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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Gorbatschow
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:20 

Beiträge: 181
Umfrage:
War Gorbatschow ein Verräter der SU?

Hier sind die Ergebnisse:
Ja: 15 Nein: 5 Unentschieden: 0


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:20 
Moderator

Beiträge: 384
Die Frage finde ich, mit Verlaub, völlig überflüssig.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:21 

Beiträge: 181
Und wieso denn das?
Was blieb denn Gorbatschow für eine andere Wahl? Die Fehler waren meiner Ansicht nach viel Früher passiert.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:21 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Was blieb denn Gorbatschow für eine andere Wahl? Die Fehler waren meiner Ansicht nach viel Früher passiert.

Gerade umgekehrt liegt der Fall. Wenn einer eine Wahl hatte, dann Gorbatschow. Alle anderen führenden Politiker innerhalb der RGW- und Warschauer-Vertrag-Staaten hingen von Moskau ab. Und in Moskau hing für eine ganze Weile so ziemlich alles von Gorbatschow ab.

Aber hören wir doch, was der Meister selber zu seinen Taten und Absichten zu sagen hat:


Zitat:
SPIEGEL-Interview mit Michail Gorbatschow

SPIEGEL: Michail Sergejewitsch, [...] Sie waren als Generalsekretär der KPdSU 1985 einer der mächtigsten Männer der Welt. Sie haben einen großen Prozess der friedlichen Transformation eingeleitet, der abgebrochen ist; es kam zu Blutvergießen. Warum ließ sich die kontrollierte Entwicklung nicht mehr fortsetzen?

GORBATSCHOW: Ein großer Bewusstseinswandel hatte stattgefunden. Bei dem Versuch, das neue Denken in die Praxis umzusetzen, kam die Revolution von oben zum Stillstand. Jetzt ging es darum, das ganze Volk einzubeziehen, damit die Nomenklatura den Reformprozess nicht abwürgen konnte.

SPIEGEL: Das System begann sich zu wehren.

GORBATSCHOW: Die Parteibürokratie, die Ministerien, all diese Lehnsfürsten leisteten Widerstand. Auch die Industrieherren, die Direktoren, fürchteten um ihre Macht. Es war wie der Sturm in der Taiga: In den Wipfeln rauschte es, am Boden aber blieb es still. So war es schon hundert Kilometer hinter Moskau.

SPIEGEL: Den einen ging es zu langsam, den anderen war alles zu radikal.

GORBATSCHOW: Und Gorbatschow musste das Schiff der Perestroika durch die Klippen steuern. Dabei konnte man noch nicht Dinge ankündigen, für die das Volk noch nicht reif war. Man hätte mich für verrückt erklärt, das Volk wäre zerrissen worden, es hätte zum Bürgerkrieg kommen können. Man musste Geduld zeigen, bis die Parteibürokratie so entmachtet war, dass sie das Rad der Geschichte nicht mehr zurückdrehen konnte. Am Ende hatte die Partei zum Fahren nicht mehr genug Dampf, ihre Kraft reichte gerade noch, ein letztes Mal die Hupe zu betätigen.

SPIEGEL: Demnach war die Macht der Nomenklatura gebrochen.

GORBATSCHOW: Und da ist mir die russische Führung in den Rücken gefallen. Das russische Parlament berief sich darauf, dass seine Gesetze über den Gesetzen der Union stünden. Ich habe Jelzin entgegengehalten, die Union kann nicht ohne Russland existieren, Russland aber auch nicht ohne die Zusammenarbeit mit anderen Republiken, sonst droht Russland der gleiche Leidensweg, wie ihn die Union gehen musste. Genau das, was ich damals, im Dezember 1991, vorausgesagt habe, ist eingetreten. Diese Entwicklung war also kein Zufall und auch keine historische Notwendigkeit.

SPIEGEL: Die Union ist tot...

GORBATSCHOW: ... aber das Land lebt noch. Krank, verwundet, gelähmt - aber es ist noch am Leben. Das, was an alten Unionsbeziehungen noch vorhanden ist, bewahrt uns vor der Katastrophe. Die Ukraine, Kasachstan, Litauen - sie stecken alle in einer tiefen Krise.

SPIEGEL: In Litauen haben aber gerade eben Kommunisten eine freie Wahl gewonnen. Was wünschen Sie sich mehr?

GORBATSCHOW: Wer da gewonnen hat, das sind nicht mehr die alten Kommunisten. Sie nennen sich auch nicht mehr so. Ehemalige Kommunisten sind wir alle, auch Jelzin [...].

SPIEGEL: Michail Sergejewitsch, Sie sind kein Kommunist mehr?

GORBATSCHOW: Wenn Sie meine Aussagen nehmen, dann wird Ihnen klar, dass meine politischen Sympathien der Sozialdemokratie gehören und der Idee von einem Sozialstaat nach der Art der Bundesrepublik Deutschland.

SPIEGEL: Wie bitte?

GORBATSCHOW: Ich möchte Ihr Land nicht idealisieren, aber ich bin für einen Staat, der für soziale Sicherheit sorgt, einen Rechtsstaat mit einem funktionierenden Parlamentarismus, der eine Föderation von weitgehend selbstständigen Bundesländern mit einem kräftigen Zentrum darstellt. [...] Und ich habe Hochachtung für das starke demokratische Bewusstsein der Bevölkerung, die sich den Neonazis widersetzt. Bei grundsätzlichem Bekenntnis zum Liberalismus greift der deutsche Staat aktiv in das soziale Leben und in die Volkswirtschaft ein, ich halte das für richtig.

SPIEGEL: [...] Was betrachten Sie als Ihr größtes Versäumnis, solange Sie noch an der Macht waren?

GORBATSCHOW: Wir kamen zu spät mit der Parteireform. Wir haben die Schwierigkeiten des Reformprozesses in der multinationalen Föderation unterschätzt - diese Dinge haben uns die Separatisten aus der Hand genommen. Auch in der Wirtschaftspolitik hätte man damit anfangen müssen, Landwirtschaft, Lebensmittel- und Leichtindustrie zu reformieren.


--------------------------------------------------------------------------------
"Russland wird auferstehen". Michail Gorbatschow über die Politik Jelzins und über seine Chancen
einer Rückkehr zur Macht.
In: Der Spiegel, Nr.3 (18.1.1993). S.126-130 (hier S.126-128 [gekürzt]).

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:23 

Beiträge: 181
SPIEGEL: In Litauen haben aber gerade eben Kommunisten eine freie Wahl gewonnen. Was
Zitat:
wünschen Sie sich mehr?

GORBATSCHOW: Wer da gewonnen hat, das sind nicht mehr die alten Kommunisten. Sie nennen sich auch nicht mehr so. Ehemalige Kommunisten sind wir alle, auch Jelzin [...].

SPIEGEL: Michail Sergejewitsch, Sie sind kein Kommunist mehr?

GORBATSCHOW: Wenn Sie meine Aussagen nehmen, dann wird Ihnen klar, dass meine politischen Sympathien der Sozialdemokratie gehören und der Idee von einem Sozialstaat nach der Art der Bundesrepublik Deutschland.


So wie es aussieht hast du recht. Das war ja ne fiege sau!


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 16:23 
Literat

Beiträge: 2947
Nein, feige war er nicht. Das, was er versucht hat, war nicht ungefährlich und wenn es mißlungen wäre, hätte es ihn mit Sicherheit den Kopf gekostet. Er war weder feige, noch dumm, sondern äußerst gerissen und boshaft. Er hat genau gewußt, was er tat und es mit großem Geschick umgesetzt.
Von Chruschtschow über Breshnew zu Gorbatschow verläuft eine klare Linie. Gorbatschow ist der Abschluß dieser Entwicklung und die vollständige, geistige Entfaltung des Liquidatorentums. Beides, indem es sich trifft, bedeutet: Bei ihm erlangt die Konterrevolution erst das volle Bewußtsein über sich selbst und kann sich somit planvoll an die Abschaffung des Sozialismus machen.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: Fr 20. Apr 2007, 21:03 

Beiträge: 48
Ich hab mir mal die Sendung "Der Kommunismus - Geschichte einer Illusion" (phoenix) aufgenommen. Im 3. Teil "Zerfall der Macht" versucht Prof. Dr. Peter Glotz (SPD 81-87) Gorbatschow zu verteidigen, er sagt: "Gorbatschow wollte sein kommunistisches Reich keineswegs aufgeben. Gorbatschow war kein Verräter. Gorbatschow war Kommunist."
Tja,...was soll amn dazu sagen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: Sa 21. Apr 2007, 07:23 

Beiträge: 2008
Staatsfeind hat geschrieben:
Ich hab mir mal die Sendung "Der Kommunismus - Geschichte einer Illusion" (phoenix) aufgenommen. Im 3. Teil "Zerfall der Macht" versucht Prof. Dr. Peter Glotz (SPD 81-87) Gorbatschow zu verteidigen, er sagt: "Gorbatschow wollte sein kommunistisches Reich keineswegs aufgeben. Gorbatschow war kein Verräter. Gorbatschow war Kommunist."
Tja,...was soll amn dazu sagen.


Nenne mir bitte einen Grund, warum wir gerade dem Herrn Glotz glauben sollen?
Weil er Prof. ist? Bestimmt nicht, oder?

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: So 22. Apr 2007, 01:10 
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Beiträge: 688
@ Staatsfeind
Die Doku ist das Letzte, neben den Sprüchen von Leonhard der ja auch nur "Experte" ist, weil er aus der DDR geflohen war und dann im Westen seine Märchen, vor allem über Ulbricht, verbreitet hatte, zeigt die Doku soweit ich mich erinnere doch nicht eine positive Seite der SU. Weder die Sozialen Errungenschaften noch was der Sozialismus abschließend aus dem alten Zarenreich gemacht hatte... es wird weiterhin so getan als wäre der Zusammenbruch der SU das tollste was den Menschen hätte passieren können, da wurde nicht mal Ansatzweise das heutige Russland mit der SU verglichen usw... .

Gorbatschow hätte es sogar in kauf genommen Arbeitslose zu haben, das halte ich schon für unkommunistisch genug, ja das ist offensichtlich sozialdemokratisch. Gorbatschows "Reform Politik" mit seinen Phrasen mehr Markt wurden da schon lange von den Westdeutschen Kommunisten kritisiert, vor allem die Tatsache das jene Ideen Funktions unfähige waren.

Gorbatschow hat unter den Deckmantel der Demokratisierung und der Freiheit versucht Zitat"die Befreiung des Kommunismus von den Verkrustungen" . Das war aber nach seinen oben stehen Aussagen nichts anderes als die Befreiung vom Kommunismus selbst. Die Befreiung von der sozialistischen Gesamtstrategie bis hin zur wirtschaftlichen Öffnung zum Westen hin hat Gorbatschow auf die Spitze getrieben und den Prozess seit 1954 vervollständigt.

In seinem gesamten Handeln, denke ich, erkennt man den Zynismus und die Heuchlerei Gorbatschow´s, dies auch vorallem weil er durch die Medien immer als guter "Kommunist" dargestellt wird. Damit könnte man auch leicht in Hitler Positives sehen, er hat ja nur Krieg gemacht damit es eine Bundesrepublik Deutschland geben konnte... mal etwas übertrieben, den Gorbatschows Krieg gegen den Sowjetsozialismus hat genügend leben und Existenzen gekostet wenn man sich die ehm. Sowjet Republiken anschaut.

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"Alle Menschen von Genie, alle jene, die sich in der Republik des Geistes einen Namen gemacht haben, sind Franzosen, ganz gleichgültig, in welchem Land auch immer sie geboren wurden."
- Napoleon -


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: So 22. Apr 2007, 17:18 

Beiträge: 48
Ich wollte Gorbatschow sicher nicht verteidigen, sondern mich über die Lügner lustig machen welche ihn als Kommunisten bezeichnen!


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 Betreff des Beitrags: Re: Gorbatschow
BeitragVerfasst: So 22. Apr 2007, 21:23 
Meister des virtuellen Pinsels
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Beiträge: 688
Ach na dann. Ja ich dachte du fändest diese Doku gut. Leider gibt es viele von derartigen Werken.

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