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 Betreff des Beitrags: Philipp Müller * 5. April 1931 † 11. Mai 1952
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 09:48 
Moderator

Beiträge: 876
Geschrieben: 11.05.2006 07:07

Heute vor 54 Jahren wurde Philipp Müller im Alter von 21 Jahren von westdeutschen Polizisten ermordet.

Philipp Müller (* 5. April 1931 in München-Neuaubing; † 11. Mai 1952 in Essen) war ein deutscher Arbeiter. Müller wurde bei einer Demonstration in Essen von einem Polizisten erschossen. Es war dies das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Demonstrant durch die Polizei getötet wurde.

Philipp Müller war 1948 Mitglied der FDJ geworden und hatte beim Sozialistischen Jungarbeiter Aktiv mitgearbeitet. Er war Delegierter beim Deutschlandtreffen der FDJ 1950 und bei den 3. Weltfestspielen der Jugend und Studenten. 1951 stellte er einen Antrag zur Übersiedlung in die DDR und wurde aus politischen Gründen, wegen kommunistischer Umtriebe, entlassen.

Eine Konferenz von Vertretern verschiedener Jugendorganisationen am 2. März 1952 in Darmstadt unter Leitung des dortigen Pfarrers Herbert Mochalski, eines engen Vertrauten des hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller, rief zu einer »Jugendkarawane gegen Wiederaufrüstung und Generalvertrag« am 11. Mai 1952 in Essen auf. Der Aufruf fand bemerkenswert starken Widerhall. Trotz kurzfristigen Verbots der Demonstration am 9. Mai durch den Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold (CDU), der zugleich Ministerpräsident war, nahmen etwa 30.000 Personen teil.

Beim Polizeieinsatz zeichnete sich durch besondere Brutalität die "Einsatzgruppe Wolter" und die "Einsatzgruppe Knobloch" aus. Polizeikommissar Knobloch erteilte den Schießbefehl auf die Demonstranten. Zwei Kugeln eines Polizisten trafen Philipp Müller in den Rücken, eine Kugel traf sein Herz tödlich. Durch Polizeikugeln schwer verletzt wurden außerdem zwei weitere Teilnehmer der Friedenskarawane, der Sozialdemokrat Bernhard Schwarze aus Kassel und ein parteiloser Gewerkschafter aus Münster. Alle wurden von hinten getroffen.

Die Schüsse sind mit Urteil vom 2. Oktober 1952 vom Dortmunder Landgericht als Notwehr eingestuft worden. Dieses Urteil stieß vielfach auf Unverständnis. Dutzende Jugendliche wurden festgenommen, elf von ihnen später zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt.

Vergeblich beantragten die KPD-Abgeordneten im Landtag von Nordrhein-Westfalen am 12. Mai 1952 die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Auch der KPD-Abgeordnete Heinz Renner forderte in der Bundestagssitzung am 14. Mai 1952 vergeblich die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses: »Wegen dieses Antrages wurde Renner von Bundestagspräsident Hermann Ehlers (CDU) aus dem Saal gewiesen. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Essen am 11. Mai 1952 wurden auch später nie öffentlich aufgearbeitet. Weder die Verantwortlichen für die Essener Polizeiaktion, noch die Täter wurden bis heute zur Rechenschaft gezogen.

Während des Kalten Krieges spielten jahrzehntelang in der Propaganda beider Seiten auch die Ereignisse um die Erschießung Müllers eine Rolle:

Linke Christen versuchten zusammen mir linken Sozialdemokraten und Kommunisten, die Ereignisse mit dem Namen Essener Blutsonntag in die Nähe des Altonaer Blutsonntags zu rücken, konnten sich damit aber nicht durchsetzen. Die Ereignisse dieses Tages gerieten in der BRD in Vergessenheit, anders als etwa später die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch einen Polizisten in Berlin.

In der DDR dagegen wurde das Andenken an Müller insbesondere durch die FDJ aufrecht erhalten. Der damalige 1. Vorsitzende der FDJ, Erich Honecker, erklärte auf einer Kundgebung am 16. Mai 1952 in Berlin, die FDJ werde »nicht eher ruhen und rasten ( ... ) bis der Mord an Philipp Müller durch den Sturz der verräterischen Adenauerclique gesühnt ist«. Der Schriftsteller Kurt Barthel schrieb ein Gedicht über Müller, der Schriftsteller Paul Wiens und der Komponist Paul Dessau verfaßten zum Gedächtnis an Müller ein Arbeiterkampflied, das insbesondere in der FDJ bei politischen Anlässen gesungen wurde. Es wurden nach Müller in vielen Orten Straßen und öffentliche Einrichtungen benannt. In Ermsleben wurde eine LPG und in Biesenthal ein Betriebs-Kinderferienlager "Philipp Müller" benannt. Eine Schule in der Innenstadt von Weimar ist ebenfalls nach ihm benannt. Allerdings werden seit der Wende 1989 Einrichtungen und Straßen zum Teil zurück benannt; in München gibt es aber auch eine Initiative zur Umbenennung einer Straße in Philipp-Müller-Straße, denn Philipp Müller war Münchener.

http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_M%C3%BCller

http://61219.forum.onetwomax.de/topic=102875356495

http://www.arbeiterfotografie.com/galer ... eller.html

<img src="http://www.dkp-essen-bezirkv.de/philipmuellerplakat2.jpg" width="320" height="480">


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 Betreff des Beitrags: Re: Philipp Müller * 5. April 1931 † 11. Mai 1952
BeitragVerfasst: Mo 2. Apr 2007, 20:10 
Moderator

Beiträge: 876
Geschrieben: 11.05.2006 07:08

Am Samstag, den 11. Mai fanden sich rund 80 Menschen, darunter auch drei Geschwister zu einer Gedenkveranstaltung am Grab des vor 50 Jahre ermordeten Philipp Müller am Aubinger Friedhof ein. Dort berichtete Martin Löwenberg, ein Teilnehmer der Friedenskarawane vor 50 Jahren in Essen und Freund der Familie Müller von den damaligen Ereignissen.

Mehr unter:
http://www.dkp-muenchen.de/doku_mueller.shtml


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 Betreff des Beitrags: Re: Philipp Müller * 5. April 1931 † 11. Mai 1952
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 22:13 
Moderator

Beiträge: 876
Gestern vor 76 Jahren wurde Philipp Müller geboren.


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 Betreff des Beitrags: Re: Philipp Müller * 5. April 1931 † 11. Mai 1952
BeitragVerfasst: Mo 11. Mai 2009, 21:33 
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Beiträge: 146
Heute ist Philipps Todestag.
Habe dafür gesorgt, dass in Essen auch endlich mal wieder eine Gedenkveranstaltung stattfindet.

http://www.derwesten.de/community/BilderBaron/stories/695026/

_________________
"Die Revisionisten korrigieren den Marxismus-Leninismus. Sie sagen, sie seien bessere Marxisten-Leninisten als Marx oder Lenin. Es gibt einzelne Länder mit solcher Tendenz.[...] Auch die Menschen großer Länder können Fehler begehen. Wir dürfen die Menschen großer Länder nicht unkritisch loben oder ihnen blindlings nachfolgen."
- Kim Il Sung im Jahre 1960


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