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 Betreff des Beitrags: Lenin und der individuelle Terror
BeitragVerfasst: Mi 14. Nov 2007, 01:46 
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Mir wurde mal gesagt, das Lenin den individuellen Terror als Kampfmittel ablehnte. Wo finde ich da entsprechende Aussagen von ihm?

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“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Lenin und der individuelle Terror
BeitragVerfasst: Mi 14. Nov 2007, 11:14 

Beiträge: 462
Eine google-Anfrage ergab folgendes Zitat von einer offensichtlich Hoxha gläubigen Seite:

Zitat:
Der proletarische Massenterror
Der individuelle Terror muss vom proletarischen Massenterror abgelöst werden. Dazu Lenin: „Der individuelle Terror, dieses Produkt der intelligenzlerischen Schwäche, versinkt ins Reich der Vergangenheit. Anstatt daß man Zehntausende Rubel und eine Menge revolutionärer Kräfte für die Ermordung irgendeines Sergej (der Moskau kaum schlechter revolutionierte als viele Revolutionäre, für einen Mord ‚im Namen des Volkes‘ aufwendet, beginnen jetzt Kampfhandlungen zusammen mit dem Volk.“ [Lenin, Von der Verteidigung zum Angriff, LW 9, s. 278]

Inhaltlich passend: Ein Artikel in der Zeitschrift Der Funke


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 Betreff des Beitrags: Re: Lenin und der individuelle Terror
BeitragVerfasst: Do 15. Nov 2007, 19:17 

Beiträge: 2008
Woschod hat geschrieben:
Mir wurde mal gesagt, das Lenin den individuellen Terror als Kampfmittel ablehnte. Wo finde ich da entsprechende Aussagen von ihm?


In seiner 1920 verfassten Schrift: "Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit im Kommunismus." würde ich sagen. Da findet sich z.B.

"Der Bolschewismus hat bei seiner Entstehung 1903 die Tradition des schonungslosen Kampfes gegen den kleinbürgerlichen, halbanarchistischen (oder zum Liebäugeln mit dem Anarchismus neigenden) Revolutionarismus übernommen. Diese Tradition ist stets in der revolutionären Sozialdemokratie lebendig gewesen und hat sich bei uns in den Jahren 1900 bis 1903, als das Fundament der Massenpartei des revolutionären Proletariats in Rußland gelegt wurde, besonders gefestigt. In drei Hauptpunkten nahm der Bolschewismus den Kampf auf gegen die Partei, die am meisten die Tendenzen des kleinbürgerlichen Revolutionarismus verkörperte, nämlich gegen die Partei der "Sozialrevolutionäre", und setzte diesen Kampf fort. Erstens wollte (oder richtiger wohl: konnte) diese Partei, die den Marxismus ablehnte, durchaus nicht begreifen, daß es notwendig ist, vor jeder politischen Aktion die Klassenkräfte und ihre Wechselbeziehungen streng objektiv abzuwägen. Zweitens hielt sich diese Partei für besonders "revolutionär" oder "linksradikal", weil sie für den individuellen Terror, für Attentate war, was wir Marxisten entschieden ablehnten. Selbstverständlich lehnten wir den individuellen Terror nur aus Gründen der Zweckmäßigkeit ab; Leute aber, die es fertigbrächten, den Terror der Großen Französischen Revolution oder überhaupt den Terror einer siegreichen und von der Bourgeoisie der ganzen Welt bedrängten revolutionären Partei "prinzipiell" zu verurteilen, solche Leute hat bereits Plechanow in den Jahren 1900-1903, als er Marxist und Revolutionär war, dem Spott und der Verachtung preisgegeben. Drittens glaubten die "Sozialrevolutionäre", "linksradikal" zu sein, weil sie über verhältnismäßig geringfügige opportunistische Sünden der deutschen Sozialdemokratie kicherten, während sie gleichzeitig die extremen Opportunisten dieser selben Partei, z.B. in der Agrarfrage oder in der Frage der Diktatur des Proletariats, nachahmten."

Lenin lehnt also nicht den bewaffneten Kampf ab.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
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Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Lenin und der individuelle Terror
BeitragVerfasst: Do 15. Nov 2007, 22:40 
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Beiträge: 4023
gewe hat geschrieben:
Selbstverständlich lehnten wir den individuellen Terror nur aus Gründen der Zweckmäßigkeit ab


Welche Gründe der Zweckmäßigkeit könnte er gemeint haben?

Zitat:
Lenin lehnt also nicht den bewaffneten Kampf ab.


Na selbstverständlich nicht. Sonst hätte er ja die Oktoberrevolution ablehnen müssen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lenin und der individuelle Terror
BeitragVerfasst: Fr 16. Nov 2007, 08:39 

Beiträge: 105
Die Zweckmäßigkeit ergibt sich aus der Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte. Die marxistische Betrachtung geht doch dahin, daß eine Person dem Lauf der Geschichte nur eine individuelle Prägung geben kann, den allgemeinen Lauf der Dinge aber nicht wesentlich beeinflussen kann.
Deswegen nutzt es nichts, diese oder jene Person zu ermorden, denn an ihre Stelle treten andere, die dieselbe Funktion wahrnehmen und erfüllen wie der Ermordete. Daraus folgt, daß man sich die Energie sparen kann, die man für die Vorbereitung und Durchführung eines Attentats aufwenden muß und kann diese Energie dem revolutionären Massenkampf zuwenden.

Zitat:
Die „Ökonomisten“ und die heutigen Terroristen haben eine gemeinsame Wurzel: das ist eben jene Anbetung der Spontaneität, von der wir im vorigen Kapitel als von einer allgemeinen Erscheinung gesprochen haben und die wir jetzt hinsichtlich ihres Einflusses auf die politische Tätigkeit und den politischen Kampf betrachten. Auf den ersten Blick mag unsere Behauptung paradox erscheinen: so groß ist scheinbar der Unterschied zwischen Leuten, die den „unscheinbaren Tageskampf“ hervorheben, und Leuten, die zum selbstlosesten Kampf einzelner Personen aufrufen. Aber das ist nicht paradox. Die „Ökonomisten“ und die Terroristen sind Anbeter verschiedener Pole der spontanen Richtung: die „Ökonomisten“ – der Spontaneität der „reinen Arbeiterbewegung“, die Terroristen – der Spontaneität der leidenschaftlichsten Empörung der Intellektuellen, die es nicht verstehen oder nicht die Möglichkeit haben, die revolutionäre Arbeit mit der Arbeiterbewegung zu einem Ganzen zu verbinden. Wer den Glauben an diese Möglichkeit verloren oder nie besessen hat, dem fällt es tatsächlich schwer, für seine Empörung und seine revolutionäre Energie einen anderen Ausweg zu finden als den Terror. So ist die Anbetung der Spontaneität bei beiden von uns genannten Richtungen nichts anderes als der Anfang zur Verwirklichung des berühmten Programms des Credo: Die Arbeiter führen ihren „ökonomischen Kampf gegen die Unternehmer und gegen die Regierung“ (der Verfasser des Credo mag uns verzeihen, daß wir seine Gedanken mit den Worten Martynows ausdrücken! Wir glauben dazu berechtigt zu sein, denn auch im Credo ist davon die Rede, daß die Arbeiter in ihrem ökonomischen Kampf „mit dem politischen Regime zusammenstoßen“) – die Intellektuellen aber führen den politischen Kampf aus eigenen Kräften, natürlich mit Hilfe des Terrors!
Quelle: Was tun?


Zitat:
derstand, auch der Spontaneität des Terrorismus nicht widerstehen konnte. Es ist sehr interessant, hier auf die besondere Argumentation zur Verteidigung des Terrors hinzuweisen, die die Swoboda vorgebracht hat. Die einschüchternde Rolle des Terrors wird von ihr „völlig verneint“ (Die Wiedergeburt des Revolutionismus, S.64), dafür aber schiebt sie die „exzitierende (aufrüttelnde) Bedeutung“ des Terrors in den Vordergrund. Das ist charakteristisch, erstens als eines der Zersetzungs- und Zerfallsstadien jenes traditionellen (vorsozialdemokratischen) Ideenkreises, der zwangsläufig die Beibehaltung des Terrors forderte. Anerkennen, daß man jetzt die Regierung durch den Terror nicht „einschüchtern“ – und folglich nicht desorganisieren – kann, heißt im Grunde genommen, den Terror als Kampfsystem, als ein durch das Programm sanktioniertes Tätigkeitsgebiet völlig verurteilen. Zweitens ist das noch charakteristischer als Musterbeispiel des mangelnden Verständnisses für unsere dringenden Aufgaben bei „der Erziehung der Massen zur revolutionären Aktivität“. Die Swoboda propagiert den Terror als Mittel, die Arbeiterbewegung „aufzurütteln“, ihr einen „starken Anstoß“ zu geben. Man kann sich schwerlich eine Argumentation vorstellen, die sich selbst anschaulicher widerlegte! Gibt es denn, fragt man sich, im russischen Leben noch zu wenig Schändlichkeiten, daß man besondere „aufrüttelnde“ Mittel erfinden muß? Und anderseits, wer selbst durch die in Rußland herrschende Willkür nicht auf gerüttelt wird und nicht aufzurütteln ist, der wird offenbar auch dem Zweikampf zwischen der Regierung und einem Häuflein von Terroristen ruhig zusehen und „die Daumen drehen“. Das ist es ja gerade, daß die Arbeitermassen durch die Niederträchtigkeiten des russischen Lebens sehr stark auf gerüttelt werden, wir verstehen es nur nicht, alle jene Tropfen und Rinnsale der Volkserregung zu sammeln und – wenn man so sagen darf – zu konzentrieren, die aus dem russischen Leben in unermeßlich größerer Menge hervorquellen, als wir alle es uns vorstellen und glauben, die aber zu einem gewaltigen Strom vereinigt werden müssen. Daß das eine realisierbare Aufgabe ist, wird unwiderleglich durch das mächtige Anwachsen der Arbeiterbewegung und den oben bereits festgestellten Heißhunger der Arbeiter nach politischer Literatur bewiesen. Die Aufforderungen zum Terror jedoch, ebenso wie die Aufforderungen, dem eigentlichen ökonomischen Kampf politischen Charakter zu verleihen, stellen verschiedene Formen des Sichdrückens vor der dringendsten Pflicht der russischen Revolutionäre dar: die allseitige politische Agitation zu organisieren. Die Swoboda will die Agitation durch den Terror ersetzen, sie erklärt offen, daß, „wenn eine verstärkte, energische Agitation in den Massen einsetzt, seine exzitierende (aufrüttelnde) Rolle ausgespielt ist“ (Die Wiedergeburt des Revolutionismus, S.68). Das zeigt eben, daß sowohl die Terroristen als auch die „Ökonomisten“ die revolutionäre Aktivität der Massen unterschätzen, und dies ungeachtet der klaren Beweise, die die Frühjahrsereignisse [L] geliefert haben, wobei die einen nach künstlichen „aufrüttelnden Mitteln“ suchen, die anderen von „konkreten Forderungen“ sprechen. Sowohl die einen wie die anderen schenken der Entfaltung ihrer eigenen Aktivität auf dem Gebiet der politischen Agitation und der Organisation der politischen Enthüllungen nicht genügend Aufmerksamkeit. Es ist aber weder jetzt noch zu irgendeiner anderen Zeit möglich, diese Aktivität durch irgend etwas anderes zu ersetzen.
Quelle: ebenda


zum bewaffneten Kampf allgemein: Der Partisanenkrieg

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Lesen, lesen und nochmal lesen!
Es gibt noch einen kommunistischen Verlag und Versand, den zu besuchen sich lohnt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lenin und der individuelle Terror
BeitragVerfasst: Fr 16. Nov 2007, 13:39 
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Beiträge: 4023
Danke, dass sind sehr gute Zitate.

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