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 Betreff des Beitrags: Was Trotzki wirklich wollte.
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 02:45 
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Beiträge: 4023
Das muss man sich wirklich mal durchlesen!

Quelle: Prozessbericht über die Strafsache des sowjetfeindlichen trotzkistischen Zentrums, 1937

WYSCHINSKI: Sie sagten, dass im Dezember 1935 auch ein zweiter Brief eintraf. Erzählen Sie darüber.

RADEK: Diesen Brief erhielt ich in den ersten Dezembertagen, das war schon keine politische Mitteilung mehr, wenn auch programmatisch prinzipieller Natur, sondern es war ein Entwurf eines Programms dieser zweiten Variante.

WYSCHINSKI: Da wir gestern davon gehört haben, glaube ich, wird auch das Gericht keine Einwände dagegen haben, man muss das Wesentliche sagen.

RADEK: Das Wesentliche ist erstens die internationale Perspektive. Sie besteht darin, dass der Sieg des deutschen Faschismus eine Periode der Faschisierung Europas und den Sieg des Faschismus einleitet, in den andern Ländern eine Niederlage der Arbeiterklasse und das Fehlen revolutionärer Perspektiven bis zu irgendeinem Umschwung, den irgendein internationaler Krieg hervorrufen kann, das ist erstens. Zweitens war das Wesentliche, dass zwei Varianten aufgestellt wurden.

WYSCHINSKI: Davon war gestern die Rede.

RADEK: Die erste Variante war eine für ihn nicht reale Variante - ohne Krieg an die Macht zu gelangen.

WYSCHINSKI: Das heißt ohne Niederlage.

RADEK: Also blieb als reale Variante übrig, auf Grund der Niederlage zur Macht zu gelangen. Und dieses Zurmachtgelangen auf Grundlage der Niederlage bedeutete für ihn, dass während Trotzki dort und wir hier in Moskau bis zu dieser Zeit von einem ökonomischen Rückzug auf der Basis des Sowjetstaates gesprochen hatten, so kam in diesem Brief eine grundlegende Wendung zum Ausdruck. Denn erstens meinte Trotzki, dass als Resultat der Niederlage territoriale Zugeständnisse unvermeidlich sind, wobei er bestimmt die Ukraine nannte. Zweitens war von einer Aufteilung der UdSSR die Rede. Drittens sah er vom ökonomischen Standpunkt aus solche Folgen der Niederlage voraus: nicht nur sollten die für die kapitalistischen Staaten wichtigen Industrieobjekte in Konzession gegeben werden, sondern auch wichtige ökonomische Objekte, welche die kapitalistischen Elemente namhaft machen würden, sollten ihnen übergeben, als Privateigentum verkauft werden. Trotzki rechnete mit Obligationsanleihen, d. h. der Zulassung des ausländischen Kapitals zur Ausbeutung jener Betriebe, welche formell in den Händen des Sowjetstaates verbleiben.
Auf dem Gebiete der Agrarpolitik stellte er vollkommen klar die Frage, die Kollektivwirtschaften müssen aufgelöst werden, und machte den Gedanken geltend, dass die Traktoren sowie die anderen komplizierten landwirtschaftlichen Maschinen den Einzelbauern zwecks Wiederherstellung einer neuen Kulakenschicht zur Verfügung gestellt werden sollten. Schließlich wurde die Frage der Notwendigkeit einer Wiederherstellung des Privatkapitals in der Stadt vollkommen klar gestellt. Es war klar, dass von der Restauration des Kapitalismus die Rede war.
Neu war in diesem Briefe im politischen Sinn die Fragestellung der Macht. Trotzki sagte in dem Brief: Von einer Demokratie kann keine Rede sein. Die Arbeiterklasse hat 18 Jahre Revolution hinter sich und hat einen Riesenappetit; nun soll der Arbeiter teils in Privatbetriebe, teils in staatliche Betriebe zurückgebracht werden, in Betriebe, welche sich im Zustande heftigster Konkurrenz mit dem Auslandskapital befinden werden. Das heißt also, dass eine schroffe Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse eintreten wird. Auf dem Lande wird der Kampf der armen und mittleren Bauernschaft gegen das Kulakentum wieder aufleben. Und darum wird, um sich zu behaupten, eine feste Macht notwendig sein, unabhängig davon, durch welche Formen das verschleiert wird.
Wenn Sie eine historische Analyse ziehen wollen, so nehmen Sie die Analyse mit der Macht Napoleon I. und durchdenken Sie diese Analogie. Napoleon I. bedeutete keine Restauration - die Restauration kam später -, das war der Versuch, die Haupterrungenschaften der Revolution zu erhalten, was von der Revolution erhalten werden konnte. Das war das Neue. Trotzki legte sich Rechenschaft darüber ab, dass der Faschismus, dank welchem der Block an die Macht gelangen kann, Herr der Lage sein wird, und zwar einerseits der deutsche Faschismus und anderseits der Militärfaschismus eines anderen, fernöstlichen Landes.
Das Neue an den praktischen Schlussfolgerungen bestand darin, dass speziell diese Tätigkeit, nämlich die Schädlingsarbeit, mit dem Partner verabredet werden musste, mit dessen Hilfe der Block einzig und allein an die Macht gelangen konnte.
Schließlich bestand das Neue darin - das war aber nicht das Wesentliche, sondern nur ein Deckmantel - die Aufstellung einer solchen Perspektive, dass man auf alles werde eingehen müssen, dass es aber, wenn wir am Leben und an der Macht bleiben, dank dem Sieg dieser zwei Länder, dank dem. was sie zusammenrauben und zusammenraffen werden, zwischen ihnen und den anderen zu einer Keilerei kommen werde - und dann werde unsere neue Entwicklung, unsere Revanche einsetzen. Das war aber jedoch eine rein literarische Perspektive. Das ist das Wesen dieser ersten Direktive.
Es war noch etwas sehr Wichtiges in dieser Direktive, nämlich die Formulierung, dass die Angleichung der sozialen Ordnung der UdSSR an jene der faschistischen Siegerländer unausbleiblich ist, wenn wir uns überhaupt behaupten wollen. Eben dieser Gedanke der Angleichung, der ein Pseudonym für die Restauration des Kapitalismus war, war das spezifisch Neue, das uns sofort in die Augen sprang, als wir diese Direktive erhielten.

WYSCHINSKI: Wenn wir also den Inhalt dieses Briefes kurz zusammenfassen, worauf laufen dann die Hauptpunkte hinaus?

RADEK: Wir verharrten auf dem Standpunkt von 1934, dass die Niederlage unausbleiblich ist.

WYSCHINSKI: Und was für eine Schlussfolgerung wurde daraus gezogen?

RADEK: Die Schlussfolgerung aus dieser unausbleiblichen Niederlage ist, dass jetzt klar die Frage der Restauration des Kapitalismus vor uns aufgerollt wurde.

WYSCHINSKI: Das bedeutet also, dass diese Restauration des Kapitalismus, die von Trotzki als Angleichung der sozialen Ordnung der UdSSR an die anderen kapitalistischen Länder bezeichnet wurde, als unausbleibliches Resultat eines Abkommens mit ausländischen Staaten gedacht war.

RADEK: Als unausbleibliches Resultat der Niederlage der UdSSR, ihrer sozialen Folgen sowie des auf der Grundlage dieser Niederlage zu treffenden Abkommens.

WYSCHINSKI: Weiter?

RADEK: Die dritte Bedingung war für uns die neueste, nämlich an Stelle der Sowjetmacht das aufzurichten, was er die bonapartistische Macht nannte. Für uns war es klar, dass das der Faschismus ohne eigenes Finanzkapital ist, der einem fremden Finanzkapital dient.

WYSCHINSKI: Die vierte Bedingung?

RADEK: Die vierte Bedingung besteht in der Aufteilung des Landes. Die Ukraine sollte an Deutschland abgegeben werden; an Japan das „Primorje“-Gebiet und das „Priamurje“-Gebiet.

WYSCHINSKI: War damals von irgendwelchen anderen wirtschaftlichen Zugeständnissen die Rede?

RADEK: Ja, es wurden jene Entscheidungen erweitert, von denen ich bereits sprach. Die Bezahlung einer Kontribution in Form von Lebensmittel-, Rohstoff- und Fettlieferungen auf lange Jahre hinaus. Ferner sollte den Siegerländern ein bestimmter Prozentsatz ihres Anteils am Sowjetimport gesichert werden, wobei Trotzki ursprünglich keine Ziffern nannte, sich aber später bestimmter darüber äußerte. All das zusammen bedeutete eine vollkommene Unterjochung des Landes.

WYSCHINSKI: War von dem Sachalin-Erdöl die Rede?

RADEK: Was Japan anbetrifft, so wurde darüber gesagt, dass man ihm nicht nur das Sachaliner Erdöl geben solle, sondern es für den Kriegsfall mit den Vereinigten Staaten von Amerika mit Erdöl versorgen müsse. Es wurde auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, der Eroberung Chinas durch den japanischen Imperialismus keinerlei Hindernisse in den Weg zu stellen.

WYSCHINSKI: Und hinsichtlich der Donauländer?

RADEK: Über die Donau- und Balkanländer schrieb Trotzki in seinem Brief, dass eine Expansion des deutschen Faschismus stattfinde und dass wir dieser Tatsache nichts in den Weg stellen sollten. Es handelte sich natürlich um den Abbruch unserer sämtlichen Beziehungen zur Tschechoslowakei, die diesem Lande einen Schutz gewähren könnten.

WYSCHINSKI: In diesen sechs Bedingungen bestand also der ganze Inhalt dieses Briefes vom Jahre 1935?

RADEK: Ja.

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Der Marxismus ist allmächtig – weil er wahr ist. (E.C.)

“Die Stellung zum Vermächtnis Willi Dickhuts ist der Prüfstein für den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!” (RF/MLPD)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was Trotzki wirklich wollte.
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 02:45 

Beiträge: 462
Dieser Brief offenbart die logische Fortsetzung der rechten wie linken Abweichung der KPDSU. Der Kampf gegen die Partei mündet in der Widerherstellung des Kapitalismus. In dieser historischen Situation hätte das besonders schlimme Folgen gehabt, denn wäre mit der Öffnung zum Imperialismus gleich seine schlimmste Ausgeburt in das haus gekommen - der Faschismus in Form des deutschen Nationalsozialismus und des chauvinistischen japanischen Faschismus. Die kalkulierte miltärische Niederlage in einem Angriffsfall hätte das Todesurteil für das russische, alle anderen slawischen Völker sowie aller in der Sowjetunion lebenden Juden, Sinti und Roma etc. gebracht. Schließlich war es das Ziel der deutschen Eroberer nicht nur die Sowjetherschaft zu stürzen sondern auch die Bevölkerung systematisch zu ermorden um Platz für "Neuansiedlungen" zu schaffen. Das Ausführen dieses Generalplan Ost hätte wohl Todesopfer in zweistelliger Millionenhöhe gefordert, wenn nich gar in dreistelliger.
Natürlich beurteile ich das mit meinem heutigen Wissen doch wäre das eine realistische Folge gewesen.
Gibt es noch weitere Beweise für Trotzkis Vorhaben?


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 Betreff des Beitrags: Re: Was Trotzki wirklich wollte.
BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 02:45 
Literat

Beiträge: 2947
Zitat:
Gibt es noch weitere Beweise für Trotzkis Vorhaben?[/QUOTE]

Gibt es, soweit ich weiß, nicht. Stalin hat zu Fechtwanger gesagt, daß es nicht zu den Gewohnheiten von Verschwörern gehöre, Beweise offen herumliegen zu lassen. Im Grunde ist ja auch diese Aussage Radeks kein Beweis, sondern lediglich eine Aussage. Im Grunde könnte auch jener Brief Trotzkis, eine Fälschung sein. So wie ja auch der von Stalin unterzeichnete Katyn-Befehl eine Fälschung sein könnte. Man kann, wenn man die nötigen Mittel hat und an der Macht ist, eine Menge fälschen. Entscheidend bei der Beurteilung solcher Sachverhalte ist, daß man zu unterscheiden versteht zwischen notwendigen und nicht zwingenden Vorgängen.
Bezogen auf Radeks Aussage: Diese in dem Brief vertretene Positionierung ist die endliche Konsequenz aus der von den Trotzkisten geforderten Politik des Rückzugs. Für uns, die wir nicht beweisen können, ob Radek hier die Wahrheit sagt, ist also nicht entscheidend, ob Trotzki diesen Brief tatsächlich geschrieben hat - denn das, wie gesagt, werden wir nie erfahren - sondern ob er ihn geschrieben haben könnte.

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Der Hunsch wars!


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