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 Betreff des Beitrags: Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU
BeitragVerfasst: Fr 8. Jan 2010, 16:22 

Beiträge: 55
Hallo,

es liest sich spannend und ernüchternd, es ist faktenreich, es werden keine Behauptungen aufgestellt sondern nachprüfbare Beweise geliefert - es stiftet an zum Nachdenken, Vergleichen, Schlußfolgern - auf 374 Seiten, mit 83 Tabellen und einem umfangreichen Quellenverzeichnis:

Dr. Klaus Hesse (Leipzig 2009; Teil I)
"Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU - Über erste praktische Erfahrungen mit dem Sozialismus" Fragen zur historischen Wahrheit, zu den Quellen, zu Hintergründen der Siege, der Niederlagen und des Scheiterns...


Zum Geleit:
" Wer mit 'fertigen' Antworten auf die Suche nach der Wahrheit geht, wird nichts finden, was des Nachdenkens wert ist.
Wer sich an belegbare Tatsachen hält, stößt auf immer neue Fragen.
Vieleicht kann so etwas besser verstanden werden,
warum die Vergangenheit anders war, als die Gegenwart zu sein scheint,
warum Menschen damals etwas taten,
was heute unverständlich dargestellt wird.
Vieleicht reifen so Fragen
nach der eigenen Verantwortung."

Aus dem Inhalt:
I Revolution und Konterrevolution in Russland
II Bürger- und Interventionskriege, Die NÖP und die Partei
III Von der NÖP zur Kollektivierung und zur sozialistischen Industrialisierung
IV Zwischen sozialistischen Industrialisierung und Großem Vaterländischen Krieg
V Der große Vaterländische Krieg
VI Wiederaufbau und kalter Krieg

Der Autor hat auf Grundlage eigen Erlebens - zum Beispiel in Leningrad in der Zeit der "Peristroika", von derem "Aufblühen" bis zum bitteren Ende der UdSSR - und eigenen Studien in den russischen Archiven seit der Kehre - ein wissenschaftliches Standardwerk über die UdSSR und die KPdSU geschaffen, welches in den Bücherschrank eines jeden gehört, der sich ernsthaft mit Revolution und Konterrevolution beschäftigt.

Wer sich für dieses Buch interessiert, der schreibe mir eine Nachricht.
Dieses Buch ist nicht im Handel erhältlich - nur über den Autor selbst.
Preis: 10,00€ + 2,00€ Versandkosten

"Der Autor ist ausdrücklich an Hinnweisen zur Überarbeitung und Ergänzung ebenso wie an der Verbreitung dieses Inhalts interessiert und legt dem Nachdruck und anderer Verwendung keinerlei Hindernisse in den Weg."

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU
BeitragVerfasst: Sa 9. Jan 2010, 10:14 

Beiträge: 105
Ich habe es vom Autor digital bekommen und gelesen. Ich kann bestätigen, daß es nach Möglichkeit jeder lesen sollte. Es werden wichtige Fakten gebracht, wie z.B. die Bolschewiki langsam "entartet" sind, sich also teilweise selbst so präsentierten, wie die Leute, die sie noch Jahre zuvor bekämpft hatten. Wichtig für das Verständnis ist auch die Episode über Trotzki, der wohl versucht hatte, einen Staatsstreich durchzuführen mit bewaffneten Einheiten. usw.

Ich mußte aber ein paar Hinweise geben:

    1. Leider sind in der deutschsprachigen Literatur kaum Angaben zu den Insassen des Gulag zu finden. Von Zemskov habe ich im Zusammenhang mit dem US-Historiker Arch Getty gelesen. Diese brachten 1993 in der American Historical Review einen Artikel heraus, der sich mit den Gulags beschäftigt. Weil sie die Zahl der Todesopfer gering hielten, waren sie heftiger Attacken seitens solcher Antikommunisten wie Herman Weber ausgesetzt. Erst in der neueren Zeit wurde in der Zeitschrift „Osteuropa“ darüber berichtet, dass die Zahl der Todesopfer regelrecht einer Inflation unterlegen hatte, bis Arch Getty und Zemskov ihren Artikel herausbrachten. Aber danach wird sofort auf die emotionale Schiene gewechselt und ein sachlicher Umgang mit den Fakten unmöglich gemacht. Das ist auch das Problem mit den häufigen Hinweisen, dass man die Repressionsmaßnahmen damals nicht rechtfertigen kann. Kommunisten werden nie recht bekommen, sosehr sie sich entschuldigen mögen. Deshalb denke ich, ist es nicht zweckmäßig immer wieder darauf hinzuweisen. Man sollte doch lieber dem Westen den Spiegel vor halten und zeigen, dass sie wohl kaum besser waren. Wer weiß schon, dass die amerikanische Verwaltung von Anhängern Roosevelts gesäubert wurden und viele von denen ins Gefängnis kamen? Wer weiß schon, welcher Druck damals auf Intellektuelle und Künstler in den USA ausgeübt wurde, damit sie alles, was nur irgendwie sozialkritisch war, öffentlich verurteilten? Wer weiß schon, dass es in der BRD auch verboten war, mit Ostdeutschen zu enge Kontakte zu haben, und man dafür wegen Spionage o.ä. verhaftet und verurteilt wurde? Wer kennt schon die Zahl politisch Verfolgter in der frühen BRD?

    2. Das kurze Eingehen auf die Nachkriegsentwicklung in Osteuropa halte ich durchaus für interessant. Nur die ausführliche Zitierung des Werkes von Stewart Steven „Operation Splinter Factor“ missfällt mir etwas, da ich den so ausgeklügelten Plan, Osteuropa zu destabilisieren durch die Diffamierung ihrer Führungen, für unrealistisch halte. In meinem Werk über Kommunismus und Antisemitismus werde ich auch darauf eingehen. Die Rekonstruktion der damaligen Ereignisse zeigt auch, dass zumindest die Anklagen nicht aus der Luft gegriffen waren, dass sich einige Geschehnisse nachweisen lassen. Die Person Noel Field ist nicht nur eine unbedeutende Figur in der ganzen Geschichte. Der OSS hatte schon 1943 darüber diskutiert, wie man Osteuropa vor dem Zugriff der Sowjets schützen kann. Darin ist die Schaffung eines cordon sanitaire vorgesehen. Zu den Ländern, die dem Einflußbereich der Sowjets entzogen werden sollten gehörten u.a. Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien. 1943 erschien ein Buch des Vorsitzenden der KPUSA Browder, in dem er den Marshall-Plan vorwegnimmt. Noel Field, der im Unitarian Service arbeitete, verbreitete diese Gedanken sehr zielstrebig unter den europäischen Kommunisten. Der Unitarian Service beherbergte auch viele OSS-Agenten. Außerdem war Field der Verbindungsmann von Allen Dulles zum kommunistischen Untergrund. Field behauptete damals, in die KP eingetreten zu sein als Geheimmitglied. Aber weder die Sowjets noch irgendwer konnte jemals den Mitgliedsstatus von Field bejahen. Aber dieser Zustand tat den Beziehungen zu den Kommunisten keinen Abbruch und sie sahen in Field einen der ihren. Nach dem Krieg versuchte Field in Osteuropa Stationen des Unitarian Service aufzubauen, die regelmäßig Berichte über ökonomische, soziale und politische Entwicklungen zur Zentrale in den USA schicken sollten. Nachdem dieses Ansinnen scheiterte bereiste er Polen und die Tschechoslowakei. Er gab vor ein Buch schreiben zu wollen und nutzte seine Bekanntschaften zu hohen Funktionsträgern in der SBZ, in Polen und der CSR, die er aus dem Exil kannte, um Informationen zu sammeln. Ende 1947 wurde er aus der CSR ausgewiesen, hat aber verdächtig große Anstrengungen gemacht, um zurückkehren zu können. Und er schaffte es dann doch, ein Visum zu bekommen, und kehrte nach Prag zurück ausgerechnet zu der Zeit, in der der antikommunistische Putschversuch in Vorbereitung war. Die Haft war für ihn nicht gerade angenehm, aber die Protokolle zeigen, dass er weiterhin versuchte, sich als Mitglied der KP auszugeben, dass die Sicherheitsorgane nicht recht wussten, wie mit ihm umzugehen ist und dass einige Vernehmer mehr an ihrer Karriere interessiert waren als an der Wahrheitsfindung.[...]

    4. Viele Informationen von russischen Intellektuellen sind schlichtweg falsch. Roy Medwedew hatte nie Zugang zu Archiven schrieb aber ein Buch über die Verfolgungen unter Stalin. Dabei geht er geschickt vor; er mischt öffentlich zugängliche Fakten mit unbewiesenen Behauptungen und erweckt so den Eindruck, dass die Behauptungen auch wahr sind. Im Buch von Anton Antonow-Owssejenko wird zugegeben, dass er sich vor allem auf Tratsch und Klatsch stützt. Den Grund für Stalins Antisemitismus sieht er darin, dass Stalin Leute mit langen Nasen nicht mochte. Noch abenteuerlicher wird es, als es um die Folgen des Ärzte-Prozesses geht. Dabei spinnt Antonow-Owssejenko die Geschichte von Medwedew weiter. Dabei soll geplant worden sein, die jüdischen Ärzte auf dem Roten Platz zu hängen. Die Galgen sollten in einem Halbkreis aufgestellt werden. Das Moskauer Volk sollte vorher so aufgestachelt werden, dass es in einem Anfall von Wut zum Roten Platz marschiert, den Sicherheitsorganen die Gefangenen entreißt und diese dann lyncht. Daraufhin sollten jüdische Intellektuelle ein Bittschreiben an Stalin richten, dass dieser alle Juden nach Birobidshan deportiert. Das alles soll generalstabsmäßig geplant gewesen sein. Ein Mitglied des ZK soll dazu ein Buch geschrieben haben, dass millionenfach gedruckt wurde, aber aufgrund Stalins Tod nicht ausgeliefert wurde. Bis heute wurde kein solches Buch aufgefunden. Diese Geschichte wird heute noch in der Antisemitismusforschung erzählt.
    Dass so etwas Methode hat, wurde schon durch den Kanadier Douglas Tottle 1989 oder 90 gezeigt. Er hatte ein Buch über den ukrainischen Hungerholocaust geschrieben und gezeigt, dass viele Fakten von deutschen Faschisten und Kollaborateuren erfunden wurden, die dann in den USA zur offiziellen Lehrmeinung erhoben wurden. Z.B. Robert Conquest zitiert in seinem Buch über die Kollektivierung in dem Abschnitt über den Hungerholocaust fast nur ukrainische Faschisten. Außerdem bringt Tottle die Information, dass der Gelehrte Conquest für den britischen und us-amerikanischen Geheimdienst arbeitete und dort für die Abteilung Desinformation tätig war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU
BeitragVerfasst: Sa 9. Jan 2010, 21:20 
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Beiträge: 628
Punkt 3 fehlt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU
BeitragVerfasst: So 10. Jan 2010, 15:53 

Beiträge: 105
Ich habe aus einer eMail an Klaus Hesse zitiert. Im Punkt 3 stand etwas zum Thema Antisemitismus; ein Thema, das bei der Aufarbeitung der SU bisher zu kurz gekommen ist und bisher den Bürgerlichen vollkommen überlassen wurde. Mit dem bekannten Ergebnis.

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