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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Kronstädter Matrosenaufstand
BeitragVerfasst: So 1. Apr 2007, 09:07 
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Beiträge: 4023
Quelle: Wikipedia, es deckt sich mehrheitlich mit der "Geschichte der KPdSU(B)"

Der Kronstädter Matrosenaufstand fand 1921 im russischen Kronstadt statt. Bei anarchistischen Autoren gilt er als Beweis für den unterstellten Verrat der Bolschewiki und von Lenin und Trotzki an der russischen Oktoberrevolution und dass diese nicht die Vorherrschaft der Arbeiterklasse, sondern nur die Vorherrschaft der Partei über die Arbeiterklasse zum Ziel gegabt hätten. Bürgerliche Autoren nutzen die Niederschlagung dieses Aufstandes häufig als Beispiel für die angebliche Bösartigkeit und Grausamkeit der leninschen Staatsführung und versuchen die Kronstädter Matrosen als die "wahren" Revolutionäre hinzustellen.

Bei diesem Aufstand im Frühjahr 1921 vom 7. März bis 18. März gab es auf beiden Seiten mehrere Tausend Opfer. Die Führung der Kronstädter Matrosen forderte u.a. "Sowjets ohne Kommunisten", sowie von den Leninisten und Trotzkisten als kleinbürgerlich kritisierte Forderungen wie Dezentralisierung der Macht, Selbstverwaltung von Kronstadt, sofortige Neuwahl der Sowjets, Wiedereinführung des "Kleinhandwerks", völlige Verfügungsgewalt der Bauern über ihr Land und Vieh, was nach Ansicht der Staatsführung die reichen Grossbauern (Kulaken) gestärkt, zum Hungertod von Millionen Bewohnern der Städte und zur Zerstörung der Sowjets, zur Stärkung und Wiedereinführung des Kapitalismus und des weißen Terrors geführt hätte.

Die soziale Zusammensetzung der Kronstädter Matrosen änderte sich während der Revolutionsjahre sehr stark; sie bestanden - nachdem die trotzkistisch-leninistischen und die politisch aktivsten Matrosen und Arbeiter an die Front oder zur Agitation durch das Land zogen - zuletzt größtenteils aus Bauern und politisch unerfahrenen Arbeitern.

Leo Trotzki über die Forderung der Kronstädter Matrosen "Sowjets ohne Kommunisten": "Genau das war der Sinn der Kronstädter Losung - Sowjets ohne Kommunisten - die sofort nicht nur von den Sozialrevolutionären, sondern auch von den bürgerlichen Liberalen aufgegriffen wurde. So hat auch ein relativ weitsichtiger Repräsentant des Kapitals, Professor Miljukow, verstanden, dass die Befreiung der Sowjets von der Führung durch die Bolschewiki in kurzer Zeit die Zerstörung der Sowjets selbst bedeutet haben würde. Die Erfahrung der russischen Sowjets unter menschewistischer und sozialrevolutionärer Herrschaft, und noch deutlicher, die Erfahrung der deutschen und österreichischen Räte unter den Sozialdemokraten, hat dies bewiesen. Sozialrevolutionär-anarchistische Sowjets konnten nur als eine Brücke von der proletarischen Diktatur zur kapitalistischen Restauration dienen. Sie konnten keine andere Rolle spielen, ohne Rücksicht auf die Ideen der daran Beteiligten. Deshalb hatte der Kronstädter Aufstand einen konterrevolutionären Charakter."

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 Betreff des Beitrags: Re: Kronstädter Matrosenaufstand
BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2007, 11:56 

Beiträge: 48
Ich hab mal den Text über Kronstadt auf der Seite www.Anarchismus.at gelesen. Die Anarchisten haben selbst zugegeben dass sich unter ihnen "einige" Weißgardisten befänden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kronstädter Matrosenaufstand
BeitragVerfasst: So 22. Apr 2007, 00:47 
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Beiträge: 688
Ich frage mich ob es nicht eine weniger brutale Alternative gegeben hätte? War man im Vorfeld doch auch nicht so mit seinen Feinden umgegangen. Beispielsweise als man Mitglieder der provisorischen Regierung wieder frei ließ, oder als man so lang wartete bis sich die Konterrevolutionären im Moskauer Kreml ergeben hatten.

War die Situation gänzlich so erdrückend? Mir geht es nicht um die Rechtfertigung der Durchsetzung an sich sondern nur um ihre Intensität.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kronstädter Matrosenaufstand
BeitragVerfasst: So 22. Apr 2007, 06:44 
Literat

Beiträge: 2947
Das ist schwer zu sagen. Man einen sicheren Beweis dafür haben, daß es einen anderen Weg als gewaltvollen hätte geben können. So einen Beweis könnte aber nur die Geschichte selbst liefern. Das ist irgendwie eine sinnlose Überlegung. Von der anderen Seite betracht, ergibt die Sache mehr Sinn: Die Entscheidung über den Verlauf der Sache lag bei den Matrosen. Es mußte ihnen klar sein, daß Kronstadt von den Bolschewiki niemals freigegeben werden würde. Sie hatten mit den Konsequenzen zu rechnen. Und das ganz besonders, da der Krieg eben erst vorbei, das Land also in einem sehr geschwächten Zustand war. Die Härte, mit der vorgegangen wird, folgt zumeist aus solchen äußeren Umständen. Es gibt freilich auch Fälle persönlichen Irrsinns, aber das will ich Trotzki hier nicht unterstellt haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kronstädter Matrosenaufstand
BeitragVerfasst: So 22. Apr 2007, 13:52 
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Beiträge: 688
Für sinnlos halte ich die Überlegung nicht, wo man auch für die Zukunft etwas lernen kann.
Mich hat nur immer die Schwere irritiert.

Allein bei den Matrosen lag die Sache nicht, sind es doch immer 2 die eine Lösung finden müssen, auch da.
Wenn auch ein Einlenken von den Bolschewiki offensichtlich (und bewiesen) unwahrscheinlich war, so ging es den Matrosen vielleicht nur noch um die Tat selbst und nicht mehr um Erfolg.

Aber das ist alles Spekulation.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kronstädter Matrosenaufstand
BeitragVerfasst: So 22. Apr 2007, 14:21 
Literat

Beiträge: 2947
DF2K2 hat geschrieben:
Für sinnlos halte ich die Überlegung nicht, wo man auch für die Zukunft etwas lernen kann.

Ja, das Problem ist nur, daß diese Überlegungen zu keinen Erkenntnissen führen. Einer kann sagen: Es wäre auch anders gegangen. Ein anderer streitet das ab. Beweisen kanns niemand. Wir könnten ebensogut auch darüber reden, ob der liebe Gott Sacklinks- oder Sackrechtsträger ist.
Zitat:
Mich hat nur immer die Schwere irritiert.

Für sich mag das irritierend sein. Aber Zusammenhang des vorangegangenen Krieges ist es leider nichts Ungewöhnliches. Der hatte schon eine für uns heute eigentlich nicht mehr verständliche Härte angenommen.
Zitat:
Allein bei den Matrosen lag die Sache nicht, sind es doch immer 2 die eine Lösung finden müssen, auch da.

Doch, das tat sie. Die Bolschewiki würden in keinem Fall nachgeben. Die Matrosen kamen zu spät und wollten aber zuerst malen. Das Problem bei der Sache ist eben 1., daß der Ansatz der Matrosen nicht realisierbar war, d.h.: er hätte umgehend in einen Zustand von großer Ähnlichkeit zur Kerenski-Zeit zurückgeführt, und 2., daß es in diesem Konflikt keinen dritten Weg gab. Die Bolschwiki waren an der Macht. Die Matrosen wollten sie entmachten. Das ist ein Entweder-Oder, da gibt es keinen Kompromiß.

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