Forum.stalinwerke.de - stalinforum.de

Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Aktuelle Zeit: Do 27. Jul 2017, 14:41

Alle Zeiten sind UTC




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 53 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:03 
Moderator

Beiträge: 876
Geschrieben: 07.05.2006 10:26

Zitat:
Ich denke der Feind entscheidet darüber.

Da stimme ich Dir zu.


Zitat:
Natürlich ist es traurig wenn Kunst hauptsächlich nach der Meinung des Autors bewertet wird, aber leider hat man - meiner Meinung nach - nicht viele Alternativen. Wenn der Westen sich nicht zu schade ist den Klassenkampf auch auf diesem Gebiet zu führen kann man ihm schlecht alle Türen öffnen. Wie soll man mit jemandem verfahren dessen Werke technisch gut aber ihr Inhalt und/oder seine Meinung antikommunistisch sind? Ihn verlegen?

Sicherlich sollte ein sozialistischer Staat antikommunistischer Propaganda kein Forum bieten. Andererseits könnte ein sozialistischer Staat seinen Bürgern zutrauen, über den Wert von Literatur oder Kunst selbst urteilen zu können. In einem sozialistischen Staat lebende Menschen mit einer allseitig entwickelten Persönlichkeit müssten erkennen können, was dem gesellschaftlichen Fortschritt nutzt und was nicht. Innovationen und Experimente auf künstlerischem Gebiet sollten nicht generell als Gefahr für eine sozialistische Gesellschaft angesehen werden.

Im Fall von Majakowski kann meiner Meinung nach zu keinem Zeitpunkt von antikommunistischer Propaganda gesprochen werden. Auch seine späteren Werke, wie z.B. die Wanze, würde ich weniger als Geringschätzung der Sowjetrealität betrachten sondern vielmehr als das aufrichtige Bestreben, vor möglichen Fehlentwicklungen in der sozialistischen Gesellschaft zu warnen.


Zitat:
Die Frage LAUTETE schließlich "wer-wen" und nicht "was-wie".

Das verstehe ich nicht. Was meinst Du damit?


Zitat:
Mir fällt es auch nicht leicht jemanden nicht zu mögen der Lenin mochte, aber seine Intention (welche sie auch gewesen ist) macht ja nicht das aus was dann auf dem Papier steht. Um es mit Kohl zu sagen: "Entscheidend ist was hinten rauskommt".

Da stimme ich Dir ebenfalls zu. Bezogen auf Majakowski ist mir nur wirklich nicht klar, inwiefern sein Werk im Ergebnis der sozialistischen Gesellschaft geschadet haben könnte. Und seinen Selbstmord würde ich primär als Reaktion auf seine privaten Lebensumstände sehen und weniger als Ausdruck einer Ablehnung der Sowjetrealität. Aber das ist natürlich nur meine subjektive Einschätzung. Definitive Aussagen darüber sind sicherlich schwer zu treffen.


Zitat:
Auf jeden Fall liegt zwischen der Gegenwart und Majakowskis Wirken über ein halbes Jahrhundert und ich denke wir sollten unseren Geschmack nicht von den politischen Notwendigkeiten von damals bestimmen lassen.

Nochmals Zustimmung. Vielleicht könnte man es zusammenfassend bei der Feststellung belassen, daß Majakowski ein herausragender Vertreter einer künstlerischen Strömung war, die in der Zeit kurz vor und kurz nach der Oktoberrevolution eine große Bedeutung innerhalb der Sowjetunion hatte, weswegen es Sinn machen kann, sich auch heute mit ihm zu befassen, unabhängig davon, wie man nun zu seinem Werk steht?


Zitat:
Aber, wir "Stalinisten" sind ja tolerant und wenn jemand wirklich Gefallen daran findet, dann können wir es auch nicht verbieten.

Solltet Ihr auch nicht verbieten wollen. Aufklärung bewirkt mehr als Verbote.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:05 
Moderator

Beiträge: 876
Geschrieben: 07.05.2006 10:44

Da zu den Gedichten von Majakowski ja schon einige Hinweise gekommen sind, möchte ich an dieser Stelle noch die Zusammenfassung des Theaterstücks von 1928 "Die Wanze" vorstellen.

Die Zusammenfassung stammt aus der Veröffentlichung "Wladimir Majakowski - Troubadour der Revolution oder Propagandist der Arbeitsgesellschaft?" von Eva-Bettina Görtz, zu finden auf http://www.hausarbeiten.de/faecher/haus ... 4297.html.

Den ganzen Text habe ich noch nicht gelesen, aber mein erster Eindruck ist, daß er viele verwertbare Informationen enthält und daß eine relativ differenzierte Sichtweise verteten wird.


Das Stück (Die Wanze) beginnt im Jahr 1929 mit der Hochzeit eines ehemaligen Arbeiters und Revolutionskämpfers (Prisypkin) mit der Tochter eines sog. NÖP-Bürgers. Die künftige Schwiegermutter des Arbeiters kann sich darauf freuen, daß die Hochzeit ihr ,,eine uralte unbefleckte proletarische Herkunft und ein Gewerkschaftsbuch ins Haus"84 bringt. Prisypkin lockt die Aussicht auf ein besseres Leben, ,,ein Haus und einen guten Umgang". Er versucht krampfhaft, seine bisherige Unterklassenidentität zu verleugnen: Er gibt sich einen neuen Namen, der eleganter klingt, läßt seine bisherige Arbeiterfreundin sitzen und färbt sich die Füße in der Farbe der Socken, damit man die Löcher nicht sieht. An den Insignien und Parolen der Partei wird natürlich festgehalten: Die Hochzeitsgesellschaft ist ganz in rot gehalten, die Hochzeitsfeier muß warten, bis der verhinderte Ehrengast, der Gewerkschaftssekretär, seine Glückwünsche übermitteln läßt, und Prisypkin hat nicht vergessen, daß man gegen die kleinbürgerliche Lebensweise zu sein hat: ,,Ich bin gegen die kleinbürgerliche Lebensweise - Kanarienvögel und so weiter. Ich bin ein anspruchsvoller Mensch...Ich interessiere mich für einen Spiegelschrank."85 Die Hochzeitsfeier endet im Fiasko: nach Besäufnis und Prügelei bricht Feuer aus, am Ende sind alle tot, nur die Leiche von Prisypkin können die Feuerwehrleute nicht finden. Der friert im mit Löschwasser voll gelaufenen Keller mitsamt seiner Gitarre ein. 50 Jahre später 1979 findet man die Leiche. Die erste Szene in der Zukunft spielt in einem Sitzungsaal. Es steht die Diskussion und Abstimmung über das Wiederauftauen von Prisypkin auf dem Programm. Für das Auftauen wird angeführt, daß ,,nach den Welt- und Bürgerkriegen, die zur Gründung der planetaren Föderation führten, durch Dekret 7.November 1965 menschliches Leben unantastbar ist". Gegen das Auftauen sprechen sich ,,epidemologische Sektionen" und ,,Hygiene-Kontrollpunkte" aus, die eine drohende ,,Verbreitung von Bakterien der Speichelleckerei und des administrativen Hochmuts" befürchten.86 Die Abstimmung endet schließlich mit einem klaren Votum für Wiederbelebung. Im Wiederbelebungslabor ist Prisypkins erste Sorge, nachdem er realisiert hat, daß er sich im Jahr 1979 befindet, daß er 50 Jahre keine Gewerkschaftsbeiträge bezahlt hat. Er stürzt auf die Straße, wo es nur Autos gibt, so daß er nicht weiß, ob er in Moskau, Paris oder New York ist. Lediglich eine Wanze, die mit ihm zusammen aufgetaut wurde und nun an einer Wand krabbelt, erinnert ihn an zu Hause. Im nächsten Bild berichtet ein Reporter über die ernste Lage seit der Wiederbelebung des ,,Säugetiers". So würden im Wolkenkratzer, in dem Prisypkin jetzt wohnt, alle Hunde verrückt spielen: ,,Die Hunde bellen nicht und spielen nicht, sie machen bloß Männchen (...) wollen gestreichelt werden und lecken. Die Ärzte sagen, wer von so einem Vieh gebissen wird, zeigt sofort alle Primärsymptome epidemischer Speichelleckerei."87 Außerdem wären schon diverse Belegschaften des Zweiten Medizinischen Labors von den Alkoholdämpfen des Bieres, mit denen sie das ,,wiederbelebte Säugetier" zwecks Erleichterung der Übergangsexistenz tränken müßten, erkrankt. Prisypkin kommt nicht zurecht in der Neuen Welt. Er meldet sich schließlich auf eine Anzeige des Zoodirektors, der ,,einen menschlichen Körper zwecks ständigen Gebissenwerdens zur Erhaltung und Entwicklung eines neuerworbenen Insekts"88 sucht. Der Zoodirektor hat nämlich die Wanze eingefangen, das für Prisypkin einzig vertraute Wesen. Das Stück endet mit einer Vorführung im Zoo: Prisypkin und die Wanze sitzen in einem Käfig und der Zoodirektor erläutert dem Publikum, daß es sich bei ,,Wanzus Normalis" und ,,Spiesserus Vulgaris" um zwei ,,von unterschiedlichem Wuchs, doch dem Wesen nach gleich(en)" handelt. Ihr Lebensraum sind die ,,modrigen Matratzen der Zeit. ,,Wanzus Normalis, der sich mästet und vollsäuft am Körper eines Menschen, fällt unter das Bett. Spiesserus Vulgaris, der sich mästet und vollsäuft am Körper der ganzen Menschheit, fällt auf das Bett."89


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:05 

Beiträge: 2008
Geschrieben: 07.05.2006 11:41

Danke für Deine Mühen Neo. Doch den Sinn eines Stückes wie die Wanze zu verstehen, fällt einem modernen Menschen verdammt schwer.
Klar ist, was hier angeprangert werden soll. Doch in einer derart überzogenen und wiedersinnigen Geschichte, dass man sich fragt, ob man wirklich so verblödet ist, dass einem die Mißstände der spießbürgerlichen Gesellschaft derart massiv ins Hirn gehämmert werden müssen. Vielleicht war diese Art der Darstellung des Problems Anfang der 30-iger erforderlich. Menschen, die sich heute für derartige Themen interessieren, wird man damit nicht erreichen können. Sie brauchen diese Art Aufklärung nicht, da sie bereits das Wissen haben.
Alle anderen Menschen, also CDU-, CSU-, FDP-, Grünen-Wähler und die braunen Nasen, interessiert dieses Thema ohnehin nicht. Nunja, die Braunen hätten wieder ein Beispiel für entartete Kunst.

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:08 
Moderator

Beiträge: 876
Geschrieben: 07.05.2006 12:32

Zitat:
Danke für Deine Mühen Neo. Doch den Sinn eines Stückes wie die Wanze zu verstehen, fällt einem modernen Menschen verdammt schwer.
Klar ist, was hier angeprangert werden soll. Doch in einer derart überzogenen und wiedersinnigen Geschichte, dass man sich fragt, ob man wirklich so verblödet ist, dass einem die Mißstände der spießbürgerlichen Gesellschaft derart massiv ins Hirn gehämmert werden müssen. Vielleicht war diese Art der Darstellung des Problems Anfang der 30-iger erforderlich. Menschen, die sich heute für derartige Themen interessieren, wird man damit nicht erreichen können. Sie brauchen diese Art Aufklärung nicht, da sie bereits das Wissen haben.
Alle anderen Menschen, also CDU-, CSU-, FDP-, Grünen-Wähler und die braunen Nasen, interessiert dieses Thema ohnehin nicht. Nunja, die Braunen hätten wieder ein Beispiel für entartete Kunst.


Danke auch gewe, habe ich gerne gemacht. Bezüglich der Verständlichkeit hast Du sicher recht, jede Kunstform steht im Zusammenhang mit der Zeit ihrer Entstehung. Majakowski war sich dessen übrigens durchaus bewusst. Im "Vorspruch" zur Zweitfassung des Theaterstücks "Mysterium buffo" von 1921 schreibt er:

"Mysterium buffo ist ein Weg". Der Weg der Revolution. Niemand kann mit Genauigkeit vorhersagen, welcherlei Gebirge wir, die diesen Weg beschreiten, noch werden sprengen müssen. Heute bohrt und das Wort "Lloyd-George" ins Ohr, und morgen werden sogar die Engländer selber diesen Namen vergessen haben. Heute drängt stürmisch der Wille von Millionen zur Kommune, und in einem halben Hundert Jahre werden vielleicht die Großflugschiffe der Kommune sich in den Raum werfen - zum Sturm auf fremde Planeten.

Darum habe ich den Weg (die Form) verlassen und wiederum die Teile der Landschaft (den Inhalt) verändert. All ihr künftigen Schauspieler, Inszenierer, Rezitatoren und Herausgeber des "Mysterium buffo", ändert jeweils seinen Inhalt, macht den Inhalt zeitgemäß, heutig, minutengerecht!


In dem Stück beschreibt Majakowski anhand der biblischen Sintflutlegende den Weg der Menscheit zum Kommunismus. Eine Gruppe unterschiedlicher Reisender durchläuft auf ihrer Arche Monarchie und bürgerliche Demokratie, macht Zwischenstation in der Hölle und im Himmel und erreicht schließlich das gelobten Land.


Eine Rezension zu einer Aufführung in der Schaubühne von 2004 gibt es hier:
http://www.freitag.de/2004/13/04131201.php


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:10 

Beiträge: 2008
Geschrieben: 07.05.2006 15:36 gewe

Zitat:
aus: SONNTAG, vorgesehen für Nr. 7/1959, bereits gedruckt auf der Seite, aber kurz vor eigentlichem Druckbeginn eliminiert und also bisher nicht veröffentlicht. Die Vorstellung nach der Premiere abgesetzt.



Das provoziert nun wieder die neugierige Frage: Warum? Warum keine Kritik im SONNTAG, warum Absetzung nach der Premiere?
Waren die Verantwortlichen von 1959 zur gleichen Einschätzung wie Numa heute gekommen oder fühlte sich da jemand in der oberen Etage angegriffen?

Die Antworten könnten unserer Diskussion ein Stück weiterhelfen.

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:15 

Beiträge: 462
Geschrieben: 08.05.2006 03:47

Die Zusammenfassung des Stückes "Die Wanze" von 1928 erscheint mir sehr interressant. Diese völlig überhöhte Darstellung realer kritikwürdiger gesellschaftlicher Probleme hinein ins Groteske gefällt mir. Als jemand der zu dieser Zeit nicht lebte findet man diese aufgedrängte politische Kritik vielleicht überflüssig oder gar nicht progressiv, doch kann eine solche Anti-Haltung den eigenen ideologischen Tellerand erweitern.
Den Sprung in die Zukunft kann man wohl als des Autors Traum einer erreichten kommunistischen Gesellschaft sehen die die realen Probleme seiner Zeit überwunden hat. Gleichzeitig ist der Sprung eine Kritik der damaligen Zeit - kann er doch dort direkter aussprechen was er meint. Der Zoodirekter spricht das Urteil über das was dieser Prisypkin im Kleinen doch ist: Ein Opportunist und Mitläufer. Im Großen zeichnet der Autor ein Bild von jenem Typus Mensch zu dem die extreme Verquickung von Politik, Ideologie und Propaganda die Menschen im Sozialismus erzieht.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:16 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Geschrieben: 10.05.2006 23:02

Hier noch die Lyrik des vogonischen Flottenkommandanten:

Oh zerfrettelter Grunzwanzling
dein Harngedränge ist für mich
Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
Grupp, ich beschwöre dich, mein punzig Turteldrom
Und drängel reifig mich mit krinklen Bindelwördeln
Denn sonst werd ich dich rändern in deinen Gobberwarzen
Mit meinem Börgelkranze, wart´s nur ab!

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:20 

Beiträge: 462
Geschrieben: 10.05.2006 23:21

Aus welchem jahr stammt denn das Gedicht?


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:21 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Geschrieben: 10.05.2006 23:44

Zitat:
Aus welchem jahr stammt denn das Gedicht?


Ich vermute mal, Du weißt nicht, was ein vogonischer Flottenkommandant ist?

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:22 
Salonbolschewist
Benutzeravatar

Beiträge: 1077
Geschrieben: 10.05.2006 23:45

Dawei, du hattest Recht das erinnert ja wirklich an Majakowski...

Zitat:
Aus welchem jahr stammt denn das Gedicht?




Ähem:

Zitat:
Ursprünglich im Jahr 1978 als Hörspielserie für die BBC geschrieben, entwickelte Adams die Geschichte (Per Anhalter durch die Galaxis) weiter, und es entstand eine Romanreihe, deren fünf Teile in den Jahren 1979 bis 1992 erschienen.

_________________
Brian: You have to be different!
The crowd: Yes, we are all different!
Small, lonely voice: I'm not!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:23 

Beiträge: 462
Geschrieben: 10.05.2006 23:49

Oh je! Wie konnt ich das nich wissen...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:24 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Geschrieben: 11.05.2006 00:33

Der Anhalter ist witziger als Goethes "Faust", spannender als Tolstois "Krieg und Frieden" und erotischer als "Grimms Märchen"- Wer den nicht kennt, der wird gesteinigt!

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:24 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
Geschrieben: 11.05.2006 00:55

ich kenne "der Anhalter nicht" ... krieg ich jetzt steine aufn Kopf? Frecher Stern

PS: was ist an Grims Märchen erotisch? Komischer Stern

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:26 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Geschrieben: 11.05.2006 01:03


Zitat:
ich kenne "der Anhalter nicht" ... krieg ich jetzt steine aufn Kopf? Frecher Stern



Aber richtig große!
Bild

Zitat:
PS: was ist an Grims Märchen erotisch? Komischer Stern



Ja, eben.

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:28 

Beiträge: 2008
Geschrieben: 11.05.2006 08:39

Zitat:
Oh je! Wie konnt ich das nich wissen...


So eine Raumfahrtstudium ist auch nicht mehr das, was es mal war. Gib zu, die erzählen Euch nichts Interessantes mehr in den Vorlesungen. Wink

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:29 

Beiträge: 2008
Geschrieben: 11.05.2006 08:41


Zitat:
... erotischer als "Grimms Märchen"!



Na und deren Erotik will erst mal getoppt sein. Wink

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:30 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
Geschrieben: 24.05.2006 15:49

zu Majakowski habe ich folgendes finden können: (aus Bill Bland: Stalin und die Künste http://red-channel.de/mlliteratur/sowjetunion/kunst.htm):



Zitat:
Der Fall Wladimir Majakowski



Der Dichter Wladimir Majakowski wird als der



"wahrhafte Troubadour der Revolution"

(Herbert Marshall, Hrsg., 'Majakowski', London 1965, hiernach zitiert als 'Her-

bert Marshall, Hrsg., 1965', S. 18).



angesehen.



Er schrieb Gedichte zu zeitgenössischen Themen, in einer einfachen Sprache, die jeder-

man verstehen konnte; er reiste von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und las sie vor.



Im April 1930 beging Majakowski Selbstmord, indem er sich erschoss. Er hinterließ

eine Nachricht.



Es wurde die Geschichte verbreitet, dass er



"wegen einer romantischen und unglücklichen Liebesbeziehung Selbstmord

beging."

(Gleb Struwe: Ebenda, S. 167).



Tatsächlich scheute der amtliche Untersuchungsbericht, der weniger als 24 Stunden

nach seinem Tod veröffentlicht wurde, keine Mühe um zu verneinen, dass sein Tod mit

seinen gesellschaftlichen und literarischen Aktivitäten zusammenhing:



"Die vorläufigen Daten der Untersuchung zeigen, dass der Selbstmord auf Ur-

sachen rein privater Natur zurückzuführen ist. Er hat nichts mit den gesellschaft-

lichen oder literarischen Aktivitäten des Dichters zu tun."

('Prawda', 15. April 1930, in: Herbert Marshall, Hrsg., 1965, ebenda, S. 28f).



Wie jedoch schon Shakespeare wusste:



"Männer sind von Zeit zu Zeit gestorben und Würmer haben sie aufgefressen,

aber nicht aus Liebe zu ihnen."

(William Shakespeare: 'Wir Ihr wollt', Akt 4, 1. Szene, in: 'The Complete Works',

Feltham 1979, S. 226).



Tatsächlich erfuhr Majakowski im Oktober 1929, dass die Frau, die er zu lieben meinte,

Tatjana Jalowlewa* - die Tochter eines weißrussischen, in Paris lebenden Emigranten -

einen anderen geheiratet hatte:



"Im Oktober erhielt Lilja Brik* einen Brief von ihrer Schwester Elsa (Elsa Triolet* -

Verf.) ...: 'Tatjana hat geheiratet'."

(A. D. P. Briggs: 'Wladimir Majakowski: Eine Tragödie', Oxford 1979, S. 114).



Sein Selbstmord ereignete sich erst im April des folgenden Jahres - sechs Monate spä-

ter - so dass man mit Helen Muchnic einer Meinung sein muss, wenn sie sagt:



"Es ist absurd anzunehmen, dass er, wie einige es taten, aus 'Liebe starb' -

im sentimental romantischen Sinne."

(Helen Muchnic: 'Von Gorki zu Pasternak: Sechs Schriftsteller aus Sowjetruss-

land', New York 1961, S. 263).



Es ist klar, dass es ein Ereignis oder einige Ereignisse, die im Frühjahr 1930 eintraten,

gegeben haben muss, die als unmittelbarere Ursachen seines Todes anzusehen sind.



Tatsächlich war Majakowski im Februar 1930 dem Russischen Verband der Proletari-

schen Schriftsteller (RAPP) beigetreten, mit dem Ziel, einen besseren Kontakt zu seinem

Publikum zu erhalten:



"Majakowski schloss sich dem RAPP an, um näher an sein Arbeiterpublikum

heranzukommen."

(Viktor B. Schklowski: 'Über Majakowski', Moskau 1940, S. 215).



Wie wir jedoch gesehen haben, war der RAPP unter die Kontrolle einer Bande heimlicher

Revisionisten mit Leopold Awerbakh an der Spitze geraten, der eine reaktionäre Diktatur

über die Künste ausübte. Als er dem RAPP beitrat,



"fiel Majakowski ... in ein totes Meer."

(Viktor B. Schklowski: Ebenda, S. 215).



Awerbakh und seine bürokratischen Spezis machten von vorneherein deutlich, dass Maja-

kowski in keinster Weise im RAPP willkommen war. Sie bestanden auf einer 'Umerziehung

in Sachen proletarische Ideologie', was ihn vereinsamen und depressiv werden ließ:



"Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass er sich seiner Isolation zunehmend

bewusst wurde und die Wolke der Ablehnung spürte, die tatsächlich über ihm

schwebte. ...

Die Bürokraten, die den RAPP kontrollierten, ...legten keinen großen Wert auf sei-

ne Anwesenheit.

Majakowski wurde nicht im RAPP willkommen geheißen und ... er fühlte sich in die-

ser Massenorganisation isoliert und einsam. ...

Von Februar bis April 1930 terrorisierte das Sekretariat des RAPP Majakowski mit

seinen trivialen didaktischen Bemühungen. ... Vom Zeitpunkt seines Eintritts bis zu

seinem Selbstmord beschäftigte sich das 'Sekretariat' jener Organisation damit, ihn

im Geist der proletarischen Ideologie und Literatur 'umzuerziehen' - eine wahrhaft

niederschmetternde Erfahrung. Einige Leute erinnern sich, dass er am Vorabend

seines Selbstmords ... sich in einem Zustand auswegloser Trübsal im Ergebnis

seiner Sitzungen mit den talentlosen Dogmatikern und kleinbürgerlichen Tyrannen

befand, dessen Organisation er beigetreten war."

(Edward J. Brown: 'Majakowski - ein Dichter in der Revolution', Princeton, USA,

1973, hiernach zitiert als 'Edward J. Brown, 1973', SS. 362f, 366f).



"Diese ganze Serie rachsüchtiger Angriffe auf Majakowski, dem ausgerechnet un-

genügende Nähe und Sorge um die Massen vorgeworfen wurde - Argumente, die

aus der zeitlichen Distanz so ungeheuer absurd erscheinen, aber die ihn in jener

Zeit bedrängten und in die Isolation trieben - sind bezeichnend für jene Methoden.

Majakowski war indirekt das Opfer der gleichen Leute, die später den großen sow-

jetischen Schriftsteller der Generation, die ihm voranging, ermordeten."

(Herbert Marshall, Hrsg., 'Majakowski und seine Dichtkunst', London 1945, hiernach

zitiert als 'Herbert Marshall, Hrsg., 1965', S. 6).



Als im Februar in Moskau und in Leningrad im März eine 'Ausstellung über Leben und

Werk Majakowskis' stattfand, wurde diese von



"den offiziellen und inoffiziellen Organisationen, von Dichtern und Kritikern boy-

kottiert; die Angriffe gegen ihn nahmen zu und die Kritik an ihm wurde immer ver-

nichtender."

(Herbert Marshall, Hrsg., 1965, S. 23).



Die Attacken gegen Majakowski vonseiten der RAPP-Leute wurden auch nach seinem

Tod fortgesetzt und sogar noch intensiviert:



"Die Wolke, die sich über Majakowskis Ruf in seinen letzten Jahren gelegt hatte,

wurde nicht durch seinen sinnlosen Tod vertrieben."

(Edward J. Brown, Hrsg., 1963, ebenda, S. 369).



"Sie jagten ihn auch nach seinem Tode. Sein Werk erschien nur in begrenzter Auf-

lage; es wurden keine neuen Werke veröffentlicht, es gab keine Forschung, keine

Aufführungen seiner Stücke und seine Bücher und Portraits wurden aus den Biblio-

theken entfernt."

(Herbert Marshall, Hrsg., 1965, S. 39).



"Noch eine Zeitlang nach seinem Tode gelang es der RAPP-Clique, seinen Selbst-

mord ausschlachtend, die Veröffentlichung seiner Werke zu behindern, die Eröff-

nung seines Museums zu verzögern und seinen Namen aus den Lehrplänen zu

streichen."

(Herbert Marshall, Hrsg., 1965, S. 6).



Als Elsa Triolet 1934 in Moskau den Schriftstellerkongress besuchte, beschwerte sie

sich bei 'einem dieser kleinbürgerlichen Bürokraten' über die Missachtung von Majakows-

ki in der Sowjetunion und man sagte ihr darauf:



"Es gibt einen Majakowski-Kult und wir kämpfen gegen diesen Kult."

(Elsa Triolet: 'Majakowski - Dichter Russlands', in: 'New Writing', Neue Folge Nr. 3,

London 1939, S. 222f).



Wie wir sehen werden, wurde RAPP auf Stalins Initiative hin im April 1932 aufgelöst.



1935 schrieben Lilja und Ossip Brik* an Stalin und beklagten sich über die Vernachlässi-

gung von Majakowski in der Sowjetunion (Edward J. Brown, Hrsg., 1973, S. 370).



Stalin antwortete prompt darauf:



"Majakowski war und bleibt der hervorragendste und talentierteste Dichter unserer

sowjetischen Epoche. Gleichgültigkeit seinem Angedenken und seinem Werk gegen-

über ist ein Verbrechen."

(J. W. Stalin, in: A. D. P. Briggs: Ebenda, S. 121f).



"Sofort passierte etwas. Majakowskis Asche wurde an einem Ehrenplatz neben den

sterblichen Überresten von Gogol erneut bestattet. Statuen des Dichters entstanden

überall. Sein Werk wurde neu herausgegeben und übersetzt."

(A. D. P. Briggs: Ebenda, S. 122).



Ein letzter Punkt: Die trotzkistischen Revisionisten, die Majakowski in den Tod trieben, be-

kennen sich keineswegs schuldig an diesem Verbrechen. Der US-Trotzkist Max Eastman*

zum Beispiel kommt zwar nicht umhin, Majakowskis Talent anzuerkennen und die Rolle von

Averbakh und seiner Gang bei seiner Verfolgung zuzugeben. Also dreht er die Wahrheit ein-

fach um, indem er Averbakh als



"den jungen Offiziersschüler Stalins"

(Max Eastman: 'Künstler in Uniform. Eine Studie zu Literatur und Bürokratismus',

London 1934, S. 35).



bezeichnet.

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 00:31 
Moderator

Beiträge: 876
Geschrieben: 25.05.2006 07:52

Zitat:
zu Majakowski habe ich folgendes finden können: (aus Bill Bland: Stalin und die Künste http://red-channel.de/mlliteratur/sowjetunion/kunst.htm)


Danke, dass Du nochmal den vollen Text eingestellt hast. Ich finde die Ausführungen von Bland ziemlich aufschlussreich und nachvollziehbar, weshalb ich schon im fünften Beitrag dieses Fadens von Deiner Seite zitiert und auf den entsprechenden Link hingewiesen habe. Es folgten allerdings einige kritische Anmerkungen zu den von Bland zitierten Quellen...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 07:36 
Moderator

Beiträge: 384
Geschrieben: 25.05.2006 10:45

Hm, die Quellen sind ja schön und gut, aber wenn ich mir dann hinterher doch wieder Gedichte von Majakowski ansehe, dann muss ich sagen, daß sie nichts anderes beweisen als die Unfähigkeit dieser ganzen Leute (Stalin eingeschlossen) in Sachen Kunst. Gibt es irgendeinen Künstler von Rang, Namen und Talent, der etwas gutes über Majakowski zu sagen hatte? (Und Shakespeare lasse ich nicht gelten!)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 07:37 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Geschrieben: 25.05.2006 12:50

Zitat:
Gibt es irgendeinen Künstler von Rang, Namen und Talent, der etwas gutes über Majakowski zu sagen hatte? (Und Shakespeare lasse ich nicht gelten!)


Hegel?

Wink

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 07:39 
Moderator

Beiträge: 876
Geschrieben: 25.05.2006 14:12

Zitat:
Hm, die Quellen sind ja schön und gut, aber wenn ich mir dann hinterher doch wieder Gedichte von Majakowski ansehe, dann muss ich sagen, daß sie nichts anderes beweisen als die Unfähigkeit dieser ganzen Leute (Stalin eingeschlossen) in Sachen Kunst. Gibt es irgendeinen Künstler von Rang, Namen und Talent, der etwas gutes über Majakowski zu sagen hatte? (Und Shakespeare lasse ich nicht gelten!)


Irgendwie finde ich es schon interessant, daß Majakowski hier zu größeren Kontroversen führt als wirklich "heiße" Themen wie z.B. der Putsch in der Sowjetunion von 1991 oder der Wollweber/Schirdewan-Komplex. (Das ist nicht als Kritik gemeint.)

Ich greife Deine Frage gerne nochmals auf. Vielleicht kann anhand der Diskussion über Majakowski ja auch grundsätzlich über Kunst und Sozialismus bzw. Revolution diskutiert werden.

Zunächst mal zu den Quellen. Die Quellen sollten nicht "beweisen" daß Majakowski ein guter Schriftsteller war. Sie sollten lediglich dokumentieren, daß Majakowski ein wichtiger Vertreter einer Kunstrichtung war, die in der frühen Sowjetunion eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat, sowie, daß Stalin, sozusagen der Namensgeber dieses Forums, sich über ihn positiv geäußert hat, und das nach Majakowskis Tod, also in Kenntnis seines Gesamtwerks.

Die Frage nach anderen Künstlern, die etwas Gutes über Majakoswki gesagt haben, kann sicherlich unter dem Aspekt interessant sein, Majakowsi besser einordnen zu können, aber ist es wirklich wesentlich für die eigene Beurteilung, ob z.B. Gorki die Werke von Majakowski gut fand oder nicht? Muss man ein Koch sein, um beurteilen zu können, ob einem ein Essen schmeckt? Natürlich kann ein Koch die Arbeit eines anderen Kochs unter handwerklichen Gesichtspunkten besser beurteilen als ein Laie. Aber das ist eine ganz andere Ebene. Und selbst unter Köchen gibt es unterschiedliche Schulen, die alle ihr Handwerk verstehen, aber trotzdem zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Als Kriterien für die Beurteilung von Kunst fallen mir spontan ein:

1) persönlicher Geschmack (subjektiv)
2) handwerkliches Können (objektivierbar)
3) Absicht des Künstlers (individuell)
4) Wirkung des Künstlers (gesellschaftlich)

Auf Majakowski bezogen, sähe eine Beurteilung nach diesen Kriterien bei mir so aus:

1) gefällt mir
2) kann ich nur begrenzt beurteilen, da kein Literaturwissenschftler oder Künstler
3) wollte erst die Revolution und später den sozialistischen Aufbau unterstützen
4) gab neue Impulse für die Kultur in der Sowjetunion

Für die Haltung eines Staates zur Kunst ist eigentlich nur Kriterium 4 relevant, da ist eine besondere Aufmerksamkeit sicherlich wichtig. Im Fall Majakoswki sehe ich allerdings keinen Anhaltspunkt, daß er der Sowjetunion oder der KPdSU in irgendeiner Form geschadet hätte. Hat jemand Informationen, die eine andere Sichtweise rechtfertigen würden?


Hier noch ein paar Beispiele für die Meinung anderer Künstler über Majakowski:

(Dass es aus dem Kreis der Futuristen positive Einschätzungen gab, liegt nahe, deshalb brauchen sie hier wohl nicht aufgeführt zu werden.)


Gorki (...) verweigerte dem jungen Talent nicht seinen Respekt, erkannte jedoch frühzeitig den Konfliktstoff, der in dieser Art des Versemachens angelegt war. Damals im Sommer 1915 trug Majakowski ihm Auszüge aus Wolke in Hosen vor: "Die Verse hatten mir sehr gefallen, und er las aussgezeichnet (...)"

Weiterhin sagte Gorki "Ich bin an alle möglichen Leute gewöhnt. Aber mit ihm hatte man es schwer. (...)"

Zitiert aus "Nyota Thun, Ich - so groß und so überflüssig" nach Gorki, Perepiska Gor'kogo s Gruzdevym, Moskau 1966, Seite 227.

Gorki nahm Majakowski in die Liste der ständigen Mitarbeiter der Zeitschrift Letopis auf und brachte im Oktober 1916 in dem von ihm geleiteten Verlag Parus den Gedichtband Einfach wie das Muhen heraus.

Das Verhältnis zwischen Majakoswki und Gorki war im übrigen sehr ambivalent, näher darauf einzugehen würde hier zu weit führen.


Franz Jung äußerte über Majakowski zu einer Zeit, in der er selbst eher dem Proletkult nahestand: "Majakowskis rhetorisches Drama ist stellenweise sehr stark und stellenweise sogar genial."


Auch Ilja Ehrenburg schätzte Majakowski sehr: "Die Nähe des Riesen Majakowski stärkte" schrieb er in seiner Autobiographie.


Aus den Kreisen der Politik habe ich folgende zwei Meinungen gefunden:

Lunatscharski schrieb im Frühjahr 1918: "Aus Majakowskis Versen tönen viele Noten, die keinen an Jahren und Seele jungen Revolutionär gleichgültig lassen können." Später nahm er allerdings eine etwas kritischere Haltung ein.

Trotzki kritisierte Majakoswki für seinen "revolutionären Individualismus". Er leide unter der "Kinderkrankheit des linken Radikalismus".


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 07:40 
Träger des Agitprop-Stalinorden
Benutzeravatar

Beiträge: 628
Geschrieben: 25.05.2006 14:23

Zitat:
Trotzki kritisierte Majakoswki für seinen "revolutionären Individualismus". Er leide unter der "Kinderkrankheit des linken Radikalismus".

Strahlender Stern

_________________
Die Andersdenkenden haben Rosa Luxemburg umgebracht - D.W.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 07:41 
Literat

Beiträge: 2947
Geschrieben: 21.06.2006 13:50

@neo

Meine scharfen Bemerkungen waren weniger gegen dich gerichtet, als vielmehr gegen deine Art, auf Argumente zu reagieren. Nachdem du so reagiert hattest, blieb mir keine andere Vermutung übrig, als dich für jemand zu halten, der das Offenkundige mit einem Stalin-Zitat wegzuwischen gedenkt. Daß das nicht deine Art ist, hast du gezeigt und nimmt mich in die Pflicht, mich bei dir zu entschuldigen. Aber inhaltlich liegst du nach wie vor daneben.

Ich hatte drei Momente an Majakowski benannt, die eine Präsens Majakowskis in einem Stalinforum ulkig machen. Zum ersten, daß er furchtbarer Dichter war. Das ist meines Erachtens das Widerlichste an ihm. Zum zweiten, daß er ein Irrer war. Auch das macht ihn nicht eben sympathisch. Diese beiden Umstände hat niemand hier ernsthaft bestritten. Niemand hat geäußert, daß er Majakowskis Selbstmord für die Tat eines geistig gesunden Menschen hält, und ebenso mochte sich niemand darauf einlassen, auch nur ein schönes Gedicht von Majakowski hier reinzustellen, damit wir anderen, die wir ihn zum Kotzen finden, sehen, daß er auch schöne Gedichte machen konnte. Ernsthaft thematisiert wurde nur der letzte Einwand, der nämlich, daß Majakowski ein linker Schwärmer war, der an der Sowjetrealität verzweifelt ist. Und gerade auf den kam es mir am wenigsten an. Doch sei es: Majakowski mochte den Sozialismus nicht als Tatsache, sondern nur als Wunsch. So schrieb er das Schwitzbad, in dem er mit der Bürokratie die notwendige Erhaltungsmaßnahme der Sowjetgesellschaft anprangerte. Eigentlich sollte ein Mitglied des Stalinwerke-Forums wissen, daß der Antibürokratismus das Feldgeschrei der Opposition war. Trotzki ging in den Zwanziger Jahren damit hausieren. Majakowski fiel ebenfalls darauf herein, heißt, er versagte als politische Persönlichkeit. Mir persönlich ist das wie gesagt Schnuppe. Es gibt Dichter, die weit mehr Antikommunisten sind, als Majakowski, bei dem das ja irgendwie ziemlich unbewußt vonstatten ging. Diese anderen Dichter kann ich auch lesen, ohne mir was abzubrechen. Ich habe mir noch nie je was abgebrochen, nur weil eines Dichters politische Haltung mir nicht paßte. Aber dichten können, das sollte er schon, der Dichter. Und das ist mein eigentlicher Grund, gegen Majakowski eine Abneigung zu haben. Ob M. dichten konnte, wird ungeklärt bleiben, allein: er tat es nicht. Er quälte Millionen von Menschen mit seinen scheußlichen Gedichten und allein dafür hätte man ihn daran hindern müssen, Dichter zu werden. Was hätte M. für ein ausgezeichneter Straßenbahnschaffner werden können! Niemand, der einmal seinen unverwechselbaren Blick in den Augen hatte, hätte sich je wieder getraut, schwarz zu fahren. Aber M. mußte ja unbedingt Dichter werden, und so ist der Gesellschaft ein wertvolles Mitglied verloren gegangen.

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 07:42 

Beiträge: 236
Geschrieben: 21.06.2006 19:23

Naja Numa, vielleicht gibbet doch Menschen, die seine Gedichte schön finden, also ich find ihn auch nicht so toll, aber ich seh Leute die die für mich hässlichsten Sachen schön finden.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wladimir Majakowski * 19. Juli 1893 † 14. April 1930
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 07:56 
Literat

Beiträge: 2947
Geschrieben: 21.06.2006 20:45

Nein gibbet nicht.

Adam Smith schreibt: "Es gibt kaum eine äußere Form, die so häßlich wäre, daß sie uns nicht angenehm wäre, wenn der Brauch sie unterstützt." Daß es Leute gibt, die die Häßlichkeit von Gedichten ertragen können, ohne schreiend wegzulaufen, ist die eine Sache. Eine ganz andere Sache ist die Frage, ob diese Leute, die bloß abgehärtet genug sind, daß sie es schaffen, jeder neuen Mode nachzulaufen, deswegen das jeweilige Zeug auch schön finden.

Wenn mir jemand sagt, er finde Majakowskis Gedichte schön, werde ich ihn ebenso einen Lügner nennen, wie einen, der mir erzählt, er finde Goethes Gedichte häßlich.

Schönheit - sofern wir von Kunstschönheit reden - ist nichts, was man herbeidiskutieren kann. Sie ist nicht aushandelbar, und sie ist auch nicht subjektiv. Nicht subjektiv, i.e. alle Menschen haben teil an ihr. Sie zwingt uns, wir können uns ihr nicht verschließen. Alles andere hat mit Schönheit nichts zu tun.

Das Ziel der Dichtung ist das Erzeugen von Schönheit mit sprachlichen Mitteln, und die Ästhetik hat ebensogut ihre Gesetze und Regeln wie alles andere auf der Welt. Wer die bricht, wird bestraft. Womit? Nun, womit bestraft man einen Dichter am besten?

Mit Sterblichkeit natürlich. Für Majakowski interessiert sich ja jetzt schon kaum noch einer. Und in ca. hundert Jahren, wenn unsere Urenkel - gleich unseren Urgroßvätern und uns selber - munter Goehte, Shakespeare, Homer und wie se alle heißen, lesen, wird Majakowski nur noch einigen Spezialisten für jenes dunkle Zeitalter, das sich selbst komischerweise Moderne nannte, ein Begriff sein.

_________________
Der Hunsch wars!


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 53 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3  Nächste

Alle Zeiten sind UTC


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen

Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group

Deutsche Übersetzung durch phpBB.de