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 Betreff des Beitrags: “Sophie Scholl” - ein übles geschichtsfälscherisches Machwer
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 14:49 

Beiträge: 237
Kürzlich sahen wir im Kino den neuen Film “Sophie Scholl”.

Die erste Kameraeinstellung zeigt, wie Sophie mit einer Freundin zu illegal empfangenen amerikanischen Jazzrhythmen tierisch abrockt. Die letzte, wie amerikanische Bomber das 6. Flugblatt der antifaschistischen Gruppe “Weiße Rose” massenhaft über einer deutschen Stadt abwerfen.

Sehen wir mal davon ab, daß mir als Dresdner und vielen Anderen bekannt ist, daß amerikanische und britische Bomber über zivilen Innenstädten ohne Rüstungsindustrie oder sonstige kriegswichtige Objekte mitnichten nur Flugblätter abwarfen. Die - im 59. und 60. Jahr nach der Befreiung durch die Sowjetarmee - typische Lobhudelei der US-amerikanischen “Befreier” wurde noch wesentlich weiter getrieben: da hatten Mitglieder der Gruppe “Weiße Rose” bei der Herstellung von Flugblättern natürlich kein besseres Gesprächsthema, als ihrer Hoffnung, die Amis mögen zuerst dasein, ebenso Ausdruck zu verleihen wie ihrem erklärten Antibolschewismus. Zu einem Zeitpunkt (Anfang ‘44), als die Amis noch gar nicht gelandet waren!

Bürgerliche Medien lobten (natürlich) den Film, daß darin vor Allem auch die menschlichen Züge der anderen Seite (sprich Faschisten) dargestellt würden. Der - ach so menschliche - Gestapobeamte, der Sophie verhört, darauf hinweist, daß er ja nur so handelt, weil das so im (faschistischen) Gesetzbuch steht und sie zu allem Überfluß noch kurz vor ihrer Hinrichtung aufsucht. Die - ach so menschliche - Wärterin, die den zum Tode Verurteilten vor der Hinrichtung noch eine Zigarette zusteckt. Alles nur arme Opfer der Umstände wie die Antifaschisten, die durch eine Verknüpfung unglücklicher Umstände unter dem Fallbeil landen. So’n Pech aber auch!

Tja, im Film kam sogar eine richtig böse Gestalt vor: der Präsident des Volksgerichtshofs Freisler, der die Verhandlung gegen die Geschwister Scholl und einen ihrer Mitstreiter führte. Ein wirklich ekelhaftes, demagogisches Subjekt! Wie kann das sein, ein böser Faschist in diesem Film? Auch das wird erklärt. Als ehemaliger Sowjetkomissar müsse er sich an der Heimatfront bewähren. Ich bin nicht ganz sicher, ob das wirklich so gesagt wird, aber die zwei Anderen, mit denen ich im Kino war, haben es ebenso verstanden. Also auch nur ein armes Opfer der Umstände und unglücklich formulierter Gesetze.

Ich mußte stellenweise über die Primitivität der Demagogie in diesem Film lachen. Aber es ist kein fröhliches Lachen, da diese Primitivität in den medienerweichten Hirnen der Deutschen prima ankommt. Das Thema ist gerade jetzt, zum 60. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus, in einer Zeit, in der ich wöchentlich in Dresden Nazis aufmarschieren sehe und sie mit 9,2% der Stimmen in den Landtag eingezogen sind, hochaktuell.

Und genau deshalb kommt genau jetzt genau dieses Machwerk an die Öffentlichkeit und wird in genau diesen Kapitalistenmedien hochgelobt.

Wer da hören kann, der höre!


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 Betreff des Beitrags: Re: “Sophie Scholl” - ein übles geschichtsfälscherisches Machwer
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 14:49 
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Beiträge: 4023
Ich fand den Film ganz ok. Aufgefallen war mir vor allem, das nicht so extrem alles mit Nazisymbolen bepflastert war wie in manch anderen Filmen. Vielleicht sollte man ihn einfach mal so sehen wie den Untergang. Als eine Dokumentation der letzten Tage der Hauptperson. Und unter dem Gesichtspunkt war es für ein bürgerliches Filmwerk meiner Meinung nach ganz gut gemacht. Mehr kann man sowieso nicht erwarten.

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

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