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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Einheit der Kommunisten
BeitragVerfasst: Fr 21. Nov 2008, 15:25 

Beiträge: 50
Hallo miteinander,
mir liegt schon seit längerer Zeit dieses Problem auf dem Herzen. Ich denke viel darüber nach, warum und wie man die Zersplitterung der Kommunisten überwinden kann. In solchen Zeiten ist diese Situation mehr als nur eine Katastrophe. Es gibt so viele soziale Verwerfungen in der Gesellschaften, die einer kontinuierlichen marxistisch-leninistischen Kritik so was von in die Hände spielen könnte - das man ja schon dabei verrückt wird, was die kommunistischen Einheit sich entgehen lässt. Hartz-IV, Finanzkrise,...und was der Imperialismus noch alles zu bieten hat.

Und was die Einheit angeht, gibt es feststellbar viele Gruppierungen, die sich auf ihre absolute Wahrheit berufend die Einheit ablehnen. Dann wiederrum Gruppierungen, die die Voraussetzungen einer Einheit soweit hoch schrauben, was wiederum zwangsläufig dazu führen wird, dass sie unter sich bleiben werden. Und trotzdem werden sie ihre Vormachtstellung in der Kommunistischen "Szene" propagieren und letztendlich zur Sekte verkommen, wenn schon damit nicht gestartet sind.

Es gibt bestimmte Theoretische-Prinzipien, die die Kommunistische Einheit zu eigen machen sollte. Die Frage aber ist, wo beginnen und wo enden diese. Wenn mann sie zu kurz/weit ansetzt, werden die Handelnden für Sekten oder Revisionisten erklärt.

Geschichte
Es gibt geschichtliche Prinzipien, wie das Festhalten an dem Bolschewismus bis/nach 1953. Es gibt geschichtliche Prinzipien, wonach die DDR, China, Kuba, Venezuela hochgejubelt werden. Und der Grund hierfür liegt darin, dass die Propagandisten dieser oder jenen "Gruppe" politisch "vorbelastet" sind. Oder ist es z.B. ein Wunder, dass die Mehrheit der Ostler immer noch die DDR hochjubeln? Man stellt also fest, dass jene Meinung über einen geschichtlichen Aspekt nicht theoretisch, sondern vielmehr inidividuell begründet ist. Dieses gilt für jede dieser Gruppen, die entweder die DDR, China, Kuba oder Venezuela als ultima ratio der Kommunistischen Ideologie verkaufen.

Theorie
Es ist augenscheinlich, dass die meisten sich Kommunisten nennenden Menschen ihre "Theorie" auf ihren eigenen, dh. individuellen Erfahrungen zusammenschmeissen und sich kritiklos etwas zusammenwürfeln. Nicht anders ist die Zerwürfnis unter den Kommunisten zu erklären.
Aber was genau bedeutet dies? Es bedeutet, dass man subjektive Eindrücke in den Fleischwolf schmeisst und das Ergebnis am Ende vermeintlich als eine einheitliche Theorie verkauft. Diese individuellen Eindrücke sind, um damit einem falschen Schluss den Boden zu entziehen, keineswegs falsch. Falsch ist nur der Ansatz, sie für die absolute Wahrheit zu erklären. Jede individuelle Erfahrung muss diskutiert werden - sie muss im gegebenen Fall überdacht, erneuert oder aber auch verworfen werden, weil sie hier und da nicht dazu dienen kann, eine Theorie zu entwickeln, die für sich den Anspruch einer Theorie verlangen. Eine Theorie ist ein gedankliches Kontrukt, mit dem man versucht, ein System zu erklären und folglich zu verändern. Es müssen also alle Facetten den poltischen Lebens beachtet werden und sie dürfen auch nicht unberücksichtigt bleiben - aber der größte Fehler ist, sie alle für Wahr zu erklären. Jeder Kommunist muss also auch in der Lage sein, seinen individuellen Eindruck, seine auf individuellen Erfahrungen sich selbst konstruierte kleine "Theorie" niederzuschmeissen. Das bedeutet selbstkritik. Es ist zwar immer in alle munde, aber die zersplitterung der kommunistischen Gruppierungen widerspricht dem

Die Isolierung überwinden
Das gesagte wird wohl in der einen oder anderen Niederschrift zu lesen sein. Ich werde insofern wahrscheinlich nichts neues erzählt haben. Aber es gibt einfach dinge, die man scheinbar, nicht so oft sagen kann - bzw. die immer wieder wiederholt werden müssen.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass die theoretische Auseinandersetzung überhaupt nicht in dem Maße statt findet, als sie nötig wäre, um überhaupt einen Prozess in Richtung "Bildung einer kommunistischen Einheit" anregen zu können. Dieser Prozess zur theoretischen Auseinandersetzung (Und ich rede von Auseinandersetzung und nicht von Propaganda einzelner) kann meines erachtens nur durch die praktische Arbeit katalyisiert werden, durch die folgende theoretische auseinandersetzung unterstützt und wieder und wieder durch die praktische Arbeit im Wechselspiel zu einem gerade hochgeschaukelt werden, an dessen Ende die Bildung einer Kommunistischen Einheit stehen kann.

Praxis
Doch der erste Schritt ist die Praxis, die uns zueinanderführt und aus jener Zusammenführung eine lebendige Auseinandersetzung resultiert. Doch was genau ist die Praxis, wo ist der Anknüpfungspunkt der praktischen Arbeit. Es gibt genügend Missstände, die die kapitalistische Gesellschaft produziert. Wir müssen uns diejenigen aussuchen, die das Wesen das Systems ausmachen, um zu einer Systemkritik zu gelangen. Agenda 2010, Hartz iv, finanzkrise und deren verheerenden folgen...etc pp.

Hier müssen wir zusammen anfangen, den Kampf aufnehmen. Und dieser politische Kampf wird begleitet sein von theoretischen Diskussionen, die uns weiter voran bringen sollten - aus denen wir für unsere geschichtlcihen sowie auch theoretischen Differenzen zu einem Mehrwert an Erkenntnis gelangen können.

Der Ansatz ist also zusammenfassend, über den praktischen Kampf die lösung ideologischer Differenzen finden, soweit sie überhaupt theoretischer Natur sind. Es ist illusorisch zu glauben, dass bestimmte Standpunkte von kommunistischen Gruppierungen theoretischer Natur sind. Diese scheinbaren unüberbrückbaren Grenzen können wir nur praktisch sprengen.

[/B]Beginnen wir mit...[/B]
der Gründung einer Kommunistischen Aktionsfront, die sich die praktischen Kampf auf die Fahnen schreibt und mit dem daraus aufkommenden Eifer die theoretische Auseinandersetzung sucht, um den politischen Kampf voranzutreiben.

Ich bin gespannt auf eure Gedanken!


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheit der Kommunisten
BeitragVerfasst: Fr 21. Nov 2008, 17:59 
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Beiträge: 40
Hallo jon, ich glaube, das was du willst ist doch daselbe wie diese Aktionseinheits-Konferenz der KPD (DRF)? Sieh mal auf deren Homepage, ich kann dort leider keinen direkten Link für dich entnehmen. Die Homepage von dieser Partei ist wohl noch aus den Neunzigern.

Inhaltlich muss ich allerdings sagen, dass das, was gefordert wird, nämlich die Zusammenarbeit aller sich marxistisch-leninistisch nennenden Organisation zu bestimmten, zumeist antifaschistischen, Anlässen, doch bereits stattfindet, oder? Man sieht sie doch alle immer auf den Demonstrationen und man findet die Stände beinahe aller Parteien doch auf den meissten Messen und Veranstaltungen! Ich treffe die Genossen aus meiner Region aus den versch. Organisationen allesamt mindestens einmal im Monat und kann dabei zusehen, wie dort dann ausser der Plicht nichts erfüllt wird. Man doch sehen, wie wenig das alles für das Ziel einer geeinten kommunistischen Partei bringt, die stehen dann dort immer alle herum, reden, agitieren sich gegenseitig und üben sich in Wagenburgmentalität. Was soll da eine neuerliche Predigt einer an der Realität gescheiterten Theorie noch bringen?

Und warum sollten die alle dann anhand praktischer Zusammenarbeit auf einmal ihren alten, irrsinnigen Theorien tschüss sagen? Wer glaubt, die DDR sei nicht sozialistisch gewesen, der wird sich doch nicht überzeugen lassen nur weil er jetzt in einem Bündnis steckt, in welchem andere Menschen das gegenteilig sehen? Man ignoriert doch die neutrale Herangehensweise an die Klassiker schon seit langem. Nein, jeder darf heutzutage seine eigenen Ideen als offizielle kommunistische Theorie verkaufen und da wir nicht in einer revolutionären Epoche stecken, warten viele noch auf ihre Widerlegung!

Die Illusion, daß sich nur durch Zusammenarbeit und Koordination eine neue Organisation schaffen lassen wird, die habe ich längst begraben müssen. Nein, die Antwort ist: Erst eine Organisation, die ausnahmsweise frei ist von Faulernzern, Bürokraten und Intriganten! Dann kann sich dynamisch viel entwickeln. Anders, seht euch doch mal um, nicht.

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"Konkrete politische Aufgaben muß man in einer konkreten Situation stellen."

W. I. Lenin


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheit der Kommunisten
BeitragVerfasst: Fr 21. Nov 2008, 18:48 

Beiträge: 2008
Das Wesentliche hat Marinus bereits an Hand der heute gängigen Praxis sehr gut dargestellt.
Nur weil man sich in der Theorie nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen kann, muß man das Primat der Theorie nicht abschaffen.

Ich versuchs mal an Hand eines anderen Wissenschaftsgebiets zu erklären.
Es mag ja Mitmenschen geben, die eine Matheaufgabe falsch lösen und danach immer noch keine Lust haben, mal in ihrem Mathebuch nachzulesen und den richtigen Lösungsweg zu ermitteln. Die probieren und probieren und probieren ... Manche kommen sogar auf eine richtige Lösung - nur sie können dann nicht erklären, geschweige denn beweißen, warum ihre Lösung die richtige ist.

Also Theorie studieren und diskutieren (!) ist ganz wichtig und der allererste Schritt zu neuer Kampfstärke und Einheit.

Keine Einheit und keine kommunistische Massenpartei um jeden Preis. Damit bekommen wir nur eine neue SED, der 95% der Mitglieder bei einer Konterrevolution abhanden kommen.
Mitglied in einer kommunistischen Partei sollte nur werden, wer den hohen Anforderungen gerecht wird. Das ist kein Elitedenken. Das ist eine Erfahrung aus der Zeit Stalins und letztendlich auch eine Erfahrung aus der DDR-Zeit, als die sozialistische Entwicklung abgewürgt wurde.

Bestimmte Grundprinzipien sind dabei als unumstößliche Basis der politischen Arbeit unbedingt erforderlich. Beispiel: Kommunistische Initiative.
Es wird nicht erwartet, dass sich jeder, der meint Kommunist zu sein oder so zu denken, der KI anschließt. Doch wer dort mitwirken will, der muß sich an den definierten gemeinsamen Nenner halten. Alles andere wird nur politisches WischiWaschi und bringt außer viel Geschrei und Gezetere keinen wirklichen Nutzen.

Nur in einem muß ich Marinus wiedersprechen. "Erst eine Organisation, die ausnahmsweise frei ist von Faulernzern, Bürokraten und Intriganten..."
Das ist ein verständlicher Wunsch und hohes Ideal. Die bisherige Geschichte der Arbeiterbewegung hat gezeigt, dass eine proletarische Revolution möglich ist, auch wenn diese hohen Anforderungen an die Kommunistische Partei, der die Führungsrolle der Revoution zukommt, nicht erfüllt werden konnten. Ich denke, das wird auch bei der nächsten proletarischen Revolution nicht anders sein. Es wird sich leider immer ein Brutus finden ... Aber Trotz Alledem! :redstar170:

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheit der Kommunisten
BeitragVerfasst: Sa 22. Nov 2008, 18:10 
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Beiträge: 40
gewe hat geschrieben:
Nur in einem muß ich Marinus wiedersprechen. "Erst eine Organisation, die ausnahmsweise frei ist von Faulernzern, Bürokraten und Intriganten..."
Das ist ein verständlicher Wunsch und hohes Ideal. Die bisherige Geschichte der Arbeiterbewegung hat gezeigt, dass eine proletarische Revolution möglich ist, auch wenn diese hohen Anforderungen an die Kommunistische Partei, der die Führungsrolle der Revoution zukommt, nicht erfüllt werden konnten. Ich denke, das wird auch bei der nächsten proletarischen Revolution nicht anders sein. Es wird sich leider immer ein Brutus finden ... Aber Trotz Alledem! :redstar170:


gewe, ich sehe wir sind einer Meinung, das freut mich!

das mit den Faulenzern habe ich auch mehr als Ideal gemeint, nicht als zu erreichend. Aber so manche Ortsgruppe mancher Partei besteht tatsächlich nur aus guten Genossen, die es ehrlich meinen und ihre Hausaufgaben gemacht haben. Das macht Hoffnung.

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"Konkrete politische Aufgaben muß man in einer konkreten Situation stellen."

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