Forum.stalinwerke.de - stalinforum.de

Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Aktuelle Zeit: Di 24. Okt 2017, 07:43

Alle Zeiten sind UTC




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 11 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Mi 29. Aug 2007, 14:32 

Beiträge: 78
Hermann Jacobs schreibt in seinem Artikel "Der Unterschied zwischen der 1. und der 4. Auflage des Lehrbuches 'Politische Ökonomie' - Die Desavouierung J. W. Stalins in der Politischen Ökonomie des Sozialismus" (Niederlagenanalyse):
Zitat:
Volkseigentum ist nicht Eigentum, sondern ist seine Aufhebung. Es kann nur als das Gegenteil von Eigentum deklariert werden, und das erscheint in seinem inneren Verhältnis, und das erscheint auch in seinem "Außen"verhältnis. D.h. das erscheint sowohl in einem solchen Verhältnis, wo Außen noch ein privates Eigentum ist, also in Sowjetrußland während der NÖP, als dann natürlich verstärkt, entwickelt im Verhältnis zu den Bauern, die sich als Eigentum, als Arbeit auf den Weg zum Volkseigentum, d.h. zur Aufhebung der Eigentumsform gemacht haben.


Charakteristik von Eigentum ist ja, das es den Eigentümer vom Nicht-Eigentümer abgrenzt. Da beim Volkeigentum das Eigentum von niemanden abgegrenzt wird, ist es kein Eigentum. Das gleiche trifft nun auch auf Staatseigentum zu.

Deswegen die Frage: Was ist der Unterschied zwischen Volkseigentum und Staateigentum?

Laut Wikipedia ist Volkseigentum Staatseigentum mit bestimmten Eigenschaften. So kann es nicht veräußert werden, so dass es an Dritte verliehen wurde.

_________________
Karl Marx:
Ein Element des Erfolges besitzen die Arbeiter: Ihre große Zahl


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Mi 29. Aug 2007, 15:03 
Literat

Beiträge: 2947
Hermann Jacobs ist ein Wichtigtuer, eine Null. Er ist nicht sonderlich intelligent und besteht zum großen Teil aus Bildungslücken. Das gleicht er dann aus durch einen unleserlichen Schreibstil, jede Menge Dünkel und eine verworrende Gedankenführung. Um zu zeigen, was ich meine, reicht mir der erste Satz:

Zitat:
Volkseigentum ist nicht Eigentum, sondern ist seine Aufhebung.


Er meint durchaus etwas richtiges. Aber er sagt etwas anderes.

Was er meint, ist folgendes: Wenn allen alles gehört, hört es auf, jemand Bestimmtem zu gehören. Das ist ein richtiger Gedanke, und er impliziert, daß Staatseigentum die einzig mögliche Form von Volkseigentum ist, die es geben kann. Es geht nicht anders; was ich allen geben will, muß ich allen wegnehmen.

Aber was Jacobs sagt, ist etwas anderes. Und das hat den Grund, daß er unzutreffenderweise von "Eigentum" überhaupt spricht. Er stellt sich vor, Eigentum sei, was sich ein Mensch vor anderen Menschen aneignet. Das aber ist nicht der Eigentumsbegriff von Marx. Der sagt nämlich, daß Eigentum überhaupt Aneignung ist, d.h. Vergegenständlichung von Naturstoffen vermittels Arbeit. Die Aneignung geschieht also, sobald überhaupt gearbeitet wird, denn selbst wenn einer an einem Produkt ganz allein wirkt und es dann allen Menschen gleichermaßen zur Versfügung stünde, es bleibt immer noch der Umstand, daß der Mensch es sich von der Natur angeeignet hat. Deswegen ist Eigentum weder als Begriff noch als Sache jemals aufhebbar. siehe hierzu vor allem "Einleitung [zu den 'Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie']" [MEW 42, 23]

Die andere Seite der Sache besteht in der Frage, was Jacobs eigentlich vorhat. Das Ziel, das er seit Jahren verfolgt, ist - grob vereinfacht - den Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus wegzudiskutieren. Er hat es gern einfach. Wertgesetz im Sozialismus existiert für ihn nicht. Das Problem der Arbeitsproduktivität existiert für ihn nicht. Er konstruiert einen reinen Begriff von Sozialismus, in dem nur eine Form von Eigentum existiert, das Volkseigentum nämlich, und daß es diesen Zustand des Sozialismus nie gegeben hat, interessiert ihn nicht.

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Mi 29. Aug 2007, 15:12 
Literat

Beiträge: 2947
Ich wollte die Stelle, auf die ich oben verweise, eigentlich nicht abtippen, habs dann jetzt aber doch getan:

Zitat:
"Alle Produktion ist Aneignung der Natur von seiten des Individuums innerhalb und vermittelst einer bestimmten Gesellschaftsform. In diesem Sinn ist es eine Tautotologie zu sagen, daß Eigentum (Aneignen) eine Bedingung der Produktion sei. Lächerlich aber ist es, hiervon einen Sprung auf eine bestimmte Form des Eigentums, z. B. das Privateigentum zu machen. (Was dazu noch eine gegensätzliche Form, die Nichteigentum ebensowohl als Bedingung unterstellte.) ... Von der Frage, ob der Reichtum sich besser unter dieser oder jener Form des Eigentums entwickle, ist hier noch gar nicht die Rede. Daß aber von keiner Produktion, also auch von keiner Gesellschaft die Rede sein kann, wo keine Form des Eigentums existiert, ist eine Tautologie. Eine Aneignung, die sich nichts zu eigen macht, ist contradictio in subjecto.“

[MEW 42, 23]

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Mi 29. Aug 2007, 15:54 

Beiträge: 4
Was Numa sagt ist richtig, was Hermann Jacobs sagt allerdings auch, denn er meint NUR die Produktionsmittel, hat es nur etwas unglücklich formuliert. (er meint, das Privateigentum an Produktionsmitteln hebt sich auf.)

Zitat:
Was ist der Unterschied zwischen Volkseigentum und Staateigentum?

Volkseigentum ist vergesellschaftetes Eigentum, also die Produktionsmittel gehören (theoretisch) allen.
Das Staatseigentum ist abhängig von der Gesellschaftsordnung. Im Kapitalismus gehört das Staatseigentum praktisch den Lobbyisten, damit also auch irgendwelcehn Kapitalisten und das Staatseigentum (an Produktionsmitteln, damit es keine Mißverständnisse gibt) wird zur Ausbeutung genutzt. Im Sozialismus/Kommunismus ist Staatseigentum = Volkseigentum.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Mi 29. Aug 2007, 19:28 
Literat

Beiträge: 2947
Es geht bei der Eigentumsdfrage nicht nur um Produktionsmittel, sondern auch den produzierten Reichtum. Aber selbst wenn es nur um die Produktionsmittel ginge, es bleibt doch immer Aneignung und somit immer Eigentum, denn Arbeit (d.h. konkrete A.) ist Formung von Naturstoffen.

Das Problem von Jacobs ist ein anderes: Er will etwas Richtiges sagen, sagt es aber falsch. Kann alles mal passieren, aber wenn man Jacobsens sonstiges Auftreten betrachtet, muß man sagen: Wer so auf die Kacke haut, darf sich solche Patzer wie den hier nicht leisten. Und das ist bei weitem nicht der einzige Fehler, den er sich geleistet hat. Der Onkel Kurt (guggstu hier) und die Tante Ingeborg (1, 2) haben sich einmal eingehender damit befaßt.

Außerdem sind bei Jacobs eben nicht nur Fehler, die aus einem Mangel an Urteilskraft und Kenntnissen resultieren, sondern auch solche, die ideologischer Natur sind. Jacobs vertritt innerhalb des revisionismuskritischen Marxismus eine Linie, die ich für problematisch halte, weil sie einerseits theoretisch fragwürdig ist und zum anderen, was ihre Eignung als Leifaden für sozialistische Wirtschaftpolitik angeht, untauglich, wo nicht gar schädlich ist. Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls ist der ideologische Charakter von Jacobsens Theorie ebenfalls eine Quelle für viele ihrer Fehler.

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Mi 29. Aug 2007, 22:54 

Beiträge: 78
Hab die Artikel von Ingeborg Böttcher gelesen. Hält sie wirklich die Computerisierung für ein Allheilmittel?? Und welche Funktion haben die Fonds im Sozialismus? Die gleiche wie im Kapitalismus wird ja wohl kaum sein.

Zitat:
Im Sozialismus/Kommunismus ist Staatseigentum = Volkseigentum.

Laut Wikipedia konnte in der DDR aber Staatseigentum veräußert werden, im Gegensatz zum Volkseigentum, welches Volkseigentum bleiben musste.

_________________
Karl Marx:
Ein Element des Erfolges besitzen die Arbeiter: Ihre große Zahl


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Do 30. Aug 2007, 06:01 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Laut Wikipedia konnte in der DDR aber Staatseigentum veräußert werden, im Gegensatz zum Volkseigentum, welches Volkseigentum bleiben musste.

Na, wenn Wikipedia das sagt, dann muß das ja stimmen ...

Es gab in der DDR keinen Unterschied zwischen Staatseigentum und Volkseigentum. Weder im Begriff noch der Sache nach.

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Do 30. Aug 2007, 09:13 

Beiträge: 78
Ok, habs begriffen. Danke für die Antworten.

_________________
Karl Marx:
Ein Element des Erfolges besitzen die Arbeiter: Ihre große Zahl


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Do 30. Aug 2007, 12:59 

Beiträge: 78
Hättet mich auch ruhig auf das Thema "Parteidiktatur oder Diktatur des Proletariats?" aufmerksam machen können. Da steht doch alles drin.

_________________
Karl Marx:
Ein Element des Erfolges besitzen die Arbeiter: Ihre große Zahl


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Volkseigentum - Staatseigentum
BeitragVerfasst: Do 30. Aug 2007, 15:36 
Literat

Beiträge: 2947
Entschuldigung, hatte ich vergessen.

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Klassen
BeitragVerfasst: Do 13. Nov 2008, 18:45 
Benutzeravatar

Beiträge: 104
Sorry, falscher Thread!

_________________
"Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nutzen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit - geweiht."

Nikolai Ostrowski


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 11 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen

Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group

Deutsche Übersetzung durch phpBB.de