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 Betreff des Beitrags: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: Mo 23. Mär 2009, 11:53 
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Beiträge: 146
Ich denke diesen Fall dürfte jeder hier kennen:
http://www.youtube.com/watch?v=xnQwS98dqcI&feature=related

Meine Mutter erzählte mir heute, dass es in Cottbus auch zu solchen Anschlägen kam.
5 Minuten von unserer Wohnung entfernt, war ein Asylantenheim wo sich auch irgendwann um die Wende herum mal eine Meute von Neonazis und Gaffern sammelte um das Heim anzuzünden...
Doch ich frage mich, wie es zu solchen Progromen kam ? Wie kamen die Leute darauf so etwas zu tun ?
In der DDR wurde Völkerfreundschaft doch großgeschrieben... Warum waren es also gerade im Osten soviele?

Wie erklärt ihr euch sowas ? :redstar171:

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"Die Revisionisten korrigieren den Marxismus-Leninismus. Sie sagen, sie seien bessere Marxisten-Leninisten als Marx oder Lenin. Es gibt einzelne Länder mit solcher Tendenz.[...] Auch die Menschen großer Länder können Fehler begehen. Wir dürfen die Menschen großer Länder nicht unkritisch loben oder ihnen blindlings nachfolgen."
- Kim Il Sung im Jahre 1960


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 Betreff des Beitrags: Re: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: Mo 23. Mär 2009, 22:17 
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Beiträge: 4023
Du kannst die Frage auch einfacher formulieren: Warum gibt es im Osten soviele Nazis?

ICh kann Dir leider keine erschöpfende Antwort geben. Aber ich bin sicher, am stalinistischen Zwangstopfen hat es nicht gelegen.

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: Di 24. Mär 2009, 09:59 
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Beiträge: 146
Naja heutzutage, könnte man es sich eventuell noch erklären.
Immerhin sind die Menschen in einer schlechten sozialen Lage, und das fördert ja nunmal Rechtsextremismus.
Aber direkt zur Wendezeit ?!

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 Betreff des Beitrags: Re: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: Di 24. Mär 2009, 12:17 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Immerhin sind die Menschen in einer schlechten sozialen Lage


Das war auch der Grund für die explosionsartige Zunahme des Rechtsradikalismus anfang der 1990. Helmut Kohl hatte den Leuten 1990 versprochen, daß es niemandem schlechter gehen werde und daß die Steuern nicht erhöht werden. Nach der Wahl hat er dann die Steuern erhöht, und die soziale Lage verschärfte sich rapide, weil mit einem Schlag Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit gerieten. Das Volk, wie jedermann weiß, ist dumm. Wenn ein Kanzler den Leuten Wahlversprechen macht, von denen jeder habwegs Kundige wissen konnte, daß sie nicht haltbar sind, wählen es ihn mit überwältigender Mehrheit. Und wenn klarwird, daß die Versprechen nicht haltbar sind, reagieren dieselben dummen Leute damit, daß sie am Straßenrand Beifall klatschen, während ihr Nachwuchs Ausländerheime anzündet. Die Wahrheit ist, daß Rostock Lichtenhagen nichts anderes als die letzte Konsequenz der Montagsdemos war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: Di 24. Mär 2009, 17:56 
Administrator
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Beiträge: 4023
Erkennbar sind die Nazis im Osten stärker vertreten als im Westen. Aber im Westen ist der latente Rassismus (Nationalismus) sehr weit verbreitet. Ich muss es fast jeden Tag auf der Arbeit erleben, wo ich mit sehr vielen ausländischen Kolleginnen zusammenarbeite. (Nebenbei: Rassismus ist kein allein deutsches Phänomen, das muss ich da leider auch immer wieder erleben.)

Trotzdem würde ich mich mit einer ausländischen Freundin im Westen wohler fühlen als im Osten. Nicht nur wegen den Rechten. Es gibt linke Veranstaltungen, da würde ich mit einer Kopftuch tragenden Bekannten niemals hingehen.

Eine Anwältin erklärte mir mal, dass der offene Rassismus im Westen deshalb geringer ist, weil es da wesentlich mehr Ausländer gibt. Was bedeutet, dass man sie schlichtweg gewöhnt ist.

Das ist sicher keine Erklärung für die Progrome im Osten nach der Konterrevolution, ich denke aber, Numas Erklärung trifft es schon recht gut. Davon abgesehen: Mölln (Brandanschlag 1992), Solingen (Brandanschlag 1993), Wunsiedel (Heß-Gedenkmarsch) liegen im Westen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: Di 24. Mär 2009, 19:17 
Literat

Beiträge: 2947
Du unterscheidest zwischen Gewaltbereitschaft und Einstellung. Das ist richtig. Ich denke, die rassistische Einstellung kommt einfach aus der Dummheit der Menschen. Die Gewaltbereitschaft entsteht dann dort, wo die soziale Lage sich verschärft.

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 Betreff des Beitrags: Re: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: So 11. Okt 2009, 15:07 

Beiträge: 46
Zitat:
Das ist richtig. Ich denke, die rassistische Einstellung kommt einfach aus der Dummheit der Menschen.


Dabei muss man aber anmerken das es auch viele intelligente Nazis gibt, vorallem in der "Neuen Rechten"

Und es gibt (leider) auch sehr viele Menschen (hier in Berlin) die sich einfach aus Dummheit (Coolness, Langeweile etc.) als Kommunist/Sozialist bezeichnen und mit AntiFa-Symbolen umsich werfen.

Zitat:
Die Gewaltbereitschaft entsteht dann dort, wo die soziale Lage sich verschärft.


Würd ich auch so sehen.
Aber ich würd auch sagen das es im Osten so viele Nazis gibt weil da ja mal die DDR stand und diese bei vielen Bürgern nicht so beliebt war.
Und da man die DDR nicht mochte mochte man keinen Sozialismus, doch einem ging es im Kapitalismus auch schlecht also was tun ?
Man nimmt die dritte "Alternative" und wird Faschist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: So 11. Okt 2009, 17:34 

Beiträge: 105
Ausländerfeindlichkeit sowie Rechtsextremismus gibt es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nicht erst seit 1989/90. Die "DDR-Forschung" hat u.a. herausgearbeitet, weil der Antifaschismus in der DDR Staatsdoktrin war, äußerten Viele ihren Protest gegen die DDR durch rechtsextreme Handlungen, z.B. Schmieren von Hakenkreuzen o.ä.

Ein anderer Aspekt war der wirtschaftliche Niedergang der DDR. Man hat zwar gesehen, daß allerhand produziert wurde, aber davon konnte man nicht so viel kaufen. Viele Engpässe wurden dann im "Volk" den Ausländern als Verursacher untergeschoben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß man es den Vietnamesen übel nahm, daß sie so viele Simson-Mopeds kauften und nach Vietnam schickten, und die DDR-Bürger kaum welche zu kaufen bekamen. Das die Vietnamesen nicht an dem Mangel schuld waren, braucht sicherlich nicht hervorgehoben zu werden, aber es macht deutlich, daß in der breiten Masse und vielleicht auch in den unteren Parteiebenen gern ein Sündenbock gesucht wurde. Hätte man denn die Wirtschaftspolitik von Honecker, Mittag usw. kritisieren können, ohne Probleme zu bekommen?

Ein weiterer Aspekt ist, daß das Hooligan-Unwesen in der DDR ziemlich zugenommen hatte und zu Wendezeiten viele unzufriedene Jugendliche in seinen Bann gezogen hatte.

Die Wende und der darauf folgende wirtschaftliche Ruin von Millionen ehemaligen DDR-Bürgern hat seinen Rest dazu getan. Die SPD- und CDU-Verantwortlichen in den Neuen Bundesländern haben dann damals noch einiges dazu getan, um z.B. die Situation in Rostock zu verschärfen und sie haben die Aktivitäten des des Mobs scheinbar bewußt nicht verhindern wollen. Siehe dieser Aufsatz: Das Polizeidebakel von Rostock

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Es gibt noch einen kommunistischen Verlag und Versand, den zu besuchen sich lohnt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Progrome nach der Wende
BeitragVerfasst: Mo 12. Okt 2009, 18:05 

Beiträge: 2008
Ich denke, die gesellschaftliche Situation zu DDR-Zeiten und nach der Konterrevolution von 1989 sind wohl doch grundsätzlich andere. Das sollte man einer Analyse über Ursachen des Neonazismus zu grunde legen.

Es ist richtig, auch in der DDR gab es Menschen, die faschistischem Gedankengut huldigten und dies z.Teil auch offen kundtaten. Im Allgemeinen wurde dies nur in Ausnahmefällen bekannt. Das hat weniger damit zu tun, etwas unter den Teppich zu kehren, als damit, diesen Leuten keine Öffentlichkeit geben zu wollen.
Die entsprechenden Machtorgane des Staates (MfS, Polizei) aber auch Partei (SED) und FDJ und sicher auch Gewerkschaft griffen bei derartigen Offenbarungen sehr schnell und sehr konsequent durch.
Ich kann mich an drei konkrete Fälle erinnern.
Ein 15-Jähriger Schüler trat mit Naziparolen an seiner Schule auf. Am nächsten Tag gab es ihn an dieser Schule nicht mehr. Wo er danach "untergebracht" wurde, ist mir nicht bekannt.
Flugblätter mit Naziparolen lösten eine umfangreiche Fahndungsaktion aus. Nochmals derartige Flugblätter habe ich nicht gesehen.
Hakenkreuzschmierereien an einer Straßenbahn/Bus-Haltestelle. Waren nach 2 Stunden beseitigt und die Verursacher am nächsten Tag gefaßt.
Ich will damit sagen, die Nazis hatten in der DDR keine gesellschaftliche Grundlage. Das man nicht gänzlich verhindern kann, dass es derartige Idioten auch in einer soz. Gesellschaft gibt, hat sich gezeigt und ist nicht ganz und gar überraschend. Die Motivation dieser Leute geht von purer Dummheit bis Größenwahnsinn (um jeden Preis auffallen). Man sollte aber auch nicht die unmittelbare Nachbarschaft vergessen. Über die Medien bekamen viele DDR-Bürger Informationen zu neuen Naziformationen in der BRD. Das kann manchen Dummkopf zu unüberlegtem Nachahmen verleitet haben.
Dennoch, derartige Leute hatten in der DDR keine Chance, ihre Ideologie massenwirksam zu verbreiten. Die antifaschistische Priorität der Politik hätte dies nie zugelassen und hat es auch stets verhindert.

Ganz anders in der heutigen kap. Gesellschaft. Faschismus als letzte und perverseste Form des Imperialismus gehört zu dieser Gesellschaft, wie der Wind zum Wetter. Die Gesellschaft bietet dafür die Grundlagen und liefert die Ursachen. Existenzangst, Armut, schlechte Bildungschancen, schlechtere medizinische Betreuung (wo es an den Geldbeutel gebunden ist) und noch vieles mehr, sorgen dafür, dass Menschen diesen braunen Rattenfängern auf den Leim gehen.

Was die Kritikmöglichkeiten an der Wirtschaftspolitik angehen, kann ich aus der Erfahrung von 40 Jahren DDR-Erleben und aktiver gesellschaftlicher Arbeit sagen, dass die Möglichkeiten dafür weitaus besser waren als heute. Sicher hatte auch ich nicht die große Freiheit, ungestraft Mittag oder Honecker als Idioten zu bezeichnen. Doch was nützt mir diese heutige Meinungsfreiheit? Ich kann noch so oft davon Gebrauch machen, die Politik wird weiterhin dem Kapital dienen, denn von dort wird sie bezahlt.
Kritik an der DDR-Wirtschaftspolitik setzten allerdings ein gehöriges Maß an Wissen voraus. Das hatten nur ein geringer Teil der 16 Millionen DDR-Bürger zu bieten - was eine völlig normale Situation ist. Kompetente Entscheidungen sind von Fachleuten zu treffen. Alles andere führt zu Chaos und Anarchie.
Kritik an der Wirtschaftspolitik seit Anfang der 70-ziger setzt aber auch Wissen über das Thema Revisionismus und Opportunismus voraus. Umfangreicheres Wissen, als nur diese Worte buchstabieren zu können.
Meine Meinung (und auch Kritik) konnte ich in meiner Parteigruppe immer zum Ausdruck bringen. Das hatte keine Folgen. Wenn sich da mal zwei oder drei Genossen bei der Nachbarin nach mir erkundigt hatten, dann dürfte wohl eher meine große Klappe die Ursache dafür gewesen sein, als eine sachliche Kritik. Ich wurde weder vorgeladen noch in irgendeinen Keller eingesperrt oder sonstiges dieser Art.
Wenn man etwas kritisiert, ist es eigentlich normal, dass man dann auch einem Gegenwind ausgesetzt sein kann. Eine einseitige Diskussion bringt nichts voran. Der Meinungsstreit und eine zielbezogene Meinungsbildung waren die geeigneten Methoden.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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