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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:01 
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Beiträge: 66
Zitat:
....., aber man kann doch nicht einfach seine Wünsche für die Realität ausgeben.


eben, Numa, eben....
Warum haben es die chinesischen Revisionisten nötig, nach wie vor bei ihrer Propaganda Mao Tse Tung zu huldigen (obwohl sie letztendlich sein politisches Wirken und seine Lehren fälschen). Warum hängt das Porträt Mao Tse Tungs noch immer auf dem Platz des Himmlischen Friedens? Warum ist es im Gegensatz dazu in China immer schwieriger, an die Literatur von Mao Tse Tung zu kommen? (Wie in der DDR in den Jahren nach 1956, als die Werke Stalins und Maos in sogenannten "Giftschränken" verschwanden und nur für enge Kreise zugänglich waren...)


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:01 
Literat

Beiträge: 2947
Deine Frage kannst du dir eigentlich selbst beantworten. Mao ist in China die Symbolfigur überhaupt. Mao (so komisch uns Marxisten das erscheinen mag) ist in China alles: der Marx, der Lenin und der Stalin in einem, also der Begründer, der Revolutionär und der Erbauer. Vergleichbares hatten wir in der DDR und auch die Bürger in der Sowjetunion nicht. Und dennoch hingen in der SU Leninbilder und bei uns Thälmannbilder bis zum Ende an den entsprechenden Stellen. (Daß übrigens bei uns der Personenkult in Maßen gehalten wurde, ist gegenüber China auch nicht gerade ein Fehler. Aber das sind ja Fragen der persönlichen Vorlieben. Es gibt auch Leute, die finden es erstrebenswert, daß alle Menschen in gleichfarbigen Sachen rumlaufen.)
Hat der Thälmann-Kult in der DDR wirklich bestanden, weil das Volk sonst die Konterrevolution nicht mitgemacht hätte? Wo bitte waren denn 1989/90 die zahlreichen Thälmann-Fans? Wo sind sie heute? Du hast das doch damals alles selbst miterlebt. Nach deiner Rechnung hätte das Volk der DDR 1989/90 den Thälmann unbändig lieben müssen, weil ja eben die Partei sich offenbar genötigt sah, den Thälmann als Idealfigur überall zu propagieren.
Also irgendwie stimmt deine Rechnung nicht. Natürlich ist der hauptsächliche Grund dafür, daß die KP China Mao noch heute als Maskottchen benutzt der, daß man eine Art von Tradition braucht, um nicht sofort als Zerstörer des Sozialismus sich zu enttarnen. Es geht hierbei im mindesten nicht um das Volk, sondern vor allem um den Parteiapparat. Die Parteimitglieder müssen bei Laune gehalten werden, denn sie haben geistigen Anteil am politischen Leben. Das Volk frißt bekanntlich alles, was man ihm vorwirft. Das heißt, man kann mit dem Volk gemeinsam die Expropriation der Expropriateure vollziehen und den friedlichen Aufbau des Sozialismus gestalten oder aber auch die Konterrevolution betreiben und ein paar kleine Progrome veranstalten.
Wie sieht es denn aus im heutigen China? Selbst wenn ich keinerlei Draht nach China hätte, könnte ich eines konjizieren: China hat sich der westlichen Welt vor allem auch kulturell weitgehend geöffnet. Die Verlockungen, die diese zu bieten hat, sind sehr mächtig. Das ist auch eine Art Kulturrevolution. Die Mehrheit der Menschen neigt eben nicht dazu nachzudenken. Die Mehrheit der Menschen nimmt die konkrete Umgebung für die Umgebung an sich, den Zeitgeist für den Weltgeist, die gegenwärtig aktuelle Mode für das Ewigrichtige. Und wenn China erstmal den Schritt in den Kapitalismus vollständig gegangen ist, dann wird auch das Maskottchen Mao über Nacht vom Platz gefegt werden. Das ist nunmal die Wahrheit.

Erlaube mir noch eine Rechtigstellung. In der DDR (die du offenbar weniger leiden kannst als Maos China) ist Mao bis etwa 1960 verlegt worden. Stalin (mit Ausnahmen) bis 1956. Beide Verdikte kann man nicht in einen Topf werfen. Zu Stalin in der DDR nach 56 habe ich mich schon öfter geäußert. Ich mache das also ganz kurz. Nach dem Geheimreferat war Stalin untragbar geworden, erst recht für ein besetztes Land, wie es die DDR war. Hätten Pieck oder Ulbricht von Moskau zum Rücktritt gezwungen werden wollen, so hätten sie nur im großen Stil Stalin rezipieren müssen. China hatte diese Freiheit und - so muß man hinzufügen - es hat sie nicht genutzt. Der KP China kann und muß man den Vorwurf machen, sich nach 1956 immer weiter vom Marxismus und vom Leninismus entfernt zu haben. Natürlich hat in China niemals der wirkliche Marxismus Verbeitung gefunden, noch war in China jemals die Leitung der Staatsgeschäfte nach leninistischen Prinzipien. Aber der Abstand zum Marxismus-Leninismus wurde mit den Jahren größer. Der Chruschtschow-Revisionismus hätte der KP China per negationem eine Lehre sein können, stattdessen reizte er Mao und seine Anhänger nur dazu an, die Dummheiten in der politischen Praxis und die Verfälschungen in der Theorie, die in der UdSSR stattfanden, noch zu überbieten. Es war quasi der gleiche Fehler mit umgekehrten Vorzeichen. Die Politik der "Drei roten Banner" ist ein Musterbeispiel dafür. Und genau in dem Moment, als absehbar wurde, daß Mao eben nicht den Leninismus gegen Chruschtschow verteidigt, sondern lediglich den Maoismus gegen Chruschtschow behauptet, verschwanden die Bücher Maos, und zwar zurecht! Aber erst 1973 (unter Honecker also) tauchten die Maokritiken der Sowjetideologen in deutscher Übersetzung auf. Auch das sollte man beachten. Die DDR ging ihren eigenen Weg und konnte, ohne ihr Ziel zu ändern, auch keinen anderen gehen. Die Kulturrevolution wurde in der DDR zurecht als kleinbürgerlich charakterisiert, während Ulbricht Stalins Theorien - unter fremden Namen, wie sich versteht - weiterdachte und in die Praxis umzusetzen begann.

_________________
Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:01 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
also, ich habe mich in der letzten woche mit dem thema "kulturrevolution" auseinandergesetzt-ohne aber auf deinen text einzugehen @numa.
ich bin zu folgender schlußfolgerung gekommen:

erstmal muss gesagt werden, dass mir die dokumente zur kulturrevolution weitestgehend unbekannt bekannt sind. es gibt auch wenige dokumente zur kulturrevolution, so dass man eine genaue analyse machen kann.
folglich verstehn die maoisten unter der kulturrevolution folgendes:

Die Große Proletarische Kulturrevolution bedeutet:

1. die höchste Form des Klassenkampfs in der sozialistischen Gesellschaft,
2. die Weckung und sprunghafte Entwicklung des sozialistischen Bewußtseins der Volksmassen mit Hilfe von Kritik und Selbstkritik und durch Studium der Maotsetungideen bei gleichzeitiger konkreter Anwendung in der Praxis,
3. die konkrete Form der Anwendung der Diktatur des Proletariats gegen die Bürokratisierung des Partei-, Staats- und Wirtschaftsapparates (gegen die Machthaber, die den kapitalistischen Weg gehen)
4. die Errichtung eines ideologisch, politischen Dammes gegen die Gefahr der Restaurierung des Kapitalismus."

ich versuche mal auf diese thesen einzugehen:
meiner ansicht nach, ist die kulturrevolution-wie sie in china stattfand-nicht die "höchste form des klassenkampfes in der sozialistischen gesellschaft".
Denn, die Notwendigkeit der Kulturrevolution in der Form, wie sie in China durchgeführt wurde, ergab sich auch aus Fehlern der Politik Mao Tse-tungs und der Kommunistischen Partei Chinas in der Frage der Errichtung der Diktatur des Proletariats. So heißt es z.B. in der Verfassung der sozialistischen Volksrepublik China von 1954:


"die Ordnung der Neuen Demokratie, gewährleistet unserem Land die Möglichkeit, auf friedlichem Wege Ausbeutung und Unterdrückung zu beseitigen und eine blühende und glückliche sozialistische Gesellschaft zu errichten."

In den Schriften Mao Tse-tungs aus der Zeit von 1950-1960 wird fast gar nicht von der Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats gesprochen. Im Gegenteil, er redet z.B. in seiner Schrift "Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volk" (1957) davon, daß der Widerspruch zwischen nationaler Bourgeoisie und der Arbeiterklasse ein Widerspruch innerhalb des Volkes sei, der bei richtiger Behandlung nicht antagonistisch sei.


"In unserem Land gehört der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie zu den Widersprüchen im Volk… da der Charakter der nationalen Bourgeoisie in unserem Land zwiespältig ist. In der Periode der bürgerlich-demokratischen Revolution war die nationale Bourgeoisie einerseits revolutionär und andererseits zu Kompromissen geneigt. In der Periode der sozialistischen Revolution beutet sie einerseits die Arbeiterklasse des Profits wegen aus, aber gleichzeitig unterstützt sie die Verfassung und ist bereit die sozialistische Umgestaltung zu akzeptieren. Die nationale Bourgeoisie unterscheidet sich von den Imperialisten, der Grundherrenklasse und der bürokratischen Bourgeoisie. Der Widerspruch zwischen der nationalen Bourgeoisie und der Arbeiterklasse, ein Widerspruch zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, ist an und für sich antagonistisch. Aber unter den konkreten Bedingungen unseres Landes kann dieser antagonistische Klassenwiderspruch, wenn er richtig behandelt wird, in einen nichtantagonistischen umgewandelt und auf friedlichem Wege gelöst werden." (Mao Tse- tung, Ausgewählte Werke, Bd. V. S. 436)


Als das Mittel zur Lösung der Widersprüche stellt Mao Tse-tung in dieser Schrift "Kritik und Erziehung" der Bourgeoisie hin.

Das zeigt, daß Mao Tse-tung zu dieser Zeit nicht vom Sozialismus, in dem die Diktatur des Proletariats über die Bourgeoisie ausgeübt wird, ausgeht. Er vertritt dieselbe These wie die, die auf dem VIII. Parteitag der KP China vertreten wurde, nämlich:

"daß die chinesische Bourgeoisie buchstäblich mit großer Begeisterung der sozialistischen Umgestaltung" entgegenkommt.

Die in der gleichen Schrift "Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volk" aufgestellte Forderung "Laßt hundert Blumen blühen, laßt hundert Schulen miteinander wetteifern", führte unter der Bedingung, daß über die Bourgeoisie keine Diktatur ausgeübt wurde, zu einer unkontrollierten Ausbreitung und Wucherung von "Giftpflanzen". D.h. der Revisionismus konnte sich in der Gesellschaft und in der Partei so gut wie ungehindert ausbreiten.
Unter dieser Bedingung, d.h. als Ergebnis der falschen, liberalen Politik gegenüber der Bourgeoisie konnten in den 60er Jahren die nationale Bourgeoisie und die sich herausbildende neu e bürokratische Bourgeoisie wichtige Machtpositionen in Staat und Partei erobern. Unter dieser Bedingung wurde die Kulturrevolution in der besonderen Form, wie sie in China stattfand, d.h. einer Revolution der KommunistInnen zusammen mit den Massen gegen die Partei- und Staatsführung notwendig.

Zu diesem Zeitpunkt, in diesem Kampf auf Leben und Tod nahm Mao Tse-tung in der Frage des Verhältnisses von Bourgeoisie und Proletariat, d.h. der Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats über die Bourgeoisie eine richtige Haltung ein. Er propagierte nicht mehr die Lösung der Widersprüche zwischen Proletariat und nationaler Bourgeoisie auf friedlichem Weg, sondern die Diktatur über die Bourgeoisie. Er stellte klar, daß es keine nicht antagonistische Seite im Widerspruch zu der Bourgeoisie gibt.


" Ihr Kampf (der der Bourgeoisie A.d.V.) gegen uns, ist ein Kampf auf Leben und Tod, dabei kann von einer Gleichheit überhaupt nicht die Rede sein. Daher ist unser Kampf gegen sie ebenfalls unvermeidlich ein Kampf auf Leben und Tod, und unsere Beziehung zu ihnen kann absolut nicht die einer Gleichheit sein, sondern nur die der Unterdrückung einer Klasse durch eine andere d.h. eine Beziehung, bei welcher das Proletariat die Alleinherrschaft oder die Diktatur über die Bourgeoisie ausübt, nicht aber irgendeine andere Beziehung, wie z.B. die einer angeblichen Gleichberechtigung, einer friedlichen Koexistenz zwischen ausgebeuteten und ausbeutenden Klassen, oder ein Verhältnis von Humanität und Hochherzigkeit usw. usf." ("Wichtige Dokumente der Großen Proletarischen Kulturrevolution", S. 131-133)


Während der Kulturrevolution hat Mao Tse-tung also richtig die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats vertreten, aber dabei hat er diese an die Existenz der Bourgeoisie als Klasse während der gesamten Phase des Sozialismus bis hin zum Kommunismus gebunden, was wiederum falsch ist. Und diese These wurde auch noch als Weiterentwicklung des Leninismus durch die Mao Tse-tung-Ideen hingestellt. In der Praxis wurde somit zwar die falsche Haltung zur Bourgeoisie überwunden, aber Mao Tse-tung hat keinerlei Selbstkritik über die vorher vertretenen falschen Ansichten gemacht. Im Gegenteil, diese wurden auch noch während der Kulturrevolution weiterhin propagiert.

Nach meiner Meinung war die Kulturrevolution ein Aufstand gegen den sich umfassend entwickelnden Revisionismus in Partei und Staat. Sie stellte eine große revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse und Werktätigen dar. Aber, da sie, wie wir oben ausgeführt haben, nicht unter einer richtigen Führung und nicht mit einer richtigen Linie durchgeführt wurde, erreichte sie nicht ihr Ziel, sondern der Revisionismus konnte sich unter anderen Vorzeichen weiterentwickeln.

Mao Tse-tung hat während der Kulturrevolution wertvolle Ansichten über die Rolle der "neuen Bourgeoisie" bei der Restauration des Kapitalismus entwickelt, hat aber seine falschen früheren Positionen nicht selbstkritisch überwunden.

In keinem Fall kann man aber die Große Proletarische Kulturrevolution in der besonderen Form, wie sie in China ablief, so wie es die MLPD macht, als "höchste Form des Klassenkampfes" bezeichnen, da das außer Acht läßt, daß sie das Ergebnis einer zuvor gemachten "Fehlentwicklung" war. Wenn die KommunistInnen nicht diese Fehler gemacht hätten, hätte sie auch nicht diese Form von "Bombardiert das Hauptquartier" in Partei und Staat anzunehmen brauchen. Auch die weiteren Einschätzungen wie "sprunghafte Entwicklung des sozialistischen Bewußtseins der Volksmassen mit Hilfe von Kritik und Selbstkritik" teile ich so nicht. Denn gerade eine Selbstkritik zu ihren Fehlern, die erst die Kulturrevolution notwendig machten, hatten die Kommunistische Partei Chinas und Mao Tse-tung nicht geübt. Insofern wurde das "sozialistische Bewußtsein" der Volksmassen nicht ausreichend entwickelt. Daneben führte das "Studium der Mao Tsetungideen" mit ihren fehlerhaften Thesen wie Fortexistenz der Bourgeoisie als Klasse auch unter sozialistischen Produktionsverhältnissen, nicht zur sprunghaften Entwicklung des sozialistischen Bewußtseins. Die Kulturrevolution war zwar ein Versuch, ein erster Schritt der "Anwendung der Diktatur des Proletariats", sie war der Versuch der "Errichtung eines ideologisch-politischen Dammes gegen die Gefahr der Restaurierung des Kapitalismus" hätte aber nicht diese Form annehmen müssen, wenn man vorher nicht die Bourgeoisie sich so hätte ausbreiten lassen. Daneben machte die Kulturrevolution selbst Fehler und führte darum letztlich nicht zum Ziel. Daher konnten die KommunistInnen in China auch nicht die dann doch erfolgte Machtübernahme von Den Hsiao Ping und des modernen Revisionismus verhindern…

hinzukommt, dass es zwar richitg ist die massen gegen die bürokratie zu mobilisieren; diese mobilisierung muss aber im verlauf der sozialistischen gesellschaft gestärkt und nicht verabsolutiert werden. das heißt im klartext, dass die massen von der partei geleitet und unterstützt sowie erzogen werden und keine nachtrabpolitik zu betreiben. somit muss bei den massen ein sozialistisches bewusstsein vorhanden sein-das kann aber nur mit der zeit geschehen und nicht von heute auf morgen-die maoisten gehen von letzterm aus.

Trotz der obengenannten Kritiken hat die Große Proletarische Kulturrevolution wichtige Erkenntnisse für die Marxisten-Leninisten im Kampf gegen die revisionistische Entartung hervorgebracht. Sie hat in der Praxis bewiesen, daß im Kampf gegen die revisionistische Entartung von Staat und Partei die Marxisten-Leninisten sich auf die Massen stützen und ihre Initiative entwickeln müssen.

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:02 
Literat

Beiträge: 2947
Da ich gewohnt bin, nicht verstanden zu werden, habe ich mir angewöhnt, in Diskussionen niemals mein ganzes Pulver gleich am Anfang zu verschießen. Deswegen ist der folgende Beitrag keine regelrechte Antwort auf Sergejs Beitrag, sondern vielmehr eine Fortsetzung meiner vorherigen Beiträge unter Zurkenntnisnahme von Sergejs Beitrag. Im folgenden werden die von mir in diesem Faden bereits erarbeitete Gedanken vorausgesetzt.

1. Einleitung
Dein Beitrag, Sergej, ist insgesamt sehr wertvoll. Nicht zuletzt auch deswegen, weil er ein wichtiges Eingeständnis enthält; und zwar jenes, daß die Kulturrevolution nicht die regelrechte Methode der sozialistischen Revolution ist, wie das die Maoisten – aus der Not eine Tugend machend – behaupten. Die von dir zitierten vier Punkte sind mir bekannt aus dem Buch "Sozialismus am Ende", das vom Parteivorstand der MLPD herausgegeben wird. Nun hat von diesen Leuten ja keiner eine gelungene Einschätzung der Kulturrevolution erwartet. Du offenbar auch nicht, wenn ich deinen (ausgezeichneten) Beitrag in dem Faden "Kritik der Stalin-"kritik" der MLPD", bei dem ich nur vermuten kann, daß er von dir ist, betrachte. Interessant wäre auch die Frage, ob es unter den Maoisten große Unterschiede in der Bewertung der Ereignisse in China gibt. (Als Kenner der Szene kannst du mir da bestimmt weiterhelfen.)
Wenn ich jetzt die Diskussion um die Kulturrevolution zusammenfassend auf den Punkt bringe, dann läßt sich sagen, daß wir beide die Ursachen der Kulturrevolution vor allem in den vorangegangenen Fehlern Maos sehen. Damit hätten wir uns darüber verständigt, daß es sich um keine Ausführung objektiver Notwendigkeiten der Weltgeschichte handelt und daß also die Kulturrevolution nicht beispielhaft und nachahmenswert für andere Völker ist. Nun scheint mir aber der Gedankengang noch nicht zuende. Nicht alles, was erklärbar ist, ist auch gleich beispielhaft. Auf eine Krankheit muß nicht notwendig die Gesundheit folgen. Mitunter sind auch schon Patienten an ihren Leiden gestorben.
Die Kulturrevolution war der Versuch, einen Fehler mit einem anderen zu beheben. Damit hatte Mao soviel Glück, wie er hatte. Das Problem hat aber ursächlich nichts mit Glück zu tun. Mao war – ich habe es schon öfter geschrieben – nicht in der Lage, den mittleren Weg, also den richtigen und auf vernünftiger Einschätzung der Wirklichkeit und der Möglichkeiten basierenden, zu gehen. Ebenfalls habe ich schon geschrieben, woran das vor allem liegt.
Der Kern von Maos "Philosophie", die in Wahrheit eine Religion ist, besteht darin, die Dialektik durch ein Kaleidoskop von Gegensatzpaaren (ein "chinesisches Yin-Yang-Strategem", wie ich schrieb) zu ersetzen. Die Geschichte ist bei Mao ein einziges Für und Wider, ein Hin und Her. Er leugnet die Existenz der Negation der Negation, den Umschlag von Quantität in Qualität, aber er leugnet nicht die Einheit der Widersprüche. Die Widersprüche bewirken bei ihm schon was, aber alles bleibt im Grunde auf derselben Ebene. Bei Mao entwickelt sich nichts; nach oben nicht und nicht nach unten; es gibt für ihn offenbar nur Wandel. – Nunja, wenn Mao nicht Politiker gewesen wäre und somit handfeste praktische Absichten verfolgt hätte, würde ich dem jungen Mao raten, lieber ein Karriere als Holzfäller einzuschlagen, anstatt in Philosophie zu machen. Wir wollen ihm das aber nicht allzusehr nachtragen. Ich kenne Hegel recht gut und den Bau der chinesischen Sprache einigermaßen; daher ich mir die Vermutung erlauben kann, daß die Komplexität der hegelschen Gedanken ins Chinesische nicht übersetzbar ist. Nun kann ja jeder so klug sein, wie er will, aber gerade bei Mao scheint mir seine Beschränktheit inbetreff philosophischer und gesellschaftlicher Fragen auf der einen Seite und seine großen Ambitionen auf diesen Gebieten auf der anderen Seite die Wurzel seiner Verirrungen in Theorie und Praxis zu sein. Es läßt sich sagen, daß für Mao nicht der Widerspruch das zu lösende Problem darstellte, sondern daß der Widerspruch bei ihm quasi selbst die Lösung des Problems ist. Weiter oben habe ich über Maos falsche Vorstellungen über Dialektik und Negation und seine Anzweiflung des Gedankens der Höherentwicklung folgendes geschrieben: "Antagonistische Widersprüche können nur in neuen Verhältnissen aufgelöst werden. Sie tragen per negationem zur Weiterentwicklung bei, also, in dem man sie überwindet. Der Widerspruch reizt insofern zur Lösung, daß er die gegebenen Verhältnisse unerträglich macht. Er führt eine Lösung herbei, aber er ist nicht die Lösung!" Maos Einstellung zu diesen Fragen trifft man für gewöhnlich in ehemaligen Kinderzimmern wieder, wo die Juvenilität ihrem ihr innewohnenden Drang zur Übertreibung Ausdruck gibt. Im Grunde ist Mao ein Fall für den Jugendpsychologen, aber ich schweife ab. Um den Bogen nun zu schließen: Das Wesen der Politik Maos besteht – spätestens seit der Mitte der Fünfziger Jahre – darin, alle möglichen Widersprüche in der Gesellschaft zuzuspitzen. Das gilt für die Hundert-Blumen-Bewegung, genauso wie für die "Drei Roten Banner" und gilt ganz besonders für die Kulturrevolution.
Fassen wir noch mal kurz zusammen: Die Kulturrevolution ist erklärbar aus der besonderen Schiefe der politischen und gesellschaftlichen Lage Chinas am Anfang der Sechziger Jahre, die hauptsächlich durch Maos Fehler entstanden ist. Ich habe jetzt hinzugefügt, daß die Kulturrevolution ein Fehler war, der auf einen Fehler folgte. Anschließend habe ich versucht zu begründen, warum bei Mao stets ein Fehler auf den nächsten folgte. Ich möchte einen weiteren wichtigen Zusatz machen, ohne den das Bild nicht vollständig sein kann, und die Frage stellen: Was war der entscheidende Fehler Maos, der direkt in die Kulturrevolution führte?

2. Die hauptsächliche Ursache und die unmittelbaren Anlässe der Kulturrevolution
Ich sage, es war die Politik der "Drei Roten Banner". Das heißt: 1. die übersteigerte und rücksichtslose Industrialisierung; 2. die Vermischung von traditionellen und fortschrittlichen Produktionsmitteln als Grundlage der Industrialisierung; 3. die Gründung der Volkskommunen.
Allein schon der Versuch, das gigantische Entwicklungstempo, das die UdSSR mit ihren drei Fünfjahrplänen vorgelegt hatte, zu überbieten, ist verbrecherisch, weil jedem halbwegs verständigen Menschen klar sein mußte, daß dieses Tempo nicht mehr zu steigern war. Maos Ehrgeiz war grenzenlos, aber der stärkste Wille kann die ökonomischen Tatsachen nicht in Luft auflösen. Die Realität hat ihre Weise, sich zu Wort zu melden. Hinzu trat nundenn der törichte Gedanke, die Produktion dadurch zu maximieren, daß man Großproduktion mit Kleinproduktion kombinierte und das nicht als anfängliches notwendiges Übel, sondern als grundlegendes Prinzip. Die Kleinproduktion wurde nicht als Anfangserscheinung übernommen und mittels Konzentration in Großproduktion verwandelt, sie wurde extra gefördert. Riesige Subventionsmittel wurden dafür verschwendet, um eine sehr große Zahl an Bauernhöfen mit stahlproduzierenden Hochöfen auszustatten, die dann freilich alle sehr klein waren. Auf diesen Gedanken würde niemand kommen, der Marx studiert und sich mit der Wirklichkeit des sozialistischen Aufbaus unter Lenin uns Stalin beschäftigt hat. Diese Maßnahme hat nicht eine Verbesserung in der Produktionsweise gebracht, dafür aber zahlreiche katastrophale Auswirkungen gehabt. Die deutlichste Auswirkung zeigt sich darin, daß am Anfang der Herbsternte von 1958 nur etwa jeder zweite Bauer auf dem Felde war. Es mußten zahlreiche Kleinöfen geschlossen werden, damit genügend Kräfte für die Ernte frei wurden. Die Öfen hatten viel Geld gekostet und nun standen sie da und machten nichts. Das dritte der Roten Banner bedeutet nicht etwa die Kollektivierung der Kleinproduzenten. Letztere bestand ja schon. Die Volkskommune bedeutet die umfassende Militarisierung des gesamten Lebens. Ich habe genau deswegen von eine "Neuauflage von Sparta" gesprochen, weil diese Maßnahme die Zerstörung der Familienstruktur voraussetzte. Aber selbst wenn man diesen Vorgang begrüßt, was ich nicht tue, wird niemand umhinkommen einzugestehen, daß dies wieder ein Musterbeispiel für maoistische Politik ist: Das Lösen von Problemen, die die Basis betreffen, durch hektisches Herumexperimentieren im Überbau. Schauen wir in die Sowjetunion: Die anarchische Kleinproduktion (NEP) wurde ersetzt durch die organisierte Kleinproduktion (Kollektivierung) und sollte in Zukunft – wozu es nicht mehr kam – gänzlich sozialisiert werden. Man sieht, daß das nichts zu tun hat mit der Frage, ob man sein Abendmahl zu Hause oder an einem öffentlichen Platz einnimmt. Jede gesellschaftliche Unternehmung dieser Art und Größe erfordert akribische und lange Planung. Das Tempo der Bildung von Volkskommunen war aber so hoch, daß nicht mal ansatzweise genügend Mittel bereit standen, um die Umstellung durchzuführen.
Die drei grundlegenden Richtlinien, die die Politik der "Drei Roten Banner" ausmachen, haben China in zwei große Hungersnöte und eine gewaltige Wirtschaftskrise verursacht und so das Land fast an den Rand der Existenz gebracht. Ich rede hier nicht von den Schwierigkeiten, die bei einer Industrialisierung immer auftreten. Es geht hier um Probleme, die entstanden sind, weil Mao die Erkenntnisse des Marxismus mißachtet hat und offenbar überhaupt jeden Realitätssinn verloren hatte. An die Stelle einer klugen und kühnen Planung würde eine undurchdachte und tollkühne Planung gestellt. Der maoistische Voluntarismus läßt sich zusammenfassen in den Worten: Wenn man nur will, dann geht es. Dieser Umstand hat viele Menschen, die Mao sehr gerne unterstützt hätten, in der Folge der Ereignisse zwischen 1958 und 1961 in die Arme der Revisionisten getrieben, welchletztere durch Maos zur Regel erhobenen Subjektivismus leichtes Spiel hatten, als die "Realisten" zu erscheinen, obwohl sie doch in Wahrheit nur Pragmatiker waren.
Auch in dieser Situation zeigte sich, was du, Sergej, an Mao beklagst, daß er nämlich keine Selbstkritik üben konnte. (Auch hierin unterscheidet er sich wesentlich von Stalin.) Mao hat sich, während sich die Krise immer weiter steigerte, geweigert, den Kurs zu korrigieren. Ende 1962 gelang es dem rechten Flügel, Mao Konzessionen abzuringen. Mao hatte da schon die Mehrheit in der Partei verloren und die Wirtschaft erholte sich, aufgrund der Korrekturen, relativ. Nichtdestotrotz hat Chinas Wirtschaft bis zu diesen Korrekturen imensen Schaden erlitten. Der vorläufige Wirtschaftszuwachs war zum dem Preis erziehlt worden, daß zum Beispiel die Getreideproduktion zwischen 1958 und 1960 auf 80% gesunken war. Das hatte gigantische Auswirkungen und eine davon war, daß der 1958 zunächst erzielte Wirtschaftszuwachs nun in fast allen Bereichen fast völlig wieder zurückging. – Auch wenn es Manchen unangenehm ist, aber die wirtschaftliche Stabilisierung Chinas ist nicht das Ergebnis von Maos Politik, sondern von der Revision derselben. Mao hat – und das ist mein Generalvorwurf an ihn – durch seine vermeidbaren Fehler den Revisionisten den Weg gebahnt, die nun leichtes Spiel hatten, sich als die eigentlichen Könner der wirtschaftlichen Planung aufzuspielen. Mao hat seit 1962 die volle Kontrolle über die Wirtschaft Chinas nicht mehr erlangen können und sein Einfluß war nach der Kulturrevolution noch geringer als davor.
Aber zurück in die Sechziger Jahre. Nach dem Teilerfolg des rechten Parteiflügels brach in der Partei ein offener Machkampf aus, infolgedessen Mao schließlich nach Shanghai in eine Art Halbexil ging. Er hatte nun auch die Kontrolle über das Land verloren. Das Land wiederum befand sich in einem wichtigen Erholungsprozeß. Und in dieser Situation stürzt Mao dasselbe in einen Bürgerkrieg, den er – ich wiederhole mich hier gerne – nicht gewinnen konnte. Dabei tat er so, als habe er stets alles richtig gemacht und kämpfe hier im übrigen gerade den Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie aus. In Wahrheit kämpfte hier nur die linke Abweichung gegen die rechte Abweichung oder, wenn das gewissen Leuten mehr sagt: das eine kleinbürgerliche Lager gegen das andere.

3. Die Ziele der Kulturrevolution
Das zu den Ursachen und Anlässen der Kulturrevolution. Was sind ihre Ziele? Ich habe die Frage in einem meiner vorhergehenden Beiträge bereits beantwortet: "Es ist hier behauptet worden, die Kulturrevolution wäre lediglich ein Mittel zur Bekämpfung der Bürokratie. Das kann so nicht gesagt werden. Die Kulturrevolution hatte neben diesem defensiven Zweck auch noch einen offensiven: Die Hinführung zum Kommunismus." Die Kulturrevolution hat diese zwei grundlegenden Zwecke und es sind diese, die sich auch in den vier von dir zitierten Punkten der MPLD widerspiegeln, allerdings muß gesagt werden, daß die vier Punkte nicht nach den zwei Hauptzwecken gegliedert sind, sondern beide Zwecke sich in jedem der vier Punkte wiederfinden. Ich werde das Erwähnenswerte jetzt herausgreifen.
Den ersten Punkt kritisierst völlig zurecht. Ich möchte noch hinzufügen, daß es keine höheren und niederen Formen des Klassenkampfes gibt, sondern nur angemessene und nicht angemessene. Wenn Lenins Bruder den Zaren erschießt, hat das im Grunde mit Klassenkampf nichts zu tun. Was sich höherentwickelt, ist die Gesellschaft, der Staat, die Wirtschaft, die Kultur. Der Klassenwiderspruch hat als einzige Möglichkeit der Höherentwicklung, seine Aufhebung. Noch keiner Gesellschaftsformation hat es jemals gut getan, wenn sich ihre Klassengegensätze verschärften. Ein Land, das sich entwickeln möchte, braucht eine stabile Basis und ein Gleichgewicht zwischen den Klassen. Schon dieser Umstand zeigt die Sinnlosigkeit eines Unterfangens wie dem der Kulturrevolution.
Im zweiten Punkt wird behauptet, daß die "Weckung und sprunghafte Entwicklung des sozialistischen Bewußtseins der Volksmassen mit Hilfe von Kritik und Selbstkritik und durch Studium der Maotsetungideen bei gleichzeitiger konkreter Anwendung in der Praxis" möglich sei. Wie wird Bewußtsein im gesellschaftlichen Zusammenhang gebildet? Vor allem doch wohl durch das "ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse", wie Marx in seinen Feuerbachthesen geschrieben hat. Die menschliche Seele ist eine vorgegebene Größe, in deren Rahmen es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt. Welche dieser Möglichkeiten dann wirklich ausgebildet werden, daran haben die gesellschaftlichen Verhältnisse einen großen Anteil. Die politische Erziehung kann – förderlich oder hemmend – zu diesem Vorgang hinzutreten, aber sie kann nichts machen, wofür es keine materielle Basis gibt. Auch dieser Punkt zeigt die Sinnlosigkeit und garantiert die Erfolglosigkeit jedweder versuchten Kulturrevolution. Es bliebe hier noch zu fragen, wie denn ausgerechnet die Mao-Tse-Tung-Ideen – die so primitiv, voller Irrtümer, voller Verfälschungen des Marxismus und im wesentlichen nichts anderes als der Katechismus einer etwas zu groß geratenen Sekte sind – den Menschen ein neues kommunistisches Bewußtsein bringen sollen.
Am dritten Punkt ist vor allem der Umstand interessant, daß hier ein Gegensatz zwischen Parteiapparat und "Diktatur des Proletariats" konstruiert wird. Auf diesen Punkt gehe ich näher ein, wenn ich in "4." auf die Mittel der Kulturrevolution zu sprechen kommen werde. Der vierte Punkt ist schließlich, soweit er nicht lediglich, anders formuliert, den Inhalt der anderen Punkte wiederholt, ein völliger Nonsens. Die Kulturrevolution ist ja gerade eine Bewegung. Ein Damm aber ist eine Institution, die durch ihre bloße Existenz eine gewisse Sicherheit bietet. Diese geistige Verdrehung ist beispielhaft für die Art der MLPD-Denker, sich alles herbeizuerfinden, von dem sie meinen, daß es existieren müsse.

4. Die Mittel der Kulturrevolution
Für die Beantwortung der Frage nach dem Charakter der Kulturrevolution ist nicht nur die Frage wichtig, wodurch sie entstand und was sie bewirken sollte, sondern eben auch die, ob sie überhaupt bewirken konnte, was sie bewirken sollte. Letzteres ist ja gerade unsere Hauptfrage gewesen und auch unser Hauptstreitpunkt. Die Kulturrevolution hat zwei Grundgedanken: Zum einen, daß man mittels breit angelegter Veränderungen im Überbau in den Köpfen der Menschen den Kommunismus vorwegnehmen kann, was Mao offenbar als die Voraussetzung zum Übergang in den Kommunismus betrachtete. Zum zweiten, daß es zur Bekämpfung des Revisionismus einer breiten Volkbewegung bedarf, die dabei sich selbst überlassen werden muß.
Zum ersten Grundgedanken: Ich denke, kein Marxist wird abstreiten, daß die Erzeugung des kommunistischen Menschen nur im Kommunismus möglich ist. Die Gesellschaft formt den Menschen; ich habe das alles schon dargelegt. An dieser Stelle möchte ich erneut ansetzen und fragen, wie denn nun passieren sollte, was – wie wir wissen – nicht möglich ist. In dem "Beschluß über die Große Proletarische Kulturrevolution" fordert Mao das, was er "die Massen" nennt, was aber – wie wir ebenfalls wissen – nichts als die studierende Jugend war, auf, alte Ideen, alte Kultur, alte Sitten und alte Gebräuche durch jeweils neue zu ersetzen. Das wurde – auch das wissen wir – von den jungen Herrschaften schließlich sehr gründlich in die Tat umgesetzt. Es ist schon merkwürdig; in einem Land, das zum sehr viel größeren Teil aus Bauernschaft besteht, entsteht logischerweise kleinbürgerliches Verhalten unter den Menschen, was noch dadurch verstärkte wurde, daß Mao durch seine hirnlosen Wirtschaftsexperimente Wasser auf die Mühlen der kleinbürgerlichen Bewegung in der Gesellschaft gegossen hat, und nun meint ebenderselbe Mao aber, diesen sich aus der gesellschaftlichen Basis erklärenden Vorgang bekämpfen zu können, in dem er das verstärkte Studium der Mao-Tse-Tung-Idee anempfiehlt und – als ob das irgend ginge – neue Ideen, neue Kultur, neue Sitten und neue Gebräuche erfinden zu lassen. An dieser Stelle eine kleine Belehrung an alle Vulgärmarxisten: Die Gesamtheit der ökonomischen Verhältnisse "bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt." Soweit Marx. Mao zieht daraus den Schluß, daß diese Wirkung sich auch umkehren lassen müßte; daß also Überbau und Geist auch den gesellschaftlichen Prozeß erzeugen können. Das ist schon lächerlich genug. Aber der Irrtum geht noch viel tiefer.
Erst einmal ist das Verhältnis zwischen Überbau und Basis ja nicht so, daß der Überbau ein Abbild der Basis ist. Wir haben in unserer Gesellschaft eine Vielzahl von alten Ideen, alter Kultur, alten Sitten und alten Gebräuchen, die sich überhaupt nicht aus dem Kapitalismus erklären lassen. Sie sind viel älter und trotzdem sind sie noch da, denn das Verhältnis von Basis und Überbau besteht darin, daß die Basis diejenigen Formen des Überbaus aus dem Weg räumt, die zu ihr in direktem Gegensatz stehen. Eine weitere Wirkung, die die Basis auf den Überbau hat, ist die Umformung oder Zweckentfremdung bestimmter Formen des Überbaus, das Hineinprojizieren ökonomischer Gesetze in nichtökonomische Bereiche, kurz: das, was Marx Verelendung nennt.
Zum zweiten aber ist die Annahme falsch, daß die Basis die Erscheinungen im Überbau erzeugt. Sitten, Gebräuche und Gesetze sind das Ergebnis langer Erfahrungen der Menschen untereinander. Es ist meistens der Fall, daß sich durchsetzt, was zweckmäßig ist. Wiederum gilt auch hier, daß, was zur gesellschaftlichen Basis in unversöhnlichem Gegensatz steht, wenig Chancen auf Beständigkeit hat. Aber auch ist das wieder nur der Rahmen, in dem sich die Vorgänge abspielen und keinesfalls identisch mit den Vorgängen selber.
Diese Belehrung zur Kenntnis genommen habend, dürfte es schwer fallen, in dem Vorhaben Maos, die gesamtgesellschaftliche Veränderung mittels willkürlicher Überbau-Experimente von Studenten zu erzeugen, noch einen tieferen Sinn zu erkennen. Der psycho-pathologische Zwang zum Andersmachen schafft keine gesellschaftliche Veränderung herbei. Die Überbauverhältnisse sind das Ergebnis langer Erprobung des täglichen Lebens und es ist absurd, diese durch eine ad hoc ausgehobene Reagenzglas-Tradition ersetzen zu wollen. Für Mao – der inbetreff philosophischer Fragen komischerweise sehr traditionell war – scheint die Gesamtheit der menschlichen Kultur ein einziges barbarisches Zeugnis der Klassengesellschaft gewesen zu sein. Diesen Gedanken haben alle Klassiker des Marxismus abgelehnt. Marx und Lenin, Engels, Mehring, Stalin, Ulbricht, Luxemburg, ja sogar Trotzki waren sich einig darüber, daß das kulturelle Erbe erhalten und gepflegt werden müsse.
Zum zweiten Grundgedanken: Wie bekämpft man den Revisionismus? Stalin hat es vorgemacht und du, Sergej, hast seine Verdienste in deiner Kritik an den MLPD-Positionen zu dieser Frage hinreichend gewürdigt. Der Revisionismus läßt sich nur auf eine Weise bekämpfen: Durch ein Zusammenspiel von Oben und Unten. Jeder an seinem Platze, denn jedes einseitige Abhandenkommen dieses doppelten Mechanismus hat katastrophale Auswirkungen. Geht die Beteiligung des Volkes verloren, versinkt das Land in Lethargie, Jahrzehnte damit beschäftigt, auf die Konterrevolution zu warten. Richten sich die Massen als solche gegen die Administration als solche, führt das unweigerlich in die Anarchie. Die erste Möglichkeit haben wir in der UdSSR von Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow, die zweite im China Maos denn auch erlebt. Bleibt noch hinzuzufügen, daß die zweite Möglichkeit unweigerlich eine Lösung heraufbeschwört, die darin enden muß, daß sich die erste Möglichkeit einstellt. Auch das – bekanntlich – ist in China passiert.
Wir haben über die Frage nach dem Verhältnis, das zwischen der Kulturrevolution Maos und Stalins Säuberungen besteht, oben schon gestritten. Mikro sah in der Kulturrevolution die konsequente Anwendung der stalinschen Ideen und zitiere Stalin dazu. Ich habe dieses Zitat zunächst relativiert als ein politisch motiviertes und anschließend empfohlen, Stalins Worte mit Stalins Taten zu vergleichen. Dann schrieb ich folgendes: "Stalin meint, daß eine Bekämpfung der Entartung auch von unten kommen muß. Mao war der Meinung, daß die Bekämpfung nur von unten kommen könne. Das ist ein großer Unterschied. Ich finde Stalins Ansicht irgendwie komplexer, irgendwie der Realität angemessener, irgendwie besser durchdacht eben. Und ich wundere mich etwas darüber, daß hier einige das einseitige Abhandenkommen der Dialektik zwischen "Oben" und "Unten" als konsequente Weiterentwicklung dieser Dialektik feiern." Nun hast du in deiner Kritik an den MLPD-Positionen ein wunderbares Stalin-Zitat beigebracht, was ich bis dahin nicht kannte, was aber mit jedem Wort meine Argumentation in dieser Frage stützt: "Manche Genossen meinen, die Kontrolle der Funktionäre könne nur von oben erfolgen, wenn die Führer die von ihnen Geführten aufgrund der Ergebnisse ihrer Arbeit überprüfen. Das ist falsch. Kontrolle von oben ist natürlich nötig als eine der wirksamen Maßnahmen zur Überprüfung der Menschen und zur Überprüfung der Durchführung der Aufträge. Aber mit der Kontrolle von oben ist bei weitem nicht die ganze Kontrolle erschöpft. Es gibt noch eine andere Art der Kontrolle, die Kontrolle von unten, wenn die Massen, wenn die Geführten die Führer überprüfen, ihre Fehler aufdecken und ihnen die Wege zu ihrer Behebung zeigen. Eine solche Kontrolle ist eins der wirksamsten Mittel zur Überprüfung der Menschen." (Ich danke also Sergej für die Bekanntmachung und Genossen Stalin für die Urhebung dieses Gedankens.) Es ist heute ungeheuer populär, auf den Bürokratismus zu schimpfen. Niemand bedenkt, daß revolutionäre Umwälzungsprozesse heutzutage nur durch eine große Administration besorgt werden können. Aber mit dem Entstehen dieser Administration, die mehr Macht hat als die in der bürgerlichen Gesellschaft, entstehen auch neue Probleme, beziehungsweise sie werden in dem Maße größer, in dem die Verwaltung größer wird. Wir sind uns ja wohl einig darüber, daß man die Administration nicht zu zerschlagen hat, sondern eben von Zeit zu Zeit personelle Änderungen vornehmen muß und zwar auf die von Stalin beschriebene Weise.
Wenn man fragt, ob die Kulturrevolution den Revisionismus beseitigen kann, muß man fragen, wie der Revisionismus entsteht. Hier liefert der Leninismus eine Erklärung: Durch den Doppelcharakter der Bauern, Handwerker und aller Kleinproduzenten entsteht kleinbürgerliches Verhalten, was sich schließlich auch an der Parteispitze ausgewirkt hat. Ich weiß nicht, ob Lenin mit dieser Erklärung zufrieden gewesen wäre, ich finde sie etwas hausbacken. Das erklärt doch überhaupt nicht, warum auch Arbeiter für kleinbürgerliches Verhalten anfällig sind. Erst recht erklärt es nicht, warum Parteikader zu Revisionisten werden. Hier gibt es keine Erklärung aus ökonomischen Verhältnissen, die befriedigen könnte. Ich biete mal eine Erklärung an, deren Erkenntnisstand mir über dem der vorher erwähnten zu sein scheint: Der Revisionismus ist eine ideelle Erscheinungsform innerhalb der Arbeitbewegung, die offenkundig zyklisch auftritt. Von Bernstein bis Gysi trat stets aus der in die Jahre kommenden Generation von Klassenkämpfern eine derartige Bewegung hervor. Diese Bewegungen unterschieden sich untereinander wie sich die Zeiten unterschieden, in denen sie hervortraten. Der politische Grundzug jeder dieser Bewegungen ist aber gleich: der Opportunismus. Sie wurden – mit anderen Worten – kampfesmüde. Kann man das verhindern? Kann man die Ursache dafür beseitigen? Natürlich nicht. Was man kann, das ist, man kann, wenn eine solche Bewegung sichtbar wird, die müdegewordenen Kämpfer gegen frischere austauschen. Es hängt aber alles von der Frage ab, ob der Chef der Partei ein Stalin oder ein Chruschtschow ist. Nur von oben und von unten kann eine gelungene Reinigung erfolgen. Sitzt oben der Falsche, bringt keine Massenbewegung etwas, sondern – wir habe es ja gesehen – verschlimmert die Lage nur zusätzlich. Ich habe es schon einmal woanders geschrieben: Manchmal braucht man eben auch ein wenig Glück und wir hatten damals eben Pech. Das ganze Gefasel über die Kontrolle der Massen, das die Maoisten anstimmen, die vielen verschiedenen Rezepte, die die Linken heute dafür anbieten, was man besser hätte machen können und so weiter, das alles sind hilflose Versuche, Kausalitäten herzustellen, wo keine sind. Nun, es schläft sich wohl leichter damit und darum sei es diesen armen Seelen von meiner Seite aus gegönnt, sich vorzumachen, man könne der Entstehung des Revisionismus vorbeugen.
Solange diese Leute nun in ihren Betten bleiben, kann ich mit ihnen leben. Wenn sie aber beginnen, mit ihren linken Pfoten in den Staatsangelegenheiten herumzupfuschen, muß man sie – genau wie die Rechtsabsweichler – bekämpfen. Es bringt doch rein gar nichts, das Proletariat der Partei gegenüberzustellen, wie das die MLPD in dem von Sergej zitierten dritten Punkt tut. Die Absicht ist kaum redlich zu nennen. Das hat Trotzki auch schon versucht. Die "Diktatur des Proletariats" kann nicht anders verstanden werden, als daß sie zu erfolgen habe durch das Werkzeug dieser Diktatur, die Partei. Ist diese Partei innerlich unsauber, so muß sie gereinigt werden, aber eben nur unter der Kontrolle von oben. Alles andere bedeutet Anarchie. Stalin polemisierte 1924 auf der VIII. Konferenz der KPR(B) gegen Trotzki. Wer Lust hat, lese dies bitte und vergleiche anschließend Maos Verhalten der Sechziger Jahre mit dem Verhalten Trotzkis von 1924. Es dürfte schwer fallen, die Ähnlichkeit wegzuerklären. Die Behauptung, daß die Parteikader entarteten, der Versuch die studierende Jugend zum wichtigsten Gradmesser der Revolution zu erklären und schließlich die Absicht, Parteibasis gegen Parteikader gegeneinander auszuspielen, gehört in das Repertoire eines Frondeurs und nicht in das des Vorsitzenden. Mao war zwar formal der Vorsitzende, aber er bediente sich der Mittel von einem, der seine letzte Chance verspielt hatte. Und war Mao nicht in ebendieser Lage? Das sind schon höchst schöne Analogien, wenn Mao und Trotzki in einer ähnlichen Lage befindlich, etwas Ähnliches tun. Für Trotzki spricht, daß er nie dazu kam, das Land in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Für Mao spricht, daß es wenigstens keine Kraft der Mitte gab, die er negierte.
Wir haben jetzt also gesehen, daß beide Grundannahmen Maos, die zur Kulturrevolution führten, Quatsch mit Sauce sind. Nun wissen wir ebenfalls, daß die Kulturrevolution keine positiven Ergebnisse brachte. Sie verpuffte buchstäblich in der Luft. Was blieb, war Zerstörung und nichts als das. Es ist kein Wunder, daß die Kulturrevolution gescheitert ist, weil sie nämlich scheitern mußte. Das alles habe ich jetzt gezeigt und frage daher nunmehr zum dritten mal: Wie verantwortlich handelt der Große Vorsitzende, wenn er eine Revolution ausruft, die er nicht gewinnen kann, getragen von einer Kraft (Studentenbewegung), die nicht eben für Besonnenheit und Weisheit steht? Ich denke diese Frage kann sich jeder selbst beantworten. Ich möchte an dieser Stelle nur noch einmal Sergej entgegnen, der an mich in diesem Zusammenhang schrieb: "und bitte komm nicht mit sowas wie mao wusste nicht was er tat etc.-es gab auch unschuldige gulagopfer-war das von stalin gewollt?" – Ich sage ja gerade, Mao wußte, was er tat. Der Vergleich zu Stalin ist dennoch nicht zulässig. Die Moskauer Prozesse und die Säuberungen durch die Arbeiter-und-Bauern-Inspektion waren ein richtiger Weg, bei dem in Kauf genommen werden muß, daß im Einzelnen auch Anmaßungen passieren. Die Kulturrevolution, gerade weil sie nur von unten durchgeführt werden soll, enthält in sich die Anmaßung als Regel.

5. Noch einmal zum Maoismus
Ich habe eingangs bereits Maos philosophisches Weltbild und dessen Auswirkung auf sein praktisches Handeln als eine sehr wichtige Voraussetzung für seine Aneinanderreihung von Fehlern, die schließlich in der Kulturrevolution gipfelte, beschrieben. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die für den Maoismus so typische Vergötzung der Massen. Die Masse als gegen die revisionistische Entartung immunes Wesen, die Masse als einzige wirksame Kraft der Geschichte, die Masse als das weiseste Geschöpf überhaupt. In dem MLPD-Schmöker "Sozialismus am Ende" ist auf Seite 138 ein Photo zu sehen, auf dem eine Szene an der ungarisch-österreichischen Grenze abgebildet ist, die die Autoren, unter Mißbrauch eines Lenin-Zitates, wie folgt beschreiben: "Eine Abstimmung mit Füßen: Im August 1989 flohen Hunderte – vor allem junge – DDR-Bürger über Ungarn nach Österreich. 'Wir weinen ihnen keine Träne nach', äußerte der völlig verblendete Erich Honecker." Ihre "Weisheit" trieb die Massen direkt in die Arme des Imperialismus und als der nicht hielt, was er versprochen hatte, gab die Volksmasse in ihrer Weisheit den Ausländern dafür die Schuld. Schließlich versuchten sie in Rostock-Lichtenhagen eine kleine Kulturrevolution zu machen und die Polizei schaute zu. Natürlich will ich mich nicht über die Maoisten lustig machen. Ich mache mich grundsätzlich über keine Religion lustig. Aber neben dem unbändigen Haß der MLPD gegen die sozialistische Wirklichkeit ist auch ihre "völlig verblendete" Einstellung zu den Massen Schuld an solchen Fehlurteilen. Wir dürfen nicht vergessen, das Jahr 1989 fällt in einen Zeitraum, in dem Erich Honecker einiger von sehr wenigen Menschen war, die Gorbatschows Spiel durchschaut haben. Wenigstens im Nachhinein hätte die MLPD sich für ihre dümmliche Einschätzung der Lage entschuldigen können. Aber wer Willi Dickhut für einen Klassiker hält ...
Die Massenvergötzung geht direkt auf Mao zurück. 1943 schrieb Mao, noch mit dem Dreck der Revolution an den Händen, folgende Zeilen über die revolutionäre Meinungsbildung:
"die Meinungen der Massen (vereinzelte und nicht systematische Meinungen) sind zu sammeln und zu konzentrieren (sie werden erst studiert und in konzentrierte und systematisierte Form gebracht) und dann wieder in die Massen hineinzutragen, zu propagieren und zu erläutern, bis die Massen sie sich zu eigen gemacht haben, sich für sie einsetzen und sie verwirklichen; dabei wird die Richtigkeit dieser Meinungen in den Aktionen der Massen überprüft. Dann gilt es, die Meinungen der Massen erneut zusammenzufassen und sie erneut in die Massen hineinzutragen, damit diese sie beharrlich verwirklichen. Und so geht es unendlich spiralförmig weiter, wobei diese Meinungen mit jedem Mal richtiger, lebendiger und reicher werden. Das ist die marxistische Erkenntnistheorie."
Der Gipfel ist sicherlich der letzte Satz. Aber auch ohne diesen hätte mich das Zitat zum Lachen gebracht. Ich gebe zu, daß ich noch heute spontan loslachen muß, wenn mir diese Sätze Maos in den Sinn kommen. Wenn ich mich also in diese "marxistische Erkenntnistheorie" mal ein wenig einfühlen darf, stellen sich mir folgende Fragen:
* Besteht die Meinungsbildung des Revolutionärs wirklich in der statistische Erhebung von Meinungen, anstelle der Analyse der Wirklichkeit?
* Wie weise ist das Volk, das mit seinen Meinungen offenbar an die Stelle der wissenschaftlichen Analyse zu treten vermag?
* "Und so geht es unendlich spiralförmig weiter, wobei diese Meinungen mit jedem Mal richtiger, lebendiger und reicher werden." – Ist das nicht etwas zu "chinesisch" gedacht?
* Wenn einer in einem Raum ist und ein zweiter hinzutritt, steigt dann die Intelligenz in diesem Raum oder fällt sie? Sind acht Mann achtmal so klug wie einer?
* Wieso muß ich etwas in die Massen tragen, was bereits in den Massen vorhanden ist?
* Seit wann kann man verschiedene Meinungen systematisieren?
* Sind die Meinungen nicht verschieden, warum muß ich diese dann systematisieren?
* Viele Leute haben viele Meinungen. Wenn ich Meinungen des Volkes in das Volk zurücktrage, trage ich dann jede Meinung zu ihrem ursprünglichen Träger zurück?
* Oder nimmt dann jeder eine andere Meinung als vorher an?
* Oder – worauf es wohl hinauslaufen soll – hat jeder einzelne alle Meinungen in seinem Kopfe aufzunehmen?
Für letzteres haben wir hier in der politischen Landschaft der BRD ein Wort: Pluralismus. Ein ideologisches Modell mit einem barbarischen, politischen Charakter, der sich aus der reinen Negation jedweder Erkenntnistheorie ableitet (namentlich: aus dem Positivismus). Ist von Kommunisten abzulehnen! Der Pluralist ist einem Trugschluß aufgesessen. Er selbst kann nicht denken, und fürchtet, daß ihm irgendwas entgeht. Er will also von allen Meinungen das Beste; in Wahrheit bekommt er von allen das Schlechteste. Wenn ich alle Meinungen als gleichwertig nebeneinander versammle, erhalte ich keine Meinungsdemokratie, sondern eine Diktatur der bösartigsten und dümmsten unter ihnen.
Das dazu. Wie zurechnungsfähig ist eigentlich einer, der derlei schreibt? Und aber: Inwiefern hat Mao diese seine Ratschläge selbst befolgt? Hat er nicht immer, wenn es darauf ankam, durchgesetzt, was er für richtig hielt? Darin unterschied er sich doch von keinem anderen Politiker in seiner Lage. Wieso erzählt er etwas, auf das in derartiger Primitivität noch nicht einmal die PDS-Theoretiker mit ihrem Pluralismus-Fimmel gekommen sind? Und wieso findet sich derlei in der Mao-Bibel wieder und hat sich also in der Sechziger größter Verbreitung erfreut? Ist nicht anzunehmen, daß junge Menschen, die so etwas lesen, den Schluß daraus ziehen, sie bräuchten nichts mehr zu verstehen, es reiche vielmehr aus, wenn sie nur ja genug an der Zahl sind? Ich frage also an dieser Stelle noch einmal: Wie zutreffend sind für uns die Mao-Tse-Tung-Ideen? Wie beispielhaft ist für uns die Kulturrevolution?

6. Abschließendes
Die Kulturrevolution, behaupte ich, ist das deutlichste Beispiel der maoistischen Verirrung. Gerade junge Menschen sind für derlei sehr anfällig. Genauso, wie wir die Widerbelebung dieser Ideen und deren Export nach Europa zu verhindern haben, müssen wir aber mit Mao als historischer Figur gnädig sein. Wir wollen nicht alles, was er tat, für falsch erklären. Es ist schon auffällig, daß die Chinesische Revolution sich gegen den Willen Stalins und mittels Mißachtung des Marxismus durchgesetzt hat. Es wäre auch anders gegangen, aber die Besonderheiten Chinas sind immerhin eine Erklärung für den Maoismus. Wer sind wir, daß wir den Erfolg einer wirklich nach vorne gerichteten Revolution mißachten, nur weil sie sich nicht des Marxismus bedient hat? Es ist immer noch die Wirklichkeit unsere mächtigste Verbündete! Solange es um die Revolution ging, war Mao mit seinen Ideen im Recht (– er war es praktisch, ohne theoretisch recht zu haben. Die Bolschewiki waren dagegen praktisch und theoretisch im Recht). Aber es wäre die Aufgabe Maos gewesen, die KP von den Kinderkrankheiten zu reinigen, weil er, je mehr er auf seinem Umweg sich den sozialistischen Sphären näherte, desto mehr auch deren Gesetzen unterlag. Und diese Arbeit – das theoretische und praktische Hineinwachsen in den Marxismus-Leninismus – hat er nicht geleistet. Und daraus erklärt sich, warum ein so erfolgreicher Revolutionär als Baumeister seines Landes jämmerlich versagt hat. Zu kritisieren ist nicht die regionale Beschränktheit der Chinesischen Revolution. Zu kritisieren ist, daß sie diese Not zur Tugend machte, als sie längst die Möglichkeit hatte, über sich hinauszuwachsen.
Die Fehler Maos, darin stimme ich mit Sergej überein, sind noch nicht hinreichend erforscht. Das liegt vor allem daran, daß noch nicht die richtigen Leute daran geforscht haben. Ich zähle nun Maos Fehler noch einmal zusammenfassend auf, um den Forschungsbereich etwas abzustecken. Es gibt zwei Hauptgruppen von Fehlern bei Mao, die praktische und die theoretische.
Maos Fehler in der Praxis sind folgende: 1. Hundert-Blumen-Bewegung; 2. "Großer Sprung" und "Drei rote Banner"; 3. Kulturrevolution; 4. Außenpolitik (Bündnis mit den USA, Unterstützung der Roten Khmer, Gegner von Vietnam etc.).
Maos Fehler in der Theorie: 1. Widerspruchstheorie und philosophisches Weltbild; 2. Massenvergötzung; 3. Lösung der Probleme im Überbau und falsche Gesellschaftstheorie; 4. Voluntarismus und Nichtmarxismus; 5. Ansichten über Kunst.
Diese Bereiche wären zu erforschen. Ich persönlich kann das nicht machen, dazu ist es mir zu ekelhaft.

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:02 
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also Numa ich habe mal deinen trext durchgelesen und stimme dir in den meißten punkten zu. wo ich dir nicht zustimme werde ich aber jetzt noch nicht ausführen da es mir an zeit mangelt.
auf einige unwichtige dinge gehe ich aber trotzdem ein.
1. zu meinem MLPD-text zur Stalinkritik:
dieser text stammt natürlich nicht 100% von mir. d.h. ich habe nicht die stalinzitate selber ausgesucht u.ä. es ist eher vielmehr eine zuammenfassung mehrere mao-kritischer texte der KPD/Ml (bzw. kpd-Roter Morgen)-siehe dazu "über die ideologie und politik der MLPD"; als auch anerer (halbmaoistischer) Organisationen wie GdS oder BID usw. natürlich gab es auch eigene überlegungen dazu und vergleiche mit den maoistischen positionen.
2.

Zitat:
Interessant wäre auch die Frage, ob es unter den Maoisten große Unterschiede in der Bewertung der Ereignisse in China gibt. (Als Kenner der Szene kannst du mir da bestimmt weiterhelfen.)


dazu kann ich dir wenig sagen, soviel ich weiß ist die bewertung chinas der organisationen die mao als klassiker des M-L betrachten, nicht wesentlich unterschiedlich. das problem hierbei ist jedoch, sie geben kaum analysen preis sondern jediglich lobpreisungen, was für mich eher enttäuschend ist.
3.
zum MLPD-Buch "sozialismus am ende?"
ich muss ehrlich eingestehen ich habe mir das buch vor ca. enm jahr gekauft habe und muss eingestehen dass ich von diesem buch enttäuscht bin. es war einfach langweilig zu lesen-an mehr erinnere ich mich nicht
4.
zu meiner mao-position:
zwar wirst du sie kennen numa, die anderen wohl aber nicht von daher mache ich es öffentlich bekannt:
wie man schon häufig lesen konnte bin ich ein kritiker maos (komisch dass ich mich relativ häufig auf ihn berufe ).
man kann mich somit als "stalinisten" mit hoxhaistischem, maoistischem und ulbrichtschen touch ansehen. das kling vielleicht in irgendiwe widersprüchlich-ist es aber nicht, wenn man die richitgen positionen verteidigt und die falschen kritisiert.

soviel fürs erste

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:03 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
Zitat:
dieser text stammt natürlich nicht 100% von mir. d.h. ich habe nicht die stalinzitate selber ausgesucht u.ä. es ist eher vielmehr eine zuammenfassung mehrere mao-kritischer texte der KPD/Ml (bzw. kpd-Roter Morgen)-siehe dazu "über die ideologie und politik der MLPD"; als auch anerer (halbmaoistischer) Organisationen wie GdS oder BID usw. natürlich gab es auch eigene überlegungen dazu und vergleiche mit den maoistischen positionen.


nochwas hierzu.
jetzt kann von einigen die kritik kommen, dass es unlogisch wäre sich auf enver hoxha zu beziehen, wenn man maoisten kritisieren möchte. ich halte solche überlegungen für grundfalsch!
es ist zwar richtig, dass hoxhas grundposition verleumderisch war, was aber nicht über die richtigkeit mancher inhalte hinwegtäuscht. viele kritiken hoxhas an den mao tse-tung-ideen haben durchaus richtige positionen und stimmen mit den ideen/werken/analysen von marx engels lenin und stain vollkommen überein! von maoisten wurde dies bisher nicht ausreichend widerlegt, außer dass sie "maos ideen" nur zitieren (was ohnehin grundfalsch sein kann, egal ob hoxha ziate fälscht oder nicht-siehe antagonistische klassen im sozialismus etc.), grundlegene analysen fehlen jedoch seitens der maoisten.

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:03 
Literat

Beiträge: 2947
Daß die Maoisten Mao nur preisen und nicht analysieren können, versteht sich ja von selbst. Man kann bei einer derartig überwältigenden Sachlage nur auf eine Weise reagieren; indem man nämlich einen auf Unkenntnis aufbauenden Kult an die Stelle der wissenschaftlichen Weltanschauung setzt, der sich in seinem Austausch mit anderen Ideologien im wesentlichen reflexhaft verhält.

Da hast ja mal bezüglich der Großen Polemik zwei Bücher vom Benario-Baum-Verlag erwähnt. Von welcher Position sind die geschrieben?
Und gibt es im Internet eigentlich ein ausführliches HoxhaText-Archiv in deutscher Sprache? Ich habe bei "Texte zum Klassenkampf" nur ältere Schriften von ihm gefunden.

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:03 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
also der verlag benario-baum steht zwischen maoisten und hoxhaisten.
folglich gehört dieser verlag zu den wenigen, die sich kritisch mit mao auseinandersetzen.
ich habe bisher noch keine hoxhawerke im internet in deutscher sprache gefunden.

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:03 
Literat

Beiträge: 2947
Hier gibt es Texte, die aber alle noch zu Maos Lebzeuten geschrieben wurd und folglich nicht die Abrachnungstexte sein können.


http://www.marxistische-bibliothek.de/_hoxha.html

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:04 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
falsch, diese texte scheinen alle aus Hoxhas Buch "betrachtungen über China -Bd. 1" zu kommen. dies wurde 1979 geschriben, mao starb 1976.
hierbei handelt es sich nicht um ein richitges tagebuch, sondern eher um erinnerungen. (sämtliche werke hoxhas stammen ab ende der 70er-egal ob es ide chruschtscowianer, die titoisten, imperialismus und revolution ua. sind, sie sind also alle nach Moas tod verfasst worden)

und hier meine Stelluingnahme zu deinem beitrag:
Zu Punkt 2:
Zum Großen Sprung nach vorn. Hier stimme ich dir absolut zu, der „große“ Sprung nach vorn war alles andere als richtig, sondern einer der fatalsten fehler die Mao gemacht hat. Ich könnte zwar hierzu noch was hinzufügen und ergänzen, um die Ideologie des Großen Sprungs deutlicher zu machen, belasse es aber, da es meinen Beitrag nur unnötig länger machen würde und wir sowieso keine unterschiedliche Meinung dazu haben. Wichtig für mich wäre hierbei aber, warum es zum großen Sprung nach vorn kam und ob Mao Selbstkritik geleistet hat und dafür die Hauptverantwortung übernahm. Der Grund für den großen Sprung könnte darin liegen, dass Ende der 50er Jahre die sowjetische Wirtschaftshilfe für China abgebrochen wurde. Alle sowjetischen Spezialisten und Entwicklungshelfer reisten ab. Viele Bauprojekte blieben halbfertig stehen oder sind noch gar nicht verwirklicht worden. China war also ökonomisch isoliert und auf sich allein gestellt. Es musste sozusagen „aus eigener Kraft“ wieder auf die Beine gestellt werden. Dennoch ist dieser Grund keine Entschuldigung für die falsche Herangehensweise Maos an dieses Problem. Dafür könnte ich 3 Beispiele nennen; eines aus der UdSSR, 2 aus Albanien: zum ersten Beispiel: die UdSSR war ebenfalls ökonomisch weitgehend Isoliert, musste ebenfalls aus eigener Kraft auf die Beine gestellt werden. (hierbei beziehe ich mich natürlich nicht auf die Zeit des NEP, sondern mit dem Beginn der 5-Jahrespläne). Albanien musste Ende der 50er/Anfang der 60er das selbe Schicksal erleiden wie China, Ende der 70er noch mal- diesmal aber seitens der VR China, die die Wirtschaftsbeziehungen zu Albanien abbrach. Gab es bei diesen Beispielen einen großen Sprung nach vorn? eigentlich schon- denn Albanien und die UdSSR konnten sich trotz Isolation auf die Beine stellen- jedoch war dies kein großer Sprung nach vorn nach den Vorstellungen Maos- sondern nach den Prinzipien des M-L.
Ob Mao diesbezüglich Selbstkritik übte und die volle Verantwortung dafür übernahm, kann ich nicht beurteilen, da mir vorhandene Schriften fehlen.
(wie groß die ökonomischen Probleme durch den großen Sprung nach vorn waren, kann ich nicht beurteilen, aber nur erahnen- auch wenn ich die 30 Mio. Hungertoten für ne Lüge halte).
Was die Volkskommunen angeht kann ich nichts zu sagen, da ich davon nur wenig Ahnung habe.
Zu Punkt 3:
Du schreibst: „Die Kulturrevolution hatte neben diesem defensiven Zweck auch noch einen offensiven: Die Hinführung zum Kommunismus." Auch wenn ich mir fast sicher bin, dass du leugnest, dass Kulturrevolution etwas mit Kommunismus oder kommunistischen Idealen zu tun hat, was auch nicht falsch ist, bin ich mal ganz frech und widerspreche ich dir: Die Kulturrevolution konnte nicht zum Kommunismus führen (ich denke aber das siehst du genau so), auch wenn es die hardcore -Maoisten anders sehen. Warum sehe ich das so? Ganz einfach! Ich habe ja schon mehrmals Maos falsche ideologische Positionen zur Bourgeoisie im Sozialismus aufgezeigt. Wenn die Bourgeoisie ihrer Produktionsmittel beraubt ist, existiert sie als Klasse nicht mehr. Die Maoisten sehen das offenbar anders. Die Maoisten gehen von einen friedlichen Hineinwachsen der Bourgeoisie in den Sozialismus aus, gehen sogar von einer Beteiligung der B. an der Diktatur des Proletariats und am Aufbau des Sozialismus aus. Oder kurz gesagt: Klassenversöhnung! Zwar wurde die Bourgeoisie während der Kulturrevolution angegriffen (zumindest sollte es so sein, was aber meistens nicht so war), aber man ging ideologisch immer noch von einer Koexistenz aus- konnte die Kulturrevolution zum Kommunismus führen??? Man ging eher von Umerziehung als von Klassenkampf aus. Diese Koexistenz mit der Bourgeoisie war offenbar auf lange Sicht vorgesehen. So erklärte Mao: „ Wird in 100 Jahren Revolution nötig sein? Wird in 1000 Jahren Revolution nötig sein? Revolution ist immer notwendig. Ein Teil der Menschen wird sich immer unterdrückt fühlen; kleine beamte, Studenten, Bauern und Soldaten wollen nicht von großen Tieren unterdrückt werden. Darum wollen sie die Revolution. Sollten in 10000 Jahren keine Widersprüche mehr zu sehen sein? Wieso nicht? Immer noch werden welche zu sehen sein.“ (in: „Der Glanz der Kulturrevolution ist unauslöschlich“, Renim Ribao vom 16.5.1976, zitiert nach: „nieder mit der Deng Hsiao- Ping- Bande)
Beamte und Soldaten in 1000 Jahren; Klassenwidersprüche in 10000 Jahren??????????? Das kann doch wohl nicht ernst gemeint sein- oder????
Weiterhin sei noch bemerkt, dass Mao von mehreren Kulturrevolutionen ausging- von sehr, sehr vielen, wenn man das mit einbezieht was ich vorhin zitiert habe. Dabei darf man nicht vergessen, dass Mao alle 6-8 Jahre eine Kulturrevolution plante. Was heißt das? Alle 6-8 Jahre sollen die Massen für 2 Jahre rebellieren und in der Zwischenzeit nix tun- also die Bürokratie anwachsen lassen und dagegen nix unternehmen.
Zieht man alles in Betracht, so kann es unmöglich sein, dass die Kulturrevolution schnell zum Kommunismus führen soll (das kennt man ja auch von großen Sprung nach vorn). Selbst Mao konnte das nicht glauben.
Zu Punkt 4:
Du schreibst: „. Nun wissen wir ebenfalls, daß die Kulturrevolution keine positiven Ergebnisse brachte. Sie verpuffte buchstäblich in der Luft.“
Ich stehe dieser Aussage eher gespalten gegenüber. Die Gründe die du vorher brachtest, sind einleuchtend. Aber war die Kulturrevolution tatsächlich total sinnlos, brachte sie nix positives zustande? Vergleicht man dies mit der Zeit vor der Kulturrevolution, so kann man feststellen, dass die Kulturrevolution durchaus positives brachte. Ich hatte ja schon vorher erwähnt, dass Mao von einem friedlichen hineinwachsen der Reste der Ausbeuterklassen (er ging ja noch davon aus, dass es keine Reste waren, sondern die Ausbeuterklassen voll existent im Sozialismus waren) in den Sozialismus ausging, ja sogar von einer Beteiligung am Aufbau des Sozialismus und an der Staatsmacht ausging. Dies war ja der Hauptgrund der zur Kulturrevolution führte: die Reste der Ausbeuterklassen als auch die neuen Bürokraten konnten ihre Macht ausdehnen und den Sozialismus stürzen. Während der Kulturrevolution wurde ihre Macht geschwächt. Dennoch wurden die Ausbeuter und neuen Bürokraten nicht richtig angegriffen, da man immer noch an der „Theorie“ des Hineinwachsens der Bourgeoisie in den Sozialismus ausging- so konnte sich ihre Macht wieder ausdehnen und nach Maos Tod konnten sie die macht übernehmen. Aber auch nach der Kulturrevolution (deren Ende 1968 war), blieben die Errungenschaften der Kulturrevolution bis Maos Tod erhalten: Wandzeitungen, Teilnahme der Kader an der Produktion, Teilnahme der Arbeiter an der Leitung- so was gab es vor der Kulturrevolution gar nicht. Somit ist dies durchaus ein Fortschritt. Aber letztendlich konnten die Errungenschaften der Kulturrevolution - so wenige es auch waren- nicht zum Erfolg führen, da die Kulturrevolution an sich falsch durchgeführt wurde und Mao an seinen falschen Vorstellungen fest hielt.

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:04 
Literat

Beiträge: 2947
Hat Hoxha diese Texte wirklich erst nach '76 verfaßt? Dann sie die Datierungen falsch.

Zu deiner Antwort:
1. Offenkundig scheinen wir kaum eine Meinungsverschiedenheit zu haben. Es war ohnehin nicht meine Absicht, Kriegsgräben auszuheben, sondern darauf hinzuweisen, von wo nach wo die Fronten verlaufen. Es ist meine Überzeugung, daß man die internationale Arbeiterbewegung nach 1956 nicht einfach in einen revionistischen und einen orthodoxen Flügel teilen kann, wenn man die weltpolitischen Prozesse zu verstehen wünscht. Mao und Chruschtschow begingen den gleichen Fehler, nur eben jeweils mit umgekehrten Vorzeichen. Die treffenste und kompakteste Analyse zu besagtem Geschichtsabschnitt hat Peter Hacks gegeben, in seiner Einteilung der Linken: "Die sinnlose Überlegung führte zu einer sinnlosen Hoffnung und die Hoffnung zum Opportunismus." Dieser Satz läßt sich auf beide Abweichungen anwenden. Chruschtschows sinnlose Hofnung war der Glaube, die Friedensfrage vertrauensvoll in die Hände des Imperialismus legen zu können. Maos sinnlose Hoffnungen habe ich in diesem Faden bereits eingehend beschrieben. Hacks bringt es auch hier auf den Punkt: "Annahme, ein aufrechter Mut könne ökonomische Tatsachen wettmachen".
2. Nach meiner Erinnerung ist der Abzug des sowjetischen Personals und die rapide Drosselung der wirtschaftlichen Hilfe seitens der UdSSR gerade eine Reaktion auf die Politik der "Drei Roten Banner" gewesen. Immerhin brachte Mao damit zum Ausdruck, daß er der Sowjetunion ihren Rang abzulaufen gedenke. Das konnte Niki wohl kaum gefallen. Beide machten aus dem sozialistischen Wettbewerb einen persönlichen Kampf um internationale Reputation. Dabei sollten wir doch wissen, daß der "Kommunismus in einem Lande" nicht möglich ist. Es bedarf mindestens eines starken Blocks, wie er ja als Basis nach 1945 vorhanden war. Man hätte den RGW umfunktionieren, einen starken sozialistischen Binnenhandel errichten und wirklich arbeitsteilig vorgehen müssen, anstatt sich gegenseitig mit Kommunismusprahlereien zu überbieten.
3. Wir stimmen aber darin überein, daß es gerade die Art ist, in der die Industrialisierung durchgesetzt wurde, die verhängnisvoll war. Schon der Name "Großer Sprung" ist verräterisch. Stalin hat stets die Betonung darauf gelegt, daß das Entwicklungstempo hoch und gleichmäßig sein soll. Das ist keine semantische Klauberei, denn wenn man die Praxis in China betrachtet, muß man feststellen, daß Mao den "Sprung" wörtlich gemeint hat. Ich halte 30 Millionen Hungertote übrigens auch für übertrieben, aber zweistellig war die Millionenzahl wohl schon. Ich habe extra auf die Nennung einer Zahl verzichtet, da ich kein Fan von bodycounting bin. Worauf es ankommt, ist der Zusamenhang. Die Hungersnöte in China sind nicht entstanden, weil Kulaken ihre Ernte verbrannt haben. Sie kamen zustande wegen der von mir beschrieben, falschen Politik und wären absolut vermeidbar gewesen. Sie sind deswegen nicht ohne Weiteres mit der Hungersnot in der Ukraine vergleichbar.
4. Was du zur Kulturrevolution ergänzt, ist auch meine Meinung. Ich weiß, daß Mao die Kulturrevolution als regelmäßiges Ereignis installieren wollte. Das macht die Sache aber noch verwerflicher. Außerdem stimme ich dir zu, daß die Hinführung zum Kommunismus durch ein Kulturrevolution nicht erreicht werden kann. Das ist ja gerade auch das, was ich oben zu beweisen mich bemüht habe. Ich habe nur wiedergegeben, was Maos Gedanken waren, weil ihr, Mikro und du, am Anfang der Diskussion nur von der Kulturrevolution als Instrument zur Bekämpfung der Entartung des Parteiapparats gesprochen habt. Das hat das Problem aber nur von einer Seite beleuchtet und ich wollte gerade auch auf die andere hinaus. Daher habe ich also diesen Umstand erwähnt.
5. Ich denke, daß es bei der Bewertung ein weiteres großes Problem der Theorie gibt. Mao hat immer von Bourgeoisie und Proletariat gesprochen, obwohl beides in China überhaupt nicht richtig vorhanden war. Eine Bourgeoisie hatte sich niemals richtig gebildet. (Jetzt gerade bildet sie sich richtig und zwar erstmalig in China.) Was Mao meint, sind im Grunde die Kleinproduzenten, das heißt Bauern und eine Handvoll kleiner Manchesterkapitalisten. Nach den genauen Verhältnisse und deren Entwicklung müßte ich noch mal gesondert forschen. Interessant ist aber, daß Mao keinen Unterschied zwischen Bourgeoisie und Kleinbürgertum macht. Heute ist es der Widerspruch im Volk, morgen verwandelt er sich (und keiner außer Mao weiß, wie) in einen antagonistischen Widerpspruch. Aber es ist doch ein Unterschied, ob ich über das Nebeneinander von volkseigener und Warenproduktion im Sozialismus handle oder ob es um den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, bzw. um den zwischen Proletariat und Bourgeoisie geht. Daß er das vermischt, hat zur Folge, daß er ständig in seiner Bewertung der Widersprüche schwankt. Und das hatte den für Mao ganz angenehmen Nebeneffekt, daß er sich die Theorie stets so zurecht drehen konnte, wie er sie gerade brauchte. Und hat Mao nicht stets angezweifelt, daß es eine absolute Wahrheit, losgelöst von der Praxis gibt? Nur, wenn man so rangeht, wird man Mao auf die Schliche kommen.
6. Zu den positiven Errungenschaften der Kulturrevolution zähle ich die Wandzeitungen. Daß man sich artikulieren kann, ist wichtig. Man darf aber nicht vergessen, daß man sich im Klassenkampf befindet. Das ist, vereinfacht ausgedrückt, mein Haupteinwand gegen die Einführung der reinen Demokratie. So etwas geht unter den Bedingungen des Klassenkampfes nicht. Wenn das Volk ungebremst all seinen inneren Blähungen freien Lauf lassen darf, dann führt das unwiderstehlich in die Anarchie. Das widerum führt unleugbar zur Schwächung des Klassenkampfes. Das objektive Interesse des Proletariats muß im Sozialismus vor allen anderen Dingen Vorrang haben, auch vor dem subjektiven Interesse. Die Maoisten kennen offenbar dazwischen keinen Unterschied und besorgen das genau dadurch, daß sie die Masse vergötzen und zu einem Wesen erklären, daß frei von Fehlern sei und weiser, als es jedewede Person jemals sein könnte. Dabei wissen wir doch, daß es insgesamt nur sehr wenige Personen gibt, die alleine noch dümmer wären als die Masse, wenn sie sich unkontrolliert zusammenrottet. Daß Arbeiter an der Leitung und Kader an der Arbeit teilnehmen sollen, halte ich für eine Idee, die sich höchstens als populistische goutieren läßt. Die Kader nehmen doch an der Produktion teil, nur eben nicht mit der Hand! Effektiv ist, wenn jeder tut, was er kann. So eine Rotation zwischen oben und unten in Gang zu setzen, stört eher. Das ist wider typisch für den Maoismus. Es wurden ja damals auch die Intellektuellen in die Produktion geschickt. Als ob die besser denken, wenn sie regelmäßig Zementsäcke schleppen. Ich sage: Jeder an seinem Platz! Das ist nur ein anderer Ausdruck für "Jeder nach seinen Fähigkeiten". Du erinnerst dich vielleicht, daß wir in dem Faden "Untergang der SU" dieses Thema schon einmal angeschnitten hatten und uns darauf einigen konnten, daß die Basis in einem gewissen Rahmen Entscheidungen fällen soll, aber die Planung Sache der Leitung ist. Wenn ich das jetzt nochmals betrachte – Die Wandzeitungen als einziges positives Ergebnis der Kulturrevolution – kommt mir das dennoch ziemlich dünn vor.
7. Mikro hat ziemlich an Anfang der Diskussion ebenfalls die Wandzeitungen ins Spiel gebracht und anschließend gefragt, wo es das bitte in der DDR gegeben habe. Ich will ja nicht schon wieder Klischees bedienen, aber es ist nunmal die Wahrheit, daß die DDR unter Ulbricht wesentlich basisdemokratischer war als unter Honecker. Unter Honecker war der "demokratische Zentralismus" wirklich nichts als eine Phrase, aber dieser Begriff hat einen tieferen Sinn und hatte mal eine Wirklichkeit. Mit der Konzeption des NÖS wurde die Eigenverantwortung der Betriebe noch stärker gepflegt. Man kann es auch, wenn man das Ökonomische außer acht läßt, Demokratisierung nennen. In jedem Fall ist dieser Prozeß unter Honecker eingeschlafen. Es ist meine Überzeugung, daß der Übergang des Sozialismus in seine zweite Phase, die nicht darin besteht, zum Kommunismus zu führen, sondern darin, mittels der vollwertigen Ausentwicklung des Sozialismus, der eine realtiv eigenständige Gesellschaftsformation ist, die wirklich Grundlage für den Kommunismus zu legen. Nur so wird der Übergang zum Kommunismus möglich sein. Für diesen Weg ist das NÖS das richtige Werkzeug und eine zukünftige Inangriffnahme dieses Weges wird nicht umhinkommen, gewisse Ähnlichkeiten mit dem NÖS aufzuweisen. Und zu dieser zweiten Phase gehört ebenfalls eine viel größere (auch kopfmäßig größere) Beteiligung der Basis an den wirtschaftlichen Vorgängen.

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:05 

Beiträge: 50
Zitat von sergej hat geschrieben:
das china heute definitv kein sozialistischer staat ist steht felsenfest


Wer das verneint, hat wohl wirklich keinen Bezug mehr zur Realität.
Siehe Parteiprogramm KPD(B). Irgendwo auf den letzten Seiten.

NumaPompilius hat geschrieben:
Was ja auch sehr bezeichnend ist; war die Achtundsechziger Bewegung doch nichts als das westeuropäische Äquivalent zu Maos Roten Garden: Eine stinkender Haufen studierfauler und kleinbürgerlicher Rotzlöffel.


Besser hätte ich das nicht sagen können.


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:05 

Beiträge: 34
Zu der aktuellen Frage über China gibt es eine Artikelreihe in der Zeitung Arbeit und Zukunft (eine Abspaltung von KPD/Roter Morgen).
Ihre Seite http://www.arbeit-zukunft.de

Der erste Teil des Artikels ist in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht!


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:05 

Beiträge: 236
Großes Lob für deine Analyse Numa, war ein Genuss für den Geist.


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:05 

Beiträge: 79
Der Fehler Maos lag u.a. darin, daß er der Bauernschaft eine zu große Priorität einräumte.
Die ganze Abwärtsentwicklung danach, läßt sich auch daraus ableiten.
Jetzt hat man in China eine Art NÖP, dies ist partieller Kapitalismus, der in Kürze in Vollkapitalismus enden muß, denn auch in der Ökonomie gibt es kein "Dazwischen", alles bewegt sich seinem "Endzustand" hin. Wie sagte doch Lenin treffend: "Kapitalismus oder Sozialismus, eine 3. Ideologie hat die Menschheit nicht geschaffen, noch kann es sie geben".


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:08 
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Beiträge: 4023
Zitat:
Wie sagte doch Lenin treffend: "Kapitalismus oder Sozialismus, eine 3. Ideologie hat die Menschheit nicht geschaffen, noch kann es sie geben".


Quelle?

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:08 

Beiträge: 79
weiß ich im Moment nicht, wird aber nachgeliefert!


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:09 

Beiträge: 2008
Zitat:
Wie sagte doch Lenin treffend: "Kapitalismus oder Sozialismus, eine 3. Ideologie hat die Menschheit nicht geschaffen, noch kann es sie geben".


Na das erzähl mal der PDS.DieLinke. Die können den Lenin auch nett so richtig leiden (zumindest in der Obersten Etage). Aber vielleicht kann Dir der Herr Briehwürfel eine Quellenangabe liefern.

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:09 

Beiträge: 236
Also ich finde es konsequent dass sie den Lenin nicht leiden können, der beißt sich doch dann schon sehr mit ihrer Ideologie. Der wird nur manchmal noch genommen, weil er eben ein großer Linker war und bekannt ist, ideologisch sind da gewaltige Unterschiede.


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:09 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Der Fehler Maos lag u.a. darin, daß er der Bauernschaft eine zu große Priorität einräumte.


Das ist eine ziemlich sinnlose Aussage, wenn man nicht klärt, auf welche Zeit sie bezogen ist. Beziehen wir die Aussage auf die Zeit der Revolution, so ist sie falsch, denn daß Mao auf die Bauern gesetzt hat, war ja gerade die unumgängliche Bedingung für den Erfolg der Revolution. Man soll Mao nur dort kritisieren, wo er zu kritisieren ist. Man wird ihm ja wohl kaum vorwerfen wollen, daß er die Revolution durchgesetzt hat.

Zitat:
Die ganze Abwärtsentwicklung danach, läßt sich auch daraus ableiten.


Danach gab es keine einheitliche Abwärtsbewegung, sondern ein auf und ab. Und womit dieses auf und ab zu tun hat, was die Ursachen, was die Folgen sind, das haben Sergej und ich oben (und auh woanders) bereits und viel ausführlicher erklärt. Dieses Thema ist nicht eben sobeschaffen, daß es verträgt, mit solchen kurzen Merksätzen abgehandelt zu werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:10 

Beiträge: 236
Im neuem Spiegel stand ein Artikel über China. Darin steht, dass das Institut für Gesellschaftswissenschaften eine neue Abteilung hat: Eine Abteilung für Marxismus!
Schau einer mal. Ein sich kommunistisch nennendes Land hat nun im Institut für Gesellschaftswissenschaften eine neue, kleine Abteilung, die sich mit dem Ideen von Marx beschäftigt. Geplant ist auch wieder die verstärkte Neuübersetzung der Werke von Karl Marx und eine verstärkte Neuauflage. Chef der Abteilung ist der Professor Cheng Enfu, einer der führenden chinesischen Marxisten. Er sagte unter anderem: Der Marxismus ist eine moderne Theorie, er hat seine Platz in der internationalen Arena der Ideen. Er gehöre zu den vielen Genossen, die meinen die Partei hätte ihren ideologischen Kompass verloren.
Nun ja die chinesische KP hat sicher Identitätsprobleme, Name und Taten, Schein und Sein.
Eine seiner Aussagen fand ich besonders ehrlich: „Wir müssen es schaffen, dass die Elite, die hohen und mittleren Kader wieder an den Marxismus glaube.“
Cheng sieht nur im Marxismus eine Möglichkeit die Probleme des Landes zu lösen. Er gestand auch ein, dass es den chinesischen Arbeitern schlecht ginge, allerdings, so rechtfertigt er das Elend, gehe es den Chinesen besser als den europäischen Arbeitern in der entsprechenden Übergangsphase. Lol, nach 50 Jahren Herrschaft der KP Chinas geht es den chinesischen Arbeitern besser als den europäischen im Manchesterkapitalismus.
Cheng sagte auch, dass man den Fehler der SU nicht wiederholen dürfte, die Sowjets hätten kein neues Verständnis für den Marxismus aufbringen können und hätten unbesehen den Kapitalismus übernommen.
Also ich wünsche den chinesischen Kommunisten viel Erfolg bei ihrem Kampf um die Herrschaft in ihrer eigenen Partei gegen die Revisionisten und Kapitalisten, denn nichts anderes spielt sich dort ab.
Was sagt ihr dazu?


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:10 

Beiträge: 462
Schwierige Situation. Einerseits befindet sich ein großer Teil der Industrie in staatlicher Hand, auch der gewinnträchtigen. Andererseits arbeitet sie nach dem kapitalistischen Profitprinzip. Die staatlichen Konzerne agieren in direkter Konkurrent gegen jene in Privateigentum. Ein Staatskapitalismus ersten Ranges also.
Der Lebensstandart stieg in den letzten Jahren für mehrere hundert Millionen an, aber trotzdem nur für den erheblich kleineren Teil der Bevölkerung. Auch bei jenen die dazugewonnen haben ist die Verteilung des Wohlstandes extrem unterschiedlich. Gleichzeitig wuchs eine neue Bourgeousie heran die sukzessive gemeinsam mit höheren Parteifunktionären die Macht übernimmt. Es schaut also sehr schlecht aus.


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:10 
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Beiträge: 1624
für China sieht es einfach schlecht aus ... ich sehe dort rein gar nix sozialistisches mehr ... gut mag sein, dass die Hälfte der Industrie verstaatlich ist ... was nützt mir das aber ohne einer Diktatur des Proletariats? Überhaupt nichts!
Aus China irgendeinen Sozialismus herauszuholen in dem man hofft, dass die 'K'P Chinas sich der marxistisch-leninistischen Werte bedient bzw. sie wiederentdeckt (die sie seit Ende der 50er nicht mehr hat) ist ungefähr genauso lächerlich wie zu hoffen aus der pDS könne hier in Deutschland die revolutionäre Arbeiterpartei werden!

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Pole Pole Mzungu. Welcome to Tanzania, the land where dead cows are lying and dogs are flying. But be careful of the ju-wai-biems. Now let's search for some Schtonetools and after that let's go to Tohu-Wa-Bohu (also known as Mto-Wa-Mbu/Moskitotown)


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:10 

Beiträge: 53
Ich lehne es ab, das Firmen an Amerikanische Investoren Verkauft werden, was regel mäßig passiert, in China!

Und sich so die Partei Vorstände die Taschen vollstopfen mit Dollars!
Und das Volk darf für Hungerlöhne Arbeiten!


Grüße


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 Betreff des Beitrags: Re: China - Sozialistische Hochburg oder Lakai des Kapitals?
BeitragVerfasst: Sa 7. Apr 2007, 11:11 
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Beiträge: 4023
Zitat:
Ich lehne es ab, das Firmen an Amerikanische Investoren Verkauft werden, was regel mäßig passiert, in China!


3 Beispiele bitte!

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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