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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Mo 11. Jun 2007, 19:32 
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progress hat geschrieben:
Halllo, dioe KPD(Die Rote Fahne) hat ein neunes Programm verabschriedet stand in deren zeitung. Kennt das neue Programm schon wer? Mich würde doch interessieren was sie im alten Programm geändert haben, vielleicht kann mir das wer sagen?
Progress


Das neue Programm der KPD wurde zwar verabschiedetet, wird aber zur Zeit noch redaktionell nachbearbeitet. Wenn es fertig ist, wird es veröffentlicht. Dann kannst Du selber nachschauen.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2007, 12:45 

Beiträge: 132
Hallo GenossInnen,
inzwischen habe ich die Dokumente des 25. Parteitags der KPD (die Rote Fahne) bekommen, darin ist auch das neun Programm enthalten. Was mir beim ersten überfliegen aufgefallen ist, ist bezüglich des Programms, dass die KPD jetzt von der Notwendigkeit einer „bürgerlich, antiimperailistischen-demokratischen Revolution“ vor der Sozialistischen Revolution spricht [S.40]. Das muss echt mal diskutiert werden. Den solche These kommen scheinbar derzeit wieder in Mode. Es sieht stark nach der These der antimonopolistischen Demokratie aus, die die DKP in ihrem Programm von 1978 festschrieb. Und auch die KI aus Österreich, so zeigt ein Text von Gen. T.Z. Vertritt wohl heute eine antimonopolistische Demokratie.

Was für mich auch interessant war, ist der Umgang mit der KPD-B, also der Abspaltung.
Auf der einen Seite finden wir Kritik ohne Begründung. Für Außen stehende wie mich ist sie nicht nachzuvollziehen und insofern unbrauchbar in öffentlichen Dokumenten. Entweder man führt die Kritik aus oder man lässt sie. Dies betrifft die Kritik an Daniel W. der Laut S. 45 des Teil ! Der Dokumente eine „spalterische Tätigkeit“ im KJVD praktiziert habe. Worin bestand diese spalterische Tätigkeit? Darüber kein Wort.

Dann gibt es eine offene Kritik die begründet ist. So z.B. die Kritik an Gen. Wauer, der über die drohenden Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen die KPD das Sekretariat bzw. ZK nicht informiert haben soll bzw. sagte, dass keine rechts verbindenden Forderungen mehr bestehen würden [vgl. ebenda S. 38]. Hier wird es interessant sein, was die KPD-B zu diesem Vorwurf sagt.
Leider wird nichts näheres zu dem Rücktritt des Gen. Schleese als Vorsitzenden gesagt. Die Gründe seinen gesundheitlich aber auch politisch heißt es [vgl. S. 57/58], welches aber die politischen Gründe waren wird verschwiegen.

Progress


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2007, 13:04 
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progress hat geschrieben:
Dies betrifft die Kritik an Daniel W. der Laut S. 45 des Teil ! Der Dokumente eine „spalterische Tätigkeit“ im KJVD praktiziert habe. Worin bestand diese spalterische Tätigkeit? Darüber kein Wort.


Ja, klar, vor allem gerade ich! Als ich damals aus der KPD ausgetreten bin (/wurde) bin ich gleichzeitig auch aus dem KJVD raus, um zu verhindern, dass des dem KJVD damit Schaden entsteht. Ich hab den KJVD in Dresden und Sachsen maßgeblich mit aufgebaut.

Hast Du meinen Namen schon im Teil II gefunden? ;)

Es ist mir beim Lesen der Diskussionsbeiträge afgefallen, das fast jeder erstmal gegen die ehemaligen Mitglieder, vor allem Wauer/Collet schießen muß. Wollte man damit von seiner eigenen schuld ablenken?

Zitat:
Dann gibt es eine offene Kritik die begründet ist. So z.B. die Kritik an Gen. Wauer, der über die drohenden Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen die KPD das Sekretariat bzw. ZK nicht informiert haben soll bzw. sagte, dass keine rechts verbindenden Forderungen mehr bestehen würden [vgl. ebenda S. 38]. Hier wird es interessant sein, was die KPD-B zu diesem Vorwurf sagt.


Meines Wissens war das eine bereits erledigte Sache. Allerdings steht für mich außer Frage, das auch von Seiten Wauers Fehler gemacht wurden.

Allerdings ging es in dem ganzen Spaltungsprozess immer nur um persönliche Anfeindungen. Die ideologischen Gründe kommen erst nach und nach heraus. Siehe z.B. das mit der "bürgerlich, antiimperailistischen-demokratischen Revolution" und dem Anbiederungen bei der PDS.

Zitat:
Leider wird nichts näheres zu dem Rücktritt des Gen. Schleese als Vorsitzenden gesagt. Die Gründe seinen gesundheitlich aber auch politisch heißt es [vgl. S. 57/58], welches aber die politischen Gründe waren wird verschwiegen.


Bauernopfer.

Mein aktuelles Wissen sagt, das er zwischen durch mal ausgetreten war und inzwischen wieder Mitglied der KPD ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2007, 15:32 
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Zitat:
Es sieht stark nach der These der antimonopolistischen Demokratie aus, die die DKP in ihrem Programm von 1978 festschrieb.


Exakt. Nur mit dem Unterschied, daß die DKP damals noch für einige ein attraktiver Bündnispartner war. Die KPD biedert sich heute an, und keinen interessierts.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2007, 15:54 
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NumaPompilius hat geschrieben:
Zitat:
Es sieht stark nach der These der antimonopolistischen Demokratie aus, die die DKP in ihrem Programm von 1978 festschrieb.


Was issn das? Sowas wie wenn wir ganz lieb sind, dann wachsen wir mit dem Kapitalismus schön friedlich in den Sozialismus?

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2007, 19:20 
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Das ist das, was im Programm der DKP an die Stelle der "Diktatur des Proletariats" getreten ist. Auch wenn ich letzteren Begriff für Schwachsinn halte, er ist doch meistens als Synonym für Sozialismus gebraucht worden, und solange das der Fall war, ging damit zu leben. Aber die DKP-Leute haben diesen Begriff nicht, wie es richtig gewesen wäre, durch Sozialismus ersetzt, sondern ihn ganz eliminiert, und an seine Stelle die antimonopolistische Demokratie gesetzt. Es war die pure Hurerei, um sich bündnisfähig zu machen. Ein einziger Jammer. Und das wirklich Frappierende an der ganzen Angelegenheit ist: Die DKP hat doch nichts gemacht, was nicht auf DDR-Linie lag, und das heißt, daß dieser Quatsch offenbar die Billigung der SED-Führung hatte.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2007, 19:55 
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Meines Wissens musste die DKP 1968 bei ihre Gründung diverse "Kompromisse" gegenüber dem Staat eingehen, um sich überhaupt als Partei gründen zu dürfen. Der Verzicht auf Begrifflichkeiten wie "Diktatur des Proletariats" war wohl eine der Bedingungen.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Mo 1. Okt 2007, 19:40 

Beiträge: 132
Hallo Genosse Numa und alle anderen LeserInnen, Du schreibst:

auf Wodschod's Frage was die antimonopolistische Demokratie sein soll folgendes.

„Das ist das, was im Programm der DKP an die Stelle der "Diktatur des Proletariats" getreten ist. Auch wenn ich letzteren Begriff für Schwachsinn halte, er ist doch meistens als Synonym für Sozialismus gebraucht worden, und solange das der Fall war, ging damit zu leben. Aber die DKP-Leute haben diesen Begriff nicht, wie es richtig gewesen wäre, durch Sozialismus ersetzt, sondern ihn ganz eliminiert, und an seine Stelle die antimonopolistische Demokratie gesetzt. Es war die pure Hurerei, um sich bündnisfähig zu machen. Ein einziger Jammer. Und das wirklich Frappierende an der ganzen Angelegenheit ist: Die DKP hat doch nichts gemacht, was nicht auf DDR-Linie lag, und das heißt, daß dieser Quatsch offenbar die Billigung der SED-Führung hatte.“

Aber deine Aussage stimmt keineswegs. Wie Du dazu kommst erklärt sich mir nicht. Hier bist Du auf dem Holzweg und so will ich Dir solidarisch mitteilen was meine diesbezüglich konträren Erkenntnisse sind. Die DKP hat nicht aus Diktatur des Proletariats bzw. Sozialismus die antimonopolistische Demokratie gemacht.

Mir liegt das auf dem Mannheimer Parteitag (20-22.Oktober 1978) beschlossene Programm der DKP vor. Im ihm heißt es zum Punkt „Anitmonopolistische Demokratie“:

„Die DKP erachtet es als möglich und im Interesse der Arbeiterklasse erstrebenswert, dass der Kampf um eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt in eine antimonopolitische Demokratie einmündet. Unter einer antimonopolistischen Demokratie versteht die DKP eine Periode grundlegende Umgestaltung, in der die Arbeiterklasse und die anderen demokratischen Kräfte über so viele politische Kraft und parlamentarischen Einfluss verfügen, dass sie eine ihre gemeinsamen Interessen vertretende Koalitionsregierung bilden können....“ S. 66.

Und auf S. 67 heißt es dann (ich zitiere nicht alles was zur antimonopolistischen Demokratie geschrieben wird):
„In dem Maße, wie durch den Kampf der Arbeiterklasse und der anderen demokratischen Kräfte,k durch parlamentarische Entscheidungen und Regierungsmaßnahmen die ökonomische Macht des Monopolkapitals überwunden wird, würde auch die schärfste Form der kapitalistischen Ausbeutung, die Ausbeutung durch die Monopole, beseitigt.“

Und auf S. 68 beginnt der Punkt „Antimonopolistische Demokratie und Sozialismus“ mit folgenden Sätzen: „Aufgrund der gegenwärtigen Bedingungen geht die DKP davon aus, dass der Kampf der Arbeiterklasse und der anderen demokratischen Kräfte um eine antimonopolistische Demokratie am besten geeignet ist, DEN WEG ZUM SOZIALISMUS zu öffnen. Sie betrachtet die antimonopolistische und die sozialistische Umwälzung als miteinander verbundene Entwicklungsstation in dem einheitlichen PROZESS DES ÜBERGANGS VOM KAPITALISMUS ZUM SOZIALISMUS“ [Hervorhebung von mir].

Also damit sagt die DKP klar, dass für sie nicht Sozialismus = Antimonopolistische Demokratie ist. Für sie ist die Antimonopolistische Demokratie eine Übergangsperiode bzw. mindestens der Beginn einer Übergangsperiode von der kapitalistischen und sozialistischen polit-ökonomischen Gesellschaftsformation. Sie glaubt allen ernstes, man könnte das Rad des Kapitalismus zurückdrehen und quasi von der höheren, faulende Phase des Kapitalismus (Imperialismus) zur niedrigen zurück kommen. Auch ihr Verhältnis zur bürgerlichen Demokratie weißt Illusionen auf, wie die Zitate zeigen.

Und zu Wodschod. Ich habe den Begriff „Diktatur des Proletariats“ im zitierten Programm nicht gefunden. Es wird aber z.B. gesagt, dass die Arbeiterklasse die „politische Macht ... im Bündnis mit den anderen Werktätigen“ ausübt (S. 59).
In der Tat soll es einst Verhandlungen mit dem Staat gegeben haben, als es darum ging aus der illegalen KPD eine legale Partei zu schaffen, die DKP. Das war aber ca. 10 Jahre vor diesem Programm. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland gleich mehrere K-Parteien (wie KPD/ML, KPD/AO) sowie weitere Organisation (KABD, Arbeiterbund, KB, BWK etc.) die die Diktatur erwähnetn und die (auch wenn es mal Versuche gab, nicht verboten wurden. Es ging, so schrieb einst z.B. die KPD/ML, die sich in Ablehnung an die DKP – Gründungsversuche bildete, dass die DKP z.B. auf revolutionäre Gewalt verzichten sollte. Dies wird sicher auch die Diktatur des Proletariats betreffen. Aber selbst wenn dies mit eine Rolle beim 1978er Programm gespielt haben sollte, so zeigt doch das Programm mit den Formulierungen zur sog. antimonopolistischen Demokratie (so etwas kann es meines Erachtens gar nicht geben), dass es auch auch ideologische Gründe gab. Auffällig ist, dass die DKP bezüglich des Sozialismus zwar etwas über die politische Macht sagt, aber nichts von der nötigen Unterdrückung der Kapitalistenklassenüberreste. Die Antimonopolistische Demokratie-Theorie ist eine Abweichung in eine gefährliche Richtung. Dass es eine Übergangsperiode zum Sozialismus gibt würde ich nicht bestreiten. Aber diese wird nicht die Form einer „Antimonopolistischen Demokratie“ annehmen. Auch im Programm der KPD (Die Rote Fahne) handelt es sich nicht um eine Ersetzung von Sozialismus zur „bürgerlich, antiimperailistischen-demokratischen Revolution“, sondern um eine Übergangsperiode. Die Reise geht also dahin wohin sich die DKP schon vor fast 30 Jahren verirrt hat.

Und Wodschod schreibt: Hast Du meinen Namen schon im Teil II gefunden?

Nein habe ich noch nicht, hab noch nicht, hab aber auch noch nicht alles gelesen.

Wodschod: Allerdings ging es in dem ganzen Spaltungsprozess immer nur um persönliche Anfeindungen. Die ideologischen Gründe kommen erst nach und nach heraus. Siehe z.B. das mit der "bürgerlich, antiimperailistischen-demokratischen Revolution" und dem Anbiederungen bei der PDS.

Also was ich von der KPD (Die Rote Fahne) und der KPD-B bisher über die Spaltung gelesen habe ging es durchaus um ideologische Gründe, ob diese ausreichen für die Notwendigkeit einer Spaltung mag ich aber nicht beurteilen. Dazu müsste ich wohl Insider sein um zu wissen welche Behauptungen stimmen. Diese gehen ja mitunter sehr weit (wie ein angeblicher Versuch wen aus einem Zug zu schmeißen). Bei der Spaltung ging es wohl in der Tat u.a. um die Frage welche Form die Einheitsfront derzeit annimmt (Verhältnis zur Linkspartei)... Das zeigte sich dann ja auch bei der Wahl. Die KPD (Die Rote Fahne) rief damals auf die Linkspartei zu wählen. Die KPD-B trat richtiger weise für den Wahlboykott mangels wählbarer Alternative ein.

Mit kämpferischen Grüßen
Progress


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Mo 1. Okt 2007, 21:38 
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Ich habe mich undeutlich ausgedrückt. Natürlich wurde weiterhin versichert, daß das Endziel der Sozialismus ist. Was ich meint war: daß aus der täglichen Agitation der Begriff der "Diktatur des Proletariats" verschwand. Und damit aus dem Denken. Ich kenne das aus Berichten von Zeitgenossen, die das damals live erlebten. Sehr bald vergaßen die DKP-Leute, daß die Änderung aus Taktik war, und begannen, es zu glauben.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Di 2. Okt 2007, 16:14 

Beiträge: 132
Ok, aber dennoch denke ich nicht das der Begriff antimonopolistische Demokratie an die stelle des Soz. gesetzt wurde. Und ich vermute ebensowenig, dass es sich um eine reine Taktik gehandelt hat und die leute das nicht verstanden und geglaubt haben, sondern auch um eine neune politische Linie, die zumindest in der Leitung existierte und dann Auswirkungen auf die Basis hatte.


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Sa 6. Okt 2007, 14:54 
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Zitat:
Meines Wissens musste die DKP 1968 bei ihre Gründung diverse "Kompromisse" gegenüber dem Staat eingehen, um sich überhaupt als Partei gründen zu dürfen. Der Verzicht auf Begrifflichkeiten wie "Diktatur des Proletariats" war wohl eine der Bedingungen.


Oder, um es mit Ulbricht zu sagen:
"Brandt hat erklärt, er sei zwar nicht gegen die Legalität der KPD, aber die KPD müsse bestimmte Bedingungen erfüllen; nicht nur das Grundgesetz anerkennen, sondern auch ihre Treue zu diesem Staat erklären, d.h. zuerst wird die KPD zerschlagen und dann wird sie als revisionistisch umgebildete Sekte anerkannt."

(zitiert nach: Müller, Hans-Peter: Gründung und Frühgeschichte der DKP im Lichte der SED-Akten. In: Klaus Schröder: Geschichte und Transformation des SED-Staates. S. 257)

Wegen dem was Numa gesagt hat (dass die DKP offenbar die Billigung der SED-Führung besaß):
Dem genannten Artikel, also der Quellenlage zufolge hat Ulbricht mit der DKP ein Doppelspiel führen wollen. Am bezeichnensten ist es wohl, dass laut ihm die DKP nur die Rolle einer USPD oder einer SAP hätte. Sie sollte eine Art Brücke für die Sozialdemokraten sein, sich den Kommunisten anzuschließen oder den Kräften, die von Kommunisten beherrscht wurden.
Die KPD sollte nach Ulbrichts Plänen (so habe ich es rausgelesen) immer eigenständig bleiben und erst einmal in der Illegalität verharren, bis man die Legalität ohne ideologische Zugeständnisse erkämpfen kann.
Das war im wesentlichen Ulbrichts Plan - eine "gemäßigte" und legale DKP als Vermittler zwischen Sozialdemokratie und Kommunisten mit Einheitsfrontstrategie und auf der anderen Seite die prinzipientreue KPD, welche die wirkliche kommunistische Kraft bleiben sollte.
Wobei die DKP Ulbricht zufolge KP der Bundesrepublik heißen sollte.
Ulbricht bewegt sich damit in der Mitte zwischen Reimann (der strikt gegen die DKP-Zulassung ist und gegen jede anders geartete Neugründung) und den DKPler à la Mies (die natürlich eine stark DKP wollen).

Die alten KPD-Kader wurden dann aber Anfang der 70er Jahre Schritt für Schritt in die DKP eingegliedert. Nicht zuletzt die Ausschaltung Ulbrichts dürfte dazu geführt haben, dass die alte KPD dann liquidiert und in die opportunistische DKP übergeführt wurde. Wäre interessant gewesen ob andernfalls die Doppelstrategie Ulbrichts erfolgreich gewesen wäre.

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Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
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Friedrich der Große


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Sa 6. Okt 2007, 15:16 
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Es gab damals Gerüchte, und viele wußten, daß Ulbricht mit Reimann in Übereinstimmung war, und daß die DKP-Gründung hinter seinem Rücken in die Wege geleitet wurde. Es soll eine durch Italien vermittelte Kooperation von Breschnew und Brandt gewesen sein. Aber das waren nur Gerüchte. Solche Vorgänge werden meistens nicht dokumentiert.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Mo 8. Okt 2007, 14:13 
Ehrenmitglied des gewe-Fanclub
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Beiträge: 353
Zitat:
Es soll eine durch Italien vermittelte Kooperation von Breschnew und Brandt gewesen sein.


Hmm, das erwähnt auch Peter Hacks mal, ich glaube in dem Briefwechsel mit Kurt Gossweiler.
Ist beiden Gestalten (Brandt/Breschnew) durchaus zuzutrauen. Den Artikel den ich gelesen habe, verrät leider gar nichts über internationale Verflechtungen. Womöglich wollte Ulbricht mit seiner genannten Doppelstrategie (wenn es die denn überhaupt gab) nur retten, was zu retten war - sprich die KPD als eigenständige Kraft erhalten.
Aber das können wohl nur Spekulationen bleiben. Tatsache ist nur, dass die DKP das Ergebnis eines ideologischen Kompromiß war. Das Resultat sehen wir in der heutigen DKP.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Do 1. Nov 2007, 18:50 

Beiträge: 22
Ich habe im Forum gelesen das es hier auch Leute aus Dresden gibt und das es in Dresden die KPD gibt. Auf der Internetseite der KPD habe ich aber keine Ortsgruppe der KPD gefunden. Bisher habe ich die KPD nur am 1.Mai hier in Dresden gesehen. Außerdem interessiert mich ob es in Dresden schon eine KJVD oder SDAJ Ortsgruppe gibt. FDJ gibt es in Dresden leider noch keine aber dafür war ich um so mehr von der Aktion am Blauen Wunder überrascht. Und die Leute die hier aus der KPD sind würde möchte ich gern fragen ob ihr damals gegen den Ausschluss von Hans-Jürgen und Michael Westphal aus der KPD gestimmt habt. Von Michael Westphal weis ich das das Ergebnis des Ausschlusses sehr knapp war aber das bestätigt doch auch die Theorie der KPD(B) das die KPD den bolschewistischen Kern aus der Partei ausgeschlossen hat.
:redstar160:


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Do 1. Nov 2007, 21:09 
Meister des virtuellen Pinsels
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Beiträge: 688
Wieso sollten die beiden denn eigentlich ausgeschlossen werden? Davon habe ich noch garnichts gehört.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Fr 2. Nov 2007, 18:27 

Beiträge: 22
Sie sollen nicht ausgeschlossen werden, sie wurden leider schon im September 1999 ausgeschlossen, wegen "parteischädlichen Verhalten" und das nur, weil sie gegen die Listenvereinigung mit der PDS waren und sich für den Wahlantritt der KPD zur Landtagswahl in Sachsen eingesetzt haben damit die KPD ihren Parteienstatus behält, denn eine Partei die mehr als 6 Jahre an keiner Landtags- oder Bundestagswahl teilnimmt ist nach den Gesetzten der BRD nicht mehr als Partei im Sinne des Parteienregisters zulässig.


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Sa 3. Nov 2007, 18:20 
Administrator
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Beiträge: 4023
Markus hat geschrieben:
Ich habe im Forum gelesen das es hier auch Leute aus Dresden gibt


Richtig.

Zitat:
und das es in Dresden die KPD gibt.


Auch richtig. Das eine hat aber mit dem anderem nichts zu tun. Und bitte nicht die KPD mit der KPD(B) verwechseln.

Zitat:
Auf der Internetseite der KPD habe ich aber keine Ortsgruppe der KPD gefunden.


Es gibt eine. Für einen Kontakt fragst Du am besten in Berlin bei der KPD nach.

Zitat:
Bisher habe ich die KPD nur am 1.Mai hier in Dresden gesehen.


Man sieht sie auch bei anderen Gelegenheiten.

Zitat:
Außerdem interessiert mich ob es in Dresden schon eine KJVD oder SDAJ Ortsgruppe gibt.


KJVD: Ja, aber inaktiv.
SDAJ: Ja, aber inaktiv.

Zitat:
FDJ gibt es in Dresden leider noch keine aber dafür war ich um so mehr von der Aktion am Blauen Wunder überrascht.


Ham wa scheen gemacht, wa? :)

Zitat:
Und die Leute die hier aus der KPD sind


Ist aber niemand. Ich war mal.

Zitat:
würde möchte ich gern fragen ob ihr damals gegen den Ausschluss von Hans-Jürgen und Michael Westphal aus der KPD gestimmt habt.


Ich war damals dabei. Zu mehr: Kein Kommentar.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Sa 3. Nov 2007, 21:37 
Literat

Beiträge: 2947
Die KPD vermochte ganz einfach nicht, zwei so begabte Musiker in ihren Reihen zu dulden, die mit ihren Beats das übliche sozialistische Brauchtumsgedudel kräftig aufmischten. Familie Westphal ist eines der zahlreichen Schlachtopfer, die das Mittelmaß veranstaltetet, sobald es eines Genialischen ansichtig wird.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: So 4. Nov 2007, 08:44 

Beiträge: 2008
Haben die Westphals schon 1999 diese Beats gehabt? Ich dachte immer, dass wäre erst in den letzen Jahren hinzugekommen? :denknach:
Allerdings frischer Wind ist ein gutes Thema, sonst stirbt eine Partei eines Tages aus, auch eine KPD.
Die Schwierigkeit ist nur, nicht gleich in den Sog der Revisionisten und Trotzkisten zu kommen.

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»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD oder KPD?
BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 14:09 
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Beiträge: 14
Ich beziehe ja den "Roten Morgen" und "Die Rote FAhne" als Zeitungen.

Im Roten Morgen haben die Wessis letztens erst gegen die DDr gehetzt in einem Artikel wo es um die Wegner ging und die Äußerung wegen der Stasi. und ich bin der Meinung Die Wegner hat Recht.


Deshalb stehe ich der KPD-West kritisch gegenüber und die DDR ist der Inhaltliche, große Unterschied.


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