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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Über die KPD/ML ("Stalinisten-Hoxhaisten")
BeitragVerfasst: Di 6. Sep 2011, 21:48 

Beiträge: 132
Ahoi-Hoi!

Ich weiß nicht, ob das jemanden interessiert, aber ich bin vorhin nochmal auf eine Artikelserie dieser Partei gestoßen. Ich habe meinem Bruder gerade eine Mail geschrieben, in der ich diese Typen scharf kritisierte, und dachte mir, vielleicht interessiert meine Meinung dazu ja jemanden. Hier also das Zitat:

"Allerdings bin ich bei meiner Berija-Recherche auch wieder auf eine Partei gestoßen, an der Du "Deine Freude hättest" - die gute alte KPD/ML. Die nennen sich selbst "Stalinisten-Hoxhaisten" und machen im Grunde die klassischen sektiererischen Fehler:

- Sie denken absolut undialektisch. Alles nach Stalin und außer Enver Hoxha waren Revisionisten. Darunter fallen selbst Leute wie Mao, Fidel, Kim Il Sung oder enge Weggefährten Stalins (nicht Berija oder Chruschtschov^^), bei denen oft eine fehlerhafte oder unklar formulierte Bemerkung reicht, um zu "Revisionisten" zu werden. Alles, was nach 1956 kam, ist pauschal und generell scheiße, da ja "Revisionisten" an der Spitze waren (selbst wenn dem so wäre bzw. war - war etwa die ganze SED, KPdSU usw. revisionistisch?).

- Sie sind völlig unsachlich. Ihre Texte sind keine Kritiken, sondern Anklagen, Vorwürfe, beinahe schon Verleumdungen (außer bei denen, die man bei aller Gemeinheit nicht verleumden kann^^). Sie zu lesen ist eine Qual - weniger wegen des Inhalts (trotz der genannten Mängel) als wegen den tausend Farben, Markierungen, Fragezeichen, Ausrufezeichen, ..., die darin verwendet werden. Da ja schließlich ihrem einfachen Weltbild nach schon feststeht, wer Revisionist ist und wer nicht, wird schließlich jeder Schritt eines "Revisionisten" als Verrat betrachtet und geschildert. Das hat iwie was von "BILD Dir Deine Meinung" ...

- Sie leben vollständig in der Vergangenheit. Damit meine ich nicht nötige Auseinandersetzung mit der Geschichte (z.B.: Wer hatte Recht - Stalin oder Tito?), nicht einmal das Beschäftigen mit interessanten Fällen (z.B.: Um was drehte sich die sogenannte "Leningrader Affäre" (was umso interessanter ist, als das nur eine Art Vorspiel für die revisionistische Machtübernahme ab 1953 war)? Wurde Stalin ermordet?) - ich rede von völlig sinnlosem Leben in der Vergangenheit. Zum Beispiel haben die eine Broschüre über den "Stalinismus" gemacht, der der Schulung ihrer Mitglieder über diese "Lehre" dienen soll. In mindestens zwölf ellenlangen Artikeln wird nichts weiter gemacht als dargestellt, dass Berija der Satan persönlich war, mit jedem Atemzug seines Lebens gegen die Sowjetmacht kämpfte, dass alles Schlechte auf seinem Mist gewachsen ist (wo wir wieder bei "undialektisch" wären^^) und dass Malenkov sein treuer Diener war. Die scheinen es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben, Berija und Malenkov (warum auch immer ihn) post mortem zu "kreuzigen" - und auch wenn Berija eine interessante und wohl iwie einmalige Figur ist, das ist nun wirklich fruchtlos hoch drei, weil es keine theoretische oder auch nur historische Relevanz hat.

- Und gleichzeitig - nur scheinbar in Widerspruch zur vorherigen These - sind die Typen radikal futuristisch. Ausgerichtet auf die sozialistische Zukunft, aber wieder auf diese völlig fruchtlose Art und Weise. Die befassen sich nicht etwa mit der Frage, wie wir in Deutschland eine sozialistische Revolution zu Stande bringen - also mit den Tagesaufgaben -, sondern damit, wie die "UdWSR" (die "Union der Weltweiten Sozialistischen Republiken" oder so ähnlich) aussehen wird und ob man dann noch eine Verfassung braucht. Als ob die alles daran setzen würden, den Sozialismus von der Wissenschaft wieder zur Utopie zu machen!

Die ersten beiden Punkte zeugen von einem höchst einfachen, eindimensionalem Weltbild und einer emotionalen, hitzköpfigen Persönlichkeit der entsprechenden Leute. Die letzten beiden Punkte wiederum erwecken den Eindruck, dass diese Leute alles tun, um sich nur nicht mit der sozialistischen Theorie und der nahen Zukunft befassen zu müssen, den realen Klassenkampf durch Orakeln zu ersetzen. Heraus kommt dann, dass sie teilweise Standpunkte zur sozialistischen Geschichte einnehmen, bei denen ein CDU-Rechtsaußen applaudieren würde, und dass sie wie gesagt den Klassenkampf und die Theorie durch sinnloses Grübeln und Philosophieren ersetzen. Das ist genau die Art von sektiererischem Zirkel, gegen die Lenin bei der Gründung einer gesamtrussischen Partei immer agitiert und gekämpft hat."


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 Betreff des Beitrags: Re: Über die KPD/ML ("Stalinisten-Hoxhaisten")
BeitragVerfasst: Mi 7. Sep 2011, 16:24 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
die KPD/ML - Stalinisten-Hoxhaisten (gemeint ist mit sicherheit diese Seite: http://cpgerml.50g.com/) ist keine richtige Partei sondern ein Ein-Mann-Club der nur im Internet kursiert. Dieser eine Mann ist soweit ich es in Erinnerung habe Wolfgang Eggers - der entweder aus der KPD/ML ausgetreten ist oder sich abgespalten hat oder eher sich von einer Abspaltung der Abspaltung abgespalten hat oder wie auch immer. Schwer da durchzublicken.
Beim erblicken dieser Seite fallen mir eigentlich nur drei Punkte ein:
1. Real-Satire
2. Fremdschämen (wenn die das ernst meinen)
3. der innige Wunsch farbenblind zu sein

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: Über die KPD/ML ("Stalinisten-Hoxhaisten")
BeitragVerfasst: Mi 7. Sep 2011, 18:02 

Beiträge: 132
Dass dieser Wolfgang Eggers Chef dieser Gruppe ist, wusste ich. Aber ich dachte, das ist eine dieser beiden KPD/ML, die sich einfach nur umbenannt haben.

Naja, wie dem auch sei: Aus den oben genannten Gründen ist dieser Haufen (oder vielleicht auch nicht Haufen^^) Sektierer für mich eigentlich nur eine Parodie auf eine Partei. Wer alles was ihm nicht ganz passt als "Revisionisten" und "Sozialfaschisten" bezeichnet, dabei mit Behauptungen und Interpretationen arbeitet und für den es nur schwarz oder weiß gibt, den kann man nicht ernst nehmen.

Ein paar Beispiele für die Willkür und die "Beweisführung" dieser Gruppe:

"Berijas "Geschichte der Bolschewiki im Transkaukasus" erschien 1949, worin er seinen eigenen Personenkult vorbereitete. Das Buch hatte er von jemand anderem für sich schreiben lassen."

Ich halte nichts von Berija, und das mag ja durchaus sein - aber letztlich ist das nichts als eine Behauptung, die hier als Tatsache dargestellt wird.

"Wie sehr sich Mikojan und Berija einig waren bezüglich des sozialfaschistischen NKWD-Staates, beweist Mikojans Festrede aus Anlass des 20. Jahrestages des NKWD, die den Titel trug: "Jeder Sowjetbürger – ein Mitarbeiter des NKWD." Die Ursprünge des sozialfaschistischen DDR-Staates lassen sich also auf das Jahr 1937 zurückverfolgen."

Ich will Mikojan nun wirklich nicht verteidigen, aber dieses Urteil beruht ja nun wirklich nur auf der Interpretation einer schwammigen Aussage. Vom "DDR-Staat" gar nicht zu reden ...

"Für seine konterrevolutionären Sondereinsätze ließ Berija Gefangene frei, ohne nach deren Schuld oder Unschuld zu fragen. Darin zeigte sich Berijas Zynismus und Pragmatismus. Nach Aktenlage waren dies durchweg politische Verbrecher, die zum Teil sogar auf direktem Befehl von Stalin (!!!) verhaftet worden waren – das waren Berijas "castings" – Veranstaltungen hinter Gefängnismauern, um dort seine konterrevolutionärsten "Superstars" für "gewisse" Zwecke auszuwählen. Kann man noch verbrecherischer die Konterrevolution organisieren als Berija es getan hat?"

Ich verurteile diese Maßnahmen Berijas absolut, aber denen liest sich das so, als ob ein Befehl Stalins nicht falsch sein könne. Und diese Typen schreiben dann gegen den "Personenkult" ...

"Der Fuchs wechselt sein Fell, aber nicht seinen Charakter, und so erledigte Berija Auftragsarbeit für die Gegner der Bolschewiki. Er kam nur deswegen zu Stalin, um seine Pläne kennen zu lernen und diese zu hintertreiben."

Das ist wieder dasselbe Beispiel: Ich traue Berija das durchaus zu, doch solange die Kerle keine Beweise bringen, sind das nur Behauptungen. Man wird das Gefühl nicht los, es geht denen nicht um die historische Wahrheit, sondern nur darum, Berija ans Bein zu pinkeln ...

"Er übernahm auf diese Weise die Nachfolge vom weggesäuberten "Verschwörer" Jeshov, dem Leiter des NKWD im Jahre 1938, den er später verhaftete."

Interessant - war für die Hoxha-Jünger früher Berija ein Gott und Jeshov ein konterrevolutionäres Monster, scheint aus der Erkenntnis, dass Berija eine fragwürdige Figur war, die "logische Folge" gezogen zu werden, dass Jeshov kein Konterrevolutionär sein kann.

Nebenbei bemerkt, über die "Mingrelische Verschwörung" - was der Grund war, den zitierten Text überhaupt zu lesen -, habe ich auch nicht mehr erfahren ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Über die KPD/ML ("Stalinisten-Hoxhaisten")
BeitragVerfasst: So 18. Sep 2011, 15:35 
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Beiträge: 16
Einer muss ja Schuld haben am Untergang der Sowjetunion...eine Art Satan quasi, da bietet sich der Beria doch an.

_________________
"Und ich lernte, wieso und weswegen
Da ein Riß ist durch die Welt!
Und der bleibt zwischen uns, weil der Regen
Von oben nach unten fällt
."
- B.B.


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