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 Betreff des Beitrags: »Porsch denkt populistisch, nicht emanzipatorisch«
BeitragVerfasst: Do 29. Mär 2007, 16:19 
Administrator
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Beiträge: 4023
http://www.jungewelt.de/2005/10-28/022.php

Der Linkspartei-Fraktionschef im sächsischen Landtag sagte nach Protesten Auftritt vor rechter Burschenschaft ab. Ein Gespräch mit Carla Stein

* Carla Stein ist Sprecherin der »Antifaschistischen Hochschulgruppe Dresden«

F: Peter Porsch, der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im sächsischen Landtag, hat eine für den gestrigen Donnerstag angesetzte Rede vor einer Dresdner Burschenschaft abgesagt. Was ist das für ein Verein?

Porsch wollte vor der reaktionären »Aachen Dresdner Burschenschaft Cheruscia« referieren. Im letzten Jahr kam es zu massiven antifaschistischen Protesten, als Exgeneral Reinhard Günzel zum Thema »Das Ethos des Offizierskorps am Beispiel der Affäre Hohmann/Günzel« bei der Cheruscia sprach. Günzel war bekanntlich aus der Bundeswehr entlassen worden, weil er einen Unterstützerbrief an den damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann geschrieben hatte. Hohmann hatte am 3. Oktober 2003 in einer antisemitischen Rede Juden als »Tätervolk« bezeichnet.

F: Arbeiten schlagende Verbindungen wie die Cheruscia mit rechten Gruppierungen in Sachsen wie der NPD zusammen?

Ja. Diese Kooperation macht sich an Personen fest. Beispielsweise war der Neonazi Alexander Kleber, heute aktiv als Kader der extrem rechten »Jungen Landsmannschaft Ostpreußen«, während seiner Studienzeit Mitglied der Cheruscia. Er organisierte u. a. die jährlichen »Trauer-Märsche« von Alt- und Neonazis, »Vertriebenen«, Burschenschaftern und Rechtskonservativen anläßlich der alliierten Luftangriffe auf Dresden am 13. Februar 1945. Und auch der Pressesprecher der NPD-Landtagsfraktion, Holger Szymanski, war als Student in dieser Burschenschaft aktiv. Außerdem werden die Veranstaltungen der Burschenschaft Cheruscia regelmäßig von bekannten sächsischen Neonazis besucht.

F: Porsch wollte zum Thema »Linke – Heimat – Vaterland« referieren, ein Thema, dessen er sich bereits mehrfach annahm. Welche Position nimmt er ein?

Porsch vertritt die Auffassung, daß man diese Begriffe nicht der extremen Rechten überlassen dürfe. Zugleich greift er diejenigen an, die sich nicht über ihre Herkunft definieren wollen. Insgesamt ist seine bisher bekannte Position eine volkstümelnde Hommage an die Heimat, die unserer Auffassung nach populistisch und nicht emanzipatorisch ist.

F: Wie ist Porschs Rückzug zu bewerten? Linken Politikern dürfte der reaktionäre und völkische Charakter von Burschenschaften eigentlich bekannt sein...

Porschs Absage bewerten wir als Erfolg antifaschistischer Öffentlichkeitsarbeit. Obwohl wir bereits vorher in der Linkspartei-Fraktion intervenierten, kam der Rückzug erst Mittwoch nachmittag.

F: Wie bewerten Sie Porschs Rolle in der sächsischen Linkspartei?

Peter Porsch ist Fraktionsvorsitzender der PDS im sächsischen Landtag; sein Auftritt bei der rechten Burschenschaft war mit den Abgeordneten der Fraktion abgestimmt. Auch wenn wir wissen, daß einzelne Abgeordnete sein Vorhaben problematisch fanden, können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, daß es der Fraktion an antifaschistischer Sensibilität mangelt. Ein Dialog mit Vordenkern einer rechten Elite gehört nicht zur antifaschistischen Praxis.

F: Neben Antifagruppen äußerte auch der sächsische Landesverband der Grünen scharfe Kritik an Porschs Referatsankündigung. Welche kritischen Stimmen sind aus Kreisen seiner eigenen Partei zu vernehmen?

Einzelne Linkspartei-Abgeordnete unterstützen seit Jahren antifaschistische Politik und stehen auch Porsch kritisch gegenüber. Seit Jahren ein zuverlässiger Ansprechpartner ist der familienpolitische Sprecher der Fraktion Falk Neubert. Die Abgeordnete Freya Maria Klinger unterstützt die von antifaschistischen Gruppen initiierte Kampagne »Schöner leben ohne Naziläden«. Auch die Sprecherin für antifaschistische Politik, Kerstin Köditz, beteiligt sich aktiv an zahlreichen Veranstaltungen gegen rechts. Zudem sind jugendliche Linkspartei-Aktivisten in der Arbeit gegen rechts äußert aktiv.

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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