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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Georg Fühlberg
BeitragVerfasst: Do 27. Mär 2008, 14:16 
Troll

Beiträge: 41
Anlässlich des bevorstehenden Naziaufmarschs am 1.Mai in Hamburg machte die Gewerkschaftslinke "Jour Fixe" am Dienstag eine Veranstaltung mit dem Thema "Aus den Fehlern lernen" über die Geschichte der Arbeiterbewegung 1928-1933 mit dem Historiker Prof. Dr. Georg Fühlberg.
Bereits bei der Vorstellung Fühlbergs, in der er als Schüler Wolgang Abendroths (KPD-0, Anti-RGO, usw.) bezeichnet wurde, kamen mir ernsthafte Zweifel ob des Sinns meiner Anwesenheit.

Der Vortrag begann mit allerlei Allgemeinheiten über den Sinn aus der Geschichte zu lernen, die schließlich in dem Punkt zusammengeführt wurden, dass schlecht aus der Zukunft gelernt werden könne. Hier breitete sich zum ersten Mal allgemeine Heiterkeit im Publikum aus.

Dann stellte Fühlberg eine seiner Thesen vor, nach der bereits 1929 für die Arbeiterklasse alles verloren war, und rechtfertigte damit den eigentlichen Inhalt des Vortrags zu ignorieren.
Für ihn seien die entscheidenden Fehler in der Zeit 1918 bis 1928 begangen worden. Er stellte nun, ohne Gründe für diese Wirrheit zu nennen, die Behauptung auf, dass es 1918 in Deutschland keine revolutionäre Situation gab. Was er in dieser Situation für richtig befunden hätte sei eine sog. radikal-demokratische Revolution, die u.a. Trustbusting ala USA und Angriff auf die Junker Ostelbiens beinhalten sollte.
Auf die Rolle des Spartakusbundes, der KPD und der USPD in der Nachkriegszeit ging er nur in soweit ein, dass er sich über die USPD lustig machte und behauptete diese Spielerei habe 1921?, mit der Übernahme durch die SPD ein Ende gefunden.

Er fuhr mit der Zeit 1924 bis 1928 fort. Dem voran stellte er die Ideen Hilferdings bezüglich der Verschmelzung von Bank- und Industriekapital, denen nur die revolutionäre Illusion Lenins fehlten. Daraus folge logisch die Politik der SPD des sog. organisierten Kapitalismus und der friedlichen Transformation des Kapitalismus zum Sozialismus. Kritik daran war nur insofern zu vernehmen, dass dies offensichtlich eine Fehleinschätzung gewesen sei und wir immernoch im Kapitalismus leben.
Die KPD kam erwartungsgemäß nicht so gut weg. Mit einem sarkastischen Unterton erläuterte er, dass die KPD sich in dieser Zeit von einem wilden Haufen, der mit roten Handschuhen und die Internationale singend in den Parlamenten aufgetreten sei, durch Bolschewisierung/Stalinisierung zu einer Kaderpartei entwickelte. Auch hier sorgte Fühlberg durch verschiedene, unsachliche Aussprüche wieder für Lachanfälle des Publikums. Er kam dann auf die Theorie der kurzen Atempause zu sprechen, die zu einem Quasirückzug aus der Politik geführt habe. Diese sei natürlich Unsinn, denn Marx und Lenin hätten sich bezüglich dieser Entwicklung vollkommen geirrt. Das ich hier eine Begründung erwartete war unbegründet, denn Fühlberg fuhr fort mit dem Jahr 1929 und der Rechtfertigung der SPD-Politik.

Das die SPD verschiedenen Lohnkürzungen zugestimmt habe und auf 1.Mai Demonstrationen schießen lies sei nur konsequent und alternativlos, da eine außerparlamentarische Politik nicht möglich gewesen sei. Hier vermisste ich keine Begründung, denn ich erwartete keine mehr. Hier versprach er dem Zuhörer, der eine Alternative zur Hand hätte, einen Nobelpreis.
Er ging kurz auf die Entstehung der Sozialfaschismustheorie ein und gestand ein, dass sich diese durch konkrete Erfahrungen der Arbeiter bestätigte, bezeichnete sie aber, wie nicht anders zu erwarten, ohne eine vernünftige Kritik, als WAhnsinn. Er machte sich noch darüber lustig, dass die KI die Krise 1929 vorhergesehen hatte und endete "inhaltlich" nach verschiedenen Plattheiten mit der Behauptung, dass die SPD als einzige PArtei mit der WAffe in der Hand gegen den Faschismus gekämpft habe.

Dann kam die Ansage, dass keine inhaltliche Diskussion erwünscht sei, sondern lediglich Nachfragen zum Vortrag gestellt werden sollten.
Bei den vielen Fragen die ich hatte waren zwei von gewichtiger Bedeutung. Zum einen hatte Fühlberg zwischen durch und ohne jeglichen Bezug eine These aufgestellt, die besagt, dass wir seit 500 Jahren im Kapitalismus leben und noch 500 Jahre weiterleben werden. Als ich nun fragte wie er das begründe mache er sich über mich lustig und stellte klar, dass er diese These bereits vor 3 Jahren aufgestellt habe und wir demnach nurnoch 497 Jahre im KApitalismus leben werden.
Eine andere Sache war, dass er die SPD indirekt als Volkspartei bezeichnete. Nun wollte ich wissen ob das ein freudscher Versprecher war oder ob er wirklich glaube, dass die SPD damals schon keine Partei der Arbeiterklasse war. Er beschtritt, dass er das so geasgt hatte, räumte aber ein, dass es eine Funktionärsschicht in der SPD gegeben habe.

Die anderenNachfragen waren aus meiner Sicht eher uninteressant, außer die Nachfrage ob die Fehler nicht schon vor Kriegsende begangen wurden. In seiner mir da schon mehr als überdrüssigen Art erzählte er igendetwas davon , dass ihm das eigentlich egal sei.


Eigentlich ein ziemlich normaler Vortrag für eine Gewerkschaftsveranstaltung. Allerdings wurde mir einen Tag vor der Veranstaltung gesagt, dass es sich nicht um den üblichen Antikommunismus handle, weshalb ich doch etwas enttäuscht war. Ich hatte zwar den DKP üblichen Zwist zwischen Thälmannliebe und Stalinhass erwartet aber nicht sowas.

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"Schande über Chruschtschow und seine Genossen! Wie tief sind sie herabgesunken, dass sie die Sowjetunion so schändlich erniedrigen! Aber ihr Schicksal wird sie schon ereilen, und dieser Tag wird kommen." Enver Hoxha, Tirana 1986


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