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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:18 
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Hat die KPD mit ihrer Politik (Einheitsfront mit den SPD-Arbeitern ja, mit den SPD-Führern nein) die Machtübernahme Hitlers ermöglicht?

Um begründete Meinungen wird gebeten.

Ich sage: Die KPD machte aus damaliger Sicht die richtige Politik, indem sie den SPD-Arbeitern die Hand reichte, sich der arbeiterverräterischen Führung der SPD jedoch verweigerte. Auch aus der damaligen Sicht war die These des Sozialfaschismus richtig. Meiner Meinung nach hätte ein Zusammengehen mit den SPD-Führern nur eine Schwächung der Arbeiterkraft sowie eine weitere Verelendung derselben bedeutet und dies letztendlich auch nur Machtübernahme durch die Faschisten geführt.

Antwort von Thälmann auf die Frage von SPD-Arbeitern an die KPD "Wie steht sie zur Einstellung der „Beschimpfungen“ der SPD-Führung?"

Die SPD fordert von uns die Einstellung der Kritik an ihrer Politik! Wir sollen über die 14 Jahre, die hinter uns liegen, schweigen! Wir sollen schweigen darüber, daß der ADGB die 4 Millionen gewerkschaftlich organisierter Kollegen nicht in Bewegung setzt gegen die Papen-Regierung! Wir sollen schweigen, wenn SPD-Führer kommunistische Zeitungen verbieten, wenn SPD-Polizeipräsidenten revolutionäre Arbeiter erschießen lassen. Wir sollen mit der SPD-Führung also das heutige System der Bourgeois-Herrschaft verteidigen! Wir sollen ihnen dadurch praktisch helfen, als „Ärzte“ des verfaulenden Kapitalismus zu fungieren! So fordert es die SPD. Nur Agenten des Klassenfeindes und der Konterrevolution können solche Forderungen, die man so schön in die Worte: „Verzicht auf gegenseitige Beschimpfung“ kleidet, stellen. Herr SPD-Künstler erklärte seinerzeit: „Die Eiserne Front ist die proletarische Einheitsfront.“ - Wir Kommunisten, die wir mit den SPD-Führern jede Gemeinschaft ablehnen und auch die Künstlersche Demagogie anprangern, erklären immer wieder, daß wir mit den kampfgewillten sozialdemokratischen und Reichsbannergenossen und mit den unteren kampfgewillten Organisationen jederzeit bereit sind zum antifaschistischen Kampf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:19 
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Ob eine Versöhnung mit der SPD-Führung gegenüber dem Faschismus etwas gebracht hätte, ist m.E. schwer einzuschätzen.
Eins ist jedoch sicher, die Auffassung der KPD, "heute sie, (Faschisten) morgen wir" war illusionär, ja sogar verharmlosend gegenüber den Nazis.
Ein "morgen wir" heißt gegenüber der NSDAP, ein "Sich Wiederfinden" auf dem Friedhof oder aber KZ. Sind die erst einmal an der Macht, gibt es nun mal "Kein Morgen"!!!


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:19 
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Zitat:
Eins ist jedoch sicher, die Auffassung der KPD, "heute sie, (Faschisten) morgen wir" war illusionär, ja sogar verharmlosend gegenüber den Nazis.
Oder, wann oder wie haben sie das geäußert? Bzw. in welchem Zusammenhang? Du weißt ja, ich mag Quellenangaben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:20 
Troll

Beiträge: 145
@Woschod: ich werde mich um Quellenangaben bemühen. Bis jetzt im Internet der Ausspruch: "nach Hitler kommen wir" gefunden. Leider ohne Quellenangabe.
Unabhängig davon war es nicht nur die erzverräterische SPD, die dem Faschismus den Weg ebnete, sondern z.T. auch die KPD mit ihrer Sozialfaschismustheorie (gemeint war die SPD) beispielsweise der Eischätzung, daß die SPD der Zwillingsbruder des Faschismus sei.
Diese Fehleinschätzung hatte sie dann 1935 auf der Brüsseler Konferenz revidiert.


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:20 

Beiträge: 45
"Das war am 23 Mai 1932,einem regennassen Montagabend. Am Nächsten Tag bekräftigte unser Zentralkomitee trotz der ablehnenden Haltung der Führer der Sozialdemokratie seine Bündnisbereitschaft. Es wurde die entschlossenheit der KPD bekräftigt,all ihre Kräfte auf die Verhinderung der drohenden faschistischen Diktatur zu konzentrieren. Wir appellierten an die SPD,das Trennende angesichts des gemeinsamen Feindes zurückzustellen, die Kräfte beider Partei zu vereinigen im Kampf zur Rettung der bürgerlichen Demokratie vor der Hitlerdiktatur." (Seite 233) Ich will jetzt nicht das ganze Buch hier schreiben, fest steht das die KPD alles unternahm um ein Bündnis mit der SPD einzugehen um den Faschistischen Spuk ein Ende zu bereiten... "Noch während des Fackelzugs waren die Genossen ohne Ergebnis aus dem Parteihaus der SPD zurückgekehrt. Nur bis zum Berliner Vorsitzenden der SPD, Künstler, und dem Gauvorsitzenden von Berlin-Brandenburg, Johannes Stelling, konnten sie vordringen. Künstler schien verständigungsbereit,aber Stelling lehnte im Namen des Parteivorstandes jede gemeinsame Aktion, ja selbst ein Gespräch darüber ab In unglaublicher Angst und Verblendung hatten der Parteivorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes beschlossen, das Schicksal der Republik vom Ausgang der Wahl, die von Hindeburg und Hitler auf den 5. März festgelegt worden war, abhängig zu machen. (dieser Abschnitt beinhaltet den 30 Januar 1933, Seite 237-238) Wie nichts anders zu erwrten vertrauten die SPD-Führung auf Macht und Demokratie und Verfassung. ..."Die Arbeiterklasse waren entsetzt,als sie von dem Stillhaltebeschluß der sozialdemokeratischen Führer erfuhren. Vier wochen später hatte Hitler seine Macht soweit gefestigt, daß er zum Generalangriff gegen die die Arbeiterorganisationen übergehen konnte...... Aber auch ich selbst, Vorsitzender der KPD, Führer der Kommunisten, die sich standhaft und todesmutig, schon auf verlorenen Posten stehend, dem Ansturm der braunen Pest entgegenstellt haben, spreche mich nicht frei von der Mitverantwortung an der Niederlage der deutschen Arbeiterklasse. In jener Phase zwischen dem Blutmai und dem Volksentscheid,als der Hitlerfaschismus in den Kleinbürgerlichen Schichten fu0 faßte und zur Massen bewegung anschwoll, habe ich den linksdogmatischen und berühungsängstlichen Tendenzen in unseren Reihen zu viel Spielraum gegeben und es dadurch den rechtsopportunistischen Führern der Sozialdemokratie zu leicht gemacht, ihre antikommunistische verständigungsfeindliche Abgrenzungspolitik gegenüber den Massen iher anhängerschaft zu vertreten und gegegn den Widerstand iher innerparteilichen Oppossition durchzusetzen. Es war falsch ,auch nur einen Millimeter von der strategischen Linie der Massenpoltik und Einheitsfront aller werktätigen, wie sie uns Lenin gelehrt hatte, abzuweichen. Trotz unterschiedlicher Auffassungen im strategischen Endziel hätte es die Arbeiterbewegung niemals zulassen dürfen,daß faschistische Demagogen und Kriegshetzer Einfluß auf dieMassen der Kleinbürgerlichen Schichten erlangten, deren Lebensinteressen mit dem Sozialismus viel enger als mit dem Monopolkapitalismus verbunden sind! Die spaltung der Arbeiterklasse lähmte auch die anderen demokratischen Kräfte,führte zur tragödie das Deutschlands,ermöglichte dem reaktionärsten Teil des deutschen Finanzkapitals, seine unverhüllte und brutale Diktatur zu errichten. Und die Rüstungsgewaltigen Klasseninteressen, für einen Raubkrieg aufs Spiel zu setzen. Am Ende werden Millionen in einen neuen Krieg mit ihrem Lebeb dafür bezahlen müssen. Nur wenn die Spaltung der arbeiterklasse überwunden wird kann die Macht des Faschismus in frage gestellt werden!" Quelle: Das Ermittlungsverfahren, Dkomentarischer Roman über Ernst Thälmann. Von Walter Baumert(In diesen Buch sind Briefe und Notizen enthalten, dieser war nur ein Abschnitt)1985 Verlag neues Leben,Berlin/DDR Stern mit Nelke


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:21 
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Dem angeblichen Zitat "nach Hitler kommen wir" möchte ich Thälmanns Aussage aus dem politischen Referat auf dem Antifaschistischen Einheitskongreß in Berlin am 10. Juli 1932, erschienen in der Die Rote Fahne vom 12. Juli 1932, entgegenhalten:

Allerdings wird uns der Sieg über die Volksfeinde, über den Faschismus nicht in den Schoß fallen. Es gibt keinen größeren und schamloseren Betrug an den Massen, als wenn man ihnen erzählt: „Die Faschisten werden sich schon abwirtschaften, laßt sie schon regieren!“

Dieses Referat ist übrigens ein wirklich sehr guter Text. Nachzulesen im 4 Band von "Ernst Thälmann - Reden und Aufsätze".

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:21 

Beiträge: 2008
Zitat:
... Es gibt keinen größeren und schamloseren Betrug an den Massen, als wenn man ihnen erzählt: ?Die Faschisten werden sich schon abwirtschaften, laßt sie schon regieren!?

... 4 Band von "Ernst Thälmann - Reden und Aufsätze"


Irgendwie kommt es mir vor, als hätte ich "werden sich schon abwirtschaften, laßt sie schon..." erst vor einigen Monaten bei der Bewertung des Einzugs der Nazis in den Dresdner Landtag gehört. Worte von Menschen mit der gleichen Gesinnung wie die derjenigen, die solchen schrecklichen Unfug - die Konsequenzen verkennend oder nicht wahr haben wollend - 1932 von sich gaben. Sie wollen es auch heute nicht wahr haben und halten warnende Stimmen für einen Angriff auf ihre großartige "Demokratie.

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Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:21 
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Kommunisten waren das ganz sicher nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:21 

Beiträge: 2008
Zitat:
Kommunisten waren das ganz sicher nicht.

Nee, denen erlaubt man heute nicht, in den Medien ihre Meinung kund zu tun.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 27. Mär 2007, 22:22 
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Mit folgendem Ausschnitt möchte ich auf Peters Zitat näher eingehen. Ich kann es jetzt nicht eine Quelle anbringen, aber die Zusammenhänge in einer Selbstkritik der KPD / Thälmanns zeigen. Ich habe den meiner Meinung nach entscheidenden Punkt fett markiert.

Die neue Etappe der Bolschewisierung der KPD
(Veröffentlich in Die internationale, Heft 7/8, nach dem 31. Juli 1932)

...

V. Fortschritte im Kampf gegen den Hitlerfaschismus.

Die dritte Frage, die wir behandeln müssen, wenn wir untersuchen wollen, auf Grund welcher Faktoren wir unsere vorübergehende Stagnation überwinden konnten, betrifft den Kampf gegen den Hitlerfaschismus. Sie ist selbstverständlich mit den beiden vorhergehenden Fragen ebenso verknüpft, wie diese untereinander. Eine besondere Schwäche zeigte sich bei den drei Wahlen dieses Frühjahrs. Bei gewissen Schichten des Proletariats, vor allem unter Teilen der Erwerbslosen, gab es Stimmungen, die von einer Machtübernahme Hitlers eine raschere Katastrophe, eine beschleunigte revolutionäre Zuspitzung erhofften. Diese Stimmungen vermochten wir nicht mit genügendem Erfolg zu zerschlagen. Wir haben schon bei früheren Gelegenheiten darauf hingewiesen, daß unsere Schwäche im Kampf gegen solche Stimmungen mit den allgemeinen Schwächen der Partei im Kampf gegen den Faschismus und speziell gegen die faschistische Massenbewegung der NSDAP, zusammenhängt.
Einerseits waren es die Folgen der falschen Losung: „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!“, durch die unser Kampf gegen die Stimmungen des individuellen Terrors erschwert wurde und die sich schädlich gegen die Entfallung des wirklichen antifaschistischen Massenkampfes auswirkten. Zum anderen war es die sehr lange Zeit in der Partei vorhandene Unterschätzung der nationalsozialistischen Bewegung überhaupt, die uns nach den Reichstagswahlen im September 1930 und noch stärker im Frühjahr 1931 zu einem gewissen Ausruhen auf vorübergehenden kleinen Erfolgen im Kampf gegen die Hitlerbewegung und zu ungenügendem Verständnis für 'die Rolle des faschistischen Terrors verleitete. Eine solche Unterschätzung der Hitlerbewegung kam noch im Bericht der deutschen Delegation auf dem XI. Plenum zum Ausdruck. Schließlich hatten wir im Dezember 1930 bei der Behandlung des Charakters der Brüning-Regierung bestimmte Fehler und Überspitzungen, in denen sich objektiv die falsche, vom XI. Plenum des EKKI widerlegte Theorie ausdrückte, daß die faschistische Diktatur die zwangsläufige, letzte Form der bürgerlichen Klassenherrschaft darstelle, nach der es nur noch die proletarische Diktatur geben könne, die also gewissermaßen ein Sprungbrett für die proletarische Revolution darstelle. Mit dem Kampf gegen solche falschen Auffassungen haben wir in den Reihen unserer Partei zu lange gezögert. Auch in diesem Punkt war die Auswertung des XL Plenums des EKKI zu schwach.
Erst im Rahmen der ideologischen Offensive und ganz besonders in den letzten Monaten seit der Präsidentschaftswahl haben wir nach sorgfältiger und genauer Prüfung der Beratungen und Beschlüsse des XI. Plenums einen erfolgreichen Aufklärungsfeldzug gegen diese falschen Theorien und Auffassungen in unseren Reihen und darüber hinaus im gesamten Proletariat entfaltet. Die Bedeutung dieses Kampfes wird heute erst recht für jeden revolutionären Arbeiter verständlich sein. Denn heute verficht der gesamte gemäßigte Flügel der Bourgeoisie, einschließlich der ganzen demokratischen Presse und nahezu der gesamten sozialdemokratischen Führerschaft seit den Wahlen vom 31. Juli offen die Theorie des „Heranlassens“ der Hitler-Partei, die vorher nur vereinzelt aufgestellt wurde. Hier liegt gegenwärtig das schlimmste, verbrecherischste Betrugsmanöver der Sozialdemokratie, ihr schmutzigster Hilfsdienst für die faschistische Diktatur, die Hauptform ihres Massenbetrugs vor uns. Dieser Massenbetrug ist mit der kaum verschleierten Tolerierung der Papenregierung aufs engste verbunden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Do 7. Jun 2007, 18:45 

Beiträge: 48
hier schreibt ein Anarchist:

"In Deutschland, wo der gemäßigte Flügel des politischen Sozialismus (15) die Macht errungen hatte, erstarrte der Sozialismus in den langen Jahren routinemäßiger parlamentarischer Tätigkeiten. Er war zu keiner schöpferischen Aktion mehr fähig. Sogar eine bürgerliche Zeitung wie die "Frankfurter Zeitung" stellte fest, daß die "Geschichte der europäischen Völker bisher keine Revolution hervorgebracht hat, die so arm an schöpferischen Vorstellungen war und so wenig revolutionäre Energie besaß". Die bloße Tatsache, daß eine Partei mit einer größeren Mitgliederzahl als jede andere Arbeiterpartei der Welt, die viele Jahre lang die stärkste politische Kraft in Deutschland war, Hitler und seiner Bande das Feld ohne jeglichen Widerstand überlassen mußte, spricht für sich. Dieses Beispiel der Hilflosigkeit und Schwäche ist kaum mißzuverstehen." (Rudolf Rocker)


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Do 7. Jun 2007, 23:08 
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Schwarzer Rabe hat geschrieben:
... erstarrte der Sozialismus ... Hitler und seiner Bande das Feld ohne jeglichen Widerstand überlassen mußte


Kann mir mal einer erklären, von was die Rede ist?

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Fr 8. Jun 2007, 07:35 
Literat

Beiträge: 2947
"Ohne jeglichen Widerstand" ist wirklich Unsinn. Was der Autor vielleicht meint, ist, daß die KPD keinen Bürgerkrieg angezettelt hat. Auch auch dieser Gedanke ist, wenn man ihn zuende denkt, unsinnig. Ohne die SPD war die KPD eine schwache Minderheit. Und die SPD ließ keinen Zweifel daran, nur mit legalen Mitteln Widerstand leisten zu wollen. Unter diesen Umständen einen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen, wäre falsch gewesen. Denn erstens hätte man ihn auf jeden Fall verloren und zweitens damit die Faschisten in den Augen der Weltöffentlichkeit aus der Rolle des Aggressors in die Rolle des Verteidigers gestellt und die Kommunistische Bewegung, für jedermann sichtbar, in die Rolle des Angreifers, womit sich alle antikommunistische Propaganda als wahr herausgestellt hätte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: So 26. Apr 2009, 14:31 

Beiträge: 132
Also, dass die SPD (damit wäre dann ja auch die Basis gemeint) nur an legalen Kampf gedacht hätte, halte ich für falsch. Dergleichen haben Ruth Fischer und CO (also die Kräfte die in Deutschland die Sozialfaschismus-Theorie (mit-)verbreiteten auch immer als Legitimation ihrer Thesen behauptet (die Sozialfaschismustheorie wurde ja bis 1934 aauch von der KI verbreitet).
Die Geschichtsschreibung zeigt, dass es seitens der SPD auch illegale Arbeit gab, spätetens nach dem Verbt gab's eh nur noch illegale Arbeit.
Einheitsfronten gabes teilweise ja in kleinerem Rahmen, auch durch die Kritiker um Thalheimer Brandler, die mit der KP-Opposition kleinere Einheitsfronten aufbaute, u.a. auch mit der SAP.

Es stimmt, dass die KPD ihre Position nicht in Mehrheiten umsetzen konnte. Sie hatte über 300.000 Mitglieder, sicher die Wählerzahlen waren nicht gering, aber das sagt noch wenig über die Bewußtseinsverankerung aus. Das Zentralorgan der KPD hatte eine geringere Auflage als die Mitgliedszahl. (Die Zahl der RFB-Mitglueder blieb deutlich hinter der der KPD zurück) Die AIZ soll gerade mal 1/2 Millionen - Auflage in ihren Hochzeiten gehabt haben.
Es müssen aber Fragen erlaubt sein, warum es soweit kommen konnte, warum die KPD nicht verhindern konnte was passierte, hier geht es auch um die Aufdeckung eigener Fehler.


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: So 26. Apr 2009, 15:15 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Also, dass die SPD (damit wäre dann ja auch die Basis gemeint) nur an legalen Kampf gedacht hätte, halte ich für falsch.


Von der Basis habe ich nicht geredet, sondern von der Führung. Die Parteiführung der SPD hat zu Beginn der dreißiger Jahre unmißverständlich klargemacht, daß sie ausschließlich legal gegen die NSDAP ankämpfen werden. Das war verbunden mit dem klaren Bekenntnis zur Weimarer Republik. Was im übrigen die Basis angeht, da ist es natürlich auch ein frommes Märchen, daß die SPD eine unverrdorbene Parteivolk hatte. Die Regel war seit 1919 ganz klar: Wer revolutionäre Ziele verfolgte, hielt sich nicht an die SPD, sondern links von ihr. Um 1933 waren diejenigen, die in der SPD auch illegalen Widerstand wollten, auch an der Basis sehr dünn vertreten. In der Führung gab es niemanden, an der Basis wenige.

Zitat:
Dergleichen haben Ruth Fischer und CO (also die Kräfte die in Deutschland die Sozialfaschismus-Theorie (mit-)verbreiteten auch immer als Legitimation ihrer Thesen behauptet (die Sozialfaschismustheorie wurde ja bis 1934 aauch von der KI verbreitet).


Ruth Fischer ist bereits 1926 aus der Partei ausgeschieden, spielt also bei der Frage um die Machterfreifung der Nazis keine Rolle. Hauptverantwortlich für die Durchsetzung der Sozialfaschismusthese war in der KPD Ernst Thälmann, hauptverantwortlich insbesondere auch in der Zeit, als die NSDAP an Einfluß gewann und schließlich die Mehrheit ergriff. Es ist schon etwas merkwürdig, daß du ausgerechnet den (übel beleumundeten) Namen Ruth Fischers ins Spiel bringt, obgleich RF mit der Sache, um die es hier geht (Machtergreifung der Nazis) nichts zu tun hatte, und zugleich den (gut beleumendeten) Namen Ernst Thälmanns, der der hauptverantwortliche Funktionär der KPD in dieser Zeit war, aus dem Spiel läßt. Ich sage ja nicht, daß man Thälmann nicht kritisieren kann, nur wenn du es tust, solltest du es auch offen tun.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Mo 27. Apr 2009, 22:10 

Beiträge: 132
Hallo Numa, ok, Du meintest Die Führung wenn Du SPD geschrieben hast.
Ich finde die Äußerungen der SPD-Führung nicht so eindeutig wie Du es darstellst, auch wenn ich denke dass die Hauptrichtung so ausgerichtet war, wie du es schreibst. Es gibt aber auch Sätze wie den folgenden: „Jeder Versuch der Regierung, ihre Macht gegen die Verfassung anzuwenden oder zu behaupten, wird auf den äußersten Widerstand der Arbeiterklasse und aller freiheitlich gesinnten Volkskreise stoßen. Zu diesem entscheidenden Kampf sind alle Kräfte bereitzuhalten“ (Aufruf des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion der SPD vom 30.01.1933). Zitiert nach Geschichte der deutschen Sozialdemokratie, Pahl-Rugenstein; geschrieben u.a. von Georg Fülberth. In diesem Buch wird z.B. auch etwas zum Widerstand der SPD geschrieben. Mir geht es auch nicht darum ihn als Ideal darzustellen oder besonders hervorzuheben, aber man muss schon realistisch sehen, dass es auch kleine Formen des Widerstands aus sehr unterschiedlichen Lagern gab.

Zu Ruth Fischer: ich habe nicht geschrieben, dass sie nach 1926 in der KPD war, sondern dass sie die Theorie (mit-)verbreitet hat. Und das die KI diese These AUCH vertreten hat.
Die ersten Thesen zum Sozialfaschismus gab es, nach meinen Kenntnissen von Sinowjew im Jahre 1924. Ruth Fischer hatte zu ihm guten Kontakt (wenn meine Informationen stimmen), auch nach 1926. Argumentationslinien ihrer diesbezüglichen Vorstellung findet man auch in ihren RGO-Theorien usw. Natürlich ist es bei der Kritik an der Sozialfaschismustheorie unerlässlich die Verantwortung der politischen Führung in der Zeit nach 1928 (als die KI sich so positionierte) entsprechend zu kritisieren. Somit ist es richtig was Du diesbezüglich zu Thälmann schreibst. Aber ich würde auch nicht sagen, dass 1928 aus dem Himmel gefallen ist, sondern, dass die Verankerung solcher Theorien schon früher begann, in der Zeit von Fischer und Co.


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Mo 27. Apr 2009, 22:14 

Beiträge: 132
PS: Wie Du sicher weist war Heinz Neumann einer der politischen Köpfe in der KPD, Neumann gehörte zunächst um den "linken" Flügel in der KPD um Fischer zusammen...


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Di 28. Apr 2009, 07:15 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
„Jeder Versuch der Regierung, ihre Macht gegen die Verfassung anzuwenden oder zu behaupten, wird auf den äußersten Widerstand der Arbeiterklasse und aller freiheitlich gesinnten Volkskreise stoßen. Zu diesem entscheidenden Kampf sind alle Kräfte bereitzuhalten“ (Aufruf des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion der SPD vom 30.01.1933).


Aber genau das bedeutet, daß die SPD nicht mit illegalen Mitteln arbeiten wollte. Anders als die KPD wollte sie auf dem Boden der Verfassung bleiben. Beispielhaft hiefür ist ihr Verhalten hinsichtlich der Ermächtugunggesetze. Allein schon, daß die SPD-Abgeordneten zur Abstimmung erschienen sind, zeigt ihr Bestreben, keinen anderen als legalen Widerstand zu leisten.

Was dann die Reste der SPD nach der Machtergreifung der Nazis gemacht haben, ist eine andere Sache. Nachdem die SPD verboten, vergolgt usw. war, blieb ja nun schlechterdings keine andere Möglichkeit mehr als illegale Opposition.

Fakt jedenfalls ist - und darin sind wir ja einig -, daß die SPD sowohl mehrheitlich als auch von ihrer Führung her auf dem Boden der Verfassung bleiben wollte und illegalen Widerstand erst dann geleistet hat, als sie selbst in die Illegalität gedrängt wurde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Do 30. Apr 2009, 09:28 
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Kleine Randnotiz zum Thema:

Nick Brauns: "SPD läßt schießen"

http://www.jungewelt.de/2009/04-30/004.php

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Do 30. Apr 2009, 09:36 
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Beiträge: 4023
NumaPompilius hat geschrieben:
Nick Brauns


Bei dem Namen klingelt was bei mir...

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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Mi 13. Mai 2009, 12:22 

Beiträge: 132
Hallo, wie gesagt, ich denke es gab Widersprüchliche Aussagen. Dass aber zumindest eine Mehrheit in der SPD-Führung sehr lange am legalen Kampf festhielt ist Fakt. Aber es gab auch Gegentendenzen, wie z.B. in der SAJ-Berlin, die sich auf die Illegalität vorbereitet hat… Aber man sollte auch berücksichtigen, dass es neben KPD und SPD noch einige andere Gruppen gab, auch wenn diese kleiner waren.

Übrigends das mit dem Festhalten am legalen Kampf, war keine neue Erfindung. Im Gothaer-Programm wurde daran ja auch festgehalten (und das Programm wurde ja auch von W. Liebknecht zumindest mitgeschrieben)… der Fehler wurde auch erst sehr spät korrigiert; Marx Kritik am Gothaer-Programmentwurf wurde ja auch erst sehr spät veröffentlicht. Zu der Zeit gab es längst auch illegalen Kampf (in der Zeit der Sozialistengesetzgebung).
Progress


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Fr 12. Jun 2009, 21:37 

Beiträge: 55
Hallo,

über "Sozialfaschismus" braucht man sich ja wirklch nicht zu unterhalten.
Bei wenig geringem geistigen Gemüht dürfte es ja klar sein, was die SPD für Verbrechen in den Zeiten von 1913 bis 1933 am germanischen Volke und deren Arbeiterklasse begangen hat. Mir ist jedenfalls kein Polizeipräsident der KPD bekannt, der auf sozialdemokratische Arbeiter hat schießen lassen.
Auch ist in der Geschichte nicht überkiefert, das ermordete Sozialdemokraten im Landwehrkanal gefunden wurden.
Und Noske http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Noske brachte ja nun auch nur Gutes von der SPD.

Stark bleiben!


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 Betreff des Beitrags: Re: Einheitsfronttaktik der KPD vor 1933 / Sozialfaschismus
BeitragVerfasst: Sa 18. Jul 2009, 13:25 

Beiträge: 132
Also du begründet die Sozialfaschismustheorie damit, das die Polizei des sozialdemokratisschen Polizeipräsidenten in Berlin auf Arbeiter geschossen hat? Dadurch wird die SPD dann zu einer faschistischen Partei? wie deffinierst Du den faschistisch?
Was bedeutet Deine Einschätzung für die historische Situation? War es richtig oder falsch ein Einheitsfrontangebot an die in Deinen Agen sozialfaschistische Partei zu richten?


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