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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 15:07 
Literat

Beiträge: 2947
Ich denke, Pavel, daß du mit deinem Ausdruck 150%-Revisionisten die Sache ganz gut getroffen hast. Es gibt so eine Weise, etwas richtiger als richtig machen zu wollen, durch die man schließlich alles falsch macht.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mo 23. Apr 2007, 21:43 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
das mit dem revisionismusvorwurf und den anführungszeichen hat sich ja erledigt, dazu noch ein zitat aus RO Nr. 17 (S.34):
Ein wichtiger Beschluss, der gefasst wurde, hängt mit unserem bisherigen Umgang mit Revisionismus bzw. dem Revisionismusvorwurf gegen andere Organisationen zusammen. Wir haben erkannt, dass wir sehr schnell im Urteil waren und im Prinzip noch viel zu wenig zum Revisionismus/ Opportunismus wissenschaftlich geforscht haben, um so schnelle Urteile zu bilden. Der Revisionismus einer Organisation lässt sich nicht an einer Einzelfrage nachweisen. Dies heißt nicht, dass wir in bestimmten Indizien, die wir durchaus aufgezeigt haben, im Unrecht waren, es heißt vielmehr, dass wir zu schnell und leichtfertig mit solchen Wörtern umgegangen sind. Die Abgrenzung zum Revisionismus kann nur durch eine wissenschaftliche Abgrenzung erfolgen. Die optische Darstellung, die wir aus den Zeiten der KPD/ML übernommen hatten, dass In-Anführungszeichen-Setzen von Buchstaben, die für kommunistische Zielsetzungen stehen (z.B. „K“PD, „ML“PD, D“K“P…) werden wir künftig nicht mehr praktizieren. Es handelt sich nicht nur um einen taktischen Fehler, der zu Recht auch Kontakte von uns abgeschreckt hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mo 23. Apr 2007, 22:00 
Administrator
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Beiträge: 4023
Haben wohl einen Krampf in den Fingern beim Tippen bekommen...

B??se

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 06:58 
Literat

Beiträge: 2947
Die Frage ist freilich, was sie unter einer "wissenschaftlichen" Analyse verstehen. Aber auf jeden Fall ist eine solche Einsicht eine Verbesserung. Dazu sind nicht viele aus dieser Ecke fähig.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Di 11. Sep 2007, 23:13 

Beiträge: 132
An Woschod: Na die KPD(B) scheint das mit dem "..." aber auch nicht ganz abzulehnen oder? Siehe Totz Alledem September 2007 S. 6. Hier heißt es zur KPD (Die Rote Fahne) in einer Klammer: "man sollte sie eigentlich "K"PD schreiben". Wie schehst Du dazu?
Solidarische Grüße
Progress


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mi 12. Sep 2007, 01:37 
Administrator
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Beiträge: 4023
Na wenn das Deine einzige Kritik an dem Artikel ist, dann scheint er ja gut zu sein.

Sicher ist Dir ja aufgefallen, dass in dem restlichen Artikel immer von "KPD" ohne die Hühnerfüßchen die Rede ist. Übrigens ist der Autor kein Parteimitglied.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2007, 12:13 

Beiträge: 132
Hallo Genosse, ja das war die einzige Kritik. Die Kritik am Vorbild Hilferding ist berechtigt. Das der Autor nicht Mitglied ist konnte ich natürlich nicht wissen. Ist ´ja gut wenn die "K" nicht Linie bei der KPD-B sind. Allerdings kommt es ein wenig so rüber, dass es dazu kommen könnte wenn man den Artikel ließt. Sicher steht in der Zeitung das namentlich gekennzeichnete Texte nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wiedergeben müssen, da aber alle Texte mit Namen unterschreiben sind, weiß man so nicht was nun Meinung der Redaktion ist oder nicht. Eine kritische Anmerkung der Redaktion wäre sicher hilfreich gewesen um Missverständnisse zu verhindern.
kommunistischer Gruß
Progress


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2007, 12:52 
Administrator
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Beiträge: 4023
Ich denke, es ging dem Autoren darum, speziell in dem Fall im Zusammenhang mit Hilferding das "K" in Frage zu stellen. Bei denen, die das grundsätzlich mit "" schreiben geht es wohl eher darum zu zeigen, dass nur sie überhaupt Kommunisten sind.

Alles Sektierer außer ich!

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mo 1. Okt 2007, 19:44 

Beiträge: 132
Du meinst sicher "ging" statt "geht", den der Rote Oktober schreibt ja nicht mehr in "" wie es hier im Forum richtig erwähnt wird


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Di 2. Okt 2007, 15:10 
Administrator
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Beiträge: 4023
Sowas passiert ja nicht nur bei einer Orga. Nehmen wir es mal als eine allgemeine Feststellung. ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mi 7. Nov 2007, 19:01 

Beiträge: 50
Auf irgendeinem ""Partei"tag" hat doch die KPD/RO beschlossen, die Anführungszeichen für ihre Konkurrenz zu unterlassen. Das müsste jetzt eigentlich aufgehört haben. Klingt zwar lächerlich, ist aber so. Dafür gab es einen Beschluss.

Soweit ich weis, sind die KPD/RO `ler Stalinisten. Zumindest bezeichnen sie sich als solche. Welche Ideologie sie nun wirklich vertreten, weis ich nicht. Ich weis nur, dass sie dem Inhalt ihres Programms nach auf dem Mond leben, obwohl die Artikel über die sexuelle Befreiung recht lustig waren. Zumindest kommen sie dann irgendwann an einem Punkt, (nach 4 bis 5 Seiten) an dem sie zugestehen müssen, dass sie eigentlich nicht wirklich erahnen können, wie die sexuelle Freiheit in einer sozialistischen Gesellschaft aussehen könnte, weil sie selbst zu sehr an die bürgerliche gebunden sind. Aber warum dann der Artikel? :D


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mi 7. Nov 2007, 19:05 

Beiträge: 2008
jon hat geschrieben:
Nun, andererseits muss ich jedoch selbst feststellen, dass es keine Partei, im Sinne einer bolschewistischen Partei, in Deutschland existiert.


Dann verrate uns doch bitte mal, welche K-Parteien Du bereits alle kennst. Nicht nur die Namen, die man irgendwo ergoogeln kann. Nein, die Parteien, wo Du Mitglieder kennengelernt hast und Dich zumindest mal eine Stunde mit diesen unterhalten hast.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mi 7. Nov 2007, 22:45 

Beiträge: 50
hi gewe,
also erstmal vorneweg, werde ich den Eindruck nicht los, als wenn das Forum für manche Mitglieder nur als Selbstzweck dient. So als wenn die Leute nur darauf warten würden, dass jemand dies oder das etwas falsch formuliert, um dann sein politisches Bedürfnis zu befriedigen. Boah mensch, vielleicht ist das irgendwann mal ein Zitat für die Historie. lol

Na ok, also die Einleitung in diesem Beitrag hat nichts mit deiner Rückfrage zu tun, sondern lag mir schon seit längerem auf dem Herzen. Ich musste es loswerden. Und damit diejenigen, die mich nunmehr als Besserwisser wissen werden, vollkommens zur Extase kommen, füge ich schließlich hinzu: Die Theorie hat nur Sinn, wenn man beabsichtigt sie in die Praxis umzusetzen. Ich denke manchmal, dass manch eine/r mehr Zeit vorm Rechner verbringt, als sich der Realität anzunährern: Soll heissen, den Klassenkampf aufzunehmen!


Aber nun Gewe zu deiner Frage: Es gibt Dinge, über die man nicht lange nachdenken muss, weil sie schon fast zum Reflex geworden sind. Und das ist auch in mancher Hinsicht auch sehr sehr sinnvoll. Das heisst aber nicht, dass der eine oder andere Reflex keinen Unterbau hat. Nun gut, die Einleitungen werden mir langsam lästig.
Ich will zum Punkt kommen > . Manch eine/r denkt unmittelbar die DKP sei revisionistisch, die "Die Linke" sei konterrevolutionär. Wie recht sie haben! Er/sie braucht keine Sekunde, um die entsprechende Antwort wie aus der Pistole hinauszustottern. Der Fehler ist so offensichtlich - aber auch dies ist nur eine Frage des Standpunktes.

Was die DPK, Linkspartei angeht wird sich hier wohl eine Mehrheit dafür finden, die die Beurteilung der bisher genannten Parteien so teilen werden, soweit ich die Ausführungen einiger Mitglieder hier richtig in Erinnerung habe. (War ja lange nicht mehr hier) In diesem Fall, ist es also nicht der Rede Wert die Antwort genau auszuführen. Nun, die Unmittelbarkeit der Antwort hat auch ihren Unterbau - nämlich den Verstand - das historisch - ökonomische und soziale Wissen...bla blub. Und zwar kein Laienhafteswissen! Denn Halbwissen ist.....erpar ich mir.

Soweit so gut.
Wen ich nun persönlich kenne oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle. Gäbe diese oder jene bolschewistische Partei, hätte ich etwas davon mitbekommen. Die einzige Partei, die in den letzten Jahren organisatorisch etwas auf die Beine gestellt hat, war die MLPD. An der letzten Demonstration in Berlin? haben 15.000 Menschen teilgenommen. Nun, angesichts der Missbildungen in der Theorie der MLPD, kann die Quantität die Qualität immer noch nicht ersetzen, wobei das nicht heissen soll, dass ich den dialektischen Ansatz vom Sprung der Quanität hin zur Qualität nicht verneine. Die Frage ist nur, wo der Sprung endet.

So, meiner bisherigen Einsicht in die restlichen "kommunistischen" Gruppen und Organisationen kann ich nur sagen, dass ich diese nur Randgruppen ansehe, die ihren gewissen Anteil am Aufbau einer kommunistischen Partei haben werden. (Manche davon etwas, einige ein wenig und andere eben gar nicht) Sie heute als Partei zu bezeichnen wäre ein wenig übertrieben. Von einer bolschewistischen Partei gar nicht zu sprechen. Denn letzteres war Kern meiner Behauptung. Bissl genauer lesen!


ps. der abschnitt, den du zitiert hast, habe ich nach meinem ersten Edit gelöscht, weil ich kurzerhand den Übergang gelöscht habe. Nicht, dass die anderen denken, dass du mir hier vor lauter Langweile nen Zitat anhängen wolltest. :-))


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Do 8. Nov 2007, 20:08 

Beiträge: 2008
q.e.d. wie der Mathematiker zu pflegen sagt.
Nach viel heißer Luft zur Sache kommen - nun gut, wems gefällt. Ich habe zumindest gelesen, was ich lesen wollte und vermutet habe. Alle anderen werden es sicher auch bemerken.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Sa 10. Nov 2007, 17:24 
Administrator
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Beiträge: 4023
jon hat geschrieben:
also erstmal vorneweg, werde ich den Eindruck nicht los, als wenn das Forum für manche Mitglieder nur als Selbstzweck dient.


Wir sind halt alles Egomanen. Aber sowas von ey! Alles Sektierer, außer ich!

Du, Jon, bist natürlich kein Egomane. Die liegt nur die Sache am Herzen, deshalb bist Du auch ein herausragendes Beispiel für sachliche Diskussionskultur. Wir sollten uns alle mal eine Scheibe bei Dir abschneiden.

Zitat:
Boah mensch, vielleicht ist das irgendwann mal ein Zitat für die Historie. lol


Ja, ganz besonders für diese Rubrik.

Zitat:
Die Theorie hat nur Sinn, wenn man beabsichtigt sie in die Praxis umzusetzen.


Sag bloß! Wirklich?

Zitat:
Ich denke manchmal, dass manch eine/r mehr Zeit vorm Rechner verbringt, als sich der Realität anzunährern: Soll heissen, den Klassenkampf aufzunehmen!


Auch vor dem Rechner kann man Klassenkampf machen.

Zitat:
So, meiner bisherigen Einsicht in die restlichen "kommunistischen" Gruppen und Organisationen kann ich nur sagen, dass ich diese nur Randgruppen ansehe, die ihren gewissen Anteil am Aufbau einer kommunistischen Partei haben werden.


Aber einen Anteil. Und damit haben manche Kleinparteien mehr Anteil am Aufbau einer wahrhaft marxistisch-leninistischen Partei als DKP oder MLPD.

Zitat:
Sie heute als Partei zu bezeichnen wäre ein wenig übertrieben. Von einer bolschewistischen Partei gar nicht zu sprechen. Denn letzteres war Kern meiner Behauptung. Bissl genauer lesen!


Ich zitiere mal aus dem Programm der KPD(B):

Die KPD(B) hat sich dieses Programm gegeben im Bewußtsein dessen, daß der Weg zu seiner Verwirklichung lang und steinig sein wird. Sie hat sich dieses Programm in dem historischen Optimismus gegeben, wie er den Kommunisten eigen ist, weil sie auf der Grundlage ihrer wissenschaftlichen Weltanschauung, dem Marxismus-Leninismus und bestätigt durch ihre geschichtlichen Erfahrungen wissen, daß der Sozialismus keine Utopie ist, sondern die kommende gesellschaftliche Realität sein wird. Wir wissen um den Fortgang der Geschichte, wie er von Karl Marx und Friedrich Engels im Kommunistischen Manifest beschrieben ist.

Eine letzte Frage Jon: Was ist eigentlich Dein Ziel, Deine Intention, in diesem Forum zu diskutieren und zu schreiben?

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Sa 10. Nov 2007, 18:18 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Die Theorie hat nur Sinn, wenn man beabsichtigt sie in die Praxis umzusetzen.


Das stimmt nicht. Eine Theorie hat genau dann Sinn, wenn sie wahr ist. Und abgesehen davon: Auch das Theoretisieren ist eine Form von Praxis.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Sa 10. Nov 2007, 23:33 
Meister des virtuellen Pinsels
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Beiträge: 688
Zitat:
Original von Numa
Zitat:
Die Theorie hat nur Sinn, wenn man beabsichtigt sie in die Praxis umzusetzen.


Das stimmt nicht. Eine Theorie hat genau dann Sinn, wenn sie wahr ist. Und abgesehen davon: Auch das Theoretisieren ist eine Form von Praxis.


Ich glaube er meinte das man sie in der Praxis anwenden soll und erst dann über ihre Richtigkeit urteilen kann.

@ Master jon, lass bitte diese "modernen" Schriebformen, mit Er/Sie, Kommunist(inn)en usw. usf. das empfinde ich als sehr störend.

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mi 14. Nov 2007, 19:59 
Ehrenmitglied des gewe-Fanclub
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Beiträge: 353
Zitat:
hi gewe,
also erstmal vorneweg, werde ich den Eindruck nicht los, als wenn das Forum für manche Mitglieder nur als Selbstzweck dient. So als wenn die Leute nur darauf warten würden, dass jemand dies oder das etwas falsch formuliert, um dann sein politisches Bedürfnis zu befriedigen. Boah mensch, vielleicht ist das irgendwann mal ein Zitat für die Historie. lol

Na ok, also die Einleitung in diesem Beitrag hat nichts mit deiner Rückfrage zu tun, sondern lag mir schon seit längerem auf dem Herzen. Ich musste es loswerden. Und damit diejenigen, die mich nunmehr als Besserwisser wissen werden, vollkommens zur Extase kommen, füge ich schließlich hinzu: Die Theorie hat nur Sinn, wenn man beabsichtigt sie in die Praxis umzusetzen. Ich denke manchmal, dass manch eine/r mehr Zeit vorm Rechner verbringt, als sich der Realität anzunährern: Soll heissen, den Klassenkampf aufzunehmen!


Ich werde ebenfalls den Eindruck nicht los, als wenn das Forum für manche Mitglieder nur als Selbstzweck dient. So als wenn manche Leute nur darauf warten würde, dass den altgedienten Forumsmitgliedern die Geduld ausgeht, alles 10 mal erklären zu müssen oder auf jeden noch so sinnlosen Beitrag einzugehen, um dann pöbeln zu können.
Da dann meistens zur Sache kein Argument kommt, nehmen sich solche Leute einfach ein allgemeines Argument, dass über theoretische Diskussionen immer behauptet werden kann - das da kein Bezug zur Praxis wäre. Dieser Fall kam hier im Forum schon öfters vor, dass fehlende Diskussionsbereitschaft (deren "Unterbau" meist politisches Schubladendenken ist) ersetzt wurde durch Anschuldigungen, wir seien nicht marxistisch, nicht praktisch tätig, daher auch nicht klassenbewußt und überhaupt alles intellektuell-abgehoben hier.
Jon, mit solchen oder ähnlichen Aussagen solltest du dich gefälligst zurückhalten.

1. Du kennst wahrscheinlich niemandem aus dem Forum persönlich. Du hast also absolut keine Ahnung, wieviel praktische Arbeit manche Forumsmitglieder leisten.

2. Sollte es zutreffen, dass Manche keine praktische Arbeit leisten, so sollte man erst mal in Ruhe überlegen, ob dies nicht möglicherweise private/berufliche Gründe haben könnte.

3. Es wurde an anderer Stelle im Forum (wo, finde ich gerade nicht) bereits treffend ausgedrückt: Die Revolution klopft nicht gerade laut an der Tür, also warum zur Abwechslung nicht mal was lernen?
Es wäre in der Tat eine Verschwendung unserer so raren Kräfte, würden wir uns auf die "rein praktische" Tätigkeit beschränken. Phasen, in denen die kommunistische Bewegung stagniert, sind immer geeignete Phasen, sich die Theorie anzueignen. Und die kommunistische Bewegung stagniert ja derzeit nicht weil es uns an Willen mangelt oder weil großartige Einzelpersonen fehlen, sondern das Problem ist, dass die Widersprüche des Imperialismus nicht offen zutage treten. Dies geschieht nur in Kriegen, großen Wirtschaftskrisen, usw. Erst wenn die Arbeiter durch die unmittelbaren Erfahrungen mit den offen ausbrechenden Widersprüchen des Imperialismus konfrontiert sind, werden unsere Flugblätter, Brochüren, Bücher bei den Massen auf offene Ohren stoßen. (Bei den Massen wohlgemerkt - einzelne kluge Personen können wir zu allen Zeiten erreichen)

4. Ich habe so den komischen Eindruck, als könnten sich Leute, die mangelnden Praxisbezug beklagen, praktische Arbeit nicht anders vorstellen als simples Flugblätter-verteilen. Numa hat es bereits so ausgedrückt: "Auch das Theoretisieren ist eine Form von Praxis." Denselben Grundgedanken hat Lenin in anderem Zusammenhang zum Ausdruck gebracht, als er das Parteiorgan auch als "kollektiven Organisator" bezeichnete. Und das Parteiorgan enthält schließlich auch theoretische Diskussionen.
Oder nehmen wir ein aktuelles Beispiel - das vielangesprochene offensiv-Fernstudium. Auf den ersten Anschein wird dort nur gelernt, gelesen, studiert. Eine ziemlich theoretische Angelegenheit. Dass damit eine Vielzahl vernünftiger Kommunisten (denn jene, die bereit sind zu lernen, sind auch sonst meist recht vernünftig) aus den unterschiedlichsten Organisationen und Umfeldern sich trifft und allmählich organisatorisch zusammenschließt, ist das nicht auch ein Stück praktische Arbeit? Hat das etwa keine praktischen Konsequenzen?
Gleichfalls sollte man also auch bei einem Diskussionsforum sich genau überlegen, ob es nicht für die Mitglieder praktische Konsequenzen ergeben.

Zitat:
Soweit so gut.
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Jaja, die bolschewistische Partei würde von Tür zu Tür gehen und melden, dass es sie gibt.
Hier wird offenbar richtige kommunistische Politik, d.h. vernünftige Politik, nur an ihrem Massenzufluß gemessen. Ganz so als ob es die richtige Politik wäre, solange man nur Menschen damit mobilisieren könnte. Würden wir das denken, könnten wir auch gleich gegen ein Rauchverbot und ähnliches demonstrieren. Es würde uns halt nicht weiterbringen, aber hey, hauptsache es stehen viele Leute drumherum.
Richtige kommunistische Politik, d.h. vernünftige Politik lässt sich im wesentlichen an der Richtigkeit ihrer Theorien und ihrer Arbeitsweise erkennen. Dass die richtigen Theorien nicht eine größere Zahl Menschen anzieht, liegt nicht daran, dass die Theorie falsch wäre, sondern es liegt daran, dass die Wirklichkeit für die meisten Menschen immerhin so gut aussieht, dass es sie nicht nach einer alternativen Weltanschauung verlangt.
Die objektiv richtige Theorie zu erkennen und welche Organisation darauf aufbauend vernünftige Politik betreibt - dazu muss man sich die Theorie gründlichst aneignen, diese verarbeiten und dann die Organisationen und ihre Arbeitsweise persönlich kennen und nach Möglichkeit bei ihnen mitarbeiten.
Denn schließlich kann man oft Organisationen auch nicht pauschal verurteilen, z.B. gibt es bei der DKP sicherlich noch anti-revionistische Ortsgruppen, oder bei der Linkspartei Mitglieder mit denen man als Kommunist zusammenarbeiten kann. (Doch gerade um dieses pauschale Urteilen zu vermeiden, und um jeden Fall konkret zu betrachten dazu muss man die Gruppen/Mitglieder etc. persönlich kennen - was für Jon ja so absolut unwichtig ist).

Sich immer nur darauf zu konzentrieren, die Massen zu erreichen und zu mobilisieren, führt letztendlich in den Ökonomismus - und damit kommen wir zur MLPD, die eigentlich auch ökonomistisch denkt.
Dass die MLPD mehr Leute erreicht als die anderen Kleingruppen sagt lediglich etwas über ihr theoretisches Niveau aus, das soweit gesenkt wird, bis die Massen aufspringen. Das theoretische Niveau der Massen oder zumindest ihrer fortschrittlichsten Teile kann aber nicht gehoben werden, wenn man das eigene senkt, um sie überhaupt erst für unsere Sache zu interessieren.


P.S.: die neuen Smileys sind cool ----> :tux:
P.S. II: "Orga" ist ein unglaublich häßliches Wort. :kotz:

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Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
Ein System kann aber nur aus einem Kopfe entspringen; also muß es aus dem des Herrschers hervorgehen.


Friedrich der Große


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Fr 16. Nov 2007, 07:40 

Beiträge: 105
Ich denke, es ist überflüssig, rechtfertigen zu wollen, ob dieser oder jener User des Forums viel oder wenig praktische Arbeit erledigt. Ein Forum dient nicht dem Zweck, Flugblätter vorzubereiten oder zu verteilen, sondern Menschen zu verbinden, sie miteinander kommunizieren zu lassen und Informationen auszutauschen.
Das einfache Theoretisieren hat mit dem "kollektiven Organisator" nichts zu tun. Der Aufbau einer Zeitung und ihre Arbeit als kollektiver Organisator zu bezeichnen, paßt in eine Zeit, da es noch kein Internet gab, als im Untergrund gearbeitet wurde und die sonstige Kommunikation zwischen den Menschen relativ schlecht war usw. Alles was mit der Iskra gesteuert wurde, war der Informationsfluss und dazu brauchte es damals einer guten Organisation. Korrespondenten die Informationen lieferten, Leute, die Zeitungen illegal transportierten usw. So konnte der Informationsfluss von der Basis zur Spitze und umgekehrt organisiert werden. Ließt man z.B. die Memoiren von Jelena Stassowa ("Genossin Absolut") einer Bolschewikin der ersten Stunde, bekommt man ein klares Bild davon. Unter den Bedingungen, die damals im zaristischen Rußland herrschten, kannte man nicht so viele Genossen in seiner Nähe, und die Zeitung war teilweise die einzige Verbindung zum Rest der Partei. Hätten die Bolschewiki damals in der Legalität arbeiten können, wären die Bedingugen damals also grundsätzlich andere gewesen, wäre der Zeitung wahrscheinlich auch nicht die Funktion des "kollektiven Organisators" zugekommen.

Die gesellschaftliche Realität sieht nicht so gut aus, daß die meisten Menschen nicht nach Alternativen suchen. Das Anwachsen des Rechtsextremismus ist ja gerade auch ein Zeichen davon, daß z.B. immer mehr Jugendliche eine Alternative zum herrschenden System suchen. Denn viele dieser Jugendlichen sind wirklich vom system-oppositionellen Charakter der rechtsextremen Parteien oder Kameradschaften überzeugt. Die Schwäche der "Linken" liegt vor allem an der Konzeptionslosigkeit, dem theoretischen Durcheinander und der mangelnden Organisation. Es ist z.B. festzustellen, daß der Anarchismus noch ziemlich stark ist unter jugendlichen Linken mit allen seinen negativen Einflüssen. Es gibt aber auch keine kommunistische Organisation, die einen klaren anti-revisionistischen Kurs verfolgt und dabei in der Lage ist, den Massen mit Selbstvertrauen und einem Habitus von Stärke gegenüber zu treten.

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Es gibt noch einen kommunistischen Verlag und Versand, den zu besuchen sich lohnt.


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Sa 17. Nov 2007, 15:39 
Ehrenmitglied des gewe-Fanclub
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Beiträge: 353
Zitat:
Das einfache Theoretisieren hat mit dem "kollektiven Organisator" nichts zu tun. Der Aufbau einer Zeitung und ihre Arbeit als kollektiver Organisator zu bezeichnen, paßt in eine Zeit, da es noch kein Internet gab, als im Untergrund gearbeitet wurde und die sonstige Kommunikation zwischen den Menschen relativ schlecht war usw. Alles was mit der Iskra gesteuert wurde, war der Informationsfluss und dazu brauchte es damals einer guten Organisation. Korrespondenten die Informationen lieferten, Leute, die Zeitungen illegal transportierten usw.


In der Tat war das im zaristischen Rußland eine aktuellere Bezeichnung, aber auch das Internet hat die alten Probleme bisher nicht beseitigt.
Eine gewisse materielle Infrastruktur (eine Zentrale, Computer, Drucker), Korrespondenten, die Artikel und Informationen aus den Regionen liefern, Leute, die die Zeitung weiterverbreiten, ein gewisses Layout, usw. - all das was du selbst nennst, wird heute durch verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten nicht überflüssig gemacht, sondern nur erleichtert. Eine Zeitung bleibt also weiterhin ein "kollektiver Organisator" und es ist bei vielen kleinen kommunistischen Organisationen weiterhin der Fall, dass ein Großteil der Organisationsarbeit in ihr jeweiliges Zentralorgan gesteckt wird.

Zitat:
Die gesellschaftliche Realität sieht nicht so gut aus, daß die meisten Menschen nicht nach Alternativen suchen. Das Anwachsen des Rechtsextremismus ist ja gerade auch ein Zeichen davon, daß z.B. immer mehr Jugendliche eine Alternative zum herrschenden System suchen.


Da die meisten Menschen sich immer noch eher an SPD und CDU/CSU orientieren, als an den offenen Nazis, halte ich meine Aussage nicht für falsch. Immer mehr Jugendliche sind immer noch nicht die meisten Jugendliche.

Zitat:
Die Schwäche der "Linken" liegt vor allem an der Konzeptionslosigkeit, dem theoretischen Durcheinander und der mangelnden Organisation. Es ist z.B. festzustellen, daß der Anarchismus noch ziemlich stark ist unter jugendlichen Linken mit allen seinen negativen Einflüssen.


Dass die "Linken" theoretisch durcheinander sind und mangelnd organisiert sind ist normal. Abnormal und zum Problem wird dieser Zustand nur, wenn er innerhalb der kommunistischen Bewegung herrscht, die von der übrigen "Linken" immer noch klar abzugrenzen ist. Der orientierungslose und theoretisch unklare Zustand der in der kommunistischen Bewegung herrscht, ist aber nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sich Großteile z.B. der DKP an den "Linken" (Globalisierungskritiker und ähnlicher Mist) orientieren. Das trägt dieses Hippie-Linkstum auch in die Reihen der Kommunisten.
Zudem sind aus meiner Sicht Anarchisten und dergleichen schwerer von kommunistischen Anliegen zu überzeugen als normale, noch unpolitische Leute (wenn diese nicht dumm sind und man mit Geschick und nicht mit dem Holzhammer agitiert).
Ich will sagen: Man sollte sich also weniger an der "linken" Bewegung orientieren, als vielmehr an der kommunistischen und Arbeiterbewegung (Gewerkschaften etc.).

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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mo 19. Nov 2007, 07:38 

Beiträge: 105
Du hast mich falsch verstanden. Ich sagte nicht, daß das Internet jegliche Organisation überflüssig macht. Ich sagte nur, daß eine Zeitung als kollektiver Organisator oder heute das Internet unter den in Deutschland herrschenden Bedingungen nicht zwangsläufig gebraucht werden. Mit kollektiver Organisator ist gemeint, daß über diese Schiene die Verbindung zwischen den Genossen und einzelnen Gruppen gehalten werden muß. Heute kann man offen auftreten und deshalb sind Zeitungen und Internetprojekte nur Teile der Organisationsaufgaben.

Stalin schreibt z.B. in seinem Artikel "Die Presse als kollektiver Organisator":
Zitat:
2. Ingulow betont die agitatorische, enthüllende Rolle der Presse und ist der Meinung, dass sich die Aufgabe der periodischen Presse darin erschöpfe. Er beruft sich auf eine Reihe von Missbräuchen in unserem Lande und weist darauf hin, dass die Enthüllungsarbeit der Presse, dass die Presseagitation die "Wurzel" der Frage sei. Demgegenüber ist es klar, dass bei aller Bedeutung der agitatorischen Rolle der Presse ihre organisatorische Rolle gegenwärtig von aktuellster Bedeutung für unsere Aufbauarbeit ist. Es geht nicht nur darum, dass die Zeitung agitiert und enthüllt, sondern vor allem darum, dass sie über ein umfassendes Netz von Mitarbeitern, Vertrauensleuten und Korrespondenten im ganzen Lande, in allen industriellen und landwirtschaftlichen Gegenden, in allen Kreisen und Amtsbezirken verfügt, dass sich Fäden von der Partei über die Zeitung zu ausnahmslos allen Arbeiter- und Bauernbezirken hinziehen, dass die ´Wechselwirkung zwischen Partei und Staat einerseits, und Industrie- und Bauernbezirken anderseits eine vollständige ist. Beriefe eine so populäre Zeitung wie, sagen wir, die "Bjednota"[73] von Zeit zu Zeit Konferenzen ihrer Hauptvertrauensleute in den verschiedenen Gegenden unseres Landes ein, die dem Meinungsaustausch und der Erfahrungsübermittlung dienen, und beriefe jeder dieser Vertrauensleute seinerseits Konferenzen seiner Korrespondenten in seinen Rayons, Orten und Amtsbezirken mit demselben Ziel ein, so wäre damit der erste ernstliche Schritt getan, nicht nur zur Herstellung der organisatorischen Verbindung zwischen Partei und Arbeiterklasse, zwischen dem Staat und den entlegensten Winkeln unseres Landes, sondern auch zur Verbesserung und Belebung der Presse selbst, zur Verbesserung und Belebung des ganzen Mitarbeiterstabs unserer periodischen Presse. Solche Konferenzen und solche Beratungen sind meiner Meinung nach von viel größerer realer Bedeutung als "allrussische" und sonstige Journalistenkongresse. Die Zeitung als kollektiver Organisator in den Händen der Partei und der Sowjetmacht, die Zeitung als Mittel, Verbindungen mit den werktätigen Massen unseres Landes anzuknüpfen und sie um die Partei und die Sowjetmacht zusammenzuschließen - das ist jetzt die nächste Aufgabe der Presse.


Der Presse kommt dabei die Aufgabe zu, Vermittler zwischen Partei und Bevölkerung zu sein. Das war die Aufgabe 1923. Aber 1900 oder 1903, als Lenin "Was tun?" schrieb und die These aufstellte, daß die Presse der Kollektive Organisator sei, herrschten andere Bedingungen. Zu der Zeit wurde die Partei zu großen Teilen über eben die Presseverbindungen organisiert. 1923 mußte die Partei nicht mehr auf diese Weise organisiert werden. Die Frage ist dann: Ist es heute notwendig, der Presse die Aufgabe zuzuweisen, die Lenin ihr 1903 zuwies, oder sollte man ihr heute die Aufgabe zuweisen, die sie unter den Bedingungen der Legalität hatte, wie sie Stalin beschrieben hat?

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Es gibt noch einen kommunistischen Verlag und Versand, den zu besuchen sich lohnt.


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mo 19. Nov 2007, 13:56 
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Zitat:
Mit kollektiver Organisator ist gemeint, daß über diese Schiene die Verbindung zwischen den Genossen und einzelnen Gruppen gehalten werden muß. Heute kann man offen auftreten und deshalb sind Zeitungen und Internetprojekte nur Teile der Organisationsaufgaben.


Da sind wir uns ja dann einig, und müssen nicht lange herumdiskutieren. Das die Leninsche Bezeichnung unter dem Zaren aktueller war, sagte ich ja bereits.
Eins noch: Das Problem heute sehe ich vor allem darin, dass nicht jeder Genosse technisch auf einem ähnlichen Stand ist. Während manche noch gar keinen PC haben, benutzen die anderen schon Linux, PGP und ähnliches. Es gibt Emails, Telefon, Chat-Programme, Fax und meist wird alles durcheinander benützt. Das sorgt dafür, dass meist doch wieder auf die gute alte Post (und damit die Zeitung) zurückgegriffen wird.
Die Aufgabe einer guten kommunistischen Partei wäre es sicherlich, für einen intern-einheitlichen Kommunikationsstandard zu sorgen. Dann könnte die Parteizeitung für die internen Aufgaben in der Tat weniger wichtig werden.

Zitat:
Die Frage ist dann: Ist es heute notwendig, der Presse die Aufgabe zuzuweisen, die Lenin ihr 1903 zuwies, oder sollte man ihr heute die Aufgabe zuweisen, die sie unter den Bedingungen der Legalität hatte, wie sie Stalin beschrieben hat?


Ein interessanter Auszug aus den Stalinwerken, die du da angibst.
Aber um die Frage zu beantworten - weder noch: Wir haben weder solche Bedingungen der Illegalität wie unter dem Zaren noch haben wir eine Sowjetmacht, wie sie 1923 bestand, und damit die Parteizeitungen auch als gleichzeitige Staatszeitungen. So analog verläuft die Geschichte leider nicht. Wie ein Zentralorgan konkret auszusehen hat und welche Aufgabe es erfüllt, das muss man anhand der konkreten Aufgaben und dem Charakter einer Organisation bemessen (Größe der Organisation, technische Ausrüstung, Arbeitsgebiete, Themengebiete, usw.).
Jede Organisation hat ihre ihre eigenen Ansichten, meiner Erfahrung aber kommt keine drum herum, ein Zentralorgan einzurichten, dass auch zur Erhöhung des Organisationsgrades der Mitglieder dient.

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Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
Ein System kann aber nur aus einem Kopfe entspringen; also muß es aus dem des Herrschers hervorgehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mo 19. Nov 2007, 17:42 
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Pavel hat geschrieben:
Ich will sagen: Man sollte sich also weniger an der "linken" Bewegung orientieren, als vielmehr an der kommunistischen und Arbeiterbewegung (Gewerkschaften etc.).


@Pavel, als altgedientem Gewerkschafter würde es mich sehr interessieren, wie du die Rolle der Gewerkschaften im Klassenkampf einschätzt. Bzw. die Möglichkeiten, wie man deiner Ansicht nach Gewerkschaften beinflussen könnte, neben dem Kampf für die Interessen der eigenen Mitglieder auch einen politischen Kampf zu führen.

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"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nutzen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht."

Nikolai Ostrowski


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Mo 19. Nov 2007, 19:43 

Beiträge: 2008
Selbstverständlich braucht es eine Zeitung neben den heutigen Möglichkeiten des Internets. Nicht nur, weil nicht jeder PC und INet hat.

Ich lese, zumindest umfangreiche Abhandlungen lieber in gedruckter Form, als am Bildschirm. Ich kenne etliche Mitmenschen, denen geht es genauso.
Meine Randbemerkungen machen sich auf dem Bildschirm auch nicht so gut, wie an einem Zeitungsrand. ;)

Letztendlich war das auch ein Grund, offen-siv zu abbonieren. Wer das noch nicht getan hat und sich fürs neue Jahr was Gutes tun will, sollte schnellstmöglich den Genossen dort eine entsprechende Mail schicken. :opa:
Noch besser ist selbstverständlich, dem offen-siv Freundeskreis beizutreten. Das stärkt die Unabhängigkeit dieser wunderbaren Mannschaft. :redstar164: :redstar164: :redstar164:

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
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Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: KPD/RO
BeitragVerfasst: Do 22. Nov 2007, 18:29 
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Beiträge: 353
Zitat:
@Pavel, als altgedientem Gewerkschafter würde es mich sehr interessieren, wie du die Rolle der Gewerkschaften im Klassenkampf einschätzt. Bzw. die Möglichkeiten, wie man deiner Ansicht nach Gewerkschaften beinflussen könnte, neben dem Kampf für die Interessen der eigenen Mitglieder auch einen politischen Kampf zu führen.


Ich habe nicht viel Zeit und wenig Erfahrung in der Gewerkschaftsarbeit. Da du nach eigenen Aussagen altgedienter Gewerkschafter bist, kannst du vielleicht besser etwas zur aktuellen Situation schreiben.

Von mir nur soviel:
Im Grunde ist Gewerkschaftsarbeit so ziemlich eins der wichtigsten Arbeitsfelder für Kommunisten. Das haben alle wichtigen Kommunisten (Lenin, Thälmann z.B.) auch immer wieder betont.
Wie die Gewerkschaften, in denen heute ausnahmslos der Sozialdemokratismus vorherrscht, beeinflussbar sind, das hat mit Sicherheit jeder vor Ort selbst zu entscheiden. Allerdings kommt meiner Meinung eine kommunistische Organisation nicht darum herum, in den Gewerkschaften arbeiten, u.a. auch, weil es ein Prüfstein für die eigene Organisation ist.
Die meisten der heutigen Kleingruppen können gerade deswegen in der Theorie so konsequent sein (bzw. das was sie für konsequent halten), weil sie sich nur auf "linken" Demos und ähnlichem Rumtreiben, wo sie meist nur auf Leute treffen, die zumindest auf irgendeine Weise antifaschistisch/antiimperialistisch denken. Damit gehen sie im wesentlichen dem Opportunismus in Form der Sozialdemokratie aus dem Weg. Ich bin mir sicher, ein Großteil der heutigen Anti-Revisionisten würde relativ schnell umfallen und einknicken, wenn sie nur mal mit dem "echten Leben" zu tun kriegen würden.
Opportunismus zeigt sich nicht unbedingt in einer bestimmten Haltung zu Stalin, sondern in der Arbeitshaltung, die man u.a. gegenüber den Sozialdemokraten einnimmt. Die KPD(Ost) ist doch ein Beispiel dafür. Kaum eine Organisation hat so viel zur Aufklärung über Stalin beigetragen. Als aber die Linkspartei im Aufwind war, versucht man sich an diese und Kräfte wie Rotfuchs dranzuhängen. Und das schlägt sich mittlerweile in ihrer Ideologie wieder.

Leider sind heute kaum noch Kommunisten in den Gewerkschaften verankert. Die MLPD setzt ja lieber auf Montagsdemos und soweit ich das beurteilen kann, verliert die DKP ihre Gewerkschaftsaktiven allmählich. Wie es aber in der DKP genau aussieht mit Gewerkschaftsarbeit, das müsste ich auch gerne.

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