Forum.stalinwerke.de - stalinforum.de

Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Aktuelle Zeit: Mo 21. Aug 2017, 04:28

Alle Zeiten sind UTC




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 23 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:58 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
während der Zeit meiner Abwesenheit, als ich meine Famileie besuchte und nix besseres zu tun hatte, hatte ich mich doch tatsächlich daran gewagt, Teile des Schwarz"buch" des Kommunismus zu lesen (ja so tief kann man sinken, wenn man im konservativ-katholischen Paderborn für drei Wochen verweilt ).
Da stieß ich auch auf den Vorwurf, dass während der Säuberungen die gesamte Führung der KP Polens zum Opfer fiel.
Auch wenn ich es nur im SBdK gelesen habe ... ist an dem Vorwurf was dran?

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:58 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Die Säuberungen waren doch 1937? Was hatten die da mit Polen zun tun? Oder wird das mit dem Aufräumen unter der polnischen Exilregierung von 1945 verwechselt? "Die große Verschwörung" (demnächst online) beschreibt das schön.

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:58 
Moderator

Beiträge: 876
Zitat:
während der Zeit meiner Abwesenheit, als ich meine Famileie besuchte und nix besseres zu tun hatte, hatte ich mich doch tatsächlich daran gewagt, Teile des Schwarz"buch" des Kommunismus zu lesen (ja so tief kann man sinken, wenn man im konservativ-katholischen Paderborn für drei Wochen verweilt ).
Da stieß ich auch auf den Vorwurf, dass während der Säuberungen die gesamte Führung der KP Polens zum Opfer fiel.
Auch wenn ich es nur im SBdK gelesen habe ... ist an dem Vorwurf was dran?


Deine Frage passt gut zu meinem Eintrag von heute unter "Sozialistische Politiker/Bierut". Bei Wikipedia heisst es dazu:

"Bierut wurde als Sohn eines Dorflehrers geboren und trat schon als Zwanzigjähriger in die weit nach links orientierte sozialdemokratische Splitterpartei "PPS-Lewica" ein, die sich später zur polnischen KP entwickelte. Schon 1927 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Polens. In der Zwischenzeit übte er mehrere Funktionen im linksgerichteten Konsumverein aus und weilte 1925 - 1926 und 1928 - 1930 in Moskau, wo er die Partei-Hochschule besuchte. In den Jahren 1930 - 1932 war er als Funktionär der Kommunistischen Internationale (Komintern) in Bulgarien, der Tschechoslowakei und Österreich tätig. Im Jahre 1933 wurde er von polnischen Gerichten zu zehnjähriger Haftstrafe verurteilt, die er im berüchtigten Gefängnis in Rawitsch abbüßte, 1938 jedoch begnadigt und entlassen. Ironischerweise rettete der Gefängnisaufenthalt sein Leben, denn er entging dadurch den Stalin -"Säuberungen", durch die die ganze Spitze der (ziemlich kleinen, etwa 30 000 Mitglieder bei der Bevölkerung von 35 Millionen zählenden) polnischen KP um 1937 liquidiert wurde.
http://de.wikipedia.org/wiki/Boles%C5%82aw_Bierut

Stalin schrieb 1924 zur KP in Polen:
http://www.stalinwerke.de/band06/b06-025.html

Hier könnte man wahrscheinlich mehr erfahren, wenn man polnisch versteht:
http://kompol.org/


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:58 
Moderator

Beiträge: 876
In dem Buch "Georgi Dimitroff - Kommentare und Materialien zu den Tagebüchern 1933-1943" heißt es, am 20. August 1937 "wird in Moskau der 69jährige polnische Internationalist und Mitbegründer der KP Polens Warski exekutiert. Leon Lipski, Mitglied des für die Auflösung der KP Polens zuständigen Viererkomitees in Polen, stellt sich gegen den Beschluss und fordert die Einberufung einer Nationalen Konferenz. Er wird vom NKWD verhaftet und gründet nach seiner Freilassung im Jahre 1938 mit einer Gruppe polnischer Kommunisten eine neue Organisation, die 1939 den kommunistischen Widerstand in Polen gegen die deutsche Besatzung organisiert."

Im gleichen Buch heißt es, am 28. November 1937 "Geheimbeschluß der KPdSU(B) zur Auflösung der KP Polens. Dimitroff sendet an Stalin den Entwurf einer resolution des Präsidiums des EKKI über die Auflösung der KP Polens und bereitet einen offenen Brief an die Mitgliedschaft vor, der den Schritt erklären soll."

Ein offizielles Dokument über die damalige Auflösung der KP Polens und die Begründung für diese Auflösung konnte ich bisher nicht finden. In den Stalinwerken auch nicht. Weiss jemand hier, wo weitere Informationen zu dieser Frage zu finden sein könnten?


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:59 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Hm... Ich versteh das trotzdem nicht so ganz. 1937/38 war Polen doch noch ein eigenständiger Staat und nicht von der SU (in Teilen) besetzt. Wie sollten die dazu kommen, den Vorsitzenden der KPP hinzurichten?

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:59 
Moderator

Beiträge: 876
Jetzt habe ich einen sehr ausführlichen Artikel zum Thema gefunden, in einer Ausgabe der jungen Welt vom 16.08.2003. Hier ist der Link:

www.jungewelt.de/2003/08-16/004.php

Das Problem ist nur, daß ein Aufruf dieses Artikel seit neuestem kostenpflichtig ist. Der Artikel ist aber über die "Im Cache"-Funktion bei Google noch zu finden.

jW 16.08.2003

Thema
Ryszard Nazarewicz, Warschau

Enthauptet

Die Auflösung der Kommunistischen Partei Polens durch die Kommunistische Internationale im August 1938


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:59 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
ist zumindest ein ziemlich krasser Vorwurf, wenn es der Wahrheit entsprechen sollte (und von ungefähr kommen solche Vorwürfe nicht)

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:59 
Administrator
Benutzeravatar

Beiträge: 4023
Interessanter Artikel in der JW.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, das KPP-Mitglieder erschossen werden, weil es ein paar Unstimmigkeiten gibt und dann die ganze Partei aufgelöst wird. Da scheint doch einiges mehr vorgefallen zu sein.

_________________
Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:59 
Moderator

Beiträge: 876
Ist wirklich schwierig einzuschätzen. Zumindest ist der Artikel sehr umfangreich. Daß die Partei als solches aufgelöst wurde, scheint eine Tatsache zu sein. Steht da in den Stalinwerken vielleicht doch noch was drin? Habe 1937 mal komplett durchgeblättert, aber nichts gefunden. Wäre auch interessant, den Standpunkt der neuen KP Polens dazu zu hören. Gibt es aber wohl nur auf polnisch, wenn überhaupt...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:59 

Beiträge: 45
Ich habe mir mal die Stelle durchgelesen von der Sergej schreibt, Hier wird die Jahreszahl 1933 genannt. Zitat "!933 ließen die Behörden ungefähr zwanzig polnische Kommunisten verhaften, in der Mehrzahl Emigranten, darunter ein Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei Polens (KKP). Seite 399. Wenn es stimmt das polnische Kommunisten Verhaftet wurden? Waren sie Opfer einer Verschwörung. Auch wird in diesen Abschnitt Die Organisation POW genannt, eine Polnische Militärorganisation. In den Buch von Michael Sayers und Albert Kahn " Die Verschwörung" heißt u.a " In den Jahren 1933/34 wurden die europäischen Völker von einem Übel heimgesucht. Ein Land nach dem anderen erlebte plötzlich Erschütterung durch Staaststreiche, Militärputsche,Sabotage, Attentate und die unerwartete Aufdeckung von Komplotten und Verschwörungen. Kaum ein Monat verging, in dem nicht neue Gewalttaten und Verräterein verübt wurden. In Europa herrschte eine Epidemie des Terrors und Verrats. Der Infektionsherd lag in Deutschland. Am 11. Januar 1934 berichtete United Press aus London: "Die gwalttätige Propaganda der neuen faschistischen Bewegungen, die an den unvermeintlichen Untergang der alten Regierungsform glauben, hat den ganzen Kontinent ergriffen; das Zentrum all dieser Bestrebungen ist das nationalsozialistische Deutschland." Weiter heißt es "Der Ausdruck war damals noch unbekannt. Aber die Wegbereiter der deutschen Heeresleitung hatten ihre Geheimoffensive gegen Völker Europas bereits begonnen. Die Cagoulards und das Croix de feu in Frankreich; die britische Union of Fascists; die belgischen Rexisten; die polnische Pow; die Henlein-Leute und die Hlinka-Garde in der Tschechoslowakei; die die norwegischen Quislinge; die Eiserne Garde in Rumänien;die bulgarische Imro; die finnische Lappo; der litauische Eiserne Wolf, das lettische Feuerkreuz und viele andere neugeschaffene nazistische Geheimorganisationen oder wiedererstandene gegenrevolutionäre Verbände waren an der Arbeit, um die Eroberung und niederwerfung des Kontinents durchdie deutsche Wehrmacht und den Angriff auf die Sowjetmacht vorzubereiten." Zwar behaupten die Autoren Das die POW ihre Operation 1921 einstellte, was aber nicht stimmte. des weiteren machte mir stutzig, wenn die Autoren schreiben Das die Mitglieder in dieser POW hauptsächlich aus den linken Spektrum stammen, viele von ihnen gehörten der PPS an. Einige hatten mit mit der PPS gebrochen und waren in die Kommunistische Partei eingetreten. Also etwa waren sie Opfer einer Verschwörung oder waren selbst Verschwörer und somit Feinde der Sowjtmacht. Denn die POW exitierte ja weiter und nicht wie die Autoren schreiben "1933 war die POW nicht mehr exitent.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:00 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
also ich habe mal nen interessanten Artikel gefunden, der sich mit der Liquidierung der KP Ungarns (am Beispiel Bela Kuns) und der KP Polens durch die Kominform beschäftigt:

Die Säuberungen der terroristischen Antikominterngruppe Dimitroff/Manuilski


Aus:

Arvo Tuominen

Die Glocken des Kreml (The Bells of the Kremlin)
Hrsg. von Piltti Heiskanen, London und Hanover, Kanada, 1983
(Das Buch wurde aus der Bibliothek von Dubuque/Wisconsin/USA entfernt, wie aus dem Stempel auf der ersten Seite hervorgeht)


Aus dem Finnischen ins Englische übersetzt von Lily Leino,
Auszüge übersetzt von G. v. Schnehen, mit Anmerkungen des Übersetzers


1. Über den Verfasser

Arvo Tuominen (1881-1966) war Generalsekretär der Finnischen Kommunistischen Partei und Mitglied des Präsidiums der Kommunistischen Internationale. Er war ein enger Vertrauter von Otto Kuusinen, dem finnischen Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI), der jahrelang zum inneren Führungskreis der Komintern gehörte. Auch Tuominen wurde später Mitglied des EKKI (1935-1939). Er brach 1940, drei Jahre vor Auflösung der Komintern, mit der Kominternführung.

Im Alter von 27 Jahren besuchte Tuominen 1921 das erste Mal die Sowjetunion, wo er mit Lenin zusammenkam. Nach seiner Rückkehr in Finnland verbrachte er dann fast zehn Jahre wegen seiner kommunistischen Aktivitäten im Gefängnis. Danach ging er nach Moskau, wo er an der Internationalen Leninschule studierte. Dann schloss er sich Kuusinen an. Er lebte mit ihm in dem gleichen Hochhaus an der Moskwa gegenüber dem Kreml, wo auch die anderen hohen Kominternführer untergebracht waren, lernte sie persönlich kennen und erfuhr Interna über die 'stalinschen' Säuberungen, besonders im Frühjahr 1937.

Später wandte sich Tuominen vom Kommunismus ab.


2. Die Auszüge (S. 221ff)

Während dieser Jahre (Tuominen spricht von den Jahren 1937/38 in Moskau - Übers.)
der großen Säuberungen, wurde das Präsidium der Komintern immer wieder ohne Vorankündigung zusammengerufen, um zu beweisen, dass dieser oder jener sich als 'Verräter' und 'Volksfeind' erwiesen habe. Wir lebten wie in einem Alptraum. ...

Ein solches merkwürdiges Treffen des Präsidiums wurde auch im Frühling 1937 anberaumt. Sobald es angefangen hatte, verkündete kurzerhand Georgi Dimitroff, der den Vorsitz hatte - Dimitroff war von 1935 bis zur Auflösung der Komintern im Jahre 1943 Vorsitzender der Kommunistischen Internationale; er war 1934 von Dimitri Manuilski für den Vorsitz vorgeschlagen worden, vgl. G. Dimitroff, 'Tagebücher, 1933-1943', Berlin 2000, S. 103 - Übers. - dass der Fall Bela Kun (Gründer der KP Ungarns und langjähriges Mitglied der Kominternführung - Übers.) auf der Tagesordnung stünde und dass der Kominternsekretär Manuilski, der für die Verbindung zwischen der Komintern und Stalin zuständig war, den Fall vorstellen werde.

Dann fing Manuilski an, aus einem Dokument etwas vorzulesen. Nachdem er ein paar Absätze vorgelesen hatte, fragte er:

"Kommt dies dem Bürger Bela Kun bekannt vor?"

Die Verwendung des Wortes 'Bürger' schien Bela Kun wie einen Blitz zu treffen. Er geriet in große Erregung. Auch wir anderen, außer Dimitroff und Manuilski, waren schockiert. Wenn nämlich das Wort 'Genosse' in 'Bürger' umgewandelt wurde, bedeutete dies nichts anderes als ein Todesurteil.

Bleich und getroffen, stammelte Bela Kun:

"Ich erkenne es wieder. Es ist ein Rundschreiben, das ich für die Kommunisten schrieb, die in Ungarn arbeiten."

"Gut", meinte Manuilski und las weiter aus dem Rundschreiben vor. In einem Absatz wurde die Politik der Kominternführung ziemlich hart attackiert, und unter anderem wurde bemängelt, dass die Kommunistische Partei der Sowjetunion in der Komintern unzureichend vertreten sei.

Nachdem er diesen Teil verlesen hatte, fragte Manuilski erneut:

"Hat der Bürger Bela Kun dies auch geschrieben?"

"Das habe ich", erwiderte Bela Kun stockend, so als ob er erahnen würde, dass ihm etwas Schreckliches erwartete.

"Gut", meinte Manuilski. "Bürger Bela Kun weiß dann wahrscheinlich auch, dass die Kommunistische Partei der Sowjetunion in der Komintern von Stalin vertreten wird."
(Anmerkung: Stalin hatte seit Ende der 20iger Jahre seine Arbeit in der Kominternführung eingestellt und war nur noch formell dort vertreten. Er hatte z. B. weder am 6. noch am 7. Weltkongress der Komintern aktiv teilgenommen - Übers.).

Bela Kun konnte nicht mehr an sich halten. Er sprang auf und rief:

"Dies ist eine gemeine Verschwörung! Ich bezog mich nicht auf den Genossen Stalin, sondern auf Sie, Manuilski und Moskwin (der später wegen Hochverrat hingerichtet werden sollte - Übers.), auf die Sekretäre und schlechten Bolschewiki. Mir ist bekannt, dass Stalin Mitglied des Präsidiums ist, genauso wie Jeschow oder Schdanow, aber sie nehmen nur selten an den Treffen teil. Sie sind gute Bolschewiki, die besten der Welt, aber Sie, Manuilski, sind überhaupt kein Bolschewist. Schon Lenin nannte Sie in der Zeit der Emigration einen 'Gottsucher'."

Dieser Angriff trieb Manuilski das Blut in die Wangen. Auch er verlor jetzt seine Beherrschung. Dann, als er dabei war, die Selbstbeherrschung wieder zurückzugewinnen, bemerkte er höhnisch:

"Ein so großer Führer wie der Bürger Bela Kun würde wohl kaum seine Munition auf einen so kleinen Vogel wie mich verschwenden. Aber der Genosse Stalin ist sogar für ihn ein ausreichend großes Ziel, und nur auf ihn bezog sich dieses Rundschreiben."

Manuilski, der zu den sarkastischten und giftigsten Rednern der Komintern gehörte, machte seine Rede zu einer wütenden Anklage und behauptete, dass Bela Kun schon in der Vergangenheit sich ernste Abweichungen zu Schulden kommen lassen habe. Er ging so weit, dass er ihm unterstellte, dass sogar schon während der Ungarischen Revolution, Bela Kun mit der rumänischen Geheimpolizei Kontakte gehabt und die Revolution verraten habe.

Bela Kun, der verschiedene Male versucht hatte, Manuilski zu unterbrechen, indem er aufsprang und mit den Armen fuchtelte, unternahm nun einen letzten, verzweifelten Versuch, um sich zu verteidigen. Auch er war ein brillianter Redner, der Typ eines Volkstribuns und jetzt, wo er merkte, dass seine Tage gezählt waren, und dass das Urteil gefällt worden war, brüllte er wie ein tödlich getroffener Löwe.

"Dies ist eine schreckliche Provokation, eine Verschwörung, um mich ermorden zu lassen. Aber ich schwöre, ich wollte Stalin nicht verletzen. Ich möchte Stalin alles selbst erklären."

Ich und die anderen Präsidiumsmitglieder, die mit dem Fall nicht vertraut waren, waren sich nicht sicher, ob Bela Kun auch Stalins Ruhm versucht hatte zu trüben. So wurde die Sache jedenfalls hingestellt. Außer Dimitroff und Manuilski nahmen noch andere Präsidiumsmitglieder an der Versammlung teil wie Kuusinen, Togliatti, Pieck, Gottwald, Florin, Wang Ming und ich und der auf Einladung gekommene Professor Varga.

Alle von uns hatten diesen großen und mächtigen Kampf eines Volkstribunen um sein Leben still und entsetzt mitangesehen. Niemand traute sich, etwas dafür oder dagegen zu sagen und konnte dies auch nicht. Es kam bei diesen Gelegenheiten zu keiner Abstimmung, weder bei dieser noch bei anderen. Zumindest im Sowjetischen Parlament finden Abstimmungen statt, obwohl jeder dieselben Ansichten hat. Aber bei diesen Komintern-Treffen fanden noch nicht einmal förmliche Abstimmungen statt.

Als das Duell vorbei war, läutete Manuilski eine Glocke, erklärte die Diskussion für beendet und verkündete, dass der Fall des Bürgers Bela Kun durch eine Drei-Mann-Kommission untersucht werden würde, aber solange dies nicht geschehen sei, sei er von allen geschlossenen Beratungen der Ungarischen Kommunistischen Partei und der Komintern vorläufig ausgeschlossen.

Die Sitzung war beendet. Bela Kun durfte gehen, aber als er durch die Tür trat, packten ihn zwei Polizisten der GPU (der sowjetischen Geheimpolizei - Übers.). Danach hörte man nichts wieder von Bela Kun, und sein Fall wurde auch nie wieder vom Komintern-Präsidium verhandelt. Es gab nur das Gerücht, dass er erschossen worden sei.

Ein paar Tage darauf traf fast alle anderen Mitglieder der Ungarischen Kommunistischen Partei, die in Moskau waren, das gleiche Schicksal. Soweit ich weiß, überlebten nur wenige die Säuberung, aber alle waren verhaftet und in entlegene Gebiete verbannt worden.

Nur einmal noch nach dieser dramatischen Szene im Komintern-Präsidium tauchte Bela Kuns Name im Moskau wieder auf. Es geschah 1938 während des berühmten Bucharin-Prozesses. Der öffentliche Ankläger Wyschinsky und seine Zeugen versuchten anzudeuten, dass Bela Kun zusammen mit Bucharin an irgendeiner Revolte, die von linksradikalen Sozialrevolutionären in Moskau vorbereitet worden war, teilgenommen habe, zu einer Zeit, da unter anderem die Ermordung Stalins geplant gewesen sei. Ganz offensichtlich war Bela Kun zu diesem Zeitpunkt bereits erschossen worden, denn sonst hätte man ihn an der Gerichtsverhandlung teilnehmen lassen, entweder als Zeuge oder als Angeklagter (hier irrt Tuominen: Kun wurde erst am 30. 11. 1939 erschossen, vgl. Bill Bland, 'Das Schicksal Bela Kuns', in: 'Die Ungarische Sowjetrepublik von 1919', 'Combat', Juni 1978. In den Prozessprotokollen erwähnt Bucharin jedoch Bela Kuns Name als jemand, der, obwohl ein 'linker Kommunist', an der Vorbereitung der Niederschlagung der 'Moskauer Revolte' gegen die neue Sowjetregierung beteiligt war. Das Zitat lautet: Bucharin: 'Erlauben Sie mir eine zweite Frage zu stellen. Ist dem Bürger Karelin bekannt, dass während der Moskauer Revolte der 'linken' Sozialrevolutionäre eine der wichtigsten Personen, die an den praktischen Operationen vom Standpunkt der Kampftechnik gegen die 'linken Sozialrevolutionäre' beteiligt waren, der 'linke Kommunist' Bela Kun war?' Vgl. Report of Court Proceedings in the Case of the Anti-Soviet 'Bloc of Rights and Trotskiytes', Moskau 1938, S. 505. Hieraus ergibt sich, dass Bela Kun loyal zur neuen Sowjetregierung stand und nicht zu Bucharins 'linken' Sozialrevolutionären gehörte, die die Ermordung Lenins und Stalins geplant hatten).

Erst zwanzig Jahre später, im Februar 1956, wurde sein Name wieder in einem längeren Artikel in der 'Prawda' genannt, in dem sein Landsmann Professor Varga bewies, dass er zu 'Stalins unzähligen unschuldigen Opfern' gezählt hatte. Bela Kun wurde wieder in 'seine Rechte eingesetzt', wie es so schön hieß, aber selbst Varga konnte nicht sagen, wann und wo Bela Kun erschossen oder was ihm offiziell bei der Verkündung des Todesurteils vorgeworfen worden war, ob es nur die 'Beleidigung' Stalins war, auf die sich Manuilski bezogen hatte, oder ob noch etwas anderes in der gleichen Richtung fabriziert worden war.

Besonders bedeutsam war die Liquidierung der Führung der Polnischen Kommunistischen Partei, die sich ebenfalls 1937 ereignete. Die Polnische Kommunistische Partei gehörte in der Komintern zu den mitgliederstärksten Sektionen. Ihre Führer waren alte Kommunisten, unter ihnen viele, die schon vor der Gründung der Komintern berühmt waren, die zur Zeit des Zarenregimes im Untergrund gearbeitet hatten und einige, wie der bekannte Kommunist Walecki, waren sogar mit Trotzki und Lenin nach Sibirien verbannt gewesen, wo sie die alte bolschewistische Garde kennengelernt hatten.

Trotz seines Alters und seiner Verdienste war Walecki jedoch nicht der Vorsitzende der Partei. Diese Position hatte Lenski inne - ein geschätzter und bekannter Kommunist, der in Russland und in der Komintern über ein hohes Ansehen verfügte. Zur Führung gehörte auch Bronkowski, ein alter Bolschewik, der zu den Sekretären der Komintern mit besonderen Aufgaben gehörte und der bis 1935 für die Baltischen Länder verantwortlich gewesen war. Auch Finnland gehörte zu seinem Aufgabenbereich, was bedeutete, dass er zeitweilig auch Vorsitzender der Finnischen Partei war. Der vierte bekannte Pole war Krajewski.

Alle vier waren also hervorragende Leute: Lenski und Bronkowski als Mitglieder des Exekutivkomitees der Komintern und des Präsidiums; Walecki und Krajewski als Mitglieder der Kontrollkommission der Komintern, dem höchsten internationalen Disziplinarorgan in der kommunistischen Hierarchie. Hinzukam, dass Krajewski Vorsitzender der Kaderabteilung der Komintern war - eine äußerst wichtige Position, denn er hatte in seinem Bereich das Recht, jemanden einsperren zu lassen oder wieder freizulassen.

Im Spätfrühjahr 1937 wurde das Kominternpräsidium erneut ohne Ankündigung zusammengerufen, genauso wie im Fall von Bela Kun. Wir nahmen an, dass wieder irgendeine Schurkerei ausgegraben worden war und bereiteten uns darauf vor, uns die üblichen Anschuldigungen anzuhören. Die Tatsache, dass kein polnischen Mitglied des Präsidiums anwesend war, überraschte uns, und einen Augenblick später hatten wir sogar Grund, noch überraschter und noch schockierter zu sein.

Dimitroff übernahm den Vorsitz. Wir bezogen unsere Plätze und Manuilski begann seine Rede so:

"Genossen! Ich muss Euch eine Geschichte erzählen, die so düster und widerwärtig ist und so unglaublich, dass man sie sich kaum vorstellen mag. 1920, als unsere tapfere Rote Armee vor den Toren Warschaus stand, ergab sich uns plötzlich ein ganzes polnisches Regiment mit 700 Mann. Das Regiment wurde jubelnd empfangen, weil sich ein großer Teil als sowjetische Sympathisanten erwies, und zu ihm gehörten auch einige Kommunisten, und das ganze Regiment blieb in der Sowjetunion. Viele seiner Mitglieder schlossen sich der Roten Armee an, einige als Offiziere, andere als Politkommissare und wiederum andere erhielten hohen Positionen im Sowjetapparat. Es war verständlich, dass der Übertritt auf unsere Seite unter solchen Umständen großes Vertrauen erweckte. Die Vergangenheit jener 700 wurde auch nicht untersucht. Wir gingen in die Falle - wie es der verräterische Feind geplant hatte."

Manuilski - ein gewandter Redner - hielt inne. Die Geschichte machte uns betroffen und gespannt warteten wir darauf, dass er fortfuhr.

"Unsere Feinde haben uns viele Fallen gestellt, aber nie welche, die durchtriebener und gefährlicher waren als diese. Wer hätte erraten können, dass diese 700 gezielt ausgesuchte und ausgebildete Spione waren - eine ganze Armee von Spionen, die in der Lage waren, sich an wichtigen Stellen festzusetzen, wo sie siebzehn Jahre lang ungehindert ihre schmutzige Arbeit verrichten konnten? Und wer steckte hinter diesem heimtückischen Unterfangen? Natürlich der sozialistische Renegat Pilsudski!"

(Pilsudski, Josef, polnischer Politiker, 1867-1935, Mitbegründer der Polnischen Sozialistischen Partei, PPS, stand im November 1918 an der Spitze des unabhängigen Polen, beteiligte sich an der Intervention gegen die junge Sowjetrepublik, 1920-1921, nach der Niederlage im Kampf gegen die Rote Armee zog er sich aus dem politischen Leben zurück; 1926 kam er durch einen Staatsstreich wieder an die Macht und errichtete ein halbfaschistisches Regime, 1934 Nichtangriffsvertrag mit Nazideutschland - Übers).

Unser Erstaunen hatte fast seinen Höhepunkt erreicht, aber als Manuilski verkündete, dass unter den 700 auch einige Mitglieder des Zentralkomitees der Polnischen Kommunistischen Partei gewesen seien, darunter Lenski und Bronkowski, die auch Spionage betrieben hätten, wurde es absolut. Deshalb bestünde keine andere Wahl, als das Oberkommando der Partei zu verhaften, was bereits erfolgt sei.

Das Verfahren war jetzt vereinfacht worden. Während Bela Kun noch erlaubt gewesen war, bei seiner Anklage dabeizusein, wurden die Polen verurteilt, ohne auch nur angehört zu werden, obwohl sie Mitglieder der Führung der Komintern waren - zwei waren im Präsidium, zwei in der Kontrollkommission. Dimitroffs feierliche, zusammenfassende Rede, die die kurze Sitzung beendete, konnte nur als Urteil verstanden werden, da er es als eine Selbstverständlichkeit betrachtete, dass die GPU die polnischen Spitzenpoliker verhaftet habe. Daraus ging auch hervor, dass alle 700, insoweit man ihnen habhaft werden konnte oder sie noch lebten, verhaftet worden waren.

Natürlich waren wir sehr nachdenklich, als wir die Sitzung verließen. Die verhafteten Leute waren Berühmtheiten, erprobte alte Revolutionäre. (Solche Marionetten-Kommunisten wie Bierut, Cyrankiewitz und andere Organisatoren des Blutbads von Poznan waren uns damals völlig unbekannt, ganz zu schweigen von einem Führer wie Gomulka. Von ihnen konnte sich niemand diesen angesehenen Kommunisten an die Seite stellen.) Und uns entging nicht, dass nicht nur diese 700 gejagt wurden, sondern auch eine große Zahl ihrer Angehörigen und Freunde - ganz allgemein all solche, die irgendetwas mit ihnen zu tun hatten - wurden im gleichen Netz gefangen. Man kann davon ausgehen, dass mehrere Tausend polnische Kommunisten im Verlauf dieser Säuberungen der KP-Führungen liquidiert wurden.

In letzter Zeit wurde in Italien die Frage diskutiert, inwieweit Togliatti von Stalins Verbrechen gewusst habe. (Touminen geht fälschlicherweise davon aus, dass die Verbrechen der Kominternführer Dimitroff und Manuilski Stalins Zustimmung hatten, was jedoch der Tatsache widerspricht, dass Stalin erstens 1937 in der Komintern über keinen Einfluss mehr verfügte und zweitens vor Dimitroffs Ernennung zum neuen KI-Vorsitzenden mit Manuilski große Meinungsverschiedenheiten hatte, vgl. Dimitroffs Tagebücher, 1933-1943, ebd. S. 103, Eintrag Dimitroffs vom 25. 4. 1934. Auch hatte sich Stalin für Bela Kun, allerdings vergeblich, eingesetzt. Als 1947 die Komintern als 'Kominform' neu gegründet wurde, ließ Stalin Dimitroff und Manuilski links liegen. Beide erhielten keine Funktionen mehr).

Am Anfang des Kapitels erwähnte ich Togliattis Anwesenheit bei der Verurteilung und Verhaftung Bela Kuns. Er war auch dabei, als die gesamte Führung der Polnischen Kommunistischen Partei verurteilt wurde. Allgemein gesagt, nahmen alle Mitglieder, die in Moskau waren, an den Sitzungen der Komintern teil. Weder Togliatti noch sonst irgendwer protestierte.

Das Präsidium der Komintern hatte seine 'tiefe Empörung über solche Verrätereien' zum Ausdruck gebracht und legte uns als Parteiführer nahe, sehr wachsam zu sein, damit sich solche Dinge nicht in anderen Parteien wiederholten.

Dennoch passierte es. Nur ein paar Monate nach der polnischen Affäre ereignete sich die in der Estnischen Partei.

Nachdem Estland seine Unabhängigkeit erlangt hatte, gab es dort zwei große Namen in kommunistischen Kreisen: Kingisepp und Anvelt. Als die estnischen Grenzwachen Kingisepp an der russischen Grenze in den zwanziger Jahren erschossen hatten, blieb Anvelt als alleiniger Vorsitzender, und in der estnischen Partei war er bedeutender als Kuusinen in der finnischen Partei. Ich kannte ihn und die gesamte Führung der estnischen Partei sehr gut. Ich hatte mit ihm häufig zu tun, und er hinterließ bei mir den Eindruck eines talentierten, angenehmen und integren Mannes.

Ihm wurden wichtige Angelegenheiten übertragen. Im Raum von Leningrad hatte er hohe Positionen inne. So weit ich weiß, war er in der Leningrader GPU eine zentrale Figur. Seit Anfang der dreißiger Jahre hatte er in der Komintern führende Positionen inne, und zu dieser Zeit war er Vorsitzender der Kontrollkommission der Komintern - mit anderen Worten: Er hatte das internationale Disziplinarkomitee unter sich. Man hätte ihn den Kopf der GPU der Komintern nennen können, insofern, als seine Aufgabe darin bestand, alle politischen Abweichungen in den kommunistischen Parteien zu untersuchen, alle Verstöße gegen die Parteidisziplin und alle Fälle von Spionage. Sein Einfluss war groß, denn er konnte jeder Partei Weisungen erteilen, was sich für die gesamte Führung einer Partei sehr nachteilig auswirken konnte. ...

Und so wurde über seine Liquidierung auf einer Sitzung des Präsidiums der Komintern
im Schnellverfahren verhandelt. Es wurde verkündet, dass er in die Aktivitäten sowjetischer Feinde verwickelt gewesen sei, und dass er durch die Positionen, die er innegehabt hat, über zwei Jahrzehnte hinweg großen Schaden angerichtet habe. Und das war's. Gleichzeitig sagte man, dass das Zentralkomitee der Estnischen Partei ebenfalls unter Verdacht stünde. Anvelts engster Mitarbeiter, Allas, kümmerte sich um die Parteigeschäfte der Estnischen Partei in einem kleinen Büro neben dem der Finnischen Partei. Er war ein stiller Mann, der an TBC erkrankt war und der nur durch eine bestimmte Therapie am Leben gehalten wurde. Er wurde zusammen mit drei oder vier anderen estnischen Politikern in Moskau zusammen mit Anvelt verhaftet.

Zur gleichen Zeit, und auch hier im Handumdrehen, wurde die Führung der litauischen Partei liquidiert. Dazu gehörte zum Beispiel ein Mann, der in der Komintern sehr bekannt war: Angaretis, ein litauischer Jude, der überall durch seinen schönen grauen Bart die Aufmerksamkeit erregte, vielleicht damit mehr als mit seinem Verstand. Auch er war Mitglied der Kontrollkommission, Anvelts Assistent, und auch er wurde zusammen mit den anderen Mitgliedern des Zentralkomitees der Partei verhaftet, mit der Anschuldigung, in Spionage verwickelt gewesen zu sein. Alle seien vermutlich Werkzeuge von Smetona gewesen - Litauens halbfaschistischer Diktator.

Das dritte baltische Land besaß keinen bekannten Vertreter in der Komintern, so dass seine Liquidierung fast unbemerkt vonstatten ging. ...

Als eine kommunistische Regierung im Sommer 1940 gebildet wurde, war kein Anvelt oder auch nur ein einziger wahrer alter Kommunist in Sicht, sondern lediglich bürgerlich Professoren wie Vares oder sozialdemokratische Renegaten wie Andresen - alles Leute, die Anvelts kommunistische Partei als Agenten von Präsident Päts attackiert hatten. Das Gleiche traf auf Litauen und Lettland zu. Die Führung wurde von irgendeinem Sozialdemokraten übernommen oder sogar von einem Bürgerlichen und die Tatsache, dass sie vorher als Anhänger von Litauens Diktator Smetona oder Lettlands Ulmanis entlarvt worden waren, bedeutete gar nichts.

Auch in Polen sah man keinen Lenski, keinen Bronkowski oder Walecki; stattdessen tauchten kleinbürgerliche oder bürgerliche Namen oder unbekannte Kommunisten auf. Eine Ausnahme unter den Ländern mit kommunistischen Führern in der Sowjetunion war Bulgarien, denn zumindest Dimitroff und sein Henker Kolarow konnten überleben, und nach dem Putsch erreichten sie sogar hohe Positionen - zwar nur für eine kurze Zeit - bis sie unter merkwürdigen Umständen starben.

Ein Teil der jugoslawischen Führung wurde ebenfalls liquidiert, aber einige Mitglieder überlebten, unter ihnen Tito, dem es gelungen war, die Sowjetunion 1936 zu verlassen, bevor Stalins Terror seinen Höhepunkt erreicht hatte. (Tuominen geht auch an dieser Stelle davon aus, dass Stalin den Terror der Antikominterngruppe Dimitroff/Manuilski unterstützte, was nicht zutrifft; er unterstützte allerdings die Maßnahmen gegen die trotzkistisch-bucharinsche Opposition, die seit 1931 - Rjutin-Plattform - zum Terror übergegangen war. Beides darf nicht miteinander verwechselt werden - Übers.).

In jenen Tagen war Tito noch kein großer Führer. Auf dem Kongress von 1935 (T. meint den Siebten Weltkongress der Komintern, der im Juli/August 1935 in Moskau stattfand - Übers.) wurde er noch nicht einmal als jugoslawischer Vertreter im Exekutivkomitee der Komintern geduldet. Unter dem Namen 'Walter' arbeitete er jedoch als Kominternfunktionär oder - wie wir es nannten - 'als Funktionär für bestimmte Aufgaben'. Außer, dass ich ihn auf den Sitzungen der anderen Funktionäre sah, traf ich ihn einige Male in Kuusinens Sekretariat.

Als ich einmal bemerkte, dass ich eine ganze Zeit in finnischen Gefängnissen verbracht hatte, bemerkte er, dass auch er Zeit in einem finnischen Gefängnis zugebracht habe, obwohl nur für eine kurze Zeit. Er meinte, er sei 1917 während der so genannten Juli-Revolution in Petrograd gewesen und sei von dort nach Viipuri geflohen, wo man ihn festgenommen habe. Die finnischen Behörden hätten ihn verhört, aber dann wieder freigelassen. Er kritisierte auch nicht die finnischen Vernehmungsbeamten; im Gegenteil: Er bezeichnete sie als objektive und faire Leute. Zum Scherz bemerkte ich darauf, dass wir uns einmal die Vernehmungsprotokolle ansehen sollten, die wahrscheinlich in den finnischen Staatsarchiven lägen, um festzustellen, ob er sich als guter Kommunist vor einem bürgerlichen Klassengericht gezeigt habe. 'Walter' versicherte mir, dass sein Verhalten vorbildlich gewesen sei. ...

In den Jahren 1935/1936 blieb das Ansehen des Trios (T. meint die 'Helden von Leipzig', Dimitroff, Taneff und Popoff - Übers.) auf einem hohen Niveau, und wo immer Dimitroff erwähnt wurde, wurden auch Taneff und Popoff (die mit Dimitroff zusammen nach dem Reichstagsbrand im März 1933 festgenommen worden waren - Übers.) gleich mit erwähnt.

Jedoch schon 1936 gab es im inneren Kreis der Komintern Gerüchte, dass Dimitroff doch nicht der starke Mann sei, der er zu sein schien. Sein Kampf vor dem Gericht, der so hervorragend zu sein gewesen schien, wies einige Schwachpunkte auf, und man flüsterte sich sogar zu, dass es bei dem Handel, zu dem sich die Nazis für Dimitroffs Freilassung und Ausreise nach Russland bereit gefunden hatten, etwas Anrüchiges gab. Dimitroff hatte anscheinend als Gegenleistung Dienste angeboten. ...


3. Schlussfolgerungen

Für die Säuberungen der dreißiger Jahre, denen alte, bewährte, kampferprobte Kommunisten zum Opfer fielen, die teilweise schon mit Lenin gekämpft hatten (wenn man an die polnischen Bolschewiki denkt, die Tuominen erwähnt), war eine terroristische Antikominterngruppe mit Georgi Dimitroff und Dimitri Manuilski an der Spitze verantwortlich, die sich des sowjetischen NKWD unter Führung von Nikolai Jeschow, der 1939 als Mitglied des Blocks der Rechten und Trotzkisten entlarvt und zwei Jahre später wegen Hochverrats hingerichtet wurde, bediente, besonders aber seiner 'Dritten Abteilung', die mit der Kaderabteilung der Komintern eng zusammenarbeitete.

Das KPD-Mitglied Franz Schwarzmüller hatte Recht, als er am 23. April 1939 in einem fünfzehnseitigen Brief an Stalin schrieb: Diese

"Überreste der geschlagenen Banden des Trotzkismus, der Sinowjew- und Bucharinleute versuchen, das Feuer abzulenken auf unschuldige Menschen durch wahllose Verhaftungen, breiteste Entfaltung der Denunziation und falsche Verdächtigungen."
(Quelle: RCChIDNI. - 495/74/139, Bl. 15 - Russisches Zentrum für die Aufbewahrung und Untersuchung von Dokumenten der neuesten Geschichte).

Auch der Stalinvertraute Andrej Shdanow hatte Recht, als er auf dem 18. Parteitag der KPdSU im März 1939, auf dem Jeschow von Stalin überführt wurde, ausführte:

"Die Verleumdung ehrlicher Mitarbeiter unter der Flagge der 'Wachsamkeit' ist gegenwärtig die verbreiteste Methode zur Tarnung und Maskierung der feindlichen Tätigkeit. ...Ihre Hauptanstrengungen richteten die Feinde darauf, die ehrlichen bolschewistischen Kader zu zerschlagen."
(Andrej Shdanow: 'Abänderungen am Statut der KPdSU. In: 'Kommunistische Internationale', 1939, Sonderheft, S. 244ff).

Arvo Tuominens Darstellung zeigt genau dies. Er durchschaute allerdings nicht, dass Stalin mit diesen Machenschaften nichts zu tun hatte. Aber: Für jene Verfahren (z. B. die Moskauer Prozesse von 1936-1938), die sich gegen die Verbrechen der Rechten und Trotzkisten richteten, die führende marxistisch-leninistische, der sozialistischen Sowjetunion ergebene Politiker wie Sergej Kirow, Maxim Gorki oder Menschinski ermordeten oder durch Ärzte ermorden ließen, war der sowjetische Staat mit Stalin an der Spitze sehr wohl verantwortlich.

Hier zeigt sich einmal mehr, wie Recht Stalin hatte, als er sagte, dass der Klassenkampf auch im Sozialismus mit unverminderter Härte weitergeht. Er wurde in der damaligen Sowjetunion geführt um die Vorherrschaft in ganz wichtigen Organen: in der Kommunistischen Internationale, im NKWD, im sowjetischen Außenamt und anderswo. In der Kommunistischen Internationale hatten sich an führender Stelle Feinde der sozialistischen Sowjetunion festgesetzt, darunter Georgi Dimitroff, der sich in einer von der Gestapo unter Führung von Rudolf Diels organisierten Prozessfarce aus Anlass des Reichstagsbrandes ein so hohes 'antifaschistisches' Ansehen erschlich, dass der Block der Rechten und Trotzkisten ihn zum Vorsitzenden der Komintern durchbringen konnte und er durch dieses Ansehen als 'antifaschistischer Held' bis zuletzt unantastbar blieb.

Es sind die heutigen Revisionisten, die des 21. Jahrhunderts, die unermüdlich dafür sorgen, dass die Legende um Dimitroff als 'Held von Leipzig' erhalten bleibt, was entscheidend dazu beiträgt, dass die Kominternverräter nicht entlarvt werden können und dass es der bürgerlichen Propaganda leichtfällt, Stalin und seine 'psychopathische Persönlichkeit' stattdessen für die Massenmorde 'an seinen eigenen Leuten' verantwortlich zu machen. Hier zeigt sich einmal mehr, wie sehr die Revisionisten, zum Beispiel die der DKP, aber auch viele andere, der bürgerlichen Anti-Stalin-Propaganda in die Hände arbeiten.


4. Nachtrag

Der Fall Alfred Liskow.

Kurz vor dem Überfall der Nazitruppen auf die Sowjetunion hatte das KPD-Mitglied Alfred Liskow die sowjetischen Grenzsoldaten vor dem bevorstehenden Überfall gewarnt. Liskow lief in der Nacht zum 22. Juni 1941 zur Sowjetunion über. In Moskau bezeichnete er die Kominternführung, darunter Manuilski, Dimitroff und Togliatti als 'eine Führung von Verrätern'. Die Folge war, dass Dimitroff eine Kommission bilden ließ, zu der auch der deutsche Revisionist Walter Ulbricht gehörte, um das 'verdächtige Verhalten' von Liskow zu 'untersuchen'. Dazu schreibt Dimitroff in seinen 'Tagebüchern', Eintrag vom 22. September 1941:

'Habe Weisung erteilt, ihn sorgfältig unter die Lupe zu nehmen.'
(G. Dimitroff, 'Tagebücher 1933-1943', Berlin 2000, S. 431).

Am 26. September, also nur vier Tage später, stand der Abschlussbericht der von Dimitroff ernannten Kommission. Er wurde an Fedotow (NKWD) geschickt (Vgl. ebd., S. 432). Als nichts gegen Liskow unternommen wird, beordert Dimitroff Trifonow vom NKWD zu sich und schickt an den neuen Chef des NKWD, Lavrenti Berija, am 32. 12. ein chiffriertes Telegramm. Dimitroff schreibt in seinem Tagebuch über Liskow:

"Er ist zweifellos ein Faschist und Antisemit. Vielleicht ist er seinerzeit sogar von den Deutschen selbst im Sonderauftrag zu uns geschickt worden."
(Ebd., S. 465, Eintrag vom 23. 12. 1941).

Zwei Tage später wird Dimitroff von Trifonow darüber informiert, dass das NKWD Maßnahmen gegen Liskow ergreifen werde. Dimitroff:

"Er wird vom NKWD übernommen."
(Ebd., S. 467, Eintrag vom 25. 12. 1941).

Liskow verschwand spurlos in der Sowjetunion.

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:00 
Moderator

Beiträge: 876
@ Sergej: Wie hoch ist die Glaubwürdigkeit von Arvo Tuominen einzuschätzen?

Unabhängig davon, ein sehr interessanter Artikel mit vielen Detailinformationen, der aus eigener Recherche kaum zu finden gewesen wäre. Wegen solcher Beiträge lohnt es sich wirklich, hier dabei zu sein. Vielen Dank.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:00 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
Zitat:
@ Sergej: Wie hoch ist die Glaubwürdigkeit von Arvo Tuominen einzuschätzen?


ob wirklich alles stimmt, was Tuominen hier schreibt kann ich nicht beurteilen, aber ich denke mal, dass an einigen Punkten wohl was dran ist

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:01 

Beiträge: 2008
Zitat:
... dass an einigen Punkten wohl was dran ist


Vorsicht! Ist das nicht genau das Denkschema was man bei den Lesern auslösen will?
Na klar sind das interessante "Informationen". Doch wirklich interessant sind sie für uns doch nur, wenn sie auch wahr sind. Alles andere wäre wohl unwissenschaftlich, oder?

Hat sich T. vom Kommunismus abgewandt, weil er enttäuscht war - also obige Darstellungen der Wahrheit entsprechen? Oder hat er sich abgewandt - aus 'zig denkbaren Gründen - und dann diese Darstellung verfaßt?

Ich bin mir durchaus im klaren, dass es sehr schwer ist, zu klären, was hier wahr ist. Doch einfordern muss man es schon.

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:01 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
was ich damit sagen wollte ist, dass ich die hier angegebenen Informationen am schlüssigsten und glaubwürdigsten halte. Aber ob es tatsächlich so war, kann man nur mithilfe eines Gegenbeweises, der Obiges eindeutig widerlegt. Ist dies nicht der Fall, muss man sich auf diese Information stützen!

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:01 

Beiträge: 2008
Zitat:
was ich damit sagen wollte ist, dass ich die hier angegebenen Informationen am schlüssigsten und glaubwürdigsten halte. Aber ob es tatsächlich so war, kann man nur mithilfe eines Gegenbeweises, der Obiges eindeutig widerlegt. Ist dies nicht der Fall, muss man sich auf diese Information stützen!


Dem letzten Satz muss ich meine Zustimmung verwehren. Mit allem anderen wäre ich durchaus einverstanden.
Warum und wozu muss ich mich auf diese Informationen stützen? Wenn ich sagen kann, dass die Informationen der Wahrheit entsprechen, bitte dann gern. Wenn ich es nicht weiß und nicht herausbekommen kann, ob es wahr ist, dann nehme ich diese - durchaus interessanten Informationen - zur Kenntnis und speichere sie im Fach "noch zu Überdenkendes" ab.
Sprich, ich will die Informationen momentan nicht in Zweifel ziehen aber auch nicht als Grundlage für weitere Schlußfolgerungen verwenden. Baue ich meine Welt auf einer falschen Basis auf, laufe ich wahrscheinlich auch schnell Gefahr, womöglich ein ganzes Gedankengebäude falsch zu konstruieren und die falschen Schlußfolgerungen zu ziehen. Daher mein Vorsicht!

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:01 
Moderator

Beiträge: 876
@ gewe: Deinen Warnhinweis halte ich für sehr berechtigt. Aber welche praktikable Vorgehensweise empfiehlst Du, um verlässliche Grundlagen für ein politisches Weltbild zu gewinnen? Irgendwann kommt man zu dem Punkt, da man Originalquellen, womöglich in einer fremden Sprache, lesen und analysieren müsste - und selbst die könnten gefälscht sein. Von dem Zeitaufwand ganz abgesehen.

Bei vielen Themen hilft eine solide Analyse und die Frage "Wem nützt es?". Bei historischen Vorgängen wie z.B. der Liquidierung der kommunistischen Parteien in Polen und Ungarn und deren Bewertung ist ein solcher Ansatz aber nur bedingt zielführend. Was tun?


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:01 

Beiträge: 2008
Du hast den Finger genau auf dem Problem. Mein Vorschlag war: Ich will die Informationen momentan nicht in Zweifel ziehen aber auch nicht als Grundlage für weitere Schlußfolgerungen verwenden.
Ich werde also momentan nicht sagen, diese Informationen sind falsch. Ich werde aber auch nicht sagen, diese Informationen sind zutreffend. Ich behalte das Thema in Erinnerung und achte beim Lesen all dessen was mir so unter die Augen kommt, darauf, ob ich neue Hinweise oder Quellen finde.
Das diese Methode, wenn überhaupt, erst nach recht langer Zeit brauchbare Ergebnisse liefert, ist vollkommen klar.
Mir geht es darum, an derartige Fragen, Probleme, Prozesse immer mit kritischem Abstand heranzugehen. Dabei ist die Frage "Wem nützt es?" eine der grundsätzlichen Fragen. Ich frage mich auch weiterhin "Wozu nützt mir die Information?", "Was kann ich damit bezwecken?".
Bei anderen Fragen/Problemen kann man auch erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln und wie sich betreffende Personen, Gruppen etc. in bestimmten Situationen verhalten. Ich sage immer, ein gutes Beispiel war der Nichtangriffsvertrag Sowjetunion mit Hitlerdeutschland. Das hat bei vielen Kommunisten Fragen aufgeworfen, auf die nur (zumindest anfänglich) die wenigsten eine Antwort geben konnten. Hier gibt es bei Gossweiler entsprechendes zum Nachlesen.

Im moment ist für mich also nur relevant, es gab da einen historischen Vorgang, wo viele ungarische und polnische Kommunisten ums Leben gekommen sind. Offen sind die Fragen, ob es nun wirklich Kommunisten waren oder eingeschleuste Agenten und was da die wirklichen Hintergründe für den Tot dieser Menschen waren.

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:02 

Beiträge: 51
Die Komitern war also auch unterwandert? Dann hat Herrmann Axen ja recht, wenn er in ein Interview mal sagte, das auch Dukomente gefälscht waren, es ging da um die Auflösung der polnischen Kommunistischen Partei in der Komitern. Nun was Dimitroff angeht, er hat in guten geglaubt was man ihn übermittelt hat, das Liskow ein Faschist und Antisemit war? Alles was in der DDR über Dimitroff geschrieben und erzählt wurde, kann ja nun hier nicht ein anderes Bild entstehen, ich sehe es erst mal so das Dimitroff auch gelinkt wurde und auf eine falsche Fährte gesetzt wurde. Ansonsten sollte man mal gegenbeweise heranziehen.

_________________
"Niemand ist Alleinbesitzer der Wahrheit! Niemand darf im Alleinbesitz der Macht sein" Karl-Eduard von Schnitzler


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:02 

Beiträge: 2008
Zitat:
Ansonsten sollte man mal gegenbeweise heranziehen.


Genau das sind meine Forderungen. Die letzten Beiträge gehen genau in die Richtigung, wovor ich gewarnt habe. Es wird der Beitrag oder Teile davon für wahr angenommen, ohne das es Beweise für die eine oder andere Darstellung gibt.

Wenn man 40 Jahre über Dimitroff nur Positives gehört hat, ist es für mich auch schwer vorstellbar, dass er mit den Nazis einen Deal gemacht haben soll und für den Tod der polnischen und ungarischen Kommunisten verantwortlich sein soll. Doch in den letzten 15 Jahren habe ich viel Überraschendes hinzugelernt. Also bin ich auch bereit, mein bisheriges Bild über Dimitroff zu korrigieren, wenn tatsächlich mehr Beweise vorliegen. Im Moment ist für mich alles offen.

_________________
»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:02 
Möchtegernputschist
Benutzeravatar

Beiträge: 1624
im Übrigen habe ich mal angefangen einige Diskussionen über die Rolle Dimitroffs zu machen, weil mir das Thema doch ziemlich unbekannt ist,
folgendes hatte ich der GDS (Gegen die Strömung) geschrieben(der erste Punkt ist in dieser Frage erstmal unbedeutend):

Zitat:
hallo M. und S. (und eventuell alle anderen vom Buchladen)
das Treffen konnte zwar heute nicht stattfinden, dennoch kann ich ja mal einige Gedankengänge, die ich mir während der letzen zwei Wochen gamacht habe, kurz vorstellen.
erstmal komme ich auf die Sache mit Kambodscha zu sprechen. Recht gebe ich dir, M., insofern, dass der Begriff "Holocaust" für Kambodscha nicht verwenden kann, egal wie schlimm die Verbrechen des pseudomarxistischen Pol Pot Regimes. Die dementsprechende Erklärung hast du dafür geliefert. Richtig ist auch, dass um eine konsequente und richtige Beurteilung des Pol Pot Regimes zu haben, man sich in aller erster Linie mit Originaldokumenten der "Genossen" aus Kambotscha auseinandersetzen muss. Solche Dokumente liegen mir leider nicht vor, weil sie auch schwer Zugänglich sind (einzige 'brauchbare Quelle' wäre das Schwarz"buch" des Kommunismus - ein weiterer Kommentar wäre hierzu unnötig). Nur sollte man sich deswegen mit dem Pol Pot Regime nicht auseinandersetzen? Ich denke, dass wäre falsch! Die 4 Texte die sich mit Pol Pot befassen und die ich auf meiner Seite veröffentlich habe, würde ich nicht als dubios und pseudomarxistisch bezeichnen, nur weil es sich großteils um Erlebnisberichte handelt! Würde man tatsächlich so vorgehen, dürften alle Erlebnisberichte als dubios gelten (inklusive derer aus der Sowjetunion - z.B. so auch Lion Feuchtwanger- Moskau 1937). Wichtig ist, ob sich solche Erlebnisberichte mit den tatsachen decken oder nicht. Nun gut, Originaldokumente habe ich nicht, aber ich denke dieser Text: http://red-channel.de/mlliteratur/soz_s ... olpot4.htm gibt einen guten Überblick über Pol Pot. Ob man dieses Regime als maoistisch bezeichnen will oder nicht, ist hierbei erstmal nebensächlich (meiner Meinung nach gibt es große Differenzen zu Maos China, es ist aber auch Fakt, dass Mao Pol Pot - zumindest passiv - unterstütze und auch einige 'maoistische' Kräfte wie die MLPD verurteilen den Einmarsch der Vietnamesen in Kambotscha als 'sozialimperialistisch'). So viel erstmal zu Kambotdscha

Kommen wir zum zweiten Punkt, zu Dimitroff.
Vorweg möchte ich sagen, dass ich mit Blands Einstellung zu Dimitroff ebenfalls nicht einverstanden bin. Dennoch würde ich Blands Analysen über Dimitroff nicht gleich als dubios und absurd darstellen, ohne einen konkreten Gegenbeweis zu liefern (im Übrigen hat zum Beispiel der Maoist International Movement - USA - zu Bland eine ähnliche Einstellung. In einem Text über Bland, den ich auf die Schnelle nicht finden konnte, kritisiert MIM Blands Werk 'Klassenkämpfe in China' und erwähnt ebenfalls, er arbeitet dort mit dubiosen Quellen irgendwelcher Geheimagntenen usw. Gleichzeitig, praktisch in einem Atemzug, lobt sie seine Arbeit "Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion", weil es für sie Fakt ist. Solch eine Einstellung hat mit marxistischer Analyse vorne und hinten nichts zu tun, sondern ist purer Dogmatismus! Man sucht sich nur das aus, was einem ins Weltbild passt, alles andere ist eine Lüge, gewonnen aus dubiosen Quellen. Im Übrigen muss gesagt werden, dass "Klassenkämpfe" in China mit Sicherheit einige Fehler und Mängel hat - so kann ich Blands Einteilung der politischen Fraktionen der KPChinas nicht ganz nachvollziehen - und man kann sich auch vorstellen, dass die ein oder andere Quelle unglaubwürdig ist, aber Bland bezieht sich auf viele Quellen, darunter auch originaldokumente, so ist der Einwand der MIM nicht nachvollziehbar).
Weiter zu Dimitroff....
Wie oben erwähnt, sagte ich, dass ich mit Blands Analyse zu Dimitroff nicht einverstanden bin bzw. ihr skeptisch gegenüberstehe (und ich finde euren Einwand richtig, dass ich dazu auch klar Stellung beziehen sollte, was auch nachgeholt wird). Berechtigterweise stellt sich dann auch die Frage, warum ich dann diese Texte veröffentliche. Die Antwort liegt bei mir klar auf der Hand: Klarheit über die Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung und eine Auswertung unserer momentanen Niederlage! Zum anderen wohl auch um zu 'provozieren', das heißt also, auch mal Positionen anzubringen, die in der kommunistischen Bewegung auf Widersprüche stoßen, weil sie einfach neu sind. "Nichts ungefragt hinnehmen - alles überprüfen!", wie Bill Bland richtig heruasstellte.
Wenn man die Rolle Dimitroffs richtig herausarbeiten will, so sollte stellen sich mir zum Beispiel folgende Fragen, die mir - auch nach dem Lesen der Anti-Dimitroff-Texte von Bland und Gerd Schnehen - noch nicht ganz klar sind:
Nehmen wir das Beispiel der Säuberungen 1937-1938 innerhalb der Komintern. Es ist zum Beispiel Fakt, dass neben wirklichen Verrätern und Konterrevolutionären auch viele unschuldige Kommunisten verurteilt und zum teil hingerichtet wurden. Vor allem die Thälmannsche Führung der KPD, sowie fast die gesamte polnische und ungarische KP. Dass es sich bei diesen Säuberungen, keineswegs um "stalinsche" Säuberungen handle, weil es sich hierbei großteils um Unterstützer der stalinschen Linie handelt, wird deutlich. Folglich müssen konterrevolutionäre Kräfte hier eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Gerd von Schnehen geht dabei - Blands Position zu Dimitroff unterstützend - in dem Text "Die Säuberungen der terroristischen Antikominterngruppe Dimitroff/Manuilski" http://red-channel.de/mlliteratur/soz_s ... berung.htm ausführlich ein (auch ich selber hatte in der Analyse zu den Säuberungen die Säuberung der KPD durch die Komintern mithilfe des von Jagoda und Jeschow geführten NKWD Revue passieren lassen http://red-channel.de/texte/terror.htm). Glaubhaft finde ich den Text durchaus, nur wird hier Dimitroffs Rolle nicht wirklich erkennbar, er wird zwar hin und wieder erwähnt, kommt aber kaum zu Wort, sodass man Dimitroff wirklich als 'Verschwörer' bezeichnen kann. Somit muss man sich die Frage stellen, was für eine Rolle andere Kominternführer wie Manuilski, Wehner, Piek, Toglatti usw. gespielt haben. Ihre negative Rolle in der Komintern, vor allem was Herbert Wehner angeht, ist sehr gut Dokumentiert. Die Rolle Dimitroffs scheint dabei relativ zwiespältig zu sein, zumindest hat er aber als Kominternführer eine gewisse Verantwortung zu tragen! Hierbei spielt vor allem auch die 'Brüsseler Konferenz' der KPD von 1935 eine entscheidende Rolle, die Wehners negative Rolle nochmals bekräftigt. (Eine entsprechende Analyse vom selben Autor gibt es ebenfalls und wird in Kürze auf meiner Seite zu lesen sein - auch hier wird zwar Dimitroff als Verschwörer bezeichnet, aber auch nur nebenbei erwähnt). Auch sollte man sich die Frage stellen, warum es zur Auflösung der Komintern kam und welche Rolle zum Beispiel Dimitroff in der späteren Kominform spielte (meines Wissens nach keine große).
Das sind die mitunter wichtigsten Fragestellungen die sich bei mir stellen und es in meinen Augen einen Klärungsbedarf braucht.
Dass Dimitroff im Kampf gegen den Nazifaschismus gute Beiträge geleistet hat (siehe Weltkongress der Komintern 1935) will ich nicht abstreiten, nur habe ich mich aus Zeitgründen nicht sehr ausführlich damit auseinandergesetzt, sodass ich hierzu noch keine Stellungnahme schreiben kann und will, ich versuche es aber nachzuholen.
PS: die Genossen vom Roten Oktober werde ich diesbezüglcih auch anschreiben, da mir aufgefallen ist, dass sie Blands Position zu Dimitroff doch nicht ganz zu teilen scheinen. (in ihrer letzen Ausgabe veröffentlichten sie den Geburtstagsgruß für Bill Bland, der im Original auch auf meiner Seite zu finden ist ... der RO hatte aber den Namen Dimitroff weggelassen!)
Ich freue mich auf die Diskussion und eure Meinung dazu
Rotfront
Michael

_________________
Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:03 
Moderator

Beiträge: 876
Danke für den interessanten Beitrag zu Dimitroff, er bringt einige neue Ansatzpunkte zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema. Je mehr ich darüber lese, umso mehr Zweifel bekomme ich, ob eine eindeutige Einschätzung der Rolle Dimitroffs im Zusammenhang mit der Liquidierung der KP Polens und anderer Aktivitäten der Komintern heute üerhaupt noch möglich ist. Alles was zu diesem Thema in offiziellen Archiven zu finden ist, könnte "redigiert" sein, seine eigenen Tagebücher lassen auch viele Fragen offen, beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Könnte es sein, dass Dimitroff in der Komintern einfach keine klare Linie verfolgt hat, sondern sich unter dem Eindruck der damaligen Umstände eher von Fall zu Fall entschieden hat, welche Position er einnimmt?


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Liquidierung KP Polens
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 18:03 
Moderator

Beiträge: 876
Die Ursprünge des modernen Revisionismus
Gedanken beim Lesen der Tagebücher Georgi Dimitroffs
von Kurt Gossweiler
Quelle; Offen-siv Heft 10/03

http://www.kommunisten-online.de/wissen ... isionismus


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 23 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen

Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group

Deutsche Übersetzung durch phpBB.de