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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Mo 27. Jul 2009, 15:19 

Beiträge: 105
Nur die Einheit der Kommunisten fordern, ist doch recht abstrakt. Auf welcher Grundlage soll denn die Einheit geschaffen werden? Soll man sich in der Praxis zusammen finden oder nur auf dem Papier? Wieweit sind denn die Mitglieder der KI in der sozialen oder ökologischen Bewegung engagiert? Kennen denn die Mitglieder der KI konkret die Probleme und Nöte z.B. der ALG-II-Empfänger? Können sie daraus praktische Politik machen?

Nehmen wir mal die KPF in Zittau und Umgebung. Die alten Herren können zwar Veranstaltungen organisieren mit Themen, ob eine Revolution friedlich oder unfriedlich ablaufen soll, aber wenn es um die Bekämpfung der sozialen Mißstände geht, dann sind sie nicht zu sehen. Ähnliches kenne ich von DKP-Mitgliedern aus Brandenburg, die meinten, sie wären die besseren Marxisten-Leninisten, und die sich jetzt um die KI kümmern. Weil sie sich in der Praxis nicht bewegen werden sie kaum noch ernst genommen und verlieren jeglichen Einfluß. Was soll eine sich kommunistisch nennende Bewegung, wenn sie ein Sammelbecken für solche Leute ist?

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Lesen, lesen und nochmal lesen!
Es gibt noch einen kommunistischen Verlag und Versand, den zu besuchen sich lohnt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Di 28. Jul 2009, 06:58 

Beiträge: 2008
Auf welcher Grundlage?
Nun, da sind die Dinge für einen Minimalkonsens in der KI doch aufgeführt.
Das Geraer Manifest gibt es auch richtig wieder.
Ich verstehe daher diese Frage nicht.

Eine kommunistische Partei mit der Zielsetzung, den Sozialismus und Kommunismus aufzubauen hat damit auch das Ziel, die Grundlagen für die heutigen sozialen Mißstände zu beseitigen. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, in der DDR einen HarzIV-Empfänger getroffen zu haben.

Hätten die heutigen kommunistischen Kräfte keine Ahnung oder Informationen über die sozialen Mißstände des Kapitalismus, ja worin bestände denn dann die Motivation für sie? Aber wenn es beruhigt, ich kenne einige der Genossen, die HartzIV selbst erlebt haben. Darunter auch welche, die aktiv dagegen Demos organisiert haben.

Wenn es gelänge, die Zersplitterungen zu überwinden, wären sicher die Möglichkeiten besser, auch in diesem Bereich noch aktiver zu werden. Doch bitte nicht vergessen. Die grundsätzlichen Aufgaben von Kommunisten sind nicht in erster Linie, Anti-HIV-Demos zu organisieren, sondern das Bewußtsein der werktätigen Massen zu schulen um eine erfolgreiche proletarische Revolution herbei zu führen.

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Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Di 28. Jul 2009, 10:30 

Beiträge: 9
kortschagin hat geschrieben:
Ich zitiere mal den Antrag im PV der DKP:
Zitat:
Da die DKP in dem Aufruf „Schafft die Kommunistischen Initiative in Deutschland“ als revisionistische Partei charakterisiert wird, die mit der „Annahme eines revisionistischen Parteiprogramms .. einer noch offener revisionistischen Politik und Programmatik eine Basis gab“ *), beinhaltet die Unterstützung der »Kommunistischen Initiative« demzufolge den Kampf gegen die Programmatik und Politik der DKP. Laut Statut der DKP kann jemand Mitglied nur sein, wer die „programmatischen Ziele und das Statut der Partei anerkennt und regelmäßig seinen Beitrag entrichtet. Mitglieder der DKP können nicht zugleich Parteien, Vereinen, Organisationen und Einrichtungen angehören, deren Ziele gegen die Partei gerichtet sind.“ (Statut der DKP, Artikel 1)
Deshalb sind eine Unterstützung der »Kommunistischen Initiative« und die Mitgliedschaft in der DKP nicht vereinbar.



Erwähnenswert ist vielleicht noch das Abstimmungsergebnis: Ja-Stimmen: 21 | Nein-Stimmen: 0 | Enthaltungen: 0

Weiterhin ohne Nein-Stimme fiel die Abstimmung über den Beschluss der Zurückweisung der Erklärung der DKP Sachsen-Anhalt zur Wahl des EU-Parlaments aus: Ja-Stimmen: 19 | Nein-Stimmen: 0 | Enthaltungen: 2

Einige mögen diese Ergebnisse bedauern; ist doch aus ihrer Sicht nun der gesamte PV revisionistisch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Di 28. Jul 2009, 14:29 

Beiträge: 2008
Was ein PV tut ist erst mal Sache des betreffenden PV. Das mag einem gefallen oder nicht.
Der PV ist aber nicht die Partei. Zur Partei zählen meines Erachtens auch die Mitglieder. ;)
Natürlich hat der PV Macht und Einfluß und seine Beschlüsse sind zunächst für die Mitglieder bindend.
Der PV hat damit auch die Verantwortung für seine Beschlüsse und deren Auswirkungen.
Welche Auswirkungen das auf die Mitglieder hat, kann ich heute nicht sagen. Ich will da gar nicht irgend etwas erwarten oder mutmaßen. Der Möglichkeiten gibt es viele.
Die Zeit wird zeigen, ob es die richtigen Beschlüsse waren und wie die Mitglieder darauf reagieren.
Es wird immer Mitmenschen geben, die keinen Ars... in der Hose haben und zu allem ihr Einverständnis geben und es wird auch immer Mitmenschen geben, die sich ihre eigene Meinung nicht nehmen lassen und dementsprechend reagieren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Di 28. Jul 2009, 19:20 

Beiträge: 9
gewe hat geschrieben:
Was ein PV tut ist erst mal Sache des betreffenden PV. Das mag einem gefallen oder nicht.
Der PV ist aber nicht die Partei. Zur Partei zählen meines Erachtens auch die Mitglieder. ;)


Also sollte, da es sich zweifellos um eine kommunistische Partei, der Lehre Marx, Engels & Lenin verbunden, handelt, nicht lieber versucht werden innerhalb der Partei Veränderungen (bspw. das Parteiprogramm betreffend) zu erringen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Di 28. Jul 2009, 21:58 
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Beiträge: 40
Apollon hat geschrieben:
gewe hat geschrieben:
Was ein PV tut ist erst mal Sache des betreffenden PV. Das mag einem gefallen oder nicht.
Der PV ist aber nicht die Partei. Zur Partei zählen meines Erachtens auch die Mitglieder. ;)


Also sollte, da es sich zweifellos um eine kommunistische Partei, der Lehre Marx, Engels & Lenin verbunden, handelt, nicht lieber versucht werden innerhalb der Partei Veränderungen (bspw. das Parteiprogramm betreffend) zu erringen?


Ob sich die Mitte der DKP noch dem verpflichtet fühlt, was manch Optimist innerhalb der DKP wohl denkt, mag dahingestellt bleiben.

Allerdings hat die Existenz der KI in der DKP schon mehr Bewegung ausgelöst als sie so genannte "Opposition". Wie lange ich das schon höre, von wegen man würde dem PV Widerstand leisten, das Programm verbessern und so weiter und so fort. Dabei ist doch der Witz der Sache ganz einfach der: Wenn die DKP-Führung sich dem Druck einiger, weniger, aufrechter Kommunisten in der DKP beugen würde, dann wäre sie vieles, aber keine ernstzunehmende kommunistische Partei. Was ihr fordert, ist eine Partei zu verändern, die Veränderungen per Definition nicht zulassen kann, denn dann könnte man ja Veränderungen zum Guten auch nicht verteidigen. So funktionieren Parteien ab einer gewissen Größe nun einmal. Und die Opposition ist weder in der Mehrzahl noch in der Führung der Partei, denn das müsste man sein, wenn man was durchsetzen will.

Gegenfrage, liebe DKP-Kenner: Was haltet ihr davon, was die DKP derzeit so alles zum Iran als Parole ausgibt? Fiel das denn keinem auf?

Wer mit der KI nicht einverstanden sein will, der kann das gerne tun, aber den Genossen die Illusion in den Kopf setzen, man könne eine ausgewachsene Partei ganz einfach zur Kursumkehr zwingen ist zumindest ein größeres Wagnis als eine KI Gründen.

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"Konkrete politische Aufgaben muß man in einer konkreten Situation stellen."

W. I. Lenin


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Mi 29. Jul 2009, 07:56 

Beiträge: 2008
Apollon hat geschrieben:
gewe hat geschrieben:
Was ein PV tut ist erst mal Sache des betreffenden PV. Das mag einem gefallen oder nicht.
Der PV ist aber nicht die Partei. Zur Partei zählen meines Erachtens auch die Mitglieder. ;)


Also sollte, da es sich zweifellos um eine kommunistische Partei, der Lehre Marx, Engels & Lenin verbunden, handelt, nicht lieber versucht werden innerhalb der Partei Veränderungen (bspw. das Parteiprogramm betreffend) zu erringen?


Keine Einwände meinerseits. Ich sehe diesen Prozessen sehr gespannt und mit erwartungsvoller Freude entgegen. Wenn es den Genossen gelingt, dies zu schaffen, dann bin ich gern bereit, mich vom Berufspessimisten zum Teiloptimisten zu wandeln. Also - Auf Auf in den Kampf ... :redstar161:

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Mi 29. Jul 2009, 12:02 

Beiträge: 9
Marinus hat geschrieben:
Ob sich die Mitte der DKP noch dem verpflichtet fühlt, was manch Optimist innerhalb der DKP wohl denkt, mag dahingestellt bleiben.

Wichtig ist, dass es überhaupt eine »Mitte« gibt, welche es, je nach dem ob man dies für geboten hält, zu beeinflussen gilt. Dies ist eben einer der Unterschiede zu einer politischen Sekte.

Marinus hat geschrieben:
Wie lange ich das schon höre, von wegen man würde dem PV Widerstand leisten, das Programm verbessern und so weiter und so fort. Dabei ist doch der Witz der Sache ganz einfach der: Wenn die DKP-Führung sich dem Druck einiger, weniger, aufrechter Kommunisten in der DKP beugen würde, dann wäre sie vieles, aber keine ernstzunehmende kommunistische Partei.

Aus welchen Gründen denn nicht mehr? Wenn es die wenigen, »aufrechten« Kommunisten (erst mal müsste geklärt werden, wer was unter »aufrecht« versteht) zu Stande bringen die Mehrheit von ihren Punkten zu überzeugen, sehe ich kein Problem.

Marinus hat geschrieben:
Was ihr fordert, ist eine Partei zu verändern, die Veränderungen per Definition nicht zulassen kann, denn dann könnte man ja Veränderungen zum Guten auch nicht verteidigen.

Eine Erläuterung dazu wäre nicht schlecht.

Marinus hat geschrieben:
So funktionieren Parteien ab einer gewissen Größe nun einmal.

Dann hätte sich der Revisionismus in der KPdSU, als Hauptursache für die Niederlage des Sozialismus (so wird es doch von Ihnen vertreten) nach Stalins Tod, gar nicht durchsetzen dürfen, oder?

Marinus hat geschrieben:
Und die Opposition ist weder in der Mehrzahl noch in der Führung der Partei, denn das müsste man sein, wenn man was durchsetzen will.

Parteien sind keine starre Gebilde.

Marinus hat geschrieben:
Gegenfrage, liebe DKP-Kenner: Was haltet ihr davon, was die DKP derzeit so alles zum Iran als Parole ausgibt? Fiel das denn keinem auf?

In dem Punkt teile ich die Sicht des PV.

Marinus hat geschrieben:
Wer mit der KI nicht einverstanden sein will, der kann das gerne tun, aber den Genossen die Illusion in den Kopf setzen, man könne eine ausgewachsene Partei ganz einfach zur Kursumkehr zwingen ist zumindest ein größeres Wagnis als eine KI Gründen.

Schreckten Kommunisten je vor Wagnissen zurück? Aufwendiger ist es allemal. Außerdem sollte die Richtung der Kursumkehr ebenso klar sein.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Mi 29. Jul 2009, 14:18 
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Apollon hat geschrieben:
Schreckten Kommunisten je vor Wagnissen zurück?


Niemals! http://www.manager-dj-lothar.de/

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Mi 29. Jul 2009, 16:28 
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Beiträge: 40
Nun, da habe ich mich wohl mal wieder zu verkürzt ausgedrückt. Vorweg erst einmal:

Apollon hat geschrieben:
Dies ist eben einer der Unterschiede zu einer politischen Sekte.


Wenn Sie damit die verschiedenen Arbeiten meinen, die ich für mir sympathische Organisationen erledige, so bitte ich, dies mir nicht so auszulegen, als würde ich damit irgendeine Linie einer dieser Organisationen oder gar die KI selbst vertreten. Ich bin lediglich hier und dort aktiv, nehme aber keine Funktionen wahr. Ich werde also im Folgenden meine private Einschätzung zu dieser Thematik vorstellen. Dieser Hinweis nur deshalb, weil - wie dieser Thread zeigt - öfters schon versucht wurde, Äußerungen aus diesem Forum der KI vorzuhalten und ich nur wenig Lust verspüre, dem allgemeinem Hang zur Gerüchteküche Wasser auf die Mühlen zu gießen.

Aber kommen wir doch zum Punkt:

Hier:

Apollon hat geschrieben:
Marinus hat geschrieben:
Wie lange ich das schon höre, von wegen man würde dem PV Widerstand leisten, das Programm verbessern und so weiter und so fort. Dabei ist doch der Witz der Sache ganz einfach der: Wenn die DKP-Führung sich dem Druck einiger, weniger, aufrechter Kommunisten in der DKP beugen würde, dann wäre sie vieles, aber keine ernstzunehmende kommunistische Partei.

Aus welchen Gründen denn nicht mehr? Wenn es die wenigen, »aufrechten« Kommunisten (erst mal müsste geklärt werden, wer was unter »aufrecht« versteht) zu Stande bringen die Mehrheit von ihren Punkten zu überzeugen, sehe ich kein Problem.

Marinus hat geschrieben:
Was ihr fordert, ist eine Partei zu verändern, die Veränderungen per Definition nicht zulassen kann, denn dann könnte man ja Veränderungen zum Guten auch nicht verteidigen.

Eine Erläuterung dazu wäre nicht schlecht.

Marinus hat geschrieben:
So funktionieren Parteien ab einer gewissen Größe nun einmal.

Dann hätte sich der Revisionismus in der KPdSU, als Hauptursache für die Niederlage des Sozialismus (so wird es doch von Ihnen vertreten) nach Stalins Tod, gar nicht durchsetzen dürfen, oder?

Marinus hat geschrieben:
Und die Opposition ist weder in der Mehrzahl noch in der Führung der Partei, denn das müsste man sein, wenn man was durchsetzen will.

Parteien sind keine starre Gebilde.


...finden sich doch die Details, die ich erklären möchte.

Zu dem Vergleich zwischen der Schieflage der DKP und dem Revisionismus in der KPdSU kann ich sagen, dass man hierbei sicherlich nicht ausser Acht lassen kann, dass wir hier über zwei völlig verschiedene Probleme sprechen. Auf der einen Seite haben wir in der DKP eine Anzahl von (von Aussen geschätzt) 20-30% der Mitglieder der DKP die keine Lust verspüren, den Kurs der DKP weiterhin mitzutragen und daher versuchen, Widerstand zu erzeugen. Wie die Abstimmungsverhältnisse weiter oben zeigen, scheinen diese vernünftigeren Mitglieder nicht sonderlich in den Führungsebenen der DKP vertreten zu sein. Auf der anderen Seite hatten wir mit der KPdSU eine Partei, die sich a) aus Millionen von Mitgliedern zusammensetzte, sich b) an der Spitze eines Landes befand und c) von oben herab anfing, zu faulen, wie das vielzitierte Sprichwort besagt. Wenn also der historisch beobachtbare Revisionismus in der KPdSU nun als Argument dagegen gelten soll, dass die Opposition in der DKP schlechte Karten in ihren Händen hält, so ist das eine unzulässige Gleichsetzung der DKP und der KPdSU und ihrer jeweiligen eigenen Umstände. Soviel zu diesem Einwand, meinen tat ich aber doch noch etwas anderes.

Ich wurde um eine Erläuterung gebeten, wie ich das mit der Partei, die sich nicht andauernd verändern können sollte meinte. Nun, die DKP ist eine, für die hiesigen umstände, große und alte Partei. Sie hatte viel Gegenwind seitens der Bourgeoisie zu ertragen. Apollon schrieb, Parteien seinen keine "starren Gebilde" und ich sage: Doch, das sind sie, sie müssen es sein. Wenn nun die Opposition in der DKP Erfolg haben würde und das aus der Unterzahl heraus und von "unten", dann würde das bedeuten, dass jede beliebige Strömung (die in jeder Partei stets in Vielzahl auftreten) in der Lage wäre, ihre eigene Haltung zur Generallinie der DKP zu machen. Das das nicht funktioniert, kann man also seit Jahren an der DKP beobachten. Denn natürlich sind, wenn man ehrlich ist, kommunistische Parteien auch immer in dieser Richtung abgesichert, will sagen, nicht nur die Masse der Parteimitglieder neigt dazu, den Kurs der Führung mitzutragen (historisch erwiesen, leider) sondern auch die Führung der Partei kennt Mittel und Wege, sich ihre Vorhaben nicht von den verschiedenen Flügeln der Partei strittig machen zu lassen. Auch das beobachtet man schon länger, ich erwähne nur den intelligenten Vorstoß zur EU-Wahl, der sag- und klanglos unterging und "ausdiskutiert" wurde, was nichts anderes bedeutet als dass diese Idee dem PV im Wege stand. Das war es eben, was ich mit "So funktionieren Parteien ab einer gewissen Größe nun einmal" meinte, und ich möchte hinzufügen, dass das auch wie eben erwähnt gleichzeitig eine Stärke der kommunistischen Parteien ist, nicht alles, was mit größerer Übersicht beschlossen wurde wieder zurücknehmen zu können.

Nun aber schreiben Sie noch, dass logischerweise erst einmal die Mehzahl der Mitglieder der DKP von den Punkten der Opposition überzeugt werden müssen. Das ist ein Thema, über das niemand genaue Vorhersagen zu treffen in der Lage ist. Meine Ansicht hingegen, wie im letzten Satz angekündigt, ist, dass es weniger unserer ohnehin schon arg begrenzten Kräfte kostet, ein Projekt wie die KI zu schaffen (welches übrigens der DKP per Definition eigentlich nicht im Wege steht aber gut...) als Mitglieder einer Partei zu überzeugen, die bisher recht ruhig das Treiben ihres PV ausgestanden haben und - bei Lichte betrachtet - auch ihre Parteidisziplin wahren möchten, was, wie immer, eigentlich ein Vorteil der kP's sein kann, wenn die oberste Ebene nicht gerade spinnt.

Apollon hat geschrieben:
Marinus hat geschrieben:
Gegenfrage, liebe DKP-Kenner: Was haltet ihr davon, was die DKP derzeit so alles zum Iran als Parole ausgibt? Fiel das denn keinem auf?

In dem Punkt teile ich die Sicht des PV.


Nun, ich leider nicht. Meiner Ansicht nach stellt sich die DKP nun offen auf die Seite der imperialistischen Interessen im Iran. Versteh mich nun bitte niemand falsch, es ist schwiereig in dieser Sache überhaupt eine gediegene Ansicht zu finden, aber die Interessen des Westens und die, die sie nun im Iran vertreten erkennt man doch noch. Wenn die bürgerliche Presse freudig von skandierten Rufen "Tod China, Tod Russland" aus der Oppositionsbewegung berichten kann, dann brauche ich wohl schon nicht mehr daruf hinweisen, was die bekannteren Figuren dieser Bewegung früher mit Kommunisten angestellt haben. Wenn sich die DKP im Zuge ihrer Anbiederung an bürgerliche Auffasungen nun auch auf die Seite der "Guten" stellen will, dann kann sie das gerne tun aber muss damit leben, dass Leute wie ich auch ohne Spezialisierung auf diesem Gebiet zumindest misstrauisch werden. Auf die Idee, sich aus diesem Thema herauszuhalten, wie das nach vorsichtiger Überlegung wohl zu raten wäre, schließlich ist auch der Gegenpol dort nicht unseren Zielen verpflichtet, kam die DKP-Führung im Rahmen ihrer Nachlassstrategie wohl nicht. Über den Zustand der UZ muss ich wohl kein weiteres Wort verlieren, außer, dass damit die Bildung der Mitglieder keine Stärkung erhalten kann.

Apollon hat geschrieben:
Marinus hat geschrieben:
Wer mit der KI nicht einverstanden sein will, der kann das gerne tun, aber den Genossen die Illusion in den Kopf setzen, man könne eine ausgewachsene Partei ganz einfach zur Kursumkehr zwingen ist zumindest ein größeres Wagnis als eine KI Gründen.

Schreckten Kommunisten je vor Wagnissen zurück? Aufwendiger ist es allemal. Außerdem sollte die Richtung der Kursumkehr ebenso klar sein.


Ich verstehe diese Aussage so, als ob Einverständins darüber herrscht, um wieviel schwerer das Vorhaben der DKP-Opposition ist, wenn man es mit der Schaffung der KI vergleicht. Immerhin, das Tempo, das die KI an den Tag legt um sich zu entwickeln würde der DKP-Opposition wohl gut tun. Oder verstehe ich "Aufwendiger ist es allemal." etwa doch falsch?

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Do 30. Jul 2009, 11:40 

Beiträge: 9
Marinus hat geschrieben:
Wenn Sie damit die verschiedenen Arbeiten meinen, die ich für mir sympathische Organisationen erledige, so bitte ich, dies mir nicht so auszulegen, als würde ich damit irgendeine Linie einer dieser Organisationen oder gar die KI selbst vertreten. Ich bin lediglich hier und dort aktiv, nehme aber keine Funktionen wahr. Ich werde also im Folgenden meine private Einschätzung zu dieser Thematik vorstellen. Dieser Hinweis nur deshalb, weil - wie dieser Thread zeigt - öfters schon versucht wurde, Äußerungen aus diesem Forum der KI vorzuhalten und ich nur wenig Lust verspüre, dem allgemeinem Hang zur Gerüchteküche Wasser auf die Mühlen zu gießen.


Es war nicht direkt auf Sie bezogen. Nur noch eine Anmerkung dazu: Wenn man Arbeiten für »sympathische Organisationen« erledigt, ist die Funktionärstätigkeit dort erst einmal in der Tat eher zweitrangig, doch vertritt man damit schon »irgendeine Linie einer dieser Organisationen« — allein schon an der Bereitschaft eben gerade für diese oder jene Organisation aktiv zu werden, erkennbar.


Marinus hat geschrieben:
Nun, ich leider nicht. Meiner Ansicht nach stellt sich die DKP nun offen auf die Seite der imperialistischen Interessen im Iran. Versteh mich nun bitte niemand falsch, es ist schwiereig in dieser Sache überhaupt eine gediegene Ansicht zu finden, aber die Interessen des Westens und die, die sie nun im Iran vertreten erkennt man doch noch. Wenn die bürgerliche Presse freudig von skandierten Rufen "Tod China, Tod Russland" aus der Oppositionsbewegung berichten kann, dann brauche ich wohl schon nicht mehr daruf hinweisen, was die bekannteren Figuren dieser Bewegung früher mit Kommunisten angestellt haben. Wenn sich die DKP im Zuge ihrer Anbiederung an bürgerliche Auffasungen nun auch auf die Seite der "Guten" stellen will, dann kann sie das gerne tun aber muss damit leben, dass Leute wie ich auch ohne Spezialisierung auf diesem Gebiet zumindest misstrauisch werden. Auf die Idee, sich aus diesem Thema herauszuhalten, wie das nach vorsichtiger Überlegung wohl zu raten wäre, schließlich ist auch der Gegenpol dort nicht unseren Zielen verpflichtet, kam die DKP-Führung im Rahmen ihrer Nachlassstrategie wohl nicht. Über den Zustand der UZ muss ich wohl kein weiteres Wort verlieren, außer, dass damit die Bildung der Mitglieder keine Stärkung erhalten kann.


Zum Iran: Die Ausgangslage stellt sich für mich folgendermaßen dar: Der US-Imperialismus hegt ein besonderes Interesse am Iran, aus Gründen der Rohstoffsicherung und anderen geopolitischen Gesichtspunkten. Die US-Bourgeoisie möchte der iranischen Bourgeoisie die Verfügungsgewalt über die Rohstoffquellen abnehmen. Aus diesen Interessensgegensätzen den Iran als antiimperialistischen Bündnispartner einzustufen, halte ich für eine verkürzte Betrachtungsweise. (Ich weiß, dass Sie etwas vom Heraushalten schrieben.) Was ebenso Berücksichtigung finden muss, ist, dass die Führung des Iran durchaus mit dem US-Imperialismus zusammenarbeiten, sich zumindest arrangieren kann — das Besatzungsregime des Irak wurde anerkannt, offizielle Besuche folgten. Den Kommunisten nicht feindlich gesinnt, ist die aktuelle Führung des Iran genauso wenig wie die Vorgängerregierungen.

Dass die Demonstrationen zu den, selbst vom Wächterrat zugegebenen, Ungereimtheiten der Wahlen sicherlich auch vom US-Imperialismus genutzt, verstärkt wurden, ist anzunehmen, doch ist für mich nicht ersichtlich, aus welchen Gründen nun die iranischen und deutschen Kommunisten, und die anderer Nationen, sich mit der Bourgeoisie des Iran solidarisieren sollten. Einen Krieg gegen den Iran abzulehnen heißt nicht, sich nicht mit den iranischen Genossen solidarisch zu verhalten und dem Kampf gegen ihre eigene Bourgeosie nicht wohlwollend gegenüber zu stehen.



Marinus hat geschrieben:
...finden sich doch die Details, die ich erklären möchte.

Zu dem Vergleich zwischen der Schieflage der DKP und dem Revisionismus in der KPdSU kann ich sagen, dass man hierbei sicherlich nicht ausser Acht lassen kann, dass wir hier über zwei völlig verschiedene Probleme sprechen. Auf der einen Seite haben wir in der DKP eine Anzahl von (von Aussen geschätzt) 20-30% der Mitglieder der DKP die keine Lust verspüren, den Kurs der DKP weiterhin mitzutragen und daher versuchen, Widerstand zu erzeugen. Wie die Abstimmungsverhältnisse weiter oben zeigen, scheinen diese vernünftigeren Mitglieder nicht sonderlich in den Führungsebenen der DKP vertreten zu sein. Auf der anderen Seite hatten wir mit der KPdSU eine Partei, die sich a) aus Millionen von Mitgliedern zusammensetzte, sich b) an der Spitze eines Landes befand und c) von oben herab anfing, zu faulen, wie das vielzitierte Sprichwort besagt. Wenn also der historisch beobachtbare Revisionismus in der KPdSU nun als Argument dagegen gelten soll, dass die Opposition in der DKP schlechte Karten in ihren Händen hält, so ist das eine unzulässige Gleichsetzung der DKP und der KPdSU und ihrer jeweiligen eigenen Umstände. Soviel zu diesem Einwand, meinen tat ich aber doch noch etwas anderes.


Der »historisch beobachtbare Revisionismus« sollte meinerseits nur zur Verdeutlichung dazu dienen, dass Parteien, selbst, wenn sie an der Spitze des Weltproletariats stehen, in der Größenordnung von Millionen an Mitgliedern, ebenso wenig starre Gebilde sind, wie die DKP mit ein paar Tausend. Ich sehe in dem Punkt keine unzulässige Gleichsetzung. Vermutlich hat die unterschiedliche Einschätzung aber auch mit der prinzipiellen abweichenden Beurteilung des Revisionismus zu tun, welche hier nun nicht vertieft werden kann.


Marinus hat geschrieben:
Apollon schrieb, Parteien seinen keine "starren Gebilde" und ich sage: Doch, das sind sie, sie müssen es sein. Wenn nun die Opposition in der DKP Erfolg haben würde und das aus der Unterzahl heraus und von "unten", dann würde das bedeuten, dass jede beliebige Strömung (die in jeder Partei stets in Vielzahl auftreten) in der Lage wäre, ihre eigene Haltung zur Generallinie der DKP zu machen. Das das nicht funktioniert, kann man also seit Jahren an der DKP beobachten.


Hier widersprechen Sie sich m.E. Weiter oben schreiben Sie noch: »Auf der einen Seite haben wir in der DKP eine Anzahl von (von Aussen geschätzt) 20-30% der Mitglieder der DKP die keine Lust verspüren, den Kurs der DKP weiterhin mitzutragen und daher versuchen, Widerstand zu erzeugen.« Die Opposition stellt mit diesen von Ihnen genannten Prozentzahlen eben keine Mehrheit dar, weshalb es logisch ist, dass sie nicht in der Lage ist, grundlegende Veränderungen in ihrem Sinne durchzusetzen.


Marinus hat geschrieben:
Nun aber schreiben Sie noch, dass logischerweise erst einmal die Mehzahl der Mitglieder der DKP von den Punkten der Opposition überzeugt werden müssen. Das ist ein Thema, über das niemand genaue Vorhersagen zu treffen in der Lage ist. Meine Ansicht hingegen, wie im letzten Satz angekündigt, ist, dass es weniger unserer ohnehin schon arg begrenzten Kräfte kostet, ein Projekt wie die KI zu schaffen (welches übrigens der DKP per Definition eigentlich nicht im Wege steht aber gut...) als Mitglieder einer Partei zu überzeugen, die bisher recht ruhig das Treiben ihres PV ausgestanden haben und - bei Lichte betrachtet - auch ihre Parteidisziplin wahren möchten, was, wie immer, eigentlich ein Vorteil der kP's sein kann, wenn die oberste Ebene nicht gerade spinnt.


Die sogenannte Mitte, wie Sie es nannten: »Masse der Parteimitglieder [welche] neigt [...], den Kurs der Führung mitzutragen«, muss von den Anliegen der Opposition überzeugt werden, damit aus der Minderheits- eine Mehrheitsposition wird, dass es Gegenkräfte gibt, liegt in der Natur der Sache. Sie verstehen mein: »Aufwendiger ist es allemal« also durchaus richtig. Sinn macht dies natürlich nur, wenn wie ich vorhergehend schon schrieb, »es sich zweifellos um eine kommunistische Partei, der Lehre Marx, Engels & Lenin verbunden, handelt«.



Woschod hat geschrieben:

Dass wir Kommunisten nicht für alles haftbar gemacht werden können, ist aber auch eine Wahrheit. :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Do 30. Jul 2009, 20:17 
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Apollon hat geschrieben:
Marinus hat geschrieben:
Wenn Sie damit die verschiedenen Arbeiten meinen, die ich für mir sympathische Organisationen erledige, so bitte ich, dies mir nicht so auszulegen, als würde ich damit irgendeine Linie einer dieser Organisationen oder gar die KI selbst vertreten. Ich bin lediglich hier und dort aktiv, nehme aber keine Funktionen wahr. Ich werde also im Folgenden meine private Einschätzung zu dieser Thematik vorstellen. Dieser Hinweis nur deshalb, weil - wie dieser Thread zeigt - öfters schon versucht wurde, Äußerungen aus diesem Forum der KI vorzuhalten und ich nur wenig Lust verspüre, dem allgemeinem Hang zur Gerüchteküche Wasser auf die Mühlen zu gießen.


Es war nicht direkt auf Sie bezogen. Nur noch eine Anmerkung dazu: Wenn man Arbeiten für »sympathische Organisationen« erledigt, ist die Funktionärstätigkeit dort erst einmal in der Tat eher zweitrangig, doch vertritt man damit schon »irgendeine Linie einer dieser Organisationen« — allein schon an der Bereitschaft eben gerade für diese oder jene Organisation aktiv zu werden, erkennbar.


Völlig richtig, wenn ich Tätigkeiten für Genossen ausführe, so habe ich darauf zu achten, dass ich deren Prinzipien und Haltungen nicht beuge. Natürlich stimmt auch, dass man durch Mitarbeit seine Position offenlegt, ich meinte hierbei auch nur meine jetzige private Aktivität in diesem Forum, auch wenn es hier teilweise strengere Regeln gibt, als in manch einem Zirkel...

Apollon hat geschrieben:
Marinus hat geschrieben:
Nun, ich leider nicht. Meiner Ansicht nach stellt sich die DKP nun offen auf die Seite der imperialistischen Interessen im Iran. Versteh mich nun bitte niemand falsch, es ist schwierig in dieser Sache überhaupt eine gediegene Ansicht zu finden, aber die Interessen des Westens und die, die sie nun im Iran vertreten erkennt man doch noch. Wenn die bürgerliche Presse freudig von skandierten Rufen "Tod China, Tod Russland" aus der Oppositionsbewegung berichten kann, dann brauche ich wohl schon nicht mehr daruf hinweisen, was die bekannteren Figuren dieser Bewegung früher mit Kommunisten angestellt haben. Wenn sich die DKP im Zuge ihrer Anbiederung an bürgerliche Auffasungen nun auch auf die Seite der "Guten" stellen will, dann kann sie das gerne tun aber muss damit leben, dass Leute wie ich auch ohne Spezialisierung auf diesem Gebiet zumindest misstrauisch werden. Auf die Idee, sich aus diesem Thema herauszuhalten, wie das nach vorsichtiger Überlegung wohl zu raten wäre, schließlich ist auch der Gegenpol dort nicht unseren Zielen verpflichtet, kam die DKP-Führung im Rahmen ihrer Nachlassstrategie wohl nicht. Über den Zustand der UZ muss ich wohl kein weiteres Wort verlieren, außer, dass damit die Bildung der Mitglieder keine Stärkung erhalten kann.


Zum Iran: Die Ausgangslage stellt sich für mich folgendermaßen dar: Der US-Imperialismus hegt ein besonderes Interesse am Iran, aus Gründen der Rohstoffsicherung und anderen geopolitischen Gesichtspunkten. Die US-Bourgeoisie möchte der iranischen Bourgeoisie die Verfügungsgewalt über die Rohstoffquellen abnehmen. Aus diesen Interessensgegensätzen den Iran als antiimperialistischen Bündnispartner einzustufen, halte ich für eine verkürzte Betrachtungsweise. (Ich weiß, dass Sie etwas vom Heraushalten schrieben.) Was ebenso Berücksichtigung finden muss, ist, dass die Führung des Iran durchaus mit dem US-Imperialismus zusammenarbeiten, sich zumindest arrangieren kann — das Besatzungsregime des Irak wurde anerkannt, offizielle Besuche folgten. Den Kommunisten nicht feindlich gesinnt, ist die aktuelle Führung des Iran genauso wenig wie die Vorgängerregierungen.

Dass die Demonstrationen zu den, selbst vom Wächterrat zugegebenen, Ungereimtheiten der Wahlen sicherlich auch vom US-Imperialismus genutzt, verstärkt wurden, ist anzunehmen, doch ist für mich nicht ersichtlich, aus welchen Gründen nun die iranischen und deutschen Kommunisten, und die anderer Nationen, sich mit der Bourgeoisie des Iran solidarisieren sollten. Einen Krieg gegen den Iran abzulehnen heißt nicht, sich nicht mit den iranischen Genossen solidarisch zu verhalten und dem Kampf gegen ihre eigene Bourgeosie nicht wohlwollend gegenüber zu stehen.


Auch hier möchte ich mich zustimmend äussern. Meine Kritik bezog sich auf die Aussage der DKP, sich solidarisch mit der "[...] Tudeh-Partei und der fortschrittlichen Bewegung [...]" (aus der UZ) zu erklären. Ich nehme an, das sind diejenigen, die Sie mit "...sich (nicht) mit den iranischen Genossen solidarisch zu verhalten..." meinen. Und eben im Falle der Tudeh-Partei glaube ich mich anders informiert, wobei wir aber schon wieder bei den Ansichten zum Revisionismus wären. Ich bin mir natürlich letztendlich auch nicht sicher, aus welchen Strömungen dann noch die Protestbewegung zusammengesetzt ist, allerdings - wie schon gesagt - wählte die DKP-Führung aus den Möglichkeiten sich a) aufgrund der wenigen verlässlichen Kräfte dort nicht zu positionieren oder b) sich mit der vorherrschenden Meinung zu bewegen, ganz einfach die Möglichkeit, die Leuten wie mir das Gefühl vermittelt, man wolle zeigen, wie eine kommunistische Partei "heutzutage" auch mehrheitsfähige Ansichten vertreten kann. Gemeint war dies nur, wie auch der Hinweis auf das Papier zur EU-Wahl, als Anzeiger aktueller Schwächeerscheiningen in der Urteilskraft der DKP-Führung. Wohlwollend könnte man annehmen, dass es sich hierbei um taktisches Fingerspitzengefühl handelt, realistisch allerdings im Rahmen der Entwicklung der letzten Jahre gesehen, ist das schwer zu glauben.

Apollon hat geschrieben:
Marinus hat geschrieben:
...finden sich doch die Details, die ich erklären möchte.

Zu dem Vergleich zwischen der Schieflage der DKP und dem Revisionismus in der KPdSU kann ich sagen, dass man hierbei sicherlich nicht ausser Acht lassen kann, dass wir hier über zwei völlig verschiedene Probleme sprechen. Auf der einen Seite haben wir in der DKP eine Anzahl von (von Aussen geschätzt) 20-30% der Mitglieder der DKP die keine Lust verspüren, den Kurs der DKP weiterhin mitzutragen und daher versuchen, Widerstand zu erzeugen. Wie die Abstimmungsverhältnisse weiter oben zeigen, scheinen diese vernünftigeren Mitglieder nicht sonderlich in den Führungsebenen der DKP vertreten zu sein. Auf der anderen Seite hatten wir mit der KPdSU eine Partei, die sich a) aus Millionen von Mitgliedern zusammensetzte, sich b) an der Spitze eines Landes befand und c) von oben herab anfing, zu faulen, wie das vielzitierte Sprichwort besagt. Wenn also der historisch beobachtbare Revisionismus in der KPdSU nun als Argument dagegen gelten soll, dass die Opposition in der DKP schlechte Karten in ihren Händen hält, so ist das eine unzulässige Gleichsetzung der DKP und der KPdSU und ihrer jeweiligen eigenen Umstände. Soviel zu diesem Einwand, meinen tat ich aber doch noch etwas anderes.


Der »historisch beobachtbare Revisionismus« sollte meinerseits nur zur Verdeutlichung dazu dienen, dass Parteien, selbst, wenn sie an der Spitze des Weltproletariats stehen, in der Größenordnung von Millionen an Mitgliedern, ebenso wenig starre Gebilde sind, wie die DKP mit ein paar Tausend. Ich sehe in dem Punkt keine unzulässige Gleichsetzung. Vermutlich hat die unterschiedliche Einschätzung aber auch mit der prinzipiellen abweichenden Beurteilung des Revisionismus zu tun, welche hier nun nicht vertieft werden kann.


Eines nur der Vollständigkeit halber, wenn Sie tatsächlich eine abweichende Einschätzung des Revisionisums besitzen, so wäre zumindest mein Interesse schon geweckt. Es gibt ausreichend Threads in diesem Forum, die das Thema behandeln. Für unser jetziges Verständnis jedoch finde ich, dass die abweichenden "Revisionismen" nicht all zu sehr ins Gewicht fallen sollten, bei dem Thema was hier besprochen wird. Dann aber noch wegen der Sache mit der Starrheit: Auf Angriffe von "Ausserhalb" reagieren kommunistische Parteien in der Regel sehr gut, das ist immerhin einer der Zwecke dieser Zusammenschlüsse. Wenn aber innerhalb einer Partei eine Veränderung geschehen soll so ist es auf einmal eben eine der oben erwähnten Fragen, kommt die Veränderung aus der Basis oder aus der Führungsebene. Und an dieser Stelle möchte ich eben die KPdSU und die DKP nicht mehr vergleichen, immerhin nehmen Karrieren andere Wege, es geht um die Macht im Staat, die Ansichten der Bürger müssen in Betracht gezogen werden und so weiter und so fort. Ich werde das im Zusammenhang mit der DKP weiter unten wieder aufgreifen da ich die historische Beurteilung ebenfalls jetzt nicht ausdiskutieren kann (nicht umfassend genug informiert) aber ein kleines Zitat dazu habe ich schon:

"Für Ihre wichtigste Nachricht halte ich eine These, die Sie gar nicht aufstellen, die ich aber aus Ihnen extrapoliere und das Gossweilersche Gesetz nennen will. Es lautet: Jede kommunistische Bewegung zu jeder Zeit seit 1848 ist zu einem etwa konstanten Anteil mit Kräften durchsetzt, denen die ganze Sache zu anstrengend ist und die potentiell bereit sind, die Friedensangebote, die die Bourgeoisie ihnen macht, wohlwollend zu prüfen."

Es stammt von Peter Hacks und findet sich im Briefwechsel mit Kurt Gossweiler (derjenige, der den Revisionismus "historisch beobachtete") in "Am Ende verstehen sie es".

Apollon hat geschrieben:
Marinus hat geschrieben:
Apollon schrieb, Parteien seinen keine "starren Gebilde" und ich sage: Doch, das sind sie, sie müssen es sein. Wenn nun die Opposition in der DKP Erfolg haben würde und das aus der Unterzahl heraus und von "unten", dann würde das bedeuten, dass jede beliebige Strömung (die in jeder Partei stets in Vielzahl auftreten) in der Lage wäre, ihre eigene Haltung zur Generallinie der DKP zu machen. Das das nicht funktioniert, kann man also seit Jahren an der DKP beobachten.


Hier widersprechen Sie sich m.E. Weiter oben schreiben Sie noch: »Auf der einen Seite haben wir in der DKP eine Anzahl von (von Aussen geschätzt) 20-30% der Mitglieder der DKP die keine Lust verspüren, den Kurs der DKP weiterhin mitzutragen und daher versuchen, Widerstand zu erzeugen.« Die Opposition stellt mit diesen von Ihnen genannten Prozentzahlen eben keine Mehrheit dar, weshalb es logisch ist, dass sie nicht in der Lage ist, grundlegende Veränderungen in ihrem Sinne durchzusetzen.


Hier habe ich mich zu ungenau ausgedrückt. Natürlich hat die Opposition in der DKP keine Mehrheit für ihre Einwände, denn sonst wären wir ja in der selben Partei und würden uns über praktischere Dinge unterhalten. Ich schrieb, nach der von Ihnen zitierten Stelle noch weiter:

Zitat:
[...] seit Jahren an der DKP beobachten. Denn natürlich sind, wenn man ehrlich ist, kommunistische Parteien auch immer in dieser Richtung abgesichert, will sagen, nicht nur die Masse der Parteimitglieder neigt dazu, den Kurs der Führung mitzutragen (historisch erwiesen, leider) sondern auch die Führung der Partei kennt Mittel und Wege, sich ihre Vorhaben nicht von den verschiedenen Flügeln der Partei strittig machen zu lassen. Auch das beobachtet man schon länger, ich erwähne nur den intelligenten Vorstoß zur EU-Wahl, der sag- und klanglos unterging und "ausdiskutiert" wurde, was nichts anderes bedeutet als dass diese Idee dem PV im Wege stand.


Hiermit wollte ich lediglich die Chancen des Vorhabens der DKP-Opposition in meine Ansicht einbetten. Wie schon gesagt, in kommunistischen Parteien sitzt die Führung immer am längeren Hebel. Das ist, siehe oben, aus den Verschiedensten Erwägungen heraus auch ein Großer Vorteil. Ich wollte also darauf hinaus, dass die Opposition in der DKP nicht nur in der Minderheit ist, sondern auch vom Parteivorstand effektiv daran gehindert werden kann, aus der Minderheit eine Mehrheit zu machen, siehe EU-Programm. Das Problem ist also nicht, dass die Positionen der Opposition in irgend einer Weise falsch wären (soweit ich das überblicken kann), sondern, dass die quasi "natürlichen Schutzfunktionen" der Partei nun im Dienste des Revisionismus (unserer Definitaion nach) eingesetzt werden, obwohl sie normalerweise für Stabilität und Sicherheit der Arbeit sorgen. Daher mein Hinweis, dass Mitglieder einer Partei dazu neigen, die "offizielle Linie", die nunmal von den in verantwortlichen Positionen stehenden Mitgliedern gestaltet wird, zu unterstützen - sonst wären sie ja keine Mitglieder in dieser Partei. Anders könnte eben, wie ich das in meinem ersten Beitrag in diesem Thread schon sagte, keine konsequente Arbeit einer kP getan werden, da dies Mitunter auch in schöner Regelmäßigkeit die Durchsetzung unpopulärer Projekte erfordern kann. All diese Faktoren stehen der Opposition nun im Wege oder können in die Wege geleitet werden, was zu der Einschätzung des Aufwandes, die DKP zu verändern im Vergleich mit der Schaffung der KI, führte.

Sollte ich mich zu oft wiederholt haben, so bitte ich das zu entschuldigen, ich möchte sicherlich nicht den Eindruck erwecken, durch Wiederkäuen Recht behalten zu wollen, ich nutze nur die Gelegenheit, mich nun exakter auszudrücken.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Fr 31. Jul 2009, 22:16 

Beiträge: 9
Marinus hat geschrieben:
Ich bin mir natürlich letztendlich auch nicht sicher, aus welchen Strömungen dann noch die Protestbewegung zusammengesetzt ist, allerdings - wie schon gesagt - wählte die DKP-Führung aus den Möglichkeiten sich a) aufgrund der wenigen verlässlichen Kräfte dort nicht zu positionieren oder b) sich mit der vorherrschenden Meinung zu bewegen, ganz einfach die Möglichkeit, die Leuten wie mir das Gefühl vermittelt, man wolle zeigen, wie eine kommunistische Partei "heutzutage" auch mehrheitsfähige Ansichten vertreten kann.

Die DKP vertritt mit der Solidarität gegenüber der Tudeh-Partei und anderen fortschrittlichen Kräften die Sache des Internationalismus. Kommunisten müssen sich wahrlich nicht zu allem positionieren, doch hier halte ich es für angebracht und vertretbar.

Zitat:
11. In bezug auf die zurückgebliebeneren Staaten und Nationen, in denen feudale oder patriarchalische und patriarchalisch-bäuerliche Verhältnisse überwiegen, muß man insbesondere im Auge behalten:

erstens die Notwendigkeit, daß alle kommunistischen Parteien die bürgerlich-demokratische Befreiungsbewegung in diesen Ländern unterstützen; die Pflicht zur aktivsten Unterstützung haben in erster Linie die Arbeiter desjenigen Landes, von dem die zurückgebliebene Nation in kolonialer oder finanzieller Hinsicht abhängt;

zweitens die Notwendigkeit, die Geistlichkeit und sonstige reaktionäre und mittelalterliche Elemente zu bekämpfen, die in den zurückgebliebenen Ländern Einfluß haben;

drittens die Notwendigkeit, den Panislamismus und ähnliche Strömungen zu bekämpfen, die die Befreiungsbewegung gegen den europäischen und amerikanischen Imperialismus mit einer Stärkung der Positionen der Khane, der Gutsbesitzer, der Mullahs usw. verknüpfen wollen;

(...)

12. Die jahrhundertelange Unterdrückung der kolonialen und schwachen Völker durch die imperialistischen Mächte hat bei den werktätigen Massen der unterdrückten Länder nicht nur Erbitterung, sondern auch Mißtrauen gegen die Unterdrückernationen überhaupt und auch gegen das Proletariat dieser Nationen hinterlassen.

(...)

Je rückständiger anderseits ein Land ist, desto stärker sind in ihm die landwirtschaftliche Kleinproduktion, der patriarchalische Geist und die Krähwinkelei, die den am tiefsten verwurzelten keinbürgerlichen Vorurteilen, nämlich den Vorurteilen des nationalen Egoismus und der nationalen Beschränktheit, unvermeidlich zu besonderer Kraft und Dauerhaftigkeit verhelfen. Da diese Vorurteile erst nach dem Verschwinden des Imperialismus und des Kapitalismus in den fortgeschrittenen Ländern und nach der radikalen Umgestaltung aller Grundlagen des wirtschaftlichen Lebens der zurückgebliebenen Länder verschwinden können, geht das Absterben dieser Vorurteile notwendigerweise nur sehr langsam vor sich. Daraus erwächst dem klassenbewußten kommunistischen Proletariat aller Länder die Pflicht, sich besonders behutsam und besonders aufmerksam zu den überlebenden nationalen Gefühlen in den am längsten unterdrückten Ländern und Völkern zu verhalten, wie auch die Pflicht, gewisse Zugeständnisse zu machen, damit dieses Mißtrauen und diese Vorurteile rascher überwunden werden.

(...)

(W.I. Lenin, Ursprünglicher Entwurf der Thesen zur nationalen und kolonialen Frage, 5. Juni 1920)

In dem Punkt kann ich, im Gegensatz zu Ihnen, kein dem Zeitgeist nachhechelndes Verhalten erkennen.


Marinus hat geschrieben:
"Für Ihre wichtigste Nachricht halte ich eine These, die Sie gar nicht aufstellen, die ich aber aus Ihnen extrapoliere und das Gossweilersche Gesetz nennen will. Es lautet: Jede kommunistische Bewegung zu jeder Zeit seit 1848 ist zu einem etwa konstanten Anteil mit Kräften durchsetzt, denen die ganze Sache zu anstrengend ist und die potentiell bereit sind, die Friedensangebote, die die Bourgeoisie ihnen macht, wohlwollend zu prüfen."

Es stammt von Peter Hacks und findet sich im Briefwechsel mit Kurt Gossweiler (derjenige, der den Revisionismus "historisch beobachtete") in "Am Ende verstehen sie es".

Kenn' ich, teile Hacks' Aussage auch, jedoch nicht Gossweilers Niederlagenanalyse. (In welchem Zustand ist eine Partei und wer hinterlässt sie so, dass sie von oben, wie sie es anführten, zu faulen beginnt — nolens volens ein Revisionist an die Spitze gelangt?)

Einem anderen Briefwechsel, dem mit H. H. Holz ist übrigens auch »Der Name der Rose ...« angefügt, in dem Holz verdeutlicht, mit Bezug auf Hacks' »Natürliches System der Linken«, aus welchen Gründen er DKP-Mitglied ist bzw. bleibt. (Um zum Thema zurückzukommen.)


Marinus hat geschrieben:
Wie schon gesagt, in kommunistischen Parteien sitzt die Führung immer am längeren Hebel. Das ist, siehe oben, aus den Verschiedensten Erwägungen heraus auch ein Großer Vorteil. Ich wollte also darauf hinaus, dass die Opposition in der DKP nicht nur in der Minderheit ist, sondern auch vom Parteivorstand effektiv daran gehindert werden kann, aus der Minderheit eine Mehrheit zu machen, siehe EU-Programm.

Dass es aufwendiger ist und es Gegenkräfte gibt, davon schrieb ich schon. Allerdings als unmöglich erachte ich eine Kurskorrektur nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Sa 1. Aug 2009, 08:08 

Beiträge: 105
Eine Unmöglichkeit einer Kurskorrektur zu unterstellen, ist an und für sich sinnlos. Wenn man dies täte, würde man unterstellen, daß eine Partei nicht aus ihren Fehlern lernen kann oder daß eine Partei nur sehr schwer auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren kann.

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BeitragVerfasst: Sa 1. Aug 2009, 22:18 
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Beiträge: 40
Guten Abend!

Apollon hat geschrieben:
Die DKP vertritt mit der Solidarität gegenüber der Tudeh-Partei und anderen fortschrittlichen Kräften die Sache des Internationalismus. Kommunisten müssen sich wahrlich nicht zu allem positionieren, doch hier halte ich es für angebracht und vertretbar.


Just heute findet sich in der jW ein Interview, welches mehr aktuelles Licht in diese Geschichte bringt. Ich trenne also, um genauer zu werden, besser fortan präziser zwischen der Tudeh-Partei, der Protestbewegung und Konsorten wie Mussawi. Was die Tudeh-Partei angeht, so erhielt ich auch den Rat, die Leistungen dieser Partei und ihre Geschichte mehr in Betracht zu ziehen, immerhin eine "Bruderpartei" der DKP. Ich schrieb zwar, "ich glaube mich anders informiert", jedoch würde es wohl etwas Zeit in Anspruch nehmen, sich in dieser Hinsicht auf den neuesten Stand zu bringen oder aber dies belastbar und jenseits einseitigen, revisionismusschnuppernden Moralisierens dalegen zu können. Was die Protestbewegung angeht, so hält sich die DKP anscheinend an den von Ihnen zitierten Rat Lenins was ich so akzeptieren kann. Bin mir allerdings nicht ganz so sicher, ob - wenn man das so exakt verstehen will - im Iran, wie Lenin schrieb "feudale oder patriarchalische und patriarchalisch-bäuerliche Verhältnisse überwiegen". Damit von Lenin als Vorraussetzung gemeint könnte hier sein, dass auch bürgerliche Bewegungen gegenüber den vorangegangenen gesellschaftlichen Verhältnissen sicherlich fortschrittlich (und daher unterstützenswert) sind. Ob das nun im Iran, der immerhin in Hinsichten etwas weiter vorangeschritten ist, gilt oder nicht, das kann ich eben nicht sagen, es droht die Gefahr kleinlich zu werden. Eventuell schreckt mich, ganz einfach und banal, eine Instrumentalisierung durch (mindestens...) die hiesige Medienlandschaft (wie der auch Uiguren und Tibeter - in einer anderen Ausgangslage) zu sehr ab, vor allem wenn der Gegenpol so aussieht, wie er eben dort aussieht.


Apollon hat geschrieben:
Kenn' ich, teile Hacks' Aussage auch, jedoch nicht Gossweilers Niederlagenanalyse. (In welchem Zustand ist eine Partei und wer hinterlässt sie so, dass sie von oben, wie sie es anführten, zu faulen beginnt — nolens volens ein Revisionist an die Spitze gelangt?)


Ich würde nun wirlich all zu gerne erfahren, aus welchen Überlegungen heraus Sie Gossweilers Thesen (den Revisionismus betreffend) nicht teilen, wohl aber Hacks' Aussage teilen können. Leider kann ich mir das nicht denken und muss daher schlicht nachfragen. Natürlich - so zeigt es der Briefwechsel - traten Uneinigkeiten auf, am interessantesten fand ich persönlich diejenigen, die die Einschätzung des Verhältnisses von bewussten und unbewussten Elementen der revisionistischen Entwicklung betrafen, aber insgesamt waren sich welche schon mal uneiniger als Gossweiler und Hacks es in dieser Sache letztendlich waren wenn man mich fragt. Das deshalb, weil Gossweiler als Historiker eher im konkreten historischen Detail sucht und findet während - so verstand ich es zumindest - Hacks eher in abstrakteren Zusammenhängen argumentiert.

Was aber ihre Frage zwischen den Klammern angeht, so ist diese etwas allgemein gehalten und ich komme nicht darum herum, schon wieder zu zitieren, denn ich teile schlicht die nachfolgend dargelegte prinzipielle Antwort auf diese Frage und brauche das also nicht in eigenen unbeholfenen Worten wiedergeben:

Zitat:
2. Reformkommunisten Der moralische Kollaps der KPdSU ereignete sich nach dem Sieg über Hitler, so plötzlich, wie die Krise nach dem Gipfel der Konjunktur sich ereignet. Drehpunkt war der Tag, an dem die Partei erfuhr, daß sie, statt sich dem Ruhm, dem Frieden und dem Wiederaufbau zu widmen, die Atombombe würde zu erfinden haben. Stalin hatte schon einmal die Aufgabe gelöst, einen Rückstand von hundert Jahren in zehn Jahren aufzuholen, und dafür mit den schwersten wirtschaftlichen Opfern und dem schrecklichsten aller Kriege bezahlt, die sowjetischen Kommunisten machten sich ebenfalls an diese Aufgabe, aber in ihren ermatteten Gehirnen nagte die Überlegung, ob nicht der nächste Krieg sich auf irgendeine Weise könnte vermeiden lassen. Es kommt nicht darauf an, daß wir Verständnis dafür haben, daß sie es satt hatten. Die sinnlose Überlegung führte zu einer sinnlosen Hoffnung und die Hoffnung zum Opportunismus. Nach Stalins Tod gibt die internationale Arbeiterbewegung auf und spaltet sich in eine rechte und eine linke Abweichung. Die rechte wie die linke Abweichung erklären sich zur reinen Lehre und schließen einander aus der internationalen Arbeiterbewegung aus. Das Schisma erfüllt die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Reformkommunisten sind jene rechten Opportunisten, die glauben, die Friedens- und selbst die Sozialismusfrage vertrauensvoll in die Hände des Imperialismus legen zu sollen (»historischer Kompromiß«). Theorien nach Hilferding, Kautsky, Otto Reinhold. Verwerfung Stalins. Parteien: KPdSU (Chruschtschowisten/Breshnewisten), auch: Eurokommunisten. Die DKP ist eine kollektive Gründung von L. Breshnew, Willy Brandt und Luigi Longo, welche 1968 gegen den Widerstand Max Reimanns und Walter Ulbrichts erfolgte.


Diese Passage findet sich samt kurzer Besprechung schon hier im Forum und gehört natürlich auch zu "Die Namen der Linken". Wie schon gesagt könnte das die Antwort auf Ihre Frage sein, wenn ich das aus dem Kontext unserer Diskussion richtig erraten habe. Wenn Sie etwas anderes meinten, so bin ich Ihnen also schon wieder mit Hacks gekommen, was natürlich etwas eifrig wirken muss aber, s.o., etwas klärend auf die Diskussion wirken könnte. Letztendlich aber klärt sich hier natürlich auch nicht detailliert, wie nun ein Revisionist an die Sptze gelangte, aber die Kombination der beiden Zitate erlaubt doch den Gedanken, dass der konstante Teil der Kräfte "denen die ganze Sache zu anstrengend ist und die potentiell bereit sind, die Friedensangebote, die die Bourgeoisie ihnen macht, wohlwollend zu prüfen" nun also die im zweiten Teil beschriebene Situation ganz einfach zu nutzen verstand, schliesslich beherrschen Politiker stets die Kunst des timings.

Apollon hat geschrieben:
Einem anderen Briefwechsel, dem mit H. H. Holz ist übrigens auch »Der Name der Rose ...« angefügt, in dem Holz verdeutlicht, mit Bezug auf Hacks' »Natürliches System der Linken«, aus welchen Gründen er DKP-Mitglied ist bzw. bleibt. (Um zum Thema zurückzukommen.)


Musste ich eben nachlesen und ich finde, wie Holz dort argumentiert, ist wohl das, was Sie mit "Also sollte, da es sich zweifellos um eine kommunistische Partei, der Lehre Marx, Engels & Lenin verbunden, handelt, nicht lieber versucht werden innerhalb der Partei Veränderungen (bspw. das Parteiprogramm betreffend) zu erringen?" meinten? Hier wird es allerdings für mich etwas verwirrend, da sich nun mehrere Antworten ermöglichen. Wenn, wie das niemand in Frage stellen sollte, die DKP nun also aufgrund ihres Selbstverständnisses als kommunistische Partei nicht nur erhaltenswert, sondern auch prinzipiell korrigierbar ist, dann hilft mir dieses Aussage, die ich nicht beugen wollen würde, in der von Ihnen und mir vergleichbar eingeschätzten momentanen Situation (Widerstand in der immer noch funktionierenden, d.h. intern widerstandsfähigen DKP schwerer zu überwinden, meine Erweiterung: wenn man es mit der Schaffung der KI vergleicht) nicht viel weiter. Konkret: Was Sie und auch Holz sagen, ist dass die These von der Unveränderbarkeit der DKP keine notwendige Wahrheit ist. Dem würde ich zustimmen, aber das bedeutet leider nicht automatisch, dass die Veränderbarkeit der DKP in der jetzigen konkreten Lage praktisch gegeben (mit annehmbarer Wahrscheinlichkeit eintreffend) ist.

Weiterhin finde ich, dass die DKP-Opposition in einer lediglich inhaltlichen und nicht konkret praktischen, d.h. organisierten Bewegung befindet und daher nun also über die Jahre keine tatsächlichen Fortschritte errungen werden konnten.

All diese Punkte, die sich in dieser Debatte nun finden, sind meiner Ansicht nach die Ursache dafür, dass Genossen, die sich weltanschaulich recht nahe stehen und einig sein könnten nun zwischen den Stühlen DKP-Opposition und Schaffung der Ki sitzen, das heisst, die Veränderung der gegenwärtigen Lage der Kommunisten, beziehungsweise der DKP von Innen oder Außen angehen.

Es ist nun lang und auch spät geworden aber ich finde, das Thema sollte es schon wert sein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: So 2. Aug 2009, 07:28 

Beiträge: 105
Marinus hat geschrieben:
Weiterhin finde ich, dass die DKP-Opposition in einer lediglich inhaltlichen und nicht konkret praktischen, d.h. organisierten Bewegung befindet und daher nun also über die Jahre keine tatsächlichen Fortschritte errungen werden konnten.

Der Aussage kann man zustimmen. Die Machtverhältnisse werden nicht nur durch Diskutieren verändert. Es gilt, die nötigen Machtpositionen zu erobern. D.h. auch, die DKP muß personell gestärkt und die Marxisten-Leninisten müssen auch in der Praxis zeigen, daß man sie ernst nehmen kann.
Was ich aus persönlicher Erfahrung kenne, ist eher das Gegenteil. Symphatisanten der KI aus der DKP haben des öfteren versucht, Leute von einem Eintritt in die DKP abzuhalten, die dann natürlich frustriert waren und sich nicht mehr blicken ließen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: So 2. Aug 2009, 18:01 

Beiträge: 9
Marinus hat geschrieben:
Was die Protestbewegung angeht, so hält sich die DKP anscheinend an den von Ihnen zitierten Rat Lenins was ich so akzeptieren kann. Bin mir allerdings nicht ganz so sicher, ob - wenn man das so exakt verstehen will - im Iran, wie Lenin schrieb "feudale oder patriarchalische und patriarchalisch-bäuerliche Verhältnisse überwiegen". Damit von Lenin als Vorraussetzung gemeint könnte hier sein, dass auch bürgerliche Bewegungen gegenüber den vorangegangenen gesellschaftlichen Verhältnissen sicherlich fortschrittlich (und daher unterstützenswert) sind. Ob das nun im Iran, der immerhin in Hinsichten etwas weiter vorangeschritten ist, gilt oder nicht, das kann ich eben nicht sagen, es droht die Gefahr kleinlich zu werden.

Lenins »Ursprünglicher Entwurf der Thesen zur nationalen und kolonialen Frage« wurde für den II. Kongress der Kommunistischen Internationale verfasst, dort diskutiert, damit sich auch mit der von Ihnen aufgeworfenen Frage befasst:

Zitat:
Drittens möchte ich auf die bürgerlich-demokratische Bewegung in den zurückgebliebenen Ländern besonders hinweisen. Gerade in dieser Frage ist es zu einigen Meinungsverschiedenheiten gekommen. Wir stritten darüber, ob es prinzipiell und theoretisch richtig sei, zu erklären, daß die Kommunistische Internationale und die Kommunistischen Parteien die bürgerlich-demokratische Bewegung in den zurückgebliebenen Ländern unterstützen müssen. Das Ergebnis dieser Diskussion war, daß wir einstimmig beschlossen, anstatt von der „bürgerlich-demokratischen Bewegung“ von der national-revolutionären Bewegung zu sprechen. Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß jede nationale Bewegung nur eine bürgerlich-demokratische sein kann, denn die Hauptmasse der Bevölkerung in den zurückgebliebenen Ländern besteht aus Bauern, die Vertreter bürgerlich-kapitalistischer Verhältnisse sind. Es wäre eine Utopie zu glauben, daß proletarische Parteien, wenn sie in solchen Ländern überhaupt entstehen können, imstande sein werden, eine kommunistische Taktik und eine kommunistische Politik in diesen zurückgebliebenen Ländern durchzuführen, ohne in bestimmte Beziehungen zur Bauernbewegung zu treten und ohne sie tatkräftig zu unterstützen. Hier ist jedoch der Einwand erhoben worden, daß jeder Unterschied zwischen reformistischer und revolutionärer Bewegung verwischt wird, wenn wir von bürgerlich-demokratischer Bewegung sprechen. Indessen ist dieser Unterschied in letzter Zeit in den zurückgebliebenen und kolonialen Ländern mit aller Klarheit zu Tage getreten, denn die imperialistische Bourgeoisie bemüht sich nach Kräften, auch unter den unterdrückten Völkern eine reformistische Bewegung ins Leben zu rufen. Zwischen der Bourgeoisie der ausbeutenden Länder und jener der kolonialen Länder ist eine gewisse Annäherung erfolgt, so daß die Bourgeoisie der unterdrückten Länder sehr oft — ja sogar in den meisten Fällen — zwar die nationalen Bewegungen unterstützt, aber gleichzeitig im Einvernehmen mit der imperialistischen Bourgeoisie, d. h. zusammen mit ihr, alle revolutionären Bewegungen und revolutionären Klassen bekämpft. In der Kommission ist das unwiderleglich bewiesen worden, und wir haben es deshalb für das einzig Richtige gehalten, diesen Unterschied zu berücksichtigen und fast überall den Ausdruck „bürgerlich-demokratisch“ durch den Ausdruck „national-revolutionär“ zu ersetzen. Der Sinn dieser Änderung besteht darin, daß wir als Kommunisten die bürgerlichen Befreiungsbewegungen in den kolonialen Ländern nur dann unterstützen müssen und werden, wenn diese Bewegungen wirklich revolutionär sind, wenn ihre Vertreter uns nicht hindern, die Bauernschaft und die breiten Massen der Ausgebeuteten in revolutionärem Geist zu erziehen und zu organisieren. Sind dagegen diese Bedingungen nicht vorhanden, so müssen die Kommunisten in diesen Ländern die reformistische Bourgeoisie bekämpfen, zu der auch die Helden der II. Internationale gehören. In den kolonialen Ländern gibt es bereits reformistische Parteien, und manchmal bezeichnen sich ihre Vertreter als Sozialdemokraten und Sozialisten. Die Unterscheidung, von der wir gesprochen haben, ist nunmehr in allen Thesen durchgeführt, und deshalb glaube ich, daß unser Standpunkt jetzt viel genauer formuliert ist.

(W.I. Lenin, Bericht der Kommission für die nationale und die koloniale Frage, 26. Juli 1920)
(Hervorhebung meinerseits)


Marinus hat geschrieben:
Ich würde nun wirlich all zu gerne erfahren, aus welchen Überlegungen heraus Sie Gossweilers Thesen (den Revisionismus betreffend) nicht teilen, wohl aber Hacks' Aussage teilen können.

Ich halte Gossweilers Herangehensweise für eklektisch, nicht dialektisch-materialistisch. Darauf werde ich, wenn ich hoffentlich mal mehr Zeit zur Verfügung habe, genauer und umfassender eingehen. Sehr weit entfernt von Steigerwalds Beiträgen zu diesem Thema und den Autoren des Heft Nr. 56 des Marxistischen Forum (hier herunterzuladen) ist mein Standpunkt nicht. Holz übrigens bezeichnete die MF-Autoren daraufhin als »neuhumanitären Ehemals-Marxisten« (jW, 27.06.2009). Wenn er dies für nötig hält...

Vielleicht kennen Sie auch den Brief Michael Benjamins an Kurt Gossweiler vom Dezember 1994 (abgedruckt in »Michael Benjamin - Das Vermächtnis«, herausgegeben von Werner Wüste). Benjamin dürfte allerdings von den meisten Mitgliedern dieses Forums als Revisionist gesehen werden.

Zu Punkt 2. des »Natürliches System der Linken«: Wiglaf Droste hat treffend kundgetan: Wer Hacks mit Verstand liest, ist für die Stupidität und Hässlichkeit der Welt verloren. Und begreift, dass man einen brillant formulierten Gedanken nicht notwendigerweise teilen muss, um sich an seiner Schönheit erfreuen zu können.


Marinus hat geschrieben:
Konkret: Was Sie und auch Holz sagen, ist dass die These von der Unveränderbarkeit der DKP keine notwendige Wahrheit ist. Dem würde ich zustimmen, aber das bedeutet leider nicht automatisch, dass die Veränderbarkeit der DKP in der jetzigen konkreten Lage praktisch gegeben (mit annehmbarer Wahrscheinlichkeit eintreffend) ist.

Richtig.


Marinus hat geschrieben:
Weiterhin finde ich, dass die DKP-Opposition in einer lediglich inhaltlichen und nicht konkret praktischen, d.h. organisierten Bewegung befindet und daher nun also über die Jahre keine tatsächlichen Fortschritte errungen werden konnten.

Was sollten sie machen? Eine Plattform initiieren, gar Fraktionsbildung betreiben?


Marinus hat geschrieben:
All diese Punkte, die sich in dieser Debatte nun finden, sind meiner Ansicht nach die Ursache dafür, dass Genossen, die sich weltanschaulich recht nahe stehen und einig sein könnten nun zwischen den Stühlen DKP-Opposition und Schaffung der Ki sitzen, das heisst, die Veränderung der gegenwärtigen Lage der Kommunisten, beziehungsweise der DKP von Innen oder Außen angehen.

Ich bin trotz den Ausführungen weiterhin der Ansicht, wenn man zur DKP keine Alternative sieht, die Tätigkeit innerhalb der Organisation nützlicher ist als außerhalb.


Zuletzt geändert von Apollon am So 2. Aug 2009, 20:26, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: So 2. Aug 2009, 18:59 

Beiträge: 55
Hallo,

hier die offizielle Position der KI-Regionalgruppe SüdOst zum Ausschließlichkeitsbeschluß der DKP Thüringen:

"Antwort auf die Frage:
Wie schaffen wir EINE kommunistische Partei?
Position der DKP Thüringen zur Gründung der Regionalgruppe der KI in Gera
_______________________________________________________________________

Vorbemerkung: Die Genossen der KI fühlen sich mit allen Kommunisten verbunden, die
- sich der wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse – begründet von Marx, Engels und Lenin in ihrem Original verpflichtet fühlen;
- die den modernen Revisionismus als Ursache für den Sieg der Konterrevolution anerkennen
- die die DDR als höchste Errungenschaft der deutschen Arbeiterklasse (wie die UdSSR für das Weltproletariat) anerkennen.

Deshalb wollen wir mit allen diesen Kommunisten – den partei- und organisationslosen genauso wie diejenigen, die in Kommunistischen Parteien, Gruppierungen, Vereinen und Bündnissen sich engagieren in Zukunft gemeinsam an der Schaffung der Kommunistischen Initiative arbeiten mit dem Ziel, der Bildung einer einheitlichen marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei.


Liebe Genossen der DKP Thüringen,

in einem Positionspapier vom 14. Juli 2009 brachte der Koordinierungsrat der DKP Thüringen seine Stellung zur Gründung der „KI-Regionalgruppe SüdOst“ zum Ausdruck.

Mit dem Aufruf: „Schafft die Kommunistisch Initiative in Deutschland“ wurden Kommunisten in ganz Deutschland aufgerufen zu beginnen, eine KI zu schaffen (siehe dazu http://www.kommunistische-initiative.de ... 1&Itemid=2 ).
Die KI-Regionalgruppe SüdOst macht in ihrem verbreiteten Gründungsprotokoll vom 11.07.09 recht deutlich - „daß organisierte Kommunisten weiterhin und uneingeschränkt in ihren Parteien und Organisationen aktiv wirken müssen.“
Auch wurde betont, „daß die KI keine zusätzliche oder Ersatzorganisation zu bestehenden Parteien, Organisationen oder Bündnissen sein soll und will.“
Im Gründungsprotokoll steht eindeutig: “Auch eine Zusammenarbeit der KI mit bestehenden Bündnissen (z.B. Roter Tisch u.a. Parteiübergreifende Strukturen – Terminabsprachen) wurde angeregt.“

Wir bedauern die Haltung des Koordinierungsrates der DKP Thüringen zur Gründung der KI-Regionalgruppe SüdOst und laden die Kommunisten der DKP – die die in den Vorbemerkungen gesetzten Prämissen akzeptieren – dazu ein, mit uns gemeinsam über Parteigrenzen hinweg EINE einheitliche Kommunistische Partei neuen Typs zu schaffen.

Im Übrigen ist auf der Gründungveranstaltung der „KI-Regionalgruppe SüdOst“ das „Geraer Manifest“ beschlossen worden. Dazu würden die Genossen der „KI-Regionalgruppe SüdOst“ gern Meinungen mit Genossen der DKP Thüringen austauschen wollen - als Diskussionsgrundlage vielleicht?


Stark bleiben!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: So 2. Aug 2009, 20:01 

Beiträge: 55
Hallo,

Kommunisten kämpfen nicht gegen die „Diktatur des Kapitals“ sondern gegen die Diktatur der Bourgeoisie – nicht „gegen Sozialraub“ sondern gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, nicht gegen „Krieg oder Neofaschismus“ – sondern gegen Krieg und Faschismus.
Diktatur, Ausbeutung, Krieg, Faschismus haben Namen, Gesichter, Adressen.
Nicht der „Aufbau“ – sondern der Sozialismus/Kommunismus ist das Ziel von Kommunisten. Oder sollen Kommunisten nach Meinung der DKP auf halbem Wege die weiße Fahne zeigen?

Schon in diesem ersten Satz ist der Unterschied zur und die Notwendigkeit der Gründung der KI zu erkennen.

Klarheit in der Formulierung – Deutlichkeit in der Zielstellung – das unterscheidet Kommunisten von denen, die sich Kommunisten nennen.

Der Aufruf zur Schaffung der KI in Deutschland versetzte die Führung der DKP auch in Thüringen in Unruhe – ob diese revolutionär ist (die Führung wohl kaum – aber die Unruhe?), bleibt abzuwarten – doch es tut sich was. DKP Mitglieder beginnen sich mit der KI auseinanderzusetzen, offen die Positionen der KI zu vertreten und sich ihr kritisch anzuschließen. Sie nehmen die Gedanken der KI auf und tragen diese in die DKP.
Welch ein Erfolg. Doch mühselig schreitet er voran.
Man nimmt die KI ernst. Als Bedrohung des revisionistischen Programms der DKP. Dagegen läuft die Führung nun Sturm.
Und nötigt seine Mitglieder – ganz nach bürgerlich demokratischer Moral – wie es das Kapital befiehlt – mit Paragraphen, Statuten und Ausschluß – unehrenhaft zumal.

Man will ja mit jedem „Linken“ (wer oder was das immer auch ist) die „Einheit“ – was immer das auch ist - und mit vielen Anderen auch – auch wenn er noch so „Link“ ist. Sogar mit der PDL – als kapitalfreundliche, sozialdemokratische, untertänige Partei (siehe Beschluß von 06.03.09 http://www.die-linke-thueringen.de/Doku ... lution.pdf ). Das die KPF als Feigenblatt mit jedem Tag der Zugehörigkeit zur PDL sich mehr deklassiert – das kömmt den führungs- DKP Kommunisten nicht in den Sinn.
Aus einem „Roten Tisch der Kommunisten Ostthüringens“ wird dann schnell mal der „Kommunist“ entfernt. Mit dem Segen der DKP-Führung – natürlich für die Anbiederung an die PDL. Was dabei „Rot“ sein soll bleibt unbeantwortet.
Rot ist die Arbeiterfahne. Wer sich so alles mit ihr schmückt – sogar bei der SPD gibt es rote Schals. Die PDL führt ihren Wahlkampf lieber mit blauen Plakaten (ein Schelm, der arges dabei denkt….)
Heute werden die Interessen der Proletarier weder durch die Führung der Gewerkschaften noch durch die Führung der PDL noch durch die Führung der DKP vertreten. Die verachten den Begriff „Proletarier“, indem sie von „Arbeitnehmern“ und „Arbeitgebern“ sprechen – wie ihre Herren.
Jawohl – mit Kommunisten der Linkspartei, der DKP, parteilosen Kommunisten, Kommunisten in den Gewerkschaften, Kommunisten in der KPD und der KPD(B), Kommunisten bei den Freidenkern und vielen anderen Kommunisten wollen wir Wege suchen zur Bildung einer einheitlichen Kommunistischen Partei neuen Typs. Hierbei steht die Forderung Lenins nach der Bildung dieser Partei Neuen Typs an erster Stelle
Deshalb wendet sich die KI an Kommunisten. Nicht an die, die sich so nennen.

Von der Ausgangsfrage der DKP Thüringen: „Wie schaffen wir EINE kommunistische Partei?“ entfernt man sich selbst, indem festgestellt wird, daß man ja mit „…GenossInnen der verschiedensten Organisationen…sowie Parteilose…“den Kampf organisiere durch „… Gespräche, Terminkoordination und Aktionen…“ Daß dabei eigene Positionen von diesen Tischen gewischt werden, interessiert niemanden, Inhalte stehen nicht zur Debatte.
Es wird zur „Aktionseinheit“ zu bestimmten Positionen mit grundlegenden eigenen Positionen geblasen – nach dem Motto: Wir müssen zusammenhalten – egal, mit wem. Mit der PDL? Einer Partei, die die NATO begrüßt und am liebsten über Krieg oder Nichtkrieg mitbestimmen will?
Viele Kommunisten kämpfen ehrlichen Herzens seit Jahren in ihren Parteien und Organisationen um ein Überleben ihrer Ideale und werden von Jahr zu Jahr enttäuscht. Und sie halten oft aus falsch verstandener Parteidisziplin zu ihrer politischen Heimat.

Die mehr im Mindestlohn die Lösung aller Übel sieht als den Kampf um die Einhaltung von Tariflöhnen? Oder gar die Einhaltung des GG Art. 15 fordert?

Aus einem bei grundlegenden Debatten wackligen runden Tisch an dem bisher nur Termine koordiniert werden, wird wohl kaum EINE kommunistische Partei entstehen. Positionen und Inhalte stehen eben nicht zur Debatte. Und das seit Jahren.
Eine kommunistische Partei Neuen Typs schon gar nicht. Ist vielleicht ist das auch gar nicht gewollt.
Davor fürchtet sich vielleicht auch die DKP Führungsriege.
Und eine Antwort auf die selbstgestellte Frage will man nicht andeutungsweise gegeben.
Und verbreitet Unwahrheiten.

Die KI hat alle Kommunisten aufgerufen – und die KI-Regionalgruppe SüdOst in Ihrem verbreiteten Gründungsprotokoll vom 11.07.09 recht deutlich - „daß organisierte Kommunisten weiterhin und uneingeschränkt in ihren Parteien und Organisationen aktiv wirken müssen.“ Auch wurde deutlich gemacht, „daß die KI keine zusätzliche oder Ersatzorganisation zu bestehenden Parteien, Organisationen oder Bündnissen sein soll und will.“
Im Gründungsprotokoll steht eindeutig:“ Auch eine Zusammenarbeit der KI mit bestehenden Bündnissen (z.B. Roter Tisch u.a. Parteiübergreifende Strukturen – Terminabsprachen) wurde angeregt.“
Doch das scheint die DKP Thüringen nicht ernsthaft zur Kenntnis nehmen zu wollen.

Aber die DKP Führung auch in Thüringen muß sich nicht nur per Beschluß vom 7. Parteivorstandstag 2009 mit der Situation auseinandersetzen und die Frage stellen: Wie schaffen wir EINE kommunistische Partei?

Vielleicht nur gemeinsam mit der KI? Aber nur eine m/l Partei Neuen Typs.
Die Genossen der KI suchen auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit allen Kommunisten, die sich den drei eingangs genannten Grundprinzipien verbunden fühlen – gerade auch mit den Kommunisten in der DKP.

Im Übrigen ist auf der Gründungveranstaltung der „KI-Regionalgruppe SüdOst“ das „Geraer Manifest“ beschlossen worden. Dazu würden die Genossen der „KI-Regionalgruppe SüdOst“ gern eine Erklärung der DKP Thüringen erhalten wollen – als Diskussionsgrundlage vielleicht?
Aber es würde auch schon reichen, wenn sich viele Kommunisten nicht nur der DKP an der Diskussion beteiligen würden.


Stark bleiben!


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Mo 3. Aug 2009, 12:18 

Beiträge: 105
Lieber D. Krüger, wo fängt denn Revisionismus an. Fängt er da an, wo man die prinzipielle Linie von Marx verläßt? Dann solltest Du Dir vielleicht mal folgendes Zitat durch den Kopf gehen lassen:
Zitat:
Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme. Konnte man also nicht - und die Zeitumstände ließen das nicht zu - über das Eisenacher Programm hinausgehn, so hätte man einfach eine Übereinkunft für Aktionen gegen den gemeinsamen Feind abschließen sollen. Macht man aber Prinzipienprogramme (statt diese bis zur Zeit aufzuschieben, wo dergleichen durch längere gemeinsame Tätigkeit vorbereitet war), so errichtet man vor aller Welt Marksteine, an denen sie die Höhe der Parteibewegung mißt.

Die Chefs der Lassalleaner kamen, weil die Verhältnisse sie dazu zwangen. Hätte man ihnen von vornherein erklärt, man lasse sich auf keinen Prinzipienschacher ein, so hätten sie sich mit einem Aktionsprogramm oder Organisationsplan zu gemeinschaftlicher Aktion begnügen müssen. Statt dessen erlaubt man ihnen, sich mit Mandaten bewaffnet einzustellen, und erkennt diese Mandate seinerseits als bindend an, ergibt sich also den Hülfsbedürftigen auf Gnade und Ungnade. Um der Sache die Krone aufzusetzen, halten sie wieder einen Kongreß vor dem Kompromißkongreß, während die eigne Partei ihren Kongreß post festum hält. Man weiß, wie die bloße Tatsache der Vereinigung die Arbeiter befriedigt, aber man irrt sich, wenn man glaubt, dieser augenblickliche Erfolg sei nicht zu teuer erkauft.

Das Zitat stammt aus der Kritik des Gothaer Programms.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Mo 3. Aug 2009, 15:40 
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Apollon hat geschrieben:
Ich halte Gossweilers Herangehensweise für eklektisch, nicht dialektisch-materialistisch. Darauf werde ich, wenn ich hoffentlich mal mehr Zeit zur Verfügung habe, genauer und umfassender eingehen. Sehr weit entfernt von Steigerwalds Beiträgen zu diesem Thema und den Autoren des Heft Nr. 56 des Marxistischen Forum (hier herunterzuladen) ist mein Standpunkt nicht. Holz übrigens bezeichnete die MF-Autoren daraufhin als »neuhumanitären Ehemals-Marxisten« (jW, 27.06.2009). Wenn er dies für nötig hält...


Nun, auch ich finde, dass es von Vorteil wäre, die Thematik des in diesem Heft vertretenen Revisionismusbildes gesondert zu diskutieren. Ich finde nämlich, dass die Einwände, die Sie hier gegen Gossweilers Herangehensweise erheben, auch im Falle der Kritiker seiner Linie in dem von Ihnen verlinkten Heft geltend gemacht werden könnten. Ein Paradebeispiel hierfür wäre die "Methode" des Autoren Ingo Wagner, dessen suggestive Art mir doch schon übel aufstößt. Alles in Allem kann ich Holz' Aussage nur zustimmen, so viel Revisionismus und so wenige geltende Maßstäbe (die in der Politik alles bedeuten) habe ich noch nie auf so engem Raum vorgefunden. Nebenbei bemerkt, obwohl ich auch mit Holz in einigen Punkten nicht übereinstimme, so scheinen sich die Autoren des "Marxistisches Forum" etwas in ihn und seine Positionen eingegraben zu haben, was die gesammelten Seitenhiebe erklären könnte. Es verwundert mich nun also auch nicht mehr, wenn mir sowohl die Autoren größtenteils unbekannt waren als auch die meisten Quellen. Bitte verstehen Sie mich trotz der umfangreichen Differenzen in diesen Punkten nicht falsch, ich wäre immer noch sehr an den von Ihnen dazu erweiterten Ansichten interessiert und würde dabei dann auch Rede und Antwort stehen wollen, aber ich bin immer recht hilflos, wenn ich sehe, wie jemand den Kommunismus will, aber in jedem einzelnen konkreten Punkt dann ablehnt.

Apollon hat geschrieben:
Vielleicht kennen Sie auch den Brief Michael Benjamins an Kurt Gossweiler vom Dezember 1994 (abgedruckt in »Michael Benjamin - Das Vermächtnis«, herausgegeben von Werner Wüste). Benjamin dürfte allerdings von den meisten Mitgliedern dieses Forums als Revisionist gesehen werden.


Den Brief fand ich dann auch in "Marxistisches Forum" und auch hier teile ich leider keine der gegen Gossweiler eingebrachten Argumente, wohl auch weil sie größtenteils fehlen, d.h. als gegeben vorausgesetzt werden, und das in einer Debatte, die aufgrund ihrer Reichweite wohl kaum etwas als gegeben vorraussetzen können sollte. Ich zitiere:

Michale Benjamin hat geschrieben:
Du zitierst Brecht, Kronanwalt Pritt, Feuchtwanger und amerikanische Diplomaten, die eine „positive“ Bewertung der Moskauer Prozesse gaben und gehst davon aus, dass sie mir ihrer Beurteilung dieser Prozesse recht hatten. Leider wissen wir seit vielen Jahren, dass diese Frauen und Männer nicht recht hatten. Warum und wie sie irrten, will ich hier nicht erörtern.

Hervorhebung von mir.

Diese Art, Meinung zu machen möchte ich nicht billigen und wird auch wohl in diesem Forum keinen leichten Stand haben können. Was Michael Benjamins Argument gegen die Verteidigungsfähigkeit der Roten Armee nach den 30ern angeht, so empfehle ich einen Artikel aus der "Trotz Alledem".

Trotzdem möchte ich vorschlagen, dass eben genau jener von Ihnen ins Spiel gebrachte Brief eine kompakte Darstellung der Einwände dieses "Lagers" gegen "unser Lager" (was die Geschichte angeht) darstellt und sich daher exzellent dafür eignen würde, die Diskussion hier in Gang zu bringen. Wenn Sie also an einer Debatte dieser Art interessiert sind, dann könnten Sie diesen Brief - sofern keine Probleme mit etwaigem Urheberrecht dagegen stehen - einfach einmal zur Diskussion stellen. Mein verstärktes Interesse gründet darin, dass Sie methodische Einwände gegen Gossweiler ankündigten, ich aber keine strukturell methodischen Einwände in dem von Ihnen verlinkten Heft finden konnte.

Ich hoffe, nun nicht zu betonköpfig reagiert zu haben, aber mir ist nun leider klarer, warum einige Freunde in der KI immer so erschöpft reagieren, wenn sie mit den historischen Urteilen dieser Art konfrontiert werden. Meine Zurückhaltung und Kompromissbereitschaft basierte wohl eher auf einer meiner Bildungslücken, da ich es wohl nicht wahrhaben konnte, wie sehr man sich von der Geschichte der Arbeiterbewegung reinwaschen will - und das um jeden Preis.

Apollon hat geschrieben:
Marinus hat geschrieben:
Konkret: Was Sie und auch Holz sagen, ist dass die These von der Unveränderbarkeit der DKP keine notwendige Wahrheit ist. Dem würde ich zustimmen, aber das bedeutet leider nicht automatisch, dass die Veränderbarkeit der DKP in der jetzigen konkreten Lage praktisch gegeben (mit annehmbarer Wahrscheinlichkeit eintreffend) ist.

Richtig.


Gut. Ich möchte, abgesehen von den oben erläuterten grundsätzlichen Differenzen, trotzdem auf den Kernpunkt dieser Diskussion eingehen und also wieder so schreiben, dass der Inhalt zum Titel dieses Threads passt. Denn haben wir es recht weit gebracht und können nun, davon ausgehend, weitermachen. Meine ursprüngliche These aus meinem ersten Beitrag auf dieser Seite habe ich ja im Verlauf dieses Gespräches weiter konkretisieren können, so dass nun also auch Ihr Einverständnis im oben zitierten Kernargument ("Richtig") verwendet werden kann. Denn es ergeben sich aus just dieser Einsicht einfache, logische Abhängigkeiten. Wie man an der Ansicht des Zwischenrufers kortschagin sehen kann, sind auch weiterhin einige der Meinung, dass die DKP-Opposition ihre richtigen Einsichten in organisierter Form geltend machen sollte. Wie nun das aber konkret zu geschehen hat, das kann ich als nicht-DKP-Mitglied wohl kaum einschätzen, man müsste schon genauer wissen, welche Genossen in welchen Organen diese Linie vertreten und wie es zu schaffen wäre, unter einem "Dach" Widerstand zu organisieren. Auch wenn man - wie ich - Ihre Einschätzung teilt, dass die DKP immer noch eine kommunistische Partei ist, so steht das einer besseren Vorgehensweise der DKP-Opposition nicht pauschal im Wege - ich sage sogar, dass es ein triftiger Grund wäre, etwas an Geschwindigkeit zuzulegen, bevor nichts mehr zu retten ist. Ich sage letzteres, weil ich mir denken kann, dass Sie mir diesen Einwand schonend beibringen wollen und damit in der Regel recht hätten, wenn es nicht augenscheinlich das Ziel der DKP-Führung wäre, den kommunistischen Charakter der DKP eben zu verwischen. Ich verweise also auf meine Signatur und poche auf die konkreten Zustände in der DKP.

Apollon hat geschrieben:
Ich bin trotz den Ausführungen weiterhin der Ansicht, wenn man zur DKP keine Alternative sieht, die Tätigkeit innerhalb der Organisation nützlicher ist als außerhalb.


Hier nun aber bin ich mir nicht sicher. Ich habe dargelegt, wie schlecht es um die Chancen der DKP-Opposition steht, wie langsam sich der Widerstand entwickelt und wie es schon in einigen Fällen zur Kleinhaltung der oppositionellen Ansichten gekommen ist, wie das auch eben technisch im Bereich den Möglichen für den PV liegt, obwohl ich, wie schon gesagt, auch gerne die DKP gerettet sehen würde. Wie ich im letzten Teil meines vorangehenden Beitrages ausformulierte, führten all diese Betrachtungen eben in den Köpfen vieler Genossen zu einem Umdenken und zu einer Orientierung außerhalb der DKP - in der KI. Warum denn nicht? In der DKP stehen die Chancen ungerechterweise für klassische Positionen schlecht, darin habe ich keine weiteren Widerworte erhalten. Ihre Einschränkung "...wenn man zur DKP keine Alternative sieht..." läuft darauf hinaus, dass man sagt: "Wenn Ihr, Genossen, zur DKP keine Alternative seht, dann müsst Ihr wohl mit euren schlechten Karten weiterspielen, denn es gibt ja auch dazu keine Alternative".

Aber das ist ja in keinster Weise ein Argument gegen die Schaffung einer KI, würde ich sagen. Man hört ja auch von einigen Genossen, dass sie über die Organisierung in der KI die Hoffnung hegen, auf die DKP einwirken zu können. Das das dem PV ein Dorn im Auge ist, ist wohl ebenso wenig überraschend wie die konkrete Tat des PV, die Mitgliedschaften in DKP und KI für unvereinbar zu erklären. Ich bin kein Romantiker (hoffe ich zumindest) und sehe also ein, dass das nichts weiter als ein logischer Schritt aus Sicht des PV und dessen Unterstützer ist. Die Methoden, die der PV anwendet sind nicht nur in kommunistischen Parteien schon angewandt worden, sondern in beinahe jeglicher politischer Auseinandersetzung in der Geschichte vorgekommen, können mich also kaum per Definition stören. Mich stören die Ziele des PV und daher organisiere ich mich dort, wo mich die Ziele nicht stören.

Eines möchte ich noch loswerden, noch so ein Punkt. Dadurch, dass sich die DKP seit einiger Zeit auf revisionistischem Kurs befindet, hat sie auch immer mehr den Überblick verloren, welche Menge an Genossen "links" von dieser Linie übrig geblieben sind. Diese Genossen sind - je nach Herkunft - zumeist in verschiedenen Initiativen, Gruppen, Organisationen und Zirkeln organisiert und waren, bevor die KI angedacht wurde, ganz einfach zumeist unsichtbar. Nun aber, da sich "links" von der DKP eine größere Instanz an seine Verwirklichung macht, sind diese Genossen zum Großteil mit an Bord und mussten herausfinden, dass sie sich weltanschaulich doch recht nahe stehen. Das schließt natürlich nicht aus, dass - wie im Falle Ackermann - manch einer dann doch nicht in die KI passt, aber ist nachträglich eine Lektion, wie man sich verschätzte, wieviele Sympathisanten diese kleinen Gruppen mobilisieren können.

Letztendlich wollte ich, nachdem meine ursprüngliche Argumentation nun ausformuliert und überprüft war, nur Klarheit schaffen, was - wie ich hoffe - nicht all zu hart klingen soll. Wenn es das doch tut, dann möchte ich damit sicherlich kein zivilisiertes Gespräch zunichte machen.

_________________
"Konkrete politische Aufgaben muß man in einer konkreten Situation stellen."

W. I. Lenin


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 Betreff des Beitrags: Re: Kommunistische Initiative (Deutschland)
BeitragVerfasst: Mo 3. Aug 2009, 18:12 

Beiträge: 55
Hallo Kortschagin,

ich kann dem Marx nur zustimmen – genau das, was Marx sagt, will die KI und benennt z.B. das Programm der DKP: „… wenn man die Entwicklung der DKP in den vergangenen Jahren betrachtet, die 2006 in die Annahme eines revisionistischen Parteiprogramms mündete und damit einer weiteren Entwicklung einer noch offener revisionistischen Politik und Programmatik eine Basis gab.“ (siehe http://www.kommunistische-initiative.de ... 1&Itemid=2 )
Ganz wie Marx es vorschreibt: „Abgesehn davon ist es meine Pflicht, ein nach meiner Überzeugung durchaus verwerfliches und die Partei demoralisierendes Programm auch nicht durch diplomatisches Stillschweigen anzuerkennen.“ (http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_013.htm Brief an Wilhelm Bracke, London, 5. Mai 1875)
Marinus hat meiner Meinung nach konsequent dargelegt, warum die DKP eben mit ihren schlechten Karten weiter spielen muß.

Und – lieber Kortschagin – ein „Koalitionsprogramm“, wie Marx dieses Gothaer bezeichnet – kann und soll ja nun das Programm einen kommunistischen Partei neuen Typs nicht sein.

Im Übrigen haben bisherige Kommunistische Parteien in diesem Lande schon genügend Papier beschrieben – warum kann es nicht jetzt an der Zeit sein, etwas mehr Bewegung zu schaffen. Doch dazu hab ich nicht die Weisheit gepachtet und versuche, mit Kommunisten, die genau so denken wie ich, in einen Gedankenaustausch zu treten – in dessen Ergebnis eine Partei Neuen Typs entstehen soll – in welcher Art und Form auch immer.
Vielleicht gelingt es den Kommunisten der DKP die – nun illegal - bei der KI mitdiskutieren – ihr Parteiprogramm zu einem wirklich revolutionären m/l Programm um zu gestalten und die Führung der DKP von ihrem heutigen Irrtümern auf den richtigen Weg zu weisen – dann würde ich sofort für einen massenhaften Eintritt aller Kommunisten in die DKP plädieren.
Bis dahin werde ich aber dafür streiten, daß die KI die derzeitige beste Möglichkeit bietet, Kommunisten zu verbinden, die den Aufruf der KI unterstützen – bei allen Fragen, die sich aus dem Aufruf vor vielen Genossen auch noch aufwerfen.
Damit ist die KI erst am Anfang.

Stark bleiben!


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