolschewik. Dieser politische Werdegang trifft auch auf Leute wie Sinowjew, Kamenew, Bucharin und andere Angeklagte der Moskauer Prozesse zu. Wie schon erwähnt, war der Liebling der Partei, Bucharin, alles andere als ein treuer Anhänger Lenins. Auch in wichtigen ökonomischen Fragen stand Bucharin in der Frage der Kollektivierung der Landwirtschaft auf Seiten der Kulaken und wurde zu deren Sprachrohr. Durch seine permanenten Einwände gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft sabotierte er diesen für die Existenz der Sowjetunion so wichtigen Prozess und ermunterte die Kulaken zu ihren konterrevolutionären Aktivitäten, die von der Abschlachtung des Viehs bis zur Ermordung von Kollektivbauern reichten. Das hatte dementsprechend auch zur Folge, dass einzelne Organe der Partei und der GPU außer Kontrolle gerieten und aus Angst vor weiteren konterrevolutionären Aktivitäten mit harten Repressionen – auch gegen Mittelbauern – vorgingen und Bauern oft gegen ihren Willen in die Kolchosen zwangen. Es sollte vielleicht hier noch erwähnt sein, dass Bucharins Vorschläge zur Gestaltung der sozialistischen Ökonomie auch von Gorbatschow durchgeführt wurden. Wohin dies geführt hat, sehen wir ja heute!
Zu Sinowjew und Kamenew sei noch erwähnt, dass beide die Pläne für den Oktoberaufstand verraten haben. Wer also schon öffentlich bekannt machen will, wann eine konspirativ geplante Revolution stattfinden soll, dem ist auch zuzutrauen, in andere antisowjetische Tätigkeiten involviert zu sein. Was das Wirken der linken und rechten Opposition angeht, so war sie anfangs nichts weiter als eine einfache Opposition, die sich in Gegnerschaft zur Stalin’schen Linie des sozialistischen Aufbaus befand. Diese Opposition mit ihren unbrauchbaren, lügnerischen oder utopischen Kritiken und Visionen war in den 20er Jahren nichts weiter als eine unbedeutende antileninsche (auch wenn sie sich als die wahren Verteidiger Lenins ausgaben) Tendenz innerhalb der Arbeiterbewegung. Sie verfügte weder in der Partei, noch in der Bevölkerung über Unterstützung, was sich unter anderem in den Parteiwahlen 1927 bemerkbar machte: Die vereinigte Opposition erhielt nur 4000 Stimmen, Stalins Linie dagegen rund 700.000. Die Opposition war somit gescheitert und ihr blieben nur zwei Optionen übrig: Entweder sie gaben ihre Niederlage zu und verschwanden somit politisch völlig von der Bühne, oder sie begangen unterzutauchen und machten mit den Gegnern der Sowjetunion gemeinsame Sache. Sie entschieden sich für die letztere Option. Da es für sie unmöglich war im Proletariat Fuß zu fassen, ohne dessen Hilfe eine Änderung der Generallinie nicht möglich wäre, ging die Opposition auf Terror, Mord und Sabotage über. Wer meint, dies wäre simple stalinistische Propaganda, der wird sich vielleicht interessieren, was so der Klassengegner dazu schreibt. Ein Beispiel hierzu wäre z. B. Ruth Fischer und ihr Buch „Stalin und der Deutsche Kommunismus“. Zu Fischer ist zu sagen, dass sie in den 20er Jahren als Trotzkistin aus der KPD ausgeschlossen wurde. In der Zeit des Kalten Krieges lebte sie in den USA und war an der Hetze gegen Kommunisten in der so genannten McCarthy Ära beteiligt. Unter anderem schildert sie ihre Treffen mit Sinowjew:

„Bei diesen halblegalen Zusammenkünften zeigte mir Sinowjew nicht nur manche Politbüro-Berichte, die von einem seiner zuverlässigen Sekretäre extra übersetzt wurden, sondern ergänzte sie durch viele Einzelheiten (...) Die Parteikader seien nicht hoffnungslos entartet, betonte Sinowjew; die Hauptaufgabe sei, sie zu ermutigen, damit sie sich wieder in Form brächten und den Kampf gegen die Stalin-Clique aufnähmen (...) Als wir ein Bündnis mit Trotzki diskutierten, betonte Sinowjew wiederholt, dass er seinen Kampf gegen Trotzki von 1923 aufrichtig bedauere (...) In einer der Aussprachen, wie ich sie beschrieben habe, wenige Tage nach dem vierzehnten Parteitag, ging Sinowjew mit mir die verschiedenen Möglichkeiten der Bekämpfung Stalins durch und schlug, fast schüchtern, das Bündnis mit Trotzki vor. Dies ist ein Kampf um die Staatsmacht, sagte er (...) Kamenjew habe Verhandlungen mit Trotzki aufgenommen, erzählte er mir, und hoffte, bald zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen … Nach diesem Gespräch schrieb ich einen Brief nach Berlin, dass Sinowjew und Trotzki einen Block bilden würden und dass ich seine Unterstützung durch die deutschen Linken befürworte.“ (S. 664¬ - 669)

Durch ihre Offenherzigkeit gewinnen diese Sumpfblüten des Antikommunismus heute eine neue Bedeutung: Sie können mit dazu beitragen, die Geschichtsfälschungen von Stalins Gegnern zu widerlegen, so wundersam es auch klingen mag.

Vorwurf Nr. 2: Wenn es solch eine breit angelegte „Verschwörung“ gab, warum war sie dann in ihrer Auslegung so spärlich und bedeutungslos, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass einige der Verschwörer so hohe Positionen inne hatten?

Generell sollte zu diesem Vorwurf gesagt werden, dass die Bedeutungslosigkeit des Erfolgs der Verschwörer kein Argument dafür ist, dass keine Bedrohung von ihnen ausging. Es wäre allerdings irrwitzig zu behaupten, dass die Auswirkungen der Verschwörer so gering waren. Die Verschwörer waren schuldig am Tod von Kirow, Kuibyschew, Meschinsky, Gorki und dessen Sohn Peschkow. Es gab diverse Mordanschläge gegen Stalin, Molotow, Kaganowitsch und andere Mitglieder der Regierung. Weiterhin gab es eine Reihe von Sabotageakten in der Industrie und Landwirtschaft, die den Tod vieler Menschen forderte. Wen solcherlei nicht abschreckt, dem kann ohne weiteres eine drastische charakterliche Schieflage attestiert werden, die historischen Fakten beenden manchmal eben sinnentstellende Diskussionen auf ihre eigene, konsequente Weise.

Vorwurf Nr. 3: Es gab keine Sabotageakte und die Vorwürfe gegen die Angeklagten seien somit gefälscht.

Es ist nur zu absehbar, dass die bürgerlichen Autoren behaupteten, die Anklagen der systematischen Sabotage wären in allen Stücken frei erfunden worden und dass diese dem alleinigen Ziel dienten, die politischen Oppositionellen zu eliminieren. Aber auch hier gibt es Aussagen von Zeitzeugen. Es geschah, dass z.B. ein amerikanischer Ingenieur namens Littlepage zwischen 1928 und 1937 als führender Kader in einer großen Anzahl von Bergwerken des Gebietes des Urals und Sibiriens arbeitete. Er legte seine frappierenden Erkenntnisse über die Sabotage schließlich schriftlich nieder. Da Littlepage sich in viele Bergbaugebiete begeben hatte, konnte er feststellen, dass die Industriesabotage eine Form des erbitterten Klassenkampfes war, die sich auf dem gesamten Territorium der Sowjetunion entwickelt hatte. Im Folgenden wird zitiert, wie Littlepage berichtete, was er in Kasachstan zwischen 1932 und 1937, als die große Säuberung begann, erlebt hatte:

„Im Oktober 1932 wurde von den berühmten Zinkminen Ridder von Ostkasachstan in der Nähe der chinesischen Grenze, ein Hilferuf geschickt. (...) Man erfreute mich damit, die Arbeit als Chefingenieur erneut in die Hand zu nehmen und die mir angemessen erscheinenden Methoden anzuwenden. Gleichzeitig hatten die kommunistischen Direktoren offensichtlich die Weisung erhalten, mir freie Hand zu lassen und mich zu unterstützen. Die Regierung hatte große Geldsummen aufgewandt, um diese Minen mit modernen Maschinen und Ausrüstungen aus den USA auszustatten, aber die Ingenieure hatten sich derart unwissend in dem Gebrauch der Ausrüstungen und die Arbeiter beim Umgang mit diesen Maschinen so sorglos und stupide gezeigt, dass eine große Anzahl dieser importierten Maschinen ohne die Möglichkeit einer Reparatur verloren ging. (Bei der Erkundung der Goldminen von Sibirien, S. 100 – 101). Zwei junge russische Ingenieure dieser Minen erschienen mir besonders geeignet, und ich gab mir große Mühe, um ihnen zu erklären, warum die Dinge vorher so schlecht liefen und was zu tun ist, um sie in Ordnung zu bringen. Es schien mir, dass diese jungen Leute nach der von mir gegebenen Instruktion mit den notwendigen Befugnissen ausgestattet werden können um die Erzgewinnung zu leiten. (S. 105-106) Die Minen von Ridder waren während der zwei bis drei Jahre, nachdem ich sie 1932 reorganisiert hatte, in ziemlich gutem Zustand und auch rentabel. Die beiden jungen Ingenieure, die auf mich einen guten Eindruck gemacht hatten, waren an Ort und Stelle geblieben und hatten sich unbestreitbar mit Erfolg die Instruktion, die ich ihnen hinterlassen hatte, zu eigen gemacht. Dann kam eine Untersuchungskommission nach Alma Ata, ähnlich der, die man in die Bergwerke von Kalata entsandt hatte. Von diesem Augenblick an wurde, obwohl man dieselben Ingenieure in den Minen belassen hatte, ein völlig anderes System eingeführt, welches jeder kompetente Ingenieur als ungeeignet befunden hätte und das nur den Verfall der Minen in einigen Monaten herbeiführen konnte. Man hatte selbst die Stützpfeiler, die wir für den Schutz der Hauptschächte gelassen hatten, in einer solchen Art und Weise genutzt, dass das Terrain ringsherum abgesenkt wurde. Als ich 1937 wieder dort ankam, arbeiteten die beiden Ingenieure, von denen ich sprach, nicht mehr in den Minen. Ich erfuhr, dass sie verhaftet und wegen Mittäterschaft in einem Komplott zur Sabotage der sowjetischen Industrie angeklagt waren, die bei der Aburteilung der Verschwörung vom Januar aufgedeckt worden war. Als ich meinen Bericht vorgelegt hatte, zeigte man mir die schriftlichen Geständnisse der Ingenieure, denen ich 1932 meine Freundschaft zuteil werden ließ. Sie hatten gestanden, in eine Verschwörung gegen das Regime von Stalin hineingezogen worden zu sein, und zwar durch oppositionelle Kommunisten, die sie überzeugt hatten, genügend stark zu sein, um Stalin zu stürzen und die Regierungskontrolle zu übernehmen. Die Verschwörer hätten ihnen bewiesen, dass sie sich auf die gebildetsten Kommunisten stützen würden. Obwohl diese Ingenieure parteilos waren, sagten sie sich, dass sie zwischen einer der beiden Fraktionen wählen mussten, und sie setzten auf das falsche Pferd. Nach ihren Geständnissen war die Untersuchungskommission aus Verschwörern zusammengesetzt, die sich von einer Mine zur anderen begaben, um Anhänger anzuwerben. Nachdem man sie überzeugt hatte, sich der Verschwörung anzuschließen, sollten sich die Ingenieure von Ridder meiner niedergeschriebenen Instruktionen bedienen, um die Minen zu sabotieren. Sie hatten vorsätzlich Methoden eingeführt, vor denen ich gewarnt hatte, und so beinahe den Verlust der Minen verursacht. (S. 107-108) Ich hatte mich niemals für die Subtilitäten politischer Ideen interessiert. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass Stalin und seine Kampfgefährten in einer gewissen Zeit zu dem Schluss kommen mussten, dass die frustrierten Kommunisten ihre gefährlichsten Feinde sind. Meine Erfahrungen bestätigten die offizielle Erklärung, dass, nachdem man sich von der Redemanie freigemacht hatte, zu der einfachen Feststellung gelangte, nach der die Kommunisten ‚von außen her konspirierten, um die Kommunisten ‚von innen’ zu stürzen und dass sie zur Untergrundtätigkeit und Industriesabotage schritten, weil das sowjetische System alle legitimen Mittel für einen politischen Kampf erstickt hatte. Die kommunistischen Querelen wurden eine so große Affäre, dass zahlreiche Nichtkommunisten hineingezogen wurden und daran teilnahmen. Eine Menge kleiner Leute jeder Sorte wurde der Nährboden, um jeden im Untergrund agierenden oppositionellen Versuch zu unterstützen, einfach weil sie über die Lage unzufrieden waren.“ (S. 268-269)

Bei dem Prozess vom Januar 1937 wurde Pjatakow, ein alter Trotzkist, als Hauptschuldiger für die Industriespionage verurteilt. Littlepage hatte die Gelegenheit, persönlich festzustellen, dass Pajatkow in Geheimoperationen verwickelt war. Er berichtete dazu folgendes:

„Im Frühjahr 1931 sprach Serebrowski mit mir über eine Grosseinkaufsaktion, mit der eine nach Berlin entsandte Mission unter der Leitung von Juri Pjatakow, damals Stellvertretender Volkskommissar für die Schwerindustrie, beauftragt war. Ich traf fast zur selben Zeit wie die Mission in Berlin ein. Unter anderen Offerten machte die Mission auch das Angebot, mehrere Dutzend Elevatoren mit 100 bis 1000 PS zu kaufen. Diese Elevatoren bestanden gewöhnlich aus Zylindern, Gerüsten, Trägern, Zahnradgetrieben usw., die auf einem Sockel von Balken in I oder H-Form montiert waren. Die Mission bat um Preisangebote in Pfennigen je Kilogramm. Mehrere Firmen unterbreiteten Offerten, aber mit beträchtlichen Unterschieden von fünf bis sechs Pfennigen je Kilogramm zwischen der Mehrzahl der Offerten und denen von zwei Firmen, deren Preise beträchtlich darunter lagen. Diese Unterschiede veranlassten mich, die Spezifikationen näher zu prüfen, und ich entdeckte, dass diese beiden Firmen ein Gusseisenfundament mit Leichtmetall ersetzt hatten. Obwohl die Russen die Angebote akzeptierten, zahlten sie in Wirklichkeit mehr. Da das Gusseisenfundament viel mehr wog als das Leichtmetall, hatten sie jedoch scheinbar weniger bezahlt, da man den Preis in Pfennigen je Kilogramm zugrunde legte. Das schien nur ein Trick zu sein, und ich freute mich natürlich, das aufgeklärt zu haben. Ich erstattete an die russischen Mitglieder mit einiger Genugtuung Bericht. Zu meinem Erstaunen waren sie ganz und gar nicht begeistert. Sie übten sogar Druck auf mich aus, damit ich diesen Handel akzeptiere und erklärten mir, dass ich kaum begriffen hätte, was man wünschte. Ich konnte mir ihre Haltung nicht erklären. Ich dachte, dass es sich wohl um eine Schmiergeldaffäre handeln könnte.“ (S. 91 – 92)
Vorwurf Nr. 4: Die Kritiker der Moskauer Prozesse entgegnen dass die Geständnisse der Angeklagten durch Folter oder Drogen erpresst worden sind.

1. Folter.

Nun ist es sicherlich möglich, einen ehrlichen Kommunisten dazu zu bewegen, falsche Geständnisse von Landesverrat durch die Anwendung von Folter schriftlich abzulegen. Jedoch eröffnet sich im offenen Gerichtssaal die Möglichkeit, das zu entlarven. Aber nicht ein einziger der Angeklagten machte von ihr Gebrauch. Im Gegenteil: Diejenigen, denen die Frage gestellt wurde, ob sie unter Druck gesetzt worden waren, als sie auf den Prozess warteten, verneinten dies.

2. Drogen.

Der Medizin ist keine Droge bekannt, durch die Menschen dazu veranlasst werden könnten, völlig falsche Anschuldigungen zuzugeben und gleichzeitig in anderer Hinsicht sich völlig normal zu benehmen und sogar Streitgespräche mit dem Ankläger zu führen.

3. Das Versprechen der Begnadigung bei Ablegen eines falschen Geständnisses.

Das wäre bezogen auf den ersten Prozess, den Sinowjew und Kamenjew hatten, (bei dem sie glimpflich davonkamen) noch plausibel. Aber nachdem Sinowjew und Kamenjew hingerichtet worden waren, war das nicht mehr auf die nachfolgenden Prozesse anwendbar.

4. Loyalität gegenüber Stalin.

Wenn man bedenkt, dass fast alle der Angeklagten jahrelang gegen Stalin gearbeitet hatten, dann ist diese Theorie wohl am wenigsten stichhaltig. Warum die Angeklagten doch alles gestanden haben, zeigt zum Beispiel Lion Feuchtwanger in seinem Buch „Moskau 1937“:

„Die Angeklagten waren Anhänger Trotzkis; auch nach seinem Sturz noch glaubten sie an ihn. Aber sie lebten innerhalb der Sowjetunion, und was für den verbannten Trotzki ferne, vage Ziffern und Statistiken waren, das wurde für sie zu lebendiger Anschauung. Vor dieser lebendigen Anschauung konnte Trotzkis Prinzip, die Errichtung der sozialistischen Wirtschaft in einem einzigen Land sei unmöglich, auf die Dauer nicht standhalten. Im Lauf des Jahres 1935, angesichts der steigenden Prosperität der Sowjetunion, mussten die Angeklagten erkennen, dass der Trotzkismus bankrott gemacht hatte; 'sie verloren,' erklärte Radek, 'den Glauben an die Konzeption Trotzkis.' Unter diesen Umständen liegt es in der Natur der Sache, dass die Geständnisse sich wie ein erzwungener Hymnus auf das Regime Stalins anhören. Die Angeklagten gleichen da jenem heidnischen Propheten Bileam der Bibel, der auszieht, um zu fluchen, und der gegen seinen Willen segnen muss. Der Angeklagte Muralow hatte acht Monate geleugnet, ehe er, am fünften Dezember, gestand. 'Obwohl ich,' sagte er im Prozess aus, 'die Direktiven Trotzkis, Terror und Sabotage, nicht für richtig hielt, schien es mir moralisch unzulässig, an Trotzki Verrat zu üben. Aber schließlich, als die anderen sich abkehrten, die einen ehrlich, die ändern unehrlich, sagte ich mir: für die Sowjetunion habe ich mich in drei Revolutionen aktiv geschlagen, und dutzende Male hing mein Leben an einem Haar. Muss ich mich da nicht ihren Interessen unterordnen? Oder soll ich weiter bei Trotzki bleiben und seine falsche Sache weiterführen und fördern? Dann aber wird mein Name eine Fahne für jene sein, die noch in den Reihen der Konterrevolution stehen. Die anderen, ob sie ehrlich oder unehrlich von Trotzki abfielen, werden jedenfalls nicht zum Banner der Konterrevolution gehören. Soll da ich als ein so sonderbarer Heiliger dastehen? Das war für mich das Ausschlaggebende, und ich sagte mir: schön, jetzt geh ich hin und packe die ganze Wahrheit aus.' Radeks Aussagen zu diesem Punkt, in der Form viel nuancierter, besagen in der Sache das Gleiche. Die Darlegungen beider Männer scheinen mir, über den Prozess hinaus, psychologisch interessant. Sie zeigen beispielhaft, wie weit Männer mitgehen mit einem, an dessen überlegene Führerintelligenz und geniale Konzeption sie glauben, und wo der Punkt ist, an dem sie ihn verlassen. Die abenteuerlichen und verzweifelten Mittel, zu denen, nachdem seine Grundkonzeption sich als falsch erwiesen hatte, ein Trotzki zu greifen entschlossen war, mussten seine kleineren Partisanen abschrecken. Sie begannen, seine Methoden für verrückt zu halten. Sie fielen nur deshalb nicht schon früher offen von ihm ab, weil sie nicht wussten, wie sie das technisch anstellen sollten. 'Wir wären, ‘ erklärte Radek, 'zur Polizei gegangen, wenn diese nicht vorher zu uns gekommen wäre’, und das ist glaubhaft. Einige Mitläufer der Angeklagten waren ja wirklich vorher zur Polizei gegangen, und so war es gekommen, dass das ganze Komplott aufflog. An sich ist, was die Zweifler einwenden, richtig. Leute, die an ihre Sache glauben und die so gut wie sicher verloren sind, verraten ihre Sache nicht in ihrer letzten Stunde. Sie nehmen die letzte, große Möglichkeit wahr, zur Öffentlichkeit zu sprechen, und benutzen sie, für ihre Sache Propaganda zu machen. Vor den Hitlergerichten erklären Revolutionäre zu Hunderten: 'Ja, ich habe das getan, was mir vorgeworfen wird. Ihr könnt mich umbringen, aber ich bin stolz auf das, was ich getan habe.' An sich also haben die Zweifler recht, zu fragen: warum hat von diesen Trotzkisten keiner so gesprochen? Warum hat von diesen Trotzkisten keiner gesagt: 'Ja, euer Stalinstaat ist falsch. Trotzki hat Recht. Was ich getan habe, war gut. Bringt mich um, aber ich stehe dafür ein.' Allein, es gibt auf diesen Einwand eine schlagende Antwort. Diese Trotzkisten haben einfach deshalb nicht so gesprochen, weil sie eben nicht mehr an Trotzki glaubten, weil sie innerlich nicht mehr für das einstehen konnten, was sie getan hatten, weil ihre trotzkistische Überzeugung durch die Fakten dergestalt widerlegt worden war, dass Männer mit sehenden Augen nicht mehr an sie glauben konnten. Was also blieb ihnen übrig, nachdem sie sich auf die falsche Seite gestellt hatten? Es blieb ihnen, gerade wenn sie überzeugte Sozialisten waren, für ihr letztes Auftreten vor ihrem Tode nichts übrig als das Geständnis: der Sozialismus kann nicht auf dem Weg Trotzkis verwirklicht werden, den wir gegangen sind, sondern nur auf dem ändern, dem Weg Stalins. Aber auch wenn man von ideologischen Beweggründen absieht und nur die äußeren Umstände in Betracht zieht, dann waren die Angeklagten zu ihren Geständnissen geradezu gezwungen. Was sollten sie tun, nachdem sie einmal durch erdrückendes Beweismaterial überführt waren? Verloren waren sie, ob sie gestanden oder ob sie nicht gestanden. Wenn sie gestanden, dann vielleicht eröffnete ihnen ihr Geständnis trotz allem ein Fünkchen Hoffnung auf Begnadigung. Nackt ausgedrückt: Wenn sie nicht gestanden, waren sie hundertprozentig, wenn sie gestanden, neunundneunzigprozentig verloren. Da innere Gründe nicht gegen ein Geständnis sprachen, warum also sollten sie es nicht ablegen? Es zeigt sich denn auch aus ihren Schlussworten, dass dieses Motiv mitsprach. Von den siebzehn Angeklagten bitten zwölf die Richter, ihr Geständnis bei der Urteilsfindung als mildernden Umstand zu berücksichtigen.“ (S. 136 – 140).

Joseph Davies, Botschafter der USA in Moskau, der alle Prozesse verfolgt hatte kommt zu folgendem Schluss:

„All die grundlegenden Schwächen und Laster der menschlichen Natur persönliche Ambitionen in ihrer schlimmsten Form zeigen sich in diesem Verfahren. Es bringt die Umrisse eines Komplotts ans Licht, das kurz davor war, diese Regierung zu stürzen. (...) Was die politischen Angeklagten betrifft, so meine ich, dass genügend Verbrechen nach sowjetischem Gesetz nachgewiesen wurden, um zweifellos das Urteil des Landesverrats zu rechtfertigen. Die Meinung jener Diplomaten, die am regelmäßigsten den Prozess besucht hatten, war einheitlich die, dass der Fall die Tatsache erwiesen hat, dass es eine beachtliche politische Opposition und ein äußerst ernstzunehmendes Komplott gab, das für die Diplomaten viele Dinge, die sich in den letzten sechs Monaten in der Sowjetunion ereignet haben, plausibel machten.“ (J. E. Davies, 'Mission in Moskau', Band 1, London 1942, S. 177, 178-9)

Im April 1937 richtete das Komitee für die Verteidigung von Leon Trotzki in Mexiko eine 'Untersuchungskommission' zur Überprüfung der Moskauer Prozesse ein. Als er gefragt wurde, weshalb, falls sie unschuldig waren, aufrichtige revolutionäre Veteranen nicht von der Möglichkeit Gebrauch machten, in einem öffentlichen Verfahren ihre Unschuld zu beteuern, konnte Trotzki nur erwidern: 'Ich bin nicht verpflichtet, diese Frage zu beantworten.'

Vorwurf Nr. 5: Es gab keine Dokumente, keine materiellen Beweise, keine Zeugen, die die Echtheit der Vorwürfe beweisen.

Die Behauptung, dass es keine Dokumente gab und die Schuld der Angeklagten nur durch ihre Geständnisse bewiesen wurde, ist falsch. So gab es Zeugenaussagen, die die Beweise gegen die Angeklagten bekräftigten. So wurden z.B. im zweiten Moskauer Prozess die Komplizen Bukhartsew, Romm, Loginow, Stein und Tamm verhört. Hinzu kamen die wissenschaftlichen Beweise eines Expertenkomitees, die demonstrierten, dass eine Reihe von Explosionen nicht durch einen Unfall, sondern durch bewusste Sabotage hervorgerufen worden waren und das Tagebuch des Angeklagten Stroilow, das Telefonnummern von Mitgliedern des Deutschen Geheimdienstes enthielt. Diese stifteten Stroilow unter Erpressung an, für sie Spionage und Sabotage auszuüben. Die Nummern wurden sicherheitshalber geprüft sowie die Fotos der Deutschen Geheimagenten vorgelegt und Stroilow tippte auf die richtigen Fotographien unter einer Auswahl von vielen. Das waren nur einige Beispiele, so hält dieser Vorwurf ebenfalls nicht Stand. Interessant in dieser Hinsicht ist auch, dass Trotzki keine Einwände gegen die Prozesse der frühen 30er Jahre hatte: so z.B. den Shachty oder den Menschewiken Prozess, wohl aber gegen die Moskauer Prozesse der späten 30er Jahre, obwohl sie sich in ihrer Auslegung nicht voneinander unterschieden.

Vorwurf Nr. 6: Wenn die Sabotagepläne so bekannt waren, warum hatten dann z.B. Sinowjew und Kamenew, die des Terrorismus angeklagt wurden, nichts von den Sabotageakten in der Industrie oder der Allianz zwischen den Trotzkisten und dem Deutschen bzw. Japanischen Geheimdienst erzählt? Wie konnten sie nur solche Details vergessen?

Diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten in dem man nur feststellt, dass Sinowjew und Kamenew nur das aussagten was schon bekannt war. Sie gaben nur das zu was nicht mehr geleugnet werden konnte, so den Mord an Kirow. Sie wussten dass sie für ihre Taten hingerichtet werden, waren aber gewillt, die Konspiration aufrecht zu erhalten. Erst durch weitere Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass das Ausmaß der Verschwörer um einiges größer war. Wären die ganzen Moskauer Prozesse eine reine Erfindung der GPU, so würde es keinen Sinn ergeben, die 3 Prozesse über 3 Jahre zu verteilen und beim ersten nichts über die Sabotage und Spionagetätigkeit zu berichten.

Vorwurf Nr. 7: Kirow war kein Opfer der Verschwörer. Er fiel Stalin zum Opfer, da Kirow Hoffnungsträger gegen das brutale Stalinistische Regime war. So wurde Kirow ausgeschaltet und seine Ermordung den Trotzkisten in die Schuhe geschoben, damit der machthungrige Stalin seine Konkurrenten ausschalten konnte. Der XX. Parteitag und die danach folgenden Untersuchungen haben bewiesen, dass Stalin an der Ermordung Kirows beteiligt war.

Im Dezember 1934 wurde Kirow von Nikolajew ermordet. Die Untersuchung des Kirowmordes ergab eine Verbindung Nikolajews mit Sinowjew und Kamenew. Als Ergebnis dieser Untersuchung bekannten sich Sinowjew und Kamenew als moralisch schuldig. Sie behaupteten, dass sie Nikolajew nicht den Auftrag zum Mord gaben, jedoch aber moralisch dafür verantwortlich waren, weil durch ihre Tätigkeiten der Hass ihrer Mitglieder gegen einige Parteiführer hervorgerufen wurde. Diese Erklärung wurde akzeptiert und sie wurden dementsprechend verurteilt. Erst durch weitere Untersuchungen und der Entdeckung weiterer terroristischer Zentren wurde enthüllt, dass Sinowjew und Kamenew viel tiefer verwickelt waren, als sie zugeben wollten. Am XX. Parteitag gab Chruschtschow eine entstellende Version des Kirowmordes in der Weise zum Besten, dass er unterstellte, dass Stalin für seine Organisierung verantwortlich gewesen sei:

„Es muss gesagt werden, dass bis heute die Umstände, die den Mord an Kirow umgeben, viele Dinge ungeklärt und mysteriös erscheinen lassen und die sorgfältigste Untersuchung verlangen. Es gibt Gründe für den Verdacht, dass der Mörder von Kirow, Nikolajew, von jemandem gedeckt wurde, dessen Pflicht es war, die Person Kirows zu schützen. Vor dem Mord war Nikolajew verhaftet worden aus Gründen verdächtigen Verhaltens, wurde aber freigelassen und nicht einmal durchsucht. Es war ein ungewöhnlich verdächtiger Umstand, dass der Tschekist, der den Auftrag hatte, Kirow zu beschützen, zu einem Verhör am 2. Dezember 1934 bestellt wurde, bei einem 'Autounfall' getötet wurde, bei dem keine anderen Insassen des Autos verletzt wurden. Nach dem Mord an Kirow wurden Spitzenfunktionären des NKWD leichte Strafen gegeben, aber 1937 wurden sie erschossen. Wir dürfen annehmen, dass sie erschossen wurden, um die Spuren derer zu verwischen, die Kirows Mord organisierten hatten.“(Nikita S. Chruschtschow: Geheimrede an den 20. Parteitag der KPdSU, Februar 1956)

Im Oktober 1961, auf dem 22. Parteitag der KPdSU, nahm Chruschtschow erneut Stellung - diesmal öffentlich - zu den „verdächtigen“ Umständen des Kirowmordes:

„Es wird noch großer Bemühungen bedürfen um herauszufinden, wer wirklich für seinen Tod verantwortlich ist. Je intensiver wir das Material im Zusammenhang mit Kirows Tod prüfen, umso zahlreicher werden die Fragen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Kirows Mörder zweimal vorher von Tschekisten (...) in der Nähe des Smolny festgenommen worden war und dass Waffen bei ihm gefunden wurden. Er wurde jedoch jedes Mal auf Anweisung von irgendjemanden wieder freigelassen. Und die nächste Sache: Dieser Mann befand sich im Smolny, bewaffnet, auf dem Flur, auf dem Kirow normalerweise entlangging. Und aus irgendeinem Grunde befand sich Kirows Hauptleibwächter im Moment des Mordes weit hinter ihm, obwohl Instruktionen ihm nicht gestatteten, so weit von Kirow entfernt zu sein. Auch folgende Tatsache ist merkwürdig: Als Kirows Hauptleibwächter zur Vernehmung gefahren wurde - er sollte von Stalin, Molotow und Woroschilow vernommen werden - wurde, wie der Fahrer später angab, das Fahrzeug bewusst in einen Unfall verwickelt von jenen, die den Mann zum Verhör fuhren. Sie gaben an, dass er in Folge des Unfalls starb, obwohl er tatsächlich von denjenigen getötet wurde, die ihn begleiteten. Auf diese Weise wurde derjenige, der Kirow bewachte, getötet. Später wurden jene, die ihn getötet hatten, erschossen. Dies war anscheinend kein Unfall, sondern ein sorgfältig geplantes Verbrechen. Wer konnte das gemacht haben? Eine gründliche Untersuchung wird jetzt in die Umstände dieses komplizierten Falls vorgenommen. Wie sich herausstellte, ist der Fahrer des Fahrzeugs, in dem Kirows Hauptleibwächter zur Vernehmung gefahren wurde, noch am Leben. Er gab an, dass ein NKWD-Mann mit ihm zusammen während der Fahrt in der Kabine saß. Sie fuhren in einem LKW. (Es ist natürlich merkwürdig, dass man einen LKW nahm, um den Mann zum Verhör zu fahren, als ob kein anderes Fahrzeug für den Zweck zur Verfügung gestanden hätte). Ganz offensichtlich war alles im Voraus geplant worden - bis ins Einzelne. Zwei weitere NKWD-Leute befanden sich hinten im LKW zusammen mit Kirows Hauptleibwächter. Im Verlauf der Erzählung der Geschichte sagte der Fahrer, dass, als sie eine Strasse entlang fuhren, der Mann neben ihm plötzlich ihm das Steuerrad aus den Händen riss und das Fahrzeug direkt auf ein Haus zusteuerte. Der Fahrer hatte inzwischen wieder das Fahrzeug unter Kontrolle und lenkte den LKW, so dass er die Mauer des Gebäudes nur seitlich streifte. Später sagte man ihm, dass Kirows Hauptleibwächter bei dem Unfall ums Leben gekommen sei. Warum starb er, obwohl kein anderer in dem Fahrzeug zu Schaden kam? Warum wurden die Beamten des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten, die Kirows Hauptleibwächter begleiteten, später erschossen? Das bedeutet, dass sie jemand umbringen ließ, um alle Spuren zu verwischen. Viele, sehr viele Umstände hiervon und andere ähnliche Fälle liegen immer noch im Dunkeln.“ (Nikita S. Chruschtschow: Bericht zum Parteiprogramm der KPdSU, gehalten auf dem 22. Parteitag der KPdSU, Oktober 1961, S. 111f).

Es wurde eine Untersuchungskommission eingerichtet, die eine Reihe von Beweisen aufnehmen sollte, die die Schuld Stalins am Kirowmord belegen. Es wurden hunderte von Zeugen aufgerufen und man hatte Zugang zu den Archiven. Jedoch muss man annehmen, dass die Hypothese nicht bestätigt werden konnte, da laut Allan Bullock in „Hitler und Stalin – Parallele Leben“ auf Seite 590 zu lesen ist, dass der Bericht der Kommission nie veröffentlich wurde. Im Jahre 1989 wurde eine weitere Kommission - die Jakowlew-Kommission - ins Leben gerufen, die damit beauftragt war, die „Lücken“ zu füllen, die von den vorangegangenen Untersuchungen hinterlassen worden waren:

„Die Jakowlew-Kommission des Politbüros (...) ernannte ein Untersuchungsteam aus Mitgliedern verschiedener Behörden, aus Personal der Generalstaatsanwaltschaft der UdSSR, der Militärstaatsanwaltschaft, dem KGB und verschiedener Archive. Zwei Jahre lang führte das Team Interviews, sah Tausende von Dokumenten durch und versuchte, alle nur möglichen Szenarios durchzuspielen. Seine Arbeit hat fünfzehn weitere Bände den dreißig-jährigen Bemühungen hinzugefügt. (...) Die Satzung des Teams bestand darin, Stalins Komplizenschaft zu beweisen (...) .Es gab nur wenig politischen Ansporn, ihn ungeschoren davonkommen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Dennoch kamen die Mitglieder der Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, dass es in dieser Angelegenheit keine Beweisunterlagen gäbe, die objektiv Stalins Beteiligung oder eine NKWD-Beteiligung an der Organisierung und Ausführung des Kirowmordes belegen würden. Das Team schlussfolgert, dass lediglich 'einseitige, oberflächliche, nicht belegte Fakten, Gerüchte und Mutmaßungen' Stalins Komplizenschaft stützen könnten.“(J. Arch Getty & Roberta T. Manning, Hrsg., „Stalinist Terror – New Perspectives“, S. 46f).

Es stimmt, dass Olga Schatunowskaja kürzlich schrieb, „dass die Kirow-Untersuchungen in den 60iger Jahren überzeugende Beweise zutage gefördert hätten, dass Stalin hinter der Ermordung stand (...) und behauptete, dass Material der Untersuchungen aus dem Jahre 1960 durch die Kontrollkommission der Partei (KPK) beseitigt worden sei, um die Schlussfolgerungen aus jener Untersuchung zu revidieren.“(Ebenda, S. 46).

Jedoch: „ (...) 1989 überprüften Untersuchungsbeamte die Dokumente der Vorläuferkommissionen bei der KPK und dem KGB und kamen zu dem Ergebnis, dass aus den früheren Beständen nichts abhanden gekommen ist. Sie fanden auch heraus, dass Schatunowskaja als KPK-Untersuchungsbeamtin, die Chruschtschows Unterstützung besaß, damals im Jahre 1960 mit der Schlussfolgerung, dass Stalin den Mord nicht organisiert hatte, einverstanden gewesen war.“(Ebenda).

Die Legende, dass Stalin der Drahtzieher des Mordes an Kirow gewesen sei, tauchte zuerst 1953 im Westen als propagandistische Waffe im 'Kalten Krieg' auf:

„Vor dem Kalten Krieg gab es keine ernstzunehmende Autorität, die behauptet hätte, dass Stalin hinter der Ermordung (Kirows) stand. Es war der KGB-Überläufer Alexander Orlow, der zuerst eine solche Behauptung in seinem zweifelhaften Bericht aus dem Jahre 1953 aufstellte. Boris Nikolajewski wiederholte die Geschichte in seinen weit verbreiteten Essays aus dem Jahre 1956 (in seinem 'Brief eines alten Bolschewisten' von 1936 hatte er Stalin noch nicht beschuldigt).“ (Ebenda, S. 207).

Das übliche Motiv, das der Legende beigefügt wurde, bestand darin, dass Kirow ein „gemäßigter“ politischer Gegner Stalins gewesen sei:

„Die Standardmeinung von Stalins Politik vor den Säuberungen in den 30igerJahren ergab sich aus einer mündlichen Überlieferung, die wie folgt lautet: 'Am Ende des ersten Fünfjahrplans (1932) war die Mehrheit des Politbüros dafür, den politischen Gegnern gegenüber Mäßigung und Verständigungsbereitschaft an den Tag zu legen. Diese Gruppe von stalinistischen 'Tauben' war gegen Stalins Plan, gegen (...) Anhänger der 'Rjutin-Plattform' die Todesstrafe zu verhängen. (...) Daraufhin habe Stalin geplant, den populären Kirow beseitigen zu lassen'. Dieses Szenario der Kirowaffäre geht ausschließlich auf zwei Quellen zurück (...) auf Boris J. Nikolajewski sowie NKWD-Überläufer Alexander Orlow. (...) Praktisch alle Varianten dieser Geschichte innerhalb und außerhalb der UdSSR können auf diese beiden Darstellungen zurückgeführt werden.“(Ebenda, S. 42f).

Über Orlow schreibt der Historiker Roy Medwedew:

„Es ist offensichtlich, dass Orlows Artikel aus dem Jahre 1956 eine plumpe Fälschung ist.“(Roy Medwedew: 'Lasst die Geschichte urteilen. Die Ursachen und Folgen des Stalinismus', London 1972, S. 318).

Und auch Anna Larina, die Witwe Bucharins, schreibt über Nikolajewski:

„Ich betrachte sowohl den 'Brief eines alten Bolschewisten' als auch das Interview mit Nikolajewski als gefälschte Dokumente.“ (Anna Larina: 'Dies kann ich nicht vergessen. Die Memoiren von Nikolai Bucharins Frau', London 1993, S. 276).

Tatsächlich sind sich die meisten Historiker darüber einig, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Kirow ein 'gemäßigter Politiker' war oder dass er irgendwelche Differenzen mit Stalin hatte:

„Kirow lobte tatsächlich in seiner Rede an den Parteitag von 1934 das Mittel der Zwangsarbeit seitens der Geheimpolizei und verspottete die Opposition. (...) Kirow wurde mit Stalin identifiziert und diejenigen Teile seiner Rede, die den größten Beifall hervorriefen, waren die, in denen er Stalin pries und die Opposition beschimpfte. (...) Eine sorgfältige Untersuchung von Kirows Reden und schriftlichen Äußerungen offenbart nur wenige Unterschiede zwischen seinen und Stalins Äußerungen und sowjetische Gelehrte, die sich mit verschlossenen Parteiarchiven auskennen, verspotten den Gedanken, dass Kirow ein gemäßigter, ein Gegner Stalins oder der Chef irgendeines Blocks war(...). Die Untersuchung der Kommission des Politbüros zur Rjutin-Gruppe konnte keine Beweise finden, dass Stalin 1932 ihre Hinrichtung verlangte oder dass Kirow dagegen war.“(J. Arch Getty & Roberta T. Manning, Hrsg., ebenda, S. 45).

Ausgerechnet die jüngst freigegebenen Dokumente, mit denen bezweckt wurde, Stalin für die Organisierung des Kirowmordes verantwortlich zu machen, haben im Grunde seine Nichtbeteiligung erwiesen:

„Jüngste Enthüllungen, die darauf angelegt waren, Stalins persönliche Beteiligung an der Repression aufzudecken, haben paradoxerweise Dokumente und Tatsachenbeweise erbracht, die entscheidende Bestandteile dieser Geschichte widerlegen bzw. ihr widersprechen. Das traditionelle Verständnis von Stalins Motiven, Mitteln und Wegen, Kirows Ermordung zu arrangieren (...) lässt sich nicht mehr mit den Quellen, die jetzt verfügbar sind, vereinbaren.“(Ebenda, S. 43f).

Sergej Kirow wurde von einer Gruppe von revisionistischen Verschwörern, die zu Recht bei ihren Prozessen in den Jahren 1936-38 für schuldig befunden wurden, ermordet. Es gibt keine Belege dafür, dass Stalin an der Ermordung beteiligt war oder irgendein Motiv für eine solche Beteiligung gehabt haben konnte.

Vorwurf Nr. 7: Die Prozesse waren in sich widersprüchlich: so gab es kein Hotel Bristol in Kopenhagen, im Dezember 1935 konnte kein Flugzeug in Oslo landen und Trotzki konnte kein Treffen mit dem Zeugen Romm in Bois de Boulogne haben, da sich sein Wohnsitz in Royan befand. Dementsprechend müssen die Prozesse gefälscht sein, weil diese Widersprüche unwiderlegbar sind.

Diese „Argumente“ Trotzkis scheinen ein letzter verzweifelter Versuch sein, die Moskauer Prozesse als ein Racheakt Stalins gegen ihn darzustellen. Im 1. Prozess gab der Angeklagte Holtzmann an, im Hotel Bristol eine Unterredung mit Trotzki gehabt zu haben. Trotzki behauptet, dass das Hotel Bristol 1917 niedergerissen wurde; 1932 war es nur noch eine liebliche Erinnerung. Tja, das vergnügt die Trotzkisten anscheinend. Diese GPU-Herren, die ihrer Ansicht nach in der Lage sind ganze Fake-Prozesse detailliert aufzuschreiben und aufzuzwingen, sind so schusselig und lassen einen Angeklagten über ein Treffen mit Trotzki in einem Hotel sprechen, das über ein Jahrzehnt nicht mehr existiert! Doch was sagen die Fakten? Holtzmann erklärte, dass als er den Bahnhof erreichte, er zum Bristol Hotel überging. Jedoch liegt gegenüber vom Bahnhof nicht das Bristol Hotel. Dort findet man das Great Central Hotel und in diesem Gebäude befindet sich das Cafe Bristol. Weiterhin konnte man das Hotel über das Cafe Bristol betreten. Man kann wohl davon ausgehen, dass als Holtzmann das Schild „Bristol Cafe“ bemerkte und man durch das Cafe in das Great Central Hotel gehen konnte, er davon ausging, dass es sich um das Hotel Bristol handelte. Aber damit nicht genug: Jene, die an Trotzkis Unschuld glauben werden Trotzkis folgende Bemerkung für kurios halten: „Holtzmann kannte offenbar das Hotel Bristol noch aus der Zeit seiner Emigration, deswegen erwähnte er es“. Schon merkwürdig: zum einen sprechen die Trotzkisten von Geständnissen und Aussagen, die den Angeklagten wortwörtlich aufgezwungen wurden, zum anderen konnten sie aus ihren Erinnerungen sprechen. Und natürlich hat sich Trotzki hier ein großes Eigentor geschossen, denn Trotzki gab somit zu, dass Holtzmann das Hotel aus seiner Erinnerung kannte und wohl das Cafe Bristol mit dem Hotel Bristol verwechselte. Das zweite Argument ist das Treffen mit Pjatakow in Oslo 1935. Trotzki sagte, dies sei unmöglich, weil im Dezember 1935 kein ausländisches Flugzeug in Oslo landete. Demgegenüber ist zu sagen, dass nicht nur Pjatakow, sondern auch ein Zeuge - Bucharzew, der Berliner Korrespondent der Izwestia - ausführlich die Umstände schilderte, wie sich Pjatakow mit Hilfe der Deutschen ein extra für dieses Unterfangen bereitgestelltes Flugzeug nach Oslo nehmen konnte. Unmöglich? Nun wenn es den Nazis gelang hunderte von Flugzeugen nach Nordspanien - trotz der geübten Überwachung der Non-Intervention-Comitees - zu befördern, dann erst recht ein Flugzeug nach Oslo. Das dritte Argument bezieht sich auf den Zeugen Romm - ebenfalls ein Korrespondent der Izwestia. Romm sagte aus, er habe ein Treffen mit Trotzki in Bois de Boulogne Ende Juli 1933 gehabt und eine Konversation mit ihm für über 25 Minuten gehabt. Trotzki will dies widerlegen, indem er sagte, dass er sich im Juli 1933 nicht in Bois de Boulogne, sondern in Royan wohnhaft war und er von zwei Mitgliedern der British Independent Labour-Party - John Patton und C.A. Smith - gesehen wurde. Beide erzählten auch der Welt sie haben ihn zu dieser Zeit dort gesehen. Das ist nicht anzuzweifeln. Nehmen wir mal an, in Deutschland sagt ein Zeuge im Gericht aus, er habe einen der Angeklagten im Berliner Tiergarten Mitte Juli gesehen. Aber ein Fürsprecher des Angeklagten sagt zu dieser Zeit sei der Angeklagte in Dresden wohnhaft gewesen. Macht das die Aussage des Zeugen unglaubwürdig oder unwahr? Fahren etwa keine Züge zwischen Berlin und Dresden? Ist es so schwer von A nach B zu reisen? Wohl kaum, dementsprechend verhält es sich mit Trotzkis Domizil in Royan und sein Treffen mit Romm in Bois de Boulogne. Und da Smith und Patton Trotzki wohl nicht jeden Tag rund um die Uhr in Royan gesehen haben und von beiden, als auch von Romm und Trotzki keine genauen Daten genannt werden, sondern ungefähre Zeitangaben, ist Trotzkis Widerlegung nutzlos.

Zusammenfassend aus den Vorwürfen kann gesagt werden:

Wenn die Angeklagten aussagten, dass sie schuldig waren, wenn sich die Angeklagten gegenseitig beschuldigten und dies von Zeugen bestätigt wurde, wenn der Angeklagte und die Zeugen beschrieben, wie die Taten vollbracht wurden, wenn jene, die die Prozesse genauestens mitverfolgt hatten, einstimmig bestätigten, dass die Prozesse fair abliefen und die Angeklagten schuldig seien, wenn Außenstehende, die nicht an der Verschwörung beteiligt waren, die Taten bestätigten, wenn die Angeklagten sich mancher Verbrechen schuldig gemacht haben und andere leugneten, wenn Staatsanwalt und Richter sich in manchen Punkten uneins sind, wenn die Angeklagten weitere Details erklärten, die der Staatsanwalt nicht wusste, wenn die Angeklagten eine lange Geschichte oppositioneller Tätigkeit vorzuweisen hatten, wenn die Angeklagten Details erklärten, die nur sie und die Mittäter wissen konnten, wenn es keine Anzeichen für Folter, Erpressung und Bestechung gab, wenn die sowjetische Regierung anfangs die Angeklagten nicht mit weiteren, schwerwiegenderen Verbrechen belastete, bis diese bekannt wurden, wenn die Prozesse in aller Öffentlichkeit gehalten wurden, wenn der Staatsanwalt mehrere Dokumente, wie Trotzkis Aufruf zum Terror gegen die sowjetische Regierung oder das Tagebuch von Stroilow, vorlegte, so sind das genug Anzeichen dafür, dass die Angeklagten auch wirklich schuldig waren.

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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