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 Betreff des Beitrags: Dimitroff - ein Werkzeug des Imperialismus (?)
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:43 
Möchtegernputschist
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Bill Bland


GEORGI DIMITROFF:

WERKZEUG DES IMPERIALISMUS


Inhalt:

1. Zeit für eine neue revisionistische Politik, 1933-34
2. Der Reichstagsbrand, Februar 1933
3. Die Hinwendung zum 'friedlichen parlamentarischen Weg'
3.1. Lenins Prinzip
3.2. Der 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale, Juli/August 1935
3.3. Die Dezentralisierung der Kommunistischen Internationale, September 1935
3.4. Die These vom 'Übergangsstaat', September 1936
3.5. Die Bildung des 'Triumvirats' der Kommunistischen Internationale, Juni 1941
3.6. Die Auflösung der Kommunistischen Internationale, Juni 1943
4. Das Auftreten des offenen Revisionismus
4.1. Die Thesen Earl Browders, 1944-45
4.2. Die Thesen Harry Pollits, 1945
4.3. Die Thesen Georgi Dimitroffs, 1946
4.4. Das Projekt der Balkanföderation, 1947-48
4.5. Der 'Britische Weg zum Sozialismus', 1951
4.6. Die Thesen Nikita Chruschtschows, 1946
SCHLUSSFOLGERUNG
Biografische Anmerkungen
Bibliografie

1. Zeit für eine neue revisionistische Politik, 1933-34


Nach dem erfolgreichen Naziputsch im Januar 1933 standen die imperialistischen Mächte Westeuropas vor der Notwendigkeit, ihre Politik in gewissem Umfang der neuen Situation anzupassen.
Ihr Hauptinteresse bestand jetzt darin, die deutschen Imperialisten in Taten dazu zu ermuntern, in Richtung Osten - in Richtung Sowjetunion - zu expandieren und schließlich einen Krieg gegen diesen Staat vom Zaun zu brechen und gleichzeitig diesen Expansionsdrang in Worten zurückzuweisen. Dies war das eigentliche Ziel der sogenannten 'Appeasement-Politik' (Beschwichtigungspolitik - Übers.), die von den westeuropäischen Imperialisten, aber besonders von den britischen und französischen Imperialisten, verfolgt wurde.
Die Revisionisten in der Führung der Kommunistischen Internationale standen vor der Notwendigkeit, die Kominternpolitik zu ändern, um dem Imperialismus dienlich zu sein, standen vor der Notwendigkeit, ihre pseudolinke Orientierung aus den Jahren 1930-34 aufzugeben und den Weg zu ebnen für eine rechtsopportunistische Abweichung von einer richtigen marxistisch-leninistischen Einheitsfronttaktik, um der Beschwichtigungspolitik objektiv zuzuarbeiten.

Ein solcher radikaler Politikwandel konnte ganz offensichtlich leichter durch einen neuen Vorsitzenden erfolgen, den man nicht mit der vorherigen pseudolinken Abweichung in Verbindung bringen konnte und der von daher in der Lage war, diese zu kritisieren und sich deutlich von ihr zu distanzieren.
Diese neue Führungspersönlichkeit war der bulgarische Kommunist Georgi Dimitroff.

2. Der Reichstagsbrand, Februar 1933

Am 27. Februar 1933 - nur wenige Tage vor den Reichstagswahlen - beschädigte ein Feuer schwer das Gebäude des deutschen Parlaments, den Reichstag in Berlin:
"Rauch und Flammen waren in den Fenstern des Reichstags, im Herzen von Berlin...gegen etwa 21.15 Uhr zu sehen. Die Feuerwehr war um 21.25 Uhr zur Stelle. Der Hauptinnenraum war bereits in der Gewalt der lodernden Flammen. ...Der geistesgestörte Holländer Marinus van der Lubbe wurde in den brennenden Trümmern von der Polizei entdeckt und verhaftet."
(John Gunther, 'Europa von innen', London 1936, S. 58, 59).

"Das Gebäude des Reichstags wurde an 20 Stellen in Brand gesetzt."
('Keesings Archiv für Zeitgeschichte', Band 1, S. 690).

Adolf Hitler, Hermann Göring und Joseph Goebbels erschienen sofort am Tatort und führten das Feuer auf eine 'Brandstiftung durch Kommunisten' zurück:
"Reichskanzler Hitler, Dr. Paul Joseph Goebbels, Minister ohne Geschäftsbereich, sowie Hermann Göring, Innenminister und Reichstagspräsident, erschienen sofort am Tatort und machten die Kommunisten für die Greueltat verantwortlich."
('New York Times', 17. September 1933, S. 3)

Umgehend

"...ergingen Verfügungen zur Verhaftung sämtlicher kommunistischer Mitglieder des Reichtstags. Die gesamte sozialistische Presse wurde in ganz Preußen sofort verboten."
('New York Times', aaO.)

Am Tag nach dem Brand, dem 28. Februar 1933, schlachtete Hitler das Ereignis in der Weise aus, dass er den alternden Reichspräsidenten von Hindenburg dazu bewegte,
"...eine Verordnung zum 'Schutz von Volk und Staat' zu unterzeichnen, wodurch die sieben Abschnitte der Weimarer Verfassung, in denen Individualrechte und persönliche Freiheiten garantiert wurden, vorläufig außer Kraft gesetzt wurden."
(William L. Shirer, 'Aufstieg und Fall des Dritten Reiches', London 1971, S. 243).

Dazu Douglas Reed, Korrespondent der 'Times':
"Als Deutschland morgens erwachte, war die Unverletztlichkeit der Wohnung bereits aufgehoben. Jeder einzelne konnte von irgendwelchen Leuten ergriffen werden, ohne dass noch der Schutz der Polizei in Anspruch genommen werden konnte; jeder konnte auf unbegrenzte Zeit inhaftiert werden, ohne dass eine Klage eingereicht werden musste; jedermans Eigentum konnte beschlagnahmt werden, seine mündlichen und schriftlichen Mitteilungen konnten abgehört und mitgelesen werden und seine Zeitungen waren nicht mehr
in der Lage, frei ihre Meinung auszudrücken."
(Douglas Reed, 'Der Reichstagsbrand', London 1934, S. 2O)

...und am Tag der Reichstagswahlen, am 5. März
"...waren praktisch alle führenden Persönlichkeiten der Kommunistischen Partei, einschließlich Ernst Thälmanns*, dem Vorsitzenden, in Haft, d.h. entweder im Gefängnis oder im Konzentrationslager."
('New York Times', aaO.)

Dem faschistischen 'Preußischen Pressedienst' vom 28. Februar 1933 zufolge
"...fand man bei van der Lubbe einen niederländischen Pass und ein Dokument, aus dem hervorging, dass...er Mitglied der Niederländischen Kommunistischen Partei war."
('Preußischer Pressedienst', 28. Februar 1933, in: Internationales Komitee für die Opfer des deutschen Faschismus, 'Braunbuch des Hitlerterrors und der Reichstagsbrand', London 1933, S. 66)

Dazu John Gunther:

"Die ersten Erklärungen, die von Görings Seite über den Niederländer abgegeben wurden, waren falsch. Es wurde behauptet, dass er eine Mitgliedskarte der Kommunistischen Partei, ... verschiedene Photos von sich und einen Pass mit sich führte. Wie zuvorkommend! Ja, er hatte den Pass bei sich, aber nicht die anderen Dokumente, wie im anschließenden Prozess bewiesen wurde."
(John Gunther, aaO., S. 59)

Am 9. März 1933 wurden in Berlin drei im Exil lebende bulgarische Kommunisten im
Zusammenhang mit der Brandstiftung verhaftet:
-Georgi Dimitroff, der in Berlin als Leiter des Westeuropäischen Büros der Kommunistischen Internationale tätig war,
-Blagoj Popow, Student und Mitarbeiter der Komintern sowie
-Wasil Tanew, ein Schumacher und ebenfalls Mitarbeiter der Komintern.

Bei dem vierten Verhafteten handelte es sich um Ernst Torgler, den Vorsitzenden der kommunistischen Reichstagsfraktion.
Denis Pritt über van der Lubbe:
"Van der Lubbe ... schien sich in gesamten Verlauf des Prozesses in einem an Schwachsinn grenzenden Zustand von Teilnahmslosigkeit zu befinden."
(Denis N. Pritt, 'Autobiografie', Teil 1, 'Von rechts nach links', London 1965, S. 73)

Das Internationale Komitee für die Unterstützung von Opfern der Nazifaschisten, unter dem Vorsitz von Albert Einstein, rief eine internationale Juristenkommission ins Leben, um den Reichstagsbrand zu untersuchen. Sie traf sich in London unter der Leitung von Denis Pritt. Der Untersuchungsbericht, der noch vor Beginn des Reichstagsbrandprozesses veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, "dass van der Lubbe nicht Mitglied der Kommunistischen Partei war; dass es nicht die geringste Beziehung zwischen der Kommunistischen Partei und der Inbrandsetzung des Reichstags gab; dass die Angeklagten Torgler, Dimitroff, Popow und Tanew nicht nur als vollkommen unschuldig in Bezug auf das ihnen zur Last gelegte Verbrechen anzusehen sind, sondern dass sie auch weder direkt oder indirekt etwas mit der Brandstiftung in irgendeiner Weise zu tun gehabt haben."
('Keesings Archiv für Zeitgeschichte', Band 1, S. 956)

Die Kommission kam darüberhinaus zu der Schlussfolgerung, dass die wirklichen Brandstifter aller Wahrscheinlichkeit nach unter den Führern der Nazipartei zu suchen seien, die für das Verbot rivalisierender Parteien, insbesondere aber für das der Kommunistischen Partei, einen Vorwand suchten. Es heißt dort,
"dass die Untersuchung aller möglichen Zugänge und Ausgänge des Reichstagsgebäudes es als sehr wahrscheinlich erscheinen lässt, dass die Brandstifter von dem unterirdischen Gang, der vom Reichstagsgebäude hin zum Gebäude des Reichstagspräsidenten (also Görings - Verf.) führt, Gebrauch machten; dass der Vorfall zu der fraglichen Zeit für die Nazipartei von großem Vorteil war; dass aus diesen und anderen Gründen durchaus Anlass für die Vermutung besteht, dass der Reichstag von oder auf Betreiben von führenden Perönlichkeiten der Nazipartei in Brand gesteckt wurde."
('Keesings Archiv für Zeitgeschichte', aaO.)

Die Untersuchungsergebnisse der Kommission wurden voll und ganz 1946 beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess bestätigt. Hans Gisevius, Beamter im Preußischen Innenministerium zur damaligen Zeit, sagte dazu Folgendes aus:
"Hitler hatte auf allgemeine Art den Wunsch nach einer großangelegten Propagandakampagne geäußert. Goebbels übernahm es dann, die nötigen Vorschläge vorzubereiten und es war Goebbels gewesen, der als erster die Idee hatte, den Reichstag anzuzünden. Goebbels sprach das dann anschließend mit dem Führer der Berliner SA-Brigade Karl Ernst durch und machte detaillierte Vorschläge dazu, wie man verfahren sollte. Man einigte sich auf eine bestimmte Chemikalie. Nach dem Versprühen entzündet sie sich nach einer gewissen Zeit - nach einigen Minuten oder nach einigen Stunden. Um in den Reichstag zu gelangen, musste man durch den Korridor gehen, der vom Gebäude des Reichstagspräsidenten (Göring - Verf.) zum Reichstag selbst führt. Es wurden zehn zuverlässige SA-Leute bereitgestellt und Göring wurde dann über alle Einzelheiten des Plans informiert."
('Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof', Band 12, Nürnberg 1947, S. 252)

Schließlich sagte General Franz Halder, der zwischen 1939 und 1942 Hitlers Generalstabschef gewesen war, unter Eid Folgendes aus:
"Bei einem Essen aus Anlass des Geburtstages des Führers im Jahre 1942 brachten Leute, die sich in der Nähe des Führers aufhielten, das Gespräch auf das Reichstagsgebäude und seinen architektonischen Wert. Ich war Zeuge, als sich Göring mit den Worten einschaltete: 'Der einzige, der den Reichstag richtig kennt, bin ich, weil ich ihn angezündet habe!' Und als er dies sagte, schlug er sich auf die Schenkel."
('Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof', Band 9, Nürnberg 1947, S. 435)

Die Verhandlung gegen die fünf Angeklagten im Reichstagsbrandprozess wurde am 21. September in Leipzig eröffnet und, nach einigen Sitzungen in Berlin, endete sie dort am 23. Dezember 1933.
Im Laufe des Prozesses konnte unwiderlegbar bewiesen werden, dass Dimitroff am Tag des Brandes, den 27. Februar, und auch am folgenden Tag, den 28. d.M., nicht in Berlin gewesen war:
"Der Generalstaatsanwalt selbst ... musste eingestehen, dass Dimitroff am 27. und 28. in München gewesen war."
(Stella Blagoewa, 'Georgi Dimitroff. Ein biografischer Grundriss', Sofia 1961, S. 131)

Es stellte sich heraus, dass van der Lubbe ein Opfer gewesen war. Dazu John Gunther:
"Van der Lubbe, ein recht typisches Abfallprodukt der modernen Zivilisation, war nicht nur schwachsinnig; in ihm steckte ein tiefer Groll gegen die Gesellschaft und gegen Autoritäten, den er durch seine krankhafte Neugier zu verarbeiten suchte. Er war der typische Brandstifter. Als heimatloser Vagabund, der sich in den Elendsvierteln von Berlin herumtrieb, setzte er verschiedene Brände und in seiner krankhaften Art gab er noch damit an. Und das entging den Nazis nicht. So viel ist sicher."
(John Gunther, aaO., S. 64)

... und William L. Shirer:
"Van der Lubbe - dies scheint sicher zu sein - war ein Opfer der Nazis. Er wurde dazu ermuntert, den Reichstag in Brand zu setzen. Aber die Hauptarbeit hatten, natürlich ohne, dass er davon wissen konnte, die SA-Leute zu leisten. Im Verlauf des dann folgenden Prozesses in Leibzig wurde deutlich, dass der niederländische Schwachsinnige nicht die Mittel besaß, um ein so riesiges Gebäude so schnell in Brand zu setzen."
(William L. Shirer, aaO., S. 242)

Jedoch bestand van der Lubbe wiederholt und stolz darauf, dass er ganz allein für
die Brandstiftung verantwortlich war:
"Zweimal wurde er von Dr. Wilhelm Bünger, dem vorsitzenden Richter, gefragt: 'Hast du den Reichstag allein angezündet oder nicht?' Und zweimal antwortete van der Lubbe: 'Ja.'."
('New York Times', 11. Oktober 1933, S. 16)

Noch einmal John Gunther:

"Er war stolz auf sein Feuer; er wollte auf keinen Fall, dass irgendein anderer daran auch einen Anteil hatte. Mit unergründlicher Hartnäckigkeit bestand er darauf, dass er keine Helfer hatte, und dass er das Feuer alleine gelegt hatte - und er glaubte das wirklich."
(John Gunther, aaO., S. 64)

Von den fünf Angeklagten wurde nur van der Lubbe für schuldig befunden, zum Tode verurteilt und am 10. Januar 1934 geköpft.
Dagegen:
"Am 23. Dezember 1933 sprach das Leipziger Gericht die drei bulgarischen Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei."
(Anmerkung zu: Georgi Dimitroff, 'Ausgewählte Werke', hiernach zitiert: 'Georgi Dimitroff 1967', Band 2, Sofia 1967, S. 750)

Es kann somit kein Zweifel daran bestehen, dass abgesehen von dem geistesgestörten van der Lubbe, die Angeklagten im Reichstagsbrandprozess unschuldig waren und keinerlei Mitschuld an dem Feuer traf, und dass die wahren Schuldigen die Führer der Nazipartei waren.
Dennoch:
Es bestehen nach wie vor einige höchst merkwürdige Eigentümlichkeiten in dieser Sache, die noch einer Erklärung bedürfen:

1. Warum wurde Dimitroff im Unterschied zu anderen politischen Gefangenen der Nazis relativ zuvorkommend behandelt? Dimitroff wurde zum Beispiel bei seiner Ankunft in Moskau im Februar 1934 Folgendes gefragt:
"'Die bürgerliche Presse hat ein Photo veröffentlicht, auf dem du ... in einer Zelle der Geheimen Staatspolizei zu sehen bist und eine große Zigarre in der Hand hälst. ... Weißt du noch, wie dieses Photo zustande kam und erkennst du es wieder?'
Dimitroff: 'Natürlich kennen wir dieses Photo. ... Ein amerikanischer Korrespondent ... wollte ein Bild machen. Zuerst zögerten wir, aber dann haben wir den Fehler gemacht und haben ihm das gestattet.'"
(Georgi Dimitroff: Interview mit Vertretern der sowjetischen und Auslandspresse, 27. Februar 1934, in: 'Georgi Dimitroff 1967', aaO., Band 1, S. 528-9)

2. Warum wurde beschlossen, den drei bulgarischen Kommunisten einen öffentlichen Prozess einzuräumen und Dimitroff gestattet, Göring und Goebbels in einer Weise zu befragen, die sie lächerlich machte, zu einer Zeit, da die meisten bekannten Kommunisten in Konzentrationslager zusammengetrieben wurden – ohne jeden Prozess?
"Der folgende Prozess vor dem Höchsten Gericht in Leipzig erwies sich schließlich als Fiasko für die Nazis, besonders aber für Göring, der sich durch eine ganze Reihe von beißenden Kreuzverhörfragen seitens Dimitroffs, der als sein eigener Anwalt auftrat, zum Narren machen ließ. ... Der Prozess ... warf einen schweren Verdacht auf Göring und die Nazis."
(William L. Shirer, aaO., S. 242-43)

3.Warum baten die Nazi-Staatsanwälte, denen keine Rücksicht auf rechtliche Feinheiten wie Unschuld und Schuld nachgesagt werden konnte, das Gericht, die drei bulgarischen Kommunisten wegen 'Mangels an Beweisen' freizusprechen?
"Die Ankläger waren der Auffassung, dass Georgi Dimitroff ... zusammen mit den beiden anderen Angeklagten Blagoj Popow und Wasil Tanew ... wegen Mangels an Beweisen freigesprochen werden müssen."
('New York Times', 15. Dezember 1933, S. 19)

4. Warum befand ein Nazigericht, dem Fairness gegenüber Kommunisten nicht nachgesagt werden konnte, sämtliche Angeklagten für unschuldig?
Die offizielle Antwort auf diese Frage seitens der bulgarischen Revisionisten ist 'der internationale Druck':
"Unter dem Eindruck dieses Kampfes, der sich zu einer weltweiten Kampagne nie dagewesenen Umfangs entwickelte, sah sich das faschistische Gericht gezwungen, Dimitroff am 23. Dezember 1933 freizusprechen."
(Nationalrat der Vaterländischen Front: 'Georgi Dimitroff. Biografische Anmerkungen', London 1949, S. 22)
Jedoch:
In den meisten anderen Fragen war internationaler Druck seltsamerweise weniger erfolgreich, um politische Maßnahmen der Nazis zu ändern.

5. Warum unterstützten bürgerliche Zeitungen in zahlreichen Ländern - Zeitungen, denen gewöhnlich nicht nachgesagt werden konnte, dass sie Kommunisten gegenüber objektiv oder den Nazis gegenüber kritisch waren - die Kampagne für Dimitroffs Freilassung? Beispiele:
"Die Behauptung, dass die deutschen Kommunisten in irgendeiner Weise etwas mit der Sache zu tun hatten, ist einfach Unsinn."
('News Chronicle', 1. März 1933, S. 19)
"Die Unterstellung einer kommunistischen Schuld ... fand in Deutschland keine allgemeine Zustimmung und traf im Ausland fast durchweg auf Skepsis."
(Douglas Reed, aaO., S. 13)

6. Warum wurde den drei bulgarischen Angeklagten mit Hilfe der Nazis gestattet, im Februar 1934 nach Moskau auszureisen, um dort wie Helden empfangen zu werden, während auf der anderen Seite der deutsche Angeklagte Torgler, der ebenfalls freigesprochen wurde, in einem Konzentrationslager verschwand?
"Wir wurden ... direkt von Berlin aus mit dem Flugzeug nach Moskau gebracht."
(Georgi Dimitroff: Interview mit Vertretern der sowjetischen und der Auslandspresse, 27. Februar 1934, in: 'Georgi Dimitroff 1967', aaO., Band 1, S. 523)
"Am 27. Februar 1934 kamen Dimitroff, Popow und Tanew auf dem Moskauer Flughafen ... aus Berlin an."
('Keesings Archiv für Zeitgeschichte', Band 1, S. 1, 142)
"Der deutsche Kommunistenführer (Torgler - Verf.) wurde umgehend in 'Schutzhaft' genommen."
(William L. Shirer, aaO., S. 242)

7. Warum fuhr der internationale Revisionismus in den Jahren nach dem Reichstagsbrandprozess fort, Dimitroff als 'heldenhaften Marxisten-Leninisten' zu preisen, während er wahrhafte Marxisten-Leninisten wie Stalin als 'Kriminelle' denunziert?
Im Juni 1972 zum Beispiel wurde in Sofia eine Konferenz zu Ehren von Georgi Dimitroff abgehalten, auf der ihm Revisionisten aus der ganzen Welt reichlich ihre Anerkennung zollten. Der damals führende sowjetische Revisionist Boris Ponomarjew lobte
" ... Dimitroffs persönliche Anstrengungen, um die internationale kommunistische Bewegung auf der Basis des Marxismus-Leninismus zu vereinen. Georgi Dimitroff war unversöhnlich gegenüber allen Abweichungen vom revolutionären Kurs des wissenschaftlichen Kommunismus."
(Boris Ponomarjew, 'Georgi Dimitroffs ideologisches Erbe in der heutigen Zeit', in: 'Georgi Dimitroff und die Vereinigung der revolutionären und demokratischen Kräfte für Frieden, Demokratie und Sozialismus', Sofia 1974, S. 47)
...und der revisionistische jugoslawische Führer Tito schickte eine Botschaft, in der es hieß:
"Georgi Dimitroff gehörte zu jenen Revolutionären, die auf konstruktive Weise den Marxismus-Leninismus auf die besonderen Bedürfnisse eines jeden Landes anwandten und weiterentwickelten."
(Josip Broz Tito, 'Seine Gedanken und Ideen sind auch heute noch lebendig und von aktueller Bedeutung', in: aaO., S. 126-27)

Der Marxismus-Leninismus lehrt uns, dass alles Sinn ergibt:

Die sieben angesprochenen Merkwürdigkeiten der Reichstagsbrandaffäre ergeben vollständigen Sinn, wenn man von der Annahme ausgeht, dass Dimitroffs Prozess und sein Freispruch arrangiert und Teil einer internationalen imperialistischen Absprache waren, um seine Ernennung für den Vorsitz der Kommunistischen Internationale zu erleichtern, von dessen Position aus er den Interessen des europäischen Imperialismus dienen konnte.

Selbstverständlich benötigt die Arbeiterklasse Heldengestalten und es wäre unverzeihlich, einen wahrhaften und heldenhaften Marxisten-Leninisten zu verleumden.

Jedoch:

Die hier vorgenommene Auslegung der Tatsachen wird durch eine Reihe von Zeugen bestätigt.

Zum Beispiel machte die ehemalige führende deutsche Kommunistin Ruth Fischer geltend, dass ihr diese Auslegung der Tatsachen von Wilhelm Pieck und der einstigen kommunistischen Reichstagsabgeordneten Maria Reese bestätigt wurde:

"Beide erzählten mir unabhängig voneinander die gleiche Geschichte, dass, bevor Dimitroff sich im Gerichtssaal erhob, um sein Schlussplädoyer zu halten, er bereits von der geheimen Vereinbarung wusste, ... dass er diesen als freier Mann wieder verlassen würde."
(Ruth Fischer, 'Stalin und der deutsche Kommunismus. Eine Studie der Ursprünge der Staatspartei', London 1948, S. 309)

Dazu auch der amerikanische Historiker Stephe Koch:
"Der Prozess war die Farce einer Farce. ...Im Jahre 1989 interviewte ich Münzenbergs Witwe Babette Gross in München. Sie bestätigte Ruth Fischers Angaben über einen Handel. ...1992 berichtete mir Peter Semerdjew, ehemaliges Mitglied des Zentralkomitees der bulgarischen Partei und enger Vertrauter von Dimitroff, dass in den 40iger und 50iger Jahren die geheime Verabredung ihm und einigen anderen führenden Funktionären zu Ohren gekommen war."
(Stephen Koch, 'Die Dimitroff-Verschwörung', in: 'New York Times', 22. Januar 1994, S. 21)

Die Qualifikation Dimitroffs für den Posten des Generalsekretärs der Kommunistischen Internationale aus imperialistischer Sicht unter den damaligen Umständen wird durch das bestätigt, was Babette Gross berichtet, dass er nämlich
" ... aus der Führung der Partei (der Bulgarischen Kommunistischen Partei -Verf.) wegen 'versöhnlerischer, rechter Tendenzen' entfernt worden war."
(Babette Gross, 'Willi Münzenberg. Eine politische Biografie', East Lansing, USA 1974, S. 251)

Aus den Tatsachen ergibt sich auch unwiderlegbar, dass Dimitroff zu den Pionieren des modernen Revisionismus gehört.

3. Die Hinwendung zum 'friedlichen parlamentarischen Weg'

3.1. Lenins Prinzip

Lenin zufolge kann der Übergang von einer kapitalistischen zu einer sozialistischen Gesellschaft nur durch eine gewaltsame Revolution, die von der Arbeiterklasse durchgeführt wird, vollzogen werden:
"Die Ersetzung des bürgerlichen Staates durch einen proletarischen Staat ist unmöglich ohne eine gewaltsame Revolution."
(Wladimir I. Lenin, 'Staat und Revolution. Die marxistische Lehre vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution', August 1917, in: 'Gesammelte Werke', Band 7, London 1946, S. 21)
Stalin billigte unzweideutig Lenins Ansicht:
"Kann ... eine radikale Umgestaltung der alten bürgerlichen Ordnung ohne eine gewaltsame Revolution, ohne die Diktatur des Proletariats, erfolgen? Offensichtlich nicht."
(Josef W. Stalin, 'Zu Fragen des Leninismus', Januar 1926, in: 'Werke', Band 8, Moskau 1954, S. 25)
Dieses Konzept war auch in Lenins Thesen zur bürgerlichen Demokratie, die vom 1. Kongress der Kommunistischen Internationale im März 1919 angenommen wurden, enthalten:
"Die Geschichte lehrt uns, dass keine unterdrückte Klasse je die Macht ansichriss oder ansichreißen konnte ohne ... die Eroberung der politischen Macht und ohne die gewaltsame Unterdrückung des Widerstands, der stets von den Ausbeutern geleistet wird. ... Die Kapitalisten und Ausbeuter müssen gestürzt und ihr Widerstand unterdrückt werden."
(Wladimir I. Lenin, 'Thesen und Bericht zur bürgerlichen Demokratie und zur Diktatur des Proletariats', 1. Kongress der Kommunistischen Internationale, März 1919, in: 'Gesammelte Werke', Band 28, Moskau 1974, S. 458, 461)
Darüberhinaus wies Lenin die Vorstellung, dass es einen Zwischenstaat zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der des Proletariats geben könne, als 'reaktionären kleinbürgerlichen Traum' zurück:
"Es gibt keine andere Alternative als entweder die Diktatur der Bourgeoisie oder die Diktatur des Proletariats. Träume von einem dritten Weg sind reaktionäre, kleinbürgerliche Klagelieder."
(Wladimir I. Lenin, 'Thesen und Bericht zur bürgerlichen Demokratie und zur Diktatur des Proletariats', März 1919, in: 'Gesammelte Werke', Band 28, Moskau 1974, S. 463-64)

3.2. Der 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale, Juli/August 1935

Der Hauptbericht, der auf dem 7. Weltkongress der Komintern gehalten wurde, war der von Georgi Dimitroff über 'Die faschistische Offensive und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale'. Nach flüchtigem Lesen scheint dieser Bericht marxistisch-leninistischen Grundsätzen in der Frage des Übergangs zum Sozialismus zu folgen. Dimitroff weist die revisionistische Vorstellung vom 'friedlichen parlamentarischen Übergang zum Sozialismus' als 'Illusion' zurück und bezeichnet die revisionistische Vorstellung, dass es zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der des Proletariats eine Art von Zwischenstaat geben könne, als 'Rechtsopportunismus':
"Die Rechtsopportunisten ... versuchten ein besonderes 'demokratisches Zwischenstadium' zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der Diktatur des Proletariats einzufügen, um bei den Arbeitern die Illusion von einem friedlichen parlamentarischen Übergang von der einen Diktatur hin zur anderen zu erzeugen."
(Georgi Dimitroff, 'Die faschistische Offensive und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale', 7. Weltkongress der KI, Juli/August 1935, in: 'Die Einheitsfront. Der Kampf gegen Faschismus und Krieg', hiernach zitiert als 'Georgi Dimitroff 1938', London 1938, S. 75)
...und er betont, dass eine Regierung der Einheitsfront noch keine Sowjetregierung ist (d.h. eine Regierung der Diktatur des Proletariats), so dass die Einsetzung einer solchen Regierung noch nicht von der Aufgabe entbindet, durch eine sozialistische Revolution eine Sowjetmacht zu errichten:
"Wir weisen auf die Möglichkeit hin, eine antifaschistische Einheitsfrontregierung zu bilden. ... Diese Regierung ... ist nicht in der Lage, die Klassenherrschaft der Ausbeuter zu stürzen. ... Deshalb ist es notwendig, die sozialistische Revolution vorzubereiten. Die Sowjetmacht und nur die Sowjetmacht kann zur Befreiung führen."
('Georgi Dimitroff 1938', aaO., S. 76)
Und dennoch:
Trotz dieser richtigen marxistisch-leninistischen Formulierungen öffnet Dimitroff sachte die Tür für die revisionistische These des 'friedlichen parlamentarischen Übergangs zum Sozialismus', wenn er behauptet, dass eine gewählte Einheitsfrontregierung in der Lage ist, die politische und wirtschaftliche Macht der kapitalistischen Klasse auf revolutionäre Weise zurückzudrängen:
"Wir verlangen von jeder Einheitsfontregierung eine vollständig andere Politik. Wir verlangen, dass sie bestimmte und grundlegend revolutionäre Forderungen, die in einer Situation erforderlich sind, durchführt. Zum Beispiel die Kontrolle der Produktion, die der Banken, die Auflösung der Polizei und ihre Ersetzung durch eine Miliz bewaffneter Arbeiter usw.."
('Georgi Dimitroff 1938', aaO., S. 75)

Wenn aber eine Regierung der Einheitsfront nicht eine Regierung der Diktatur des Proletariats ist, aber dennoch in der Lage sein soll, die politische und ökonomische Macht der kapitalistischen Klasse 'auf revolutionärem Weg zurückzudrängen', dann folgt daraus, dass es sich um eine Art von Zwischenregierung zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der Diktatur des Proletariats handeln muss, die Dimitroff vorher noch als 'rechtsopportunistische Illusion' verworfen hatte!

3.3. Die Dezentralisierung der Kommunistischen Internationale, September 1935

Lenin bestand darauf, dass die Kommunistische Internationale eine hoch zentralisierte internationale Organisation zu sein habe:
"Sämtliche Beschlüsse von Kongressen der Kommunistischen Internationale sowie seines Exekutivausschusses sind für alle Mitgliedsparteien verbindlich. ... Die Kommunistische Internationale (die 'Dritte' - Übers.) muss sehr viel zentralisierter sein als es die Zweite Internationale war."
(Wladimir I. Lenin, 'Eintrittsbedingungen der Kommunistischen Internationale', Juli 1920, in: 'Gesammelte Werke', Band 31, Moskau 1974, S. 211)
Sobald der 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale vorüber war, ging deshalb die revisionistische Führung der KI dazu über, Schritte zur Dezentralisierung zu unternehmen, wodurch die einzelnen Parteien das Recht erhielten, ihre 'alltäglichen Angelegenheiten selbständig zu regeln':
"Im September 1935 fasste das Sekretariat des EKKI (Geschäftsführender Ausschuss der Kommunistischen Internationale - Übers.) den Beschluss, den Apparat des EKKI umzuorganisieren. Dieser wurde auf den Treffen des EKKI- Präsidiums im Oktober umgesetzt. Das Recht, die laufenden Geschäfte selbständig zu regeln, wurde den Parteien garantiert. Das bedeutete, dass die Gebietssekretäre, die vorher in gewisser Weise an der Parteiführung beteiligt gewesen waren, entlassen werden mussten. Das Organ mit authorisierten EKKI-Vertretern, das für die einzelnen Parteien zuständig war, wurde ebenfalls aufgelöst. ...Initiative und Selbständigkeit der einzelnen Parteien gewannen zunehmend an Bedeutung."
(Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, 'Grundriss der Geschichte der Kommunistischen Internationale', Moskau 1971, S. 403-04)

3.4. Die These vom 'Übergangsstaat', September 1936

Auf einem Treffen des Sekretariats des EKKI im September 1936 revidierte Dimitroff seine Position aus dem Jahre 1935, dass es einen 'Zwischenstaat' zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der des Proletariats nicht geben könne. Jetzt erklärte er, dass die Volksfrontregierungen, die in Spanien im Februar 1936 und in Frankreich im Juni 1936 gewählt worden waren, eben solche 'Zwischenstaaten' seien:
"Indem er die alten Richtlinien, die besagten, dass ein Staat stets entweder ein kapitalistischer oder ein sozialistischer sei, in Frage stellte, stellte sich Dimitroff auf den Standpunkt, dass jetzt ein demokratischer Staat entstehe, in dem die 'Volksfront von entscheidender Bedeutung' sei."
(Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, aaO., S. 417)
Dimitroff umschrieb diesen imaginären 'Zwischenstaat' als
" ... eine Sonderform der demokratischen Diktatur der Arbeiterklasse und der Bauernschaft."
(KPdSU: Zentrales Parteiarchiv beim Institut für Marxismus-Leninismus: 495/ 18/1135/8, in: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, aaO.)
Lenin verstand jedoch unter dem Ausdruck 'demokratische Diktatur des Proletariats
und der Bauernschaft' nicht eine gewählte progressive Regierung, sondern eine Regierung, die durch die Revolution geboren wird, wie etwa im ersten Stadium des revolutionären Prozesses in Russland. Bezeichnenderweise nannte er sie 'die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft':
"Eine erfolgreiche Revolution ... kann nichts anderes sein als die demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft."
(Wladimir I, Lenin, 'Bericht zur Frage der Beteiligung der Sozialdemokraten an einer provisorischen revolutionären Regierung', 3. Parteitag der SDAPR, April 1905, in: 'Gesammelte Werke', Band 8, Moskau 1962, S. 384)
"Erfolgreiche Revolution gleich demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft."
(Wladimir I. Lenin, 'Erfolgreiche Revolution', Mai/Juni 1905, in: 'Gesammelte Werke', Band 8, Moskau 1962, S. 450)
"Die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft bedeutet einen entscheidenden Sieg der Revolution über den Zarismus."
(Wladimir I. Lenin, 'Die zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der Demokratischen Revolution', Juni/Juli 1905, in: 'Gesammelte Werke', Band 3, London 1946, S. 82)
Es war Palmiro Togliatti, der in einem Artikel vom Oktober 1936 den Begriff 'Neue Demokratie' prägte, um die Volksfrontregierung zu beschreiben, die im Februar in Spanien gewählt worden war:
"Die demokratische Republik, die gerade in Spanien aufgebaut wird, ist... der neue Typ einer demokratischen Republik, ... eine neue Demokratie."
(Palmiro Togliatti, 'Besondere Merkmale der Spanischen Revolution', in: 'Internationale Pressekorrespondenz', Band 16, Nr. 48, 24. Oktober 1936, S. 1, 295)
Der Ausdruck 'Neue Demokratie' wurde vom revisionistischen chinesischen Parteiführer Mao Tse-tung übernommen und auf einen Staatstyp angewandt, der nach Abschluss des ersten Stadiums des revolutionären Prozesses in einem Kolonialland geschaffen wurde. Die 'Neue Demokratie' wurde umschrieben als 'die gemeinsame Diktatur verschiedener Klassen, unter Einschluss der nationalen Bourgeoisie':
"Der erste Schritt oder die erste Phase unserer Revolution ... wird zur Errichtung einer neuen demokratischen Gesellschaft unter der gemeinsamen Diktatur aller revolutionären Klassen Chinas führen."
(Mao Tse-tung, 'Über die Neue Demokratie', Januar 1940, in: 'Gesammelte Werke', Band 2, Peking 1965, S. 347)

3.5. Die Bildung des 'Triumvirats' der Kommunistischen Internationale, Juni 1941

Am Tag des deutschen Angriffs gegen die Sowjetunion, am 22. Juni 1941, bildeten die revisionistischen Führer der Kommunistischen Internationale das Exekutivkomitee in der Weise um, dass die gesamte Leitung in die Hände eines Triumvirats gelegt wurde, das sich aus den führenden Revisionisten Georgi Dimitroff, Dimitri Manuilski und Palmiro Togliatti zusammensetzte:
"Am 22. Juni (1941 - Verf.) fand ein Treffen des Sekretariats des EKKI statt. ... Das Sekretariat beschloss, umgehend die gesamte Arbeit des EKKI neu zu organisieren. Es wurde eine Gruppe aus Dimitroff, Manuilski und Togliatti für die Erledigung aller laufenden Geschäfte des Exekutivkomitees gebildet."
(KPdSU: Zentrales Parteiarchiv beim Institut für Marxismus-Leninismus, 495/11 18/1335/1-3, in 'Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, aaO., S. 479)

3.6. Die Auflösung der Kommunistischen Internationale, Juni 1943

Am 15. Mai 1943 unterbreitete das Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale den Vorschlag für die Auflösung der Kommunistischen Internationale an die kommunistischen Parteien.
Der Beschluss, die Kommunistische Internationale aufzulösen, wurde am 8. Juni 1943 vom Präsidium des EKKI gefasst:
"Der Vorschlag des EKKI-Präsidiums wurde von 31 Sektionen unterstützt. Nicht eine einzige kommunistische Partei erhob Einwände. ... Nach eingehender Prüfung der Texte mit den Beschlüssen der kommunistischen Parteien, ... , wurde am 8. Juni 1943 ... beschlossen, die Kommunistische Internationale mit Wirkung vom 10. Juni 1943 aufzulösen."
('Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU', aaO., S. 514)

Ihrem Statut zufolge bestand das Ziel der Kommunistischen Internationale darin,
" ... mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, einschließlich des bewaffneten Kampfes, für den Sturz der internationalen Bourgeoisie und für die Schaffung einer internationalen Sowjetrepublik zu kämpfen."
(Kommunistische Internationale: Statuten, in: Jane Degras, Hrsg., 'Die Kommunistische Internationale, 1919-1943. Dokumente', hiernach zitiert als 'Jane Degras, Hrsg., 1971', Band 1, London 1971, S. 163)
Ganz offensichtlich bestand das Motiv für die Auflösung der KI nicht darin, dass sie ihre Ziele erreicht hatte.
Die Gründe, die für den Vorschlag vorgebracht wurden, waren erstens, dass wegen der zunehmenden Kompliziertheit der internationalen Situation
" ... der organisatorische Rahmen für die Vereinigung der Arbeiter, der auf dem ersten Kongress der Kommunistischen Internationale ... gewählt wurde, inzwischen für die weitere Stärkung der nationalen Arbeiterparteien zu einem Hindernis geworden ist."
(EKKI-Präsidium: Resolution für die Empfehlung der Auflösung der Kommunistischen Internationale, Mai 1943, in: 'Jane Degras, Hrsg., 1971', aaO., Band 3, S. 477) ... und zweitens, dass die Kommunistische Internationale wegen des " ... Wachsens und der politischen Reife der kommunistischen Parteien und ihrer führenden Kader in den einzelnen Ländern" (EKKI-Präsidium, aaO., S. 479) überflüssig geworden sei.
Keiner dieser angeführten Gründe hält einer Überprüfung stand.
1. Die KI hatte sich ausdrücklich das Prinzip der Berücksichtigung nationaler Unterschiede umfassend zu Eigen gemacht. Das Programm der KI betont:
"Die ungleiche Entwicklung des Kapitalismus, die sich in der Epoche des Imperialismus zuspitzt, hat eine große Vielfalt verschiedener Arten von kapitalistischen Gesellschaften hervorgebracht, unterschiedliche Reifegrade in unterschiedlichen Ländern und hat zu einer großen Vielfalt von Bedingungen für den revolutionären Prozess, der in jedem Land seine Besonderheiten aufweist, geführt. Es ist historisch unvermeidlich, dass das Proletariat auf unterschiedlichen Wegen und in unterschiedlichem Tempo die Macht ergreifen wird. ...Hieraus ergibt sich desweiteren, dass der Aufbau des Sozialismus in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Formen annehmen wird."
(Programm der Kommunistischen Internationale, September 1928, in: 'Jane Degras, Hrsg., 1971', aaO., Band 2, S. 505)
...und der 7. Weltkongress im Juli/August 1935 wies das EKKI an,
" ... bei der Entscheidung aller Fragen von der konkreten Situation und den besonderen Bedingungen, die in jedem einzelnen Land gegeben sind, auszugehen."
(7. Weltkongress der KI: Resolution zum Bericht des EKKI, August 1935, in: 'Jane Degras, Hrsg., 1971', aaO., Band 3, S. 354)
2. Der Mangel an politischer Reife auf Seiten der großen Mehrheit der kommunistischen Parteien wird unwiderlegbar durch die Tatsache belegt, dass innerhalb kürzester Zeit nach der Auflösung die meisten sich die eine oder andere Spielart des Revisionismus zueigen gemacht hatten und bald in einen Zustand ideologischer Auseinandersetzungen hineingerieten.
Die Entscheidung, die Kommunistische Internationale aufzulösen, war nicht dazu angetan, die Sicherheit des sozialistischen Staates zu gefährden. Deshalb widersetzten sich die marxistisch-leninistische Minderheit in der Kommunistischen Internationale sowie die Kommunistische Partei der Sowjetunion nicht in der Weise der Entscheidung, das sie sich aus den Gremien zurückzogen, sondern akzeptierten den Mehrheitsbeschluss als auch für sie bindend. Tatsächlich konnte es für sie kaum Gründe geben, sich für den Fortbestand einer Organisation einzusetzen, die von Revisionisten beherrscht wurde.
In seiner Antwort auf die Frage des Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuter Harold King zu diesem Thema sagte Stalin:
"Die Auflösung der Kommunistischen Internationale ist angebracht und richtig."
(Josef W. Stalin, 'Die Auflösung der Kommunistischen Internationale - Antworten für den Reuter-Korrespondenten', 28. Mai 1943, in: 'Kriegsreden, Tageslosungen und Antworten an Pressekorrespondenten während des Großen Vaterländischen Krieges, vom 3. Juli 1941 bis zum 22. Juni 1945', London 1956, S. 66)
Es war jedoch bezeichnend, dass Stalin dies für sich mit keinem der beiden Gründe, die von der Kommunistischen Internationale angegeben wurden, rechtfertigte. Ganz im Gegenteil: Als Grund für seine Unterstützung dieser Entscheidung gab er an, dass
" ... sie die Anstrengungen aller Patrioten aller Länder zur Vereinigung der friedliebenden Völker in einem einheitlichen internationalen Lager für den Kampf gegen die drohende Weltherrschaft des Hitlerismus erleichtert."
(Josef W. Stalin, aaO., S. 66)
Mit anderen Worten, Stalin war der Meinung, dass, ohne die Disziplin der KI oder der KPdSU zu verletzen, die KI unter ihrer damaligen revisionistischen Führung aufgehört hatte, als ein Organ für die sozialistische Revolution nützlich zu sein, so dass unter diesen Umständen seine Auflösung den gemeinsamen militärischen Anstrengungen der Alliierten zugute kommen konnte.
Die marxistisch-leninistische Minderheit in der Kommunistischen Internationale kam zu der Erkenntnis, dass es besser wäre, statt die alte entartete Komintern unter ihrer revionistischen Führung zu retten, darauf hinzuarbeiten, eine neue internationale Organisation unter einer neuen antirevisionistischen, marxistischleninistischen Führung aufzubauen. Wie wir sehen werden, entstand diese neue Organisation im Jahre 1947 in Gestalt des 'Kommunistischen Informationsbüros', kurz 'Kominform' genannt.
Die Frage stellt sich:
Was verlieh dem Vorschlag, die KI aufzulösen, eine solche Dringlichkeit, dass er nicht einem Komintern-Kongress vorgelegt werden konnte?
Der große Sieg von Stalingrad war bereits errungen worden; die sowjetische Armee war bereits zu ihrer großen Gegenoffensive gegen die deutschen Streitkräfte übergegangen und die Westalliierten waren endlich in Nordafrika gelandet. Die kritische Phase des Krieges für die Sowjetunion war vorüber und der Sieg zeichnete sich bereits deutlich ab.
Wenn jedoch die Revisionisten mit ihrem Vorschlag bis zum Ende des Krieges gewartet hätten, dann hätte er auf einem Komintern-Kongress zur Diskussion gestellt werden müssen, auf dem sicherlich einige kommunistische Parteien gegen ihn aufgetreten wären. 1943 konnten die Revisionisten jedoch behaupten, dass
" ... das Präsidium des EKKI, das sich unter den gegebenen Umständen des Krieges nicht in der Lage sieht, einen Kongress der Kommunistischen Internationale einzuberufen, die folgenden Vorschläge den Sektionen der Kommunistischen Internationale zur Ratifizierung vorlegt."
(Präsidium des EKKI: Resolution, den Vorschlag enthaltend, die Kommunistische Internationale aufzulösen, Mai 1943, in: 'Jane Degras, Hrsg., 1971', aaO., Band 3, S. 479)

4. Das Auftreten des offenen Revisionismus

Von den letzten 'Fesseln' der Komintern befreit, glitten einige kommunistische Parteien fast unmittelbar darauf in den offenen Revisionismus ab.

4.1. Die Thesen Earl Browders, 1944-45

Im Jahre 1944 ergriff der Vorsitzende der Kommunistischen Partei der USA, Earl Browder, die Initiative für die Annahme eines durch und durch revisionistischen Programms durch die Partei. Er bezeichnete die Vereinbarung zwischen der Sowjetunion und den imperialistischen Westmächten in Teheran als einen Hinweis darauf, dass der antagonistische (unversöhnliche - Übers.) Klassengegensatz nun überwunden worden sei, und dass der amerikanische Kapitalismus jetzt friedlich durch eine Klassenzusammenarbeit über die Einrichtungen der 'Amerikanischen Demokratie' in den Sozialismus hineinwachsen könne. Darüberhinaus vertrat Browder die Ansicht, dass
" ... das Zweiparteiensystem genügend Möglichkeiten für die Gewährleistung elementarer demokratischer Rechte biete."
(Earl Browder, in: Philip J. Jaffe, 'Aufstieg und Fall von Earl Browder', in: 'Survey' (Überblick), Band 18, Nr. 2, Frühjahr 1972, S. 50)
...was darauf hinauslief, dass die Existenz der Kommunistischen Partei zu einem Hindernis für die Herstellung der nationalen Einheit geworden war!
Auf Browders Betreiben löste der 10. Parteitag der KP der USA im Mai 1944 die Partei auf und gründete sie neu unter dem Namen 'Kommunistische Politische Vereinigung', deren erklärtes Ziel es war, 'politische Erziehung' zu betreiben, um der Öffentlichkeit nahezubringen, dass der friedliche Übergang zum 'Sozialismus' durch die Nationalisierung von Monopolunternehmen gesellschaftlich wünschenswert sei. In der Satzung der neuen Partei heißt es dazu:
"Die Kommunistische Politische Vereinigung ist ein überparteilicher Zusammenschluss von Amerikanern, der ... die Tradition von Washington, Jefferson, Paine, Jackson und Lincoln fortsetzt. ... Er orientiert sich an der Völkerfamilie freier Nationen, welche von der großen Koalition demokratischer kapitalistischer und sozialistischer Staaten geführt wird, um eine Ära des Weltfriedens, der Ausweitung der Produktion und des wirtschaftlichen Wohlstands einzuleiten."
(Kommunistische Politische Vereinigung: Satzung, in: Philip J. Jaffe, aaO., S. 51)

William Foster, der Browders Teheran-Thesen ablehnte (nicht jedoch die Liquidierung der Kommunistischen Partei), schrieb einen Brief an Dimitroff und bat ihn um seine Unterstützung gegen Browder. Dimitroff schrieb zurück und unterstützte Browder in seinem Antwortbrief:
"Dimitroff ließ Foster über Browder eine Nachricht zukommen, in der er ihn dringend bat, seine Opposition aufzugeben. Dimitroffs Antwort war für Foster ein schwerer Schlag, der dann über ein Jahr lang Browders Teheran-Thesen nicht mehr kritisierte."
(Philip J. Jaffe, aaO., S. 47-48)
Foster war tatsächlich
" ... so sehr durch die fast geschlossene Front der Opposition gegen seine Einwände und durch Dimitroffs Antwort eingeschüchtert, dass er um die Ehre bat, Earl Browder für den Vorsitz der neuen Kommunistischen Politischen Vereinigung vorschlagen zu dürfen. Er selbst wurde zu einem der Vizepräsidenten gewählt."
(Philip J. Jaffe, aaO., S. 51)
In der April-Ausgabe des Jahres 1945 der 'Cahiers du Communisme' (Hefte des Kommunismus), dem theoretischen Organ der Französischen Kommunistischen Partei, erschien unter der Überschrift 'Über die Auflösung der Kommunistischen Partei der USA' ein Artikel, der dem führenden französischen Kommunisten Jacques Duclos zugeschrieben wurde, in dem der Browderismus scharf kritisiert wird. Die Hauptpunkte seiner Kritik waren folgende:
"Earl Browder erklärte tatsächlich, dass in Teheran Kapitalismus und Sozialismus begonnen hätten, Wege zu finden, um im Rahmen einer und derselben Welt friedlich ... zusammenzuarbeiten. ... Earl Browder zog dann politische Schlussfolgerungen ... , dergestalt, dass die Hauptprobleme der Innenpolitik der USA in Zukunft ausschließlich durch Reformen gelöst werden müssten, da die Aussicht auf unbegrenzte innere Konflikte auch die Perspektive einer internationalen Einheit gefährde, die in Teheran in Aussicht gestellt wurde."
(Jacques Duclos, 'Über die Auflösung der Kommunistischen Partei der USA', in: Philip J. Jaffe, aaO., S. 53)
Auf diese Weise habe Browder, dem Artikelschreiber zufolge, den Inhalt der Teheraner Erklärung
" ... in eine politische Plattform für den Klassenfrieden in den Vereinigten Staaten"
(Jacques Duclos, aaO., S. 53)
umgefälscht.
In dem Artikel wird Browders Behauptung zurückgewiesen, dass die Nationalisierung von Monopolen mit Sozialismus gleichzusetzen sei:
"Die Nationalisierung von Monopolen stellt tatsächlich in keinster Weise eine sozialistische Errungenschaft dar. ... Es ist nicht einfach eine Frage von Reformen mit demokratischem Charakter, weil die Erreichung des Sozialismus ohne eine vorherige Machteroberung unvorstellbar ist."
(Jacques Duclos, aaO., S. 54)
Schließlich wird in dem Artikel die Auflösung der kommunistischen Partei scharf kritisiert:
"Earl Browder schlug vor, die neue Organisation 'Kommunistische Politische Vereinigung' zu nennen, die im traditionellen amerikanischen Zweiparteiensystem nicht als eine 'Partei' auftreten wird, d.h., dass sie bei Wahlen keine eigenen Kandidaten aufstellen wird ... , aber darauf hinarbeiten wird, eine breite progressive und demokratische Bewegung innerhalb aller Parteien zu schaffen."
(Jacques Duclos, aaO., S. 53)
Obwohl der Artikel Duclos Unterschrift trug, wurde er tatsächlich in Moskau, wahrscheinlich unter Federführung von Andrej Schdanow, verfasst.
"Es ist ... ganz offenbar so, dass der sogenannte 'Duclos-Artikel' nicht in Frankreich geschrieben worden sein kann, sondern in Moskau, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach unter der Federführung von Andrej Schdanow."
(Philip A. Jaffe, aaO., S. 59)
Nach Verbreitung des 'Duclos-Briefes' wurde auf einem Sonderparteitag der KPV, der zwischen dem 26. und dem 28. Juli 1945 abgehalten wurde, eine Resolution zur Neugründung der KP der USA mit einem vorläufigen Sekretariat an der Spitze verabschiedet. Im Februar wurde Browder aus der neugegründeten Partei ausge- schlossen und im Juli 1946 wählte man Eugene Dennis* zum Generalsekretär.

4.2. Die Thesen Harry Pollits, 1945

Im Mai 1945, vor Erscheinen des 'Duclos-Briefes', beeilte sich Harry Pollit auf den fahrenden Zug des Revisionismus aufzuspringen und stellte sich auf die Positionen des Staatskapitalismus:
"Staatskapitalismus kann bedeuten, dass sich die Kapitalisten mit ihren Sonderinteressen bis zu einem bestimmten Grade den Bedürfnissen des Ganzen, wozu auch ... die Arbeiter gehören ..., unterordnen müssen. ... Die Bedingungen, die durch die großen politischen Veränderungen als Folge des Krieges entstanden sind, sind jetzt objektiv gesehen für einen friedlichen Übergang zum Sozialismus günstiger als je zuvor. ... Es bestehen bis zu einem bestimmten Punkt gemeinsame Interessen zwischen allen progressiven Schichten der Nation, egal ob es sich um solche der Arbeiter oder der Kapitalisten handelt."
(Harry Pollit, 'Antworten auf Fragen', Mai 1945, London 1945, S. 30, 39, 44)
Nach Veröffentlichung des 'Duclos-Briefes' wurde das Pamphlet zurückgezogen.

4.3. Die Thesen Georgi Dimitroffs, 1946

Im März 1946, ein Jahr, nachdem er dem Browderismus Schützenhilfe geleistet hatte, bekannte sich Dimitroff offen zu der revisionistischen These, dass der Sozialismus auf friedlichem Wege, ohne Revolution, erreicht werden könne:
"Unter bestimmten Bedingungen kann der Sozialismus ohne Aufstand erreicht werden. Diese Bedingungen sind jetzt gegeben."
(Georgi Dimitroff, 'Der Bund der Jungarbeiter muss zu einer Schule des Sozialismus werden', März 1946, in: 'Georgi Dimitroff 1967', aaO., Band 2, Sofia 1967, S. 195)
Der Herausgeber von Dimitroffs 'Gesammelten Werken' Spass Roussinow erklärt den Richtungswandel mit den 'geänderten Bedingungen':
"Wenn er die Frage des Übergangs zur proletarischen Diktatur bis 1944 in der einen Weise und danach in einer anderen gestellt hat, geht Georgi Dimitroff von den konkreten Bedingungen der Epoche aus. ... Dies sind zwei Thesen für zwei verschiedene historische Perioden."
(Spass Roussinow, 'Sieger über den Faschismus', in: 'Georgi Dimitroff 1967', Band 1, S. XVII-XVIII)

4.4. Das Projekt der Balkanföderation, 1947-48

Im Jahre 1947 reagierte die Sowjetregierung mit Besorgnis auf Vorschläge von Tito und Dimitroff zur Bildung einer 'Balkanföderation' - Vorschläge, die von ihr als antisowjetisch eingestuft wurden:
"Es ist wahrscheinlich, dass es schon die jugoslawisch-bulgarischen Verhandlungen waren, die im russischen Lager den Alarm auslösten. Dass zwei so wichtige Parteien ein so schweres ideologisches Verbrechen begehen konnten, zeigte den Führern im Kreml, dass etwas mit den neuen Regimen überhaupt nicht in Ordnung war."
('Die Entwicklung des Kominform, 1947-50', in: 'The World Today' (Die Welt heute), Band 6, Nr. 5, Mai 1950, S. 218-19)
Vor der Unterzeichnung des jugoslawisch-bulgarischen 'Vertrages für Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe' im November 1947 in Sofia erklärte Tito:
"Wir werden eine so umfassende und so enge Zusammenarbeit entwickeln, dass die Frage der Föderation zu einer bloßen Formalität wird."
('Keesings Archiv für Zeitgeschichte', Band 6, S. 8, 975)
...und während seines Besuches in Bukarest im Januar 1948 anlässlich der Unterzeichnung des bulgarisch-rumänischen Vertrages für Freundschaft und Gegenseitige Hilfe, sprach der bulgarische Ministerpräsident Dimitroff
" ... von der Möglichkeit einer letztendlich zu bildenden Föderation der osteuropäischen Nationen, die mit Russland verbündet sind. ... Er erklärte, dass der erste Schritt in dieser Richtung eine Zollunion zwischen diesen Ländern sein könnte und fügte hinzu, dass 'wenn die Zeit reif ist ... die Völker der Volksdemokratien ... darüber entscheiden werden, ob sie (die Zollunion) zu einer Föderation von Staaten werden wird'. Als Mitglieder der vorgesehenen Föderation führte Herr Dimitroff 'Bulgarien, Albanien, Jugoslawien, Ungarn, Polen, die Tschechoslowakei und sogar Griechenland' auf ... und er fügte hinzu, dass sie, 'falls möglich', Handelsbeziehungen mit Amerika, Großbritannien und Frankreich herstellen würde."
('Keesings Archiv für Zeitgeschichte', Band 6, S. 9, 118)
Elf Tage später, am 28. Januar 1948, wurden im Leitartikel der 'Prawda'
" ... die von Herrn Dimitroff entwickelten Vorschläge für eine osteuropäische Föderation scharf zurückgewiesen. Es hieß dort u.a.: 'Diese Länder benötigen keine zweifelhafte und künstliche Föderation oder Zollunion. Was sie in Wirklichkeit benötigen, ist die Festigung und der Schutz ihrer Unabhängigkeit und Souveränität durch die Mobilisierung und Organisierung der eigenen volksdemokratischen Kräfte, wie dies in richtiger Weise in der Erklärung der Kominform zum Ausdruck gekommen ist.'"
('Keesings Archiv für Zeitgeschichte', Band 6, S. 9, 118)
In seinem Bericht an den 2. Kongress der Bulgarischen Vaterländischen Front im Februar 1948 erklärte Dimitroff dann auch:
"Diese Hinweise in der 'Prawda' sind durchaus begründet und sind eine rechtzeitige, wertvolle und nützliche Warnung vor möglichen unzweckmäßigen Übertreibungen, die für die Volksdemokratien schädlich sind."
(Georgi Dimitroff, Bericht an den 2. Kongress der Vaterländischen Front, Februar 1948, in: 'Georgi Dimitroff 1967', Band 2, S. 511-12)
Im Juli 1948 schließlich, nach dem Ausschluss der Kommunistischen Partei Jugoslawiens aus dem Kominform, distanzierte sich das Zentralkomitee der Bulgarischen Kommunistischen Partei eilig vom Titoismus. Es
" ... stellte in voller Einmütigkeit fest, dass die Führung der Partei nie die führende Rolle, die die Russische Kommunistische Partei und die Sowjetunion im demokratischen Lager spielt, in Frage gestellt hat. Es räumte ein, dass es gegenüber der Jugoslawischen Kommunistischen Partei nicht die nötige Wachsamkeit gezeigt habe."
('Die Entwicklung des Kominform, 1947-50', in: 'The World today', Band 6, Nr. 5, Mai 1950, S. 223-24)
Beim Prozess gegen Traitscho Kostoff und andere im Dezember 1949 in Sofia wurde der Charakter der Vorschläge für die Balkanföderation zutreffend als verräterisch bezeichnet, Dimitroff befand sich jedoch nicht unter den Angeklagten und die Schuld an dem missglückten Balkanföderationsprojekt wurde Tito sowie der Gruppe um Kostoff zugewiesen:
"Die Föderation, die von Tito und Traitscho Kostoffs Gruppe ausgeheckt worden war, hatte zum Ziel, die nationale Unabhängigkeit der Volksdemokratie Bulgariens vollständig zunichte zu machen, um sie zu einem bloßen Anhängsel von Jugoslawien zu machen. ... Für die Titoisten und für Traitscho Kostoffs Gruppe ... war die Föderation das Mittel für einen Anschlag auf unsere Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und den Volksdemokratien, auf die sozialistische Entwicklung in unserem Lande. Sie zielte auf die wirtschaftliche und polische Unterwerfung Bulgariens und auf seine Versklavung durch die angloamerikanischen Imperialisten."
(Wladimir Dimtscheff, Ankläger, Rede anlässlich des 'Prozesses gegen Traitscho Kostoff und seine Gruppe', Sofia 1949, S. 512-13)
...und der bulgarische Außenminister Wladimir Poptomoff gab sich alle Mühe bei der Zurückweisung der Behauptung der jugoslawischen Regierung, dass Dimitroff ein Titoist gewesen sei:
"Frage:
'Die jugoslawische Regierung hält an der Auffassung fest, dass Dimitroff stets die jugoslawische Position gegen das Kominform eingenommen hat.'
...
Antwort:
'Die Einvernahme Dimitroffs durch die Titoisten stellt eine schamlose Schändung des Angedenkens des großen Verstorbenen dar."
(Wladimir Poptomoff auf der Pressekonferenz vom 12. Dezember 1949, in: 'Der Prozess gegen Traitscho Kostoff und seine Gruppe', aaO., S. 512- 13)

4.5. Der 'Britische Weg zum Sozialismus', 1951

Später, im Jahre 1951, folgte die revisionistische Führung der Kommunistischen Partei Großbritanniens offiziell dem Beispiel Dimitroffs:
"Die Gegner des Kommunismus beschuldigen die Kommunistische Partei darauf hinzuarbeiten, die Sowjetmacht in Großbritannien einzuführen und das Parlament abzuschaffen. Dies ist eine verleumderische Entstellung unserer Politik. Die Erfahrung hat gezeigt, dass unter den gegenwärtigen Umständen der Sozialismus auch auf einem anderen Weg erreicht werden kann. ... Die britischen Kommunisten erklären hiermit, dass das britische Volk den Kapitalismus dadurch in eine echte Volksdemokratie verwandeln kann, dass das Parlament ... in ein demokratisches Instrument des Willens der großen Mehrheit des Volkes umgewandelt wird."
(Kommunistische Partei Großbritanniens: 'Der britische Weg zum Sozialismus', London 1951, S. 14)

4.6. Die Thesen Nikita Chruschtschows, 1956

Im Februar 1956 wurde der 'friedliche, parlamentarische Weg zum Sozialismus' im Namen der Kommunistischen Partei der Sowjetunion durch ihren ersten Sekretär, Nikita Chruschtschow, gebilligt:
"In einer Reihe kapitalistischer Länder ... ist die Arbeiterklasse ... in der Lage, eine stabile Mehrheit im Parlament zu erobern und letzteres vom einem Organ bürgerlicher Demokratie in ein echtes Instrument des Volkswillens zu verwandeln. In so einem Fall könnte diese Einrichtung ... das Organ einer echten Demokratie werden - einer Demokratie für das arbeitende Volk."
(Nikita S. Chruschtschow, Bericht des Zentralkomitees an den 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Februar 1956, London 1956, S. 30)
Trotz ihrer verbalen Kritik am modernen Revisionismus verlieh die Abschlusserklärung des Treffens der Kommunistischen und Arbeiterparteien, das im November 1957 in Moskau abgehalten wurde, folgender revisionistischen Formulierung internationale Anerkennung:
"Heute ... ist die Arbeiterklasse in der Lage, die reaktionären, volksfeindlichen Kräfte zu besiegen, sich eine sichere Mehrheit im Parlament zu sichern, das Parlament von einem Instrument, das den Klasseninteressen der Bourgeoisie dient, in ein Instrument zu verwandeln, das dem arbeitenden Volk dient, einen außerparlamentarischen Massenkampf zu organisieren, den Widerstand der reaktionären Kräfte zu zerschmettern und die notwendigen
Bedingungen für eine friedliche Revolution herzustellen."
(Erklärung des Treffens der Kommunistischen und Arbeiterparteien sozialistischer Länder, 16. November 1957, in: John Gittings, 'Überblick über den chinesisch-sowjetischen Konflikt. Ein Kommentar und Auszüge aus jüngsten Polemiken, 1963-67', London 1968, S. 318)

SCHLUSSFOLGERUNG

Der Reichstagsbrandprozess von 1933 wurde von den Nazis 1933 zusammen mit anderen westeuropäischen Imperialisten inszeniert, um Georgi Dimitroff, einem getarnten Revisionisten mit einer Vorgeschichte als rechtsrevionistischer Versöhnler, das nötige Ansehen zu verschaffen für die Übernahme der Kominternführung, um die Komintern auf den Weg der rechtsrevisionistischen Beschwichtigungspolitik gegenüber Nazideutschland zu führen, um damit den Interessen der westeuropäischen Imperialisten in der neuen internationalen Situation nach dem Naziputsch von 1933 Vorschub zu leisten.

Biografische Anmerkungen


BROWDER, Earl R., US-amerikanischer revisionistischer Politiker, 1891-1973; Generalsekretär der KP der USA, 1930-45; 1946 aus der KP ausgeschlossen.
CHRUSCHTSCHOW, Nikita S., sowjetischer revisionistischer Politiker, 1894-1971; Mitglied des Politbüros der KPdSU, 1939-64; Erster Sekretär der KP der Ukraine, 1944-49; Erster Sekretär der KPdSU, 1953-64, Ministerpräsident der UdSSR, 1958-64.
DENNIS, Eugene, US-amerikanischer revisionistischer Politiker, 1904-61; Generalsekretär der KP der USA, 1946-59; Präsident der KP der USA, 1959-61.
DIMITROFF, Georgi M., bulgarischer revisionistischer Politiker, 1882-1949; Leiter des westeuropäischen Büros der Komintern, 1929-33; Angeklagter im Reichstagsbrandprozess, 1933-34; Generalsekretär der Komintern, 1935-43; 1945 zurück nach Bulgarien, Ministerpräsident Bulgariens, 1945-49.
DUCLOS, Jacques, französischer revisionistischer Politiker, 1896-1975; Sekretär der Französischen Kommunistischen Partei, 1931-64; Vizepräsident der Generalversammlung, 1936-40; Senator, 1959-79.
EINSTEIN, Albert, deutschstämmiger Physiker, 1879-1955, veröffentlichte Relativitätstheorien 1905 und 1916; Direktor am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik, Berlin 1914-33; Nobelpreis für Physik 1922; Emigration in die USA 1933; Mitglied am Forschungsinstitut der Princeton-Universität, 1933-45; US-Staatsbürgerschaft 1940; Professor für Physik an der Princeton-Universität, 1940-55.
ERNST, Karl, faschistischer deutscher SA-Führer in Berlin und Brandenburg, 1931-34; von Hitlerfaschisten bei Säuberung 1934 umgebracht.
FISCHER, Ruth, deutsche revisionistische Politikerin, 1895-1961; Vorsitzende der KPD 1924-25; 1926 aus der KPD ausgeschlossen, 1933 nach Frankeich, Mitglied im Internationalen Sekretariat des Kommunistischen Bundes (trotzkistisch), 1935-36; 1941 in die USA.
FOSTER, William Z., US-amerikanischer revisionistischer Politiker, 1881-1961; Mitglied im EKKI-Präsidium, 1931-43; Nationaler Vorsitzender der KP der USA, 1932-57; Präsident der USA, 1957-61.
GISEVIUS, Hans B., 1904-74; faschistischer deutscher Diplomat; Vizekonsul in Zürich, 1940-44; Zeuge im Kriegsverbrecherprozess 1946.
GOEBBELS, 1897-1945; faschistischer deutscher Politiker; Propagandaminister, 1933-45; Selbstmord, 1945.
GÖRING, Hermann W., 1893-1946; faschistischer deutscher Politiker; Reichstagspräsident, 1932-45; Preußischer Ministerpräsident; Innenminister und Luftfahrtminister, 1933-45; Oberkommandierender der Luftwaffe, 1933-45; Feldmarschall, 1938; Reichsmarschall, 1940; Angeklagter im Kriegsverbrecherprozess, 1946; Selbstmord, 1946.
HALDER, Franz, 1884-1972; deutscher Wehrmachtsoffizier; Generalstabschef, 1939-42.
HINDENBURG, Paul von, 1847-1934; deutscher Militärführer; General, 1903; Feldmarschall, 1914; Generalstabschef, 1916-19; Rückzug aus der Reichswehr, 1919; Reichspräsident 1925-34.
HITLER, Adolf, 1889-1945; faschistischer deutscher Politiker; Reichskanzler, 1933-34; Reichsführer, 1934-45; Selbstmord, 1945.
KING, Harold, 1898-1990; deutschstämmiger britischer Journalist; Mitglied der Leitung der Presseagentur Reuters; Paris, 1958-67.
KOCH, Stephen, 1941- ; US-amerikanischer Lehrer und Schriftsteller; Columbia-Universität, New York, 1977- .
KOSTOFF, Traitscho, 1897-1949; bulgarischer revisionistischer Politiker; Generalsekretär der Bulgarischen Kommunistischen Partei, 1944-45; Stellvertretender Ministerpräsident Bulgariens, 1946; verhaftet und des Landesverrats für schuldig befunden, 1949; hingerichtet, 1949.
LUBBE, Marinus van der, 1910-34; Sündenbock im Reichstagsbrandprozess, 1933; wegen Landesverrats 1933 verurteilt und 1934 hingerichtet.
MAO TSE-TUNG, 1893-1976; chinesischer revisionistischer Politiker; Vorsitzender der Chinesischen Sowjetrepublik Kiangsi, 1931-34; Vorsitzender der Chinesischen Kommunistischen Partei, 1935-76; Präsident Chinas, 1949-59; startete die reaktionäre 'Große Proletarische Kulturrevolution', 1966-69.
MÜNZENBERG, Willi, 1899-1940; Leiter der Kommunistischen Jugendinternationale, 1919-21; gründete die 'Internationale Arbeiterhilfe', 1921; gründete die 'Liga gegen den Imperialismus', 1927; 1933 nach Frankreich; entwickelte sich zum Antikommunisten; 1937 aus der KPD ausgeschlossen; 1940 in Frankreich ermordet.
POLLIT, Harry, 1890-1960; Leiter der Bewegung 'Hände weg von Russland', 1919; Vorsitzender der 'Bewegung für Nationale Minderheiten', 1924-29; Generalsekretär der Kommunistischen Partei Großbritanniens, 1929-39 und 1941-56; Vorsitzender der CPGB, 1956-60.
PONOMARJEW, Boris, 1905 - ; revisionistischer sowjetischer Politiker; Leiter des Staatlichen Informationsbüros, 1946-49; Stellvertretender Direktor des Marx-Engels-Lenin-Instituts, 1943-44; Sekretär des ZK der KPdSU, 1961-86.
POPOW, Blagoj, 1902 - ; revisionistischer bulgarischer Politiker; Angeklagter im Reichstagsbrandprozess, 1933; 1934 nach Moskau; verhaftet und wegen Landesverrats 1937 verurteilt, bis 1954 in Haft; 1954 nach Bulgarien, dort Beamter im Außenministerium bis 1967.
POPTOMOFF, Wladimir, 1890-1952; revisionistischer bulgarischer Politiker; bulgarischer Außenminister, 1949-50; Stellvertretender Ministerpräsident, 1950-52.
PRITT, Denis N., 1887-1972; britischer Anwalt und Autor; Vorsitzender der Untersuchungskommission für den Reichstagsbrand, 1933; Führungsmitglied der britischen Labour Partei, 1936-37; Juraprofessor an der Universität von Ghana, 1965-66.
REED, Douglas, 1895-1976; britischer Journalist; 'Times'-Reporter, 1926-29; Korrespondent der 'Times' in Berlin, 1929-35; freier Schriftsteller bis 1973.
SCHDANOW, Andrej A., 1896-1948; marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker; Sekretär der KPdSU in Leningrad, 1934-44; Mitglied des Politbüros der KPdSU, 1935-48, Generalleutnant, 1943, von Revisionisten 1948 ermordet.
TANEW, Wasil, 1897-1941; Angeklagter im Reichstagsbrandprozess, 1933; 1934 nach Moskau; veröffentlichte 1935 und 1936 'Selbstkritik'.
THÄLMANN, Ernst, 1886-1944; marxistisch-leninistischer deutscher Politiker; Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands, 1925-33; von Nazis im März 1933 verhaftet; 1944 im Konzentrationslager Buchenwald von Nazis auf Geheiß Hitlers ermordet.
'TITO', Josip Broz, 1892-1980; revisionistischer jugoslawischer Politiker; Organisationssekretär der Jugoslawischen KP, 1936-37; Generalsekretär der KPJ, 1937- 1948; 1943 Marschall; Generalsekretär des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, 1948-80; Ministerpräsident und Verteidigungsminister 1945-53.
TOGLIATTI, Palmiro, 1893-1954; revisionistischer italienischer Politiker; Mitglied des EKKI-Präsidiums der Komintern, 1924-43; Generalsekretär der Italienischen Kommunistischen Partei, 1927-64; 1944 nach Italien; 1945-47 Stellvertretender Ministerpräsident Italiens.
TORGLER, Ernst, 1893-1954; revisionistischer deutscher Politiker; seit 1924 Mitglied des Reichstags; 1928-33 Vorsitzender der KPD-Reichstagsfraktion,; 1933 von den Nazis verhaftet; Angeklagter im Reichstagsbrandprozess; trotz Freispruchs bis 1936 im KZ in 'Schutzhaft'; 1935 aus der KPD ausgeschlossen; 1949 Mitglied der SPD.

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'Keesings Archiv für Zeitgeschichte'
'New York Times'
'News Chronicle'

W. B. Bland

'Dimitroff - Antwort an einen Leser'

Aus: COMpass, Juni 1995, Nr. 117

Einleitung

Wir danken für deinen kritischen Brief zu unseren Artikeln, die sich mit Dimitroff befassen.
Ohne unhöflich sein zu wollen, sind wir nicht ganz der Meinung, dass du vollkommen aufrichtig bist, wenn du bemerkst, dass du mit deinem Brief nur eine 'Klarstellung' unserer Position bezweckst. Du bringst - und dies ist dein gutes Recht - deine grundsätzliche Gegnerschaft gegenüber unserer Charakterisierung von Dimitroff als 'einen Wegbereiter des Revisionismus' zum Ausdruck.
Unter den gegenwärtigen Bedingungen, da keine marxistisch-leninistische Internationale existiert, muss jede Organisation oder Partei, die sich den Marxismus-Leninismus angeignet will, notwendigerweise ihre eigene Analyse der Welt vornehmen und ihre eigene Politik auf dieser Grundlage formulieren. Sie muss dann jede Kritik, die an ihrer Analyse geübt wird, mit Aufgeschlossenheit aufnehmen und ihre Analyse selbstkritisch dort korrigieren, wo dies angebracht erscheint.
In diesem Sinne haben wir unsere These, dass Dimitroffs politische Prinzipien, insbesondere jene, die auf dem 7. Weltkongress der Komintern 1935 angenommen wurden,
" ... nicht mit den Prinzipien, die von Marx, Engels, Lenin und Stalin verteidigt wurden, übereinzustimmen scheinen",
(Dein Brief, S. 3).
sorgfältig überprüft und unsere wohlerwogene, gemeinsame Antwort folgt.

Revisionistisches Lob für Dimitroff

Der erste Punkt, an dem die These, dass Dimitroff ein Marxist-Leninist war, in Zweifel gezogen werden muss, besteht in der Tatsache, dass die Revisionisten, während sie Stalin verunglimpfen, Dimitroff mit Lob überschütten. Zum Beispiel sagte der sowjetische Revisionist Boris Ponomarenkow auf einer internationalen Konferenz in Sofia 1972 zum Angedenken an Dimitroffs 90. Geburtstag Folgendes:
"Dimitroffs Erbe auf dem Gebiet der Theorie und Praxis des Marxismus-Leninismus hat diesen Test bestanden und seine Aktualität bis auf den heutigen Tag bewahrt."
(Boris Ponomarenkow, 'Georgi Dimitroffs ideologisches Erbe und seine Aktualität', in: 'Georgi Dimitroff und der Zusammenschluss der revolutionären und demokratischen Kräfte für Frieden, Demokratie und Sozialismus', Sofia 1974, S. 46).

... und in Titos Grußbotschaft heißt es:

"Georgi Dimitroff zählte zu den Revolutionären, die die Lehren von Marx, Engels und Lenin schöpferisch unter Berücksichtigung der besonderen Erfordernisse eines jeden Landes anwandten."
(Josip Broz Tito, 'Seine Gedanken und Ideale sind heute noch lebendig und von aktueller Bedeutung', in: ebenda, S. 126f.).

Mit anderen Worten: Die gleichen Revisionisten, die Stalin als 'einen Massenmörder' bezeichnen, preisen Dimitroff als 'einen großen Marxisten-Leninisten'. Mehr noch: Wie der albanische Historiker Shyqri Ballvora betont, bejubeln sie den 7. Weltkongress der Komintern, weil er einen Wechsel der Kominternstrategie in Richtung derjenigen Formulierungen darstellte, die später vom 20. Parteitag der KPdSU unter Chruschtschow angenommen wurden, weil er
" ... eine neue Strategie der internationalen kommunistischen Bewegung verkündete. Ihnen zufolge wurde diese neue Strategie später auf dem 20. Parteitag der sowjetischen revisionistischen Partei detaillierter ausgearbeitet."
(Shyqri Ballvora, 'Die historische Bedeutung der 3. Kommunistischen Internationale und die Entlarvung der revisionistischen Entstellungen ihrer Rolle und ihres Platzes in der Geschichte', in: 'Sozialpolitische Studien', Band 1, 1984, S. 149).

Ballvora ist der Ansicht, dass die Revisionisten mit ihrer Analyse Unrecht haben und dass die Beschlüsse des 7. Weltkongresses der Komintern sich vollständig im Einklang mit den Prinzipien des Marxismus-Leninismus befanden:
"Der 7. Weltkongress der Komintern stellte in keiner Weise den leninistischen Gedanken von der führenden Rolle des Proletariats und seiner kommunistischen, marxistisch-leninistischen revolutionären Partei in der Revolution und beim sozialistischen Aufbau in Frage. Im Gegenteil: Er betonte energisch, dass der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und die Errichtung der Diktatur des Proletariats auf keinen Fall ... ohne ... eine gewaltsame proletarische Revolution erfolgen kann."
(Shyqri Ballvora, ebenda, S. 138).

Aber, wenn dem so ist, weshalb sollten dann die Revisionisten behaupten, dass die Linie des 7. Weltkongresses der Komintern einen Wechsel in ihrer Strategie in Richtung derjenigen Formulierungen darstellte, die später vom 20. Parteitag der KPdSU unter Chruschtschow angenommen wurden?
Es ist also ganz eindeutig erforderlich, die Formulierungen des 7. Weltkongresses der Komintern eingehender zu untersuchen als Bellvora dies in seinem oben zitierten Absatz getan hat.

Einheitsfront und Volksfront

'COMpass' hat stets die leninsche Taktik unterstützt, Anstrengungen zu unternehmen, um die Bildung von Einheitsfronten der Arbeiterklasse für spezifische fortschrittliche Ziele zu bilden.
Die 'Volksfront' ... ist etwas anderes, da sie darauf abzielt, Teile der kapitalistischen Klasse und ihrer politischen Parteien in die Front miteinzubeziehen, so dass Dimitroff die Einbeziehung der Französischen Radikalen Partei in die Französische Volksfront begrüßt:

"Die praktische Umsetzung dieser Politik in Frankreich ... hat reichlich Zeugnis für die tatsächlichen Chancen der Volksfront abgelegt."
(Georgi Dimitroff, 'Die Volksfront gegen Faschismus und Krieg', November 1936, hiernach zitiert als 'Georgi Dimitroff, 1936', in: 'Ausgewählte Werke', Band 2, Sofia 1972, S. 146).

... die er als bürgerliche Partei charakterisiert:

"Die Mehrheit dieser Parteien und Organisationen politischer und ökonomischer Art, befinden sich immer noch unter dem Einfluss der Bourgeoisie. ... Dies ist zum Beispiel heute in Frankreich mit der Radikalen Partei der Fall."
(Georgi Dimitroff, Bericht an den 7. Weltkongress der Komintern, August 1935, hiernach zitiert als 'Georgi Dimitroff, 1935', in: 'Ausgewählte Werke', Band 2, Sofia 1972, S. 36).

Obwohl die Volksfront eine Front ist, die Vertreter der Bourgeoisie miteinbezieht, be-hauptet Dimitroff, dass dies keine Klassenzusammenarbeit im eigentlichen Sinne des Wortes bedeute. Er behauptet, dass es pseudolinke Elemente sind, die
" ... unrichtigerweise die Politik der Volksfront mit der Politik der Klassenzusammenarbeit mit der Bourgeoisie gleichsetzen."
('Georgi Dimitroff, 1936', ebenda, S. 149).

Was ist jedoch 'Klassenzusammenarbeit'? Sie wird definiert als

" ... die 'Theorie' und Praxis des Reformismus, die auf die Unterordnung unter die kapitalistische Klasse hinausläuft; als die Politik, die darauf abzielt, die Interessen der Kapitalisten und die der Arbeiter, welche antagonistisch und unversöhnbar sind, zu harmonisieren oder miteinander zu versöhnen."
(L. Harry Gould, 'Marxistisches Erklärungswörterbuch', San Franzisco 1946, S. 21).

Mit anderen Worten: Dimitroff behauptet, dass die vereinigte Front gegen den Faschismus ein Beispiel für den Ausnahmefall darstellt, wo die Arbeiterklasse und die kapitalistische Klasse gemeinsame Interessen haben:
"Unter bestimmten Umständen darf die Arbeiterklasse eine Zeitlang mit den Kapitalisten zusammenarbeiten, wenn die Interessen beider zeitweilig übereinstimmen, z.B. während des Volkskriegs gegen den Faschismus oder bei nationalen Befreiungskriegen in den Kolonien gegen die Imperialisten."
(L. Harry Gould, ebenda).

Dimitroffs Definition des Faschismus

Im Dezember 1922, als Lenin noch politisch aktiv war, definierte der 4. Kongress der Komintern den Faschismus als die Errichtung einer offen terroristischen Diktatur durch die Bourgeoisie unter Bedingungen, wo es für sie unmöglich geworden ist, erfolgreich über den Mechanismus der 'parlamentarischen Demokratie' ihre Herrschaft auszuüben:

"INTERNATIONALER FASCHISMUS. ...
Deshalb greift die Bourgeoisie ... überall ... auf die Schaffung spezieller weißer Einheiten zurück, um sie in erster Linie gegen alle revolutionären Bestrebungen des Proletariats und in wachsendem Maße zur brutalen Vereitelung eines jeden Versuchs seitens der Arbeiter, ihre Lage zu verbessern, einzusetzen. Das typische Merkmal des italienischen Faschismus - des 'klassischen' Faschismus, der zur Zeit im ganzen Land gesiegt hat - besteht darin, dass die Faschisten nicht nur ausgesprochen konterrevolutionäre Kampfeinheiten, die bis an die Zähne bewaffnet sind, bilden, sondern auch den Versuch unternehmen, durch soziale Demagogie sich eine Massenbasis, in der Bauernschaft, im Kleinbürgertum und sogar in einigen Teilen der Arbeiterklasse zu verschaffen, wobei sie geschickt die unausbleibliche Enttäuschung über die sogenannte Demokratie für ihre eigenen reaktionären Zwecke ausnutzen. Zur Zeit besteht in vielen Ländern wie zum Beispiel in der Tschechoslowakei, in Ungarn, in praktisch allen Balkanstaaten, in Polen ... eine faschistische Gefahr."
(Thesen zur Taktik, 4. Weltkongress der Komintern, Dezember 1922, in: Jane Degras, Hrsg., 'Die Kommunistische Internationale, 1919-1943: Dokumente', Band 1, London 1971, S. 421).

Auf dem 7. Weltkongress 1935 übernahm Dimitroff jedoch die Faschismusdefinition, die auf dem 13. Plenum des EKKI im Dezember 1933 gebilligt wurde:
"Der Faschismus an der Macht wurde zutreffend vom 13. Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale als die offen terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen und am meisten imperialistischen Teile des Finanzkapitals definiert."
(Georgi Dimitroff, 1935, ebenda, S. 8).

Auf den ersten Blick fällt auf, dass diese Definition sich radikal von der Definition der Komintern von 1922 in der Weise unterscheidet, dass sie die Errichtung des Faschismus nun nicht mehr der kapitalistischen Klasse zuschreibt, sondern dem Finanzkapital.

Hinzukommt, dass diese Definition die Errichtung des Faschismus nicht dem Finanzkapital überhaupt zuschreibt, sondern nur bestimmten Teilen desselben, nämlich den am 'meisten reaktionären', am 'meisten chauvinistischen' und den am 'meisten imperialistischen' Teilen des Finanzkapitals.
Aber dies beinhaltet eine klare Abweichung von Lenins klassischer Definition des Imperialismus als dem 'monopolkapitalistischen Stadium des Kapitals':
"Der Imperialismus ist das monopolkapitalistische Stadium des Kapitalismus. ... Der Imperialismus ist die Epoche des Finanzkapitals und der Monopole."
(Wladimir I. Lenin, 'Der Imperialismus - das höchste Stadium des Kapitalismus', Januar-Juli 1916, hiernach zitiert als 'Wladimir I. Lenin, 1916', in: 'Ausgewählte Werke', Band 5, London 1935, S. 80f, S. 111).
Und wenn es 'am meisten imperialistische' Teile des Finanzkapitals gibt, dann folgt daraus, dass es auch am 'wenigsten imperialistische' Teile geben muss. Mit anderen Worten, Dimitroff stimmt mit dem Pionier des Revisionismus Karl Kautsky überein, der den Imperialismus nicht als das monopolkapitalistische Stadium des Kapitalismus ansieht, sondern als eine Politik:

"Kautsky ... griff entschieden die grundlegenden Gedanken an, die in unserer Definition des Imperialismus zum Ausdruck kommen. Kautsky meinte, dass der Imperialismus nicht als 'Phase' oder als ein wirtschaftliches Stadium angesehen werden kann, sondern als eine Politik - eine bestimmte Politik, die vom Finanzkapital 'bevorzugt' wird. ... . Kautskys Definition ist nicht nur falsch, sondern auch unmarxistisch. Sie dient als Grundlage für ein ganzes System von Ansichten, die der marxistischen Theorie und Praxis auf der ganzen Linie zuwiderlaufen."
('Wladimir I. Lenin, 1916', ebenda, SS. 82, 94).

Dimitroffs unmarxistische Definition des Imperialismus und Faschismus 'dient gleichermaßen als Grundlage für ein ganzes System von Ansichten, die der marxistischen Theorie und Praxis auf der ganzen Linie zuwiderlaufen.' Denn wenn es stimmt, dass der Faschismus die Diktatur der 'am meisten reaktionären', 'am meisten chauvinistischen' und 'am meisten imperialistischen' Teile des Finanzkapitals ist, dann muss es 'weniger reaktionäre', 'weniger chauvinistische' und 'weniger imperialistische' Teile innerhalb des Finanzkapitals geben, die keine profaschistische Politik verfolgen und deshalb für eine Volksfront gegen den Faschismus gewonnen werden können.
Der 4. Weltkongress der Komintern entwickelte in richtiger Weise 1922 für kolonialartige Länder die Parole von einer anti-imperialistischen Einheitsfront, einschließlich der nationalen Bourgeoisie:
"Zuerst sind die einheimische Bourgeoisie und die Intelligenz die Vorreiter der revolutionären Bewegungen in den Kolonien. ... Unter den Bedingungen, die im Westen vorherrschen, (d.h. in nichtkolonialen Ländern - Hrsg.) ... wird die Parole von der proletarischen Einheitsfront in den Vordergrund gestellt, im kolonialen Osten jedoch ist es die Parole von der antiimperialistischen Einheitsfront, die zur Zeit betont werden muss."
(Thesen zur Frage des Ostens, 4. Weltkongress der Komintern, November 1922, in: Jane Degras, Hrsg., ebenda, SS. 388, 390).
Auf der Grundlage von Dimitroffs falscher und antimarxistischer Definition des Faschismus übernahm der 7. Weltkongress der Komintern den Gedanken von der antiimperialistischen Einheitsfront des Kongresses von 1922, der auf kolonialartige Länder zutraf, und wendete ihn in unrichtiger Weise auf die imperialistischen Länder an.

Die Bildung einer Regierung der Einheitsfront bzw. der Volksfront

Dimitroffs Thesen unterstützen die Bildung einer Regierung der Einheits- bzw. der Volksfront:
"Es kann sich eine Situation ergeben, in der die Bildung einer Regierung der proletarischen Einheitsfront oder einer der antifaschistischen Volksfront nicht nur möglich, sondern notwendig wird."
('Georgi Dimitroff, 1935', ebenda, S. 63).

Dimitroff sagt nicht klar, wie und auf welche Weise eine solche Regierung zustande kommen könnte. Er stellt jedoch klar, dass er von einer Regierung spricht, die vor dem Sieg einer sozialistischen Revolution gebildet wird:
"Ich spreche hier nicht von einer Regierung, die nach dem Sieg der proletarischen Revolution gebildet werden würde."
('Georgi Dimitroff, 1935', ebenda, S. 63).
... das heißt, er spricht von einer Regierung, die auf parlamentarischem Wege wie in Frankreich zum Beispiel gebildet wurde:
"Die Politik der Volksfront ... fand unter den arbeitenden Menschen aller Länder ein starkes Echo. Die praktische Durchführung dieser Politik in Frankreich ... hat reichlich Zeugnis von den realen Möglichkeiten der Volksfront abgelegt."
('Georgi Dimitroff, 1936', ebenda, S. 146).

Aber obwohl eine solche Regierung ohne das Stattfinden einer sozialistischen Revolution auf parlamentarischem Wege zustandekommt, soll sie in der Lage sein, ein Programm revolutionärer Forderungen auszuführen, d.h. ein Programm zu verwirklichen, das die Macht des kapitalistischen Staates auf einschneidende Weise zurückdrängen kann:
"Eine Regierung der Volksfront ... sollte bestimmte und grundlegende revolutionäre Forderungen verwirklichen. ... Zum Beispiel die Kontrolle über die Produktion, die Kontrolle über die Banken durchführen, die Polizeikräfte auflösen und sie durch eine bewaffnete Arbeitermiliz ersetzen usw."
('Georgi Dimitroff, 1935', ebenda, S. 68).

Es ist zutreffend, was Ballvera sagt, dass Dimitroff zu dieser Zeit noch nicht vollständig das marxistisch-leninistische Prinzip aufgibt,
"... dass der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus auf keinen Fall ... ohne ...gewaltsame proletarische Revolution und ohne die Errichtung einer Diktatur des Proletariats stattfinden kann."
(Shyqri Ballvora, ebenda, S. 138).
In den 30iger Jahren, als die Komintern noch funktionierte und Stalin noch eine einflussreiche Position innerhalb der KPdSU besaß, war es nicht möglich innerhalb der Grenzen der Sowjetunion eine politische Orientierung vorzuschlagen, die in offenem Widerspruch zu jenem Prinzip stand. Deshalb heißt es auch in Dimitroffs Formulierung aus dem Jahre 1935, dass
"Diese Regierung die endgültige Lösung nicht sein kann. ... Es ist notwendig, sich auf die sozialistische Revolution vorzubereiten."
('Georgi Dimitroff, 1935', ebenda, S. 69).

Niemand auf dem Kongress schien sich die Frage gestellt zu haben, weshalb, wenn eine Volksfrontregierung bereits 'grundlegende revolutionäre Forderungen' durchgeführt hat, die den Charakter des kapitalistischen Staates verändert haben, eine sozialistische Revolution noch nötig sein sollte!

Die Dezentralisierung der Komintern 1935

Lenin bestand darauf, dass die Komintern eine hoch zentralisierte Organisation zu sein hatte:
"Sämtliche Entscheidungen der Kongresse der Kommunistischen Internationale und ihres Exekutivkomitees sind für alle angeschlossenen Parteien verbindlich. ... Die Kommunistische Internationale muss sehr viel zentralisierter sein als es die Zweite Internationale war."
(Wladimir I. Lenin, 'Die Zulassungsbedingungen zur Kommunistischen Internationale', Juli 1920, in: 'Sämtliche Werke', Band 31, Moskau 1974, S. 211).

Tatsächlich war eine zentralisierte Komintern immer noch ein wesentliches Hindernis für die Übernahme offen revisionistischer Ideen, da einzelne Parteien ihnen gegenüber Einwände vorbringen konnten.
Folglich begann die revisionistische Führung der Komintern unmittelbar nach Beendigung des 7. Weltkongresses damit, Schritte zur Dezentralisierung der Organisation einzuleiten, wodurch einzelnen Parteien in tagespolitischen Fragen freie Hand gelassen wurde:
"Im September 1935 fasste das Sekretariat des EKKI einen Beschluss zur Umstrukturierung des EKKI-Apparats. Dieser wurde auf den Sitzungen des EKKI-Präsidiums im Oktober gebilligt. Die Parteien erhielten in tagespolitischen Angelegenheiten freie Hand. Angesichts dieser Tatsache wurden die Regionalsekretäre, die vorher noch in gewissem Umfang eine Anleitungsfunktion besaßen, entlassen. Das Gremium autorisierter EKKI-Vertreter, das den Parteien angeschlossen war, wurde ebenfalls aufgelöst. ...Initiative und Eigenständigkeit auf Seiten jeder einzelnen Partei erhielten einen immer größeren Stellenwert."
(Institut des Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, 'Historischer Abriss der Kommunistischen Internationale', Moskau 1971, S. 403f.).

Dimitroffs Konzeption eines 'Übergangsstaates', 1936

Lenin hatte 1919 den Gedanken, dass es die Form eines Übergangsstaates zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der des Proletariats geben könne, als 'einen reaktionären, kleinbürgerlichen Traum' zurückgewiesen:
"Es kann keine Alternative zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der Diktatur des Proletariats geben. Träume von irgendeinem dritten Weg sind reaktionäre, kleinbürgerliche Wehklagen."
(Wladimir I. Lenin, 'Thesen und Bericht zur bürgerlichen Demokratie und zur Diktatur des Proletariats', März 1919, in: 'Gesammelte Werke', Band 28, Moskau 1974, S. 463f.).

Auf dem 7. Weltkongress der Komintern im August 1935 hatte sich Dimitroff dieser Auffassung angeschlossen und den Gedanken, dass es irgendeinen Zwischenstaat zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der des Proletariats geben könne, als 'Rechtsopportunismus' zurückgewiesen:
"Die rechten Opportunisten ... versuchten, ein besonderes demokratisches Zwischenstadium einzuführen, das zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der des Proletariats liegen sollte, um den Arbeitern die Illusion eines friedlichen, parlamentarischen Übergangs von einer Diktatur zur anderen einzuflößen."
('Georgi Dimitroff, 1935', ebenda, S. 68).

Im September 1936 jedoch hatte Dimitroff diese Position bereits zurückgenommen und präsentierte mit dem Staat einer Volksfrontregierung genau einen solchen 'Übergangsstaat':
"Indem er die alten Richtlinien, wonach ein Staat im Wesentlichen entweder ein kapitalistischer oder ein sozialistischer sei, in Frage stellte, vertrat Dimitroff die Auffassung, dass jetzt ein demokratischer Staat entstehe, in dem 'die Volksfront von entscheidender Bedeutung' sei."
(Institut für Marxismus-Leninismus, ebenda, S. 417, zitiert nach: Zentrale Parteiarchive, 495/18/1135/417).

Der Charakter des Zweiten Weltkrieges an seinem Beginn, 1939

Obwohl der 2. Weltkrieg im September 1939 ausbrach, brauchte die Komintern zwei Monate, um eine Analyse des Charakters des Krieges zu veröffentlichen. Diese Analyse erschien im November 1939 und war von Dimitroff unterschrieben worden, der den Krieg als einen ungerechten imperialistischen Krieg auf beiden Seiten charakterisierte, in dem jedoch Großbritannien und Frankreich die hauptsächlichen Kriegstreiber seien:
"Der zweite imperialistische Krieg ... hat sich jetzt zu einem Krieg zwischen den größten kapitalistischen Staaten entwickelt. ... Der gegenwärtige Krieg ist auf Seiten beider Kriegsparteien ein imperialistischer, ungerechter Krieg. ... Es sind die britischen und französischen Imperialisten, die jetzt als die eifrigsten Verfechter einer Weiterführung und einer weiteren Anstachelung des Krieges in Erscheinung treten."
(Georgi Dimitroff, 'Die Aufgaben der Arbeiterklasse im Krieg', November 1939, hiernach zitiert als 'Georgi Dimitroff, 1939', in: Jane Degras, Hrsg., 'Die Kommunistische Internationale, 1919-1943: Dokumente', Band 3, London 1965, SS. 449,451).

Die Bildung des KI-'Triumvirates', 1941

Am Tage des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, am 22. Juni 1941, reorganisierten die Führer der Komintern das EKKI dergestalt, dass sie die geschäftsführenden Aufgaben des EKKI in die Hände eines Triumvirates führender Revisionisten, bestehend aus Georgi Dimitroff, Dimitri Manuilski und Palmiro Togliatti, legten:
"Am 22. Juni (1941-Verf.) ...fand eine Sitzung des Sekretariats des EKKI statt. Der Beschluss des Sekretariats sah eine dringende Reorganisierung der gesamten Arbeit des EKKI-Apparates vor. Es wurde eine Gruppe aus Dimitroff, Manuilski und Togliatti für die Erledigung sämtlicher ständig anfallender Arbeiten des EKKI gebildet."
(Institut des Marxismus-Leninismus, ebenda, S. 479, zitiert nach: Zentrales Parteiarchiv: 495/128/1335/1-3).

Die Auflösung der Komintern, 1943

Im Juni 1943 wurde die Komintern aufgelöst, woraufhin der offene Revisionismus in der internationalen kommunistischen Bewegung unübersehbar in Erscheinung trat.

Browder und Dimitroff

Im Jahre 1944 setzte sich der Führer der Kommunistischen Partei der USA Earl Browder für die Annahme eines durch und durch revisionistischen Programms durch die Partei ein. Er stellte die Vereinbarung zwischen der Sowjetunion und den westlichen imperialistischen Mächte in Teheran als ein Zeichen dafür hin, dass die Klassengegensätze weitgehend aufgehoben seien, so dass der amerikanische Imperialismus sich auf friedliche Weise durch eine Klassenzusammenarbeit über die Einrichtung der 'amerikanischen Demokratie' in den Sozialismus verwandeln könne.
William Foster, der sich Browders Teheran-Thesen widersetzte, schrieb an Dimitroff und bat um seine Unterstützung gegen Browder. Dimitroff jedoch schrieb zurück und unterstützte in seinem Schreiben Browder:
"Dimitroff ließ über Browder eine Botschaft an Foster übermitteln, in der er ihn dringend aufforderte, seinen Widerstand aufzugeben. Dimitroffs Antwort war ein schwerer Schlag für Foster, der Browders Teheran-Thesen über ein Jahr lang nicht mehr attackierte."
(Philip J. Jaffe, 'Aufstieg und Fall von Earl Browder', in: 'Survey' - 'Überblick' - Band 18, Nr. 2, Frühjahr 1972, S. 47f.).

Dimitroff und der friedliche Weg zum Sozialismus, 1946

Im März 1946 unterstützte Dimitroff öffentlich den Gedanken eines friedlichen Übergangs zum Sozialismus und behauptete, dass
" ... unter gewissen Bedingungen der Sozialismus ohne einen Aufstand errungen werden kann. Diese Bedingungen existieren jetzt."
(Georgi Dimitroff, 'Der Bund der Jungarbeiter muss zu einer Schule des Sozialismus werden', März 1946, in: 'Ausgewählte Werke', Band 2, Sofia 1972, S. 342).
Der Herausgeber von Dimitroffs 'Ausgewählten Werken' Spass Roussinow erklärt diesen Richtungswandel durch 'veränderte Bedingungen':
"Indem er die Frage der Wege des Übergangs zur proletarischen Diktatur bis 1944 in der einen und danach in der anderen Weise stellt, geht Georgi Dimitroff von den konkreten Bedingungen seiner Epoche aus. ... Dies sind zwei Thesen für zwei verschiedene Perioden."
(Spass Roussinow, Einführung zu: Georgi Dimitroff, 'Ausgewählte Werke', Band 1, Sofia 1972, S. XX).

Dimitroff und die Unvermeidlichkeit von Kriegen im Imperialismus, 1948

Im November 1939 befürwortete Dimitroff die marxistisch-leninistische These, dass Kriege im Imperialismus unvermeidlich sind:
"Kriege sind die unvermeidliche Begleiterscheinung des Imperialismus."
('Georgi Dimitroff, 1939', ebenda, S. 449).
Im April 1948 jedoch vertrat Dimitroff den Gedanken, dass als Ergebnis einer neuen intternationalen Situation,
" ... ein neuer Weltkrieg heute weder unvermeidlich ist noch bevorsteht."
(Georgi Dimitroff, 'Ein neuer Weltkrieg ist heute weder unvermeidlich noch steht er bevor', April 1948, in: 'Ausgewählte Werke', Band 3, Sofia 1972, S. 227).

Im Februar 1952 wies Stalin diesen revisionistischen Gedanken Dimitroffs zurück und unterstrich, dass Kriege im Imperialismus unvermeidlich bleiben:
"Einige Genossen behaupten, dass wegen der Entstehung neuer internationaler Bedingungen seit dem Zweiten Weltkrieg Kriege zwischen kapitalistischen Ländern nicht mehr unvermeidlich seien. ... Diese Genossen irren sich. ... Um die Unvermeidlichkeit von Kriegen auszuschalten, ist es notwendig, den Imperialismus abzuschaffen."
(Josef W. Stalin, 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR', Februar 1952, in: 'Werke', Band 16, London 1986, SS. 327, 332).

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass entgegen der Mythologie, die der internationale Revisionismus um ihn herum aufgebaut hat, unwiderlegbare Fakten belegen, dass Dimitroff
ein Wegbereiter des Revisionismus war.

Hoxha und Dimitroff

Du weist darauf hin, dass der albanische Führer Enver Hoxha bei verschiedenen Gelegenheiten Dimitroff als eine 'heroische marxistisch-leninistische Gestalt' bezeichnete.
Nun ist es zweifellos wahr, dass Hoxha ein standhafter Marxist-Leninist war und wir erst dann von seiner Einschätzung Dimitroffs abgingen, nachdem wir ausgiebig die Fakten wieder und wieder geprüft hatten, die uns, ohne Zweifel zu hinterlassen, davon überzeugten, dass diese Einschätzung nicht mit jenen Fakten in Übereinstimmung gebracht werden konnte.
Man muss sich auch vergegenwärtigen, dass in einer marxistisch-leninistischen Partei der demokratische Zentralismus wirkt, so dass es nicht immer möglich ist zu wissen, ob ein einzelnes Mitglied einer solchen Partei - selbst wenn es sich um ein führendes handelt - mit der Orientierung der Partei übereinstimmt oder nicht.
Es muss daran erinnert werden, dass es sowohl in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion als auch in der Partei der Arbeit Albaniens zahlreiche heimliche Revisionisten in einflussreichen Positionen gab, so dass sowohl Stalin als auch Hoxha sich in bestimmten Fragen in der Minderheit befanden.
Auf jeden Fall ist es immer gefährlich für eine marxistisch-leninistische Organisation oder Partei, ungefragt die Linie irgendeiner anderen Organisation oder Partei zu akzeptieren. Dies wird veranschaulicht durch das Ausmaß des Einflusses, den die sowjetischen Revisionisten in der internationalen kommunistischen Bewegung, nachdem sie sich die Kontrolle der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gesichert hatten, ausüben konnten. Wenn die Orientierung einer Partei oder Organisation richtig ist, dann wird sie jeder Überprüfung standhalten; wenn sie einer solchen Überprüfung nicht standhält, dann sollte sie und muss sie geändert werden.
Es scheint, dass du davon ausgehst, dass nur weil die PAA Dimitroff als einen Marxisten-Leninisten betrachtete, die CL (Kommunistischer Bund Großbritanniens - Übers.) Unrecht haben müsste, nur weil sie eine gegenteilige Meinung vertritt. Wir können diese These nicht akzeptieren.
Die Tatsachen beweisen, dass die Einschätzung Titos durch die Kominform aus dem Jahre 1948 als eines Revisionisten richtig war. Als dann Chruschtschow 1955 Tito als einen 'Marxisten-Leninisten' 'rehabilitierte', waren jene, die später die Communist League schufen, in der Lage, Chruschtschow als einen Revisionisten einzuschätzen und konnten so die Orientierung des berüchtigten 20. Parteitags der KPdSU im Jahr darauf zurückweisen.
Und dennoch - nach dem 20. Parteitag der KPdSU müssen wir feststellen, dass Enver Hoxha dem 3. Parteitag der PAA Folgendes vortrug:
"Der 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion hat eine tiefschürfende marxistisch-leninistische Analyse der entscheidenden Rolle der Volksmassen beim Aufbau des Sozialismus und des Kommunismus vorgenommen sowie des großen Schadens, der durch den Personenkult, der dem Marxismus-Leninismus fremd ist, entstanden ist. ... Diese unrichtigen und nichtmarxistischen Auffassungen über das Individuum wurden über einen längeren Zeitraum im Hinblick auf den Genossen Stalin entwickelt und gepflegt. ... Der große Fehler von J. W. Stalin liegt in der Tatsache begründet, dass er nicht nur die Lobpreisungen und Schmeicheleien ihm gegenüber akzeptierte, sondern sogar selbst diese antimarxistischen Ansichten unterstützte und ermutigte. Der Personenkult und die Führungspraxis von J. W. Stalin waren gekennzeichnet durch die offene Verletzung der leninistischen Prinzipien der kollektiven Führung der Partei, waren gekennzeichnet durch die Verletzung der leninistischen Normen der Partei. Die Verachtung J. W. Stalins für die Normen des Parteilebens und für das Prinzip der kollektiven Führung der Partei, die Lösung von Problemen auf individuelle Weise seinerseits, die Verachtung für die Meinung der Partei, was dazu führte, dass er sogar gegen jene strenge Maßnahmen ergriff, die eine Meinung äußerten, die von seiner abwich, musste zwangsläufig großen Schaden anrichten und tat dies auch, wodurch schwerwiegende Abweichungen von den leninistischen Regeln des Parteilebens und die Verletzung der revolutionären Gesetzlichkeit hervorgerufen wurden. ... Er zeigte nicht die nötige Wachsamkeit am Vorabend des Großen Vaterländischen Krieges gegen Nazideutschland; er widmete der Fortentwicklung der sozialistischen Landwirtschaft und dem materiellen Wohlergehen der Kollektivbauern nicht die nötige Aufmerksamkeit; er unterstützte und verschärfte eine fehlerhafte Linie in der jugoslawischen Angelegenheit."
(Enver Hoxha, 'Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Albaniens zum 3. Parteitag der Partei', Mai 1956, SS. 180-183).
Und wiederum veröffentlichten jene, die später die CL gründeten, 1968 ihre Analyse der 'Mao-Tse-Tung-Ideen' und bezeichneten diese als eine Strömung des Revisionismus und die CL hat diese grundsätzlich gebilligt. Obwohl aus Hoxhas politischem Tagebuch ('Betrachtungen zu China', 1979 veröffentlicht) ersichtlich wird, dass er persönlich der KPC (Kommunistische Partei Chinas - Übers.) schon seit Jahren kritisch gegenüberstand, hielt die PAA selbst 1966 noch an Folgendem fest:
"Die Partei der Arbeit Albaniens begrüßt die Chinesische Proletarische Kulturrevolution, die unbarmherzig die bürgerliche und revisionistische Ideologie bekämpfen wird ...(Applaus) ...
Unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas und geleitet von den Ideen Mao Tse-tungs marschiert sie (die Chinesische Volksrepublik - Verf.) siegreich voran. (Anhaltender Beifall. Ovationen). ...
An vorderster Front des heutigen Kampfes gegen den von den USA geführten Imperialismus, gegen den modernen Revisionismus steht stark und fest die Kommunistische Partei Chinas und die große Chinesische Volksrepublik, angeführt von dem herausragenden Marxisten-Leninisten, dem Genossen Mao Tse-tung.(Anhaltender Beifall. Ovationen)."
(Enver Hoxha, Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Albaniens, November 1966, Tirana 1966, S. 219f).
Tatsächlich kritisierte die PAA erst 1978 öffentlich den chinesischen Revisionismus:
"Die 'Mao-Tse-Tung-Ideen' sind eine 'Theorie', der die Merkmale des Marxismus-Leninismus fehlen. ...
Die 'Mao-Tse-tung-Ideen' sind eine Variante des Revisionismus."
(Enver Hoxha, 'Imperialismus und Revolution', Dezember 1978, in: 'Ausgewählte Werke', Band 5, Tirana 1985, SS. 649, 658).
Hätten wir nun so lange warten sollen, bis die PAA ihre fehlerhafte Linie zu Chruschtschow und Mao Tse-tung berichtigt hatte? Wir sind nicht dieser Meinung.
Gibt es nun irgendwelche Hinweise darauf, dass vor der Konterrevolution in Albanien die PAA sich in Richtung einer Änderung ihrer Einschätzung von Dimitroff bewegte? Wir meinen, dass es solche Hinweise in Bezug auf die Affäre um die Balkanföderation gibt.

Die Affäre um die Balkanföderation, 1948

Vor dem Zweiten Weltkrieg förderte die Kommunistische Internationale zusammen mit anderen Organisationen den Gedanken einer Balkanföderation (einheitlicher Bundesstaat auf dem Balkan - Übers.)
"Albanische Demokraten und Anti-Zogisten (Antimonarchisten - Übers.), ein-schließlich einiger im Exil lebender Kommunisten, hatten mit der Kominternführung Kontakt aufgenommen und die politische Organisation KONARE (Nationalrevolutionäres Komitee - Verf.) gegründet. Zusammen mit dem Genossen Dimitroff hatte diese Organisation den Kominterngedanken einer 'Balkan-Konföderation' (Balkan-Staatenbund - Übers.) übernommen."
(Enver Hoxha, 'Die Titoisten - historische Anmerkungen', Tirana 1982, S. 285).
Die Lage änderte sich jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg. Spass Roussinow, der Herausgeber von Dimitroffs 'Ausgewählten Werken', sagt dazu:
"Nach dem 2. Weltkrieg hatte sich die Lage auf dem Balkan grundlegend geändert. Die Völker Bulgariens, Rumäniens, Jugoslawiens und Albaniens hatten den Weg zum Sozialismus eingeschlagen. In Griechenland und der Türkei herrschte noch der Kapitalismus. Unter diesen Umständen wurde diese Parole (von der Balkan-Konföderation - Übers.) bedeutungslos."
(Spass Roussinow, Einleitung zu: Georgi Dimitroff, 'Ausgewählte Werke', Bd. 1, Sofia 1972, S. XXI).
Dennoch: Als Dimitroff am 17. Januar 1948 in einem Presseinterview in Bukarest gefragt wurde, wie es mit den Aussichten für die Bildung einer Föderation oder Konföderation von Balkanstaaten stünde, antwortete er:
"Falls und wenn dieses Problem für eine Diskussion reif ist, werden die demokratischen Staaten - Bulgarien, Jugoslawien, Albanien, Rumänien, Ungarn, die Tschechoslowakei, Polen und vielleicht Griechenland - darüber entscheiden, wie und wann eine solche Föderation entstehen sollte. Was die Menschen jetzt tun, besteht in der Tat darin, dass sie sich auf eine solche künftige Föderation vorbereiten."
(Georgi Dimitroff, Erklärung anlässlich eines Presseinterviews in Bukarest, Januar 1948, in: 'Times', 29. Januar 1948, S. 4).
Am 28. Januar 1948 wies die 'Prawda'
" ... Herrn Dimitroff, den kommunistischen Ministerpräsidenten von Bulgarien, scharf in die Schranken. Von Herrn Dimitroff wird allgemeinen angenommen, dass er genauso auf die Herstellung einer breiten Balkanföderation oder -konföderation erpicht ist wie Marschall Tito. ... Die Herausgeber der 'Prawda' ... sind der Ansicht, dass diese Länder keine problematische und künstliche Föderation oder Konföderation oder Zollunion, bestehend aus den betreffenden Ländern, benötigen."
(Leitartikel der 'Prawda', Januar 1948, in: 'Times', 29. Januar, S. 4).
Am 2. Februar 1948 brachte Dimitroff auf dem 2. Kongress der Vaterländischen Front die bulgarische Billigung der sowjetischen Linie zum Ausdruck, wenn er sagt:
"Die kritischen Anmerkungen der 'Prawda' ... im Zusammenhang mit demjenigen Teils meines letzten Interviews, der sich auf die Frage einer möglichen Schaffung einer Föderation oder Konföderation aus Balkan- und Donaustaaten, einschließlich Polens, der Tschechoslowakei und Griechenlands ..., beschäftigt, sind durchaus begründet und stellen eine zeitgemäße, wertvolle und nützliche Warnung vor möglichen unzweckmäßigen Übertreibungen dar, die den Volksdemokratien schaden können."
(Georgi Dimitroff, Bericht an den 2. Kongress der Vaterländischen Front, Februar 1948, in: 'Ausgewählte Werke', Band 3, Sofia 1972, S. 166).
Dimitroff starb im Juli 1949 und im Dezember wurden die Vorschläge für eine Balkanföderation während des Prozesses gegen Traitscho Kostoff und anderen zutreffend als Verrat bezeichnet, jedoch wurde Dimitroff keine Schuld in Zusammenhang mit den Vorschlägen angelastet:
"Die Föderation, die von den Titoisten und Traitscho Kostoffs Gruppe ausgeheckt wurde, hatte zum Ziel, die nationale Unabhängigkeit der Volksrepublik Bulgarien vollständig zu zerstören, wodurch sie zu einem bloßen Anhängsel von Jugoslawien geworden wäre. ...
Die Titoisten und Traitscho Kostoffs Gruppe ... bezweckten mit der Föderation einen direkten Angriff auf unsere Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und den Volksdemokratien, einen Angriff auf die sozialistische Entwicklung unseres Landes. Die wirtschaftliche und politische Unterwerfung Bulgariens und seine Versklavung durch die anglo-amerikanischen Imperialisten war das Ziel."
(Wladimir Dimschew, Ankläger, Rede beim 'Prozess gegen Traitscho Kostoff und seine Gruppe', Sofia 1949, S. 512f.).
Hoxha verurteilte den Plan für eine Balkanföderation, da mit ihr das Ziel, den gesamten Balkan dem revisionistischen Jugoslawien einzuverleiben, verfolgt wurde:
"Tito war ein wütender Anti-Marxist, ein Nationalist, ein Chauvinist und Agent der Bourgeoisie und des Imperialismus. Er war das 'Trojanische Pferd' im sozialistischen Lager, in der internationalen kommunistischen Bewegung und besonders auf dem Balkan. Indem er auf den Gedanken einer 'Balkanföderation' zurückgriff, ging es ihm darum, den gesamten Balkan, einschließlich Albaniens, Jugoslawien einzuverleiben."
(Enver Hoxha, ebenda, S. 287).
Da Hoxha sich bewusst war, dass der Plan für eine Balkanföderation von Tito
" ... in Abstimmung mit dem Genossen Dimitroff"
(Enver Hoxha, ebenda, S. 285).
wiederbelebt worden war, fällt es schwer anzunehmen, dass Hoxha Dimitroff, den Komplizen des Verräters und fünften Kolonnisten Tito, später immer noch als 'einen marxistisch-leninistischen Helden' betrachtete.

Schlussfolgerung

Wir haben unsere eigene Position zur Rolle Dimitroffs aufgrund deines geschätzten kritischen Briefes einer Überprüfung unterzogen, können jedoch keinen Grund entdecken, weshalb wir das Ergebnis unserer Analyse korrigieren sollten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimitroff - ein Werkzeug des Imperialismus (?)
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:44 
Literat

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Ich habe das jetzt mal ein wenig kreuz- und quergelesen und mich im ganzen etwas gewundert, warum diesen Unsinn unkommentiert ins Netz stellst. Korrigiere mich, wenn ich den Witz übersehen haben sollte, den diese Artikel zweifellos darstellen.

Die Wahrheit über Dimitroff und Browder steht übrigens hier: http://www.kurt-gossweiler.de/artikel/browder.htm

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimitroff - ein Werkzeug des Imperialismus (?)
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:44 
Möchtegernputschist
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Zitat:
Ich habe das jetzt mal ein wenig kreuz- und quergelesen und mich im ganzen etwas gewundert, warum diesen Unsinn unkommentiert ins Netz stellst. Korrigiere mich, wenn ich den Witz übersehen haben sollte, den diese Artikel zweifellos darstellen.


witz hin oder her, ich persönlich halte auch nicht viel von diesem beitrag über dimitroff. da ich aber andererseits kein experte in dieser sache bin, kann ich vieles nicht widerlegen, vielleicht hilft mir ja der gossweiler-text

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimitroff - ein Werkzeug des Imperialismus (?)
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:45 

Beiträge: 122
Ich halte das für Unsinn. Wenn Dimitroff auf der Seite der Nazis gewesen wäre, hätte er doch nur sagen brauchen: Ja, ich habs dem van der Lubbe befohlen. Aber ich wars nicht allein. Die Komitern hat mich beauftragt .. usw.

Der Reichstagsprozess ist ein Musterbeispiel für einen misslungenen Prozess finde ich. Der Wutausbruch von Göhring, der Freispruch für die Bulgaren, Dimitroffs ständige spitze Bemerkungen ... Ich habe übrigens allergrößte Hochachtung für Dimitroffs geschicktes Verhalten vor Gericht. In einer feindlichen Umgebung, bedroht vom Tod den dicken Göhring vorzuführen - nicht jedermanns Sache.

Der Mitangeklagte Ernst Torgler war allerdings tatsächlich ein Renegat, darüber weiß ich aber auch wenig. Er hat jedenfalls später, 1940/41, an Radiosendungen des deutschen Propagandaministeriums für Frankreich und England mitgearbeitet. Und als sein Sohn an der Ostfront fiel, hat das Propagandaministerium ihm dazu sogar kondoliert.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dimitroff - ein Werkzeug des Imperialismus (?)
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:46 
Literat

Beiträge: 2947
Kuriose Geschichtsurteile sind genau dann unvermeidlich, wenn man die Politik nicht nach ihren Inhalten befragt - und das heißt bei Politik vergangener Epochen immer: nach ihren Ergebnissen -, sondern nach irgendwelchen Äußerlichkeiten geht. Die tollsten Blüten treibt die Phantasie andernfalls. Ich sende hier mal einen Link mit einem schönen Beispiel, in dem auch wiederum Bill Bland eine Rolle spielt. Darin wird im Glossar Walter Ulbricht als revisionistischer Politiker, Berija, Herrnstadt und Zaisser hingegen als marxistisch-leninistische Politiker bezeichnet. Das war wohl selbst dem Ackermann zu fettig, weswegen er es für angezeigt hielt, sich und sein Blatt vom Inhalt jener "Studie" zu distanzieren. Es könnte ja jemand auf die Idee kommen, unser Republikflüchtling fiele in seine peinliche Vergangenheit zurück.

http://www.kommunisten-online.de/Kommun ... uni_53.htm

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimitroff - ein Werkzeug des Imperialismus (?)
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:46 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
Bei Bland besteht leider das problem, dass er in jeder Abweichung eines Kommunisten, wie immer die enstehen konnte, diesen als Revisionisten betrachtet, so ist es mit Dimitroff, Luxemburg, Mao, Zetkin etc.
Diese 4 genannten hatten tatsächlich ihre ideologischen Fehler (der eine mehr, der andere weniger), hatten diese aber entweder korrigiert oder waren auf dem Weg diese zu korrigieren. Wichtiger ist aber, dass diese 4 genannten sich ernsthaft für ihre Sache- den Kommunismus- einsetzten, ihn propagierten, ihn verwirklichen wollten. Dass sie dabei ihre Fehler hatten und sie auch zugaben, wenn sie sie erkannt haben und diese dann auch korriegierten bzw. versuchten, zeigt doch, dass sie Kommunisten waren. Man wird halt nicht als Kommunist geboren, sondern entwickelt sich zu einem im laufe des Lebens. Das unterscheidet die 4 oben genannten von wahren Verrätern der Arbeiterbewegung wie Trotzki, Bucharin oder Chruschtschow!

Was Herrnstadt und Zaisser angeht, die kenne ich nicht, bei Ulbricht bin ich mir nicht sicher, bei Beria gehe ich aber dennoch von aus, dass er Marxist-Leninist war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimitroff - ein Werkzeug des Imperialismus (?)
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:46 
Literat

Beiträge: 2947
Der Kardinalfehler aller sektiererischen Historiker ist, daß sie sich zunächst ein Feindbild suchen, einen Sündenbock, der an allem Schuld sein soll, und anschließend alle seine irgend ersichtlichen Gegner zu den Guten, alle anderen zu den Bösen zählen. Damit haben sie nun so viel Glück, wie sie haben. Nach dieser Logik wäre zum Beispiel Ludendorff ein Kommunist par excellence, denn er schleuste Lenin nach Rußland. Im Klartext: Nicht jeder Gegner Chruschtschows läßt sich ohne weiteres als Verteidiger des Sozialismus betrachten.
Sicherlich ist nicht alles wahr, was man (d.h. Chruschtschow) zur Begründung der Erschießung Berijas angegeben hat. Nur würde ich zögern, jemand einen Marxisten-Leninisten zu nennen, der die DDR an den Westen ausliefern wollte. Zaisser war Geheimdienstchef der DDR und somit war Berija sein direkter Vorgesetzter. Die beiden haben im Verbund mit Herrnstadt versucht, Ulbricht zu stürzen. Daran sind sie, wie so viele andere nach ihnen, gescheitert.
Berija hat in den letzten Lebensjahren Stalins einen massiven Machtkampf gegen ihn geführt und zum Beispiel Stalins persönliche Behörde, an deren Spitze Poskrebyschew stand, weitgehend zerschlagen. Mit dem Tode Stalins, den vergiftet zu haben Berija sich gegenüber Molotow rühmte (was vermutlich nur Prahlerei war), entbrannte ein Machtkampf um die Nachfolge. Das Interregnum - Kollektivführung genannt - zerbrach bald und Berija wurde auch ausgeschaltet. Mit beidem hatte sich Chruschtschow durchgesetzt. Berija war ganz einfach sein Konkurrent. Er war nicht besser als Chruschtschow, eher noch gefährlicher. Das erklärt wohl auch, warum Molotow, Kaganowitsch und Malenkow ihn für gefährlicher hielten als Chruschtschow. Wäre Berija ein verläßlicher Genosse gewesen, hätten sie sich eher gegen Chruschtschow gestellt. Sie stellten sich aber gegen Berija. Das sollte man im Auge haben, wenn man versucht, das schwerdurchschaubare Machtspiel des Jahres 1953 zu druchschauen. Es könnte ja sein, daß Molotow und Kaganowitsch wußten, was sie taten.
Bill Bland jedenfalls hat indessen nichts besseres zu tun, als auch noch Molotow zu einem Revisionisten zu erklären, offenbar nur damit Berija in rechten Licht erscheint. Es ist schon merkwürdig, wenn sich einer immer und immer wieder gegen die Genossen richtet, denen man gewiß die geringsten und wenigsten Vorwürfe machen kann: Molotow, Dimitroff, Ulbricht.
Ich neige nicht dazu, mich übermäßig zu ereifern. Ich finde jenen scharfkanntigen Sprachgebrauch eher peinlich. Kaum ein Politiker ist frei von Fehlern oder Schuld, und vieles läßt sich durch die Umstände erklären. Schlimmer ist es, wenn gewisse Leute ihren persönlichen Reinheitskomplex nach außen tragen und sich dann freilich darüber wundern, daß die Wirklichkeit schmutziger ist als ihre Wahnvorstellungen. Und wenn diese Leute es dann noch mit traumwnadlerischer Sucheheit schaffen, die Filzläuse Engel auszugeben, während sie die wirklichen Verdienstträger verleumden, dann platzt auch mir schon mal der Kragen und mein sonst so sonniges Gemüt tritt in den Hintergrund.

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