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 Betreff des Beitrags: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: So 8. Mär 2009, 22:16 

Beiträge: 8
Guten Tag (oder Nacht) alle zusammen :)

Ich bin neu im Forum und stelle mich deshalb erstmal vor.
Mein realer Name ist Ernst und mein Spitzname bei meinem Freunden ist Örnäää deshalb auch der Nickname ^^
Habe schon gehört das er euch nicht so gefällt. Tut mir leid dafür, aber an diesen Namen habe ich mich schon gewöhnt. Ich bin ein Russlands-Deutscher so wie Sergej und seit Weihnachten 1993 in Deutschland. Bin 17 Jahre alt, kann mich deshalb nicht bewusst an den Sozialismus erinnern.
Bin schon seit meinem 14ten Lebensjahr Kommunist bzw. halte mich für einen :D
Ein Kommunist der Stalin verteidigt bin ich erst seit kurzem vorallem durch euch(das Lesen in diesem Forum) und speziell durch Sergej.
Was möchtet ihr noch von mir wissen? :)

So nun zu meiner Frage:
Wie sah denn der Betriebsalltag in der DDR aus?
Gibt es da gravierende Unterschiede? Oder eher nicht?
Würde mich auf eine Antwort freuen :)
Danke im Vorraus.
:redstar161: :redstar161: :redstar161: :redstar161: :redstar161: :redstar161:


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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Mo 9. Mär 2009, 10:18 
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Beiträge: 131
Ich war 14 als die DDR unterging.
Aber ich habe noch ein bisschen mitbekommen wie es in den Betrieben aussah.

Ich war bei einem Schulpraktikum in einem Betrieb.
Von Montag bis Mittwoch gammelten alle rum und haben kaum gearbeitet, als ich dann Donnerstag wieder gammeln wollte, wurde ich angemeckert "wir arbeiten hier nach Plan". Donnerstag und Freitag wurde dann durchgehend geschuftet und der Plan erfüllt.

Zu spät kommen, früher gehen war völlig normal. Die Früchstückspause dauerte schon mal 1 Stunde.

Oft klappte etwas nicht, irgendeine Lieferung war nicht gekommen, dann saßen alle rum.

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"Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse." - Karl Marx, Kommunistisches Manifest


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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Mo 9. Mär 2009, 12:38 

Beiträge: 8
Oh....Was war das denn für ein Betrieb? ^^

Klingt ja nicht gerade so als gäbe es viele "Helden der Arbeit" dort :D
Gab es da nicht irgendein Kontrollsystem gegen Gammelei?
Was passierte überhaupt wenn mal der Plan nicht erfüllt wurde?


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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Mo 9. Mär 2009, 16:09 
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Beiträge: 4023
Örnäää hat geschrieben:
Mein realer Name ist Ernst und mein Spitzname bei meinem Freunden ist Örnäää deshalb auch der Nickname ^^
Habe schon gehört das er euch nicht so gefällt.


Das war bisher nur eine Einzelmeinung. :)

Zitat:
Wie sah denn der Betriebsalltag in der DDR aus?


Ich gehe mal davon aus, dass Du den Alltag in den Produktionsbetrieben meinst.

ICh war 1989 erst 16 und kenne das Innere von Betrieben daher nur aus PA (Schulfach: Produktive Arbeit, aller zwei Wochen 4 Stunden) bzw. aus Ferienarbeit. Dabei speziell das VEM Sachsenwerk in Dresden.

ICh kann sicher sagen, das sich von dem, was man nach 89 hörte, nämlich dass die ja nur höchstens den halben Tag gearbeitet haben weil dann kein Material da war, nichts mitbekommen habe. Dort wo ich war, wurde von Schichtbeginn bis Schichtende gearbeitet.

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Mo 9. Mär 2009, 18:37 

Beiträge: 8
Zitat:
Ch kann sicher sagen, das sich von dem, was man nach 89 hörte, nämlich dass die ja nur höchstens den halben Tag gearbeitet haben weil dann kein Material da war, nichts mitbekommen habe. Dort wo ich war, wurde von Schichtbeginn bis Schichtende gearbeitet.


Was meinst du? (Ich darf dich doch dutzen, oder?)
War das eine Ausnahme oder war die Gammelei wegen mangelndem Material eine?


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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Mo 9. Mär 2009, 19:46 
Administrator
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Beiträge: 4023
Örnäää hat geschrieben:
Was meinst du? (Ich darf dich doch dutzen, oder?)


Warum nicht?

Zitat:
War das eine Ausnahme oder war die Gammelei wegen mangelndem Material eine?


ICh will damit sagen, dass es sicher einzelne Fälle gegeben hat, wo auf Grund von Materialmangel Arbeit nicht getan werden konnte. Meiner Meinung nach wurde aber in den allermeisten Fällen normal gearbeitet.

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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Mo 30. Mär 2009, 09:00 
Meister des virtuellen Pinsels
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Beiträge: 688
Meine Eltern haben in der LPG gearbeitet, Arbeit gab es dort immer genug, auch wenn einige Gammler dabei waren, da wurde dann versucht kollektiv zu beschließen eine Stunde früher Feierabend zu machen oder ähnliches, was hin und wieder sogar gelang, aber eine Ausnahme blieb.

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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Fr 3. Apr 2009, 08:18 

Beiträge: 2008
Wenn ich mal die Schulzeit auslasse, dann war ich seit 1967 in verschiedenen Betrieben der DDR tätig. Also gut 20 Jahre kann ich mit persönlichen Erlebnissen dienen. Das alles hier aufzuzählen, würde ich Jahre brauchen. Vielleicht mache ich mal ein Buch daraus ... ;)

Materialprobleme gab es immer, zum Ende der DDR wurde dieses Problem allerdings besonders heftig. Das könnte die Situation sein, die Jens beschrieben hat.
In den 60-ziger und 70-ziger Jahren habe ich es nicht so extrem erlebt.
Die wesentlichere Frage für mich ist aber, warum gab es diese Situation?
Ich habe Chefs erlebt, die haben durchgegriffen und dort wo das Materialproblem vorgeschoben war, dafür gesorgt, dass die Leute ihre Arbeit gemacht haben.
Ich habe aber auch Chefs erlebt, die konnten sich nicht durchsetzen und dann sind schnell die verschiedensten Miststände zur "Gewohnheit" geworden.
Das sind aber subjektive Ursachen. Derartige Dinge kannste auch heute in den Firmen erleben, besonders in den sehr großen Firmen.
Was waren die Ursachen für die Materialprobleme? Also nicht nur Dinge aufzählen, die man erlebt hat und dann diese Erscheinungen zum Wesentlichen des Sozialismus erklären, sondern nach den objektiven Ursachen suchen und daraus das Wesen der Dinge ableiten.
Ursachen für Materialprobleme waren:
1. der Kalte Krieg, ja es gab bekanntlich eine CoCom-Liste. Darin waren alle Artikel aufgeführt, deren Export ins sozialistische Lager unter Strafe stand. Für eine entsprechende Menge Geld war alles zu kaufen. Aber ob wir diese Preise bezahlen konnten?
2. in Folge des eingeschränkten Zugangs zu international verfügbaren Technologien waren wir in DDR nur schwer oder kaum in der Lage, mit der internationalen technischen und wissenschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten. Was nicht ausschließt, dass wir nicht weltmarktfähige Produkte hatten (z.B. Werkzeugmaschinenbau). Frage ist aber auch, zu welchen besonders günstigen PReis mußten wir diese PRodukte im NSW (nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet) verkaufen. Waren die Produkte technologisch an der SPitze, konnte ein besserer Preis erzielt werden. Waren sie es nicht, z.B. weil andere modernere elektronische Steuerungen hatten, dann wurden die Produkte zu einem sehr niedrigen Preis im NSW verkauft. Inwieweit das wenigstens unsere Selbstkosten erbrachte, kann ich nicht sagen - möchte es aber in Frage stellen. Priorität hatte die Beschaffung von Valuta.
3. Eine revisionistische, fehlerhafte Wirtschaftspolitik von Partei und Regierung nach der Zeit von Walter Ulbricht. Das ist ein hier bereits vielfach abgehandeltes Thema und füllt allein mehrere Bücher.

Das nur mal sehr, sehr kurz und knapp einige Gedanken. Es zeigt aber, dass diese Problematik nicht mit wenigen Sätzen erklärt ist.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Fr 3. Apr 2009, 14:03 
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Beiträge: 131
gewe hat geschrieben:

Materialprobleme gab es immer, zum Ende der DDR wurde dieses Problem allerdings besonders heftig. Das könnte die Situation sein, die Jens beschrieben hat.


Meinst du Gammelei lag nur an Materialproblemen?
Es war einfach nicht der Leistungsdruck da, der heute herrscht.

Auch dieser Punkt macht für mich den Sozialismus zur besseren Gesellschaftsordnung.
Arbeiten aus Einsicht in die Notwendigkeit und nicht aus Zwang.
Das ist ein viel besseres Gefühl beim Arbeiten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Fr 3. Apr 2009, 19:15 

Beiträge: 2008
Wenn tatsächlich kein Material da war (und nicht nur ein vorgeschobener Grund war), dann war auch keine Arbeit zu verrichten. Oder sollten dann alle Dreher z.B. auf den Hof zum Kehren geschickt werden?

Da konnte auch sonstwie in unmengen Druck gemacht werden. Wo nix zum Verarbeiten ist, da ist nix.

Frage ist allerdings, wenn es heute keine Materialbeschaffungsprobleme mehr gibt, wenn sogenannte Humanreserven in Überfluß vorhanden sind, warum dann der ganze Arbeitsdruck?

Wenn es zu viel Arbeit gibt, dann kann man doch einige Leute mehr einstellen und gut ist es ... oder?

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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Fr 3. Apr 2009, 22:01 
Administrator
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Beiträge: 4023
Also ich arbeite derzeit in einem Betrieb, dem man sicher keine sozialistische Planwirtschaft vorhalten kann.

Heute wollten wir 15.000 Flaschen schaffen, nach 6.000 war Schluß. Keine Etiketten da.

Kürzlich hatten wir massiven Klebebandmangel. Es waren zwar 2.000 Rollen da, aber keine wusste, wo die im Lager liegen.

Samstags musste ich mal arbeiten, geplant war von 14.30 bis 21.00 Uhr. 19 Uhr machten wir Feierabend, es war kein neuer Füllstoff bereitgestellt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: Sa 4. Apr 2009, 07:09 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Es war einfach nicht der Leistungsdruck da, der heute herrscht.

Auch dieser Punkt macht für mich den Sozialismus zur besseren Gesellschaftsordnung.
Arbeiten aus Einsicht in die Notwendigkeit und nicht aus Zwang.
Das ist ein viel besseres Gefühl beim Arbeiten.


Gefühl hin oder her. Faulheit wird bestraft. Und das hat der Sozialismus zu spüren bekommen. Das Leistungsprinzip ist wichtig, gerade im Sozialismus, wo die Menschen nicht durch die Existenzangst zum Arbeiten gezwungen sind. Man muß Mittel finden, sie zum Arbeiten zu animieren. Eines dieser Mittel, das wichtigste, war die materielle Interessiertheit.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: Betriebsalltag in der DDR
BeitragVerfasst: So 5. Apr 2009, 09:10 

Beiträge: 2008
Woschod hat geschrieben:
Heute wollten wir 15.000 Flaschen schaffen, nach 6.000 war Schluß. Keine Etiketten da...

Was zeigt, das Materialprobleme nicht nur auf den Sozialismus begrenzt zu betrachten sind. Meine ja nur, weil zahlreiche Spinner in dieser Welt herumlaufen, die der Meinung sind, dass Probleme der Beschaffung und Organisation durch das Downgrade auf die alte Gesellschaftsform automatisch gelöst werden. Das ist ungefähr so, als wenn FDP-Guido und Mannen behaupten, man muß nur einfach alles privatisieren und dann läuft der Laden. Klar (Finanz-)Krise wird nur durch staatliche Banken und Firmen ausgelöst, niemals durch private Unternehmen. Man muß nur genug daran glauben, dann kann man auch mit dem Hirn Tische verrücken.

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