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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Sozialismus - anders betrachtet
BeitragVerfasst: Mi 28. Mai 2008, 19:02 
Moderator

Beiträge: 876
Ich verfolge die Diskussion in dem Faden "Sozialismus - Demokratie oder Diktatur" mit Interesse und will das hohe theoretische Niveau der Diskussion nicht beeinträchtigen, deshalb dieser neue Faden.

So wie ich es verstanden habe, dreht sich ein großer Teil der Diskussionen in dem genannten und in anderen Fäden darum, wie Sozialismus korrekt definiert werden kann und welche Herrschaftsform den Sozialismus kennzeichnet.

Könnte es da vielleicht hilfreich sein, eine Art "Lebenszyklusmodell" oder "Diffusionsmodell" des Sozialismus zu entwickeln?

http://de.wikipedia.org/wiki/Diffusions ... onsmodelle
http://de.wikipedia.org/wiki/Produktlebenszyklus

Wenn man, nur für dieses Denkmodell, den Sozialismus als Produkt sieht, ist es möglich, eine Positionsbestimmung abhängig von Marktparametern vorzunehmen, bei dem McKinsey-Modell (http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:9-Fel ... matrix.png) wären dies z.B. Marktattraktivität und Marktanteil. Es könnten aber auch andere Parameter definiert werden.

Beispiel:

Sozialismus 1975: Hoher Marktanteil, hohe Marktattraktivität -> Empfehlung: Position verteidigen, Investiere auf maximal verkraftbares Tempo, Konzentriere die Kräfte auf Erhaltung der vorhandenen Stärken (hat die SU im großen und ganzen so gemacht)

Sozialismus 1989: Mittlerer Marktanteil, geringe Marktattraktivität -> Empfehlung: Gewinnorientierung,
Verteidige die Position in den rentabelsten Segmenten, optimiere Sortiment, minimiere die Investitionen (wurde teilweise gemacht, z.B. Abzug aus Afghanistan)

Soweit das Beispiel.

Würde nun ein spezifisches Diffusions- oder Lebenszyklusmodell für den Sozialismus entwickelt, könnte eine Zuordnung bestimmter Notwendigkeiten zu bestimmten Rahmenbedingungen vorgenommen werden, die eine Standortbestimmung und daraus abgeleitet Handlungsempfehlungen ermöglichen würde.

Beispiel:

Marx/Engels: Produktentwicklung, Marktanteil null, Marktattraktivität hoch (bei der Zielgruppe)

1917-1945: Marktdurchdringung und Etablierung

1975: Produkt weitgehend etabliert, bisher höchster Marktanteil, hohe Marktattraktivität

1985: Vernachlässigung der Produktpflege und -weiterentwicklung, Verlust von Marktanteilen

1992: Produkt weitgehend vom Markt

Venezuela seit 1998: Anpassung des Produkts an den lokalen Markt, Modifizierungen und Weiterentwicklungen des Produkts -> Erhöhung der Marktattraktivität, Erhöhung des Marktanteils (Boliven, Ecuador)

Soweit dieses Beispiel.

Ein anderer Aspekt könnte sein, zu untersuchen, in welcher Phase des Lebenszyklus des Sozialismus welche Herrschaftsform adäquat wäre.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialismus - anders betrachtet
BeitragVerfasst: Mi 28. Mai 2008, 20:24 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Ich verfolge die Diskussion in dem Faden "Sozialismus - Demokratie oder Diktatur" mit Interesse und will das hohe theoretische Niveau der Diskussion nicht beeinträchtigen,


Ach was, Bernd hat doch auch keine Skrupel ...

Zu deinem Beitrag sage ich was, wenn ich verstehe, worum es geht.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialismus - anders betrachtet
BeitragVerfasst: Mi 28. Mai 2008, 20:54 
Träger des Agitprop-Stalinorden
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Beiträge: 628
Neo, wenn ich Dich richtig verstehe, dann strebst Du eine Einteilung der Geschichte des Sozialismus nach seiner außenpolitischen Macht und seiner "politischen Attraktivität" an. Wenn das der Fall ist, dann verstehe ich nicht, weshalb dazu nicht die Begriffe genügen welche ich eben verwendet habe und stattdessen diese komischen herhalten müssen?
Desweiteren halte ich die Anwendung von betriebswirtschaftlichen Kategorien auf die Geschichte des Sozialismus für, vorsichtig vormuliert, problematisch. Beispiel: "Sozialismus 1989 ... minimiere die Investitionen". Das ist so ziemlich der gröbste Unfug den man in den 80ern tun konnte und ja auch getan hat.

_________________
Die Andersdenkenden haben Rosa Luxemburg umgebracht - D.W.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialismus - anders betrachtet
BeitragVerfasst: Mi 28. Mai 2008, 21:43 
Moderator

Beiträge: 876
OPC, Numa, vielleicht sind meine Überlegungen in der von mir gewählten Form tatsächlich nicht ohne weiteres nachvollziehbar.

Ich versuche nochmal zu verdeutlichen, was ich meinte.

OPC hat geschrieben:
Neo, wenn ich Dich richtig verstehe, dann strebst Du eine Einteilung der Geschichte des Sozialismus nach seiner außenpolitischen Macht und seiner "politischen Attraktivität" an.

Ich dachte eher daran, bestimmte Rahmenbedingungen zu analysieren, sie zu kategorisieren und daraus Handlungsempfehlungen ableiten zu können.

Das McKinsey-Modell hatte ich nur als formales Beispiel gewählt, nicht als inhaltliches. Wobei ich in einzelnen Punkten die mögliche Übertragbarkeit schon überraschend fand.

Ich war in diesem Beispiel von der Verbreitung sozialistischer Gesellschaftsordnungen auf der einen Achse und ihrer politischen Attraktivität auf der anderen Achse ausgegangen.

OPC hat geschrieben:
Wenn das der Fall ist, dann verstehe ich nicht, weshalb dazu nicht die Begriffe genügen welche ich eben verwendet habe und stattdessen diese komischen herhalten müssen?

Auf welche Begriffe beziehst Du Dich, ich habe gar keinen aktuellen Beitrag von Dir gesehen?

Auf jeden Fall habe ich nichts an der klassischen, bewährten Terminologie auszusetzen. Es wäre wahrscheinlich sogar möglich, sie in einem Lebenszyklusmodell zu verwenden.

Ich bin auch sicher kein Anhänger von Modernismen. Was mich aber fasziniert, sind schlüssige Modelle, die sehr komplizierte Vorgänge ohne Substanzverlust darstellbar und analysierbar machen.

Und sowas könnte man vielleicht für den Sozialismus entwickeln. Den Gedanken habe ich schon länger, aber es ist nur ein Gedanke, ich wollte jetzt keine neue Universaltheorie entwickeln, mich hatte nur mal interessiert, was andere darüber denken.

OPC hat geschrieben:
Desweiteren halte ich die Anwendung von betriebswirtschaftlichen Kategorien auf die Geschichte des Sozialismus für, vorsichtig vormuliert, problematisch.

Das war ja primär nur als Beispiel gemeint, mir ging es um ein neu zu entwickelndes Lebenszyklus- bzw. Diffusionsmodell für den Sozialismus. Wobei ich in dem gewählten Beispiel einige Analogien durchaus zutreffend finde.

Generell finde ich es interessant und manchmal auch hilfreich, ein Modell einmal mit den Mitteln eines anderen Modells zu betrachen.

OPC hat geschrieben:
Beispiel: "Sozialismus 1989 ... minimiere die Investitionen". Das ist so ziemlich der gröbste Unfug den man in den 80ern tun konnte und ja auch getan hat.

McKinsey ist ja auch unter Kapitalisten nicht unumstritten. Es sind einige Firmen trotz oder aufgrund der Empfehlungen von McKinsey untergegangen.

Um die Empfehlungen aus dem Raster wirklich bewerten zu können, müsste man wissen wie jeder dieser Punkte genau gemeint ist. Selbst die Empfehlung "minimiere die Investitionen" könnte Sinn machen, wenn damit Investitionen in langfristige Vorhaben gemeint gewesen wären. Denn wenn die öffentliche Meinung schon so negativ ist, wäre wahrscheinlich eine Verwendung vorhandener Mittel für die kurzfristige, sichtbare Verbesserung der Lebensbedingungen besser, als für langfristige Projekte, von denen die Menschen praktisch nichts mitbekommen.


Aber nochmal, es ging mir um die Frage, ob ein -noch zu entwickelndes- Lebenszyklusmodell für die aktuelle politische Analyse und Praxis hilfreich sein könnte. (Nicht darum, den Sozialismus mit Hilfe von allgemeinen Empfehlungen von McKinsey zu verbreiten.)

Eines, aus dem z.B. hervorgehen könnte, daß in einer revolutionären Phase ein Rätesystem die adäquate Herrschaftsform sein könnte, in einem etablierten, realsozialistischen Staat ein Volkskammer-System. (Nicht, daß das jetzt unbedingt meine Meinung wäre, auch wieder nur als Beispiel.)

Wenn es ein solches Modell geben würde, könnte z.B. ein junger Revolutionär in Kolumbien sagen "wir befinden uns jetzt in dieser Phase des Zyklus, daraus ergibt sich jetzt folgende Handlungsempfehlung", ohne vorher viele Jahre mit dem Studium der Werke von Marx, Engels und Lenin verbracht zu haben.

Einfach ein Hilfsmittel für die politische Praxis.


Sergej hat geschrieben:
ich denke mal niemand will die UdSSR die DDR oder welches System auch immer, egal in welcher Epoche (ob vor 56 oder danach) eins zu eins übernehmen. Das ist auch gar nicht machbar. Ein Sozialistisches System kann sich nur nach den gegenwärtigen Epochen entwickeln.

In diesem Zusammenhang fände ich es z.B. interessant, zu untersuchen, ob es unterschiedliche Phasen des Sozialismus gibt, wenn ja, wodurch sie gekennzeichnet sind und weiterhin, in welcher Phase der Sozialismus sich heute befindet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialismus - anders betrachtet
BeitragVerfasst: Do 29. Mai 2008, 14:43 

Beiträge: 79
an welches lebenszyklusmodell hast du denn gedacht? hirsch/vernon?
also "theoretisch" würde es gehen, allerdings gibts natürlich einiges was da nicht ganz passt.
und vor allem machen DDR und SU dir da einen strich durch die theorie oder?


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 Betreff des Beitrags: Re: Sozialismus - anders betrachtet
BeitragVerfasst: Do 29. Mai 2008, 17:15 
Moderator

Beiträge: 876
Nasum hat geschrieben:
an welches lebenszyklusmodell hast du denn gedacht? hirsch/vernon?
also "theoretisch" würde es gehen, allerdings gibts natürlich einiges was da nicht ganz passt.
und vor allem machen DDR und SU dir da einen strich durch die theorie oder?


Nasum, an ein neu zu entwickelndes, das sich aber durchaus an existierenden orientieren könnte.

Gegen Hirsch/Vernon spricht natürlich vor allem die Phase der Produktelimination, die aber auch bei Anwendung deses Modells vermieden werden kann.


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