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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:36 

Beiträge: 181
Könnte mir vielleicht jemand einige gute Texte zum Thema Afghanistankrieg geben? Gibt es vielleicht ein Buch, das änlich wie "Die Wahrheit über J.W.STALIN" ist, nur eben die Entwicklung nach Stalins Wirken aufzeigt? Ich habe keine Lust irgend einen Schrott zu lesen und so meine Zeit zu verschwenden. Ich weiss, dass die Politik nach Stalins Tod keine wirklich sozialistische mehr war, doch kann mir dennoch nicht vorstellen, dass die UdSSR Afghanistan "wegen lustig" angriff. Es gibt sicherlich Erklärungen und Begründungen. Danke im Voraus!


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:36 

Beiträge: 237
Vorweg: mir sind keine vertrauenswürdigen Arbeiten darüber bekannt.

Aber Du hast den Daumen drauf: Der Afghanistankrieg stellte den Versuch eines Revolutionsexports dar, woran auch die Präsenz imperialistischer Kräfte in Afghanistan nichts ändert. Allein das Ergebnis des Krieges und der massive Widerstand großer Teile der afghanischen Bevölkerung zeigen, daß hier keine Unterstützung einer revolutionären Bewegung stattfand, sondern ein revisionistischer Versuch, den Sozialismus gewaltsam zu verbreiten.

Gerade dieser Krieg diente und dient imperialistischen Medien dazu, das bösartige, aggressive Bild des Sozialismus zu untermauern. Gewonnen wurde nichts und aufgrund des Kräfteverhältisses, dessen Analyse für JEDE Aktion unerläßlich ist, war auch nichts zu gewinnen.

Wenn die Situation reif ist, genügen 82 (zwischenzeitlich 12!) aktive Revolutionäre für ein über-10-Millionen-Volk (Cuba). Wenn nicht, bringen auch zigtausend Soldaten der nach meiner Einschätzung schlagkräftigsten Armee der Welt mit modernster Ausrüstung nichts.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:37 
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Zitat:
Aber Du hast den Daumen drauf: Der Afghanistankrieg stellte den Versuch eines Revolutionsexports dar, woran auch die Präsenz imperialistischer Kräfte in Afghanistan nichts ändert. Allein das Ergebnis des Krieges und der massive Widerstand großer Teile der afghanischen Bevölkerung zeigen, daß hier keine Unterstützung einer revolutionären Bewegung stattfand, sondern ein revisionistischer Versuch, den Sozialismus gewaltsam zu verbreiten.


Das ist schlichtweg falsch.

Im April 1978 übernahm die Demokratische Volkspartei Afghanistans in der Republik Afghanistan unter Nur Muhammad Taraki die Macht. Sie stürzte das vorherige bürgerliche Regime und versuchte sich dem sozialistischem Staatenblock anzunähern und die Gesellschaft in Richtung Sozialismus zu verändern. Z.B. durch eine Bodenreform.

1979 wurde Tarakis in Folge von innerparteilichen Kämpfen ermordet(?), und zwei Monate später erfolgte der Einmarsch der Sowjetunion. Dies geschah auf Basis eines sowjetisch-afghanischen Freundschaftsvertrages von 1978.

Ich würde die Situation also im begrenzten Rahmen eher mit dem so genannten "Prager Frühling" von 1968 vergleichen. Es war also auch keine (sozial)imperialistische Handlung seitens der Sowjetunion.

Trotz entgegenkommenden Angeboten der sozialistischen Machhaber an die oppositionellen Kräfte, insbesondere die Mudschaheddin, könnte kein Frieden erreicht werden. In Folge dessen eskalierete der Krieg.

Übrigens hatte bereits vor 1979 der CIA seine Finger im Spiel und unterstützte sozialismusfeindliche Kräfte.

Das Ergebnis so zu beurteilen, das keine Unterstützung in der Bevölkerung für den Sozialismus vorhanden war, sehe ich auch als falsch an.

Im Übrigen ist uns wohl allen bekannt, das der Sozialismus (leider!!!) nur auf dem gewaltsamen Wege errichtet werden kann. Inwiefern ein gewaltsamer Export in andere Länder angebracht ist, darüber kann man sicher in einem anderen Faden diskutieren. Ich würde es nicht grundsätzlich ausschließen.

Zitat:
Gerade dieser Krieg diente und dient imperialistischen Medien dazu, das bösartige, aggressive Bild des Sozialismus zu untermauern.


Dies ist dagegen richtig, ist aber auch immer so, wenn sich Kommunisten wehren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:37 
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Beiträge: 628
Meines Wissens gab es auch einen Hilferuf von der Afghanischen Regierung an die UdSSR, also ist das Eingreifen in meinen Augen durchaus gerechtfertigt.

In einer bürgerlichen (was sonst) Dokumentation die im Rahmen des 1-jährigen Jubiläums des neuen Afghanistankriegs ausgestrahlt wurde (glaub ich) machte einige Leute sinnegmäß folgende Aussagen:
"Unserem Land ging es immer schon schlecht, aber am erträglichsten war's unter den Kommunisten."

Wenn in Afgahnistan wirklich fast jeder den Kommunismus hasst wäre es sicher einfach gewesen andere Interviewpartner zu finden (man beachte wes Geistes Kind die Produzenten warscheinlich waren)

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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:37 

Beiträge: 237
Zitat:
Ich würde die Situation also im begrenzten Rahmen eher mit dem so genannten "Prager Frühling" von 1968 vergleichen. Es war also auch keine (sozial)imperialistische Handlung seitens der Sowjetunion.


Eben daran zeigt sich der Unterschied. In der CSSR war nur ein kurzes Eingreifen in einen entwickelten sozialistischen Staat erforderlich. In Afghanistan dagegen schafften die prosozialistischen Kräfte noch nicht einmal mit jahrelanger massiver Hilfe der Sowjetarmee, eine sozialistische Gesellschaft zu etablieren. Das ist ein klares Indiz, wie das Kräfteverhältnis aussah.

Mal kurz eine sozialistische Regierung installieren, schnell Verträge schließen und mittels äußerer Gewalt dann den Sozialismus errichten zu wollen, genügt eben nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:38 
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Zitat:
Eben daran zeigt sich der Unterschied. In der CSSR war nur ein kurzes Eingreifen in einen entwickelten sozialistischen Staat erforderlich.


Und das war vorhersehbar, das dieses kurze Eingreifen reichte?

Zitat:
In Afghanistan dagegen schafften die prosozialistischen Kräfte noch nicht einmal mit jahrelanger massiver Hilfe der Sowjetarmee, eine sozialistische Gesellschaft zu etablieren. Das ist ein klares Indiz, wie das Kräfteverhältnis aussah.


Und das war vorhersehbar? Wenn ja, dann erkläre mir bitte, wieso.

Hinterher ist man immer schlauer.

Außerdem möchte ich mal kurz auf auf den Beitrag von OPC hinweisen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:38 

Beiträge: 237
Zitat:
Und das war vorhersehbar, das dieses kurze Eingreifen reichte?


Bei richtiger Analyse des Kräfteverhältnisses schon. Aber selbst wenn es nicht vorhersehbar war, bleibt es doch eine historische Tatsache.

Ein wichtiges Kennzeichen eines sozialistischen Staates ist die nationale Souveränität. Eine Regierung, die sich auf Dauer nur mit Hilfe einer ausländischen Militärmacht halten kann, hat ganz offensichtlich keine überwiegende Legitimation.

Materielle und personelle Hilfe (Waffen, Berater oder freiwillige Kämpfer) sind legitim, die dauerhafte Besetzung eines Landes durch fremde Truppen nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:38 

Beiträge: 181
Zitat:
..., die dauerhafte Besetzung eines Landes durch fremde Truppen nicht.


Auch nicht, wenn es sich um eine Befreiungsarmee handelt?


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:38 

Beiträge: 237
Zitat:
Auch nicht, wenn es sich um eine Befreiungsarmee handelt?


Wenn Du damit die DDR meinst: Nicht die sowjetischen Truppen haben den Sozialismus aufgebaut und gesichert, sondern die DDR-Bürger. Die Bedingungen in Form der Besetzung ware ein angenehmer Nebeneffekt der vorübergehenden Zerschlagung des Faschismus.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:39 
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Beiträge: 4023
Zitat:
Aber selbst wenn es nicht vorhersehbar war, bleibt es doch eine historische Tatsache.


Eine tolle Argumentation, die sich selber in den Schwanz beisst.

Auch als Kommunist muss man Risiken eingehen, deren Ergebnis nicht vorhersagbar ist. Ansonsten könnten wir gleich einpacken.

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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:39 

Beiträge: 237
Auch als Kommunist muss man Risiken eingehen, deren
Zitat:
Ergebnis nicht vorhersagbar ist. Ansonsten könnten wir gleich einpacken.


Zu diesen Risiken gehört aber nicht der Revolutionsexport. Die Revolution erfordert eine revolutionäre Situation und ein organisiertes klassenbewußtes Proletariat unter Führung der kommunistischen Partei, keine fremden Truppen. Das Proletariat des jeweiligen Landes befreit sich selbst und wird nicht befreit. Wenn die Mehrheit der Bevölkerung den Sozialismus nicht will, wirds auch nichts. Kennst Du ein Gegenbeispiel?


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:39 
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@Torsten:

Du stellst Dich momentan auf einen Standpunkt, bei dem Du mit dem Wissen argumentiertst, welches in der Situation nachher bestand und dieses auf die Situation anwendest, die vorher bestand.

Außerdem weichst Du meinen Fragen aus.

In Afghanistan gab es es 1978 durch die Demokratische Volkspartei Afghanistans den Versuch, sozialistische Veränderungen zu installieren, wie z.B. eine Bodenreform. Das war eine Revolution. Ob dies breite Unterstützung in der Bevölkerung bestand, ist weder Dir noch mir bekannt. Du gehst davon aus, das diese Unterstützung nicht bestand, weil diverse Gruppen der Bevölkerung einen Krieg dagegen führten. Ich halte diese Unterstützung Teile des Volkes für möglich. 1978/79 war aber in keinster Weise klar, welche Seite den Kampf gewinnen würde. Bereits während der Revolution sandte die pro-sozialistische Seite einen Hilferuf an die SU, bezog sich dabei auch auf einen Vertrag zwischen der damaligen Regierung und der SU. Es gab nach Afghanistan gab es keinen Revolutionsexport sondern eine Unterstützung der Revolution.

Du willst Beweise, das ein Revolutionsexport funktionieren kann? Tut mir leid, wenn Du in so engen Dimensionen denkst, kann ich sie Dir nicht liefern. Was wäre aber z.B. aus der Revolution in Ungarn geworden, hätte die SU nicht 1956 eingegriffen? Was wäre aus der Revolution in der CSSR geworden, hätte die SU nicht 1968 eingegriffen? Was wäre aus der Revolution in der KDVR geworden, hätten sie 1950-53 nicht die Unterstützung Chinas bekommen? Sie wären vermutlich alle gescheitert und es wären bürgerliche Regimes errichtet worden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:39 

Beiträge: 237
Ich habe - wie gesagt - nichts gegen die Unterstützung einer Revolution. Das verlangt allein schon der proletarische Internationalismus. Aber der Einsatz regulärer Truppen zeigt ja schon, daß die Kräfte im Land nicht ausreichten, um mit Hilfe von Bewaffnung, Ausrüstung, Beratern und anderen Freiwilligen die Revolution zu vollenden.

Afghanistan war zu dem Zeitpunkt kein sozialistischer Staat (mit mehrheitlichem Eigentum an gesellschaftlichen Produktionsmitteln), folglich ein kapitalistischer mit starken feudalen Strukturen. Der Einmarsch war somit der Versuch, die Revolution von außen vorzunehmen, also zu exportieren.

In der DDR, Ungarn und der CSSR lagen die Verhältnisse anders. Sie waren Teil des sozialistischen Weltsystems; hier war eine bestehende sozialistische Ordnung gefährdet und ganz offensichtlich existierten auch ausreichende nationale sozialistische Kräfte, um nach kurzer Schaffung klarer Verhältnisse den sozialistischen Aufbau fortzusetzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:39 

Beiträge: 462
@dawei und Thorsten: Ich denke die Wahrheit liegt zwischen euren beiden Positionen. Zur Bildung einer einvernhemlichen Meinung gilt es noch einige Punkte zu klären:
1. Wie erfolgte 1978 die sozialistische Revolution in Afghanistan? Durch einen Miltitärputsch mit Hilfe sowjetischer Marionetten (dies legt Thorsten nahe) oder durch eine breite Volksbewegung der entwickelteren Bevölkerungsteile in den Städten und auf dem Land (das ergibt sich aus daweis Vermutungen).
2. In welcher Entwicklungsphase befand sich die afghanische Klassengesellschaft zu diesem Zeitpunkt? War überhaupt bereits von einem Proletariat zu sprechen? Wie stark waren die Bindungen der afghanischen Landbevölkerung an feudalistische Stammesstrukturen und Islam? Konnten diese Bindungen zugunsten von Freiheit und Wohlstand aufgebrochen werden?
3. Wie stark war die kommunistische Partei in der Bevölkerung in Stadt und Land verankert?
4. Inwieweit ließ sich die Rote Armee beim Kampf gegen die reaktionären Mudschaheddin zu Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung hinreißen? Nach Aussage des SCHWARZBUCH DES KOMMUNISMUS (!!!) soll es zu Massenverhaftungen von Oppositionellen, Giftgas und Personenmineneinsatz gegen die Zivilbevölkerung in den umkämpften Gebieten gekommen sein. Auch wenn die Qualität der Quelle bekannt ist gilt es diese Vorwürfe zu klären. Obwohl sich dies eher nach irakischen Verhältnissen anhört.
Der antikommunistische Kampf der USA und NATO gegen die sozialistische Regierung nutzte die niederträchtigsten Methoden des imperialistischen Arsenals. Sie lieferten Waffen und Munition über der pakistanischen Grenze an radikale Islamisten wie an Stammesfürsten die ihre alte Macht zurckerobern wollten. Reaktionäre radikale Islamisten wie die al Qaida waren willfährige Verbündete der USA im Kampf gegen die Regierung in Kabul. Millionen Zivilisten waren gezwungen nach Pakistan zu fliehen um nicht zwischen den Fronten aufgerieben zu werden.
Gerade die Frage des ersten Afghanistankrieges erfordert eine genaue dialektische Analyse der gesellschaftlichen Umstände und historischen Fakten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:40 

Beiträge: 237
Zitat:
4. Inwieweit ließ sich die Rote Armee beim Kampf gegen die reaktionären Mudschaheddin zu Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung hinreißen?


Das ist vor dem Hintergrund, daß dort überhaupt Sowjetsoldaten waren, kaum noch von Belang, denn bei einem Krieg wird die Ziilbevölkerung immer in Mitleidenschaft gezogen.

Die Unterstützung seitens der imperialistischen Mächte ist unbestritten - sie hätte für die sozialistischen Kräfte ja ebenso von der SU erfolgen können. Tatsache ist aber, daß eine militärische Invasion erfolgte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:40 
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Zitat:
Aber der Einsatz regulärer Truppen zeigt ja schon, daß die Kräfte im Land nicht ausreichten, um mit Hilfe von Bewaffnung, Ausrüstung, Beratern und anderen Freiwilligen die Revolution zu vollenden.


Also lieber sein lassen und die Kommunisten Afghanistan ihren Schicksal überlassen?

Zitat:
Afghanistan war zu dem Zeitpunkt kein sozialistischer Staat (mit mehrheitlichem Eigentum an gesellschaftlichen Produktionsmitteln),


Das war die Sowjetunion im Dezember 1917 auch noch nicht.

Zitat:
folglich ein kapitalistischer mit starken feudalen Strukturen. Der Einmarsch war somit der Versuch, die Revolution von außen vorzunehmen, also zu exportieren.


Nein, er war der Versuch, die stattfindende Revolution zu unterstützen, nachdem um diese Unterstützung gebeten wurde.

Zitat:
In der DDR, Ungarn und der CSSR lagen die Verhältnisse anders. Sie waren Teil des sozialistischen Weltsystems; hier war eine bestehende sozialistische Ordnung gefährdet und ganz offensichtlich existierten auch ausreichende nationale sozialistische Kräfte, um nach kurzer Schaffung klarer Verhältnisse den sozialistischen Aufbau fortzusetzen.


Dann spekuliere mal darüber, was ohne das Eingreifen passiert wäre.

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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:41 

Beiträge: 237
Zitat:
Also lieber sein lassen und die Kommunisten Afghanistan ihren Schicksal überlassen?


Das habe ich nicht gesagt, sondern mich nur gegen die Invasion sowjetischer Truppen ausgesprochen.

Zitat:
Das war die Sowjetunion im Dezember 1917 auch noch nicht.


Die wurde bekanntlich nicht durch fremde Armeen revolutioniert. Etwas Anderes war die Unterstützung der internationalen, auch deutschen, Arbeiterklasse.

Zitat:
Dann spekuliere mal darüber, was ohne das Eingreifen passiert wäre.


Das ist tatsächlich Spekulation. Vermutlich wäre es zu einem Bürgerkrieg gekommen, den - ob die Konterrevolution gelungen wäre oder nicht, was ich nicht für wahrscheinlich halte - Alle verloren hätten. Wie gesagt, das waren sozialistische Staaten, somit war das kein Revolutionsexport wie im kapitalistischen / feudalen(?) Afghanistan.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Apr 2007, 17:42 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
interessante Überlegungen, die hier gemacht werden.
Ich gebe zu mich hier nicht besonders gut auszukennen, dennoch mache ich hier einige Anmerkungen, die die Politik der Sowjetunion zu jener zeit widergeben (die hier IMO zu kurz oder gar nicht behandelt wurden, aber dennoch wichtig für die charakterisierung der Sowjetunion zu dieser zeit ist:

1. Der auftretende russische Großmachtchauvinismus während der Breschnew-Ära und die damit verbundene Unterdrückung nichtrussischer Nationalitäten, war zu dieser Zeit maßgebend. Ergo: eine Abkehr der lenin-stalinschen Nationalitätenpolitik.

2. eine durch und durch revisionistische Wirtschaftspolitik (Stichwort Libermannreformen)

3. eine "internationale Arbeitsteilung" innerhalb der UdSSR als auch im RGW nach "imperialistischem" Muster (So wurde Z.B. Usbekistan als Hauptproduzent der Sowjetunion von Baumwolle - 70% - ausgebeutet, während der Bau von betrieben für die Weiterverarbeitung gezielt unterbunden wurde. Innerhalb des RGW sah es nicht anders aus - bestes Beispiel Kuba, das anstatt eine eigene Industire aufzubauen, alles von der Sowjetunion importieiren ließ)

4. Breschnew-Doktrin und Prager Frühling
Breschnew vertrat die Theorie der "beschränkten Souveränität eines sozialistischen Staates", derzufolge der Kreml die Befugnis hatte, die Schranken der Souveränität der Satellietenländer zu definieren.
in Wirklichkeit war das keine Theorie, sondern ein machtdiktat, denn die Definitionen erfolgten nicht mittels theoretischer Überlegungen, sondern mit Panzern, wie 1968 in Prag. Unbestreitbar befand sich die CSSR zu diesem Zeitpunkt auf dem weg zum Kapitalismus und ins westliche imperialistische Lager, doch die Sowjetunion verfolgte alles andere als das Ziel, den Sozialismus zu verteidigen. Zum einen lässt sich der sozialismus nicht exportieren, zum anderen war die Sowjetunion als auch die CSSR vor dem Prager Frühling nicht mehr sozialistisch, sondern dieser wurde ja gerade in dieser zeit zunehmends abgebaut. Sie verfolgte in der CSSR nur ihren eigenen großmachtinteressen.
Der M-L geht ohnehin davon aus, dass jede Nation, sei sie bürgerlich oder sozialistisch, das Recht hat, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln. "Die Nation hat das Recht, über ihr Schicksal frei zu bestimmen. Sie hat das Recht, sich einzurichten, wie es ihr beliebt, wobei sie natürlich nicht den Rechten anderer Nationen Abbruch tun darf. Das ist unbestreitbar. (Stalin, Marxismus und nationale Frage, SW2, S.285).
Das war für Stalin alles andere als eine papierene Phrase, das war ein unverrückbares Prinzip seiner Politik. So kam z.B für ihn eine militärische Intervention gegen das titoistische Jugoslavien nicht in Betracht. (Eine solche Aktion wäre in der tat auch nicht geeignet gewesen, den Übergang Jugoslaviens in das kapitalistische Lager zu verhindern). Stalin (und auch Marx, Engels und Lenin) kannten keine "Theorie der beschränkten Souveränität" eines anderen Landes.

5. Afghanistan
Dawei erwähnte, dass kurz vor der militärischen Invasion der SU in Afghanistan, eine "sozialistische" Regierung in Afghanistan bestand, die versuchte Bodenreformen durchzuführen. Das mag ja schön und gut sein, aber welchen wahrhaften Charakter hatte diese Regierung? War es wirklich eine revolutionäre Arbeiterpartei, die sich auf die Tradition des Marxismus-Leninismus beruft, oder doch nur ein revisionistischer Anhängsel der revisionistischen KPdSU.
Die Punkte 1 bis 4 lassen mich ehrlich gesagt anzweifeln, ob die Sowjetunion tatsächlich ein Interesse daran hatte, den Sozialismus in Afghanistan aufzubauen (und seinen eigenen ohnehin zerstörte):
Afganistan wickelte 50% seines Außenhandels mit der Sowjetunion ab. Ein großer Teil des Exporterlöses verblieb aber in Form von Zinszahlungen der Sowjetunion. Afghanistan schuldete Anfang 1980 der Sowjetunion 1,6 Mrd Dollar. So ist bis 1985 eine Lieferung von rd. 70 Mrd. Kubikmeter Erdgas an die Sowjetunion vereinbart (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.1.1980).
Kredite und Zinszahlungen machten die Wirtschaft Afghanistans abhängig von der Sowjetunion.
Zur Geschichte Afghanistans seit den 70ern kann man folgendes sagen:
1973: Sowjetunion unterstürtze den Sturz des halbfeudalen Zahir-Schah-Regimes mit Hilfe des Militärs, dessen Nachfolger Daud jedoch (wie sich später herausstellte) zu jenen käuflichen Politikern gehörte, die Bereit waren, sich auch von der anderen Seite (der westlich imperilaistischen) kaufen zu lassen.
Deshalb verfolgte die UdSSr den Plan, die Fürher der 1965 gegründeten Khalk-Partei (Volksdemokratische Partei Afghanistans) an die Macht zu bringen.
27. April 1978: das Militär putschte erneut, beseitigte Daud und machte Nur Muhammad Taraki, den GenSek der Khalk-Partei, zum Vorsitzenden des Revolutionsrates und Ministerpräsidenten der Demokratischen Republik Afghanistans.
Obwohl es sich eindeutig um einen Militärputsch handelte und um keine Revolution unter der Beteiligung der werktätigen Massen, bezeichneten die Khalk-Funktionäre ihren Staatsstreich als Modell-Revolution.
Ein Augenzeuge, Karl-Heinrich Rudersdorf, berichtet in seinem Buch "Afghanistan - eine Sowjetrepublik?" über die Rolle der Arbeiter eines der größten Industriebetriebe Afghanistans, des Textilwerks Gulbahar in der "Modell-Revolution":
"In der Pförtnerloge der Afghanischen Textil-Gesellschaft traf ich den Fabrikleiter und seinen Stellvertreter. Beide saßen in ungewohnter afghanischer Kleidung die von ihnen nur in der Freizeit getragen wird, am Radio und Telefon und warteten auf Informationen. Draußen am Fabriktor nahmen Angestellte das Bild von Muhammad Daud und seine Regierungsparolen von den Wänden. Sonst war alles ruhig. Niemand wußte genau, was in Kabul vorgefallen war." (S. 20 - Hervorhebung durch die Redaktion)
Daß es sich bei dieser "Revolution" tatsächlich um eine "ModellRevolution", und zwar des "Modells Moskau" handelte, das gab der Vertreter der Volksdemokratischen Partei Afghanistans, Ing. Nazar Muhammad, im Oktober 1978 auf dem Mannheimer Parteitag der DKP indirekt zu. Er erklärte:
"Unsere Revolution unterscheidet sich von den anderen Revolutionen dadurch, daß wir auf einem kurzen Weg, auf dem Weg der Verbreitung der Ideologie der Arbeiterklasse in der Armee, in der Lage waren, den alten Staatsapparat niederzuringen."(zitiert in "Afghanistan - eine Dokumentation", S. 114/115)
Lenin stand zu solchen "Revolutionen" wie folgt:
"Von einem 'Putsch' im wissenschaftlichen Sinne des Wortes kann man nur dann sprechen, wenn ein Aufstandsversuch weiter nichts als einen Klüngel von Verschwörern oder wahnwitzigen Narren zutage gefördert und in den Massen keinerlei Sympathien erweckt hat ...
Denn zu glauben, daß die soziale Revolution denkbar ist ohne Aufstände kleiner Nationen in den Kolonien und in Europa, ohne revolutionäre Ausbrüche eines Teils des Kleinbürgertums mit allen seinen Vorurteilen, ohne die Bewegung unaufgeklärter proletarischer und halbproletarischer Massen gegen das Joch der Gutsbesitzer und der Kirche, gegen die monarchistische, nationale usw. Unterdrückung - das zu glauben heißt der sozialen Revolution entsagen." (Lenin, Werke, Bd. 22, S. 363)
2. Dezember 1978: Durchführung der "Bodenreform" (Dekret Nr. 8)
Der Korrespondent der Wochenzeitung "Die Zeit", Andreas Kohlschütter, der Afghanistan seit April 1978 zweimal besucht hatte, berichtete am 17. August 1979 über die "Landreform":
"Die Bilanz des ersten Revolutionsjahres sieht in der Tat bedenklich aus. Die in knapp sechs Monaten von den revolutionären Eiferern durchgepeitschte Landreform schadete dem Regime mehr, als daß sie ihm nützte. Nur 240 000 und nicht 676 000 Familien, wie ursprünglich vorgesehen, erhielten Land vom Boden ehemaliger Großgrundbesitzer zugeteilt. Viele der Beschenkten und Beglückten weigern sich jedoch hartnäckig diese Landstücke in Besitz zu nehmen oder sie zu bebauen. Aus ganz verschiedenen Gründen:
Einreal weil sie das islamische schlechte Gewissen ob der sündhaften Aneignung fremden Landes drückt; sodann weil sie die Rache der zu Schaden gekommenen lokalen Machthaber, der weltlichen und geistlichen Großgrundbesitzer, fürchten, sobald die aus Kabul oder der Provinzhauptstadt angereisten Parteifunktionäre ihre festlichen Reden gehalten, die Besitzurkunden verteilt und wieder verschwunden sind. Ferner weil die vom Staat mit Land versehenen Bauern von den ganz Afghanistan durchforstenden Rekrutierungskampagnen für den Wehrund Kriegsdienst als erste erfaßt werden; und schließlich, weil in der Eile jene entscheidenden, flankierenden Maßnahmen unterlassen wurden, von denen Erfolg oder Mißerfolg einer Landreform abhängen.
So bot der 'revolutionäre Modellstaat' keinen Ersatzfür die einst von den Großgrundbesitzern erbrachten und jetzt wegfallenden Lieferungen von Saatgut, Düngemitteln und Werkzeug. Um die Wucherzinsen abzuschaffen, wurde der private Geldverleih verboten, ohne daß jedoch für den afghanischen Durchschnittsbauern erreichbare Kreditinstitute geschaffen worden wären." (Die Zeit 34/1979, 17. B. 1979)
So kam es 1979 bei der Ernte zu einem vollständigen Fehlschlag, und das Mißtrauen der Kleinbauern schlug um in Haß gegen das Regime. Im Verlauf des Jahres 1979 breitete sich im ganzen Land immer stärkere Unruhe aus. Unter dem vorherrschenden Einfluß von Großgrundbesitzern, die diese Situation nutzten, um ihre feudalen Vorrechte zu verteidigen, entstand in allen 28 Provinzen des Landes ein Guerillakrieg der islamischen Stämme, der den Einfluß des Taraki-Regimes immer mehr auf Kabul und einige andere größere Städte zurückdrängte. Andreas Kohlschütter kam in seinen Beobachtungen zu dem Ergebnis:
"Fest steht: Die 'im Namen des Volkes' in Kabul an die Macht gelangten 'Modell-Revolutionäre' regieren heute ohne und gegen ihr Volk. Immer mehr sehen sie sich gezwungen, den fehlenden politischen Rückhalt durch Polizeimethoden und militärische Gewaltanwendung wettzumachen. Immer unglaubwürdiger wird die offizielle These von der einzig und allein äußeren Aggression. Denn der Gegner, gegen den das TarakiRegime anrennt, steht im Innern. Der an den Pranger gestellte 'Volksfeind' ist das Volk selber."(ebenda)
Der immer häufigere Einsatz der afghanischen Armee zur Niederschlagung der Rebellen führte zu Auflösungserscheinungen in der
Truppe, was die sowjetischen Führer in große Unruhe versetzte. So verweigerten ganze Teilgliederungen im März 1979 den Gehorsam, ein Jagdbombergeschwader verweigerte die Bombardierung der Stadt Herat, und die im Südosten zur "Bandenbekämpfung" eingesetzte 7. Division lief zu den Aufständischen über. Eine eiligst angesetzte Ideologisierungskampagne sollte diesen Zersetzungserscheinungen entgegenwirken, was aus folgender Anweisung an die Befehlshaber ersichtlich ist:
"An die Befehlshaber der politischen Büros der Luftwaffe, der Luftverteidigung der Divisionen, Begram-Garnison und der Kriegsuniversität Zwecks einer möglichst großen Stabilisierung der Freundschaft zwischen den Armeen Afghanistans und der Sowjetunion gemäß dem neuen Freundschaftsvertrag wird folgende Anweisung gegeben:
... sollen in allen Divisionen, Teil- und Gesamtabteilungen und Instituten des Verteidigungsministeriums der DPA Abendverstaltungen zur Freundschaft zwischen Afghanistan und der Sowjetunion sowie Diskussionen mit den militärischen Spezialisten und Beratern der Sowjetunion organisiert und durchgeführt werden.
Über die Kriegserfahrung der sowjetischen Armee (die Opfer der sowjetischen Soldaten in der zweiten Hälfte des Großen Vaterländischen Krieges), über die Stabilisierung der Freundschaft zwischen Afghanistan und der Sowjetunion und über die militärische Solidarität der bewaffneten Kräfte des Volkes der DPA mit den bewaffneten Kräften der UdSSR müssen Reden und Vorträge gehalten werden und Meinungsaustausch stattfinden ...
In allen Divisionen, Teil- und Gesamtabteilungen sollen die Erläuterung und das gemeinsame Studium der Werke des Genossen Breschnew 'Das kleine Land' und 'Revolution' vorbereitet und organisiert werden und mit den Offizieren wissenschaftliche Veranstaltungen über die genannten Werke abgehalten werden.
Methoden und Wege der Organisation politischer und parteilicher Angelegenheiten im Kriegszustand sowie Fragen der Vervollständigung der
Führung und des wechselseitigen Verhältnisses zwischen Befehlshabern und Ausführenden, die in diesen Werken abgehandelt wurden, müssen in Extraseminaren der Kommandanten und politischen Mitarbeiter zur Diskussion und Auseinandersetzung gestellt werden ...
Alle Ausführungen anläßlich des 61. Jahrestages der Gründung der sowjetischen Armee und der Seestreitkräfte sollen auf die künftige Erziehung aller A rmeeangehörigen im Geiste der unerschütterlichen Freundschaft Afghanistans und der Sowjetunion, auf die Entlarvung der feindlichen Propaganda, Hebung des politischen Bewußtseins und auf die kriegerische Bereitschaft der Streitkräfte gerichtet sein. Der Generalvorsitzende für politische Angelegenheiten der Streitkräfte des afghanischen Volkes
gez. Mohammad Egbal"
(Übersetzung einer Anweisung an die afghanische Armeeführung aus dem Jahr 1979, gekürzt; vollständig zitiert in: Karl-Heinz Rudersdorf, "Afghanistan - eine Sowjetrepublik?", S. 118/119)
Am 14. September 1979, in einer Situation, wo die Sowjetunion fieberhaft nach einer Lösung suchten, putschte Hafizullah Amin, Vizepräsident und "engster Mitarbeiter" Tarakis, in dessen Abwesenheit und riß die Macht an sich. Ungeachtet dessen unterstützte die Sowjetunion Amin und setzte ihre massiven Waffenlieferungen fort. So die Lieferung von 20 mit Raketen, Bordkanonen und Maschinengewehren bestückten Mi-24-Hubschraubern, die im Kampf gegen die rebellierenden Bergstämme oder bei der Unterdrückung meuternder Truppen die effektivste Waffe sind.
Die Sowjetführer benutzten Amin als Bluthund gegen die afghanische Bevölkerung. Gleichzeitig entwickelten sie den Plan, in Afghanistan einzumarschieren und unter dem Vorwand, das Volk von der "finsteren Macht des Amin-Regimes" zu befreien, die neue Marionette, Babrak Karmal, zu installieren. Nachdem zwischen dem 24.und 26. Dezember 1979 sowjetische Truppen das Land besetzt hatten, wurde am Abend des 27. Dezember über Radio bekanntgegeben, Hafizullah Amin sei von einem "Revolutionären Gerichtshof" verurteilt und mit einigen seiner Anhänger und Verwandten hingerichtet worden.
Was den Zeitpunkt der Invasion im Dezember 1979 betrifft, spielt der im selben Monat gefaßte NATO-Beschluß zur Stationierung einer neuen Generation atomarer Mittelstreckenraketen in Europa sicher eine maßgebliche Rolle. Er leitete das Ende der sogenannten Entspannungspolitik und die von den US-Monopolen betriebene aggressive Kriegsvorbereitung ein. Nur vor diesem Hintergrund ist die massive militärische Machtdemonstration der Sowjetunion mit ihrer Invasion Afghanistans zu verstehen. Unter dem Kommando des stellvertretenden Verteidigungsministers, Marschall Sergej L. Sokolow, verlief der Überfall in drei Wellen:

"Zunächst erfolgte eine Invasion aus der Luft: unter Jägerbegleitschutz landen in 10-Minuten-Abständen 250mal sowjetische Transportflugzeuge und setzen 5 000 Soldaten auf dem Flughafen Kabuls ab ... Ganz wie im Falle der Invasion in die CSSR 1968 begeben sich diese Luftlandetruppen in die Hauptstadt, besetzen strategisch wichtige Punkte und richten ihre Geschütze auf einheimische Kasernen.
Nachdem Kabul besetzt ist, rollen über die Grenzstadt Termes, erneut unter starkem Luftschutz, motorisierte Schützeneinheiten ein, die Mist mehr auch eine Landverbindung zwischen der Sowjetunion und der Hauptstadt Kabul herstellen. Eine dritte Welle kommt, nachdem die Verbindungslinien nunmehr gesichert in sowjetischer Hand sind, mit schwerem Gerät und Hilfsausrüstungen ...
Neben der Luftlandedivision wurden nach Übereinstimmenden Berichten fünf weitere Devisionen plus Luftstreitkräfte ins Land gebracht, mithin etwa 85000 sowjetischen Soldaten. Die Konzentration von Kriegsmaterial, nach Zahlen, die der Korrespondent des "Spiegel" inErfahrung gebracht haben will, beläuft sich auf 1500 Panzer und 2 000 Schützenpanzerwagen sowie Hunderte 122- und 130-Millimeter-Haubitzen. Diese Konzentration von Feuerkraft, sofern die Zahlen zutreffen, dient nunmehr der Abschreckung - mit derartig schweren Waffen sind Aufständische nicht zu bekriegen." (ebenda S. 113/114 und 115)

1980 verriet der Sowjetdipolomat Falin, als er in einem Interview sagte, dass die Sowjetunion das selbe "recht" zur deirekten Aggression und Intervention habe wie etwa die USA 1961 in Kongo (später Zaire):
"Die einen schicken Truppen, die anderen stellen Transportflugzeuge. Warum dürfen wir in Afghanistan nicht tun, was uns die USA im Zaire vorgemacht haben?"(Stern, Nr 6/1980)

Kriegsverbrechen der Sowjetunion während des Afghanistankrieges:

Flächenbombardements von Städten und Dörfern, Erschießung aller Bewohner (einschließlich Frauen und Kinder), der Dörfer die Partisanen unterstützt haben, Einsatz von Napalm, Einsatz von Napalm und Splitterbomben, barbarische Folterungen und Mord an Revolutionären etc.
(siehe GDS NR. 41, S. 19)

Nachdem Kamal 1979 an die macht gekommen war, versprach er, alle politischen gefangenen freizulassen. Es versammelten sich über 1000 Familienangehörige vor dem Pul-i-Cherchi-Gefängnis in Kabul, welches mit Unterstützung der UdSSR und der CSSR gebaut wurde. Die Familienangehörigen warteten auf die Freilassungen, aber bald merkten sie, dass außer einigen Anhängern Karmals niemand freigelassen wurde. Empört und enttäuscht versuchten sie das Gefängnis zu stürmen unter Rufen wie "Nieder mit der Sowjetunion". Sofort wurde scharf geschossen und es gab dutzende tote und verletzte (siehe ebenda: S.20)

Beseitigung wahrer Revolutionäre:

Der Widerstand gegen die Besatzer und ihrer reaktionären Valsallen stützte sich auf auf die Volksmassen auf dem Land und die Guillerakämpfer hatten weiter Teile der Massen hinter sich. Schon 1965 war war in Afghanistan eine wahrhaft demokratische, revolutionäre Bewegung entstanden, die sich gegen die bürgerlichen Losungen der Sowjetunion a la "firedlicher Weg zum Sozialismus", "Parlamentarismus" und "Reform statt revolution" richteten.
Am 25. Oktober 1965, dem eigentlichen Geburtstag der "Neuen Demokratischen Bewegung" gab es eine mächtige Demonstration vor dem Parlament in Kabul. Die Demonstration stand im Zeichen der folgenden Losung:
"Das Parlament ist nicht das Haus des Volkes! Es ist die Schwatzbude der Banditen, Großgrundbesitzer und Großkaufleute! Nieder mit der Herrschaft der reaktionären Klassen! Nieder mit dem imperialismus und der Inneren Reaktion! (Zeitung der Guafas, Nr. 4/1980, Seite 3/4)

Im Verlauf der nächsten Jahre entstand eine immer breiter werdende revolutionäre Bewegung der Arbeiter, Bauern und Studenten gegen Ausbeutung und Unterdrückung.
Am 1. Mai 1968 war die erste 1. Mai-Demonstration. In den nächsten Jahren folgten Streiks der Arbeiter, Landbesetungen und Enteignungen durch arme Bauern etc.
In dieser Zeit schon zeigte sich der reaktionäre Chrarakter der "Demokratischen Volkspartei Afghanistans", die sich gegen diese Demos stellte und sich an die reformistisch-revisionistischen Losungen der Sowjetunion anbiederte. (die spätere Aufgabe der Volkspartei war es diese revolutionären Bewegungen zu zerschlagen)
Eine dieser revolutionären Gruppen war die AKHGAR ( Organisation für den Aufbau der KP Afghanistans). Dieser Bewegung stand einem schwierigen Kampf gegen einen Zwei-Fronten-Krieg gegenüber: einmal gegen die pseudosozialistische Volkspartei und den sowjetischen Besatzern und auf der anderen Seite gegen durften sie dem Antikommunismus keine Zugeständnisse machen.
Mitglieder dieser Aufbauorganisation wurden von den sowjetischen Besatzern und ihren afghanischen Marionetten verfolgt, gefoltert und ermordet (ua. ermordet durch die sowjetischen Besatzer und ihrer Marionettenregierung: Mohamed Tahir, Zaleh Mohamed, Mohamed Zedik - alles Mitglieder des ZK der AKHGAR)

so viel zu Afghanistan aus meiner Sicht.

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Sa 31. Okt 2009, 15:12 
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Zitat:
MOSKAU, 14. Februar (RIA Novosti). Nach dem Abzug der Sowjettruppen im Jahr 1989 ist Afghanistan laut dem russischen Experten Leonid Iwaschow in den Einflussbereich der USA gerückt.

„Mit ihrem Afghanistan-Feldzug wollte die Sowjetunion ihre südliche Flanke absichern", sagte Iwaschow, Präsident der Moskauer Akademie für geopolitische Probleme, am Freitag zu RIA Novosti. „Wir haben uns in den Konflikt eingemischt, um eine stabile und freundschaftliche Regierung in Afghanistan aufzubauen."

Der letzte sowjetische Panzer habe vor 20 Jahren Afghanistan verlassen, erinnerte Iwaschow. Drei Jahre später brach das kommunistische Regime des sowjetischen Statthalters Nadschibullah zusammen, der von Mudschaheddin ermordet wurde.

„Gorbatschow hat Nadschibullah im Stich gelassen", sagte Iwaschow. Als Folge sei Afghanistan alleine gegenüber Pakistan, Saudi-Arabien, den USA und Großbritannien geblieben, die dort die Taliban-Bewegung aufgepäppelt haben. „Heute ist Afghanistan faktisch eine Domäne der USA. Washington nutzt es als Aufmarschgebiet, um China, Indien, Pakistan, Iran sowie ehemalige Sowjetrepubliken in Zentralasien zu beeinflussen."

Einer der Fehler der Afghanistan-Politik der Sowjetunion bestand laut Iwaschow darin, dass sie die Afghanen ideologisch in Freunde und Feinde aufgeteilt habe. „Ich habe mich mit vielen Kommandeuren getroffen, die bereit waren, mit uns Kontakte aufzunehmen, um gemeinsam die Situation zu stabilisieren", sagte Iwaschow. „Wir hatten diese Chance, haben sie aber vertan."

Das sowjetische Truppenkontingent hatte am 15. Februar 1989 Afghanistan verlassen. Der zehnjährige Einsatz hatte rund 14 000 sowjetische Soldaten das Leben gekostet. Die mit Hilfe der Sowjetunion aufgestellten afghanischen Streitkräfte hatten noch drei Jahre gegen oppositionelle Verbände gekämpft. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Einstellung der Hilfe für Afghanistan konnten die Mudschaheddin die Macht in diesem Land ergreifen. Seit dieser Zeit liegen sie miteinander in der Fehde.


http://de.rian.ru/world/20090214/120135661.html

Hier ist noch etwas, bin mir aber nicht sicher ob man das direkt zitieren kann.

http://www.hintergrund.de/20080806229/politik/welt/der-inszenierte-terrorrismus-die-cia-und-al-qaida.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Mo 2. Nov 2009, 12:55 

Beiträge: 132
Hier wurde ja die These angeführt, weil die Regierung die SU gebeten ahbe zu kommen, sei das gerecht. Dies halte ich für sehr gefährlich. Werden so nicht auch imperialistische Kriege derzeit gerechtfertigt, weil irgendweche Kräfte um "Hilfe" durch die Imperialisten bitten.

Wir sollten eher darüber diskutieren, wie man zur Bewertung von Krigen kommt. Es gibt eben auch beidseitig ungerechte Kriege usw.

Wir solten auch darüber diskutieren welche Rolle das Selbstbestimmungsrecht der Völker spielt, das Lenin ja auch mehrfach angeführt hat.


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Mo 2. Nov 2009, 14:25 
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Marx hat die Interventionspolitik der USA in seinem Jahrhundert und zuvor auch nicht als nur negativ eingeschätzt.
Napoleons Expansionismus war meines Erachtens auch keine Sache, die man hätte lieber unterbleiben lassen sollen.
Anzumerken ist, im Falle des Afghanistankrieges haben wir die progressiveren Bevölkerungsteile auf Seiten der UdSSR. Natürlich ist es für eine äußere politische Macht unmöglich die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse in einem Lande umzuwerfen und zu zertrümmern, ohne einen Teil der Bevölkerung gegen sich aufzubringen, selbst wenn man dort Verbündete besitzt, aber die hat jedes Land überall. Doch was spricht an sich dagegen? Einerseits sei es legitim Waffen und andere Unterstützung zu schicken, ausländische Soldaten selbst sind es nicht, nennt man sie Militärberater dann schon wieder doch ?
Wie bewertet man da noch das Vorgehen Vietnams 1979 gegenüber Kambodscha?
Das Kubas gegenüber Angola? Dies sind alles derartige Machtkämpfe der gleichen Sorte, nur das mal da, mal dort die reaktionären, mal die revolutionären Elemente der Gesellschaft in der Mehrheit sind.
Das der Einmarsch der UdSSR in Augen des Westens ein Verbrechen ist, das der NATO Jahrzehnte später nicht, resultiert ja ohne hin aus deren Interessenlage, die Argumentation ist verlogen und ich frage mich da, ob man auf die Rechtfertigungen der jeweiligen Seite noch irgend etwas geben sollte, in diesen Kategorien, wie eben Menschenrecht etc. zu denken wird wohl auch nicht gerade nützlich sein, da mir sowieso keine Begebenheit bekannt ist, in welcher dieses wirklich Primat besaß.

Ich will hier keine Lanze für die Intervenisten oder gar Imperialisten brechen, die Frage nach einer Intervention aber kategorisch mit nein zu beantworten halte ich für falsch. In wie weit die Intervention in Afghanistan sinnvoll war ist schwer zu beantworten, natürlich hat man selbst nach Zehn Jahren nicht all zuviel erreicht. Noch Jahre später gelangte das Land nicht zu einem stabilen Zustand, und setzte den schon vor 79 geführten inneren sozialen Konflikt weiter fort. In manchen Situationen könnte jedoch eine Intervention durchaus von Nutzen sein. Der politische Gegner wird die Möglichkeit einer Intervention anwenden, wenn wir dann am Ende sind, und dann uns nur noch hoch halten, ja Interventionen haben wir nie gemacht, tja, davon hat man nichts.

Mal meine Überlegungen zu der Frage der Intervention in instabilen Regionen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Mo 2. Nov 2009, 18:58 

Beiträge: 2008
Die grundsätzliche Frage ist und bleibt für mich: Wem nützt es?

Ich stehe auch weiterhin auf der Position, das es gerechte und ungerechte Kriege gibt. Eine rein pazifistische Einstellung hilft da nicht weiter. Ich wünsche und möchte keinen Krieg. Ich will auch keinen Menschen schwer verletzen oder gar töten. Doch wenn ein Mensch kommt und mein oder das Leben meiner Familie bedroht, dann halte ich es für meine legitimes Recht, mich dagegen zu wehren. Die Gegenwehr sollte - ja, ist alles schöne Theorie - angemessen erfolgen. Ob es mir in einem - hoffentlich nie eintretenden - Ernstfall gelingt, den Gegner "kampfunfähig" zu machen oder in der Hitze der Auseinandersetzung schlimmeres geschieht, kann ich vorab nicht sagen. Es kann genauso geschehen, dass ich mein Leben einbüße, ohne auch nur eine Winzigkeit an Gegenwehr leisten zu können.

Ich bin jedoch dagegen, mich von vornherein bis an die Zähne zu bewaffnen - nur weil es die theoretische Möglichkeit gibt, das mir einer ans Leben will. Wohin das führt, sehen wir an den Verhältnissen in den USA.

Was Afghanistan betrifft, soll es den Hilferuf der Kommunisten gegeben haben. Militärisch dort einzugreifen war ein Fehler von Breshnew und anderen Revisionisten. Damit haben Sie niemanden einen Gefallen getan. Hier gilt: Der Sozialismus kann nicht exportiert werden.

Man kann Afghanistan nicht mit Vietnam vergleichen. In Nordvietnam hatte man mit dem Aufbau des Sozialismus begonnen. Die Menschen im Süden wollten das Ausbeutersystem und später die US-Besatzer loswerden. Letztendlich hatte Vietnam einen Entwicklungsstand erreicht und den überwiegenden Teil des Volkes auf der Seite der Kommunistischen Partei Vietnams, wo eine derartig verlustreiche militärische Auseinandersetzung die Chance zum Erfolg hatte. Das Hilfeersuchen der KP Vietnams erfolgte zu Recht. Das dies den USA und NATO-Ländern bis heute nicht schmeckt, ist nicht verwunderlich. Vietnam nicht zu helfen, nur um die "Freundschaft" des Gegners zu bekommen, wäre töricht und selbstmörderisch gewesen.

Die sowjetische Unterstützung sollte man auch im Kontext der damaligen Auseinandersetzungen mit China sehen. China hat Hilfsmaßnahmen der UdSSR sabotiert. Das war letztendlich auf dem Seeweg lösbar. Wäre wohl preiswerter und schneller auf dem Landweg möglich gewesen. Hinzu kam, dass die UdSSR von amerikanischen Stützpunkten und Flugzeugträgern umringt waren. Somit hatten Vietnam, wie auch Korea militärstrategische Bedeutung.

In Afghanistan wurde die Geschichte dieses Landes von sowjetischer Seite zu sehr außer acht gelassen. Die Entwicklung der Produktivkräfte hat für mich bis heute den Stand einer Feudalgesellschaft. Moderne Industrie und Landwirtschaft sind Dinge, die in ersten Ansätzen vorhanden sind, aber letztendlich sich noch entwickeln müssen. Den heutigen Machthabern und ihren amerikanischen und NATO-Unterstützern geht es nicht wirklich um eine Veränderung der gesellschaftlichen Situation. Es sind militärstrategische und wirtschaftliche Beweggründe. Afghanistan neben Pakistan und Indien einerseits und neben dem Iran andererseits ist ein wesentlicher geostrategischer Punkt.

Ein Krieg - weit genug entfernt von den USA und Europa - findet nur wenig Ablehnung in den "Heimatländern". Einige tausend Tote verkraftet die heimische Propaganda. Das heutige Militär wird von Berufssoldaten (Wehrpflicht ist in den USA abgeschafft), Söldnern und Einwanderungswilligen gestellt. Zu Zeiten des Vietnamkrieges gab es die Wehrpflicht in den USA und tausende junge Amerikaner wurden nach Vietnam befohlen. Die Anzahl toter Amerikaner übertraf die heutige Anzahl Kriegstoter um Größenordnungen. Das erzeugte eine Antikriegsstimmung und entsprechende Proteste. Daraus hat der Imperialismus gelernt.

Die Entwicklung der afghanischen Zivilisation profitiert vom Krieg oder "Kampf gegen den Terrorismus" nur zu sehr geringen Teilen. Ob die USA und NATO dort bleiben oder morgen abziehen, die Entwicklung in Afghanistan wird dadurch kaum anders verlaufen - so tragisch und traurig das ist. Einziger Vorteil eines Abzuges würde sein, dass einige Mütter und Frauen weniger ihre Söhne und Männer beweinen müssen. Doch das läßt die Profitgier der imperialistischen Machthaber nicht zu und daher wird den Menschen in Amerika und Europa tagtäglich die Notwendigkeit dieses Krieges eingeredet.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Afghanistan-Krieg (der erste)
BeitragVerfasst: Do 5. Nov 2009, 00:21 
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Als ich Vietnam erwähnte meinte ich nicht den US Krieg, sondern den Einmarsch Vietnams in Kambodscha.

Im Falle Afghanistans frage ich mich einfach in wie weit es da wirklich irgend eine Art Fortschritt gab, im Grunde denken wir hier vielleicht in falschen Kategorien, Afghanistan als Nation mag auf der Karte existent sein, aber in Wirklichkeit existiert dieses Land nur außerhalb seiner selbst. Wir haben hier die Paschtunen 55%, die Tadschiken mit 20%, Hazaras 10% als größte Volksgruppen. Die Briten haben sich schon immer darauf verstanden ihre Grenzen so zu ziehen, das immer auch ethnische Konfliktherde entstehen. Als die kommunistische Regierung in Afghanistan an die Macht kam erklärten sich die Nuristani sofort für unabhängig usw. Ich will ja nichts sagen, aber vielleicht müsste man dort erst einmal eine politische Neuordnung beginnen. Im Grunde ist der Witz an der ganzen Sache, das nach dem Abzug der SU, die inneren Kämpfe sofort weiter gingen. Das waren jedoch vorrangig ethnische Kämpfe, die 1993 fast dazu führten, das der Staat Afghanistan zerfallen wäre, wären nicht die Taliban erschienen und hätten die kämpfenden Parteien weitestgehend militärische besiegt, zumindest ein 1:9 Patt erreicht. Unter kapitalistischen Bedingungen wird es schwer sein hier irgendwie einen Ausgleich zu erzwingen, im Irak steht es nicht besser.
Wie man dort auf diesem Niveau und mit diesen verschiedenen Völkern in einem Staat eine Lösung ohne massive Gewalt finden will ist mir recht schleierhaft.

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