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 Betreff des Beitrags: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:13 
Troll

Beiträge: 14
Geschrieben: 27.09.2004 12:27

Wie funktioniert die Planwirtschaft?


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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:13 
Administrator
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Beiträge: 4023
Planwirtschaft, Wirtschaftsordnung, in der das gesamte ökonomische Geschehen von einer zentralen Organisation nach einem von ihr festgelegten, einheitlichen Plan geleitet und gelenkt wird. Der Begriff „Planwirtschaft” erweckt den Eindruck, dass die Wirtschaft anderer Ordnungen nicht auf Plänen beruht, was faktisch natürlich falsch ist. Deshalb wird die „Planwirtschaft” in der Fachliteratur auch als „Zentralverwaltungswirtschaft” oder „zentral geleitete Wirtschaft” bezeichnet.
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“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:13 
Moderator

Beiträge: 384
Webmaster, ich mag deine Angewohnheit, auf simple Fragen Lexikon-Antworten zu geben. Aber rutsch mir nicht in den Positivismus ab.

Über den Satz

"Der Begriff „Planwirtschaft” erweckt den Eindruck, dass die Wirtschaft anderer Ordnungen nicht auf Plänen beruht, was faktisch natürlich falsch ist."

sollte Encarta nochmal nachdenken. Die Marktwirtschaft beruht auf dem Gedanken des freien Handels und der uneingeschränkten Möglichkeit, sich wirtschaftlich zu entfalten. Das ist aber kein Plan. Der Begriff "Planwirtschaft" ist als ein Gegenstück und eine Gegenformulierung zur kapitalistischen Produktionsweise zu verstehen, und gerade die, versteht sich, hat nun überhaupt keinen Plan. Die Leute machen lassen, wie sie denken, ist kein Plan, sondern Laissez-faire.

Überhaupt ist ja das Hauptübel des Kapitalismus, wie bekannt ist, seine Unfähigkeit zu produzieren. Alles andere sind Folgen dessen.

Er ist reich, aber mehr eben auch nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:14 
Administrator
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Beiträge: 4023
Nun, ich denke, Encarta wollte damit ausdrücken, das auch die Wirtschaft im kapitalistischen System mit Plan funktioniert. Aber halt eben nur im kleinen Rahmen. Z.B. macht ja VW auch Studien und Marktforschung und entscheidet dann, wieviele Autos gebaut werden und ob vielleich eine neue Fabrik gebaut werden muss oder eine geschlossen. (Mal ganz nüchtern betrachtet)

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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:14 
Moderator

Beiträge: 384
Das ist zwar richtig, aber es sollte bedacht werden, daß das Gegenteil noch öfter der Fall ist.

Dieser ganze Schund, der sich kaufen lässt, das Unverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, der Kampf um neue Märkte - das alles resultiert daraus, daß geprasst wird. Man wirft eine (in so ziemlich allen Fällen unnütze, in aber wirklich allen Fällen unnötige) Ware auf den Markt, versucht, einen kommerziellen Erfolg zu erzwingen und wenn die Ware sich nicht verkauft, versucht man nicht etwa, die Ware zu verbessern oder darüber nachzudenken, ob sie überhaupt sinnvoll ist, nein, man denkt sich eine neue bescheuerte Werbekampagne aus.

Ich weiss nicht, wie du das nennst, ich nenne es nicht planvoll, sondern planlos.


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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:14 
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Beiträge: 66
Was ist Planwirtschaft?

Nun, erstmal: Was heißt "Marktwirtschaft"? Im Kapitalismus herrscht die Anarchie der Produktion, d.h., daß jeder "Unternehmer" das produziert,wovon er sich am meisten Profit verspricht. Das können nützliche, aber auch unnütze Dinge sein. Nicht, daß der einzelne Kapitalist nicht auch planen müßte. Ja, er plant für sich und sein Unternehmen, aber gesamtgesellschaftlich gesehen herrscht eine Anarchie, da jeder Kapitalist das produzieren lassen kann, was er denkt. Wenn er glaubt, eine Marktlücke gefunden zu haben, läßt er produzieren, um Profit abzuschöpfen und zwar soviel wie möglich.Gesamtgesellschaftlich hat er kaum einen Einfluß auf z.B. dadurch hervorgerufene ökonomische Krisen usw.
Die sozialistische Planwirtschaft arbeitet nach einem (gesamt-)gesellschaftlichen Plan, in dem alles koordiniert wird, was den Ansprüchen und Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht. Da gibt es keine Konkurrenz, wo einer des anderen Teufel ist, sondern alle sind bestrebt, gemeinsam vorwärtszukommen, zum Nutzen aller. Wissenschaftlich-technische Neuerungen z.B. kommen dann allen Bereichen zugute, die damit zur Verbesserung des Lebensstandards beitragen, nicht wie im Kapitalismus, wo jeder Kapitalist darauf bedacht ist, wiss./techn. Neuerungen möglichst vor anderen geheimzuhalten und nur für sich ausnutzen will. Mit einer gesamtgesellschaftlichen, also zentralen Leitung der Wirtschaft kann man viel besser entscheiden, was ökonomisch erforderlich und sinnvoll ist und was nicht. Auch kann niemand Profit aus lebensnotwendigen Sachen ziehen, wie das aktuell wieder in "unserer" BRD passiert (Energiepreise, Wassergeld, Mieten.......)
Also, die Produktion nach einem gesellschaftlichen Plan ist nicht nur um einiges besser als die anarchische Produktion im Kap., sondern sie ist Bedingung für den Aufbau einer gerechten, von Ausbeutung freien Welt, in der alle Völker in Frieden leben können.
Natürlich werden Kritiker (wie Großalex) sagen: Ja, aber in der DDR und den anderen Ostblockstaaten ist das doch gescheitert!?
Aber das ist nur gescheitert, weil nichtmehr Marxisten-Leninisten in den verantwortlichen Positionen saßen, sondern kleinbürgerliche Bürokraten, die unter anderem immer, wenn sie merkten, daß ein Plan nicht zu schaffen war, Plankorrekturen durchführten(also das Produktionsziel nach unten korrigiert), so daß sie nach außen den "Plan" einhielten, um Prämien und Anerkennung zu erzielen. Soetwas hat mit sozialistischer Wirtschaft nichts zu tun! (Ich kenne sowas aus eigener Erfahrung, denn ich habe 1989 meine Lehre beendet und schon in einem (DDR-)Betrieb gearbeitet und weiß, was manchmal so abging.....
Und hier schließt sich der Kreis wieder, und wir sind wieder bei Stalin und "seiner" Politik, auch Wirtschaftspolitik. (Auch in der DDR zum Beispiel wurden in den Nachkriegsjahren hervorragende Aufbauleistungen erreicht, solange eben, wie der Revisionismus noch nicht Staat und Partei durchdrungen hatte.)


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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:14 
Troll

Beiträge: 14
Gibt es noch mehr Wirtschaftsformen außer der Plan/Marktwirtschft?


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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:15 
Literat

Beiträge: 2947
Kommunisten benutzen, soweit ich sehe, das Begriffspaar Planwirtschaft/Marktwirtschaft äußerst ungern. Sie sprechen von Ökonomie des Sozialismus oder einfach von Sozialismus, weil dessen begriffliche Bestimmung bereits mit ökonomischen Verhältnissen verknüpft wurde und zwar durch niemand geringerem als Marx selbst.
Natürlich kann man eine Volkwirtschaft nur entweder lenken oder eben nicht. Es heißt also: Imperialismus oder Sozialismus. Es gibt die Vorstellungen von Keynes, nach denen der Kapitalismus von staatlicher Seite gelenkt und geplant werden muß, und so richtig das ist, so schwer ist es auch zu machen. Außer auf der Grundlage der Expropriation der Expropriateurs, was ja dann schon wieder in den Sozialismus führte. Keynes hat seine Vorstellungen entwickelt, um den Kapitalismus (genauer: den Imperialismus) zu erhalten. Aber: Durch seine eigentümliche Borniertheit gräbt der Imperialismus sich das Wasser selbst ab. Wenn das Erdöl alle wird, fällt ihm nicht ein, nach alternativen Energieerzeugungen zu forschen. Ihm fällt stattdessen ein, er müsse Kriege führen. Weil er, wie Stalin richtig sagt, den Maximalprofit will, drückt er die Löhne unentwegt, durch Sozialabbau oder Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer (noch preiswerter als Ostdeutschland). Dann fehlen ihm aber die Käufer. Fehlen die Käufer, fehlt der Umsatz. Fehlt der Umsatz, sinkt die Produktion. Sinkt die Produktion, steigt die Arbeitslosigkeit. Was fällt dem Imperialismus ein, um diesen Prozeß aufzuhalten? Fällt ihm etwa ein, den Lohn zu stabilisieren, damit kurzfristig auf etwas Gewinn zu verzichten, um langfristig weiter welchen zu haben? Nein, was ihm einfällt, ist: Reklame zu machen. Es sind diese Sachverhalte, die den Imperialismus unerträglich machen, und sie sind samt und sonders Äußerungen des Mangels, daß der Kapitalismus nicht zu planen versteht.
Mit dem Übergang vom Kapitalismus zum Imperialismus ist die Form zur Vergesellschaftung der Produktionsmittel geschaffen. Aber nur die Form. Ebenso wie der einfache Kapitalismus ist der Imperialismus niemals in der Lage zu planen, obwohl er das – begünstigt durch die Entstehung der Monopole, durch die die von Marx beschriebene Atomisierung der Produktionsstruktur aufgehoben wurde – im Grunde tut. Nur eben bloß auf den eigenen Kooperationskomplex bezogen. Die Konzerne treten einander ganz anarchisch gegenüber, und müssen die Gesellschaft bis zum letzten schinden, da sie in einem unermüdlichen Konkurrenzverhältnis zueinander stehen. Planwirtschaft in dem Sinne eines volkswirtschaftlichen Gesamtverfahrens gibt es unter den Bedingungen privater Produktion nicht.
Genauso irreführend ist der Begriff Marktwirtschaft. Der Markt ist kein Inbegriff des Kapitalismus, denn Kapitalismus ist eine besondere Form der Marktwirtschaft. Marktwirtschaft gab es vor dem Kapitalismus (einfache Warenproduktion) und auch nach dem Kapitalismus (Sozialismus).
Das Begriffspaar Plan/Marktwirtschaft existiert also wohl, nur kann es nicht (d.h.: nicht allein) zur Charakterisierung des Gegensatzes sozialistischer und imperialistischer Ökonomie dienen. Aber es stellt macht eine gewaltige Erkenntnis offenbar: daß es zwischen dem Imperialismus und dem Sozialismus keine Alternative gibt.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Di 24. Apr 2007, 14:15 
Troll

Beiträge: 14
Danke für die ausführlichen Antworten!


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 Betreff des Beitrags: Re: Planwirtschaft
BeitragVerfasst: Mi 12. Jan 2011, 09:02 

Beiträge: 6
Hallo allerseits. :)

Hat jemand sich mit den arbeiten aktueller (bürgerlicher) Ökonomen zur Planwirtschaft beschäftigt?

Ich denke hierbei konkret an Mark Harrison und konkret an diese Arbeit:

http://www2.warwick.ac.uk/fac/soc/econo ... tprint.pdf

(Seine Seite mit vielen Arbeiten online findet man unter:

http://www2.warwick.ac.uk/fac/soc/econo ... on/public/)

In dieser Arbeit wird das Kommandoproblem das in zentralisierten Planwirtschaften auftaucht in einem einfachen spieltheoretischen Modell behandelt.

Ich halte es für wichtig manchen Thesen wissenschaftlich entgegenzutreten und eigene Vorstellungen über die Planwirtschaft in mathematischen Modellen zu testen.

Ich bin mal gespannt ob sich das schon jemand angesehen hat. :)

Viele Grüße


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