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 Betreff des Beitrags: Nikolai Jeschow- Aussage vor dem obersten Gericht der UdSSR
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:38 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
Nikolai Jeschow
Aussage vor dem obersten Gericht der UdSSR

Eine Aussage in einer geheimen Gerichtssitzung des Militärkollegiums des obersten Gerichts
am 3. Februar 1940


Seit längerer Zeit habe ich darüber nachgedacht, wie ich mich bei einer Verhandlung fühlen würde, wie ich mich bei der Verhandlung benehmen würde, und so kam ich zu dem Ergebnis, dass es für mich der einzige Weg ist, am Leben zu bleiben, wenn ich ehrlich und wahrheitsgemäss alles erzähle. Erst gestern sagte Berija während einer Unterhaltung zu mir: "Glaube nicht unbedingt daran, dass du hingerichtet wirst. Wenn du gestehst und alles aufrichtig sagst, dann wird dein Leben verschont." Nach dieser Unterhaltung mit Berija habe ich mich entschlossen, dass es besser ist zu sterben; es ist besser, diese Erde als aufrichtiger Mann zu verlassen und in der Verhandlung nichts als die reine Wahrheit zu sagen. Bei den Voruntersuchungen gab ich an, ich sei kein Spion, ich sei kein Terrorist, aber sie glaubten mir nicht und schlugen mich fürchterlich. Während meiner 25 Jahre langen Arbeit für die Partei habe ich immer ehrenhaft gegen alle Feinde gekämpft und sie ausgeschaltet. Ich habe Verbrechen begangen, für die ich wohl hingerichtet werden kann. Ich werde später über sie sprechen. Aber ich habe nicht die Verbrechen begangen, die mir von der Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift vorgeworfen werden, und bin ihrer völlig unschuldig. Zu keiner Zeit habe ich eine Verschwörung gegen Partei und Regierung organisiert. Im Gegenteil: Ich habe alle Mittel eingesetzt, um Konspirationen aufzudecken. Als ich 1934 den Fall "Kirow-Affäre" leitete, hatte ich keine Angst, das Zentralkomitee über Jagoda und andere Verräter der Ausserordentlichen Kommission (Tscheka) zu unterrichten. Leute wie Agranov und andere, die in der Tscheka sassen und uns an der Nase herumführten, indem sie uns weissmachen wollten, dass dies die Arbeit des lettischen Geheimdienstes sei. Wir glaubten diesen Tschekisten nicht und zwangen sie, uns die Wahrheit über die Beteiligung der rechten Trotzkisten-Organisation zu gestehen. Nachdem ich zum Zeitpunkt der Untersuchung des Mordes an S. M. Kirow in Leningrad war, sah ich, wie die Tschekisten versuchten, den Fall zu verwirren. Nach meiner Rückkehr habe ich in Moskau einen detaillierten Bericht im Namen Stalins über die gesamte Angelegenheit geschrieben, der daraufhin sofort eine Zusammenkunft einberief... Man kann sich nur wundern, warum ich wiederholt Stalin über die schlampige Arbeit der Tscheka informierte, wenn ich ein Teil der antisowjetischen Konspiration gewesen bin...



Als ich zum NKWD kam, fand ich mich auf mich selbst gestellt, ohne einen Assistenten. Als erstes machte ich mich mit der Arbeit vertraut, und erst dann begann meine Tätigkeit, indem ich die polnischen Spione entlarvte, die alle Abteilungen und Organe der Tscheka infiltriert hatten. Der sowjetische Geheimdienst war in ihren Händen. Auf diese Art habe ich, "ein polnischer Spion", meine Arbeit als Entlarver der polnischen Spione begonnen. Nach der Entlarvung der polnischen Spione begann ich sofort damit, die Gruppe der Wendehälse zu säubern. Dies war der Beginn meiner Arbeit bei der NKWD. Ich selbst habe Molchanow entlarvt, und mit ihm andere Feinde des Volkes, die das Organ der NKWD infiltriert hatten und dort wichtige Positionen bekleideten. Ich war auch im Begriff, Ljuschkow zu verhaften, aber er entkam mir und floh ins Ausland. Ich habe vierzehntausend Tschekisten entlarvt. Aber meine grosse Schuld liegt in der Tatsache, dass ich zu wenige auffliegen liess. Ich ging folgendermassen vor: Ich überliess die Befragung der unter Arrest stehenden Personen dem einen oder anderen Abteilungsleiter, während ich dachte: "Frage ihn nur, heute oder morgen werde ich dich verhaften". Ich war von Feinden des Volkes umgeben. Meine Feinde. Ich säuberte alles von Tschekisten. Lediglich in Moskau, Leningrad und dem nördlichen Kaukasus gelang mir diese Säuberung nicht. Ich dachte, diese seien aufrichtig, aber es zeigte sich in Wirklichkeit, dass sich unter meinem Schutz Saboteure, Spione, Räuber und Feinde des Volkes aufhielten... Ich habe nie an einer antisowjetischen Konspiration teilgenommen. Wenn man die Aussagen der Mitglieder der Konspiration aufmerksam liest, dann wird offensichtlich, dass diese nicht nur mich verleumdeten, sondern auch das ganze ZK und die Regierung.



Es wurde mir Korruption in Bezug auf meine Moral und mein Privatleben vorgeworfen. Aber wo bleiben die Fakten? Über fünfundzwanzig Jahre stand ich in der Öffentlichkeit der Partei. Während dieser fünfundzwanzig Jahre konnte mich jeder sehen, jedermann liebte mich wegen meiner Bescheidenheit und Aufrichtigkeit. Ich leugne nicht, dass ich viel getrunken habe, aber ich arbeitete wie ein Pferd. Worin besteht die Korruption? So wie ich das verstehe und hier aufrichtig erkläre, wäre der einzige Grund, mir das Leben zu schenken, dass ich mich der Vergehen schuldig erkläre, die mir vorgeworfen werden, gegenüber der Partei bereue und um Gnade für mein Leben flehe. Vielleicht wird dann die Partei mein Leben verschonen, wenn sie meine Leistungen in Betracht zieht. Die Partei hat jedoch keine Lügen nötig, und ich betone hier nochmals, dass ich kein polnischer Spion war. Ich möchte mich nicht für schuldig erklären, denn ein solches Geständnis wäre nur ein Geschenk an die polnischen Landeigentümer. Es wäre fast wie eine Schuld der Spionage für England und Japan zuzugeben, und damit nur ein Geschenk für den englischen Lord und den japanischen Samurai zu machen. Ich weigere mich, diesen Gentlemen ein derartiges Geschenk zu machen... Ich werde nun in meinem Schlusswort das Militärgremium um Gewährung des Folgenden bitten: 1. Mein Schicksal ist offensichtlich. Durch das, was ich in der Voruntersuchung beigetragen habe, wird mein Leben nicht verschont bleiben. Ich bitte nur um eines: Erschiesst mich in aller Stille, ohne mich zusätzlichen Qualen auszusetzen. 2. Weder das Gericht noch das ZK wird an meine Unschuld glauben. Sollte meine Mutter noch am Leben sein, so bitte ich, für sie im Alter zu sorgen, ebenso für meine Tochter. 3. Ich bitte darum, dass meine Verwandten nicht irgendwelchen Strafmassnahmen unterworfen werden, denn sie sind in keiner Weise schuldig. 4. Ich bitte, dass das Gericht nochmals genauestens den Fall Zhurbenko überprüft, den ich immer für einen unschuldigen, aufrichtigen und treuen Mann im Dienste des Leninismus und Stalinismus gehalten habe. 5. Ich bitte, dass Stalin über mein politisches Leben und darüber unterrichtet wird, dass ich die Partei nie betrogen habe, eine Tatsache, die Tausenden bekannt ist, die um meine Bescheidenheit und Aufrichtigkeit wissen. Ich bitte, Stalin darüber zu informieren, dass ich ein Opfer der Umstände bin und nichts mehr, denn ich glaube, dass Feinde, die ich hier übersehen habe, ihre Hand im Spiel hatten. Berichtet Stalin, dass ich mit seinem Namen auf meinen Lippen sterben werde.

Raubdruck unbekannter Herkunft und Datierung.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nikolai Jeschow- Aussage vor dem obersten Gericht der UdSSR
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:38 
Troll

Beiträge: 145
Hm, ja, ist ein sehr interessanter Artikel, aber Du solltest vielleicht trotzdem mal noch ein paar Zeilen zu dieser "Geschichte" schreiben. Wo hast Du das her usw.? Ist inhaltlich nämlich ´n fetter Brocken... echt! hm...


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 Betreff des Beitrags: Re: Nikolai Jeschow- Aussage vor dem obersten Gericht der UdSSR
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:39 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
also den text habe ich von http://marxistische-bibliothek.de
ich befasse mich seite neuester zeit mit den geheimdiensten der sowjetunion (Tschka, GPU, OGPU, NKWD; MGB, KGB) und somit auch mit entsprechenden persönlichkeiten dieser organisationen. während mir die rolle einger obermänner des sicherheitsdienstes (z.b. Meschinski und Jagoda) durchasu bekannt sind...sind mir solche wie jeschow oder auch berija immer noch ein rätsel, das ich versuche zu lösen (leider findet man nur wenig gute literatur darüber). zumindest ist bei bei jeschow folgendes bekannt: seitdem jeschow chef des nkwd wurde (1936-1938-->Jeschowtschwina), kam es tw. zu verhaftungen und erscheißungen unschuldiger kommunisten, erst mit der machtübernahme berijas änderte sich dies (wobei das eine mit dem andern nicht unbedingt was zu tun haben muss). jeschow wurde abgesetzt und später der konterrevolution bezichtigt- wie ich hierzu stehen sollte weiß ich überhaupt nicht- ich habe bisher nur dieses angegebene dokument zur verfügung. zum anderen ist mir aber bewußt, dass jeschow definitiv nicht zur 5. kolonne gehört hat-sonst wäre er längst verraten oder erwischt worden, wie sein vorgänger jagoda......zum anderen lassen aber die "vielen" verhaftungen zu jeschows zeit die möglichkeit stehen, dass er zur konterrevolution gehören könnte.
berija schien aber auch nicht besser zu sein, zwar gab es zu seiner zeit massig viele rehabiliterungen der verurteilten, doch andererseits wurden mehrere funktionäre der kpd verhaftet und erschossen (schuldig oder unschuldig ist erst mal egal-es wird wohl beide gegeben haben), nicht zu vergessen sind aber berijas konterrevolutionären ansichten und taten in den 50ern....es ist halt etwas kompliziert und ich versuche da noch klarheit zu schaffen.........

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 Betreff des Beitrags: Re: Nikolai Jeschow- Aussage vor dem obersten Gericht der UdSSR
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:40 

Beiträge: 122
Hm die Jeshovschtina, dass ist nun wirklich eine interessante Zeit. Meine eigene zwischen SPD/PDS angesiedelte Meinung dürfte wohl nicht besonders interessieren.

Aber ich war gerad in Moskau und da gibts recht viele neue Anhänger Stalins, deren Bezeichung, naja sagen wir einige. Da gabs natürlich auch Diskissionen. Ich fass mal die Position zusammen, welche ich am eingängigsten fand.

'Das war eine grausame Zeit. Damals haben wir oft bis zu den Knien in Scheiße und Blut gestanden, aber verdammt nochmal, es war notwendig. Das Land musste vorwärts kommen, denn die deutsche Aufrüstung würde nicht auf uns warten.'

Und zum Thema Massenterror: Es gibt ein russisches Lied jener Zeit, dass fast den Status einer inoffiziellen Nationalhymne erreichte: "Shiroka strana moya rodnaya". Ich hab eine russische Bekannte, die dieser Richtung angehört, nach einer Übersetzung und Meinung der Leute dazu damals dazu gefragt:

'Ich habe meine Grosseltern gefragt, was sie in ihrer Jugend gedacht haben, wenn dieses Lied im Radio lief. Sie sagen, dass sie jederer Zeile deises Liedes geglaubt haben. Sie haben sich freien Leute des freie Land gefuehlt. Ich meine, die damaligen Leute waren gluecklichere als wie, denn sie ihre Ziel und ihre Glaube hatten. Und diese Glaube an unserem Land ist das wichtigstes Ding, das wir verloren haben.

Ich sende dich meine Uebersetzung des Liedes Shiroka strana moya rodnaya". Ich schreibe auf Englisch, um wenigere Fehler zu machen:

Wide is My Native Land.
Wide is my native land,
There are a lot of forests, fields and rivers in it.
I know no other country,
Where man breathes so freely.

>From Moscow to the very outskirts,
>From the south mountains to the north seas
Man strides as the lord
Of his immense Motherland.

Wide is my native country+

But we'll frown severely
If an enemy wants to break us.
We love our Motherland as a bride
And keep as a tender mother.

Wide is my native country+'


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 Betreff des Beitrags: Re: Nikolai Jeschow- Aussage vor dem obersten Gericht der UdSSR
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:40 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
Zitat:
Hm die Jeshovschtina, dass ist nun wirklich eine interessante Zeit.



da haste recht, ich befasse mich jetzt stärker mit dieser zeitspanne



Zitat:
Aber ich war gerad in Moskau und da gibts recht viele neue Anhänger Stalins, deren Bezeichung, naja sagen wir einige.



naja, viele der stalin"anhänger" in russland, sind großteils die sog. Nationalbolschewisten. diese politische sekte ist insofern pervers, dass sie in Stalin einen großmachtpolitiker, einen antisemiten und nationalisten sah. das bedeutet kurz gesagt, dass sie die lehren stalins missbraucht werden bzw. ihm was vorgeworfen wird, was er gar nicht war (stalin verabscheute jegliche form des nationalismus, rassismus und antisemitismus)



Zitat:
'Das war eine grausame Zeit. Damals haben wir oft bis zu den Knien in Scheiße und Blut gestanden, aber verdammt nochmal, es war notwendig. Das Land musste vorwärts kommen, denn die deutsche Aufrüstung würde nicht auf uns warten.'



vielleicht etwas zu schroff ausgedrückt, stellt es aber ein realistisches bild der damaligen situation dar (auch wenn man mit sicherheit sagen kann, dass die opferzahlen gewiss nicht so groß waren wie angegeben, so waren es dennoch viele)

wie man mit dieser zeit richtig umgehen sollte, so habe ich ein interessantes zitat von kurt gossweiler gefunden:

"Wäre Chruschtschows Ziel nicht gewesen, Stalins Autorität ein für allemal zu zertrümmern, um nicht ständig an ihm gemessen zu werden, und um für seine konterrevolutionäre Kursänderung freie Bahn zu haben; und hätte zu seiner Absicht nicht auch gehört, der Überzeugung der Sowjetbürger in die Gerechtigkeit ihrer Sache und dem Stolz auf ihre Sowjetmacht einen schweren Schlag zu versetzen; hätte er wirklich nur im Sinne gehabt, den unschuldigen Opfern der "Säuberungen" Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die geschichtliche Wahrheit über die Zeit der Repressionen darzulegen, dann hätte in seinem Bericht etwa das Folgende gesagt werden müssen:

"1936, nach der Errichtung der faschistische Diktatur in Deutschland, nach der Aufrüstung des faschistischen Deutschland unter Duldung und sogar Mithilfe der Westmächte, nach dem Verrat der Westmächte an der spanischen Republik, standen wir vor der Gefahr, vom faschistischen Deutschland, - möglicherweise sogar im Einvernehmen mit den Westmächten, - überfallen zu werden und uns allein der stärksten Militärmacht der ganzen Kriegsgeschichte gegenübergestellt zu sehen, von der wir aus dem Spanienkrieg schon wussten, was sich dann in Norwegen und Frankreich später wiederholte, nämlich, dass der faschistischen Wehrmacht im Hinterland der überfallenen Länder "fünfte Kolonnen" von Quislingen und Verrätern zu Hilfe kamen.

Wie groß die Gefahr des Überfalles war, zeigte sich noch viel deutlicher mit dem Münchener Abkommen der Westmächte mit Hitler und der Auslieferung der Tschechoslowakei an ihn, mit der Weigerung der Westmächte, mit uns einen Vertrag über kollektive Sicherheit und gegenseitigen Beistand zur Bändigung Hitlerdeutschlands abzuschließen.

Unsere Vorbereitungen auf den faschistischen Überfall mussten also auch der Verhinderung der Bildung einer 5. Kolonne in unserem Hinterland gelten. Noch gab und gibt es bei uns Feinde der Sowjetmacht, einst von uns enteignete Kulaken und ihre Nachkommen, Reste der zerschlagenen Gruppe der Trotzkisten und anderen Oppositionsgruppen, - hatte doch Trotzki mehrfach in seinen Veröffentlichungen dazu aufgerufen, im Kriegsfalle den Aufstand gegen den "Stalinismus" zu beginnen; ferner Leute, die mit den Deutschen sympathisieren, z.B. unter den Wolgadeutschen oder bei bestimmten Nationalitäten, wie den Krimtataren und den Tschetschenen.

Also mussten wir angesichts der tödlichen Bedrohung alles tun, um es möglichen Feinden der Sowjetmacht unmöglich zu machen, im Hinterland mit Fünften Kolonnen den faschistischen Überfall zu unterstützen. Dabei mussten wir in Rechnung stellen und in Kauf nehmen, dass es bei Säuberungen so großen Ausmaßes, wie wir sie für notwendig erachteten, nicht auszuschließen war, dass auch Unschuldige, sei es wegen absichtlicher Falschbeschuldigungen feindlicher Elemente, sei es aus Übereifer örtlicher Organe, sei es durch Anlegen eines zu pauschales Rasters, in erheblichem Umfange von den Maßnahmen betroffen sein würden, wie es dann auch der Fall war.

Aber wir hatten damals abzuwägen, was schwerer wog: Wenn wegen ungenügender Sicherungsmaßnahmen die Sowjetmacht durch kombinierte Schläge der faschistischen Armeen und der Fünften Kolonnen zugrunde ging - oder wenn wir bei den Gegenmaßnahmen nicht nur echte Feinde, sondern auch Unschuldige und sogar eigene Leute treffen würden. Die Partei hat sich für die Sicherung des Landes als die allem anderen übergeordnete Pflicht entschieden.

Jetzt aber ist es an der Zeit, dabei begangenes Unrecht aufzuklären und zu beenden."


bevor ich es vergesse, da du ja neu in diesem forum bist; das thema der säuberungen haben wir hier schon mehrmals angesprochen, ich gebe dir mal die folgenden links, falls es dich vielleicht interessieren könnte:

http://61219.forum.onetwomax.de/topic=102378275398

http://61219.forum.onetwomax.de/topic=101877986552

http://61219.forum.onetwomax.de/topic=102278675886

http://61219.forum.onetwomax.de/topic=102278675934

im weiteren sinne wäre auch dieser passend:
http://61219.forum.onetwomax.de/topic=102379789550

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 Betreff des Beitrags: Re: Nikolai Jeschow- Aussage vor dem obersten Gericht der UdSSR
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:41 

Beiträge: 122
Zitat:
naja, viele der stalin"anhänger" in russland, sind großteils die sog. Nationalbolschewisten. diese politische sekte ist insofern pervers, dass sie in Stalin einen großmachtpolitiker, einen antisemiten und nationalisten sah.


Hm, Nationalbolschewisten, wen meinst du damit? Ist das ne eigene Partei? Meine Gesprächspartner, Julia zB, sind einfach Mitglieder in der russischen KP, aber in der gibts natürlich jede Menge Strömungen. Antisemiten sind sie nicht, Nationalisten schon eher. Ich glaub schon, dass viele, nicht unbedingt Kommunisten, von einem starken Russland, 'wie es unter Stalin war' träumen. Er wird auch dafür gelobt, dass er Russland zur Weltmacht gemacht hat. Ich sehe das aber eher als Gegenbewegung gegen diesen 'american way of life', der auf die russische Kultur raufgepfropft wird und extreme Veränderungen mit sich bringt.



Zitat:
vielleicht etwas zu schroff ausgedrückt


Gerade deshalb hats mich ja beeindruckt. In Russland ist vieles über Deutschland bekannt, was Deutsche selbst schon vergessen haben. Den Generalplan Ost von 1941 kannte ich zB gar nicht, da wurde die ethnische Umstrukturierung und die dauerhafte "Germanisierung" sowie die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Ostgebiete detailiert festgelegt. Sprich darin könnte man als Russe nachschlagen, wie man heute leben würde, wenn die Industrialisierung damals nicht binnen weniger Jahre erfolgt wäre.

Ich hab mich schon immer sehr für die Jeschow interessiert. Leider gibts über ihn nur wenige Informationen, das Meiste davon wiederum sind Gerüchte. Beispielsweise kann man bei Conquest lesen, dass er im Kommissariat für Wasserwesen nur noch Papierflugzeuge gebastelt hätte. Dummerweise steht dieselbe Geschichte woanders auch über Jagoda. Seit einiger Zeit gibt es auch eine Biographie über ihn in Englisch, die aber auch nur wenig Neues bringt, sie fasst mehr oder weniger alle vorhandenen Informationen zusammen. Ausserdem gibt sie in Auszügen ein im Gefängnis verfasstes Geständnis von Jeschow über sein Sexualverhalten wieder. Nun ja ...

Ich werd bei Gelegenheit mal die anderen Threads durchlesen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Nikolai Jeschow- Aussage vor dem obersten Gericht der UdSSR
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:41 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
also was diese sog Nationalbolschewisten angeht, weiß ich nicht ob sie irgendwie organisiert sind oder nicht. zumindest tummeln in der KPRF und in der "Vaterlandspartei" (Rodina) welche von denen herum. das viele, von einem starken russland träumen ist fakt, und das sind im großen und ganzen die leute, die Stalins Lehren verfälschen.

also von diesem Generalplan Ost habe ich auch noch nix gehört, klingt sehr interessant

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