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 Betreff des Beitrags: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:47 

Beiträge: 71
allo Leute!

ich hab mir einige Texte von Georgi Dimitroff durchgelesen und da sind mir einige Fragen aufgefallen.

Es geht besonders um das Werk "Der Faschismus und die Arbeiterklasse" (http://marxistische-bibliothek.de/georgidimitroff.html)

Der zweite Abschnitt "DER KLASSENCHARAKTER DES FASCHISMUS" :

1.) Im vierten Absatz steht "....Nein, der Faschismus ist keine über den Klassen stehende Macht und keine Macht des Kleinbürgertums oder des Lumpenproletariats über das Finanzkapital. Der Faschismus ist die Macht des Finanzkapitals selbst...."

- Was ist das Finanzkapital?
- Was soll man sich darunter vorstellen, wenn er scheibt, daß der Faschismus das Finanzkapital selbst ist?


2.) Am Ende des sechsten Absatzes steht "Das schließt nicht aus, daß der Faschismus im Augenblick einer besonderen Verschärfung seiner Lage Versuche macht, seine Basis zu erweitern und, ohne sein Klassenwesen zu ändern, die offene terroristische Diktatur mit einer groben Fälschung des Parlamentarismus zu vereinen."

- Was ist mit "seine Basis erweitern" gemeint?

Das war's bis jetzt. Vielen Dank schonmal.


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 Betreff des Beitrags: Re: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:47 
Literat

Beiträge: 2947
Man unterscheidet das Finanzkapital vom Kapital schlechthin. Das Finanzkapital ist die spezifische Form des Kapitals für die Epoche des Imperialismus (beginnt um die Jahrhunderwende des 20. Jh.). Damit hängt zusammen die Herausbildung von Monopolen, was zum Ende des klassischen Kapitalismus führt. Eine der Folgen ist die Verschmelzung von Bank- und Industriekapital, wobei eine sogenannte Finanzoligarchie entsteht. Diese ist gemeint, wenn Dimitroff von "Finanzkapital" redet.
Der Begriff stammt übrigens von Rudolf Hilferding. Lenin, der sich weitgehend auf Hilferding stützt, hat ihn nicht regelrecht übernommen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:48 

Beiträge: 71
Danke für die Antwort!
Kannst du noch auf die anderen Fragen eingehen, besonders auf "Was soll man sich darunter vorstellen, wenn er scheibt, daß der Faschismus das Finanzkapital selbst ist?" ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:48 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
Danke für die Antwort!
Kannst du noch auf die anderen Fragen eingehen, besonders auf "Was soll man sich darunter vorstellen, wenn er scheibt, daß der Faschismus das Finanzkapital selbst ist?" ?



Dimitroff schreibt da nicht, das Faschismus=Finanzkapital.

Das Finanzkapital ist die (monopolartige) Verschmelung von Kapitalistischen Betrieben und den Finaninstitutionen, also Banken. Das äußert sich z.B. darin, das Banken große Aktienpakete oder sogar Mehrheiten von Firmen besitzen. Das ist heute bereits so verflochten, das da wohl nur noch wenbige wirklich durchsehen.

Der Faschismus, insbesondere der, den wir in Deutschland bereits hatten, wurde massiv vom Finanzkapital unterstützt. Dies war ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Niemand streitet wohl heute mehr ab, das Hitler durch die Kapitalisten gestützt wurde und die Kapitalisten dank des Faschismus auf billige Zwangsarbeiter zurückgreifen konnten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:49 
Literat

Beiträge: 2947
Zwangsarbeiter oder die "Adolf-Hitler-Spende" sind schöne Beispiele. Fakt ist, daß Hitler eine Fraktion des Kapitals in seinem Rücken hatte, die ihn und seine Partei vor 33 ordentlich finanzierte. Dafür finanzierte er sie nach 33. Auf Kosten der Bevölkerung wurden gigantische Rüstungsprogramme veranstaltet. Die "Arisierung" jüdischen Eigentums ist nichst als die faschistische Form der für den Imperialismus typischen Konzentration des Kapitals. Daß all das schließlich in einer großen Pleite geendet ist, beweist nichts als daß auch der Faschismus die allgemeine Krise des Imperialismus nicht lösen konnte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:49 

Beiträge: 45
Ich habe heute in einen Antiquariat, ein Buch erworben über den Reichstagsbrandprozeß
Von G. Dimitroff. Herausgegeben von Verlag Neuer Weg 1946. Darin sind Dokumente, Briefe und Aufzeichnungen enthalten von Dimitroff selbst. Da steht unter der Überschrift
„Erklärung An die Polizeiliche Untersuchungbehörde“
Am 9 März 1933 wurden Dimitroff und zwei andere Bulgaren in Berlin verhaftet. Torgler, der Vorsitzende der Kommunistischen Reichstagsfraktion, hatte sich am Tage nach dem Reichstagsbrand ohne Einverständnis des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands „zum Zwecke der Rehabilitierung“ selbst bei der Polizei gestellt und war dort verhaftet worden. Der formale Vorfand für die Verhaftung Dimitroffs war eine Denuzation des nationalsozialistischen Kellners Hellmer, der erklärte, dass er angeblich Dimitroff mit van der Lubbe gesehen habe. Vom 9 bis 28 März wurde die Untersuchung von einem Kommisar des Berliner Polizeipräsidiums geführt. Dimitroff befand sich damals im Gefängnis des Polizeipräsidiums. Während der polizeilichen Verhöre weigerte sich Dimitroff, die Untersuchungsprotokolle zu unterschreiben, wobei er erklärte daß er gegen die Beschuldigung einer Gemeinschaft mit van der Lubbe protestiere, daß er nicht das geringste Vertrauen zur deutschen Polizei und zur Polizei überhaupt habe, und daß er ,alles, was er zu sagen für notwendig finde, in einer ihm selbst aufgesetzten Erklärung niederlegen werde. Diese Erklärung wurde am 20 März 1933 geschrieben und der Polizeibehörde übergeben..

In diesen Buch wird auch erwähnt, dass Dimitroff schikaniert und gefesselt wurde. So leiteten die faschistischen Kerkermeister einen großen Teil der Korrespondenz nicht weiter, gaben für Besuche des Verteidigers und andere Personen keine Genehmigung, händigten die Lebensmittel nicht aus, die Dimitroffs Mutter schickte , unde entzogen dem Verhafteten sogar die Brille. Das ganze Geld wurde Dimitroff abgenommen, so das er keine Zeitungen abonnieren und sich lebensmittel beschaffen konnte. Vom 4 April an war Dimitroff ununterbrochen, bei Tag und Nacht gefesselt und zwar die ersten drei Wochen auch an den Beinen und außerdem noch mit einer kurzen Kette an die Wand angeschlossen. Er mußte
Die ganze Vorbereitungsarbeit zum Prozeß unter großen Schmerzen mit gefesselten Händen
erledigen, ebenso seine Korrespondenz und Auszüge, die er sich aus Büchern machte. Die faschistischen Behörden , die den unteren Gefängnisbeamten offenbar nicht trauten, ließen
regelmäßig nachprüfen ob die fesseln auch zugeschraubt waren. Die Fesselung , wie überhaupt die meisten Maßnahmen, standen im Widerspruch zu den geltenden Bestimmungen über die Behandlung von Untersuchungsgefangenen.
Aber nichts konnte den Kampfgeist Dimitroffs brechen. Unter Ausnutzung der in Deutschland geltenden Bestimmungen über die Behandlung der Untersuchungsgefangenen führte Dimitroff den Kampf gegen das Gefängnisregime und wandte sich mit Protesten an den Untersuchungsrichter und später an den Gerichtsvorsitzenden.
Hier nun Zwei Briefe von G. Dimitroff, den er an den Untersuchungsrichter Vogt schrieb.
Es zeigt einige Seiten seines Kampfes.

An den Untersuchungsrichter! 26 April 1933

Sehr geehrter Herr Reichsgerichtrat

Gestatten Sie mir bitte, daran zu erinnern , daß ich immer noch Bescheid erwarte über:
1. eine Besprechung mit meinen Rechtsanwalt;
2. die Überweisung der von meinem beschlagnahmten Gelde freigegebenen 5 Mark an die Kasse des Untersuchungsgefängnisses;
3. den nicht abgesandten Brief an Fräulein K;
4. das deutsche Lehrbuch.
Ferner habe ich bereits festgestellt, daß ich die an mich gerichtete Korrespondenz oft
mit großer Verspätung bekomme. Gestern z. B. habe ich wieder einen Brief vom 19 April,
also am 6. tage, erhalten.
Ich verstehe wohl, daß für die Kontrolle eine gewisse Frist notwendig ist, aber eine fast
Einwöchige Verspätung ist doch mit diesem Grunde nicht zu erklären und noch weniger zu
rechtfertigen.
Ich bitte um ihre Anordnung, meine Korrespondenz nach Möglichkeit regelmäßig
befördern zu wollen.
Endlich erinnere ich Sie daran, daß meine Hände immer noch Tag und Nacht gefesselt sind
Gefesselt muß ich lesen und schreiben, sitzen und schlafen. Genügt es Ihnen nicht, daß
Ich schon fast einen Monat diese moralische und physische Qual ertrage? Ist es nicht an
Der zeit, diese barbarische Maßnahme auf zuheben?*

Hochachtungsvoll


G. Dimitroff

*Verlag Neuer Weg ( Reichstagsbrandprozess, Seite 13)

4 Mai 1933

An den Untersuchungsrichter!


Sehr geehrter Herr Reichsgerichtsrat!

Für ihre Mitteilung, daß Sie die Freigabe des bei mir beschlagnahmten Geldes ablehnen, ist natürlich nicht zu danken. Und doch haben Sie mich damit von einer Illusion befreit. Ich hatte einen Augenblick angenommen, daß ich wenigstens in dieser Beziehung als politischer Mann , der wegen der Reichstagsbrandstiftung unschuldig sitzt und nur wegen der erfüllung seiner kommunistischen Pflicht leidet, nicht schlechter als Räuber und Mörder behandelt werden würde und auf einige Mark von meinem Gelde für Zeitungen und Porto und ein deutsches Lehrbuch rechnen könnte. Jetzt sehe ich, daß das eine Illusion war. Ich darf keinen Betrag von meinem Geld zurückbekommen. Ich darf keinen Besuch haben und dabei muß ich bei Tag und Nacht gefesselt sein. Soweit mir bekannt ist, sind sogar die angeklagten Märder nicht in einer solchen Lage. Und das habe ich ihnen zu verdanken! Ja so ist es recht und konsequent. Ic bin in den Händen des Klassenfeindes, der auch die Justiz als Waffe für die Ausrottung des Kommunismus, d. h. praktisch für die Vernichtung seiner überzeugten, konsequenten und unbeugsamen Träger auszunutzen bestrebt ist.*

Hochachtungsvoll

G. Dimitroff
* Verlag neuer Weg ( Reichstagsbrandprozess, Seite !4)


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 Betreff des Beitrags: Re: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:50 
Moderator

Beiträge: 876
Eine interessante Publikation zu Dimitroff ist auch:

Diskurs – Streitschriften
zu Geschichte und Politik des Sozialismus
Heft 8
Ernstgert Kalbe. Streit um Georgi Dimitroff.
GNN Schkeuditz 2001,
ISBN 3-89819-078-1, Preis: 3,00 Euro, 48 S.

Wenn in Google "Streit um Dimitroff - Zwischen Antifaschismus und Stalinismus" eingegeben wird, werden wesentliche Teile dieser Publikation im Cache der Seite http://www.pds-sachsen.de/ag/MF/b1037.htm angezeigt.


Der Autor hat bereits 1963 ein Buch über Dimitroff veröffentlicht:

Freiheit für Dimitroff Der internationale Kampf gegen die provokatorische Reichstagsbrandstiftung und den Leipziger Prozeß
Rütten & Loening Berlin


Eine ausserordentlich Interessante Quelle zu Dimitroff sind seine Tagebücher. Die Lektüre der Tagebücher ist etwas mühsam, u.a. weil die Originale in einer Mischung aus Bulgarisch, Russisch und Deutsch geschrieben waren, was die deutsche Ausgabe genau dokumentiert.
In der deutschen Ausgabe fehlen leider die Jahre von 1944 bis zu seinem Tod in 1949. Dieser Teil der Tagebücher ist bisher wohl nur in Bulgarien erschienen.

Georgi Dimitroff: Tagebücher 1933-1943
Band 1: Tagebücher. Band 2: Kommentare und Materialien
Aufbau Verlag, Berlin 2000
ISBN 3351025106,
Gebunden, 1485 Seiten


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 Betreff des Beitrags: Re: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:50 
Troll

Beiträge: 145
Hilferdings Aussagen sowie die Dimitroffs, dürfen nicht gar so wörtlich genommen werden.
Nur mal als Beispiel: IG-Farben und Krupp waren wesentliche Stützen des Faschismus. Beide Konzerne waren m.W. nicht mit dem Bankkapital verschmolzen.
Vor mechanizistischen Vorstellungen sei daher gewarnt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Georgi Dimitroff - einige Fragen zu seinen Texten...
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:51 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
Nur mal als Beispiel: IG-Farben und Krupp waren wesentliche Stützen des Faschismus. Beide Konzerne waren m.W. nicht mit dem Bankkapital verschmolzen.



Es geht beim Finanzkapital IMO nicht grundsätzlich darum, das beide verschmolzen sind sondern das die Banken als nichtproduktive Gesellschaften und z.B. die IG Farben als produktiver Konzern die selben Interessen verfolgen.



Zitat:
mechanizistischen



Peter, was bittesehr ist das?

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