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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Leistung, Gleichheit, Moralin
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 18:51 
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[Faden abgetrennt]

Ich hätte eine Frage an jene, die sehr viel über Hacks wissen. Folgendes habe ich in einem Blog gefunden:

Zitat:
Ingo_Way hat geschrieben:
Hacks lebte wahrlich nicht schlecht. Er besaß ein altes Rittergut in Großmachnow, hielt sich Pfauen im Garten, sammelte Kunst und Antiquitäten, wenn Gäste kamen, öffnete ein livrierter Diener, und den Tee servierte ein Dienstmädchen.]


Quelle: http://83273.homepagemodules.de/t1485f14-Zitate-des-Tages-quot-Die-Seelen-nehmen-Form-an-quot.html

Wenne es geht bitte keine Belehrung, dass ein Genie wie H. eben mehr verdient als ein Kutscher (Fernfahrer, Lokführer, Pilot), eben als Leute, die tagtäglich in ihrem Job ihr Leben riskieren und Verantwortung für das Leben anderer übernehmen (Ich hoffe, das Genie Hacks hatte wenigstens eine leise Vorstellung von solchen Jobs) Aber darum geht es mir nicht.

Hat er wirklich ein Dienstmädchen und einen "livrierten Diener" beschäftigt, oder ist das nur eine üble Verleumdung?

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"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nutzen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht."

Nikolai Ostrowski


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 19:05 
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Ja, er hatte Bedienstete die ihm im Haushalt halfen. Lässt sich in "Gespräche mit Hacks" nachlesen.

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"Konkrete politische Aufgaben muß man in einer konkreten Situation stellen."

W. I. Lenin


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 19:11 

Beiträge: 176
Marc, wie kommst Du darauf, daß man ihn damit verleumden könnte?


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 19:19 
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Beiträge: 104
@Nina, ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass bei einem bekennenden Kommunisten ein "livrierter Diener" die Tür öffnet. Sorry, aber ich war mir sicher, dass dies nichts anderes als eine Verleumdung sein könnte.

Kannst du dir vorstellen, Lenin hätte so gelebt? Stalin, Che, Fidel? Nicht einmal in Wandlitz gab es "livrierter Diener". Nun, da es wohl die Wahrheit ist, werde ich wohl etwas umdenken müssen...

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 19:26 
Salonbolschewist
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Marc, wie findest du die Erklärung, daß eine Gesellschaft, vor allem eine sozialistische, durchaus davon profitieren kann, wenn die genialen Köpfe derselben mehr Zeit dafür aufwenden können, genialen Dingen nachzugehen (was ausser jenen eben keiner sonst kann) weil sie anderweitig entlastet werden?

Und ich bezweifle, daß Lenin und Stalin sich in der Küche des Kreml beim Abspülen an den Plan gehalten haben.

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 Betreff des Beitrags: Genies
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 19:46 
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Beiträge: 104
@Ben, ob Hacks ein Genie war oder nicht kann und mag ich nicht beurteilen. Ich gehe auch mal davon aus, dass du nie in der DDR gelebt und gearbeitet hast. Was ich aber gern von dir wüsste wäre, wie ich Hacks Genie 1989 bei der Verteidigung der DDR einfach so übersehen konnte. Oder wie hat unsere sozialistische Gesellschaft von Hacks profitiert, bevor sie sang und klanglos untergegen ist?

1989, als Ratlosigkeit und Verzweiflung bei denen herrschten, die die DDR bewahren wollten: Da hätte einer aufstehen müssen und sagen "Unser Vaterland ist in Gefahr, folgt mir!" Das wäre doch die Stunde für Hacks gewesen, da hätte er beweisen können, dass er nicht nur redet. Nur, wenn das mit dem "livrierter Diener" rausgekommen wäre, dann hätte er wohl echte Probleme bekommen...

Trotzdem auch an dich nochmal die Frage: Was hätten die Kubaner wohl mit Fidel gemacht, wenn der in einer riesen Villa leben würde und "livrierte Diener" am Eingang hätte?

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 20:31 
Salonbolschewist
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Zitat:
@Ben, ob Hacks ein Genie war oder nicht kann und mag ich nicht beurteilen.


Ob man ihn nun Genie nennt oder nicht, er konnte einige Dinge besser als beinahe jeder andere Zeitgenosse und wurde dafür angemessen entlohnt, das versuche ich zu sagen. Genau Heute ermöglicht Hacks' Werk einer ansehnlichen Anzahl von Kommunisten nicht nur beste Unterhaltung, sondern auch noch großes Wissen.

Zitat:
Ich gehe auch mal davon aus, dass du nie in der DDR gelebt und gearbeitet hast.


Ich tausche alle Vorzüge eines Aufwachsens in der DDR gegen die Tatsache ein, dort nicht Marc über den Weg gelaufen und geflohen zu sein. Will sagen, aus deiner Herkunft solltest du nicht automatisch ableiten, besser Urteilen zu können als andere. Also lass solche Sprüche, übertriebene DDR-Propaganda betreibt dieses Forum nicht, das ist kontraproduktiv und muss nicht toleriert werden.

Zitat:
Was ich aber gern von dir wüsste wäre, wie ich Hacks Genie 1989 bei der Verteidigung der DDR einfach so übersehen konnte. Oder wie hat unsere sozialistische Gesellschaft von Hacks profitiert, bevor sie sang und klanglos untergegen ist?


Lies doch einfach mal nach, Hacks wurde seit den Siebzigern nach und nach ignoriert und nicht mehr gespielt. Das macht eine Konterrevoultion so. Buchtipp: "Zur Romantik" oder eben die von Marino erwähnten "Gespräche mit Hacks". Da gibt es keine Diskussion, nur nachlesen muss man die Fakten eben.

Zitat:
1989, als Ratlosigkeit und Verzweiflung bei denen herrschten, die die DDR bewahren wollten: Da hätte einer aufstehen müssen und sagen "Unser Vaterland ist in Gefahr, folgt mir!" Das wäre doch die Stunde für Hacks gewesen, da hätte er beweisen können, dass er nicht nur redet. Nur, wenn das mit dem "livrierter Diener" rausgekommen wäre, dann hätte er wohl echte Probleme bekommen...


Muss ich auf diesen linksradikalen Stuss antworten? Die Frage geht an alle.

Zitat:
Trotzdem auch an dich nochmal die Frage: Was hätten die Kubaner wohl mit Fidel gemacht, wenn der in einer riesen Villa leben würde und "livrierte Diener" am Eingang hätte?


In welcher Welt lebst du denn? Der kubanische Sozialismus hat größtes Interesse daran, Fidel Castros Leben zu ehalten. Also werden die ihn wohl nicht selber kochen, putzen und waschen lassen. Wenn es nach dir ginge, hätte er wohl mit Absicht keine Ärzte und würde daran Leiden, nur um Linksradikalen zu gefallen? Soll Castro alle Leibwächter entlassen, damit ihn der CIA leichter beiseite schaffen kann? Wie weit willst du denn mit deiner Definition vom Proletarierheld gehen?

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 20:48 
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Beiträge: 104
Ben hat geschrieben:
Ich tausche alle Vorzüge eines Aufwachsens in der DDR gegen die Tatsache ein, dort nicht Marc über den Weg gelaufen und geflohen zu sein.


@Ben, wenn du mir mit deinen Sprüchen und deinen Ansichten in der DDR dort über den Weg gelaufen wärst wo ich die meiste Zeit gearbeitet habe, glaub mir, dann wärst du froh gewesen, mir zu begegnen. Weil ich immer jeden verteidigt habe, der sich in akute Gefahr gebracht hat... Aber ich werfe dir deine Unwissenheit nicht vor. Du kannst es garnicht besser wissen.

Es ist also "linksradikaler Stuss", wenn ich meine, dass 1989 ein integrer kluger
Mann mit dem Aufruf "Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr" die Situation gewaltig hätte ändern können? Ja, diese Frage würde ich auch gern an alle stellen. Ich für meinen Teil habe damals genau darauf gewartet: Auf jemand, der den Mut und die Fähigkeit hat, unser Land zu verteidigen. Und ich meine nur, nach allem was ich gelesen habe, dass PH dies hätte sein können. Linksradikal? Ist das alles was jenseits vom Salonbolschewismus liegt? Ich bitte dich!

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Fr 29. Aug 2008, 21:09 
Salonbolschewist
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Beiträge: 1077
Zitat:
Es ist also "linksradikaler Stuss", wenn ich meine, dass 1989 ein integrer kluger Mann mit dem Aufruf "Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr" die Situation gewaltig hätte ändern können? Ja, diese Frage würde ich auch gern an alle stellen. Ich für meinen Teil habe damals genau darauf gewartet: Auf jemand, der den Mut und die Fähigkeit hat, unser Land zu verteidigen. Und ich meine nur, nach allem was ich gelesen habe, dass PH dies hätte sein können. Linksradikal? Ist das alles was jenseits vom Salonbolschewismus liegt? Ich bitte dich!


Ja, das ist es. Du ignorierst, einfach aus einer Stimmung heraus, daß Peter Hacks Dichter war und kein Politiker. Sein Einfluss bestand und besteht darin, durch sein Werk dem Interessierten das Leben dadurch zu erleichtern, daß er ihm mit seinen Texten definierte Werte und klare Herangehensweisen an die Probleme der Politik und Gesellschaft und auch in Fragen der Kunst hinterlassen hat. Davon hätten doch dann diejenigen, die die Konterrevolution aufhalten sollten erheblich profitiert. Doch Peter Hacks gelang es nur unter Mühen, seinen Einfluss und seine Positionen zu verbreiten. So war seine Position, welche wohl die gesündere gewesen wäre, erheblich unterrepräsentiert. Wieder einmal empfehle ich dir, dich aus erster Hand zu informieren.

Kurz gesagt, was du machst ist folgendes:

Du packst dir einen Gärtner und wirfst ihm vor, daß der Computer kaputt ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Sa 30. Aug 2008, 07:27 

Beiträge: 2008
@Marc: Du hast doch jetzt den Weg auf die PH-Website gefunden, ja?
Viele Deiner Fragen findest Du dort beantwortet.
Desweiteren gibt es zahlreiche Bücher (außer den hier bereits genannten) von und über PH. Titel findest Du auf obiger Website und ansonsten mal beim Eulenspiegelverlag reinschauen.
Auch PHs Briefwechsel mit Kurt Gossweiler sind lesenswert.
Du wirst hier im Forum etliche weitere Beiträge zu PH finden. Schließlich schreiben hier ja auch mit die größten PH-Kenner und Verwalter (blöder Ausdruck) seines geistigen Erbes.

Ansonsten lese ich aus Deinen Darlegungen erneut Deine Sicht, was Du unter Kommunismus verstehst. Das ist nicht persönlich gemeint. Nur als kleiner Tip: Löse dich von etlichen romantischen Vorstellungen. Diese sind unrealistisch und helfen Dir nicht weiter.
So ist es illusorisch, dass 1989 sich jemand hinstellen konnte (ich hab solche Leute persönlich erlebt), zur Verteidigung der DDR aufrief und womöglich noch von der Mehrheit gehört wurde. 1989 war bereits die Konterrevolution in vollem Gange und der Gegner hat den Faden der Handlung übernommen. Also zu spät, um die Fehler seit mitte der 70ziger zu korrigieren.
Da kann noch so ein mutiger Mensch sich vor die Massen stellen - er wird nur ausgepfiffen. 1989 wollte "das Volk" keine Gedanken der Vernunft hören. Alle wollten nur heim ins ... ähmm, in den Westshop. Warum sollte ein Realist wie PH soetwas anders sehen?

Klar gesagt: Ja und, wenn der P.H. ein Dutzend livrierte Diener gehabt hätte? Warum soll er dann kein Kommunist gewesen sein? Er war einer der wenigen, der wirklich standhaft geblieben ist, also kein PDS-LINKER. Sein Verhalten, seine Meinung, sein Auftreten um 1989 findest Du gut dokumentiert in obigen Quellen. Er hat als einer der ganz wenigen schon viele Jahre vor 1989 vor dieser Entwicklung gewarnt - die andere nicht sahen oder nicht wahr haben wollten. Freunde dich doch mal mit dem Gedanken an, dass es Situationen gibt, wo wir machtlos sind, wo wir nicht mehr den Einfluß haben, die Dinge so zu steuern und zu bewegen, wie wir es gern hätten. Klar ist man da enttäuscht. Doch da gilt es die Ursachen zu finden und es dann erneut zu versuchen, besser zu machen und mit weniger Fehlern.

Die Frage, die hier mal wieder hoch kommt, ist doch, wie gehen wir mit den Menschen mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten im Sozialismus um?
Wir brauchen im Sozialismus und auch im Kommunismus Menschen mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten. Wir bieten dann aber auch allen Menschen die Chance, ihre Fähigkeiten zu entdecken, zu entwickeln und nach ihrem Willen zu entwickeln.
Allein, das P.H. dazu Diskussionstoff liefert, macht ihn für mich sehr wertvoll.

Wir werden P.H. nicht auf einen Sockel stellen, um ihn als unfehlbar zu betrachten. Er war Mensch und hatte auch seine Fehler. Das macht ihn aber uns und anderen Menschen sympathisch. :redstar161:

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Sa 30. Aug 2008, 09:21 
Literat

Beiträge: 2947
So interessant diese Diskussion ist, weil sie einmal mehr dokumentiert, daß die kommunistische Ideologie jenes innere Spannungsverhältnis von Leistungsprinzip und Gleichheitsprinzip nicht loswird - ein Verhältnis, das sich, sofern sich Leute finden, die es ins Gleichgewicht zu setzen vermögen, durchaus produktiv machen läßt, so interessant also diese Diskussion ist, so wenig sollte man allerdings die Tatsachen vergessen:

Der Hacks hatte keinen Diener im Livree, sondern ein Ehepaar, das ihm den Haushalt geführt hat. Er hatte ein Landhaus, das er in der Sommersaison mit seiner Frau bewohnte, und für die Haltung und Pflege dieses Landhauses und des dazugehörigen Grundstücks wohnte dort das ganze Jahr über, also auch zu der Zeit, da Hacks in Berlin weilte, ein Ehepaar, sie Haushälterin, er Gärtner. Die beiden hatten keine Uniform, sie hießen nicht Sam und Semiramis, sie mußten nich "Massa" sagen oder die Tür öffnen, weil der Hausherr es grundsätzlich ablehnte, seinem Besuch entgegenzukommen.

Daß Hacks diese Angestellten hatte, hat erstens damit zu tun, daß ein solches Grundstück sehr arbeitsaufwendig ist und zweitens damit, daß Hacksens Zeit sehr kostbar war. Er hätte natürlich die Wahl gehabt, seinen Beruf als Dichter an den Nagel zu hängen, um sich selbst um das Grundstück zu kümmern, und ich habe keinen Zweifel daran, daß es genau das ist, was unser Marc für das Beste gehalten haben würde.

Aber wie vernagelt muß man eigentlich sein, um ausgerechnet Lenin und Stalin als Gegenbeispiele anzuführen? Ich will nicht sagen, daß die beiden nie Haushaltsarbeiten erledigt haben, schließlich: aus sie waren einmal in der Lage, das selbst tun zu müssen, aber seit sie im Schnitt sechzehn Stunden täglich, und oft länger, ihre politischen Führungsarbeiten in der SU ausübten, haben sie natürlich nicht mehr ihren Haushalt geführt; sie hatten Leute, die das taten. Es verhält sich mit ihnen nicht anders als mit jedem anderen Leistungsträger: Nicht das ist der Grund, daß er es aufgrund seiner Leistung verdient hätte, bestimmte Arbeiten nicht machen zu müssen, sondern die Tatsache, daß seine Zeit zu kostbar ist, um sie zum großen Teil auf Arbeiten zu verwenden, die jeder erledigen könnte. Und wenn Marc das nicht paßt, dann soll er in eine maoistische Kommune ziehen, dort bekommt er dann auch Kleidung gestellt, und soll die "Fragen des Leninismus" gegen die Mao-Bibel eintauschen. Was er aber nicht soll, das ist: hier sein gleichmacherisches und jegliches Leistungsprinzip mißachtendes Gerede für die einzige und eigentliche Lesart des Marxismus ausgeben.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Sa 30. Aug 2008, 13:47 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
ich bin kein Hacks-Kenner, aber kann mir mal bitte jemand die Frage beantworten, was daran so schlimm ist, wenn einer eine Haushälterin hat? Wo verstößt es gegen das Prinzip des Marxismus-Leninismus? Ach ja, da meint sicher einer, dass wäre Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Es gibt nun mal Arbeiten, die müssen erledigt werden: und dazu gehören auch Haushalt, Kinderbetreuung, Leibwache, Gärtner etc. So genannte Hausbedienstete. Die Ausbeutung im Kapitalismus besteht nicht darin, dass solche Hausarbeiten an sich gemacht werden, sondern weil sie ihre Arbeitskraft verkaufen, liegt also im kapitalistischen System. Wie aber werden in einem sozialistischen Staat Haushelferinnen ökonomisch ausgebeutet, wenn es a) gesetzlich verboten ist, b) ihre Stellung sozial besser ist und man mehr Rechte hat, als bei vergleichbaren Berufen im Kapitalismus, c) der Mehrwert nicht vom Haushälter (in diesem Fall Peter Hacks) einkassiert wird, sondern zum wohle des gesellschaftlichen Aufbaus dient und d) immer noch den beurf wechseln kann durch Weiterbildung ohne in die Gefahr der Arbeitslosigkeit hineinkatapultiert zu werden?

Oder wir Arbeit allgemein, also unabhängig vom ökonomischen System als Ausbeutung dargestellt? Dann empfehle ich APPD zu wählen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Sa 30. Aug 2008, 14:51 
Administrator
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Beiträge: 4023
ICh glaube, der marc hat sich weniger daran gestossen, dass Hacks einen haushälter hatte, sondern das es einen _livrierten Diener_ gegeben haben soll, was ihm wohl zu aristokratisch oder bürgerlich schien.

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“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Sa 30. Aug 2008, 16:39 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
ICh glaube, der marc hat sich weniger daran gestossen, dass Hacks einen haushälter hatte, sondern das es einen _livrierten Diener_ gegeben haben soll, was ihm wohl zu aristokratisch oder bürgerlich schien.


Nur: Warum artikuliert er das dann nicht? Warum langweilt er stattdessen mit diesen plebejischen Parolen? Warum kleistert er deinen Blog mit seinem moralinsauren Proletkult voll?

Das kann ja nun unmöglich allein am Livree liegen, sondern für ein solches Verhalten gibt es ein Fachwort: Idiosynkrasie.

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Sa 30. Aug 2008, 18:46 
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Beiträge: 104
@Woschod, wie du richtig bemerkt hast habe ich mich an dem Begriff "livrierter Diener" gerieben. War doch der Diener in Livree, seinerzeit auch als "Lakei" bezeichnet, so ziemlich die unterste Stufe des "Personals". Aus genau diesem Grund Grund hatte ich die zitierte Aussage ja auch angezweifelt.

@Numa, zunächst Danke für die Information zum Thema. Dass ich mich offensichtlich nicht klar genug ausgedrückt habe tut mit leid, damit hat man halt als Prolet so seine Probleme. Andererseits könnte ich jetzt aber auch fragen, warum Woschod es verstanden hat und du nicht. Aber das tut ja nichts zur Sache.

Was das "Vollkleistern" eines Blogs betrifft ist das natürlich auch so eine Sache. Denn in einem Blog, in dem Kommentare erst freigeschaltet werden müssen (was ich, nebenbei bemerkt, für eine sehr gute Sache halte), entscheidet numal der Admin selbst, was Kleister ist und was nicht. Und ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Woschod nicht jeden Müll druckt der geschrieben wurde. Aber dazu kannst du dich ja im Blog äußern.

Eigentlich hatte ich ja nur eine einfache Frage gestellt, und die Antwort auf diese Frage habe ich längst. Idiosynkrasie steht ja nun für vieles, aber ich gehe mal davon aus, dass Numa die Bedeutung gemeint hat, bei der das Wort für eine Abneigung steht, die ein einzelner (also ich) gegen bestimmte Dinge hat und die andere nicht nachvollziehen können. Meine Abneigung richtet sich gegen Arroganz und eitle Selbstdarstellung, ganz allgemein und vor allem gegen arrogante Selbstdarsteller, die dann auch noch von sich behaupten, Kommunist zu sein. Aber ganz bestimmt stehe ich mit dieser Abneigung nicht allein da! Die Arroganz der Herrschenden, die zum Schluss nicht mal mehr den Informationen ihres eigenen Nachrichtendienstes geglaubt haben, hat einen guten Teil dazu beigetragen, dass mein Vaterland nicht mehr existiert! Bitte nicht nochmal das gleiche!

Ansonsten, wie gesagt, es war eine einfache Frage, und sie ist beantwortet. Was noch zu diskutieren wäre gehört meines Erachtens in andere Threads. PH war auf jeden Fall ein großer Dichter.

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Sa 30. Aug 2008, 21:44 
Administrator
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Beiträge: 4023
Marc hat geschrieben:
Meine Abneigung richtet sich gegen Arroganz und eitle Selbstdarstellung, ganz allgemein und vor allem gegen arrogante Selbstdarsteller, die dann auch noch von sich behaupten, Kommunist zu sein.


Schade allerdings, dass bei Dir der Humordetektor so schlecht funktioniert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Sa 30. Aug 2008, 21:49 
Literat

Beiträge: 2947
Wer keinen Humor hat, wie soll der wissen, wann andere scherzen?

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: So 31. Aug 2008, 05:48 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Meine Abneigung richtet sich gegen Arroganz und eitle Selbstdarstellung, ganz allgemein und vor allem gegen arrogante Selbstdarsteller, die dann auch noch von sich behaupten, Kommunist zu sein.


Unsere Abneigung - ich schreibe "unsere", denn ich spreche für die Mehrheit der User hier - richtet sich gegen Leute, die jedes schonungslose Urteil als Arroganz auffassen und jedem, der nicht in ihre ethischen Vorstellungen paßt, das Recht absprechen, sich derjenigen Weltanschauung zuzurechnen, der auch sie sich zurechnen.

Natürlich ist Arroganz schwer zu ertragen, und ich sehe ja auch ein, daß, wenn man, wie du, a) chronisch humorlos und b) zwanghaft in die Massen verknallt ist, jede gekonnte Überlegung wie ein Provokation, jedes Urteil, das keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Masse nimmt, wie Misanthropie und überhaupt jede Pointe wie eine Beleidung wirken muß. Trotzdem solltest du dich gelegentlich fragen, warum es buchtstäblich niemanden gibt, dem du nicht auf die Nerven fällst. Noch unerträglicher als Arroganz nämlich ist das weinerliche Geschwätz scharfmacherischer Gesinnungsschnüffler, die ihren Mangel an Was-auch-immer durch ein übersteigertes Maß an Moralität zu kompensieren suchen. Andere Leute für die eigene Unzulänglichkeit büßen zu lassen ist auch nicht eben ein Zeichen jener moralischen Integrität, die du hier, in Woschis Blog und Gott-weiß-wo-noch anhaltend für dich in Anspruch nimmst.

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: So 31. Aug 2008, 15:13 
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Beiträge: 40
Ben hat geschrieben:
Ich tausche alle Vorzüge eines Aufwachsens in der DDR gegen die Tatsache ein, dort nicht Marc über den Weg gelaufen und geflohen zu sein.


Also dieser Spruch war eindeutig zuviel des guten, Ben, auch wenn ich deiner Argumentation ansonsten beipflichten kann. Solche Sätze können schaden!

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: So 31. Aug 2008, 15:54 
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Beiträge: 1077
Marinus hat geschrieben:
Ben hat geschrieben:
Ich tausche alle Vorzüge eines Aufwachsens in der DDR gegen die Tatsache ein, dort nicht Marc über den Weg gelaufen und geflohen zu sein.


Also dieser Spruch war eindeutig zuviel des guten, Ben, auch wenn ich deiner Argumentation ansonsten beipflichten kann. Solche Sätze können schaden!


Ach, darauf habe ich regelrecht gewartet.

Bester Marinus, so ungerechtfertigt, wie du denkst, ist dieser kleine Scherz nicht. Erklärenderweise: Wenn ein junger Mensch, sagen wir mal ich, damals, also in der streckenweise suboptimal funktionierenden DDR der 80er, einem Marc in irgend einem Betrieb über den Weg gelaufen wäre, was wäre dann möglicherweise passiert?

Nun, ein Kommunist wie Marc einer ist, findet, so wie ich das einschätze, unter jungen Menschen gerne Gehör. Denn er nimmt diese Sache mit dem Kommunismus sehr ernst und versteht es, diese Haltung in markante Sätze zu verpacken (Ich = Uffz, Du = Nichts). Wenn er also dem kleinen Ben davon erzählt hätte, daß ein Dichter gefälligst selber seine Hecken schneiden sollte, weil das im Sozialismus nun mal so sei und weiterhin, daß ein Kommunist immer und jederzeit und in allen Belangen ein Vorbild darstellen müsse und viele weitere knallharte Regelsätze fürs Leben, hätte das der kleine Ben eine Tages für bare Münze genommen.

Wenn dann aber der nicht mehr ganz so kleine Ben an der Realität, die leider komplizierter ist als einfache Agitation, versucht hätte diese Haltung zu überprüfen, hätte der Fall nicht tiefer sein sollen. In einem Land, dessen Organe sich bemühen, die Arbeit einzustellen, sind Maßstäbe, die nicht mal die junge und gesunde DDR hätte halten können mehr als fehl am Platz. Im Kopf des nicht mehr ganz so kleinen Bens dreht sich nun alles. Er beginnt, am ganzen auswendig gelernten M-L zu zweifeln, warum auch nicht, das was er davon verstanden glaubte, war nirgendwo zu finden.

Einige wenige Zeit später macht er dann rüber, denn dort ist es ja alles besser.

Das mag sich zwar unterhaltsam lesen, ist aber kein Witz und vor allem nicht auf die DDR begrenzt, diese war nur eben der Lebensraum des Marc. Einfache, proletenhafte und übermäßig kämpferische Haltungen führen nun schon in der 274. Generation zu kurzfristiger Begeisterung und langfristiger Verzweiflung. Man sehe sich nur an, wohin die ganzen Leute gekommen sind, die sich in den 70er und 80ern für den Maoismus abgearbeitet haben. Da gibt es hier und da interessante Lebensgeschichten zu erzählen.

Kurzum: Haltungen wie diese sind brandgefährlich und richten nur Schaden an. Wenn ich dann 2008, von jemandem, der eigentlich alles aus nächster Nähe erlebte, so etwas höre, dann muss ich mir auch mal einen Scherz gönnen.

Es lässt sich eben mit Humor manchmal ein komplizierter Sachverhalt umfassend dem Prinzip nach darstellen ohne ihn beim Namen nennen zu müssen. Alles klar? ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: So 31. Aug 2008, 16:57 
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Nun gut, jeder hat so seine Gründe. Waren nur gut versteckt. Ich nehme die Kritik mal zurück.

Was die maoistischen Lebensläufe angeht, gibt es tatsächlich sogar Bücher, die den Irrsinn schildern. Da hat manch anderer noch richtig Glück gehabt.

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"Konkrete politische Aufgaben muß man in einer konkreten Situation stellen."

W. I. Lenin


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Mi 3. Sep 2008, 21:03 
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@Ben, deine Überlegungen sind im Ansatz keineswegs falsch, und eigentlich müsste ich mich bei dir bedanken, dass du mich zu intensiven Nachdenken über diese längst vergangene Zeit sozusagen genötigt hast.

Zum Teil beruhen deine Überlegungen aber auf Vorstellungen von der DDR allgemein und der Situation in DDR Betrieben im besonderen, die so einfach nicht richtig sind. Aber so wie es aussieht könntest du das garnicht besser wissen.

Ben hat geschrieben:
Erklärenderweise: Wenn ein junger Mensch, sagen wir mal ich, damals, also in der streckenweise suboptimal funktionierenden DDR der 80er, einem Marc in irgend einem Betrieb über den Weg gelaufen wäre, was wäre dann möglicherweise passiert?


Obwohl ich es nicht mag, auf eine Frage mit einer Gegenfrage zu antworten, geht es hier wohl nicht anders. Ben, bevor du mir in meiner Dienststelle (so hieß das bei der Bahn) über den Weg gelaufen wärst; welche Erfahrungen hättest du denn bis dahin gemacht? Du wärst entweder ein Lehrling gewesen, mindestens 16 Jahre alt, ein Praktikant (in der Regel um einiges älter), oder ein "Seiteneinsteiger". In jedem Fall wärst du nach mindestens zehn Jahren sozialistischer Schulbildung bei uns aufgeschlagen.

Dass es in unserem Arbeiter und Bauern Staat keine Herren und keine Diener gibt hättest du in den zehn Jahren oft genug gehört. Und dass Kommunisten edle Menschen und absolute Vorbilder sind genau so oft. Und letzteres war ja so falsch nicht. Kommunisten, die eher gestorben sind ehe sie Ihre Genossen verraten haben hat ja nun nicht die DDR - Bildungspolitik erfunden. Auch über die klassenbewusste und stets für den Sieg des Sozialismus kämpfende Arbeiterklasse hätte man dir eine Menge beigebracht.

Wenn du in all dieser Zeit den Widerspruch zwischen Anspruch und Realität nicht hättest erkennen können; spätestens am ersten Tag im "Wagenbau" (verbreiteter Name für unsere Werkstatt) hättest du diesen Schock erlebt: Die klassenbewusste selbstlose Arbeiterklasse, die dir da begegnet wäre, wäre dir auf den ersten Blick als ein Haufen egoistischer Irrer erschienen. Allerdings hättest du mir der Zeit gelernt, dass es ganz so einfach nicht ist...

Ich habe diese Erfahrung selbst gemacht, und es war, wie du schreibst "ein tiefer Fall". Aber wie kommst du darauf, dass die einzige Konsequenz dieser Erkenntnis nur eine Republikflucht gewesen wäre? Auch nach dieser Enttäuschung waren für mich die DDR und der Sozialismus immer noch die bessere Alternative!

Dass Kommunisten Vorbilder sein müssen war doch nicht meine private Idee! Das stand im Statut der SED!

Und jetzt hätte ich eine Frage an dich: Hat wesentlich zum Ende der DDR beigetragen, dass im SED - Statut unter "Pflichten des Parteimitglieds" unrealistische Forderungen standen, oder lag es deiner Meinung nach doch eher daran, dass zum Ende hin einfach niemand mehr das Statut ernst genommen hat?

Ehrlich gesagt würde es mich freuen, wenn sich dazu auch mal einer meiner damaligen Genossen äußern könnte.

Da du mir recht direkt vorwirfst, unbedarfte DDR - Bürger in die Flucht getrieben zu haben: Nicht einer meiner Kollegen hat 1989 das Land verlassen. Nicht einer ist am 10.11.1989 nicht zur Arbeit gekommen, weil er mal schnell in den Westen wollte (Sind von hier aus etwa 25 Kilometer). Ich habe keine Ahnung, ob meine "Agitation" dazu etwas beigetragen hat, auf jeden Fall muss ich mir nichts vorwerfen und auch nichts vorwerfen lassen!

Abschließend kurz zurück zum Thema des Threads und der Diskussion. Über den Lebensstil von Künstlern und Funktionären wussten zumindest wir in der tiefen Provinz garnichts, darüber gab es nur Gerüchte. Ganz allgemein war der Konsenz aber, dass im Sozialismus gefälligst jeder seine Hecke selbst zu schneiden hat. Auch unter dem Aspekt, dass wir immer einen Mangel an Arbeitskräften hatten.

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"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nutzen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht."

Nikolai Ostrowski


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter Hacks * 21. März 1928 † 28. August 2003
BeitragVerfasst: Do 4. Sep 2008, 02:41 
Salonbolschewist
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Beiträge: 1077
Marc, ich muß doch an dieser Stelle mal zugeben, daß mich deine Ernsthaftigkeit wirklich beeindruckt. Aber nun zu deinen Fragen, möglichst kurz und knapp:

Zitat:
Zum Teil beruhen deine Überlegungen aber auf Vorstellungen von der DDR allgemein und der Situation in DDR Betrieben im besonderen, die so einfach nicht richtig sind. Aber so wie es aussieht könntest du das garnicht besser wissen.


Natürlich kann ich das nicht. Muss ich ja auch nicht, weil ich das nicht kann, verstehste? Der letzte Beitrag von mir hier war ja entstanden als Marinus meinen kleinen Scherz missverstand, und wie das nun mal unter uns hier im Forum so ist, wird im Falle eines missverstandenen Witzes einfach weiterer Humor nachgelegt. Zurück zu den Betrieben, die kenne ich nicht, ich ging in meiner kleinen Geschichte vom durchschnittlichen Betrieb aus, in dem immer jemand zu finden ist der eine Meinung allen anderen Beschäftigten aufzwingt, Kapitalismus oder Sozialismus ist dabei egal. Wichtig ist das aber, wie oben erklärt, auch schon nicht mehr.

Zitat:
Obwohl ich es nicht mag, auf eine Frage mit einer Gegenfrage zu antworten, geht es hier wohl nicht anders. Ben, bevor du mir in meiner Dienststelle (so hieß das bei der Bahn) über den Weg gelaufen wärst; welche Erfahrungen hättest du denn bis dahin gemacht? Du wärst entweder ein Lehrling gewesen, mindestens 16 Jahre alt, ein Praktikant (in der Regel um einiges älter), oder ein "Seiteneinsteiger". In jedem Fall wärst du nach mindestens zehn Jahren sozialistischer Schulbildung bei uns aufgeschlagen.

Dass es in unserem Arbeiter und Bauern Staat keine Herren und keine Diener gibt hättest du in den zehn Jahren oft genug gehört. Und dass Kommunisten edle Menschen und absolute Vorbilder sind genau so oft. Und letzteres war ja so falsch nicht. Kommunisten, die eher gestorben sind ehe sie Ihre Genossen verraten haben hat ja nun nicht die DDR - Bildungspolitik erfunden. Auch über die klassenbewusste und stets für den Sieg des Sozialismus kämpfende Arbeiterklasse hätte man dir eine Menge beigebracht.


Na das sagte ich ja: Auswendig gelernte, verflachte Theorie und mangelhafte Geschichtskenntnisse kritiklos und nur dem Namen nach gelernt. Und dann nochmal vom Marc erzählt. Da liegt ja eben Maos Hund begraben.

Zitat:
Wenn du in all dieser Zeit den Widerspruch zwischen Anspruch und Realität nicht hättest erkennen können; spätestens am ersten Tag im "Wagenbau" (verbreiteter Name für unsere Werkstatt) hättest du diesen Schock erlebt: Die klassenbewusste selbstlose Arbeiterklasse, die dir da begegnet wäre, wäre dir auf den ersten Blick als ein Haufen egoistischer Irrer erschienen. Allerdings hättest du mir der Zeit gelernt, dass es ganz so einfach nicht ist...


Ich meinte hierbei nicht das Kennenlernern neuer Marcs, sondern die geschichtlichen Vorgänge in den 80ern die zumindest laut einigen Gesprächpartnern und Lektüren alles andere als ruhmreich für die SED waren. Irgendwann kommt ein schlauer Mensch wie ich einer bin und also damals auch geworden wäre, dahinter, daß da irgend was nicht läuft. Dann sind wir wieder bei Anspruch vs. Wirklichkeit. Ich meinte nicht, daß mich Proletarier erschreckt hätten.

Zitat:
Ich habe diese Erfahrung selbst gemacht, und es war, wie du schreibst "ein tiefer Fall". Aber wie kommst du darauf, dass die einzige Konsequenz dieser Erkenntnis nur eine Republikflucht gewesen wäre? Auch nach dieser Enttäuschung waren für mich die DDR und der Sozialismus immer noch die bessere Alternative!


Na, das freut uns doch zu hören. Das mit der Republikflucht musste in die Geschichte mit rein, wegen dem Witz weiter oben. Ich konnte mich gerade noch so beherrschen, nicht noch das alternative Ende des nicht mehr ganz so kleinen Ben an der Grenze zu schreiben... Der tiefere Sinn, wenn du schon danach fragst, ist der, daß der aufgezeigte Unterschied zwischen der Selbstdarstellung der DDR und der Realität leider einen Nährboden für Gorbifans und Ähnliches bot. Natürlich nur als einer der Gründe. Dazu haben wir im Forum einige Diskussionen geführt und manchmal bekommt man auch die Gelegenheit politische Entscheidungsträger dieser Epoche zu sprechen die die Geschichte schonungsloser bewerten.

Zitat:
Dass Kommunisten Vorbilder sein müssen war doch nicht meine private Idee! Das stand im Statut der SED!


Nun, auf diesen Hinweis kann ich leider nur theoretisch antworten, da mir unbekannt ist, in wie weit sich die SED-Mitglieder versuchten daran zu halten. Denn das Problem ist, was du hier anführst ist ganz einfach Ideologie, scharf formuliert: Propaganda. Natürlich hatten die Genossen der SED größtes Interesse daran, der quasi unüberschaubaren Menge der Mitglieder einfache Regeln an die Hand zu geben, die deren Verhalten und Haltung im Sinne des Sozialismus beeinflussen sollten. Das ist Teil der Politik einer Staatsführung, egal welcher. Aber wo sind die denn heute alle hin, die Massen der SED? Was ich versuche zu vermitteln ist, daß diese Maßnahmen wie ein Kodex zwar unter den Bedingungen eines Sozialismus der gut läuft notwendig und sehr sinnvoll sind, weil auch wirklich jeder kapiert was man von ihm erwartet, aber wenn die Sache dann nicht mehr läuft haben diese Moralpredigten kein Fundament, auf dem klares politisches Handeln möglich ist. Das war doch eben das was passierte: Einige Demonstranten tummeln sich und rufen schwachsinnige Parolen aber die Masse der Regierenden hat keine Ahnung und auch keinen Mut (Der Mut, den ich hier meine, kommt nicht von Dummheit wie gewöhnlich, sondern hätte aus Anerkennung der historischen Notlage eines historischen Projektes (aka DDR) entspringen müssen.), koordiniert dagegen zu halten oder zu überlegen, was überhaupt zu tun möglich ist. Weil eben diese flachen Haltungen einem nicht erklären, was da im Gange ist und weil jemand wie Kurt Gossweiler, der diese Strömung seit Jahrzehnten analysierte, nicht verbreitet werden konnte. Kann man bei ihm nachlesen, welche Probleme er hatte. Das alles kommt in einem einzigem großem, übelriechendem Paket zusammen mit anderen härteren Angriffen auf den Sozialismus. Auf dem Paket steht:"Revisionismus, zu Händen Gorbis."

Kurzum: Deine Taktik war im Frieden einfach durchschnittliche und notwendige Politik hat aber in der Not nicht geholfen, und deshalb kannst du, Marc, heute, wo wir noch schlechter dran sind und noch mehr fundiertes Vorgehen und Nachdenken benötigen, dich mal nachhaltig von diesen Vorstellungen trennen und öfter mal der schönen Vernunft in den Ausschnitt linsen.

Zitat:
Und jetzt hätte ich eine Frage an dich: Hat wesentlich zum Ende der DDR beigetragen, dass im SED - Statut unter "Pflichten des Parteimitglieds" unrealistische Forderungen standen, oder lag es deiner Meinung nach doch eher daran, dass zum Ende hin einfach niemand mehr das Statut ernst genommen hat?


Siehe oben und überall im Forum. Aber eigentlich war die FDJ an allem schuld. (Witz)

Zitat:
Da du mir recht direkt vorwirfst, unbedarfte DDR - Bürger in die Flucht getrieben zu haben: Nicht einer meiner Kollegen hat 1989 das Land verlassen. Nicht einer ist am 10.11.1989 nicht zur Arbeit gekommen, weil er mal schnell in den Westen wollte (Sind von hier aus etwa 25 Kilometer). Ich habe keine Ahnung, ob meine "Agitation" dazu etwas beigetragen hat, auf jeden Fall muss ich mir nichts vorwerfen und auch nichts vorwerfen lassen!


Du bist leider in diesem Faden der Vertreter dieser zur falschen Zeit verbreiteten romantischen Haltung zum Kommunisten an sich und daher musste ich dich als Handelnden in die Geschichte, die wie schon erklärt aus Marinus' Kritik an einem kleinen Witz bestand, einbauen. Wenn du es hören willst: Du bist nicht schuld am Untergang der DDR. Wirklich nicht. Das war die FDJ. (Witz)

Zitat:
Abschließend kurz zurück zum Thema des Threads und der Diskussion. Über den Lebensstil von Künstlern und Funktionären wussten zumindest wir in der tiefen Provinz garnichts, darüber gab es nur Gerüchte. Ganz allgemein war der Konsenz aber, dass im Sozialismus gefälligst jeder seine Hecke selbst zu schneiden hat. Auch unter dem Aspekt, dass wir immer einen Mangel an Arbeitskräften hatten.


Und einen Mangel an Leuten wie Peter Hacks einer war. Deswegen wurde erster Mangel vernachlässigt. Übrigens hat Numa diesen Themenkomplex eigentlich schon geklärt, nachdem wir zuerst dachten, das ist es was du meinst. Jetzt, nachdem wir wissen, daß dich nur der wohlgekleidete Diener den Hacks so nicht hatte störte, kommst du mit den andern Punkt daher. Marc, mit allem nötigen Respekt, hörst du vielleicht den ganzen Tag lang nur Oktoberklub?

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 Betreff des Beitrags: Re: Leistung, Gleichheit, Moralin
BeitragVerfasst: Mo 8. Sep 2008, 17:16 
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Ben hat geschrieben:
Marc, mit allem nötigen Respekt, hörst du vielleicht den ganzen Tag lang nur Oktoberklub?


Na ja, eigenlich läuft bei mir das "Lied der Partei" in einer Endlosschleife, gesungen von Ernst Busch und natürlich in der ursprünglichen Version, in der die Partei noch von Stalin geschweißt wurde. Irgendwie brauche ich das, bevor ich loslege und anderen meinen Meinung aufzwinge.

Aber mal im Ernst, Ben, deine Geschichte ist nicht schlecht und vom Ansatz her, wie ich schon sagte, durchaus richtig. Nur deine Vorstellungen von einem Betrieb in der DDR sind eben so unglaublich weit weg von der Realität. Macht nichts, wie du schon sagtest kommt es darauf nicht an, und ich bin es längst gewöhnt, von anderen gesagt zu bekommen, wie ich in der DDR gelebt und gearbeitet habe. Jedenfalls, wenn nun jeder kleine Ben, den der Widerspruch zwischen dem gelernten und der Realität zu schaffen machte, flugs zur Grenze marschiert wäre hätten die dort ein echtes Munitionsproblem gehabt.

Um mal auf die "Moralpredigten" zurück zu kommen. Nachstehendes Zitat ist aus dem Programm der SED:
Zitat:
Entwickelte sozialistische Gesellschaft - das heißt, die sozialistische Bewußtheit der breiten Massen weiter zu erhöhen, ihre marxistisch-leninistische Weltanschauung und kommunistische Moral aktiv herauszubilden, Egoismus, Individualismus und andere Erscheinungen der bürgerlichen Moral konsequent zu überwinden.


Da du schon das für alle Mitglieder gültige Statut als "einfache Regeln" für die "unüberschaubare Masse der Parteimitglieder" herabgewürdigt hast würde es mich interessieren, was du zum Programm zu sagen hast.

Worum es eigentlich geht, und diese Frage hast du selbst gestellt: Wo sind die vielen SED - Mitglieder geblieben? Und warum sind sie 1989 schneller geflohen als Ratten, die das sinkende Schiff verlassen?

Du sagst, die Regeln die im Frieden galten hätten eben im Krieg versagt. Weit, weit daneben! Was im Statut stand waren keine flachen Regeln sondern Grundanforderungen an einen Kommunisten. Kritik und Selbstkritik ohne Ansehen der Person, Bewahrung der Einheit und Reinheit der Partei (auch wenn das heute vielleicht etwas fremd klingt), Kampf gegen den Imperialismus mit allen Mitteln.

Da stand nun nicht: "Wenn es mal wirklich ernst wird musst du schnellstmöglichst deinen Arsch aus der Schusslinie bringen, und zwar ohne ohne Rücksicht auf Verluste", nein, in dem Statut stand klipp und klar, wie sich ein Kommunist gegenüber dem Klassenfeind zu verhalten hat.

Das Problem war sicher nicht, dass die "einfachen Regeln" des Statuts dem Kommunisten nicht gesagt hätten, wie er sich in einer Bewährungssituation zu verhalten hat. Das Problem war, dass das Statut zum Ende hin nur noch ein Stück Papier war und sich buchstäblich niemand mehr darum gekümmert hat. Die Partei hatte schon lange keine Maßstäbe mehr angelegt, wenn jemand Mitglied werden wollte, im Gegenteil: Man hat Mitglieder geworben und mit Versprechungen in die Partei gelockt. Die Frage einer Mitgliedschaft war zu einer Kosten - Nutzen Analyse geworden: Überwiegt der höhere Lohn oder der Nutzen der neuen Wohnung die Kosten des Parteibeitrags. Ist es verwunderlich, wenn die alle wegrennen, wenn der Vorteil weggefallen ist?

Das Programm der SED hatte schon recht: Mit Egoisten und Individualisten kann man keinen Sozialismus aufbauen. Die DDR war eine solidarische Gesellschaft, das kannst du nun an mehr als einer Stelle nachlesen, und mit ungehemmten Egoismus und Individualismus wäre das nicht machbar gewesen. Wenn dir nun als einzige Alternative zu den heutigen Gegebenheiten nur das andere Extrem Mao einfällt kann ich das nicht ändern, aber auch das ist weit weg von der Realität.

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"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nutzen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht."

Nikolai Ostrowski


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 Betreff des Beitrags: Re: Leistung, Gleichheit, Moralin
BeitragVerfasst: Mo 8. Sep 2008, 18:44 
Salonbolschewist
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Beiträge: 1077
Oookay...

Vereinfachen wir das, was zwischen uns steht.

Zitat:
Na ja, eigenlich läuft bei mir das "Lied der Partei" in einer Endlosschleife, gesungen von Ernst Busch und natürlich in der ursprünglichen Version, in der die Partei noch von Stalin geschweißt wurde. Irgendwie brauche ich das, bevor ich loslege und anderen meinen Meinung aufzwinge.

Aber mal im Ernst, Ben, deine Geschichte ist nicht schlecht und vom Ansatz her, wie ich schon sagte, durchaus richtig. Nur deine Vorstellungen von einem Betrieb in der DDR sind eben so unglaublich weit weg von der Realität. Macht nichts, wie du schon sagtest kommt es darauf nicht an, und ich bin es längst gewöhnt, von anderen gesagt zu bekommen, wie ich in der DDR gelebt und gearbeitet habe. Jedenfalls, wenn nun jeder kleine Ben, den der Widerspruch zwischen dem gelernten und der Realität zu schaffen machte, flugs zur Grenze marschiert wäre hätten die dort ein echtes Munitionsproblem gehabt.


1. Ich glaube, du hast das mit dem Witzemachen langsam raus. Weiter so.
2. Du weist nun schon wiederholt darauf hin, daß du, und nur du, weißt, wie es in einem Betrieb in der DDR zugegangen ist. Bitteschön, raus mit der Sprache: Wie wars denn so, das willst du doch mal niedergeschrieben haben. Und dann vergiss nicht, das als Argument für deine Gegenrede darzustellen, ansonsten hätte das ja alles keinen Sinn.

Zitat:
Da du schon das für alle Mitglieder gültige Statut als "einfache Regeln" für die "unüberschaubare Masse der Parteimitglieder" herabgewürdigt hast würde es mich interessieren, was du zum Programm zu sagen hast.


Erdacht und in Auftrag gegeben wurden diese Dokumente von Leuten, die ihr Handwerk verstanden. Das hatte alles seine Berechtigung und auch einen Zweck, der nicht unbedingt als Vorwort angegeben wurde. Das machen Politiker so, ob es uns nun passt oder nicht. Doch es ist nun mal ein schmaler Grat zwischen den Anforderungen, denen ein politisch Verantwortlicher ausgesetzt ist, und denjenigen die an Menschen gestellt werden, die aufgrund anderweitiger Tätigkeiten nicht 24/7 in politische Prozesse eingebunden sind und somit die Dinge aus einem distanzierteren Blickwinkel sehen müssen. Auch das ist ganz normal.

Zitat:
Worum es eigentlich geht, und diese Frage hast du selbst gestellt: Wo sind die vielen SED - Mitglieder geblieben? Und warum sind sie 1989 schneller geflohen als Ratten, die das sinkende Schiff verlassen?


Ich habe meine Ansicht dazu schon ausgebreitet und bin nicht gewillt alles zu wiederholen.

Zitat:
Du sagst, die Regeln die im Frieden galten hätten eben im Krieg versagt. Weit, weit daneben! Was im Statut stand waren keine flachen Regeln sondern Grundanforderungen an einen Kommunisten. Kritik und Selbstkritik ohne Ansehen der Person, Bewahrung der Einheit und Reinheit der Partei (auch wenn das heute vielleicht etwas fremd klingt), Kampf gegen den Imperialismus mit allen Mitteln.

Da stand nun nicht: "Wenn es mal wirklich ernst wird musst du schnellstmöglichst deinen Arsch aus der Schusslinie bringen, und zwar ohne ohne Rücksicht auf Verluste", nein, in dem Statut stand klipp und klar, wie sich ein Kommunist gegenüber dem Klassenfeind zu verhalten hat.


1. Ich sagte nicht Krieg, ich sagte Not. Die Wortwahl lässt manchmal tief blicken.
2. Du sagtst mir, das wären keine flachen Regeln gewesen und zitierst sogleich Bruchstücke derselben. Zur Erklärung: Das was du hier angibst, sind Bezeichnungen für politisch richtige Handlungen, die aber nicht die Erklärung (Oder gar Schulung zu) der(n)selben beinhalten. Das ist ja eben mein point.
3. Was, und das ist ein weiterer Knackpunkt, wenn sich der Klassenfeind nicht als Klassenfeind zu erkennen gibt und als Erneuerer des Sozialismus auftritt? Die haben nicht geschrien "Wir sind der Klassenfeind", die haben tatsächlich gedacht, sie könnten den Sozialismus durch Abschaffung verbessern. Der Revisionismus ist eben in der Praxis eine schwer greifbare Strömung und es verwundert auch kaum, daß Marc da falsch gewickelt ist, wo ganze Parteien auch heute noch daneben liegen. Wenn sich vor dir einer hinstellt und sagt. "Ich bin Kommunist, kein Individualist und kämpfe für die Einheit und Reinheit der Partei!", glaubst du dem dann alles? Er hat dir doch garnicht gesagt, was er will, welche Theorie er vertritt und für wen. Steht doch schon in der Bibel: "An ihren beschissenen Früchten sollt ihr sie erkennen."

Zitat:
Die Frage einer Mitgliedschaft war zu einer Kosten - Nutzen Analyse geworden: Überwiegt der höhere Lohn oder der Nutzen der neuen Wohnung die Kosten des Parteibeitrags. Ist es verwunderlich, wenn die alle wegrennen, wenn der Vorteil weggefallen ist?


Hier möchte ich mal zustimmen. Aber was du hier beschreibst ist lediglich eine der Erscheinungen die im Sozialismus immer auftauchen werden und somit zwar zurückzudrängen sind aber nicht gänzlich ausgeschaltet werden können. Ich persönlich bin so oder so der Meinung, daß man stets darauf bedacht sein sollte, die Menge der Parteimitglieder so niedrig wie nötig zu halten. Deswegen sage ich ja, daß die FDJ an allem schuld sei. (Witz)

Zitat:
Das Programm der SED hatte schon recht: Mit Egoisten und Individualisten kann man keinen Sozialismus aufbauen. Die DDR war eine solidarische Gesellschaft, das kannst du nun an mehr als einer Stelle nachlesen, und mit ungehemmten Egoismus und Individualismus wäre das nicht machbar gewesen.


Individualismus betrachtest du also als eine zu bekämpfende Haltung. Ich hingegen versuche den Subjektivismus zu bekämpfen. Daher diskutiere ich hier mit dir.

Eine Frage, Marc, was hältst du von Zensur?

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