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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:49 

Beiträge: 131
ich bin zurzeit sehr beschäftigt und habe kurze Fragen,die ihr mir hoffentlich beantworten könnt,was ich nicht anzweifle.

Die Diktatur des Proletariats,sollte doch eine Diktatur der Arbeiterschaft in Führung der KP sein?Doch was heisst in Führung?Dass in Wirklichkeit eine Parteidiktatur herrschen muss?Welchen Kontakt zwischen Arbeiter und Partei muss bestehen?
In einer Schrift von Stalin wird darauf angegangen,die besitze ich,habe er noch keine Zeit sie zu lesen.
Na wie soll ich sagen,wer soll den nun wirklich herrschen?Partei oder Proletariat?

Und die Frage bezüglich der UdSSR,herrschte dort eine Parteidiktatur oder die Diktatur des Proletariats?Wenn das Proletariat herrschte,was tat dann die Partei,wer beschliesste Dinge?Die Partei doch,und nciht die Arbeiter an sich?Und ``unter Führung der Partei``,sagt mir persönlich wenig von der Struktur aus,denn wie sah oder soll diese Führung in der Praxis,in der Realität aussehen?Wer soll entscheiden und herrschen?
Gab es ``gewöhnliche ``Wahlen im Land?


Es sieht jetzt auf den ersten Blick aus,als wären das viele verschiedene Fragen,doch sind es Fragen,die alle einen gemeinsamen Kern besitzen und mit einer komplexen Antwort zu beantworten sein sollten.


Danke!!!!!!!!!!!!!!!
mrg
Cenk KDVR UdSSR


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:50 
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Beiträge: 4023
des bürgerlichen Staatsapparates errichtet wird. Ihre Grundlage ist das Bündnis der Arbeiterklasse mit der werktätigen Bauernschaft, wobei die Arbeiterklasse die führende Rolle inne hat.

Sie hat drei Hauptfunktionen:
"den Widerstand der durch die Revolution gestürzten und expropriierten Gutsbesitzer und Kapitalisten zu brechen, alle ihre Versuche zur Wiederherstellung der Macht des Kapitals zunichte zu machen;
den Aufbau im Geiste des Zusammenschlusses aller Werktätigen um das Proletariat zu organisieren und diese Arbeit in einer Richtung durchzuführen, die die Liquidierung, die Aufhebung der Klassen vorbereitet;
die Revolution zu bewaffnen, die Armee der Revolution zum Kampf gegen die äußeren Feinde, zum Kampf gegen den Imperialismus zu organisieren."
(Stalin).

Die Diktatur des Proletariats bildet den Hauptinhalt der proletarischen Revolution und die Voraussetzung für den Aufbau der kommunistischen Gesellschaft.

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:52 
Literat

Beiträge: 2947
Wenn die Formel "Diktatur des Proletariats" jemals etwas bedeutet hat, dann hat sie das bedeutet:
Die Ausübung der Herrschaft durch eine Partei im Interesse des Proletariats.
Sicherlich wäre der Begriff "Diktatur für das Proletariat" angebrachter. Aber nun ist der Begriff einmal anders in der Welt und soll auch in Gottes Namen so heißen.

Nur, damit es keine Mißverständnisse gibt: Natürlich hat im Sozialismus nicht das Proletariat selbst geherrscht. Aber ich sehe nicht ein, warum das gegen den Sozialismus sprechen soll.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:53 

Beiträge: 131
Das heisst also,die PARTEI herrschte FÜR das Proletariat,smit ist auch die Gefahr gegeben,dass die Partei nachdem sie von revisionistischen Kräften eingenommen wurde,nicht mehr im Interesse des Proletariats,sondern im eigenen Interesse handelt.

Ich denke,wenn schon eine Partei herrscht,und nicht das Proletariat,dann in einer ENGEN Zusammenarbeit mit dem Proletariat,die Frage ist nun,ob die Zusammenarbeit in der SU eng genug war?

Ich weiss nicht viel über die Pariser Kommune,aber die wurde doch von Marx gelobt und dort herrschte doch eine kurze Zeit eine proletarische Regierung?

Was spricht dagegen,dass nicht die Partei,sondern das Proletariat herrscht?Die Partei führt sie nur immer wieder zum richtigen Weg,damit sie nicht einen anderen,für sie schädlichen Weg einschlagen?

Zitat:
Ihre Grundlage ist das Bündnis der Arbeiterklasse mit der werktätigen Bauernschaft, wobei die Arbeiterklasse die führende Rolle inne hat.


eIhre Grundlage ist das Bündnis der Arbeiterklasse mit der werktätigen Bauernschaft, wobei die Arbeiterklasse die führende Rolle inne hat.
n,aber was heisst,``die führende Rolle inne hat```?Dass sie herrschen,auch für die Bauern,darum ja das Bündnis,aber sie herrschen,die Bauernschaft hat die Schnauze zu halten?ODer wie ist das gemeint?Wie sieht die ``führende Rolle`` in der PRAXIS aus?

Zitat:
Die Diktatur des Proletariats bildet den Hauptinhalt der proletarischen Revolution und die Voraussetzung für den Aufbau der kommunistischen Gesellschaft.


Darum ist eben diese Frage für mich von grösster Relevanz,ich frage mich eben,ob man in diesemm Punkt nicht etwas anders,besser machen könnte als früher??!!

mrg
Cenk


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:54 
Literat

Beiträge: 2947
Ich habe mal aufgeschrieben, was mir zu deinen Fragen eingefallen ist, und anschließend nummeriert:

1. Das Proletariat kann nur herrschen, indem die Partei herrscht. Als Klasse ist es nicht in der Lage zu herrschen. Das Klassenverhältnis zwischen Bourgeoisie und Proletariat läßt sich nicht umkehren, sondern nur auflösen. Letzteres ist die historische Aufgabe des Sozialismus. Das Instrument dieser Aufgabe ist nicht das Proletariat selber, sondern die Partei. Es geht nicht anders.
2. Die Gefahr, daß die Partei mißbraucht wird, besteht immer. Es hängt ziemlich viel von der Frage ab, wer in der Partei das Sagen hat.
3. Proletariat und Partei waren eng miteinander verknüpft. Die Anteil der Arbeiter in der Partei war hochquotiert. Gewerkschaft und Partei haben eng miteinander kooperiert. Heute sind die Gewerkschaften angeblich frei. Wie frei sie sind, sehen wir an ihrer Politik.
4. Die "Pariser Kommune" ist nichts als eine Episode in der Weltgeschichte und wird im allgemeinen in ihrer Bedeutung überschätzt. Ihre Organisation war nicht lebensfähig, mal ganz abgesehen davon, daß sie zu früh kam. Marx hat bekanntlich die Zeit bis zur Revolution unterschätzt. Er war in seiner Bewertung der Pariser Kommune flach, aus purer Parteiligkeit, was man ihm nicht vowerfen sollte. Dennoch sollte man in Fragen der revolutionären Praxis etwas mehr auf Lenin sehen als auf Marx.
5. Sicherlich kann man die Entscheidungen über die Fragen des sozialistischen Aufbaus nicht in die Hand der Bauern legen, da diese - anders als die Arbeiterschaft - Besitzer sind und also auf eine ganz bestimmte Weise befangen.
6. Man kann nicht allgmein sagen, was man besser machen kann als früher. Bestimmte Dinge haben sich geändert, andere sind gleich geblieben. Dennoch gibt es aber allgemeine Gesetzmäßigkeiten, die über alle Besonderheiten hinweg greifen. Man kann mit Sicherheit sagen, daß die Revolution im ganzen richtig gemacht wurde und ebenso sicher bin ich mir, daß sie wieder richtig gemacht werden wird. Anders hat sie nämlich keine Überlebenschance. Aber wenn wir von der Diktatur des Proletariats reden, dann befinden wir uns bei einer ziemlich grundlegenden Frage. In diesem Zusammenhang Überlegungen darüber anzustellen, was man anders machen könnte, hätte große Auswirkungen. Ich will sagen: Die Überlegung, daß es das Proletariat selber sein müsse, das herrscht (als wenn das irgend ginge), steht nicht auf dem Boden des historischen Materialismus, weil sie voraussetzt, die Tatsachen zu leugnen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:55 

Beiträge: 131
Gut,ich bin mit der Antwort im allgemeinen zufrieden,doch noch drei Fragen:

Zitat:
Es geht nicht anders.


Da musst du mir schon sagen warum.Wieso geht es nicht anders?Wieso kann nicht das Proletariat als Klasse herrschen?

Zitat:
Bestimmte Dinge haben sich geändert, andere sind gleich geblieben


Zum Beispiel?Also auf was beziehst du dich im Zusammenhang mit deiner Antwort?

Zitat:
Ich will sagen: Die Überlegung, daß es das Proletariat selber sein müsse, das herrscht (als wenn das irgend ginge), steht nicht auf dem Boden des historischen Materialismus, weil sie voraussetzt, die Tatsachen zu leugnen.

Welche Tatsachen würden denn geleugnet werden?


Ich glaube mit den bisherigen Antworten bin ich zufrieden.
mrg
Cenk


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:55 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
Zitat:
Es geht nicht anders.


Da musst du mir schon sagen warum.Wieso geht es nicht anders?Wieso kann nicht das Proletariat als Klasse herrschen?


Das Proletariat (und seine natürlichen Verbündeten) herrscht ja durch die Partei.

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:55 

Beiträge: 71
Weil's gut dazu passt, erwähne ich hier mal die Rätedemokratie.
Sie hat folgende Grundlagen:
1.) Legislative & Exekutive sind vereinigt,
2.) Man wählt die Räte auf Etappen und nicht unmittelbar,
3.) Es gilt die Subsidiaritätprinzip, das heißt jedes "Problem" wird auf die jeweils dazu gehörende "Ebene" bearbeitet,
4.) Öffentliche Dienste sind nicht auf Lebenszeit besetzt,
5.) Richter werden gewählt,
6.) Es gilt ein imperatives Mandat und man kann die gewählten RäteVertreter jederzeit abberufen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:57 
Literat

Beiträge: 2947
Verehrter Cenk,
zu drei Stellen bittest du mich um nähere Auskunft. Ich will sie dir geben.

Zunächst die zweite: "Bestimmte Dinge haben sich geändert, andere sind gleich geblieben".
Diese Aussage - lies es oben nach - steht im Zusammenhang mit den ihr folgenden Sätzen. Sie relativiert den Sachverhält, der nachfolgend ausgedrückt wird, nämlich, daß es allgemeine Gesetzmäßigkeiten gibt, nach denen die Geschichte und also auch die Revolutionsgeschichte verläuft. Das war demnach nicht der Punkt, auf den ich hinauswollte, sondern eine relativierende Nebenbemerkung. Ich kann dir aber dennoch, wie von dir gewünscht, Beispiele geben:
1. Wir haben heute moderne Medien (Fernsehn, Internet usf.). Das führt dazu, daß die Tolerenzgrenze zwischen der subjektiven und der objektiven Bedingung, die für eine revolutionäre Situation nötig sind, größer geworden ist. Das heißt, daß die Herrschenden gegenwärtig zwar längst nicht mehr weiter herrschen können, aber andererseits die Beherrschten noch nicht so weit sind, daß sie nicht mehr weiter beherrscht werden wollen. Das war zu Lenins Zeiten anders.
2. Wir haben eine Absatzkrise des Imperialismus vor Augen. Seine Produktivität steigt schneller als seine Produktion. Er hat, mit anderen Worten, für das Zeug, das er produziert, nicht genügend Käufer. Auch das war zu Lenins Zeiten noch nicht so.
3. Ist der Abstand der weniger entwickelten Länder zu den entwikelteren heute vor allem ein quantivativer. Im Betreff der Produktionsverhältnisse ist praktisch die gesamte Welt im Imperialismus angekommen, was bekanntlich 1917 auch noch nicht der Fall war.
Diese drei Veränderungen, die zunächst ins Auge stechen, reichen wohl aus, um eine Relativierung meiner sonst sehr absoluten Aussage zu rechtfertigen. Historische Verhältnisse sind nicht einfach kopierbar. Man sollte die besonderen Gegebenheiten einer Zeit niemals aus den Augen verlieren. Das war es, was ich anmerken wollte; und wie ich oben ja bereits ausgeführt habe, ändert das nichts an den allgemeinen Gesetzen der Geschichte überhaupt und auch an den allgemeinen Gesetzen der Epoche des Imperialismus, in der wir ja nach wie vor leben.

Deine erste und dritte Frage wage ich einfach mal zusammenzufassen, weil die eine, wenn ich die andere beantwortet habe, sogleich mitbeantwortet ist. Es ging um meine Aussagen "Es geht nicht anders." und "Ich will sagen: Die Überlegung, daß es das Proletariat selber sein müsse, das herrscht (als wenn das irgend ginge), steht nicht auf dem Boden des historischen Materialismus, weil sie voraussetzt, die Tatsachen zu leugnen."
Die Frage, warum das Proletariat nicht herrschen kann, teilt sich in zwei Sphären, in eine politische und eine gesellschaftliche. Die jeweiligen Fragestellungen lassen sich wie folgt formulieren: 1. Warum kann das Proletairat nicht selbst herrschen? und 2. Warum kann das Proletariat nicht als Klasse herrschen? Die Fragestellungen sind getrennt voneinander zu stellen, aber die Beantwortung wird zeigen, daß beides wieder zusammenfließt.
1. zuerst die zweite Frage: Zu Beginn des "Kommunistischen Manifests" benennt Marx zwei Weisen, auf die ein Klassenkampf entschieden werden kann. Entweder, sagt er, besiegt eine Klasse die andere, oder sie gehen beide miteinander unter. Warum gibt es diesen Unterschied? Weil die Verhältnisse, die verschiedene Klassen zu einander haben, nicht notwendig die gleichen sein müssen. Das Klassenverhältnis, das etwa die Bourgeoisie und der Feudaladel bilden, ist ein anderes als das, was von Bourgeoisie und Proletariat gebildet wird. Ohne längere Exkurse über die verschiedenen Klassen und Klassenverhältnisse in der Weltgeschichte zu veranstalten, möchte ich gleich auf den für uns wichtigen Punkt kommen: Die Bougeoisie ist entstanden (zunächst als Urform: Zunftbürgertum, schließlich als Industrie- und Bankkapital) und trug von Beginn an den Klassenwiderspruch zum Proletariat in sich. Denn eine Bourgeoisie bringt unvermeidlich Proletariat hervor. (Was man ja auch vom Feudaladel inbetreff der leibeigenen Bauernschaft sagen kann.) Dieser Widerspruch existiert, solange die Bourgeoisie existiert. Im Sozialismus ist die Bourgeosie aber enteignet. Das heißt, sie existiert, von allerkleinsten Überresten abgesehen, nicht mehr. Was fortbesteht, ist das Proletariat. Aber das Proletariat hat sich verändert, weil es nämlich von keiner anderen Klasse mehr ausgebeutet wird. Ökonomisch also - so erledigen wir sonder Mühe die Fragestellung nach der Herrschaft des Proletariats "als Klasse" - kann das Proletariat nicht herrschen, denn die Frage wäre hier: Über wen denn?
Ferner müssen wir uns folgenden Umstand vergegenwärtigen: Formal ändert sich an der Stellung des Proletariats im Produktionsprozeß nichts, wenn wir von Sozialismus sprechen. Es sind die gleichen Betriebe, die gleichen Maschinen, die gleichen Schichten, die der Arbeiter arbeiten muß. Er hat weiterhin einen Vorgesetzten und es gibt auch nach wie vor einen Markt, für den Produkte (also Waren) produziert werden. Es ist im Kapitalismus und im Sozialismus jeweils der gleiche Produktionsprozeß. Aber der Inhalt hat sich verändert. Der Arbeiter verkauft seine Arbeitskraft nicht mehr, denn es gibt keinen Eigentümer mehr, der über dem Produktionsprozeß steht und mittels einer Akkumulationsrate von 100% den kompletten Gewinn in den Betrieb zurückführt. Der Betrieb gehört nun dem Staat, was nur ein anderer Ausdruck dafür ist, daß er dem Volk gehört. (Volkeigentum, nebenbeibemerkt, ist grundsätzlich Staatseigentum. Genauso, wie die "Diktatur des Proletariats" grundsätzlich eine Diktatur der Arbeiterpartei bedeutet.)
2. Da wir nun die Frage nach der gesellschaftlichen Herrschaft erledigt haben, kommen wir zur einzig noch verbleibenden Möglichkeit, der politischen Herrschaft des Proletariats nämlich, und also zu der Frage nach der Beschaffenheit der staatlichen Verwaltung. Es geht um die Exekutive der Herrschaft. Warum kann also das Proletariat nicht selbst herrschen? Meine Antwort ist erschreckend einfach: Weil jedes Problem eine Lösung erfordert, die der Verwicklung, in der sich das Problem befindet, angemessen ist. Wir haben es in der Industriegesellschaft mit höchst verwickelten Prozessen tun. Und das in noch höherem Maße, wenn (wie für den Imperialismus und den Sozialismus) die Kooperation an Bedeutung gewinnt. Noch problematischer wird es, wenn die Umstellung von horizontaler zu vertikaler Kooperation erfolgt. Wenn nun die Forderung danach, daß das Proletariat selber herrsche, überhaupt etwas bedeutet, dann daß die Herrschaft nicht von oben, sondern von unten ausgeführt werde. Man kann schließlich nicht eine ganze Klasse mit der Planung und Leitung von Wirtschaft, Staat und Kultur beauftragen. (Ich habe das woanders schon mal geschrieben: Ich sehe da ein großes Schiff, tausend Mann am Steuer und nicht einer am Ruder.) Also eine generelle Herrschaft von unten. Die funktioniert aber nur, wenn die zu beherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse unverwickelt sind. Im Fall der von Engels beschriebenen "militärischen Demokratie" ist es so, daß es die höhere Ebene des Staates noch gar nicht gibt. Hier findet ein Zusammenleben vor Ort statt und darüber gibt es nichts. In der Neuzeit hat sich aber eine Gesellschaft über die Familie und ein Staat über die Gesellschaft erhoben. Die Komplexität dieser Verhältnisse erfordert eine dem Grad ihrer Verwicklung angemessene Herrschaftsmethode. Mit einem Wort: Verwickelte Probleme lassen sich nur auf hoher Ebene lösen. Und das gilt nicht nur für wirtschaftliche Fragen, sondern greift vielmehr als grundsätzliches Prinzip der Politik.
Ich fasse zusammen: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Inhalt einer Herrschaft und der jeweiligen Form. Und damit ist alles gesagt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:58 

Beiträge: 131
Danke Genossen,
jetzt ist mir alles verständlicher geworden!!!
Danke,nochmals. Smile Smile

Jubelnder Stern
UdSSR


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:58 

Beiträge: 71
Eines wird mir bei deiner Ausfürhung nicht klar, und zwar, Numa:

Zitat:
2. Wir haben eine Absatzkrise des Imperialismus vor Augen. Seine Produktivität steigt schneller als seine Produktion. Er hat, mit anderen Worten, für das Zeug, das er produziert, nicht genügend Käufer. Auch das war zu Lenins Zeiten noch nicht so.


Dieses Problem gab es, gibt es und wird es immer im Kapitalismus geben. Es ist doch das entscheidende Problem. Darauf wird auch in Marx' Werken beschreiben. Ich meine die Überproduktion. Es wird zuviel produziert, die Kosten können nicht gedeckt werden, weil nicht genügend Käufer existieren, es kommt zur Verelendung und so fort.
Also, wie konnte es sein, dass das Lenin nicht bekannt war?


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:58 
Literat

Beiträge: 2947
Das sind zwei verschiedene Dinge.
Daß im Kapitalismus der Wert der Produkte erst im Nachhinein durch den Markt (und da als Preis) anerkannt wird, ist das eine. Das heißt, der Kapitalist läßt nach Gefühl produzieren und erst anschließend kommt heraus, ob es zu viel, zu wenig oder genau die richtige Menge ist. Es muß nicht notwendigerweise eine Überproduktion geben, sondern eben entweder eine Überproduktion oder eine Unterproduktion, da es ja äußerst selten ist, daß man das Verhalten des Marktes im Vorfeld richtig eingeschätzt hat. Und das ist das Problem, das es im Kapitalismus "immer wieder" gibt.
Die Absatzkrise unserer Tage - von der ich sprach - ist aber ein anderes Problem. Es ist, kurz gesagt, so, daß seit einiger Zeit die Produktion langsamer steigt als die Produktivität und das offenkundig als allgemeine Erscheinung. Zu Lenins Zeiten gab es noch im Rahmen von Krise und Konjunktur auch Phasen, in denen die Produktion schneller stieg als die Produktivität. Das hat sich geändert und das ist ein sehr entscheidener Unterschied. (Davon hängt zum Beispiel die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ab.)

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:58 

Beiträge: 5
Hallo zusammen!

Ich denke, dass als Folge des von konterrevolutionären Kräften ausgelösten Bürgerkriegs und der politischen und militärischen Einkreisung kapitalistischer Staaten (überhaupt wegen der schwierigen Anfangsbedingungen!) die KPdSU als Notmaßnahme die Endscheidungsgewalt der Staatsmacht übernehmen musste.
Hier kann man nach der Marx'schen Definition von einer Diktatur der Partei reden. Leider hat eine Rückkehr zum Herrschaftsweg der sozialistischen Demokratie (oder "Diktatur des Proletariats") nie stattgefunden. Die Partei verlor ihren revolutionären Charakter und verkam (konkret die Führung) zu einem Haufen Partei-Bürokraten, die faktisch die Macht im Staate behielten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 00:59 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
Zitat:
Hallo zusammen!

die KPdSU als Notmaßnahme die Endscheidungsgewalt der Staatsmacht übernehmen musste.Hier kann man nach der Marx'schen Definition von einer Diktatur der Partei reden. Leider hat eine Rückkehr zum Herrschaftsweg der sozialistischen Demokratie (oder "Diktatur des Proletariats") nie stattgefunden. Die Partei verlor ihren revolutionären Charakter und verkam (konkret die Führung) zu einem Haufen Partei-Bürokraten, die faktisch die Macht im Staate behielten


es ist eigentlich logisch, dass in einem sozialistischen staat, die kommunistische partei DIE führende kraft ist und sein muss. es ist ihre unweigerliche aufgabe die fortschrittlichsten kräfte im proletariat zu vereinen die die avantgarde bilden, das proeltariat führen.die kommunistische partei erzieht somit das proletariat, sie darf sich aber NICHT über die massen stellen und genausowenig darf sie in nachtrabpolitik verfallen, denn dadurch entartet die partei und wechselt ihre farbe.
eine mehrparteienregierung (so interpretiere ich es aus deinen erläuterungen), ist in einem sozialistischen staat zwecklos.

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:03 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
eine mehrparteienregierung (so interpretiere ich es aus deinen erläuterungen), ist in einem sozialistischen staat zwecklos


Was spricht eigentlich gegen zwei kommunistische Parteien, die quasie im Wettkampf im sozialistischen Staat bei jeder Wahl (allex x Jahre) gegeneinander antreten?

Ich meine, im Kapitalismus treten doch auch mehrere Parteien gegeneinander an, obwohl sie faktisch alle das selbe Programm haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:03 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Was spricht eigentlich gegen zwei kommunistische Parteien, die quasie im Wettkampf im sozialistischen Staat bei jeder Wahl (allex x Jahre) gegeneinander antreten?

Ich meine, im Kapitalismus treten doch auch mehrere Parteien gegeneinander an, obwohl sie faktisch alle das selbe Programm haben.


Zwei Kommunistische Parteien, die miteinander in Wettbewerb treten. Ich stelle mir das so vor:

Sagt die eine: Wir wollen den Kommunismus
Sagt die andere: Wir wollen den Kommunismus
Sagt der Wähler: Wähle ich doch beide, nur warum gibt es überhaupt zwei Parteien?


Also:
Wahlen sind Machtdemonstrationen und enthalten für den Wähler mitnichten die Möglichkeit, etwas Grundlegendes zu ändern. In der DDR wurde das Erbebnis nach der Wahl korrigiert. In der BRD werden die Wähler vorher belogen. Wenn ich vor der Wahl die Wähler belüge, brauche ich nach der die Ergebnisse nicht mehr zu korrigieren. Betrügen muß ich in jedem Fall.

Ferner:
Die BRD hat ein Zweiparteiensystem und offenbar findest du, lieber Daniel, das unglaublich toll. Karl Marx nicht: "Die Wahlphilosophie der Parlamentskandidaten besteht einfach darin, daß sie ihrer linken Hand erlauben, nicht zu wissen, was ihre rechte tut, und so waschen sie beide Hände in Unschuld."
Man muß begreifen, wofür in einem Zweiparteiensystem die zwei Parteien stehen. Die SPD will nichts anderes als die CDU, sie ist nur einfach die andere Partei. Und es ist ungeheuer bequem, denn keiner hat die volle Verantwortung. Kein Machtwechsel ist ein wirklicher Wechsel der Macht, aber die Menschen haben das Gefühl, es bewegt sich was im Lande. In Wahrheit jedoch ist es ein geschickt entwickeltes, psychologisch ausgefeiltes System des Wahlbetrugs. Wie gesagt: Auch in der DDR wurde betrogen, aber der Betrug war - auch wenn das komisch klingt - ehrlicher. Es war ein Lügen mit Augenzwinkern. Jeder wußte, was wirklich passiert und nur die kranken Seelen hat es gestört. In der DDR war das Kräfteverhältnis der Parteien von vornherein vorgegeben und gerade dieses Sich-aus-der-Verantwortung-ziehen, wie es in der BRD passiert, gab es in der DDR nicht, denn Schuld an allem war dort - das wußte jedes Kind - die SED.

Hierhin gelangt ist es Zeit für ein vorläufiges Zwischenergebnis meiner Überlegungen, ein Art Hochrechnung also:
Warum um alles in der Welt, müssen wir die Krankheiten des Imperialismus übernehmen? Warum müssen wir uns seine Weise der Verlogenheit und des Betrugs zulegen?

Nochmals also:
Die Einführung eines Zweiparteiensystems hätte was zur Folge? Nunja, den Untergang des Sozialismus. Der Sozialismus ist eben nicht die Diktatur einer Klasse, sondern er ist eine Gesellschaftsformation, die fortlaufend durch Politik reproduziert werden muß. Das Zweiparteiensystem ist aber der Ausdruck von gesellschaftlichen Verhältnissen, die auch ohne Politik fortlaufen.
Mit anderen Worten: Da im Imperialismus das Kapital herrscht, kann man sich dort ein politisches System leisten, dessen ganze Funktion darin besteht, das Volk zu täuschen. Das ist die Aufgabe der Parteien. Die Regierungen sind hingegen Befehlsempfänger, was durch das wunderbare Lobbysystem auch ganz gut funktioniert. Die Hauptaufgabe, die dem Staat gegenwärtig vom Kapital gestellt wird, besteht in seinem Rückzug aus allen gesellschaftlichen Lebensbereichen. Und ist der Staat einmal zurückgezogen, kann das Kapital seine volle Diktatur entfalten.
Im Sozialismus hingegen gilt das Primat der Politik, weil eben die Partei herrscht und herrschen muß. Und also muß diese Partei dann auch regieren.
Also nochmal mit anderen Worten: Der Sozialismus und der Imperialismus hatten beide genau das politische System, das sie jeweils zum Überleben brauchten. Es ist schlicht unmöglich, das politische System der einen Gesellschaft auf die andere zu legen. Genau das, was den Imperialismus am Leben hält, wäre der Tod des Sozialismus.
Eine solche Fragestellung, wie du sie oben gestellt hast, ist in der DDR nicht ganz zu unrecht als konterrevolutionär eingeschätzt worden. Denn was wäre das Anderes, wenn ich für die DDR ein politisches System fordere, das deren Untergang bedeutet? Genau diese Forderung - "Mehr Demokratie", womit freilich der Parlamentarismus imperialistischer Prägung gemeint war - haben alle Konterrevolutionäre - von 56 bis 89 - in ihrem Repertoire gehabt: Harich, Zwerenz, Loest, Janka, Havemann, Biermann, Bahro, Bohley, Klier, Poppe, Eppelmann und wie sie alle noch heißen.

Und jetzt aber das Wichtigste:
Wenn ich mir über die hinter uns liegende Geschichte ein Urteil bilden will, das mehr als nur subjektiv ist, dann muß ich bei meiner Beurteilung auch von den objektiven Bedingungen ausgehen. Ich habe kein Recht, an die Weltgeschichte mit säuberlich vorgefaßten, imperativen Forderungen heranzutreten. Ich muß zunächst verstehen, warum die Verhältnisse so waren und geworden sind und erst dann, wenn ich das begriffen habe, habe ich die Möglichkeit, unter Zuhilfenahme strenger und nüchterner Logik zu entscheiden, ob es auch anders hätte laufen können. Ich denke, in unserem Fall habe ich hinreichend bewiesen, daß es nicht anders hätte laufen können.

Um also endlich deine Frage zu beantworten:
Ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß gegen den Versuch, im Sozialismus zwei kommunistische Parteien miteinander in Wettbewerb treten zu lassen, so ziemlich alles spricht.


PS: Meine Gedanken betreffen, wie ihnen ja auch selbst zu entnehmen ist, nur die Frage nach dem Parlamentarismus. Die Frage nach der Demokratie ist eine andere, die gesonderter Behandlung bedarf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:04 
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Erstmal möchte ich darauf hinweise, das ich das Zweiparteiensystem der BRD absolut nicht toll finde, weil ich mir im Klaren bin, das ich verarscht werde.

Nun zum eigentlich Anlass meiner Frage:
Wenn eine Partei "herrscht", wie ist sicher gestellt, das sie immer die Interessen des Volkes vertritt? An der KPdSU haben wir ja bereits gesehen, das die Aussage "Die Partei hat immer Recht" eben nicht immer zutrifft. Aber was kann getan werden, wenn sich herausstellt, das die Partei, ich sags ma so simpel, Scheisse baut? Was kann das Volk dann tun?

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:04 
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1. Daß die Partei nicht auf dem richtigem Weg ist, das kann passieren.
2. Aber wenn es die eine Partei nicht ist, ist es die andere Partei auch nicht. Im Gegenteil, die andere Partei, die, so lange die eine an der Macht war, Opposition gemacht hat, ist inzwischen noch verblödeter, denn Opposition verblödet bekanntlich.
3. Ähnliches gilt für das Volk. Das Volk, das bekanntlich nie sehr viel begreift, begreift im Niedergang keineswegs die Ursachen desselben. Als es damals mit der DDR bergab zu gehen begann, hat mit Ausnahme einer kleinen Zahl von Einzelgängern das Volk nicht begriffen, woran das liegt. Es hat das ja bis heute nicht begriffen. Das Volk spürt zwar, daß etwas nicht in Ordnung ist, aber es kann die Lage nicht analysieren. Das Volk in dieser Situation an die Macht zu lassen, wäre nicht die Lösung der Probleme, sondern deren Zuspitzung, denn um einen Fehler zu beheben, muß ich natürlich wissen, wo der Fehler liegt.

Gestatte mir also bitte die Anmerkung, daß ich deine Fragestellung falsch finde. Die Frage "Was kann das Volk tun?" kann ich nur dann stellen, wenn das Volk überhaupt die Möglichkeit hat, etwas zu tun. Aber das einzige, was das Volk kann, ist das Bestehende zu verneinen, also Revolution zu machen. Aber Revolution machen, hieß in der DDR, die ja die vorderste Spitze der Weltenwicklung darstellte, stets Konterrevolution machen.
Eine Revolution nach vorne ist ohne Avantgarde nicht möglich. Geht die Avantgarde fehl, so kann das Volk nur die Avantgarde verneinen und wird also direkt in die Konterrevolution abgleiten. Es wird zuerst - weil es die eigentlichen Fehler nicht erkennt - an den Symptomen des Niedergangs herumdoktern wollen und also nach den falschen Lösungen schreien. Schließlich wird es das satt haben und den schlecht gemachten Sozialismus dem Sozialismus an sich gleichsetzen und darum nach der Abschaffung des Sozialismus rufen. Und beides ist - in der Reihenfolge - in der DDR denn auch passiert.

Unstreitig ist es ein Problem, wenn die Partei "Scheisse baut".
Ein Herrschaftsverständnis, das davon ausgeht, daß alles nur von oben geregelt werden müsse, hat mit Sozialismus nichts zu tun. Das endet in der Administration als Selbstzweck, in einer leeren Herrschaftsausübung, die nach vorn nichts mehr zu entwickeln vermag. Das war ja eines der großen Probleme der Honeckerzeit und hat auch mit in den Niedergang geführt.
Unstreitig ist es aber auch keine Lösung, dagegen das Volk zu mobilisieren.
Natürlich besitzt das Volk schöpferische Kraft. Aber diese Kraft - und dafür spricht ausnahmslos die ganze Weltgeschichte - kann nur produktiv entfaltet werden, wenn sie in gewisse Formen gebracht wird. Ohne den Zusammenhang staatlicher Verwaltung und Regelung des gesellschaftlichen Verkehrs wirkt die Kraft des Volkes nur destruktiv. Ein unkontrolliertes Wirken der Volksmasse ist in jedem Fall anarchisch und Anarchie bedeutet eben nicht - wie es der Name ausdrückt - Nichtherrschaft, sondern grundsätzlich Herrschaft der schlechtesten Elemente des Volkes.
Eine richtige Auffassung von Herrschaft muß die Dialektik von oben und unten beachten. Es ist richtig, daß sowohl von oben als auch von unten etwas kommen muß, damit der Sozialismus funktioniert. Aber daß von unten etwas kommt, das hängt davon ab, ob etwas und vor allem: was von oben kommt. Eine richtige Politik von oben ist die Voraussetzung für die Entfessellung produktiver Kräfte von unten. Fehlt diese Politik von oben, so ist jede Entfesselung von Kräften aus dem Volk destruktiv. Mit anderen Worten: Daß oben die richtige Politik gemacht wird, ist die notwendige Bedingung; daß die Kraft des Volkes von untern her hinzutritt, ist die hinreichende Bedingung. Das einseitige Abgleiten in die Vorstellungen der reinen Herrschaft von oben oder der reinen Herrschaft von unten ist dagegen der Tod jeder nach vorne gerichteten Politik. Man muß die Kräfte ausnutzen, die da sind. Und wir haben einmal eine Kraft, die von oben wirkt und eine, die von unten wirkt. Also sollen auch beide wirken. Mit der Formel, daß man die großen Fragen oben klären solle, die kleinen dagegen unten, kann ich sehr viel anfangen.

Bekanntlich haben sich unsere Klassiker ihre Köpfe für uns zerbrochen und es fehlt in ihren Werken an passenden Antworten nicht. Man muß sie nur lesen.
Schiller: "Wo rohe Kräfte sinnlos walten, / Da kann sich kein Gebild gestalten".
Goethe: "Getretner Quark / Wird breit, nicht stark. / Schlägst du ihn aber mit Gewalt / In feste Form, er nimmt Gestalt".
Wer nach meinen Ausführungen mit diesen beiden Zitaten nichts anfangen kann, dem kann ich auch nicht weiter helfen. Ich habe dazu gesagt, was es dazu zu sagen gibt, Goethe und Schiller so wie so.

Was nun noch aussteht, ist die Antwort auf die Frage "Was tun?".
Die richtige Frage lautet aber nicht "Was kann das Volk tun?", sondern: "Was kann man tun?" Auf die Situation der DDR seit 1971, oder auf die der UdSSR seit 1956 bezogen, sehe ich nur eine Möglichkeit. Ein verantwortlicher Genosse unterläßt es, einen Bürgerkrieg anzuzetteln oder sich mit den gegnerischen Geheimdiensten einzulassen, sondern er ist bemüht, an seinem Ort Schadensbegrenzung zu betreiben, nach Möglichkeit die Entwicklung voranzubringen, denn das ist er dem Sozialismus - der auch im Niedergang die weit bessere Alternative zum Kapitalismus darstellt - schuldig. Und wenn er seine Pflicht an seinem Ort gewissenhaft erfüllt und kluge Impulse zu geben versteht, dann hat er überdies auch die Möglichkeit in der Macht aufzusteigen. Er weiß, daß er nur etwas ändern kann, wenn er in eine Position gerät, in der er Verantwortung hat. Nur von oben kann er die Problem lösen, denn oben werden, bzw. wurden die Fehler gemacht. Er muß natürlich berücksichtigen, daß er - will er in eine Machtposition kommen - nicht offen gegen die falsche Politik auftreten darf. Denn schließlich möchte er ja nicht von der herrschenden Clique als Gefahr erkannt werden. In diesem Fall würde diese verhindern, daß er nach oben kommt.
Das ist, was man in dieser Situation tun kann. Mehr zu sagen, ist meines Erachtens nicht möglich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:05 

Beiträge: 5
Zitat:
es ist eigentlich logisch, dass in einem sozialistischen staat, die kommunistische partei DIE führende kraft ist und sein muss. es ist ihre unweigerliche aufgabe die fortschrittlichsten kräfte im proletariat zu vereinen die die avantgarde bilden, das proeltariat führen.die kommunistische partei erzieht somit das proletariat, sie darf sich aber NICHT über die massen stellen und genausowenig darf sie in nachtrabpolitik verfallen, denn dadurch entartet die partei und wechselt ihre farbe.
eine mehrparteienregierung (so interpretiere ich es aus deinen erläuterungen), ist in einem sozialistischen staat zwecklos.


Die Rolle der Avantgarde der KP soll nicht als alleinige Machthabnung verstanden werden. Im Sozialismus bildet die KP den Motor und Wegweiser des sozialistischen Aufbaus, sie darf nicht zum administrativ-bürokratischen Apparat degenerieren. Sie darf sich auch über die Massen stellen, richtig.


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:05 

Beiträge: 12
Steht aber damit die Diktatur des Proletariats oder der Partei nicht im Gegensatz zum hegelianischen teleologischen Geschichtsbild, das auch Marx vertrat?!


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:05 
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Kannst du mal bitte erläutern, was du unter einem "hegelianischen teleologischen Geschichtsbild" verstehst?

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:07 

Beiträge: 12
Die Vorstellung, dass sich in der Geschichte eine Tendenz manifestiert, bestimmte gesellschaftliche Errungenschaften und Zustände heranzubilden. Also Teleologisch bedeutet allgemein einfach, dass die Geschichte auf ein Ziel zusteuert; in Bezug auf die hegelianische Geschichtsphilosophie wäre dieses Ziel ein gesellschaftlicher Zustand, in dem die größtmögliche Freiheit aller gewährleistet ist. Bei Marx wäre dieses Ziel in der kommunistischen Gesellschaft verwirklicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:07 
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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:07 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Die Vorstellung, dass sich in der Geschichte eine Tendenz manifestiert, bestimmte gesellschaftliche Errungenschaften und Zustände heranzubilden. Also Teleologisch bedeutet allgemein einfach, dass die Geschichte auf ein Ziel zusteuert; in Bezug auf die hegelianische Geschichtsphilosophie wäre dieses Ziel ein gesellschaftlicher Zustand, in dem die größtmögliche Freiheit aller gewährleistet ist. Bei Marx wäre dieses Ziel in der kommunistischen Gesellschaft verwirklicht.


Das hatte ich mir schon gedacht. Ich wollte es nur noch mal wörtlich haben.
Natürlich ist das Unsinn. Weder Marx, noch Hegel hatten die Vorstellung, daß die Geschichte auf ein Ziel zusteuert.
Für Hegel besteht der Inhalt des geschichtlichen Begriffs in der Realisierung der Freiheit, wobei Hegel nicht annahm, daß dieser Prozeß jemals werde abgeschlossen sein können. Die Quintessenz bei Hegel ist ja gerade, daß die Realisierung der Freiheit nur innerhalb von Zwängen und Notwendigkeiten erlangt werden kann und darum also nie ganz erlangbar ist. Im übrigen hat Hegel, wie gute Wissenschaftler pflegen, es abgelehnt, über die Zukunft zu orakeln. Hierbei wäre an seinen berühmten Satz von der Eule der Minerva zu erinnern. Hegels Geschichtsphilosophie gilt also nur für die Geschichte bis Hegel.
Was Marx angeht, so trifft er zwar - im Gegensatz zu Hegel - Aussagen über die Zukunft, aber die geschichtliche Notwendigkeit des Kommunismus (für die Marx übrigens keinen anderen Grund anzugeben weiß als die Negation der Negation, womit Marx sogar als hegelscher erscheint als Hegel) ist je keineswegs das Ziel der Geschichte, sondern ebenfalls nur eine geschichtliche Etappe. Marx spricht vom Ende der "Vorgeschichte".

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 Betreff des Beitrags: Re: Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 01:09 

Beiträge: 237
Zitat:
Nur, damit es keine Mißverständnisse gibt: Natürlich hat im Sozialismus nicht das Proletariat selbst geherrscht.

Wer dann? Welche war die herrschende Klasse und durch welche Merkmale hat sie sich innerhalb der Produktionsverhältnisse von den anderen Klassen oder der anderen Klasse unterschieden und welche ist die andere Klasse?

In der DDR HAT das Proletariat geherrscht. Allerdings war die Herrschaft so organisiert, daß die Entscheidungsbefugnisse sich in den Händen unfähiger Egoisten befanden, die nur noch GLAUBTEN, die Interessen des Proletariats zu vertreten - und 1989 eines Schlechteren belehrt wurden.

Daß KEINE ANDERE Klasse herrschte, ist schon daran zu erkennen, daß die Konterrevolution ohne Gegenwehr blieb. Die herrschende Klasse, das Proletariat, WOLLTE ihre Herrschaft an ihre Ausbeuter und Unterdrücker abtreten. Und die haben natürlich nicht nein gesagt.


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