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 Betreff des Beitrags: Tito
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 17:20 
Moderator

Beiträge: 876
Mal unabhängig von seinem Geburts- oder Todestag, was für Meinungen gibt es zu Tito?

Ich kenne mich mit ihm bisher nur wenig aus, aber mal abgesehen von seiner Haltung zur Sowjetunion, hat er immerhin als einziger Revolutionär in Europa die Faschisten ohne fremde Hilfe von der Macht vertrieben und einen sozialistischen Staat errichtet. In der Blockfreien-Bewegung war er eine der führenden Persönlichkeiten - neben Fidel Castro. Seine Nationalitätenpolitik hat, von einigen Ausnahmen abgesehen, ethnische Konflikte lange verhindert und seine Wirtschaftspolitik war zumindest am Lebensstandard der Bevölkerung gemessen, wohl auch nicht ganz erfolglos. (War das eigentlich so eine Art NÖP?)

Falls ich mit dieser Einschätzung ganz falsch liege, bin ich für Aufklärung dankbar.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tito
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 17:21 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
Zitat:
hat er immerhin als einziger Revolutionär in Europa die Faschisten ohne fremde Hilfe von der Macht vertrieben und einen sozialistischen Staat errichtet



hm war es bei Albanien nicht auch so?


Zitat:
War das eigentlich so eine Art NÖP?


kurz gesagt: nein ... dazu aber mehr später

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: Tito
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 17:21 

Beiträge: 21
Tito war ein Revisionist und hat deutlich mit der Sowjetunion gebrochen und Bolschewisten verhaftet.
Trotzdem...es ist besser,in einem Staat unter einer etwas schlechteren sozialistischen Führung zu leben,als in einem kapitalistischen Staat.
Man muss auch sagen,dass der jugoslawische Staatenbund schon immer ein besonderes Problem dargestellt hat,aufgrund der Autonomieforderungen gewisser Teilrepubliken und den sich ständig einmischenden westlichen Reaktionären.
Ich glaube,Tito war eine zu schwache Persönlichkeit und einfach überfordert.
Ein Problem ist auch, dass sich Serbien insgeheim immer als Zentrum aller Südslawen verstanden hat und die Kroaten hatten damit Probleme bzw. die Angst als Anhängsel "Großserbiens" zu enden.. Diese Konflikte wurden vom Westen geschürt und somit entstanden starke nationale Bestrebungen in den einzelnen Teilrepubliken. Tito hatte es nicht leicht...ich halte von ihm nicht viel,aber man muss relativieren...

...aber seine Partisanen waren schon toll...

Trotzdem halte ich eine Wiedervereinigung für die beste Lösung,denn man sieht ja wie die UNO im Kosovo vorankommt...


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 Betreff des Beitrags: Re: Tito
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 17:22 

Beiträge: 176
Zitat:
Ich kenne mich mit ihm bisher nur wenig aus, aber mal abgesehen von seiner Haltung zur Sowjetunion, hat er immerhin als einziger Revolutionär in Europa die Faschisten ohne fremde Hilfe von der Macht vertrieben und einen sozialistischen Staat errichtet.



Das stimmt mit Sicherheit nicht. Kurt Gossweiler schreibt folgendes:


Zitat:
Aber im Frühjahr 1948 hatte die jugoslawische Führung damit begonnen, der Sowjetunion gegenüber eine immer feindseligere Haltung zum Ausdruck zu bringen, was schließlich dazu führte, dass die Sowjetführung, nachdem ihre Briefe und Proteste wirkungslos geblieben waren, im April 1948 ihre Berater und Militärspezialisten aus Jugoslawien abzog. Genau das hatte aber die jugoslawische Führung beabsichtigt. Sie begann damit das zu realisieren, was als Absicht der Tito-Führung schon im November 1944 der engste Tito-Mitarbeiter Kardelj bei seinem Aufenthalt in Sofia Traitscho Kostoff gegenüber eröffnet hatte: "Die Amerikaner und Engländer seien, so sagte Kardelj, fest entschlossen, auf keinen Fall zuzulassen, dass sich Länder, die von der Sowjetarmee befreit werden mochten, vom Block der westlichen Kräfte losrissen. Auf dieser Grundlage sei zwischen Tito einerseits und den Amerikanern und Engländern andererseits schon während des Krieges eine bestimmte Vereinbarung erzielt worden. ... Kardelj erklärte, die jugoslawische Regierung beabsichtige, die UdSSR zu bitten, dass die
Sowjettruppen Jugoslawien verlassen sollten, sobald die Kampfhandlungen auf seinem Gebiet abgeschlossen sein würden. ´Dies aber ist nicht ausreichend´, so sagte mir Kardelj, ´die Sowjettruppen müssen auch Bulgarien verlassen, denn die Amerikaner und die Engländer sind außerordentlich daran interessiert, dass sich der sowjetische Einfluss südlich der Donau nicht durchsetzt.´...


http://kurt-gossweiler.de/artikel/browder.htm

Und weiter:

Zitat:
"Kardelj teilte mir vertraulich mit, die Engländer und Amerikaner hätten den jugoslawischen Partisanen während des Krieges unter der Bedingung Waffen und Munition geliefert, daß Tito nach Kriegsende Jugoslawien von der UdSSR fernhalten und nicht zulassen werde, daß die Sowjetunion ihrem Einfluß in Jugoslawien, ja auf dem Balkan überhaupt, Geltung verschaffe."

Über ein Gespräch mit dem britischen Geheimdienstoberst Bailey auf einem Empfang am Neujahrstag 1945 berichtete Kostoff: "Im Zusammenhang damit sagte mir Bailey, daß schon während des Krieges eine Vereinbarung über die Nachkriegspolitik Jugoslawiens zwischen Tito und den Engländern mit Zustimmung der Amerikaner getroffen worden sei. Tito habe die Verpflichtung übernommen, Jugoslawien von der UdSSR und deren Freunden in Ost- und Südosteuropa fernzuhalten und eine Politik durchzuführen, die den besonderen politischen und strategischen Interessen des englisch-amerikanischen Blocks auf dem Balkan entspreche. 'Als Gegendienst', so erklärte Bailey, 'hat Tito während des Krieges großzügige Unterstützung von den Engländern und den Amerikanern erhalten und wird ebensolche Unterstützung auch in Zukunft bekommen.'"



http://www.offen-siv.com/auferst.htm

Die Zitate hat Gossweiler entnommen: Traitscho Kostoff und seine Gruppe, Berlin 1951


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 Betreff des Beitrags: Re: Tito
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 17:22 
Moderator

Beiträge: 876
Danke Nina, danke Sergej, für die Antworten. Meine Zusammenfassung war sicher etwas zu oberflächlich. Aber das war eben das, was mir spontan zu Tito eingefallen ist.

Der Hinweis auf Hoxha ist sicher berechtigt, wobei sich die Frage stellt, ob er auch westliche Hilfe erhielt, denn war er nicht ursprünglich ein Waffenbruder von Tito?

Auf die Ausführungen zur albanischen Wirtschaftspolitik im Vergleich zur NÖP bin ich gespannt, denn über beides weiß ich sehr wenig.

Der Hinweis auf westliche Unterstützung für Tito während des Befreiungskampfs ist ebenfalls interessant. Trotzdem, war es nicht damals üblich, daß die westlichen Allierten auch sozialistische Armeen im Kampf gegen die Faschisten unterstützt haben? Daß sie sich davon späteren Einfluss versprachen, ist naheliegend, aber die jugoslawische Führung hatte doch wahrscheinlich einen gewissen Spielraum, inwieweit sie solche Einflussnahme später zuließ? Daß die Rote Armee in Jugoslawien kämpfte. wusste ich tatsächlich nicht. Ist bekannt, wo und in welchem Umfang sie das tat? Gab es eine Zusammenarbeit mit den Partisanen und wie eng war sie?


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