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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Di 14. Okt 2008, 00:44 
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Ich entnehme dem Punkt IV. - Unser Weg zum Sozialismus - des DKP-Programms folgende Passagen. Sie alle laufen darauf hinaus, dass eine bürgerlich-demokratische Protestbewegung gebildet werden muss, um die Monopole zu beseitigen. Doch Schritt für Schritt.





Zitat:
Heute geht es zunächst um die Verteidigung der im Grundgesetz verankerten Grundrechte, um die Verteidigung sozialer und demokratischer Errungenschafrten gegen die neoliberale Kahlschlagpolitik von Kabinett und Kapital, um die Wiederherstellung und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen gegen ihre Bedrohung durch das ungezügelte Profitstreben, um die Verteidigung des Friedens gegen die Kriegspolitik des US-Imperialismus und gegen die Großmachtpolitik des deutschen und EU-Imperialismus.


Abgesehen davon, dass ich keinen wirklichen Unterschied machen würde zwischen "Kriegspolitik" und "Großmachtstreben" (was so klingt, als würden die europäischen Imperialisten ohne Kriege Großmacht werden wollen und können), ist hier der Ausdruck EU-Imperialismus zu finden, den ben1 in dem KI-Faden als revisionistisch gegeißelt hat.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dieser Ausdruck in Ordnung geht, wenn man sich bewußt ist, dass Europa kein einheitlicher Block ist. Tatsache ist, dass ich mir bei der KI sicher bin, dass sie daraus keine krumme theoretische Nummer drehen. Bei der DKP dagegen kann man sich nicht sicher sein, und zwar deswegen...


Zitat:
Die Vernetzung der Kämpfe und Bewegungen über Ländergrenzen hinweg kommt unter den Bedingungen der Globalisierung eine immer größere Bedeutung zu.
Die DKP geht davon aus, dass die Spielräume für soziale und demokratische Reformen infolge der weltwirtschaftlichen Verflechtungen und der Macht der Transnationalen Konzerne und des Wegfalls des politischen Reformdrucks mit dem Ende des realen Sozialismus in Europa heute außerordentlich eng geworden sind. Das bedeutet nicht, dass die Kommunisten den Kampf um Reformen aufgeben. Reformpolitik kann der politischen Konfrontation mit der Macht des Großkapitals, besonders des Transnationalen Kapitals, nicht ausweichen, sondern muss auf sie orientieren. Das erfordert zumindest Eingriffe in die Verfügungsgewalt des Kapitals und wirft die Eigentumsfrage auf. Herkömmliche soziale und demokratische Reformmen rücken so näher an die Notwendigkeit grundlegender antimonopolistischer Umgestaltungen heran.


1. "Globalisierung", "Neoliberalismus" und anderer attac-Slang halte ich für schlechten Sprachgebrauch.
2. Obwohl die DKP glaubt, dass der Spielraum für Reformen außerordentlich eng ist (ausnahmsweise mal eine richtige Aussage), glaubt sie nicht nur, dass diese Reformen Erfolge bringen können, sondern sie glaubt auch noch, dass eine ganze eigenständige Etappe der Revolution (siehe weiter unten) dabei herausspringt. Wie reimt sich das zusammen?
Und bevor mir jetzt ein ganz ein kluger, lang-studierter Marxist-Leninist ans Bein pinkelt: ich weiß um die Notwendigkeit des Kampfes um Reformen. Allerdings geht es dabei in der Hauptsache um die Herausbildung von Klassenbewußtsein durch den alltäglichen Kampf und um die Bewahrung der bisher erkämpften Löhne, Arbeitszeitsenkungen und dergleichen, um die Kommunisten überhaupt materiell dazu zu befähigen, Kämpfe zu führen. Die DKP schürt allerdings Illusionen, dass damit mehr erreicht werden könnte.
3. Die Eigentumsfrage wird nicht erst durch "soziale Reformen" oder "Eingriffe in die Verfügungsgewalt des Kapitals" aufgeworfen. Nicht die Praxis, sondern die marxistische Theorie wirft das auf.
4. "Transnationale Konzern" wird zweimal genannt, kann also noch nicht mal ein einzelner Patzer sein. Die Verwendung des Begriffes hat Methode und führt natürlich früher oder später zu Kautsky. Zumal sie auch ständig von den "immer größer werdenden Verflechtungen" schreiben. Die derzeitige Finanzkrise zeigt natürlich ganz anschaulich, wie "transnational" die Konzerne wirklich sind. Nur weil die Konzerne international tätig werden, heißt das noch lange nicht, dass sie ihrem Nationalstaat Lebewohl sagen.
In der jungen Welt vom 10.10.08. fand sich ein netter Artikel dazu, wie jetzt alle Nationalstaaten anfangen, sich wirtschaftlich voneinander abzugrenzen, um die Krise im eigenen Land möglichst gering zu halten (vor allem durch verschiedenartige Rettungspakete). Das war 1929 auch schon so und hat die Krise nur noch weiter angeheizt, weil Export und Import aller Länder auch eingebrochen sind.


Zitat:
Effektivität der Wirtschaft darf nicht in der Rentabilität des Kapitals und in den Kennziffern der internationalen Konkurrenzfähigkeit gemessen werden, sondern muss sich an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Mehrheit der Bevölkerung orientieren. [Es folgen einige sozialdemokratische Reformvorschläge]

Es geht um:

- die demokratische Einflussnahme auf den staatsmonopolistischen Regulierungsmechanismus im nationalen Rahmen wie im Rahmen der Europäischen Union und anderer internationaler staatsmonopolistischer Institutionen


Der Spielraum dafür ist zwar, wie wir von der DKP selbst erfahren haben, außerordentlich eng, aber hey! Muss nicht immer alles einen sinnvollen Zusammenhang haben in so einem Programm.
Und diese Rhetorik: "die Effektivität der Wirtschaft darf nicht in der Rentabilität des Kapitals..." Ist ja schön, was der Kapitalismus alles nicht darf, lieber wäre es mir aber, wenn die DKP erwähnen würde, das die Möglichkeit, die Effektivität der Wirtschaft nicht mehr nach Gesichtspunkten der Kapitalverwertung zu messen, erst im Sozialismus besteht. Tun sie aber nicht. Sie wollen die neue Effektivitätsbemessung nämlich herbeireformieren.

Es geht weiter:


Zitat:
Es geht um:

- Förderung solidarischer Verhaltensweisen gegen die Ellbogenmentalität...

- Die Durchsetzung von Bildungsinhalten im Erziehungswesen, die der Heranbildung kritisch denkender mündiger Staatsbürger dienen...

- die demokratische Kontrolle über die Entwicklung und Anwendung von Wissenschaft und Technik.


Dies nur als Beispiel, was für 08/15-Phrasen im DKP-Programm gedroschen werden.



Zitat:
In der vor uns liegenden Etappe kommt es darauf an, gesellschaftliche Kräfte weit über die Linke hinaus im Widerstand gegen die neoliberale Politik zu bündeln. [b]Allianzen verschiedener sozialer und gesellschaftlicher Kräfte, die sich an verschiendenen Fragen immer wieder neu bilden und in denen die Arbeiterklasse die entscheidende Kraft sein muss...
Wenn aus diesen Allianzen stabile Bündnisbeziehungen und ein fester gesellschaftlicher und politischer Block gegen den Neoliberalismus entwickelt wird, dann können die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse so verändert werden, dass der Kampf um gesellschaftliche Alternativen eine reale Perspektive bekommt.

Die DKP hält es für möglich und notwendig, dass im Ergebnis des antimonopolistischen Kampfes solche und anderer antimonopolistisch-demokratische Umgestaltungen durchgesetzt werden, die zur Zurückdrängung der Allmacht des Monopolkapitals und zur Erweiterung der Einflussnahme der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten führen und so dazu beitragen können, den Weg für den weiteren Kampf um den Sozialismus freiizumachen.

Dieser Kampf kann in antimonopolistische Übergänge einmünden. Vorraussetzung dafür ist, dass der antimonopolistische Block über so viel außerparlamentarische Kraft und parlamentarischen Einfluß verfügt, dass er eine die gemeinsamen Interessen vertretende Regierung bilden kann. [/b]


1. "Allianzen verschiedener sozialer und gesellschaftlicher Kräfte, die sich immer wieder neu bilden" - Geht es noch schwammiger, noch unpräziser? Was für ein dumm-dreistes Vertrauen in die bürgerliche Demokratie herrscht da, dass man meint, in jeder tagespolitischen Frage müssten sich halt einfach alle Kräfte zusammentun, die dieses oder jenes gemeinsame Ziel anstreben und dann wird sich das schon durchsetzen können.

2. "Wenn aus diesen Allianzen stabile Bündnisbeziehungen und ein fester gesellschaftlicher und politischer Block gegen den Neoliberalismus entwickelt wird" - Im Satz davor wurde noch behauptet, dass diese sich ständig neu bilden, jetzt werden daraus stabile Bündnisbeziehungen gegen den Neoliberalismus (natürlich nicht den Kapitalismus, wo kämen wir denn da hin?). Wie diffus. Als hätten die bürgerlichen Protestbewegungen keine sich teilweise widersprechende Interessen.
Was sie damit sagen wollen: alle bürgerlichen Protestbewegungen wollen natürlich auch keinen Neoliberalismus, also keinen Monopolismus und sind alle für Demokratie. Was die Begriffe bedeuten und wie sie die einzelnen Protestbewegunen auffassen wollen, ist natürlich egal, hauptsache man will es g e m e i n s a m. Dann wird alles gut werden.

3. Oh, die Allmacht der Monopole kann gebrochen und ein Übergangsstadium der antimonopolistischen Demokratie geschaffen werden. Und zwar allein durch den Druck der antimonopolistischen Reform-Bewegung inner- und außerhalb des Parlaments.
Ich hab dazu eine Frage: wenn man mittels solch eines halb-bürgerlichen, halb-arbeiterklassigem Bündnisses gegen den Neoliberalismus die Allmacht der Monopole brechen kann - warum braucht man dann überhaupt noch einen getrennten Übergang zum Sozialismus. Kann dann nicht gleich der Sozialismus aufgebaut werden, wenn die Monopole entmachtet sind??
Und was bitte heißt "Allmacht"? Und wie ist es möglich, dass die transnationalen und globalisierten und verflochtenen Konzerne sich von der anti-neoliberalen Bewegung eines Landes in die Knie zwingen lassen?



Fragen über Fragen, und dabei habe ich erstmal nur einen Abschnitt des DKP-Programms behandelt. Ich kann noch mehr solchen Unfug zitieren, wenn jemand immer noch glauben will, dass die DKP die einzig wahre marxistisch-leninistische Partei ist.

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Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
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Friedrich der Große


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Fr 17. Okt 2008, 17:34 

Beiträge: 29
Genossen, leider fehlt mir gerade die Zeit für eine ausführliche Beantwortung. Danke erneut für die vielen Reaktionen. Ich möchte aber gleich klarstellen „verarschen“ will ich hier niemanden. Es ist auch berechtigt zu kritisieren, dass ich bezüglich des EU-Imperialismus auch explizit die DKP kritisieren müssen. Ich habe ja nur einmal geschrieben, dass ich z.T. erhebliche Kritiken an den Mehrheitspositionierungen in der DKP habe. Es ist aber dennoch ein Unterschied, wenn man eine neue Organisation aufbaut oder ob man von einer Organisation, mit zugegegeben einigen inhaltliche Problemfeldern, spricht. Denn bei letzerem muss auch die Geschichte der Organisation, also hier der DKP beachtet werden. Das die DKP so Programmatik positioniert hat, ist in der Tat schlecht und falsch. Es ist aber auch in ihren Schwächen zu sehen. Eine neue Organisation sollte sich aber dadurch auszeichnen das sie Fehler von bestehenden Organisationen nicht übernimmt.
Ein fehlerhaftes Verhältnis zur EU (die es damals aber so gar noch nicht gab), lasst sich schon in Reden von dem damaligen DKP-Vorsitzenden Herbert Mies, in den Jahren 1979 durch die Zeilen andeutungsweise lesen (hier spreche ich Schriften an, die in dem Buch von Herbert Mies: Zur Politik der DKP, geschrieben wurden).
Es ist aber auch so, dass auch ein schlechtes Programm nichts taugt, wenn es nicht umgesetzt wird. Diesbezüglich sollten diejenigen die DKP- Programmatik zitiert haben, sich die aktuelle Positionierung ansehen. Also in den bisher erschienenen Texten zur EU-Wahl, dem EU-Wahlprogramm etc. taucht nicht einmal das Wort EU-Imperialismus auf, dies ist also desbezüglich durchaus gut.
Ben1


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Fr 17. Okt 2008, 18:40 
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Beiträge: 628
Die Veröffentlichungen die Du ansprichst, meiden das Wort EU-Imerialismus aber nicht aus einer besonders reflektierten Analyse der unterschiedlichen Interessen der EU-Mitgliedsstaaten heraus. Im Gegenteil: Teile der DKP glauben anscheinend - wie vor kurzem erst in der UZ zu lesen war - die EU mit linken Inhalten umzugestalten bzw. über das EU-Parlament progressive Politik machen zu können.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Mo 20. Okt 2008, 09:26 

Beiträge: 29
Hallo OPC, ich vermute mal das Du die gleiche UZ-Ausgabe meinst, wie ich. Also die Ausgabe vom 10.Oktober 2008.
Es stimmt, dass zu den unterschiedlichen Interessen innerhalb der EU nichts wesentliches gesagt wird. Es wird aber durchaus das Wesen der EU, deren imperialistischer Charakter angesprochen.
Der zweite Aspekt von Dir ist ja im Prinzip der Vorwurf eines Reformismus über das Parlament. Dies ist jedoch keine Position des Parteivorstands. Deshalb würde mich interessieren auf welchen Text/ Textabschnitt Du dich konkret beziehst. Es stimmt das in den Positionen der DKP zur Wahl des EU-Parlaments (S. 13): ein Mitbestimmung auf allen Ebenen von Wirtschaft und Gesellschaft gefordert wird. Dies verstehe ich aber im Textzusammenhang als Übergangsforderung.
Sehr richtig heißt es dann aber „Der imperialistische Charakter der EU-Konstruktion macht jedoch die Erwartung illusorisch, diese Europäischen Union könne ohne einen grundlegenden Umbruch in den gesellschaftlichen Veränderungen zu einem demokratischen, zivilen und solidarischen Gegenpol zum US-Imperialismus werden“. Also der DKP-Vorstand positioniert sich hier für die Notwendigkeit der Revolution als Voraussetzung… für, wie es in der Überschrift heißt „sozialistisches Europa“.
Und will die DKP dies über Wahlen erreichen? Nein: „Es kann nur im Rahmen eines langfristig angelegten politischen Kampfes zustande kommen, durch das Stärkerwerden großer außerparlamentarischer Bewegungen, durch fas Anwachsen von Volksbewegungen, die zu veränderten politischen Kräfteverhältnissen in Europa führt.“
Und auch Heinz Stehr positioniert sich in den Auszügen seiner Rede von der 3. Tagung des Parteivorstandes (abgedruckt auf S. 15) so. Sein Ziel ist die Schaffung von Allianzen, einen Beitrag bei der Bewusstseinsentwicklung im Wahlkampf zu leisten, die DKP zu stärken usw. Und Genosse Stehr schürt auch keine Illusionen in ein mögliches Wahlergebnis. Er sagt, dass man vermutlich auch nicht ein wesentlich anderes Ergebnis als die bereits mal erzielten 35.000 Stimmen bekommt. Er spricht auch die Notwendigkeit eines „revolutionären Bruchs“ an. Und ohne Illusion sagt er: dass man dieses Vorhaben bei den anstehenden Wahlen nicht erreichen wird.
Ich denke es ist bei einer Diskussion über die DKP schon wichtig, die Positionen richtig darzustellen. Die DKP ist nicht auf dem Weg zu einer Wahlpartei. Die DKP ist weiter für die Entwicklung des Außerparlamentarischen Kampfes, für die Revolution.
Ben1


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Mo 20. Okt 2008, 17:01 
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Beiträge: 353
@ben1:

Mal abgesehen von der Sache mit dem EU-Imperialismus, die mich jetzt wirklich nicht so interessiert: du bist noch nicht auf die anderen Dinge eingegangen, die ich geschrieben habe.
Was hältst du denn davon, dass im DKP-Programm selbst des öfteren von "transnationalen Konzernen" die Rede ist und dass die DKP ein Übergangsstadium der "antimonopolistischen Demokratie" konstruiert?

Ich lese die UZ nicht, kenne also den genauen und ausführlichen Wortlaut der Ausgabe nicht, auf die ihr euch bezieht. Aber was du daraus zitierst, bestärkt mich sehr in meiner Meinung. Nehmen wir es uns mal genau vor:

Zitat:
Sehr richtig heißt es dann aber „Der imperialistische Charakter der EU-Konstruktion macht jedoch die Erwartung illusorisch, diese Europäischen Union könne ohne einen grundlegenden Umbruch in den gesellschaftlichen Veränderungen zu einem demokratischen, zivilen und solidarischen Gegenpol zum US-Imperialismus werden“. Also der DKP-Vorstand positioniert sich hier für die Notwendigkeit der Revolution als Voraussetzung… für, wie es in der Überschrift heißt „sozialistisches Europa“.


Stehr spricht hier, dass ein grundlegender Umbruch in den gesellschaftlichen Veränderungen erfolgen müsse. Du sagst dazu, dass Stehr natürlich die Revolution meint und nichts anderes.
Aber warum sagt er dann nicht einfach, dass ohne Revolutionen Europa nicht sozialistisch werden kann? Warum diese umständliche und ganz und gar schwammige Rhetorik mit dem "grundlegenden Umbruch".
Wenn man von einem "grundlegenden Umbruch" spricht, ist da ja noch keine Aussage enthalten, die auf die Art und Weise des Übergangs schließen lässt. Es verundeutlicht die Theorie, macht sie schwammiger und damit "mehrheitsfähiger".
Eine ganze Reihe von Aussagen aus dem DKP-Programm und von den Aussagen der Führungspersönlichkeiten sind genauso strukturiert und zielen darauf ab, durch solche schwammigen Aussagen sowohl die Reformlinken nicht abzuschrecken (indem man direkt von Revolution spricht), aber auch nicht die altgedienten Mitglieder abzustoßen, indem man Aussagen formuliert, die sowohl den Reformern gefallen als auch von den marxistischen Mitgliedern so interpretiert werden können, dass sie zufrieden sind und das für marxistisch richtig halten.
Tut mir leid, aber ich finde, du bist da ein recht gutes Beispiel dafür. Du willst die DKP für eine ordentlich marxistische Partei halten und übersiehst dabei, dass durch solch eine ungenaue Rhetorik die Theorie der DKP langsam aufgeweicht wird. Stehr spricht nicht von Revolution, du interpretierst ihn aber so, als würde er. Genau so etwas leistet dem Revisionismus Vorschub, der ja meist langsam und unbewußt daherkommt. Das fängt bei solch einer Rhetorik an.

Zitat:
Und will die DKP dies über Wahlen erreichen? Nein: „Es kann nur im Rahmen eines langfristig angelegten politischen Kampfes zustande kommen, durch das Stärkerwerden großer außerparlamentarischer Bewegungen, durch fas Anwachsen von Volksbewegungen, die zu veränderten politischen Kräfteverhältnissen in Europa führt.“


Durch außerparlamentarische Bewegungen allmählich die politischen Kräfteverhältnisse in Europa ändern - das ist doch auch wieder so zäh und kaugummi-artig. Was ist denn damit ausgesagt? Damit könnte sich sowohl ein Sozialdemokrat als auch ein langjähriger Marxist identifizieren (wenn er es so sieht, wie er es sehen will).

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Friedrich der Große


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Fr 24. Okt 2008, 21:22 

Beiträge: 29
S. spricht ja auch von einem "revolutionären Bruch", das war auch ein Zitat. Das z.T. das etwas umschrieben wird, hat mit der Geschichte zu tun. Ich finde das nicht gut, aber keiner kann unterstellen das etwas anderes gemeint ist.
Es stimmt das es noch einiges schwamminges etc. gibt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Mi 29. Okt 2008, 21:30 
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Beiträge: 40
ben1 hat geschrieben:
S. spricht ja auch von einem "revolutionären Bruch", das war auch ein Zitat. Das z.T. das etwas umschrieben wird, hat mit der Geschichte zu tun. Ich finde das nicht gut, aber keiner kann unterstellen das etwas anderes gemeint ist.
Es stimmt das es noch einiges schwamminges etc. gibt.


Wenn du einsiehst, dass es schwammige Formulierungen seitens der DKP-Führung gibt, warum fragst du dich dann nicht, warum das so ist?

Eine marxistisch-leninistische Partei hat doch eben eine klare Positionierung zu haben und somit auch im Ausdruck eine deutliche Sprache zu sprechen!

Verstehst du?

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"Konkrete politische Aufgaben muß man in einer konkreten Situation stellen."

W. I. Lenin


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Do 30. Okt 2008, 09:05 

Beiträge: 29
Hallo! Wer sagt, das ich mich das nicht frage. Natürlich frage ich mich sowas. Genauso wie ich mich geschichtlich frage, warum die KPD nach ihrer Gründung zunächst sehr schwamming zur Parlamentsfrage geäußert hat, und dies in einer sektiererischen Weise (komplette Ablehnung). Klar sollte eine KP klare und richtige POsitionen haben, aber man muss alles in seiner Entwicklung sehen. Die KPD hat ihre Positionen einst richtig korrigiert und dies ist bei der DKP auch nicht ausgeschlossen


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Do 30. Okt 2008, 10:44 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
mit dem Unterschied dass die DKP schon seit ihrer Existenzgründung schwammig äußert. Mit der Auffälligkeit, dass je älter die Partei wird, desto schwammiger wird sie ...

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Fr 31. Okt 2008, 07:03 

Beiträge: 29
Nein, das stimmt so nicht. Es ist kein Unterscheid das es bei der DKP-ründung schon schwammige Äußerungen gab. Die per se Ablehnung die Parlamente in Lenins Sinne zu nutzen gab es bei der KPD auch bereits bei der Gründung. Das Programm der KPD (von 1918/19) ist auch nicht gerade in allen Bereichen unschwammig.
Ich sehe auch nicht in welchen Punkten die DKP in den Jahren "schwammiger" geworden wäre. Sie blib in ihren Positionierungen, soweit ich dies bisher an den Dokumenten ihrer Parteitage prüfen konnte) relativ konstant, was kein Grund zu Luftsprüngen ist, aber eine Verschlechterung sehe ich nicht. Führe bitte mal die Punkte an in denen sie schwammiger wurde.


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 Betreff des Beitrags: H.H. Holz steigt aus Matrxistischen Blättern aus
BeitragVerfasst: Do 11. Dez 2008, 13:18 

Beiträge: 29
nun mal eine nicht so schöne Nachricht.
Genosse. H.H. Holz ist aus den marxistischen Blätter ausgestiegen. - Er wollte dies vor einierg Zeit schon mal, aber die Readktion hatte ihn gebeten zumindest formell drin zu bleiben. Holz tat dies aus Solidarität.

Doch als er eine Erwiederung auf das Heft des marxistischen Forums "Die Legende von der revisionistischen Wende" in den Marxistischen Blätter veröffentlichen wollte, wurde ihm das nicht gestattet, mit der scheinheiligen Begründung, dass die Leser nicht in der Debatte des MF ständen und somit nicht wüßten worum es ginge.

Da ihm also keine Solidatität entgegengebracht wurde, den seine Position wurde ja inhaltlich vom MF angegriffen, trat er aus.

Es bleibt abzuwarten was dies nun für die DKP bedeutet, ob es zum offenen Kampf der Linien kommt. Leider geht es Holz gesundheitlich sicher nicht so, dass er gerade Hochleistungen in einem solchen Kampf erbringen konnte, aber in der Zeitung T&P schreiben ja gute Leute.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Do 11. Dez 2008, 14:17 

Beiträge: 132
Hallo, also findest Du solche Erscheinungen wirklich neu bei der DKP?


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Do 11. Dez 2008, 16:35 
Träger des Agitprop-Stalinorden
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Beiträge: 628
Zitat:
Hallo, also findest Du solche Erscheinungen wirklich neu bei der DKP?

Na ja, daß HHH seine Mitarbeit bei den Marxistischen Blättern einstellt ist eigentlich schon neu. Eigentlich ist es sogar das erste Mal...

ben1, liegt seine Stellungnahme dazu bereits vor? Da ich die MB nicht beziehe, weiß ich nur von Hörensagen, daß dort auf seinen Ausstieg Bezug genommen wird.

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Die Andersdenkenden haben Rosa Luxemburg umgebracht - D.W.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Fr 12. Dez 2008, 13:32 

Beiträge: 29
Liebe/r OPC, danke für die sachliche und interessierte Nachfrage. Es gibt eine kurze Erklärung in den den MB abgedruckt ist (Nr. 6/08) die dann die Redaktion der MB kommentiert. Sinngemäß habe ich dies wiedergegeben

Gen. H.H. Holz hat geschrieben (in den MB steht aber das er u.a. geschriben hat, d.h. sie haben wohl die Erklärung nur in einem Ausschnitt zitiert!):

"Seit Jahren habe ich mehrfach mitgeteilt, dass ich wegen der Belastung durch die intensive Mitarbeit am Parteiprogramm und auch wegen meines angeschlagenen Gesundheitszustandes zu einer aktiven Mitarbeit im Herausgeberkreis nicht mehr in der Lage sei und habe meinen Rücktritt angeboten. Stets wurde ich gebeten, auch in deaktiver Form Mitglied zu bleiben. Aus Solidarität bin ich der Bitte gefolgt. Solidarität funktioniert aber wechselseitig. Dass mir in den Organen meir Partei die Möglichkeit verweigert wird, mich gegen Angriffe zu wehren, empfinde ich aus einen Bruch der Solidarität" Quelle: Marxistische Blätter 6/08 - Seite 4

Vermutlich wird es aber in T&P eine Antwort auf die Rekations-Kommentare geben, so wie dies in anderen Fällen schon erfolgte


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Fr 12. Dez 2008, 20:17 
Meister des virtuellen Pinsels
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Beiträge: 688
Interessant ist derzeit auch die Debatte bezüglich der Europawahl,
( UZ – Seite 12 - Diskussionstribüne ), wobei ich es erschreckend finde, in wie weit die Anti EU/NATO Positionierung der Berliner DKP in der aktuellen ( Nr. 50 - 12.Dez. 08 ) Ausgabe angegriffen wird. Nach Thomas Hagenhofer scheint ja die EU ein richtiges und echtes Kampffeld zu sein... man fragt sich welche Ziele hier verfolgt werden, oder sich vorgestellt werden, würden wir es denn tatsächlich geschafft haben im deutschen Staat die Macht zu übernehmen, weiß doch jeder wie die EU und die NATO reagieren werden, es ist gerade zu illusorisch an eine Art gutwilliges Verhältnis zu glauben... die EU und NATO werden genauso friedlich und wohlwollend zu uns sein wie einst zwischen 1945 bis 1991...

Wer die letzten 3 Ausgaben der UZ hat, kann ja mal rein schauen, wobei natürlich gut ist, dass überhaupt diskutiert wird.

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"Alle Menschen von Genie, alle jene, die sich in der Republik des Geistes einen Namen gemacht haben, sind Franzosen, ganz gleichgültig, in welchem Land auch immer sie geboren wurden."
- Napoleon -


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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Fr 19. Dez 2008, 19:54 
Träger des Agitprop-Stalinorden
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Beiträge: 628
Zwei Links zur - meiner Meinung nach guten - Position der DKP-Berlin in der auch oben diskutierten EU-Frage:
Einmal einen Alternativentwurf für ein Wahlprogramm der DKP zur Europawahl und eine Stellungnahme des Sekretariats der DKP Berlin dazu.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wieder mal zur DKP
BeitragVerfasst: Sa 10. Okt 2009, 16:31 

Beiträge: 9
Für den ein oder anderen User vielleicht recht interessant: http://www.debatte.kommunisten.de/.


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