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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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BeitragVerfasst: So 25. Mär 2007, 02:16 
Literat

Beiträge: 2947
Ich habe gerade im Anonymen Forum einen Faden angelesen, in dem ein selbsternannter Trotzkist kundgab, er wolle sich hier ein wenig mit den Mitgliedern dieses Forums "battlen". - Was immer er damit ausdrücken wollte, diskutieren kann es nicht gewesen sein. Natürlich denkt er, Stalinisten sind leichte Beute, weil sie allerlei Lügen glauben. Mag ja auch stimmen, zum Teil. Nur daß Trotzkisten schon allein, um weiter an ihren Dogmen festhalten zu können, quasi berufsmäßig schlecht informiert sein müssen, das ist ein Umstand, der zwar allen anderen klar ist, nur eben ihnen selbst nicht. Unwissenheit ist ihre stärkste Waffe und es gehört zum Geschäft der Unwissenheit auch eine Unwissenheit über die Unwissenheit zu haben.

Ich werde schon wieder lang? Und wozu ich das hier schreibe?

Nun, unser Trotzkist hat sich, bevor der ganze Faden zurecht gelöscht worden ist, in die Behauptung verstiegen, der "Sozialismus in einem Land" sei eine Erfindung von Stalin, während Lenin so eine Art Vordenker für den großen Trotzki war. Vergessen hatte er, noch zu erwähnen, daß Stalin Lenin umgebracht hat und Trotzki anschließend daran hinderte, zur Beerdigung zu erscheinen. Auf diese Weise ward Lenin denn daran gehindert, gegen Stalin den engen Schulterschluß mit seinem Meisterschüler Trotzki zu üben. Lenin und Trotzki, genaugenommen waren sie doch ein und dieselbe Person. - Dann hätten wir es zusammen, das trotzkistische Weltbild. Unser Freund wäre sicher in den folgenden Posts mit letzterem auch noch rausgekommen.

Aber holen wir doch unsere Nadel hervor und zerstechen den Luftballon, den er so schön aufgeblasen hat; und lassen wir dies doch den Onkel Kurt erledigen:
Zitat:
Der Zusammenbruch der europäischen sozialistischen Länder und vor allem der Sowjetunion wird als "Beweis" für die Richtigkeit der trotzkistischen These von der Unmöglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande ins Feld geführt, wobei gewöhnlich verschwiegen wird, dass es Lenin war, der 1915 erstmals die These von der Möglichkeit des Sozialismus in einem Lande niederschrieb. Bekanntlich stellte Lenin damals in einem Artikel "Die Vereinigten Staaten von Europa"11 fest: "Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus zunächst in wenigen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist." Trotzki, seit Jahren schon einer der verbissensten Gegner Lenins, widersprach sofort mit der Feststellung, es sei aussichtslos zu glauben, "dass zum Beispiel ein revolutionäres Russland einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten ... könne".12

Stalin, nach der Behauptung heutiger Trotzkisten angeblich der Erfinder der These von der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande, hat in Wirklichkeit diese Leninsche These gegen Trotzki verteidigt. "Was bedeutet die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande? Das bedeutet die Möglichkeit, die Gegensätze zwischen Proletariat und Bauernschaft mit den inneren Kräften unseres Landes zu überwinden, die Möglichkeit, dass das Proletariat die Macht ergreifen und diese Macht zur Erringung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft in unserem Lande ausnutzen kann, gestützt auf die Sympathien und die Unterstützung der Proletarier der anderen Länder, aber ohne vorherigen Sieg der proletarischen Revolution in anderen Ländern.

Was bedeutet die Unmöglichkeit des vollen endgültigen Sieges des Sozialismus in einem Lande ohne den Sieg der Revolution in anderen Ländern? Das bedeutet die Unmöglichkeit einer vollständigen Garantie gegen die Intervention und folglich auch gegen die Restauration der bürgerlichen Ordnung, wenn die Revolution nicht wenigstens in einer Reihe von Ländern gesiegt hat."13

Stalin hat aber nicht nur Lenins These verteidigt, die KPdSU hat unter seiner Führung durch den sozialistischen Aufbau und die Behauptung der Sowjetmacht gegen die faschistischen Aggressoren den Beweis für die Richtigkeit dieser Leninschen These erbracht.

Dagegen wurde Trotzki ebenso oft von der Geschichte widerlegt, wie er den Zusammenbruch der Sowjetmacht vorausgesagt hat, und das geschah fast in jedem Jahr mehrfach. Eine seiner letzten derartigen Voraussagen, veröffentlicht am 23. Juli 1939, lautete: "Das politische Regime wird einen Krieg nicht überleben."14

Der Wunsch war eindeutig der Vater dieser Prophezeiung!

Dies sprach so deutlich aus allen Äußerungen Trotzkis aus jenen Jahren, dass der deutsche bürgerliche Schriftsteller Lion Feuchtwanger daraus die Schlussfolgerung zog: "Was also war wohl die ganzen Jahre der Verbannung hindurch, was muss heute noch Trotzkis Hauptziel sein? Wieder ins Land hinein, um jeden Preis wieder an die Macht kommen." Selbst um den Preis der Zusammenarbeit mit den Faschisten: "Wenn Alkibiades zu den Persern ging, warum nicht Trotzki zu den Faschisten?"15 (Auch Feuchtwanger war Augen- und Ohrenzeuge eines der Moskauer Prozesse, des zweiten, gegen Radek, Pjatakow und andere, Januar 1937.)

11 Lenin; Werke, Bd. 21, S. 345.
12 Trotzki, Schriften, Bd. III, Teil 1, S. 89 f.
13 Stalin, Werke, Bd. 8, S. 58.
14 Leo Trotzki, La lutte antibureaucratique en URSS, Paris 1976, S. 257, zit nach: Ludo Martens, Un autre regard sur Staline, Version non-définitive, Bruxelles 1993, S. 133.
15 Lion Feuchtwanger, Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde. Erstmals erschienen 1937 im Querido Verlag, Mexico; Neuauflage im Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 1993, S. 89.[/QUOTE]

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 Betreff des Beitrags: Re: permanent, permanenter, am permanentesten
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:18 

Beiträge: 236
Also ich such ja immer noch nen Trotzkisten, der mir erklären kann warum aus dieser Frage überhaupt so nen Hehl gemacht wird.
Entweder wir haben die Weltrevolution oder siegen in einem Land, in jedem Fall müssen wir versuchen, den Sozialismus so weit wie möglich aufzubauen oder wollen die Trotzkis mir nach der Revolution sagen, tja tut uns auch leid, aber im Rest der Welt haben wir Kommis nich gewonnen, die Amis wollen lieber den Kapitalismus, deswegen war der Kampf und die Revolution, deine Opfer umsonst, aber du kriegst ne soziale Marktwirtschaft, mehr ist aus der Arbeitermacht hier nicht rauszuholnen, obwohl sie Revolution ausgeführt hat.
Mensch so dumm können die Trotzkis doch auch nich sein, dass die sich diese Frage nicht stellen, der Austrmarxist den ich in meiner Not ob dieser Tatsache diesebzüglich um Auskunft bat hat nich geantwortet. Aber dabei ist meine Darstellung oben doch von so einfacher und bestechender Logik, finde ich.


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 Betreff des Beitrags: Re: permanent, permanenter, am permanentesten
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:19 
Literat

Beiträge: 2947
Doch, sie können so dumm sein. Die wenigsten von ihnen machen das doch bei vollem Bewußtsein. Das sind zumeist junge Leute oder naiv gebliebene ältere. Die brauchen griffige Leitsätze, weil sie anders sich im Irrgarten der Politik nicht zurechtfinden können. Und da kommt eine Phrase wie Weltrevolution durchaus besser an als der Sozialismus in einem Land. Hinzu kommt dann sicherlich, daß es aufgrund der öffentlichen Meinung weniger verfänglich ist, sich zu Trotzki zu bekennen denn zu Stalin.

Es ist ja sattsam bekannt, daß Trotzkis Theorie ein improvisiertes Elaborat ist, daß das alles auf seine ursprüngliche Voraussage zurückgeht, der Sozialismus könne sich in weniger entwickelten Ländern ohne die Hilfe der westlichen Industrieländer nicht durchsetzen. Diese Vorstellung hat sich als falsch erwiesen, und Trotzki war nicht nüchtern genug, sich von ihr zu lösen. Im Gegenteil kündigte er bis zu seinem Tod immer so einmal im Quartal den unmittelbar bevorstehenden Untergang des Sozialismus an. Vor seinen Augen wuchs das Ding immer stärker heran und er hatte nichts besseres zu tun, als sich Sorgen zu machen, ob diese just entstehende Wirklichkeit auch in sein vorgefertigtes Weltbild paßt. Da könnte man nun wahrlich viel zu schreiben. Was für Gründe Trotzkis Verhalten hatte und was für politische Konsequenzen. Aber das ist schon oft getan worden.

Man kann sich aber leicht vorstellen, daß bei einer solch schiefen Bewußtseinslage jede Menge Unsinn herauskommt. Ein Beispiel hierfür ist eben die von allen Trotzkisten fest geglaubte Behauptung, der Sozialismus in einem Land widerspräche der Weltrevolution. Sofern wir uns darüber verständigen, daß mit letzterem nicht die Theorie Trotzkis sonders das politische Vorhaben bezeichnet ist, ist eine solche Behauptung zwar barer Unsinn, aber eben eine notwendige Lüge, ohne die diese Leute ihr Weltbild schlecht bauen könnten.

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 Betreff des Beitrags: Re: permanent, permanenter, am permanentesten
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:19 

Beiträge: 236
Naja, nun sind keineswegs alle Trotzkisten dumm, Idioten gibbet bei denen wie bei uns, man sehe sich diesen Artikel des Funkens an, in dem über Umwelt und seinen Zusammenhang mit der Klassenfrage , Kapitalismus, Sozialismus geschrieben wurde:
http://www.derfunke.de/rubrik/programm/grundsatz.html
Keiner wird behaupten können, dass da nicht viel wahres drinne steht.

Natürlich schreibt man auch was zur Vergangenheit des Sozialismus:
„Zunächst einmal krankten die osteuropäischen Volkswirtschaften nicht daran, daß es Staatseigentum an Produktionsmitteln gab. Der Aufstieg der Sowjetunion vom halbfeudalen Staat zu einer modernen Wirtschafts- und Militärmacht trotz zweier verheerender Kriege beweist, was für eine Stärke eine Planwirtschaft trotz Behinderung durch ein totalitäres System entfalten konnte. Die mehr oder weniger in all diesen Ländern eingesetzte Zerschlagung und Privatisierung der Staatsbetriebe hat sich inzwischen sogar als großer historischer Rückschritt erwiesen, der das Lebensniveau der Mehrheit der Bevölkerung senkt.“
Der letzte Satz bringt es für mich auf den Punkt.
Wichtig ist für mich die Erkenntnis, dass Planwirtschaft ein effektives System ist und auch dessen Ausführung in der SU große Erfolge hatte. Wie unwichtig ist dagegen, zu wissen ob nun die Person Stalin das nun behindert hat oder nicht. Ich kenne mich insgesamt nicht so aus, aber in der Kollektivierung waren Stalins Ideen intelligent und nützlich. Wichtig ist, die SU hatte Erfolge und später Misserfolge, es lohnt sich mit ihr zu beschäftigen und aus ihren Fehlern für die Zukunft zu lernen, wenn wir Stalins Ideen in der Landwirtschaft umsetzen und sie sich als gut erweisen, wen kümmert es dann ob auch ein Bild von Stalin am Ministerium für Landwirtschaft hängt? Nicht mal Stalin selbst wenn es so etwas wie ne Himmel gibt, der freut sich am Sieg des Sozialismus schon genug, als dass das ihn betrüben könnten.


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 Betreff des Beitrags: Re: permanent, permanenter, am permanentesten
BeitragVerfasst: Di 10. Apr 2007, 00:19 
Moderator

Beiträge: 384
Ist natürlich prinzipiell was dran: Von mir aus sollen sie Stalin zum Antichristen erklären, Hauptsache, sie tun das richtige. Findet man bei Trotzkisten aber so gut wie nicht. Die gängigere trotzkistische Lesart ist die, nach der selbst der Imperialismus besser als Stalins Sowjetunion oder Ulbrichts DDR ist. Und damit möchte ich mich verständlicherweise nicht anfreunden.

Stalin wird, das habe ich schonmal geschrieben, durchweg positiv kaum noch zu haben sein. Er hat eben diesen Ruf, und wie immer sich die Geschichte noch entwicklen mag, so wird er doch über dieses "Ja, aber"-Niveau hinaus wahrscheinlich nie mehr gelobt werden. Siehe Bonaparte oder Cromwell oder Ähnliches.

Die Lehren müssen, das ist richtig, gezogen werden. Sie werden gezogen werden. Nicht nur aus Stalins UdSSR, sondern auch und vor allem aus Ulbrichts DDR. Aber die Erfinder zu ehren wird wohl nicht drin sein. Ist aber, wie gesagt, auch gar nicht so wichtig. Man wird nicht um sie herumkommen, so oder so.


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 Betreff des Beitrags: Re: permanent, permanenter, am permanentesten
BeitragVerfasst: Di 12. Jun 2007, 21:15 
Troll

Beiträge: 16
Nun hat Trotzki in seiner Schrift "Permanente Revolution" Stalin und andere wie ich finde recht hart kritisiert. Auch hat er am Aufbau des Sozialismus in einem Lande genörgelt. Man versetze sich in diese Zeit. Die Revolution, der Bürgerkrieg und die Interventionen waren gewonnen - nur die Weltrevolution blieb aus. Was blieb denn Stalin anders übrig, als den Weg im eigenen Lande fortzusetzen oder auf dem Halme zu verfaulen. Darüber habe ich bei o. g. Trotzkis Schrift leider auch keinen realistischen Ausweg gefunden.


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