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 Betreff des Beitrags: Wert und Arbeitskraft
BeitragVerfasst: So 6. Jul 2008, 16:16 
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Beiträge: 16
hi leute,

ich habe mich in diesem forum angemeldet, weil mich von zeit zu zeit fragen oder gedanken beschäftigen, auf welche ich selbst nicht im stande bin eine umfassende antwort zu finden...

eine davon bezieht sich auf die produktion von pc-programmen.

computerprogramme werden heute meistens produziert, um bestimmte maschinen zu befehligen oder verwaltungsvorgänge zu vereinfachen. sie fungieren also meisten selbst zumindest teilweise als produktionsmittel. zugleich gibt es auch einen großen markt für programme die von endverbrauchern genutzt werden.

diese ware unterscheidet sich aber von herkömmlichen waren, denn das einzige produktionsmittel, dass zu ihrer herstellung gebraucht wird ist die reine arbeitskraft. (erforderliche rechner sind in entwickelten ländern derart verbreitet, dass diese vernachlässigt werden können. selbst die meisten arbeiter besitzen in deutschland private rechner.) teilweise werden andere programme wiederrum zur produktion benötigt, welche aber genau die gleichen eigenschaften aufweisen. außerdem wird meist die arbeitskraft mehrerer personen benötigt, je nachdem wie komplex das programm ist. das problem an diesen programmen ist jedoch, dass sie sich, einmal hergestellt, theoretisch in unbegrenzten mengen vervielfältigen lassen ohne dass dadurch ressourcen verbraucht werden.
fazit: ein arbeiter oder eine gruppe von arbeitern kann eine ware in unendlichen mengen produzieren!
so kann also ein programm niemals nach den althergebrachten regeln von angebot und nachfrage vermarktet werden, da das angebot stets unendlich ist und der preis somit gegen null streben würde.
daraus ergeben sich für den kapitalisten mehrere probleme:
erstens kann es passieren, dass arbeiter in der lage sind generell ohne produktionsmittel, die ihnen von kapitalisten zur verfügung gestellt werden selbst zu produzieren und im schlimmsten fall sogar die programme zu verschenken, was den markt in der jeweiligen sparte auf alle zeiten zusammenbrechen ließe.
zweitens ist der kapitalist gezwungen, die programme zu einem festgelegten preis zu verkaufen und sicherzustellen, dass diese nicht kopiert werden. das bedeutet zusätzlichen aufwand und vor allem muss die staatsgewalt diese "raubkopien" verhindern. dies führt natürlich zu unverständniss, da jemand mit aller macht darauf besteht, etwas teuer zu verkaufen, was in unendlichen mengen vorhanden ist. dieser widerspruch ist so offensichtlich, dass die meisten menschen diese verbote ohne schlechtes gewissen umgehen. die strukturelle gewalt die angewendet werden muss, um den markt zu sichern stößt außerdem immer wieder an ihre grenzen.

ich weis überproduktion gibt es auch in anderen zweigen, aber unendliche überproduktion ist etwas bisher einmaliges. steckt in diesen waren nicht ein ungeheures revolutionäres potential?

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 Betreff des Beitrags: Re: Wert und Arbeitskraft
BeitragVerfasst: So 6. Jul 2008, 17:33 
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Beiträge: 104
@buran, da ich selbst mit der Entwicklung von Software meine Brötchen verdiene würde ich gern etwas zu deinen Fragen sagen. gewe kennt sich damit noch viel besser aus und wird das sicher ergänzen.

Zunächst ist Software ein Produkt, welches immense Kosten bei der Entwicklung verursacht, bei der "Produktion" aber praktisch nichts kostet. Ähnlich ist das zum Beispiel bei Medikamenten.

Was die von dir genannte mögliche kostenlose und unendliche Herstellung von Computerprogrammen betrifft sind dem jedoch einige Grenzen gesetzt, je nach Art der Software. Ein Betriebssysten wie Windows oder Programme wie Office kann man tatsächlich kostenlos oder fast kostenlos verbreiten, wenn man dabei außer acht lässt, dass dies illegal ist.

Dies betrifft aber nur einen Teil der Software. Sogenannte "Branchenlösungen", also für die Erfordernisse einer bestimmten Branche, z.B. Artzpraxen oder Steuerberater, programmierte Software kannst du vielleicht kostenlos verteilen (Das passiert teilweise schon), aber da sich zum Beispiel die gesetzlichen Regelungen ständig ändern benötigen solche Anwendungen permanenten Support. Außerdem müssen diese Programme meist bei der Installation an die Erfordernisse des jeweiligen Betriebes angepasst werden. Da hilft eine Raubkopie des Installers recht wenig.

Dann gibt es noch Individual - Software, die speziell für den Auftraggeber entwickelt wird, und die kannst du nun garnicht kostenlos verteilen.

Um dir mal ein Beispiel zu nennen: Eine Verwaltungssoftware für eine Klinik kostet 20.000 Euro. Nach den Kauf wird die Software in der Klinik installiert und angepasst. Damit ist das verkaufte Programm so individuell, dass es niemals in einer anderen Klinik funktionieren wird. Der Wartungsvertrag kostet im Monat 2 % der Kaufsumme, also 400 Euro. Wer das nicht möchte bekommt Wartung und Support nur über eine 0900 Nummer und wird schnell merken, dass dies im Schnitt mehr kostet als als 400 Euro. Das habe ich mir nun nicht ausgedacht, das sind (angenähert) Zahlen, mit denen mein letzter Ausbeuter gearbeitet hat.

Und was nun die Steuerung von Maschinen oder ganzer Produktionsabläufe betrifft, dies wird immer individuell erstellt und angepasst.

Trotzdem, deine Gedanken sind sehr interessant.

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"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nutzen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht."

Nikolai Ostrowski


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 Betreff des Beitrags: Re: Wert und Arbeitskraft
BeitragVerfasst: So 6. Jul 2008, 18:36 
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Beiträge: 688
Zitat:
diese ware unterscheidet sich aber von herkömmlichen waren, denn das einzige produktionsmittel, dass zu ihrer herstellung gebraucht wird ist die reine arbeitskraft. (erforderliche rechner sind in entwickelten ländern derart verbreitet, dass diese vernachlässigt werden können.


Was ich mich schon im Chat fragte, wie steht es bei dieser Aussage mit den benötigten Programmen die auf Patente zurückgreifen, denn mit dem bloßen Rechner läuft da ja noch nix, auch wenn diese "Patente" selbst ganze oder Teile von Programmen sind spielt dies zumindest unter kapitalistischen Bedingungen eine Rolle die man berücksichtigen sollte.
Auch ist es nicht ganz so das man nur Programme und Rechner benötigt, was zB. bestimmte Grafik Programme anbelangt so benötigen diese zur Herstellung größere Anlagen und ähnliches, Motioncapturing, 3D Scanner, Videosysteme usw. Dazu die Arbeit von Analytikern usw.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wert und Arbeitskraft
BeitragVerfasst: Mo 7. Jul 2008, 20:15 

Beiträge: 2008
Buran hat geschrieben:
... diese ware unterscheidet sich aber von herkömmlichen waren, denn das einzige produktionsmittel, dass zu ihrer herstellung gebraucht wird ist die reine arbeitskraft.

einmal hergestellt, theoretisch in unbegrenzten mengen vervielfältigen lassen ohne dass dadurch ressourcen verbraucht werden.


@Buran: Erst mal herzlich willkommen bei uns.

Als ehemals auch Softwareentwickler muß ich dieser Ansicht wiedersprechen. Um Software zu entwickeln, bedarf es zunächst einer Aus- und kontinuierlichen Weiterbildung (braucht Ressourcen, Menschen, Geld).

Der eigentliche Entwicklungprozeß unterteilt sich grob in die Phasen:
- Analyse
- Design
- (evtl. Prototyping) Entwicklung
- Test

Das ganze kann sich in den verschiedenen Abschnitten mehrfach wiederholen. Ein nicht erfolgreicher Test kann den Entwickler (oder das Team) zwingen, zurück bis zur Analyse zu gehen. Auf alle Fälle wird Entwicklung und Test mehrfach durchlaufen. Alle Phasen sind mit einer Dokumentation der Arbeiten verbunden (wers nicht begreift oder nicht wahrhaben will wundert sich später über Kostenexplosionen).

Danach kommt die Produktion. Diese besteht nicht nur aus Kopieren des Datenträgers. Dazu kommen Verpackung, Transport (Logistik), Drucken der Dokumentation, Vertrieb usw. usw. usw.

Alle diese Schritte brauchen nicht nur die reine (geistige) Arbeitskraft, sondern erfordern weitaus mehr, als nur die Ressource Papier und Bleistift. Ohne leistungsfähige IT (Entwicklerarbeitsplatz, zentrale Server, Unmengen an Plattenspeicher, Backupvorrichtungen, Infrastruktur Mail, Internet usw. usw.) kann keiner ordentliche Software entwickeln, Versionen dauerhaft speichern und dass alles an den Mann bringen. Weitere Details (Buchhaltung, Fuhrpark usw.) eines Unternehmens spreche ich erst gar nicht an.

Gut, gehen wir davon aus, Du hast das fertige Produkt in Deiner Hand und auf dem Tisch den Computer zum Kopieren der Software. Selbst dann braucht es mehr als Deine körperliche und geistige Kraft. Der Computer braucht Energie, zum Kopieren brauchst Du leere Datenträger und zum an den Mann bringen das Internet oder ein Auto. Alles nennenswerte Ressourcen.

Abgesehen davon, dass unendlich bei mir ein physikalisches Problem erzeugt. Auch wenn es nur minimale Energiemengen und kleinste Massen an Datenträgern sind - im Bereich unendlich wird dass alles zu einer nicht mehr technisch
beherrschbaren Größenordnung (Masse und Energie). Deswegen hast Du ganz richtig von "theoretisch" gesprochen. ;)

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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