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 Betreff des Beitrags: Über Berija
BeitragVerfasst: Mo 2. Jul 2007, 21:55 
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Beiträge: 353
Über Berija gibt es äußerst wenig Informationen, was natürlich einerseits an der kurzen Dauer liegt, in der er an der Führung der Sowjetunion beteiligt war, andererseits daran, dass Chruschtschow einiges an Archivmaterial über Stalin und Berija vernichten hat lassen (siehe: Oleg W. Chlewnjuk – Das Politbüro, Hamburg 1998).
Trotzdem hat er keine geringe Rolle gespielt und spielt sie auch noch heute, da sich einige Gruppen auf ihn berufen und ihn als den einzigen „echten“ Marxisten-Leninisten nach Stalin betrachten.
Um seine Rolle etwas aufzuhellen, bzw. Diskussionen dazu zu entfachen, möchte ich einige Stellen aus 2 relativ neuen Artikeln bürgerlicher Historiker, die sich unter den Eindruck neuen Archivmaterials mit Berija beschäftigt haben, zitieren. Beide Historiker stimmen in ihren zentralen Thesen zu Berija und Malenkow überein.

Ich zitiere nur wirklich markante Stellen. Zu dem, was ich auslasse zählen:

1) Aussagen des Leiters der Auslandsaufklärung, Pawel Sudoplatow, der Berija vorwirft, die DDR an die BRD ausliefern zu wollen, indem die beiden Staaten bedinungslos wieder vereinigt werden. Da beide Autoren aber Sudoplatows Erinnerungen kritisieren, in denen sie manche Auslassungen und Fehler entdecken, lasse ich diese Quelle (da zu unglaubwürdig) aus.
Laut Sudoplatow hat Berija im übrigen Kontakte zum Vatikan, den USA und zu Adenauer versucht aufzubauen, um „die Ulbricht-Regierung von ihrer zentralen Rolle in einer untergeordnete Rolle zurückzuversetzen.“

2) Die beiden Artikel können keine klare Auskunft darüber geben, ob die Anschuldigungen gegen Berija (sowie gegen Zaisser und Herrnstadt) stimmen. Es fehlt an klaren Quellen. Die Anschuldigungen gegen Berija betrafen auch hauptsächlich nur Kritik an Aussagen, die er getroffen haben soll. Schon damals (1953) haben offenbar innerhalb der UdSSR-Führungsriege keine klaren Beweise vorgelegen. Ich denke, es war schlicht und einfach ein von allen Seiten „unfair“ geführter Machtkampf.
Die Ausschnitte, die ich zitiere, sollen daher nur zeigen, dass meiner Meinung nach Berija keine „Alternative“ zu Chruschtschow dargestellt hat und nicht der leuchtende Marxist-Leninist war, als der er immer hingestellt wurde, sondern eine ebenso große Gefahr dargestellt hat.

3) Laut Amy Knight - Berija. Stalins First Lieutenant (Princeton, 1993) soll Stalin zusammen mit Chruschtschow 1952 noch versucht haben, Berija auszuschalten. Da ich das Buch von Amy Knight nicht habe, kann ich über die Wahrheit dieser These nichts aussagen.

4) Aussagen von Chruschtschow oder Molotow zitiere ich auch nicht, da sie streitbar sind und zudem nur altbekanntes enthalten, nämlich den Vorwurf, das Berija die DDR ausliefern wollte, auf den Aufbau des Sozialismus ganz verzichten wollte (während Molotow nur den beschleunigten Aufbau des Sozialismus korrigieren wollte), usw.



Es handelt sich bei den beiden Artikeln um:
Wettig, Gerhard:
Berijas deutsche Pläne im Licht neuer Quellen.
In: 1953: Krisenjahr des Kalten Krieges in Europa / Hrsg.: Kleßmann, Christoph. - Köln [u.a.], 1999. - S. 49-69

...und...

Zubok, Vladislav:
"Unverfroren und grob in der Deutschlandfrage ..." : Berija, der Nachfolgestreit nach Stalins Tod und die Moskauer DDR-Debatte im April-Mai 1953.
In: 1953: Krisenjahr des Kalten Krieges in Europa / Hrsg.: Kleßmann, Christoph. - Köln [u.a.], 1999. - S. 29-48



1.Gerhard Wettig-Aufsatz:

Zitat:
Unmittelbar nach Stalins Tod zeichneten sich in der sowjetischen Innenpolitik deutliche Änderungen ab. Paradoxerweise war es der als eine Hauptfigur des stalinistischen Terrors bekannte Berija, auf den eine Lockerung der Repressionen und die Freilassung von über einer Million politischer Gefangenen zurückgingen. Er veranlaßte auch, daß die während der letzten Lebensmonaten Stalins produzierten Anschuldigungen im Zusammenhang mit der „Verschwörung der Ärzte“ fallengelassen wurden. .... Berija versuchte sich als Anwalt all derer darzustellen, die unter der Gewalt der Staatssicherheitsorgane gelitten hatten, bzw. wegen geringfügiger Vergehen bestraft worden waren.(1)


Zitat:
Den sowjetischen Spitzenkadern war, soweit sie mit der Situation in den „Volksdemokratien“ vertraut waren, beim Tode Stalins klar, dass dessen Außenpolitk wegen der dortigen kritischen Entwicklungen nicht einfach weitergeführt werden konnte. Die notwendigen Veränderungen wiederum bedingten eine Minderung der Konfrontation gegenbüer dem Westen. Beim Begräbnis des Diktators sahen sich alle Redner – Berija, Malenkow und Molotow – dazu bewogen, von einer „friedlichen Koexistenz“ mit dem Westen zu sprechen.(2) .... Von der Ablehnung der westlichen Vorstellungen über die in Deutschland zu errichtende Ordnung abgesehen, waren sich die Nachfolger Stalins über den außenpolitischen Kurs weithin uneins. Zwar bestand über die Notwendigkeit einer Beendigung des Korea-Krieges Einmütigkeit, doch stießen Berijas Vorschläge einer Aussöhnung mit Tito und eines Staatsvertrages mit Österreich bei den Führungskollegen auf ideologisch motiviertes Widerstreben.



2.Vadislaw Zubok-Aufsatz

Zitat:
Wie eine Reihe interner Parteidokumente und Memoiren zeigt, vertrat der sowjetische Innenminister und Geheimdienstchef im Frühjahr 1953 eine Reihe von radikalen Ideen in der Innen- und Außenpolitik, insbesondere in bezug auf die zukünftige Entwicklung der DDR. Nach Berijas Verhaftung am 26. Juli behaupteten seine ehemaligen Kollegen aus der „kollektiven Führung“, er habe das Projekt der Errichtung eines sozialistischen Systems in der DDR, ja sogar die Existenz der DDR als Staat als weder realistisch noch notwendig betrachtet. Ein Quellennachweis für diese Behauptung ist allerdings niemals in den Archiven gefunden worden.


Zitat:
Die neue Führung ergriff umgehend Maßnahmen, die darauf ausgerichtet waren, die paranoide Atmosphäre einer Mobilisierung für den totalen Krieg (Stalin als zweiter Goebbels?? Kranker Totalitarismus-Scheiß), die die letzten Tage von Stalins Herrschaft charakterisiert hatte, zu beseitigen und die sowjetische Außenpolitik auf ein ruhigeres, flexibleres Gleis zu bringen. So präsentierte Malenkow in seiner ersten Staatsansprache nach dem Machtwechsel eine „Friedensinitiative“. „Es gibt keine strittigen Fragen in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen“, erklärte er in jener Rede, „die sich nicht auf friedlichem Wege lösen ließen.“(3)
Der wichtigste außenpolitische Schritt der neuen Führungsrieg jedoch war die Entscheidung, den Krieg in Korea umgehend nach Stlains Tod zu beenden. Einem geheimen Bericht des sowjetischen Außenministeriums an die Führungsspitze zufolge „schlug Tschou En-Lai während dieser Unterredungen dringend vor, dass die sowjetische Seite die Beschleunigung der Verhandlungen und ein Waffenstillstandsabkommen unterstütze. Diese chinesische Position stimmte mit der unsrigen überein.“ Sowjetische Sondergesandte machten sich umgehend auf den Weg nach Peking. (4)
Wer war die treibende Kraft hinter dieser neuen Außenpolitik? Die Dokumente zu Korea und anderen außenpolitischen Fragen zeigen, dass die sowjetische Außenpolitik in dieser Phase von einem engen Zirkel, bestehend aus Malenkow, Berija und Molotow gemacht wurde. .........
Bereits nach kurzer Zeit utnernahmen Berija und in geringerem Maße Malenkow innerhalb des Rahmens der sogenannten „kollektiven Führung“ erste Schritte, ihren eigenen Einfluß auf den außenpolitischen Entscheidungsprozeß auszubauen. Berija und Malenkow starteten eine Reform der Partei- und Staatsstrukturen, wobei sie sicherstellten, daß außenpolitische Fragestellungen nicht im Präsidium des ZK der KpdSU, sondern im Präsidium des Ministerrates verhandelt werden würden, in dem Malenkow den Vorsitz un die Diskussionsleitung innehatte.(5)
Malenkow bewegte Molotow schrittweise zu einem Wandel in der offiziellen Politik der Sowjetunion gegenüber einer Reihe von Staaten, so z.B. Österreich, Iran und der Türkei. Dies geschah in der Regel auf diskrete Weise durch interne Memoranden an den Außenminister. Berija hingegen bediente sich deutlich unverfrorener und aggressiverer Taktiken bei seinen Einmischungen in Molotows Domäne. Dimitij Suchanow, Malenkows Sekretär und bei den meisten „Kabinetts“-Sitzungen jener Monate anwesend, erinnerte sich später, dass Berija immer wieder aus heiterem Himmel wichtige (außenpolitische) Fragen auf den Tisch brachte, um seinen Anspruch auf ein Mitspracherecht bei der Lösung komplexer internationaler Probleme zu unterstreichen. (6)


Zitat:
Tatsächlich war die Infragestellung des „sozialistischen Aufbaus“ in der DDR Teil eines größerangelegten Versuchs von Berija und Malenkow, vom stalinistischen Weg der Industrialisierung und Militarisierung, wie er auch in den übrigen Volksdemokratien beschritten worden war, abzugehen. es war eine Allianz, die aus taktischen Gründen geschlossen worden war und nicht so sehr auf Berijas Teilnahme an der „Friedensinitiative“ beruhte oder auf seinen Bemühungen, alle Möglichkeiten zum Abbau der Spannungen zu nutzen. Es war ganz offensichtlich so, dasss Berija diese Fragen nur dazu benutzte, Molotows Positionen zu unterhöhlen und sich selbst als einen glaubwürdigen Staatsmann darzustellen – dies war Teil seines großangelegten Versuchs, sich selbst von dem abstoßenden Bild, das man von ihm hatte, zu distanzieren und sich den Weg zur Macht zu ebnen. Sie bestand als taktische Allianz der beiden während der ersten beiden Wochen im Juni 1953, und sie war die Antriebskraft für den „Neuen Kurs“ der den Satellitenstaaten von Moskau verordnet wurde. Die erste „Audienz“ erhielt eine Delegation der SED-Führung. Im Gegensatz zum Vorschlag des Außenministeriums wurde sie heimlich in einem sowjetischen Militärflugzeug in die Sowjetunion gebracht und von der Kremlführung zur Rede gestellt. Es gibt keine Mitschriften dieses Treffens, weder auf Russisch noch auf Deutsch. Als Ulbricht und Grotewohl vom 2. bis 4. Juni zu dem geheimen Treffen in Moskau eintrafen, um die neuen Instruktionen entgegenzunehmen und um Hilfe zu betteln, wurden sie von Berija angeschrien , als seien sie seine Lakaien. Als Ulbricht versäumte, die sowjetischen Vorschläge in seiner Wiedervorlage einzubeziehen, warf Berija sie über den Tisch zu.(7)
Es gibt jedoch noch ein weiteres Schriftstück, das beachtenswerte Einzelheiten darüber enthält, wie Malenkow, Berija und Molotow zusammenarbeiteten, um den „Neuen Kurs“ für Osteuropa zu fördern und erkennen läßt, wie unterschiedlich ihre Herangehensweisen waren [an anderer Stelle schreiben Wettig und Zubok, dass Molotow hier eher „dogmatisch“ war und der Politik Stalins folge]. Laut dieses Berichts, der vom Cold War International History Project aus dem Ungarischen übersetzt wurde, empfingen die Kremlführer am 13. Juni eine Delegation, an dessen Spitze Matyas Rakosi stand. (8) Bis in Einzelheiten war diese Situation dem Treffen mit den Ostdeutschen zehn Tage zuvor bemerkenswert ähnlich.(46) Malenkow begann damit, daß er Rakosi aufforderte, Erklärungen zur wirtschaftlichen Lage in Ungarn abzugeben. Im Anschluß daran kritisierte er Rakosi dafür, dass er die „Mangelhaftigkeit in der Entwicklung seines Landes unterschätzt“ habe, und sprach dann die Terrorwelle an, die in der ersten Hälfte des Jahres 1952 über Ungarn hinweggefegt war.
„Es wurden Verfolgungen gegen 250 000 Menschen eingeleitet. Es stimmt, daß 75 % der Verfolgungen gestoppt wurden: dennoch ist die Anzahl immer noch hoch.“ Er fügte hinzu, daß „die Kader viel stärker gefördert werden müssten.“ Zu diesem Zeitpunkt schaltete sich Berija ein, der offensichtlich von Malenkows Sanftmut verärgert war, und verunglimpfte jähzornig den Führungsstil Rakosis. Er enthüllte dann im Beisein der verwirrten sowjetischen und ungarischen Führung, dass Stalin wie Rakosi „direkt die Anweisung zur Befragung von Inhaftierten gab.“ Das war eine schockierende Nachricht kurz nach Stalins Tod. Berija war der einzige in der sowjetischen Delegation, der bewußt und systematisch die Forderung nach einem Wechsel der Führung in Ungarn mit offener Kritik am kürzlich verstorbenen sowjetischen „Führer“ verband.


Zitat:
In der Zusammenkunft mit der ungarischen Delegatio nwar Berija dann mit Kaderfragen fortgefahren. „Es wäre besser, wenn der Präsident des Ministerrats Ungarn wäre. Genosse Stalin hatte Genossen Rakosi mehrere Male gesagt, daß die Ungarn besser gefördert werden sollten.“ Nachdem er Rakosi, der Jude war, beleidigt hatte, sagte Berija: „Wenn Genosse Nagy Präsident des Ministerrates wird, sollte Genosse Rakosi der Parteivorsitzende bleiben, da er ein Genosse mit viel Erfahrung ist und dem Anliegen unserer Partei treu ist. Genosse Nagy wäre als Präsident des Ministerrates zufriedenstellend als ein Ungar, der sich in der Landwirtschaft auskennt.“(9)
Bemerkenswerter Weise trieb Berija mit Ungarn ein Spiel, das er auch mit der DDR getrieben hatte: Er machte klar, dass das Rakosi-Regime mit seinem derzeitigem politischen Kurs nur wegen der Anwesenheit der Roten Armee in Ungarn überleben könne.
.......
Berija spielte weiterhin eine dominante Rolle beim nächsten Treffen mit der ungarischen Führung am 14. und 16. Juni. Ein wichtiger Punkt zu den Beziehungen innerhalb der Staatspartei wurde besprochen – wieder wurde das Thema von Berija angesprochen. Danach sprachen sich sowohl Berija als auch Malenkow dafür aus, daß die Größe des Parteisekretariats drastisch reduziert werden müsse. In diesem Anliegen wurden sie von Chruschtschow unterstützt.“(10)
Als Nagy sich beschwerte, daß die Kontakte zwischen den ungarischen Kommunisten und der Führung im Kreml in den letzten Jahren vor dem Tode Stalins zu sporadisch gewesen seien, unterbrach Berija wieder mit einigen indiskreten Bemerkungen: „Es war keine anständige Art von Beziehungen, und das führte zu negativen Konsequenzen. Festivitäten, Treffen und Applaus waren die Basis dieser Beziehung.“ ....... Malenkow fügte zustimmend hinzu. „Die Genossen werden es merken. Diese neue Beziehung wird sich von der der Vergangenheit völlig unterscheiden.“(11)


Zitat:
Neben der Brutalität und der gewissenlosen Manipulation sind in Berijas Rolle bei der Beeinflussung der Politik von Mai bis Juni 1953 zwei weitere Elemente von Bedeutung. Zum einen war es sein brennender Wunsch, Stalins Fehler zu brandmarken und eine neue Politik auf der Basis einer Anti-Stalin-POlitik zu legitimieren. Das andere Element war eine Art grundsätzlicher Pragmatismus und ein völliges Desinteresse am Einfluß des „ideologischen Klassenkampfes“ auf die Staatspolitik. Letztendlich fand Berija hier einen Verbündeten in Malenkow.


Zitat:
Mehr als einmal kam Berija mit einem radikalen, sogar ketzerischen Vorschlag, nur um sich in einem zweiten direkt davon zu distanzieren, wenn es schien, als könne dies sein politisches Überleben gefährden. Es stimmt auch, daß Berija keine außenpolitische Erfahrung hatte und dazu neigte, seine Verhaltensweisen als Chef der Geheimpolizei auf die Außenpolitik zu übertragen. Sein jugoslawisches Abenteuer ist nur ein Fall, der dies belegt. Im Juni stimmte das Parteipräsidium Molotows Vorschlag zu, „die Beziehungen zu Jugoslawien so zu gestalten wie zu anderen bourgeoisen Ländern, die mit dem aggressiven Nordatlantik-Pakt in Verbindung steht.“ (12)
Als er realisierte, dass Molotow ein unerbittlicher Gegner der Aussöhnung mit Tito sein würde, trieb Berija seine eigenen konspirativen Pläne entschlossen voran. Hinter dem Rücken von Molotow und dem Rest der Moskauer Führung bereitete er einen Brief vor, der über illegale Kanäle des sowjetischen Geheimdienstes dem jugoslawischen Premierminister (und vormaligen Gegenspieler Berijas in der jugoslawischen Geheimpolizei) Alexander Rankovic überbracht werden sollte. In dem Brief heißt es „daß er (Berija) und seine Freunde für die Notwendigkeit einer fundamentalen Neubewertung und Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern stehen.“ Berija schlug ein geheimes Treffen mit Tito in Moskau oder Belgrad vor und verlangte, dass „niemand außer Rankovic und dem Genossen Tito etwas über diese Konversation erfahren soll.“ (13)



(1)Vgl: V.P. Naumov, Posle smerti Stalina, in: Rossija i sovremennyi mir, 4/1995, S. 143-146 sowie B. Starkov, So dnej „Ljubjanskogo marsala“, in: Istocnik, 4/1993, S. 83-85.
(2)Richter, Berija, S. 184.
(3)Pravda, 12. März 1953.
(4)Vgl. Katherine Weathersby, New Russian Documents of the Korean War. Introduction and Translation in: Cold War International History Bulletin 6-7 (Winter 195-1996), S. 80-84.
(5)Berija-Affäre, Vollversammlung des ZK der KpdSU, 2.-3.7.1953, stenographierte Aufzeichnung, erste Sitzung, in: Iswestija ZK KPSS, Nr. 1 (1991), S. 153.
(6)Interview mit Dimitrij Suchanow, Juni 1999 in Moskau.
(7)„Lavrentii Berija: Tscherz 2-3 goda...“ in: Istochnik, Nr. 4, 1994, S. 5 – Vgl. Cold War International History Project Bulletin 10 (March 1998), S. 99.
(8)Transcript of the Conversations between the Soviet Leadership and a Hungarian United Workers Party Delegation in Moscow on 13 June 1953 in: Cold War International History Project Bulletin 10 (March 1998), S. 81-86. Sie stammten vom Ungarischen Zentralarchiv, 276, f. 102/65.
(9)Ebenda, S. 83.
(10) Magyar Orszagos Leveltar (Ungarisches Nationalarchiv), 276, f. 102/65.
(11) Ebenda.
(12) Boris Starkow, „Sto dnei, „Lubianskogo Marschala““, In: Istochnik, Nr. 4, 1993, S. 86.
(13) Iswestija ZK KPSS, Nr. 1, 1991, S. 143.

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Eine gut geleitete Staatsregierung muß ein ebenso festgefügtes System haben wie ein philosophisches Lehrgebäude. Alle Maßnahmen müssen gut durchdacht sein, Finanzen, Politik und Heerwesen auf ein gemeinsames Ziel steuern.
Ein System kann aber nur aus einem Kopfe entspringen; also muß es aus dem des Herrschers hervorgehen.


Friedrich der Große


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 Betreff des Beitrags: Re: Über Berija
BeitragVerfasst: Do 5. Jul 2007, 05:21 
Literat

Beiträge: 2947
Sehr interessante Passagen. Und es bestätigt manchen Eindruck, den man von Berijas Aktionen hatte. Auf den Punkt gebracht, ist das in folgendem Satz:
Zitat:
Das andere Element war eine Art grundsätzlicher Pragmatismus und ein völliges Desinteresse am Einfluß des „ideologischen Klassenkampfes“ auf die Staatspolitik.

Für einen sozialistischen Politiker ist es schon ein Vergehen, sich für ideologische Fragen nicht sonderlich zu interessieren. Parteimenschen sind meist keine Fachleute. Ihre eigentliche Funktion in der Gesellschaft ist die Durchsetzung von Ansprüchen, die mit den Vorstellungen des Sozialismus verbunden sind. Wenn man diesen Anspruch streicht, bleibt nur ein nasser Fleck. Es ist eine Tragödie, wenn die Parteikader, also Fachleute für Ansprüche, von anspruchslosen Leuten geleitet werden. Berija ist hierin nicht anders als die meisten Geheimdienstleute.

Eine Randbemerkung: Wenn die Autoren den Sudoplatow für unzuverlässig halten, mag es ja sein, daß sie Gründe haben. Es könnte aber auch daher rühren, daß darin wiederum unangenehme Wahrheiten stehen, die den Autoren nicht in ihr Konzept passen. Auf jeden Fall ist die Lektüre Sudoplatows unvermeidlich, wenn man sich über die Vorgänge des Geheimdienstes während der Stalin-Ära informieren will.

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Der Hunsch wars!


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