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 Betreff des Beitrags: Ausbeutung im Sowjetsystem
BeitragVerfasst: Do 25. Nov 2010, 20:30 
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Beiträge: 30
Zitat:
Die Verteidiger des Sowjetsystems behaupteten, dass mit der juristischen Abschaffung des kapitalistischen Eigentums und mit Beseitigung der Kapitalistenklasse als Kommandeure der Produktion die Ausbeutung der Lohnarbeit beseitigt worden sei: In den nationalisierten Betrieben werden die kapitalistischen Produktionsverhältnisse von sozialistischen abgelöst. Die zu gesellschaftlichem Eigentum gewordenen Produktionsmittel hören damit auf, Kapital zu sein. Die Arbeitskraft ist bereits keine Ware mehr. Die Arbeit wird aus einer Quelle der Bereicherung der Kapitalisten zur Arbeit für sich, für die Gesellschaft. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wird beseitigt. Der Mehrwert entfällt.[1] Diese Behauptungen widersprechen sowohl allen Erfahrungen der sowjetischen Werktätigen (=Produzenten) wie der Marxschen Theorie.

[...]

Arm waren in der Sowjetunion nur die sowjetischen Werktätigen. Das Mehrprodukt, das sie in der sowjetischen Industrie für die Planungsbürokratie schufen, war über die Hälfte größer als das Mehrprodukt der US-amerikanischen Lohnarbeiter.

Das erklärt vielleicht auch, wieso die Sowjetführer glauben konnten, in einem Produktionswettlauf, einem Rüstungswettlauf und einem Wettlauf im Weltraum die reichste und größte kapitalistischen Macht der Welt niederkonkurrieren zu können.

[...]

Tatsächlich handelt es sich überall und immer um Ausbeutung, wo der Arbeitstag in notwendige Arbeit und Mehrarbeit geteilt ist und die Produzenten nicht über die Verwendung ihres Mehrprodukts entscheiden können. Mit der Produktion eines Mehrprodukts sind Ausbeutung und Klassengesellschaften entstanden, und mit dem Verschwinden der Klassengesellschaften und der Ausbeutung verschwindet auch notwendig jedes Mehrprodukt.


Hier der komplette Text: http://www.marx-forum.de/geschichte/sowjetunion/12.html

Bin zufällig während des Stöberns im Internet auf diesen Beitrag gestoßen.
Was haltet ihr von diesem Text?
Ist es richtig in diesem Falle von Ausbeutung zu sprechen? Falls ihr zustimmt, dind diese Umstände nur ein Kind des Revisionismus oder bestanden sie - falls überhaupt - faktisch schon seit Anbeginn der Sowjetunion?

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Kein Erfolg ohne Mühe und Arbeit - Ernst Thälmann


Zuletzt geändert von Furor am Fr 26. Nov 2010, 15:46, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ausbeutung im Sowjetsystem
BeitragVerfasst: Do 25. Nov 2010, 21:28 

Beiträge: 132
Sagen wir es mal so: Korruption und Bereicherung der revisionistischen Funktionäre auf Kosten der Werktätigen waren schon durchaus weit verbreitet in den revisionistischen Staaten. Ich persönlich behaupte sogar, dass das ein Stück weit das Kernziel der Revisionisten bei ihren Taten war (wobei das nur eine persönliche Vermutung ist).

Allerdings denke ich, dass der Begriff "Ausbeutung" übertrieben wäre. Wie gesagt, Korruption, Machtmissbrauch, Bereicherung, Privilegien usw. griffen zwar mehr und mehr um sich, aber Ausbeutung im marxistischen Sinne ist etwas anderes. Die Gewinne flossen in die Staatskasse und kamen der Gemeinschaft zu Gute - sogar in der Zeit, in der die sozialistischen Staaten schon am Revisionismus erkrankt waren.

Korruption und Machtmissbrauch sind eine Sache, systematische private Aneignung von Mehrwert eine andere Sache. Ich denke nicht, dass man das vergleichen kann und sollte - denn damit stellt man iwie die sozialistischen Staaten automatisch auf eine Stufe mit den kapitalistischen Staaten, was jedoch nicht mal in Bezug auf deren revisionistische Entartung bzw. schleichender Denaturierung zulässig ist.

Auf die Frage, ob das von Anfang an so war, ein klares Nein. Unter Lenin und Stalin wurde mit aller Entschlossenheit gegen Korruption, Bürokratismus usw. vorgegangen. Sicher gab es solche Leute auch dort, zum Beispiel eben die späteren Revisionisten. Aber es war die absolute Ausnahme, und solche Erscheinungen wurden entschieden bekämpft. Diese Umstände sind ganz klar eine Folge des Revisionismus.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ausbeutung im Sowjetsystem
BeitragVerfasst: Fr 26. Nov 2010, 15:07 
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Beiträge: 4023
Ob ich im Sozialismus 8 Stunden am Tag, 40 Stunden die Woche schaffe, oder ob ich das im Kapitalismus tun muss, dass erscheint für mich erstmal unterschiedslos.

Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied. Nämlich den, für wen ich schaffe.

Zitat:
Tatsächlich handelt es sich überall und immer um Ausbeutung, wo der Arbeitstag in notwendige Arbeit und Mehrarbeit geteilt ist und die Produzenten nicht über die Verwendung ihres Mehrprodukts entscheiden können.


Hier wird offensichtlich nicht erkannt, was "Ausbeutung" bedeutet. Nämlich die Schaffung eines Mehrwertes, den sich der Besitzer der Produktionsmittel einsteckt. Einfach gesagt.

Wo gehen denn im Sozialismus die Betriebsgewinne hin? (Das Thema Korruption mal außen vorgelassen.)

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

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 Betreff des Beitrags: Re: Ausbeutung im Sowjetsystem
BeitragVerfasst: Fr 26. Nov 2010, 15:42 
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Beiträge: 30
Woschod hat geschrieben:
Ob ich im Sozialismus 8 Stunden am Tag, 40 Stunden die Woche schaffe, oder ob ich das im Kapitalismus tun muss, dass erscheint für mich erstmal unterschiedslos.

Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied. Nämlich den, für wen ich schaffe.



Ganz meiner Meinung.

Woschod hat geschrieben:
Hier wird offensichtlich nicht erkannt, was "Ausbeutung" bedeutet. Nämlich die Schaffung eines Mehrwertes, den sich der Besitzer der Produktionsmittel einsteckt. Einfach gesagt.


Zustimmung.

Woschod hat geschrieben:
Wo gehen denn im Sozialismus die Betriebsgewinne hin? (Das Thema Korruption mal außen vorgelassen.)


Der Mehrwert geht zurück an die Gesellschaft. Grundlegend habe ich damit auch kein Problem, immerhin dient es letztendlich dem Proletariat. Verstehe daher nicht ganz, wieso der werte Verfasser solch einen Terz um diese Sache macht. Im Anbetracht der Akuten Bedrohung scheint es gerechtfertigt, dass das gesamte Volk gewisse Abstriche zu leisten hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ausbeutung im Sowjetsystem
BeitragVerfasst: Fr 26. Nov 2010, 16:38 

Beiträge: 132
Furor hat geschrieben:
Verstehe daher nicht ganz, wieso der werte Verfasser solch einen Terz um diese Sache macht.


Der Autor nimmt sich dieser Sache aus zweierlei Gründen gesteigert an. Erstens haben Korruption und illegale Bereicherung wie gesagt phasenweise ein Ausmaß angenommen, dass man in gewisser Weise schon von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft" sprechen konnte (im weiteren Sinne des Wortes, nicht wörtlich gemeint). Und zum anderen gab es durchaus einige Wirtschaftsreformen, die in die falsche Richtung gingen, die zur Bereicherung gewisser Kreise auf Kosten der Gesellschaft beitrugen.

Diese beiden objektiv vorhandenen Erscheinungen - die am sozialistischen Charakter der betreffenden Staaten und an der sozialistischen Verteilung in diesen Staaten freilich nichts ändern - waren es, in denen manch oberflächlicher Betrachter "Ausbeutung", eine "Restauration des Kapitalismus", eine "neue Bourgeoisie" und Ähnliches erkennen wollte. Meines Erachtens nach entspringen diese Bewertungen entweder einer rein oberflächlichen Betrachtung, oder aber - in den meisten Fällen - einer stark emotionalisierten Betrachtung.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ausbeutung im Sowjetsystem
BeitragVerfasst: Fr 26. Nov 2010, 16:46 
Möchtegernputschist
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Beiträge: 1624
ich meine in einem älteren Beitrag wurde das Buch schon mal besprochen ... ist aber lange her und weiß nicht ob man es auf die schnelle findet. Der Autor des Buches und der Betreiber der Seite gehört zu jenen Marxisten, die vielleicht das Kapital vom ersten bis zum letzten Wort auswendig können. Das wars aber auch schon. Obigrer Textabschnitt zeigt mir, dass er wohl recht wenig begriffen hat,m was Ausbeutung bedeutet.
Aber im Grunde ist das ja mit dem Mehrwert schon geklärt worden: dass eine Gesellschaft Mehrwert schafft ist nicht das Problem sondern wo hin es fließt. Und die gute Bildung und das Gesundheitswesen in den sozialistischen Staaten dürfte dann wohl nach dem Autor von lieben Gott kommen ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Ausbeutung im Sowjetsystem
BeitragVerfasst: Fr 26. Nov 2010, 17:01 
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Beiträge: 30
Ralph hat geschrieben:
Furor hat geschrieben:
Verstehe daher nicht ganz, wieso der werte Verfasser solch einen Terz um diese Sache macht.


Der Autor nimmt sich dieser Sache aus zweierlei Gründen gesteigert an. Erstens haben Korruption und illegale Bereicherung wie gesagt phasenweise ein Ausmaß angenommen, dass man in gewisser Weise schon von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft" sprechen konnte (im weiteren Sinne des Wortes, nicht wörtlich gemeint). Und zum anderen gab es durchaus einige Wirtschaftsreformen, die in die falsche Richtung gingen, die zur Bereicherung gewisser Kreise auf Kosten der Gesellschaft beitrugen.

Diese beiden objektiv vorhandenen Erscheinungen - die am sozialistischen Charakter der betreffenden Staaten und an der sozialistischen Verteilung in diesen Staaten freilich nichts ändern - waren es, in denen manch oberflächlicher Betrachter "Ausbeutung", eine "Restauration des Kapitalismus", eine "neue Bourgeoisie" und Ähnliches erkennen wollte. Meines Erachtens nach entspringen diese Bewertungen entweder einer rein oberflächlichen Betrachtung, oder aber - in den meisten Fällen - einer stark emotionalisierten Betrachtung.


Klingt einleuchtend, ja. Vielen dank!
Werde mich in dieses Thema wohl etwas einlesen müssen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ausbeutung im Sowjetsystem
BeitragVerfasst: Fr 26. Nov 2010, 19:27 

Beiträge: 2008
Woschod hat geschrieben:
Ob ich im Sozialismus 8 Stunden am Tag, 40 Stunden die Woche schaffe, oder ob ich das im Kapitalismus tun muss, dass erscheint für mich erstmal unterschiedslos.


Na da fällt mein persönlicher Vergleich etwas anders aus. :-) Da reicht allein schon die letzte Woche, um dieses System grenzenlos "zu lieben." Aber ich kann 20 Jahre Arbeit im Sozialismus der Arbeit in 20 Jahren im Kapitalismus gegenüberstellen. Ich gehörte in der DDR nicht zu "Privilegierten" und mir sind durchaus auch die Dinge noch bewußt, wo es nicht so berauschend funktioniert hat. Aber es gab insgesamt viele Jahre, wo man zufrieden war und Spaß an seiner Arbeit hatte, ohne gleich ein Schuhmacher oder Vettel zu sein. Die Anzahl der Tage, wo ich die letzten 20 Jahre Spaß an und mit der Arbeit hatte, hält sich arg in Grenzen. Das wird sich meine letzten Arbeitsjahre nicht mehr ändern - zum Glück sind es die letzten Jahre der Ausbeutung.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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